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	<title>Aufklärung 2.0 &#187; Empirische Psychologie</title>
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	<description>Eine Oase der Vernunft</description>
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		<title>Aufklärung 2.0 &#187; Empirische Psychologie</title>
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		<title>Unentdeckt</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 14:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein falsches Wissenschaftsverständnis hat uns überzeugt, dass wir nicht mehr wären als unsere evolvierten Gehirne. Jedoch, so argumentiert Neurowissenschaftler und Philosoph Raymond Tallis im folgenden Gastbeitrag für Aufklärung 2.0, bereitet eine umfassendere Philosophie über den Menschen den Gegenschlag vor. . . . Aufgrund der Länge dieses Gastbeitrags empfehle ich entweder die PDF-Version: Raymond Tallis &#8211; [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9496&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p><a href="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/09/aping-mankind.jpg"><img class="alignleft" title="Raymond Tallis: Aping Mankind" src="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/09/aping-mankind.jpg?w=142&#038;h=210" alt="Raymond Tallis: Aping Mankind" width="142" height="210" /></a>Ein falsches Wissenschaftsverständnis hat uns überzeugt, dass wir nicht mehr wären als unsere evolvierten Gehirne.</p>
<p>Jedoch, so argumentiert Neurowissenschaftler und Philosoph Raymond Tallis im folgenden Gastbeitrag für <em>Aufklärung 2.0</em>, bereitet eine umfassendere Philosophie über den Menschen den Gegenschlag vor.</p>
<p><span id="more-9496"></span></p>
<p>.</p>
<p>.</p>
<p>.</p>
<p>Aufgrund der Länge dieses Gastbeitrags empfehle ich entweder die PDF-Version:</p>
<p><a href="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/09/raymond-tallis-unentdeckt.pdf">Raymond Tallis &#8211; Unentdeckt</a> (PDF)</p>
<p>oder die</p>
<p><a href="http://terryrotter.de/Unentdeckt%20Kindle%20-%20Raymond%20Tallis.mobi">mobi-Version für den <em>Kindle</em></a> (mobi)</p>
<p>Beides stelle ich kostenfrei zur Verfügung. Und nun zum Beitrag von Raymond Tallis:</p>
<p>Seit mehreren Jahrzehnten argumentiere ich gegen das, was ich „Biologismus“ nenne. Dies ist die Idee, aktuell vorherrschend in säkular-humanistischen Kreisen, dass Menschen essenziell Tiere wären (oder zumindest viel animalischer, als dies bislang angenommen wurde) und dass wir uns darum den biologischen Wissenschaften widmen müssten, und nur ihnen, um unser Verständnis der menschlichen Natur zu erweitern. In Folge meiner Kritik dieser Position wurde mir vorgeworfen, ein cartesianischer Dualist zu sein, der glaubt, dass der Geist eine Art Gespenst in der Maschine des Gehirns sei. Schlimmer noch: Es wurde behauptet, ich richte mich gegen den Darwinismus, gegen Neurowissenschaft oder gegen die Wissenschaft als solche. Am schwersten wiegt der Vorwurf, ich hätte insgeheim eine religiöse Agenda, wie manche behaupteten.</p>
<p>Um dies klarzustellen: Ich sehe die Neurowissenschaft (die mein eigenes Forschungsgebiet war) als eines der größten Monumente des menschlichen Intellektes an; ich halte den cartesianischen Dualismus für einen hoffnungslosen Fall; und ich glaube, dass Darwins Theorie von überwältigenden Belegen gestützt wird. Auch habe ich keine verborgene religiöse Agenda: Ich bin ein atheistischer Humanist. Und dies ist gerade der Grund, warum ich den Aufstieg des Biologismus mit solchem Schrecken verfolgt habe: Er ist die Konsequenz der weitverbreiteten Annahme, die einzige Alternative zu einem übernatürlichen Verständnis des Menschen sei ein streng naturalistisches, das uns nur als eine weitere Tierart ansieht und letzten Endes weniger als bewusste Agenten, denn als Materiefetzen, welche in die materielle Welt eingewoben sind.</p>
<p>Damit erweist man der Menschheit einen großen Bärendienst, weil ich denke, dass wir so viel mehr sind als talentierte Schimpansen. Die Analyse des „gewöhnlichsten“ Augenblickes im menschlichen Leben enthüllt Wissen, Fähigkeiten, Emotionen, Intuitionen, eine Vorstellung der Vergangenheit und der Zukunft und einer unendlich elaborierten Welt, die anderswo in der belebten Welt nicht anzutreffen sind.</p>
<p>Biologismus hat zwei Varianten: „Neuromanie“ und „Darwinitis“. Neuromanie entsteht aus dem Glauben, das menschliche Bewusstsein wäre in einigen Gehirnregionen identisch mit Nervenaktivität. Daraus folgt, dass man am besten herausfindet, was den Menschen wirklich ausmacht, wo unsere Überzeugungen herkommen, unsere Veranlagungen, unsere Moral und sogar unsere ästhetischen Genüsse, indem man einen Blick in die Gehirne von menschlichen Testpersonen wirft und dabei die neueste Scanner-Technologie einsetzt. Auf diese Art sollen wir lernen, was wirklich vor sich geht, wenn wir Erfahrungen haben, Gedanken denken, Emotionen fühlen, uns an Erinnerungen erinnern, Entscheidungen treffen, weise oder albern sind, das Gesetz brechen, uns verlieben und so weiter.</p>
<p>Die andere Variante ist Darwinitis, welche auf dem Glauben beruht, dass die Evolutionstheorie nicht nur den Ursprung der Spezies Homo sapiens erklärt – was sie natürlich tut – sondern auch, was Menschen heute sind; dass Menschen im Grunde nicht mehr sind als Organismen, die durch die Prozesse der natürlichen Selektion geformt wurden und nichts weiter.</p>
<p>Falls der Geist das Gehirn ist und das Gehirn ein evolviertes Organ (was es mit Sicherheit ist) dann folgt laut dieser Sichtweise, dass der menschliche Geist evolutionären Prinzipien unterworfen ist. Das egoistische Gen wird durch unsere Geist-Gehirne wirken, um die Wahrscheinlichkeit für das Überleben von Individuum oder Gruppe zu erhöhen. Bei dieser Arbeit assistieren ihm, wie einige Darwinitiker glauben, „Meme“. Diese sind „Einheiten der kulturellen Übertragung“ – wie „Toleranz für freie Rede“ oder „Stile der Architektur von Kathedralen“ – analog zu Genen (Einheiten biologischer Übertragung) – , deren einziger Zweck, wie der von Genen, die Fortpflanzung ist. Gene und Meme übertragen unterschiedliche Grade an Fitness auf Organismen, die ihre Vehikel sind (du und ich) und sie sind gleichermaßen der natürlichen Selektion unterworfen. Die Tatsache, dass wir bewusste Agenten sind, ist größtenteils irrelevant, abgesehen von ihrer Funktion als adaptive Illusion.</p>
<p>Diese Ideen konvergieren in diversen neuen „Wissenschaften“ wie Evolutionäre Psychologie. Die kleinen Wellen des Biologismus verbreiten sich weit und breit, sogar bis in die traditionellen Geistes- und Sozialwissenschaften. Neue Disziplinen mit Vorsilben wie „Neuro-“, „Evolutionär-“ oder „Neuro-Evolutionär-“ sind zunehmend im Trend, als würden geisteswissenschaftliche Akademiker nach anfänglichem Widerstand die Ansicht von E.O. Wilson übernehmen: „Soziologie und die anderen Sozialwissenschaften, inklusive der Geisteswissenschaften, sind die letzten Zweige der Biologie, die noch in die Moderne Synthese integriert werden müssen.“</p>
<p>Es gibt viele Gründe zu glauben, dass Neuromanie und Darwinitis nicht hinreichend erfassen können, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, und viele Gründe, ihre Umbenennung der Geisteswissenschaften in „Tierwissenschaften“ abzulehnen. Der wichtigste Grund für die Ablehnung des Biologismus lautet, dass er auf der falschen Annahme beruht, das menschliche Bewusstsein wäre identisch mit Gehirnaktivität und der Geist sei ein Bündel von „Apps“, die von der natürlichen Selektion auf uns übertragen wurden.</p>
<p>Niemand, der noch ganz bei Trost ist, würde leugnen, dass das Gehirn eine notwendige Bedingung von jedem Aspekt unserer Aufmerksamkeit ist, vom kleinsten Kitzeln einer Empfindung bis zum großartig konstruiertesten Selbstempfinden. Daraus folgt nicht, dass es sich um eine hinreichende Bedingung handelt. Der weitverbreitete Glaube, die Wahrnehmung eines Aufleuchtens des Gehirns, wenn zum Beispiel eine Person etwas erlebt, wäre identisch mit der Wahrnehmung des Erlebnisses, liegt in einer Verwechslung von Korrelation und Kausalität begründet und einer Verwechslung von Kausalität und Identität.</p>
<p>Hier ist das grundlegendste von vielen Problemen mit dieser Idee. Das Gehirn ist ein Stück Materie. Das Konzept eines materiellen Objekts, wie es die physikalischen Wissenschaften näher bestimmen, besteht ja gerade in etwas, das keine intrinsische Erscheinungsform hat. Denken Sie an einen Felsen: Man kann ihn sich von vorne ansehen, von hinten, von oben oder unten, von innen oder außen, von nahe dran oder aus einer Entfernung. Jede dieser Perspektiven ist assoziiert mit einer anderen Erscheinungsform und gewiss kann keine von ihnen die Erscheinungsform des Felsen an sich sein. Ohne Perspektiven gibt es keine Erscheinungsform. In der Abwesenheit von Bewusstsein hat Materie keine sekundären Qualitäten wie Farbe, Geruch, Wärme und so weiter. Noch weniger ist sie in der Lage (was eine zentrale Funktion des Bewusstseins ist), andere Dinge eine Erscheinungsform haben zu lassen – was passiert, wenn die Welt mir erscheint. Nur magisches Denken könnte die Fähigkeit, Dinge eine Erscheinungsform haben zu lassen, auf ein Stück Materie wie das Gehirn übertragen.</p>
<p>Wir müssen der Denkweise widerstehen und sie loswerden, welche hinter Darwinitis und Neuromanie steckt. Und an dieser Stelle wird es interessant.</p>
<p>Nachdem wir „einigen Müll, der dem Wissen im Weg liegt“, um John Lockes Ausspruch zu gebrauchen, weggeräumt haben, müssen wir uns einer positiven Herausforderung widmen: Wir müssen ein Verständnis davon formulieren, wer und was wir sind, ohne dem Szientismus zu erliegen, der die gesamte Welt, inklusive uns selbst, als Materiestücke ansieht, die letztlich den Gesetzen der materiellen Natur hilflos ausgeliefert sind; und ohne alternativ auf übernatürliche Geschichten zurückzufallen, wie es kommt, dass wir so anders sind. Die Arbeit an dieser Aufgabe hat bereits begonnen – vor allem seitens der Philosophen des Geistes, die aus der neuro-materialistischen Orthodoxie ausbrechen.</p>
<p>Philosophen wie Andy Clarke, Teed Rockwell, Alvin Noe und Michael Wheeler haben jenseits des (alleinstehenden) Gehirns nach dem Aufenthaltsort des Bewusstseins gesucht. Sie argumentieren, dass (um Rockwells Worte zu gebrauchen), „selbst die privatesten, subjektiven, qualitativen Aspekte des Menschen im Gehirn-Körper-Welt-Geflecht verkörpert“ seien. Für Philosophen, die mit der Vorstellung aufgewachsen sind, der Geist wäre die rechnerische Aktivität des Gehirns, ist diese „Maximierung [des] Geistes“ (um Andy Clarkes Ausdruck zu gebrauchen) schockierend heretisch. Doch die Entwicklung einer Kognitionswissenschaft, in welcher Gehirn, Körper und Welt ineinander greifen und Faktoren „außerhalb der Haut“ ein vollständiger kognitiver Status gewährt wird, fordert nur dann einen Widerspruch heraus, falls wir den unausweichlich relationalen Aspekt des Bewusstseins nicht sehen können, welcher mit der „Worüberkeit“ oder Intentionalität von Wahrnehmungen anfängt und in den komplexen Bezugsstrukturen von Überzeugungen, faktischem Wissen und normativem Sinn näher ausgeführt wird, die den Großteil unseres Bewusstseins ausmachen. Diese Beziehung kann nicht zu einer kausalen Interaktion zwischen einem Stück Materie (einem wahrgenommenen Objekt zum Beispiel) und einem anderen (einem Gehirn) reduziert werden. Durch Energie vermitteltes Auftreffen von A auf B (zum Beispiel das Licht, das in das Auge eintritt) erzeugt nicht die Erscheinung des Auftreffenden (das Objekt) auf das Gehirn (das Getroffene). Wenn eine Wolke über einem Pool vorüberschwebt, dann ist die Reflektion der Wolke im Pool nicht die Erscheinung der Wolke in dem oder für den Pool. Auf diese Weise lässt sich die Wahrnehmung unseres Daseins in der Welt nicht erzeugen.</p>
<p>Diese neue Philosophie ist ein ermutigender Beleg, dass das „kulturelle Zusammenzucken“ der Philosophie vor der Autorität der Wissenschaft, welche die Philosophie des 20. Jahrhunderts in der englischsprachigen Welt dominierte, endlich abnehmen könnte. Aber geht sie weit genug? Das Gehirn steht noch immer im Zentrum des Denkens vieler „Maximierer“. Einige Philosophen, welche von den unüberwindlichen Schwierigkeiten im aktuellen Denken über das Geist-Körper-Problem beeindruckt wurden, insbesondere David Chalmers und Galen Strawson, haben die Frage aufgeworfen, ob wir überhaupt mit dem Gehirn anfangen sollten, wenn wir nach einer Quelle des Geistes suchen. Vielleicht ist der Geist weiter verbreitet im Material, aus dem die Welt gemacht ist. Chalmers und Strawson haben auf unterschiedliche Art den „Panpsychismus“ adoptiert – die Idee, dass Bewusstsein und Aufmerksamkeit in den Stoff des angeblich materialistischen Universums selbst eingenäht sind. Chalmers hat argumentiert, dass Bewusstsein oder Proto-Bewusstsein so grundlegend sei für die materielle Welt wie Masse oder Ladung oder Spin. Und Strawson findet winzige Bewusstseinspäckchen in Elementarpartikeln.</p>
<p>Dies erzeugt für die Geist-Gehirn-Identitätstheorie (welche die Entstehung von Bewusstsein in einem bestimmten materiellen Objekt – dem Gehirn – nicht erklären könnte) das gegenteilige Problem; nämlich zu erklären, wie es kommt, dass so wenige Objekte ein Bewusstsein haben. Der überwältigende Teil des Universums scheint aus etwas zu bestehen, das noch weniger aufmerksam ist als der schläfrigste Mensch. Es ist unklar, wie sich der Staub des Proto-Bewusstseins im Falle einer Wesenheit wie mir zu einem selbstbewussten Agenten zusammenfügt, der in einer erfahrbaren Welt handelt, während er sich in Kieselsteinen nicht einmal zu einem Kribbeln zusammenfügt. Noch ist klar, worüber sich der „Bewusstseinsstaub“ bewusst wäre.</p>
<p>Ich erwähne diese Theorien, weil sie darauf hinweisen, dass jene, welche die Probleme mit der Geist-Gehirn-Identitätstheorie vollständig erfasst haben, nun bereit sind, außerhalb der aktuellen Orthodoxie zu denken, ohne dem Schmalz von Gurus auf den Leim zu gehen, obwohl für einige (vornehmlich Searle) der Panpsychismus genau das ist. Und sie haben den zusätzlichen Vorzug, sich nicht auf Quantenmechanik (QM) zu beziehen, um mysteriöse Eigenschaften des Bewusstseins zu erklären. Es wurde zum Beispiel vorgeschlagen, dass das Phänomen der „Quantenkohärenz“, das in den Membranen der Neuronen stattfinde, der Einheit des bewussten Augenblicks zugrunde liegen könne, in dem unzählige Sinneseindrücke, Wahrnehmungen, Gedanken, Emotionen und Erinnerungen zu einer subjektiven Einheit gehören. Erklärungen, die auf der QM aufbauen, teilen den Fehler des Panpsychismus – nämlich, dass sie nicht erklären, wie nur eine kleine Minderheit von Dingen im Universum (fühlende Wesen) ein Bewusstsein haben können, während der Rest keines besitzt. Die QM betrifft schließlich Kieselsteine ebenso wie die Materialien unseres Gehirns. Und QM-basierte Erklärungen haben ein ganz eigenes Problem: In der Abwesenheit einer Messung (eine Handlung eines bewussten Wesens) sind die grundlegenden Bestandteile des Universums unbestimmt; zum Beispiel bestimmt die Messmethode, ob ein grundlegender Materiebestandteil die Form einer Welle oder eines Teilchens annehmen soll. Ohne Messung ist es weder das eine, noch das andere. Kurz gesagt geht die QM von der gegebenen Existenz dessen aus, was sie zu erklären hat: Den bewussten Beobachter. Und (darf ich es sagen?) sich bei der QM nach Hilfe umzusehen ist recht seltsam angesichts der Tatsache, dass ihre größten Verteidiger (zum Beispiel Richard Feynman) sich einig sind, dass sie trotz ihrer atemberaubenden Effizienz bei der Vorhersage beobachteter Eigenschaften der Welt und ihrer führenden Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien, unverständlich ist.</p>
<p>Doch wenn sich der Rauchvorhang der Pseudo-Erklärungen von Neuromanie und Darwinitis aufzulösen beginnt, kommen wirklich interessante Fragen ans Tageslicht – vor allem über den grundlegenden Stoff oder die grundlegenden Stoffe, aus denen die Welt gemacht ist. Wir Atheisten haben einen guten Grund, ontologische Agnostiker zu sein und zu glauben, dass alles möglich ist. Wie Jerry Fodor (einer der führenden Vertreter der Computer-Theorien des Geistes) es ausdrückte: „Die Revisionen unserer Konzepte und Theorien, die irgendwann erforderlich sein werden, damit wir uns eine Lösung vorstellen können, werden wahrscheinlich sehr tiefgehend sein und sehr beunruhigend. Es gibt kaum etwas, von dem wir uns nicht vielleicht lösen müssen, bevor das harte Problem [des Bewusstseins] mit uns fertig ist.“</p>
<p>Bevor wir jedoch eine klarere Vorstellung haben über die Natur des Bewusstseins selbst, werden wir nicht in der Lage sein, tiefgründig genug über das spezifisch menschliche Bewusstsein nachzudenken. Dies veranschaulicht das neueste Buch des Neurowissenschaftlers V.S. Ramachandran, The Tell-Tale Brain, in dem er (berechtigterweise) versichert, dass „Menschen die Affen zum selben Grad hinter sich lassen wie das Leben profane Physik und Chemie hinter sich lässt“, dann aber trotzdem fortfährt zu erklären, die Unterschiede würden aus Spiegelneuronen resultieren (Neuromanie) und unsere Würdigung von Picasso ließe sich anhand der Präferenzen verstehen, die Silbermöwen für „übernormale Auslöser“ hätten (Darwinitis).</p>
<p>Kurz gesagt werden wir den Blick verlieren für den gewaltigen Unterschied zwischen uns und anderen Kreaturen, für unsere einzigartig bewusste Eigenschaft als Handlungsträger und dessen Bühne, für die unendlich komplexe menschliche Welt, die wir erschaffen haben, solange wir das Bewusstsein in das materielle Objekt in unserem Schädel quetschen. (Und wir werden noch schwerwiegender in die Irre geführt, wenn wir diesen Fehler verschärfen und getrennte zelebrale Quartiere der „Weisheit“, „Kreativität“ und all der Normen, Institutionen und abstrakten Bezugssysteme zuweisen, welche die gewöhnlichste Stunde unseres täglichen Lebens vom tierischen Leben absetzen.) Dies verleumdet nicht nur die Menschheit, sondern diskreditiert auch die Neurowissenschaft. Wir leiten, rechtfertigen und entschuldigen unser Verhalten nach allgemeinen und abstrakten Prinzipien; wir erschaffen die großen Artefaktlandschaften von Städten, Gesetzen und Institutionen, die der Natur unbekannt sind; unterhalten Theorien über unsere eigene Natur und über die materielle Welt; erzählen unsere Leben und setzen diese Erzählungen in Beziehung zu einer individuellen und geteilten Geschichte; und wir erforschen die Ordnung der Dinge und die Kausalitätsmuster und die physikalischen Gesetze, welche dieser Ordnung zugrunde liegen, systematisch.</p>
<p>Die Bedeutung davon für die Zukunft des Humanismus ist offensichtlich. Unsere Untersuchung des Menschen muss nicht von der Annahme eingeschränkt werden, wir würden unsere Besonderheit leugnen müssen, falls wir religiöse Erklärungen unserer besonderen Natur ablehnen. Im Gegenteil können wir die vollkommen offenkundigen Tatsachen unserer grundlegenden Unterscheidung selbst von unseren nächsten Primatenverwandten akzeptieren – etwas, das wir zu sehr für selbstverständlich zu halten neigen, wann immer wir es nicht leugnen – und anfangen, interessante Fragen zu stellen, wie wir so grundlegend anders geworden sind. Auf jeden Fall müssen wir nicht glauben, die einzige Alternative zu übernatürlichen Erklärungen des Menschen wären naturalistische, die Menschen als Teil der Biosphäre betrachten und ultimativ der materiellen Welt, an ihre Gesetze gebunden. Diese Annahmen herauszufordern und auf die Möglichkeit vollkommen anderer Perspektiven aufmerksam zu werden verspricht ein aufregendes intellektuelles, ja spirituelles Abenteuer zu werden. Im Augenblick sollten wir die Lücken in unserem Wissen und in unserem Verständnis ebensowenig mit pseudowissenschaftlichen Erklärungen stopfen, wie wir sie mit Göttern und ihren göttlichen Kräften füllen sollten. Es spricht viel dafür, sich von „Eicheln und Gras der Erkenntnis“ zu nähren (um Nietzsches pointierte Formulierung zu gebrauchen) für eine Wahrheit, die wir noch nicht entdeckt haben.</p>
<p>© Raymond Tallis/New Humanist</p>
<p>Quelle: <a href="http://newhumanist.org.uk/2633/undiscovered-by-raymond-tallis-julyaugust-2011">http://newhumanist.org.uk/2633/undiscovered-by-raymond-tallis-julyaugust-2011</a></p>
<p><strong>Raymond Tallis</strong></p>
<p><a href="http://www.raymondtallis.com/">Raymond Tallis</a> ist emeritierter Professor der geriatrischen Medizin. Er schrieb Lehrbücher über die Neurologie des Alters, bekam zwei Ehrendoktortitel für seinen Anteil an der wissenschaftlichen Literatur über Alterskrankheiten und er engagiert sich wie Terry Pratchett für <a href="http://www.dignityindying.org.uk/">Dignity in Dying</a>; eine britische Organisation, die für Sterbehilfe eintritt.</p>
<p>Tallis ist ein engagierter säkularer Humanist und Schriftsteller, der mit <a href="http://www.amazon.de/Enemies-Hope-Raymond-Tallis/dp/0312224176">Enemies of Hope</a> ein Standardwerk gegen die postmoderne Philosophie verfasste. In <a href="http://www.amazon.de/Why-Mind-Not-Computer-Neuromythology/dp/0907845940/">Why the Mind Is Not a Computer</a> argumentiert er gegen die Auffassung in weiten Teilen der Psychologie, der menschliche Geist wäre mit Computern zu vergleichen. <a href="http://www.amazon.de/Aping-Mankind-Neuromania-Darwinitis-Misrepresentation/">Aping Mankind</a> (2011) ist sein aktueller Versuch, Materialisten zu überzeugen, dass der menschliche Geist nicht auf Materie reduziert werden könne.</p>
<p><strong>Deutsche Übersetzung</strong>: Andreas Müller (siehe sein aktuelles Buch <a href="http://www.amazon.de/dp/B005MKD83O">Ist der Wald endlich tot?</a>); mit freundlicher Genehmigung von Raymond Tallis und Caspar Melville, Chefredakteur des <em>New Humanist</em>.</p>
</div>
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		<title>Sam Harris: Lying</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 20:50:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Neurowissenschaftler und Religionskritiker Sam Harris tritt nun auch dem Club der Kindle-Autoren bei. Sein neues Buch Lying gibt es exklusiv als Kindle-Single für 2,99 Euro. Wir Neuen Atheisten bekamen nämlich insgeheim alle von Gott den Auftrag, Kindle-Bücher für 2,99 Euro zu veröffentlichen! Auf jeden Fall habe ich mir das eBook sogleich gekauft und es gelesen&#8230; [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9464&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/09/sam-harris-lying.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-9465" title="Sam Harris Lying" src="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/09/sam-harris-lying-e1316627094153.jpg?w=645" alt=""   /></a>Der Neurowissenschaftler und Religionskritiker Sam Harris tritt nun auch dem Club der <em>Kindle</em>-Autoren bei. Sein neues Buch <em>Lying</em> gibt es exklusiv als <em>Kindle-Single</em> für 2,99 Euro. Wir Neuen Atheisten bekamen nämlich insgeheim alle von Gott den Auftrag, <em>Kindle</em>-Bücher für 2,99 Euro zu veröffentlichen!</p>
<p>Auf jeden Fall habe ich mir das eBook sogleich gekauft und es gelesen&#8230;<span id="more-9464"></span></p>
<p>Oh ja. Zur Feier des Tages gibts von mir eine Rezension von Sam Harris neuestem Werk. Ich hatte nämlich eine längere <a href="http://feuerbringer.com/2011/09/16/anleitung-wie-kauft-und-liest-man-kindle-bucher/">Diskussion</a> mit dem Kommentator &#8220;Rat&#8221;, der sich für mein eBook interessierte, aber davor zurückschreckte, weil er einen Reader von der Konkurrenz besitzt. Zum Glück hat meine Anleitung, wie er es trotzdem lesen kann, funktioniert und das Buch gefällt ihm obendrein:</p>
<blockquote><p>Ich habe mir das Buch jetzt gekauft und es hat alles genau so funktioniert wie du es beschrieben hast. Gelohnt hat es sich auch, das Buch gefällt mir bis jetzt sehr gut.</p></blockquote>
<p>Es ist am Ende doch ganz schön, wenn man eine Gute Nachricht (*hust*) zu hören bekommt.</p>
<p><strong>Viva la Recención!</strong></p>
<p>Wie der Titel <em>Lying</em> nahelegt, geht es um das Lügen. Sam Harris ist der Meinung, dass wir fast nie einen hinreichend guten Grund dazu haben, und dies gelte sogar für &#8220;weiße Lügen&#8221;, also kleine Notlügen (&#8220;dein Kleid ist wunderschön&#8221;). Er glaubt, wir würden individuell und gesellschaftlich erheblich davon profitieren, wenn wir nicht mehr lügen würden, außer in sehr seltenen Fällen, die den meisten Menschen niemals begegnen &#8211; man nehme das Standardbeispiel mit Anne Frank auf dem Dachboden und Nazis, die an die Tür klopfen und fragen, ob sie da sei.</p>
<p>Zu lügen bedeutet, andere absichtlich in die Irre zu führen, wenn sie eine ehrliche Kommunikation erwarten. Wahrheitsgemäß zu sprechen ist nicht unbedingt dasselbe wie die objektive Wahrheit zu sagen. Aber es bedeutet, das zu sagen, was man ehrlich für die Wahrheit hält. Wenn jemand sagt: &#8220;Ich habe gestern ein UFO gesehen&#8221; und er glaubt wirklich, eines gesehen zu haben, dann lügt er nicht, auch wenn es wahrscheinlich ein Flugzeug gewesen ist.</p>
<p>Sam Harris verwendet vor allem praktische Beispiele aus dem Alltag; darunter reale Beispiele aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Zum Beispiel: Eine Bekannte von ihm namens &#8220;Sita&#8221; wollte ihrer Freundin ein kleines Geschenk mitbringen, kam aber nicht mehr zum Einkaufen, und hat deshalb Badezimmerprodukte aus ihrem Hotelzimmer mitgenommen. Die Freundin war begeistert und fragte, wo sie die gekauft habe. &#8220;Wir haben sie gerade aus dem Geschenkeladen des Hotels mitgenommen&#8221;, antwortete Sita verlegen. &#8220;Nein, Mama, du hast sie aus dem Badezimmer!&#8221;, korrigierte sie ihr kleiner Sohn.</p>
<p>Das Vertrauen zwischen den Freundinnen hat dieses Ereignis sicher nicht gefestigt. Von Sita ist nun bekannt, dass sie lügen wird, wenn es ihren Zwecken dient. Laut Harris könnte man solche Probleme, die aus dem Lügen resultieren, einfach vermeiden, indem man stets die Wahrheit sagt.</p>
<p>Der Grund, warum Menschen kleine Lügen erzählen, besteht darin, dass sie peinliche Situationen vermeiden möchten und weil sie anderen nicht vor den Kopf stoßen wollen. Dies dient jedoch nur dem eigenen unmittelbarem Wohlbefinden. Man sagt damit aus, dass es das Gegenüber nicht verdient habe, über relevante Informationen zu verfügen. Wir schaden anderen Menschen mit Lügen, weil sie auf deren Grundlage handeln könnten.</p>
<p>Harris nennt das Beispiel, dass man einen Pullover von einer Freundin geschenkt bekommt, diesen aber nicht mag. Man kann dies ehrlich ausdrücken, ohne ihr zu sehr vor den Kopf zu stoßen. Man könnte etwa sagen: &#8220;Ich denke nicht, dass ich ihn tragen werde. Mein Stil erstreckt sich von langweilig bis sehr langweilig.&#8221;</p>
<p>Auf die Frage, &#8220;Sehe ich in diesem Hemd fett aus?&#8221; könnte man antworten: &#8220;Normalerweise siehst du nicht fett aus, aber das Hemd ist ungünstig.&#8221; Wenn sie wirklich fett ist, sollte man es ihr, insofern sie die Frage ernst meint, auf nette Art mitteilen. Schließlich hält sie sich womöglich für attraktiv und betont ihre Reize, um Männer anzulocken. Wenn dies nicht funktioniert, weiß sie nicht, warum, und sie glaubt vielleicht, es liege an ihrem Charakter. Abnehmen wäre leichter als die Persönlichkeit zu verändern.</p>
<p>Eine Leserin schrieb Harris, ihre Mutter habe unter Multipler Sklerose gelitten und es ihrer Familie verheimlicht. Ihr Mann wusste dies und hat es ihr wiederum verheimlicht. Erst im Sterbebett hat sie erfahren, dass ihr Mann Bescheid wusste. Sie hätten sich gegenseitig unterstützen können.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Sam Harris fühlt sich zwar gelegentlich genötigt, die Leser mit seinen progressiven Meinungen zu erhellen (Drogen legalisieren, Klimawandel bekämpfen), aber mit seiner eigentlichen Aussage hat er absolut recht. Seine Argumentation orientiert sich an der konkreten Lebenspraxis und sie überzeugt. &#8220;Du sollst nicht lügen!&#8221; &#8211; weil es in deinem eigenen Interesse liegt.</p>
<p>Es gibt zweifellos Menschen, die nicht nur selber lügen, sondern die fordern, dass man andere Menschen belügt. Doch wer lügt, muss seine Lüge mit immer neuen Lügen verdecken und wer die Wahrheit sagt, wird auch von jenen respektiert, die nicht mit ihm übereinstimmen. Lügen führt zu schlechten Konsequenzen für alle Beteiligten. Nicht lügen trägt zu einem guten Ruf bei.</p>
<p>Menschen, die einen selbst bei kleinen Dingen anlügen, richten mitunter großen Schaden an. Man kann jahrelang etwas Unangemessenes tun und immerzu wird man nur darüber belogen. Man weiß gar nicht, dass man etwas verändern muss und was man verändern muss. Nehmen wir an, dass jemand die Angewohnheit hat, im Kino zu laut zu sprechen, oder zu viel auf seinem Handy zu tippen, oder zu viel zu rauchen. Wenn man immer nur aus Höflichkeit davon absieht, diese Person über seine Fehler zu informieren, dann raubt man ihr die Möglichkeit, sich selbst zu verbessern und mit anderen Menschen besser klarzukommen.</p>
<p><em>Lying</em> sei also wärmstens empfohlen. Lügen hingegen nicht.</p>
<p>Wer keine 2,99 Euro für 26 Seiten (in der hypothetischen Druckversion) ausgeben möchte, hat außerdem die Möglichkeit, stattdessen meine Essaysammlung <em>Ist der Wald endlich tot?</em> zu kaufen. Die umfasst in der Druckausgabe 100 Seiten, kostet genauso viel und ist ebenso aufschlussreich. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand 5,98 Euro ohne Bankrott überstehen sollte: Mit den beiden sieht man besser.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p>Sam Harris: <a href="http://www.amazon.de/Lying-Kindle-Single-ebook/dp/B005N0KL5G">Lying</a></p>
<p>Andreas Müller: <a href="http://www.amazon.de/Ist-Wald-endlich-tot-ebook/dp/B005MKD83O">Ist der Wald endlich tot?</a></p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://feuerbringer.com/category/bucher/'>Bücher</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/empirische-psychologie/'>Empirische Psychologie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/philosophie/'>Philosophie</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/feuerbringer.wordpress.com/9464/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/feuerbringer.wordpress.com/9464/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/feuerbringer.wordpress.com/9464/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/feuerbringer.wordpress.com/9464/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/feuerbringer.wordpress.com/9464/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/feuerbringer.wordpress.com/9464/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/feuerbringer.wordpress.com/9464/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/feuerbringer.wordpress.com/9464/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/feuerbringer.wordpress.com/9464/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/feuerbringer.wordpress.com/9464/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/feuerbringer.wordpress.com/9464/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/feuerbringer.wordpress.com/9464/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/feuerbringer.wordpress.com/9464/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/feuerbringer.wordpress.com/9464/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9464&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Sam Harris Lying</media:title>
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	</item>
		<item>
		<title>Vegetarismus ist Heuchelei</title>
		<link>http://feuerbringer.com/2011/09/10/vegetarismus-ist-eine-form-der-heuchelei/</link>
		<comments>http://feuerbringer.com/2011/09/10/vegetarismus-ist-eine-form-der-heuchelei/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 15:46:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziobiologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Psychologe Rolf Degen hat mir ergänzend zu meinem Beitrag Es gibt fast keine Vegetarier folgenden Kommentar über den Vegetarismus geschickt: In einem früheren Beitrag hat Hal Herzog bereits nachgewiesen, dass 70% aller Vegetarier nach einer Weile wieder zum Fleischkonsum zurückkehren &#8211; und das sind nur die, die es auch zugeben. Währenddessen sitzen sie dafür [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9321&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Psychologe <em>Rolf Degen</em> hat mir ergänzend zu meinem Beitrag <a href="http://feuerbringer.com/2011/09/10/es-gibt-fast-keine-vegetarier/">Es gibt fast keine Vegetarier</a> folgenden Kommentar über den Vegetarismus geschickt:</p>
<p>In einem <a href="http://www.psychologytoday.com/blog/animals-and-us/201106/why-do-most-vegetarians-go-back-eating-meat">früheren Beitrag</a> hat Hal Herzog bereits nachgewiesen, dass 70% aller Vegetarier nach einer Weile wieder zum Fleischkonsum zurückkehren &#8211; und das sind nur die, die es auch zugeben. Währenddessen sitzen sie dafür aber auf einem verdammt hohen Ross! (Update!)<span id="more-9321"></span></p>
<p>Und dann kenne ich privat Leute, die in der Öffentlichkeit strunzen, wie sehr ihnen das Leid der Tiere am Herzen liegt und dann gedankenlos zur nächsten Currywurstbude pilgern. Diese Form der Heuchelei ist endemisch, besonders bei Grünen.</p>
<p>Vegetarier argumentieren nicht nur mit der moralischen Keule, sondern auch mit der Ernährungsökologie: Statt Getreide an Tiere zu verfüttern, wäre es viel ertragreicher für den Menschen, diese Nährstoffe selbst zu vertilgen. Schwachsinn: Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Eine Getreide-reiche Ernährung ist für Menschen sogar sehr ungesund. Für hochwertige Eiweisse in Form von Fleisch und Milchprodukten gibt es keine Alternative. Wenn es doch je welche geben wird, dann nur in Form von Gentechnik.</p>
<p>Singer ist bekloppt, allein weil er seine Katze vegetarisch ernährt. Das ist Tierquälerei.</p>
<p>Sogar die Deutsche Gesellschaft für Ernährung missioniert auf ihrer Webseite:</p>
<p>&#8220;ein- bis zweimal in der Woche Fisch; Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.dge.de/modules.php?name=Content&amp;pa=showpage&amp;pid=15">http://www.dge.de/modules.php?name=Content&amp;pa=showpage&amp;pid=15</a></p>
<p>Dass ich nicht lache, als wenn jemand, der Fleisch und Wurst genießt, das nur ein- bis zweimal die Woche essen würde, wofür es wissenschaftlich eh keinen Anlaß gibt. Aber ich fände es toll, wenn die Medien die Professoren aus dem Beirat der DGE mal eine Woche heimlich mit der Kamera verfolgen würde. Wetten, dass die sich schon am morgen eine Stulle mit Leberwurst reinziehen?</p>
<p>Vegetarismus, besonders das öffentliche Sympathisieren damit, ist eine Form der Heuchelei!</p>
<p><strong>Update</strong>: Eine weitere Ergänzung von Rolf Degen:</p>
<p>Das einzige, das man wirklich weiß: Vegetarier sind häufiger Frauen, haben häufiger Depressionen, schlechte Laune und Essstörungen und begehen häufíger Selbstmord. Tatsache!</p>
<p><a href="http://www.dnews.de/wissenschaft/602840/studie-gefalscht-vegetarier-doch-keine-besseren-menschen.html">http://www.dnews.de/wissenschaft/602840/studie-gefalscht-vegetarier-doch-keine-besseren-menschen.html</a></p>
<p><a href="http://www.psychologytoday.com/blog/naturally-selected/201109/what-do-about-scientific-fraud-in-psychology">http://www.psychologytoday.com/blog/naturally-selected/201109/what-do-about-scientific-fraud-in-psychology</a></p>
<p><strong>Studie gefälscht: Vegetarier doch keine besseren Menschen</strong></p>
<p>Veröffentlicht: 8 September 2011 13:34</p>
<p>Verändert : 8 September 2011 13:34</p>
<p>ALLES ZUM THEMA: Forschung</p>
<p>NIMWEGEN/TILBURG &#8211; Nach einer Studie haben Wissenschaftler der Universitäten Nimwegen und Tilburg vor kurzem behauptet, dass Vegetarier die besseren Menschen sind.</p>
<p>Jetzt stellte sich heraus, dass es sich dabei um Betrug handelt.</p>
<p>[...]</p>
<p>Die Studie hat international in der Welt der Wissenschaft Aufsehen erregt (Dnews berichtete).</p>
<p><strong>Update 2 &#8211; wieder von Rolf Degen:</strong></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Orphiker">http://de.wikipedia.org/wiki/Orphiker</a></p>
<p>In Euripides&#8217; Tragödie Der bekränzte Hippolytos, die 428 v. Chr. aufgeführt wurde, wirft Theseus seinem Sohn Hippolytos vor, ein Heuchler zu sein, der sich etwas auf seinen Vegetarismus einbilde:</p>
<p>&#8220;Nun brüste dich nur auf Grund deiner blutlosen Kost (unbeseelte, d.h. vegetarische Nahrung) und erschachere dir die Heiligkeit&#8221;</p>
<p>Über die Orphiker:</p>
<p>They fled the world in theory alone, and were consequently called hypocrites by some</p>
<p><strong>Hinweis</strong>: <a href="http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&amp;url=search-alias%3Ddigital-text&amp;field-keywords=rolf+degen&amp;x=0&amp;y=0">Rolf Degens Bücher</a></p>
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		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Misanthropischer Beitrag</title>
		<link>http://feuerbringer.com/2011/09/01/misanthropischer-beitrag/</link>
		<comments>http://feuerbringer.com/2011/09/01/misanthropischer-beitrag/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 00:33:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziobiologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man zu viele psychologische, ökonomische, soziologische Studien über den Menschen liest, dann hasst man ihn irgendwann. Welch eine abscheuliche Kreatur der Mensch doch sein muss, wenn sein Verhalten derart vorhersagbar ist! Und nicht nur vorhersagbar, sondern vorhersagbar, wenn man annimmt, dass er kein Mensch ist. Jüngstes Beispiel ist eine Studie von dem Psychologen Roy [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9222&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/09/everything.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-9223" title="Descendents: &quot;Alles ist scheiße&quot; (übrigens auch dieses Album)" src="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/09/everything.jpg?w=645" alt=""   /></a></p>
<p>Wenn man zu viele psychologische, ökonomische, soziologische Studien über den Menschen liest, dann hasst man ihn irgendwann. Welch eine abscheuliche Kreatur der Mensch doch sein muss, wenn sein Verhalten derart vorhersagbar ist! Und nicht nur vorhersagbar, sondern vorhersagbar, wenn man annimmt, dass er kein Mensch ist.<span id="more-9222"></span></p>
<p>Jüngstes Beispiel ist eine Studie von dem Psychologen Roy F. Baumeister namens <em>Cultural Variations in the Sexual Marketplace: Gender Equality Correlates With More Sexual Activity</em>.</p>
<p>Das geht etwa so: Wenn Frauen schlechter gestellt sind in einer Gesellschaft, dann versuchen sie den Preis dessen zu erhöhen, was sie anzubieten haben und was Männer haben wollen, nämlich Sex. In der islamischen Welt sind es nicht in erster Linie Männer, die Frauen zur Einschränkung ihrer sexuellen Aktivität zwingen, sondern es sind Frauen, die andere Frauen dazu nötigen.</p>
<p>Das tun sie durchaus mit guten Absichten. Es liegt im eigenen kollektiven Langzeit-Interesse der Frauen in Gesellschaften, wo sie benachteiligt sind, den Preis für Sex auf einem hohen Level zu halten. Sex ist ein Tauschmittel für Liebe, Treue, Wohlstand und so weiter.</p>
<p>In Gesellschaften mit einem höheren Maß an Geschlechtergleichheit, mit anderen Worten, ist Sex weniger wert. <em>Hier</em>, zum Beispiel, ist Sex weniger wert. Höhere Gleichheit korreliert mit mehr Gelegenheitssex, mehr Sexualpartnern pro Einwohner, jüngeres Alter für sexuelle Aktivität und größere Toleranz für vorehelichen Sex.</p>
<p>Es liegt also im Interesse von Männern, insofern sie viel Sex mit verschiedenen Partnerinnen haben wollen, dass die Geschlechter gleichberechtigt sind. Wenn Männer dominieren, halten sich die Frauen mit sexuellen Aktivitäten zurück, um sie als wertvolles Tauschmittel einsetzen zu können, weil ihnen andere Tauschmittel verwehrt sind. In Gesellschaften mit Gleichberechtigung der Geschlechter können es sich die Frauen erlauben, mehr Sex zu haben. Und Männer lassen sich sowieso nicht zweimal bitten.</p>
<p>Die Studie hätte man auch mit Affen oder Faultieren machen können und hätte wohl dasselbe herausgefunden. Man müsste irgendeine Situation erzeugen, wo die Weibchen besonders auf Sex als Tauschmittel angewiesen wären und dann würden sie sich sexuell zurückhalten. So einfach ist das! Als hätte man eine Fernbedienung und müsste nur auf die richtigen Knöpfe drücken!</p>
<p>Das Interessante an Studien aus den Humanwissenschaften besteht darin, dass praktisch keine von ihnen voraussetzt, dass der Mensch einen Verstand hat oder einen freien Willen. Je mehr man davon liest, desto mehr könnte man den Menschen für einen simplen Automaten halten oder für irgendein anderes Tier.</p>
<p>Das erinnert mich an das letzte Kapitel von <em>Gullivers Reisen</em>. Als Gulliver von seinen Abenteuern zurückkommt, verachtet er die ganze Menschheit und bevorzugt die Gesellschaft von Pferden. Ja, Pferde &#8211; obwohl, die sind große Säuger, wie Menschen. Ich bevorzuge Katzen.</p>
<p>Aber hört nicht auf mich, ich bin gerade krank und überarbeitet. Als Gegengift für dieses kalte Grauen namens Wissenschaft lese ich gerade ein interessantes Buch &#8211; wann immer ich keine Textprogramme mehr sehen kann &#8211; nämlich <em>Aping Mankind. Neuromania, Darwinitis and the misrepresentation of humanity</em> von dem Neurowissenschaftler und Philosophen Raymond Tallis.</p>
<p>Tallis argumentiert gegen zu weitgehende Schlussfolgerungen aus Evolutionsbiologie und Neurowissenschaften, wenn sie auf den Menschen angewandt werden. Genau das, was ich brauche. Wie Medizin gegen meine Erkältung, oder in diesem Fall gegen Szientismus.</p>
<p>Ach ja: Danke einmal mehr an <a href="http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&amp;url=search-alias%3Ddigital-text&amp;field-keywords=rolf+degen&amp;x=24&amp;y=17">Rolf Degen</a>, der mir die Studie geschickt hat. An der Arbeit selbst ist ja nichts verkehrt und ich fand sie aufschlussreich. Roy Baumeister hat übrigens auch ein großartiges Buch über die Geschlechterunterschiede geschrieben:</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/There-Anything-Good-about-Men/dp/019537410X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1314835537&amp;sr=8-1">http://www.amazon.de/There-Anything-Good-about-Men/dp/019537410X</a></p>
<p>Aber lest es nur, wenn ihr noch an die Menschheit glaubt.</p>
<p>&#8220;Was ist das für ein Volk? &#8230;Denken sie auch oder schlurfen sie nur sinnlos über die Erde?&#8221; (Franz Kafka)</p>
<p>(Update: Beitrag von allzu übellaunigen Stellen bereinigt)</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://feuerbringer.com/category/okonomie/'>Ökonomie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/empirische-psychologie/'>Empirische Psychologie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/soziobiologie/'>Soziobiologie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/wissenschaft/'>Wissenschaft</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/feuerbringer.wordpress.com/9222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/feuerbringer.wordpress.com/9222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/feuerbringer.wordpress.com/9222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/feuerbringer.wordpress.com/9222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/feuerbringer.wordpress.com/9222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/feuerbringer.wordpress.com/9222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/feuerbringer.wordpress.com/9222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/feuerbringer.wordpress.com/9222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/feuerbringer.wordpress.com/9222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/feuerbringer.wordpress.com/9222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/feuerbringer.wordpress.com/9222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/feuerbringer.wordpress.com/9222/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/feuerbringer.wordpress.com/9222/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/feuerbringer.wordpress.com/9222/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9222&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		</media:content>

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			<media:title type="html">Descendents: &#34;Alles ist scheiße&#34; (übrigens auch dieses Album)</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Und der Wille ist doch frei</title>
		<link>http://feuerbringer.com/2011/08/21/und-der-wille-ist-doch-frei/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Aug 2011 18:09:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Vielleicht habe ich mich geirrt. Vielleicht ist unser Wille tatsächlich freier, als es der Determinismus zulassen würde. Ja, vielleicht gilt der Determinismus nicht überall. Vielleicht liegt der zentrale Unterschied zwischen uns und anderen Tieren tatsächlich darin, dass nur wir über einen freien Willen verfügen, was uns in die Lage versetzt, über Moral nachzudenken, weshalb wir [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9143&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p>Vielleicht habe ich mich geirrt. Vielleicht ist unser Wille tatsächlich freier, als es der Determinismus zulassen würde. Ja, vielleicht gilt der Determinismus nicht überall. Vielleicht liegt der zentrale Unterschied zwischen uns und anderen Tieren tatsächlich darin, dass nur wir über einen freien Willen verfügen, was uns in die Lage versetzt, über Moral nachzudenken, weshalb wir uns für oder gegen gute und böse Taten entscheiden können.</p>
<p>Vielleicht sind wir doch etwas ganz Besonderes. Das einzig freie Lebewesen.</p>
<p><span id="more-9143"></span></p>
<p><strong>Die Wissenschaft ist nicht allwissend</strong></p>
<p>Dieser Idee war ich stets abgeneigt, weil eine tatsächliche Willensfreiheit wie ein Wunder aussehen würde; etwas, das außerhalb der Naturgesetze, der natürlichen Ordnung stattfindet.</p>
<p>Tatsächlich muss dies keineswegs der Fall sein. Schließlich weiß kein Mensch, wie das Gehirn funktioniert. Die besten Neurowissenschaftler wissen lediglich, welche Gehirnbereiche bei bestimmten Denkprozessen aktiv sind, wie diese evolutionär entstanden sind (in groben Umrissen) und das ist mehr oder weniger alles. Sie haben den Einzelteilen Fachbegriffe gegeben, aber das erklärt überhaupt nichts. Wenn ich den Einzelteilen eines Computers Namen gebe und mir ansehe, wo gerade Strom durchfließt, verstehe ich noch lange nicht die Funktionsweise eines Computers.</p>
<p>Obendrein funktioniert das Gehirn fundamental anders als ein Computer und ist noch einmal viel komplizierter. Warum kann beispielsweise das menschliche Gehirn mit einem Minimum der Arbeitsgeschwindigkeit eines iPods komplexere Aufgaben bewältigen als die schnellsten Hochleistungscomputer?</p>
<p>Ich zitiere aus dem Manifest der deutschen Hirnforscher, das 2004 in <a href="http://www.gehirnforschung.info/geist-gehirn6-04.html">Gehirn und Geist abgedruckt</a> wurde:</p>
<blockquote><p>Nach welchen Regeln das Gehirn arbeitet; wie es die Welt so abbildet, dass unmittelbare Wahrnehmung und frühere Erfahrung miteinander verschmelzen; wie das innere Tun als &#8220;seine&#8221; Tätigkeit erlebt wird und wie es zukünftige Aktionen plant, all dies verstehen wir nach wie vor nicht einmal in Ansätzen. Mehr noch: Es ist überhaupt nicht klar, wie man dies mit den heutigen Mitteln erforschen könnte. In dieser Hinsicht befinden wir uns gewissermaßen noch auf dem Stand von Jägern und Sammlern.</p></blockquote>
<p>Soll ich mir von Jägern und Sammlern erzählen lassen, dass es keine Willensfreiheit gibt?</p>
<p>Ich gebe zu, dass ein freier Wille in höchstem Maße erstaunlich wäre. Aber vielleicht ist er das einfach! Warum soll er es nicht sein? Weil wir uns als eiskalte Logiker nicht erstaunen lassen wollen?</p>
<p><strong>Strafen trotz mangelnder Willensfreiheit?</strong></p>
<p>Darüber grüble ich schon eine Weile nach, aber eine Mail vom Mediziner Gottfried Beyvers motivierte mich, eine Entscheidung zu treffen. Und ich glaube, es war eine freie Entscheidung. Er schreibt:</p>
<blockquote><p>Selbst wenn man eine Willensunfreiheit annimmt (was Du doch früher in gewissem Sinn auch getan hast), haben Strafen weiterhin wichtige Funktionen, z.B.:</p>
<p>- Schutz der Allgemeinheit</p>
<p>- Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung</p>
<p>- (Nach-)Erziehung/Besserung des Täters</p>
<p>- Abschreckung von Nachahmern</p>
<p>- Schutz des Täters vor sich selbst</p>
<p>Grundsätzlich stelle ich mir die ethische Frage so vor:</p>
<p>1) Die Menschen in einem Staat vereinbaren Regeln und zugehörige Sanktionen (heute natürlich weitgehend indirekt: Wahlen &#8211;&gt; Parlament &#8211;&gt; Gesetze).</p>
<p>2) Im Rahmen der Erziehung sind Kinder und Jugendliche mit diesen Regeln intensiv vertraut zu machen.</p>
<p>3) Wer gegen diese Regeln verstößt, wird sanktioniert (und der &#8220;Brave&#8221; im Idealfall belohnt).</p>
<p>Für dieses sachorientierte Vorgehen braucht man weder einen Gott (oder eine andere Letztbegründung) noch die Zuschreibung von &#8220;gut&#8221; und &#8220;böse&#8221; an Menschen (sondern nur die Zuschreibung von &#8220;falsch&#8221; und &#8220;richtig&#8221; an Taten). Der Einbrecher, Räuber, Mörder, Kinderschänder, Vergewaltiger wird nach diesem Grundschema ebenso verurteilt wie bei der Annahme von Willensfreiheit. Schon heute sagt doch kaum noch ein Richter: &#8220;Sie sind ein böser Mensch&#8221;, sondern bereits im Sinne einer weltlichen Ethik: &#8220;Ihre Tat ist verwerflich&#8221;. Es nützt doch niemandem, wenn man den vollständig determinierten Täter wegen einer im Rahmen einer Kausalkette ausgeführten Tat dämonisiert (im Gegenteil!); also: Strafe ja (gerne auch hart und zügig), aber Zuschreibung von &#8220;Schuld&#8221;, &#8220;Bosheit&#8221; und &#8220;böse&#8221; (alles Begriffe aus dem Katechismus), nein.</p></blockquote>
<p>So etwas ähnliches habe ich auch einmal gedacht, aber es ergibt letzten Endes keinen Sinn. Wenn wir es tatsächlich mit einer linearen Kausalkette zu tun hätten, dann könnten wir überhaupt keine Entscheidungen treffen; wir würden einfach tun, was wir tun, wie eine Waschmaschine tut, was sie eben tut. Der Begriff &#8220;Entscheidung&#8221; setzt eine Wahl zwischen mindestens zwei Alternativmöglichkeiten voraus. Bei einer linearen Kausalkette gäbe es keine Alternativen.</p>
<p>Es wäre zwecklos, über den Wert von Strafe oder von Gesetzen und Sanktionen nachzudenken, weil wir uns sowieso nicht für die beste Option entscheiden könnten. Wir würden uns für die Option entscheiden, für die wir uns aufgrund diverser kausaler Ursachen automatisch entscheiden würden. Es gäbe keine wirkliche Alternative. Wir wären lediglich Computer, die ein Programm ausführen.</p>
<p><strong>Böse Menschen</strong></p>
<p>Um kurz auf ein weiteres Argument von Beyvers einzugehen:</p>
<p>Ich denke außerdem, dass wir böse Menschen moralisch verurteilen sollten. Der Grund liegt darin, weil diese moralische Verurteilung eine Auswirkung auf ihr Verhalten hat und auf unser Verhalten ihnen gegenüber. Ich denke, es gibt böse Menschen und nicht nur böse Taten. In der Tat folgt das erste logisch aus dem zweiten.</p>
<p>Man muss lediglich von der metaphysischen Definition des Bösen abkommen, mit Hilfe derer Michael Schmidt-Salomon in seinem Buch <em>Jenseits von Gut und Böse</em> argumentiert. Ich habe in einem <a href="http://feuerbringer.com/2010/04/21/existiert-das-bose/">früheren Beitrag</a> aufgezeigt, dass die Idee einer bösen Kraft, die Menschen befällt, überhaupt nicht geläufig ist und von beinahe niemandem vertreten wird, inklusive von gläubigen Christen. Es ist sinnlos, gegen etwas zu argumentieren, was ohnehin niemand mehr glaubt.</p>
<p>Ein böser Mensch ist jemand, der relativ konsistent böse Taten verübt. Böse ist eine Tat, die anderen Menschen schadet, indem sie ihre Rechte verletzt, sie unfair behandelt, absichtlich gegen Verträge verstößt. Wenn jemand 400 Verbrechen im Jahr begeht, Menschen überfällt, schlägt, ausraubt, dann ist das ein konsistent böses Verhalten und der Täter ist ergo ein böser Mensch.</p>
<p>Ob er aufgrund von Veranlagung und Umwelt seine Verbrechen begeht, oder, weil er sich frei dazu entscheidet, da es ihm Spaß macht &#8211; wir können den Täter auf jeden Fall &#8220;böse&#8221; nennen (wenn wir uns frei dazu entscheiden können&#8230;). Wir dämonisieren ihn durchaus nicht, sondern der Kriminelle dämonisiert sich selbst. Das kann er jederzeit bleiben lassen.</p>
<p><strong>Mehrere Kausalketten?</strong></p>
<p>Um das Problem mit der mangelnden Entscheidungsfähigkeit zu lösen, habe ich vorgeschlagen, dass wir es möglicherweise mit mehreren Kausalketten zu tun haben und wir quasi von der Position einer zentralen Kausalkette aus von einer zur anderen springen können, wenn wir uns dazu entscheiden. Ich zitiere aus meinem <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/libertarian/allgemein/2010-03-26/wir-sind-frei-denn-alles-ist-vorherbestimmt">Essay zur Willensfreiheit</a> auf dem Blog des Philosophen Edgar Dahl:</p>
<blockquote><p>Ein Beispiel: Wir denken darüber nach, ob wir unsere Tochter in die Hauptschule oder ins Gymnasium schicken sollen. Wir wägen ab, was dafür spricht und was dagegen. Sie war in der Grundschule nur durchschnittlich gut und das Gymnasium könnte darum sehr schwierig für sie werden. Andererseits ist eine hohe Bildung wichtig, wenn man einen guten Beruf finden möchte. Irgendwann gelangen wir zu dem Ergebnis, dass wir unserer Tochter die Entscheidung selbst überlassen, nachdem wir sie gründlich über ihre Optionen informiert haben. Dieses Ergebnis ist zustandegekommen in Folge einer Kausalkette.</p>
<p>Wir sind einem logischen Weg gefolgt, sind dabei einmal auf der Hauptschul-Straße gefahren und einmal auf der Gymnasium-Straße. Schließlich haben wir die Ausfahrt genommen auf die Tochter-Selbstbestimmungs-Straße. Aber niemals ist irgendwo ein unergründlicher „Grund R“ hereingekommen und hat uns dazu gebracht, eine uns völlig rätselhafte Entscheidung zu treffen. Ob dieses Ergebnis nun im Sinne des Determinismus von vorne herein feststand, in einer Weise, die kein Mensch wird jemals voraussehen können, ist für unser alltägliches Leben irrelevant, zugleich ist die Wahrheit des Determinismus an sich notwendig für unsere Fähigkeit zur Selbstbestimmung. Schließlich ist Selbstbestimmung nur dann möglich, wenn wir als Resultat vorangehender Ursachen, wie der Abwägung verschiedener Optionen, Entscheidungen treffen können.</p></blockquote>
<p>Damit gibt es ein paar Probleme: <em>Warum</em> fahren wir einmal auf der Hauptschul-Straße und einmal auf der Gymnasium-Straße? <em>Warum</em> entscheiden wir uns für eine der Straßen? Wenn wir es mit einer linearen Kausalkette zu tun haben, die lediglich automatisch hin und her springt, kann man überhaupt legitimerweise von einer &#8220;Entscheidung&#8221; sprechen?</p>
<p>Und dazu fällt mir nur eine Antwort ein: Wir können uns für eine der beiden Straßen entscheiden, weil wir einen freien Willen besitzen.</p>
<p><strong>Eine rationale Instanz</strong></p>
<p>Es ist seltsam, aber ich sehe keine andere logische Möglichkeit. Es muss &#8211; bildlich gesprochen &#8211; eine rationale Instanz in unserem Kopf geben, die auf verschiedene kausale Ursachen &#8211; unser Wissen, unsere Erfahrung, unsere Werte &#8211; zugreifen kann und die zwischen ihnen abwägt und dann eine Entscheidung trifft. Der freie Wille ist also durchaus nicht unabhängig von kausalen Ursachen, aber er funktioniert mittels einer rationalen Entscheidungsinstanz, welche die Schalter zwischen den Kausalketten umlegt. Die rationale Entscheidungsinstanz ist das &#8220;Ich&#8221;, das Entscheidungen trifft.</p>
<p>Wir können das Phänomen noch nicht erklären, aber möglich wäre es nach unserem Kenntnisstand durchaus.</p>
<p>Es wäre unsinnig, daraus zu folgern, dass die Naturgesetze für unser Gehirn nicht gelten würden. Was wissen wir denn über die Naturgesetze, wenn wir nicht einmal die grundlegenden Funktionen des Gehirns erklären können? Ich würde jedem widersprechen, der meint, er müsse darum auf eine übernatürliche Erklärung ausweichen (Gott hat dem Menschen den freien Willen gegeben) &#8211; aber ebenso würde ich jedem widersprechen, der einfach sagt, dass ein intersubjektiv nachvollziehbares Phänomen nicht existiert, welches sich jedem durch Introspektion sofort erschließt, nur weil wir dessen Funktionsweise noch nicht verstehen. Und nur, weil diese Person an den Determinismus glauben will, obwohl wir im Falle der Willensfreiheit (wie im Quantenbereich) ein Phänomen antreffen, das nach unserem Wissen einfach nicht kompatibel ist mit dem Determinismus.</p>
<p>Das würde bedeuten, dass wir tatsächlich frei wählen können zwischen verschiedenen Handlungs- und Denkmöglichkeiten. Niemand muss aufgrund seiner Veranlagung und seiner bisherigen Erfahrung Morde begehen. Er kann darüber nachdenken, ob er es tun möchte oder nicht, und sich dagegen entscheiden. Gewiss spielen seine bisherigen Erfahrungen und seine Veranlagung eine große Rolle. Wenn es in einem bestimmten Milieu üblich ist, Autos zu klauen, und man wächst in diesem Milieu auf, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man selbst Autos klauen wird, als wenn man in einem besseren Milieu aufgewachsen wäre. Aber man kann immernoch abwägen, ob man mitmachen möchte, oder nicht.</p>
<p>Dies ist intuitiv einleuchtend und ich behaupte, dass es auch wahr ist. Bekanntlich benötigt man einen hohen Grad an (Ver-)Bildung, um die elementarsten Wahrheiten über unser Dasein zu leugnen.</p>
<p><strong>Die objektivistische Theorie des freien Willens</strong></p>
<p>Bevor jemand auf die Idee kommt, davon auszugehen, ich würde nun einfach alle Positionen von Ayn Rand übernehmen: Ich stimme bekanntlich nicht mit ihr überein, was die <a href="http://feuerbringer.com/2011/08/11/gegen-die-legalisierung-von-drogen/">Legalisierung harter Drogen</a> angeht &#8211; das wäre ein Bereich und es gibt noch mehr Meinungsverschiedenheiten. Zum Beispiel ging sie als Anhängerin von John Locke davon aus, dass der menschliche Geist ein unbeschriebenes Blatt sei, aber ganz so extrem ist es nicht, wie evolutionär-psychologische Erkenntnisse aufzeigen (oder aufzuzeigen scheinen &#8211; vielleicht sollte ich mich doch einmal vorsichtiger ausdrücken).</p>
<p>Und doch: Ayn Rand ist eine der besten Denkerinnen, die mir bislang untergekommen sind. Und neben anderen Positionen überzeugt mich auch die objektivistische (&#8220;Objektivismus&#8221; ist der Name ihrer Philosophie) Theorie der Willensfreiheit. Laut dieser Theorie lässt sich der freie Wille <a href="http://home.sprynet.com/~owl1/rand3.htm">wie folgt definieren</a>:</p>
<blockquote><p>Willensfreiheit existiert zusammen mit der Kausalität, ohne dass eine Änderung der Definition von &#8220;Willensfreiheit&#8221; in &#8220;Handlungsfreiheit&#8221; nötig wäre, wie Locke und Hobbes sie vorgenommen haben. Laut dem Objektivismus sind wir im starken Sinne frei: &#8220;Ein Denk- oder Handlungsablauf ist &#8216;frei&#8217;, falls er aus zwei oder mehr möglichen Abläufen unter den gegebenen Bedingungen gewählt wird.&#8221; Das bedeutet aber nicht, dass unsere freien Handlungen keine Ursachen hätten. Vielmehr ist es so: Wenn man eine freie Handlung ausführt, dann wird diese Handlung durch Ursachen ausgelöst (im Allgemeinen von den eigenen Werten und vom eigenen Faktenwissen), aber andere Handlungen sind möglich, weil es an einem selbst liegt, welche möglichen Ursachen in einem selbst wirksam sind.</p></blockquote>
<p>Mit anderen Worten sind wir in der Lage, zwischen verschiedenen Ursachen oder Ursachenketten zu wählen. Wie genau das im Gehirn vor sich geht, wissen wir noch nicht. Aber es hängt mit unserer Fähigkeit zusammen, Modelle zu bilden und in die Zukunft zu planen.</p>
<p><strong>Intersubjektive Begründung der Willensfreiheit</strong></p>
<p>Ayn Rand führt zwei Hauptargumente für die Willensfreiheit an.</p>
<p>a) Die Tatsache der Willensfreiheit ist uns durch Introspektion bekannt. Jeder von uns kann <em>beobachten</em>, wie er sein Bewusstsein fokussiert, oder es entspannt. Wir können aufpassen, oder es bleiben lassen. Es wäre nicht angemessen, nach einem <em>Beweis</em> für diese Tatsache zu fragen, wie es unangemessen wäre, einen <em>Beweis</em> dafür zu verlangen, dass Bäume existieren, ob wir vor einem stehen und ihn uns ansehen &#8211; nicht, weil diese Tatsache unerkennbar wäre, sondern weil sie uns <em>direkt</em> bekannt ist, ohne dass sie von etwas anderem abgeleitet werden müsste.</p>
<p>b) Es ist nicht konsistent möglich, die Willensfreiheit zu leugnen. Jede menschliche Wahl und jede Bewertung setzt sie voraus. Man kann nicht über etwas nachdenken, wenn man nicht denkt, dass es in der eigenen Macht steht, dies zu tun oder nicht zu tun; man kann auch nicht sagen, dass etwas getan werden &#8220;sollte&#8221; oder nicht getan werden &#8220;sollte&#8221;, wenn es nicht möglich ist, dass es getan werden kann oder nicht getan werden kann. Wenn man also darüber nachdenkt, ob man an den freien Willen glauben will oder nicht, dann ist man bereits von seiner Existenz überzeugt.</p>
<p><strong>Die Verlockungen eines geschlossenen Weltbilds</strong></p>
<p>Vielleicht sind wir Deterministen (oder Ex-Deterministen in meinem Fall) zu Opfern unserer weltfremden Logikspielchen geworden. Und wenn ich recht habe, ist es schlimmer als das: Wir haben uns frei dazu entschieden, den Verlockungen eines geschlossenen Weltbilds (Determinismus) entgegen der Faktenlage auf den Leim zu gehen.</p>
<p>Es funktioniert in sehr vielen Fällen &#8211; also ignorierten wir einfach die Fälle, wo es nicht funktioniert oder wir dachten uns fadenscheinige Ausreden aus, warum unser Weltbild auch dort gelten sollte, wo es offensichtlich nicht gilt. Es ist bequemer und man hält sich für auserwählt, weil man im Gegensatz zum gemeinen Pöbel &#8220;die Wahrheit&#8221; zu kennen vermeint, die primitiven Normaldenkern gar nicht einleuchtet, die &#8220;noch immer&#8221; an die Willensfreiheit glauben, wie irgendwelche mittelalterlichen Bauern.</p>
<p>Glaubt ihr, Sektierern ist bewusst, dass sie wie Sektierer denken?</p>
<p>Ich fühle mich jedenfalls viel besser, seit ich mich von der Illusion der Willensfreiheits-Illusion verabschiedet habe. Und wenn es wirklich nur eine nützliche Illusion sein sollte, warum glaubt ihr, dass ihr auf ihren Nutzen verzichten könntet und zugleich in der Lage wärt, eure geistige Gesundheit zu bewahren?</p>
<p>Wichtiger als diese subjektiven Empfindungen ist die Tatsache, dass der freie Wille philosophisch überzeugender ist als die Alternativen. Das habe ich teils aufgezeigt und werde es in Zukunft noch deutlicher aufzeigen.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p>Andreas Müller: <a href="http://feuerbringer.com/2010/04/21/existiert-das-bose/">Existiert das Böse?</a></p>
<p>Ayn Rand: <a href="http://feuerbringer.com/2011/08/18/jenseits-von-grau/">Jenseits von Grau</a></p>
<p><a href="http://home.sprynet.com/~owl1/rand3.htm">The Objectivist Theory of Free Will</a></p>
<p>Über meine frühere Position, den Kompatibilismus:</p>
<p><a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/libertarian/allgemein/2010-03-26/wir-sind-frei-denn-alles-ist-vorherbestimmt">Wir sind frei, denn alles ist vorherbestimmt</a></p>
<p><a href="http://feuerbringer.com/2010/01/16/willensfreiheit-worum-geht-es/">Debatte mit Michael Schmidt-Salomon</a></p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://feuerbringer.com/category/empirische-psychologie/'>Empirische Psychologie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/philosophie/'>Philosophie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/wissenschaft/'>Wissenschaft</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/feuerbringer.wordpress.com/9143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/feuerbringer.wordpress.com/9143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/feuerbringer.wordpress.com/9143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/feuerbringer.wordpress.com/9143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/feuerbringer.wordpress.com/9143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/feuerbringer.wordpress.com/9143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/feuerbringer.wordpress.com/9143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/feuerbringer.wordpress.com/9143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/feuerbringer.wordpress.com/9143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/feuerbringer.wordpress.com/9143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/feuerbringer.wordpress.com/9143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/feuerbringer.wordpress.com/9143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/feuerbringer.wordpress.com/9143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/feuerbringer.wordpress.com/9143/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9143&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Kollektivismus führt zu Terrorismus</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Aug 2011 21:01:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Was hatten Anders Behring Breivik und Mohammed Atta gemeinsam? Zunächst waren sie beide Terroristen, die Zivilisten ermordeten. M. Northrup Buechner wies in der Ausgabe vom Oktober 1981 der Zeitschrift The Objectivist Forum in dem Artikel The Root of Terrorism auf eine weitere Gemeinsamkeit von Terroristen allgemein hin, die sehr aufschlussreich ist: Terrorismus ist der Versuch [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9082&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was hatten Anders Behring Breivik und Mohammed Atta gemeinsam? Zunächst waren sie beide Terroristen, die Zivilisten ermordeten. M. Northrup Buechner wies in der Ausgabe vom Oktober 1981 der Zeitschrift <em>The Objectivist Forum</em> in dem Artikel <em><a href="http://www.noblesoul.com/orc/texts/terrorism.html">The Root of Terrorism</a></em> auf eine weitere Gemeinsamkeit von Terroristen allgemein hin, die sehr aufschlussreich ist:<span id="more-9082"></span></p>
<p>Terrorismus ist der Versuch privater Banden, eine Bevölkerung durch willkürliche Gewalt und Mord in Schrecken zu versetzen, damit sie eine soziale Veränderung herbeiführt. Böses in diesem Maßstab geschieht nur als Ergebnis von mächtigen sozial-ideologischen Kräften. [...] Wenn man sich die Terrorgruppen weltweit ansieht, macht eine Tatsache lauthals auf sich aufmerksam, die niemals bemerkt wird. Ohne Ausnahme sind die Terroristen alle Kollektivisten.</p>
<p>[...] Angesichts der Natur des Menschen und der Realität ist die Opferung eines Individuums für irgendein höheres Gut das einzige Prinzip, das die Ermordung unschuldiger Menschen rechtfertigen wird. Angesichts dieser Grundlage ist es ein Detail, ob das höhere Gut das irische Selbstbestimmungsrecht ist, ein palästinensisches Heimatland, die Diktatur des Proletariats, die Rückkehr des Schahs, oder was auch immer. Der Kollektivist sieht Mord nicht als Mord an.</p>
<p>[...] Kollektivisten haben kein Problem mit der Tötung von Individuen, viele Zehn und Hunderte, wenn sie nicht an der Macht sind; Millionen, wenn sie den Staat kontrollieren. Die Essenz des kollektivistischen Ideals ist die Opferung des Individuums für das Kollektiv. Eine opferbereite Gesellschaft ist das Ziel in der Theorie, und in der Realität ist der Kollektivismus, wie er praktiziert wird, die Opferung, die Zerstörung, die Ermordung individueller menschlicher Wesen. Jeder einfache Gangster, der gedankenlos die Rechte anderer beiseite schiebt, kann im Kollektivismus eine moralische Sanktion finden.</p>
<p>[...] [Kollektivismus] verwandelt die Übertreter individueller Rechte in die Helden einer Kultur. Moralisch selbstgerechte Kriminelle &#8211; das ist die Essenz der kollektivistischen Seele. Der Terrorist ist deren konsistenteste Ausdruck. Allerdings sind die meisten Terroristen nicht einfach Kriminelle, die sich den Kollektivismus zu Nutze machen, um ein zuvor existierendes Verlangen nach Mord zu rechtfertigen. Das Übel des Kollektivismus liegt viel tiefer als das. Kollektivismus entschuldigt Terroristen nicht nur, er erschafft sie. Sie entsteigen den philosophischen und psychologischen Trümmern des Opfers, ein Opfer, das der Kollektivismus nicht nur entschuldigt, sondern erfordert.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://feuerbringer.com/category/empirische-psychologie/'>Empirische Psychologie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/philosophie/'>Philosophie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/politik/'>Politik</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/feuerbringer.wordpress.com/9082/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/feuerbringer.wordpress.com/9082/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/feuerbringer.wordpress.com/9082/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/feuerbringer.wordpress.com/9082/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/feuerbringer.wordpress.com/9082/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/feuerbringer.wordpress.com/9082/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/feuerbringer.wordpress.com/9082/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/feuerbringer.wordpress.com/9082/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/feuerbringer.wordpress.com/9082/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/feuerbringer.wordpress.com/9082/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/feuerbringer.wordpress.com/9082/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/feuerbringer.wordpress.com/9082/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/feuerbringer.wordpress.com/9082/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/feuerbringer.wordpress.com/9082/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9082&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wie Liebe entsteht</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Aug 2011 00:07:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frank Berghaus, einer der schärfsten Islamkritiker unter säkularen Humanisten, ist formell selber ein Muslim. Er ist zwecks Heirat einst in aufwändigen Zeremonien zum Islam übergetreten. Berghaus erzählt die lesenswerte Geschichte in einem aktuellen Artikel auf wissenbloggt.de, ein Auszug: Da arbeitet man nun im selben Unternehmen, lernt sich kennen und scherzt im Kollegenkreis. Man albert ein [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9077&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Frank Berghaus, einer der schärfsten Islamkritiker unter säkularen Humanisten, ist formell selber ein Muslim. Er ist zwecks Heirat einst in aufwändigen Zeremonien zum Islam übergetreten. Berghaus erzählt die lesenswerte Geschichte in einem <a href="http://www.wissenbloggt.de/?p=5548">aktuellen Artikel auf wissenbloggt.de</a>, ein Auszug:<span id="more-9077"></span></p>
<blockquote><p>Da arbeitet man nun im selben Unternehmen, lernt sich kennen und scherzt im Kollegenkreis. Man albert ein wenig herum, schwatzt auch einmal allein miteinander, verabredet sich auf einen Kaffee und macht einen Einkaufsbummel, trifft sich schließlich auch abends. Und plötzlich, ohne dass man hinterher sagen könnte, wann genau es geschah, ist innerlich ein Knoten geplatzt. Man wird sich darüber klar, dass man ohne den anderen gar nicht mehr sein möchte. Und trotzdem ein ganz normaler Vorgang, den man gemeinhin als das Entstehen von Liebe bezeichnet und der sich in dieser oder abgewandelter Form millionenfach auf unserer Erde wiederholt.</p></blockquote>
<p>&#8220;Liebe auf den ersten Blick&#8221; kann zwar vorkommen, ist aber statistisch selten &#8211; und in der Regel ist das, was auf den ersten Blick geschieht, keine Liebe, sondern erotische Anziehung. Die meisten Menschen lernen ihren Partner auch nicht in der Disco oder auf einem Konzert, etc. kennen, sondern in der Schule, beim Studium, bei der Arbeit. Wahre Liebe braucht eben ihre Zeit.</p>
<p>Es scheint vielen Menschen schwer zu fallen, über Liebe zu theoretisieren. Immerzu wollen sie etwas über ihre eigenen Erfahrungen erzählen. Ein Literaturprofessor von mir gab den Teilnehmern seines Seminars einmal auf, sie sollten ihre Seminararbeiten über die Liebeskonzepte der Romantiker schreiben und <em>kein einziger</em> hat (jedenfalls dem Mythos zufolge) persönliche Anekdoten aus seiner Arbeit herausgelassen. Er hat geschworen, seine Studenten niemals wieder über Liebe schreiben zu lassen. Da könnt ihr bei mir beruhigt aufatmen. Ich erzähle konsequent so gut wie gar nichts über mein Privatleben, weil es nicht viel beiträgt zum Erkenntnisgewinn &#8211; dafür braucht man größere Stichproben und nicht nur Anekdoten.</p>
<p>Wer an einem tieferen Verständnis der Liebe interessiert ist, dem empfehle ich vor allem Richard Carriers <a href="http://books.google.com/books?id=oFdMzq56qyEC&amp;dq=CARRIER&amp;ie=ISO-8859-1&amp;source=gbs_gdata">Sense &amp; Goodness Without God</a>. Das Kapitel über Liebe (10.2; S. 197-202) darin gehört zum Aufschlussreichsten, was ich jemals über das Thema gelesen habe. Jeder, der Liebe auf eine zeitweise Kohabitation zwecks Genreplikation reduziert (oder gar auf sexuelle Attraktion), wird sich nach Lektüre des Werkes schämen. Auch Carrier plaudert über seine Ehe, aber er tut das strikt im Kontext seiner philosophischen Argumentation als bloße Exemplifizierung. So geht das schon eher.</p>
<p>Wer sich für Studien aus der empirischen Psychologie über Liebe interessiert, der findet hier, was er sucht: <a href="http://www.bakadesuyo.com/?sort=bestmatch&amp;search=love">Barking up the wrong tree</a>. Dort erfährt man zum Beispiel:</p>
<p>1. Speed-Dating führt nur in vier Prozent der Fälle zu Beziehungen.</p>
<p>2. Frauen werden tatsächlich stärker von Männern angezogen, wenn diese teure Autos besitzen.</p>
<p>3. Eine Beziehung geheim zu halten hat eine Reihe negativer Auswirkungen.</p>
<p>Na ja, ich bevorzuge inzwischen Philosophie und Literatur gegenüber empirischer Psychologie, da Korrelationen immer problematisch sind. Aber wenn man ein philosophisches Framework besitzt, können Studien durchaus zum besseren Verständnis beitragen. Es hilft, wenn sie jemand interpretiert, der viel Lebenserfahrung hat im entsprechenden Bereich. Wenn mit &#8220;Lebenserfahrung&#8221; allerdings gemeint ist, dass ein einzelner Mensch alles Mögliche mittels seiner persönlichen Erfahrungen verstanden haben will, halte ich es allerdings für überschätzt. Es ist einfach nicht möglich, als Individuum alle Erfahrungen über alle Bereiche überall jemals persönlich zu machen.</p>
<p>Ich habe schon von Leuten, die mit ihrer &#8220;Lebenserfahrung&#8221; argumentiert haben, den bizarrsten Unsinn vernommen. Wer schon einmal in Israel war, meint sogleich, ein größerer Experte über den Nahostkonflikt zu sein als ich. Wer mit seinem türkischen Gemüsehändler jeden Tag übers Wetter redet, der weiß viel mehr über Integration und Türken als ich, der immer nur zu Hause herumsitzt (eigentlich wissen diejenigen welchen überhaupt nicht, was ich tue oder nicht tue &#8211; aber ich blogge viel, also muss ich das wohl zu Hause tun und auch ansonsten niemals das Haus verlassen. Interessant, dass es jetzt schon Experten über mich gibt, die mich nicht einmal kennen). Ich habe schon von Leuten mit &#8220;Lebenserfahrung&#8221; gehört, wie man am besten eine Beziehung mit zwei Frauen gleichzeitig führt, als wäre das eine gute Idee, nur weil es bei manchen Leuten zur &#8220;Lebenserfahrung&#8221; gehört. Und wer mehr Lebenserfahrung hat, der werde schon merken, dass Menschen mehr sind &#8220;als nur Physik&#8221;.</p>
<p>Solchen Besserwisser kann ich nur empfehlen, das Gegenteil von dem zu tun, was sie unentwegt mir empfehlen: Setzt euch auf euren Hintern und macht eure Hausaufgaben! &#8220;Im wahren Leben&#8221; mit Leuten tratschen ersetzt keine Umfragen &#8211; die schließlich dasselbe sind wie &#8220;mit Leuten tratschen&#8221;, nur professionell, systematisch und mit tausenden Teilnehmern. Nicht nur mit eurem Gemüsehändler! Jahrelang planlos im Nahen Osten herumzukrebsen ist nicht einmal ein Tausendstel so viel wert wie eine systematische Umfrage von Gallup oder Pew.</p>
<p>Damit will ich persönliche Erfahrung nicht prinzipiell abwerten &#8211; aber doch darauf hinweisen, dass persönliche Erfahrung alleine nicht genügt und dass auch persönliche Erfahrung eine gewisse Quantität aufweisen muss.</p>
<p>Ein Beispiel ist Theodore Dalrymples jahrzehntelange Arbeit als Gefängnisarzt. Er interpretiert viele Studien genau entgegengesetzt zum soziologischen und medizinischen Mainstream, aber seine Interpretation ergibt erheblich mehr Sinn, da er ja jeden Tag zahlreiche Fälle selber miterlebt hat und selber mit der Unterschicht, über die er schreibt, im selben Viertel gelebt hat. Es ist der Unterschied zwischen einem Lehnstuhl-Wissenschaftler und einem, der massive Feldforschung betrieben hat. Jedoch weiß er natürlich nur einen bestimmten Bereich des Lebens besser zu interpretieren als andere.</p>
<p>Wissen also Profi-Verführer mehr über die Liebe als andere? Nachdem ich ein pseudo-psychologisches Buch von einem Extremsport-Verführer gelesen habe, bekam ich eher den Eindruck, dass dies die oberflächlichsten Menschen der Welt sein müssen, die sich von Tieren kaum unterscheiden. Dass sie so erfolgreich sind bei Frauen, lässt bestimmte Rückschlüsse auf die meisten Frauen zu. Der Verführer hat eine Art System, das er immer wieder, meist erfolgreich, anwendet, um Frauen &#8220;rumzukriegen&#8221;. Er ist fast wie ein Roboter, der ein Programm ausführt. Ich hatte den Eindruck, dass das Leben des Extremsport-Verführers zu den bedeutungslosesten Leben gehören muss, die man sich vorstellen kann. Er &#8220;bekommt&#8221; viele Frauen ja, aber er liebt niemals wirklich irgendjemanden.</p>
<p>Psychopathen werden uns nicht über wahre Liebe aufklären können. Mit Philosophie, Literatur und persönlicher Erfahrung bekommt man auf jeden Fall bereits ein viel tiefgreifenderes Verständnis über die Liebe, als es der Extrem-Verführer und der lebensfremde Laborant es jemals haben werden. Empirische Studien können helfen, so lange sie nicht ohne Kontext gelesen werden.</p>
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		<title>Und Götz Aly hat doch recht</title>
		<link>http://feuerbringer.com/2011/08/12/und-gotz-aly-hat-doch-recht/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 13:50:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Darüber hinaus neigt Aly hier wie in einer früheren Darstellung dazu, eine Abneigung gegenüber den Risiken des freien Marktes und eine Vorliebe für den schützenden Sozialstaat in einen Kontext zu Antisemitismus und Nationalsozialismus zu bringen. Eine solche Sicht ist zumindest in dieser Pauschalität nicht haltbar. So lautet ein Teil des Fazits vom Politologen Armin Pfahl-Traughber [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9062&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Darüber hinaus neigt Aly hier wie in einer früheren Darstellung dazu, eine Abneigung gegenüber den Risiken des freien Marktes und eine Vorliebe für den schützenden Sozialstaat in einen Kontext zu Antisemitismus und Nationalsozialismus zu bringen. Eine solche Sicht ist zumindest in dieser Pauschalität nicht haltbar.</p></blockquote>
<p>So lautet ein Teil des <a href="http://hpd.de/node/11798">Fazits vom Politologen Armin Pfahl-Traughber</a> über das neue Buch des Historikers Götz Aly, <em>Warum die Deutschen? Warum die Juden?. </em>Ich möchte darauf in aller Pauschalität antworten: Doch, ist sie schon.</p>
<p>Es gibt keinen rationalen Grund für die Abneigung gegenüber &#8220;den Risiken&#8221; des freien Marktes, um nicht zu sagen, gegenüber dem freien Markt, um nicht zu sagen, gegenüber der Freiheit. Man mag sehr wohl konkrete Entscheidungen kritisieren, zum Beispiel, ein wunderschönes Gebäude aus der Rennaissance abzureißen und es durch ein Shopping-Centre zu ersetzen, was in England des öfteren vorgekommen ist. Aber das Problem mit solchen Fällen ist nicht die Marktwirtschaft als solche, sondern Barbaren in der Stadtverwaltung.<span id="more-9062"></span></p>
<p>Ich zitiere als Beleg <a href="http://feuerbringer.com/2011/06/09/woher-kommt-die-ablehnung-des-kapitalismus/">das Ergebnis</a> einer Studie (eigentlich eine Meta-Studie) des Juristen James Lindgren von der Northwestern University, USA, namens: <a href="http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=945932">What Drives Views on Government Redistribution and Anti-Capitalism: Envy or a Desire for Social Dominance?</a></p>
<blockquote><p>„Diejenigen, die Kapitalismus und freiere Märkte unterstützen und sich gegen größere Einkommensumverteilung aussprechen, sind tendenziell höher gebildet, haben höhere Familieneinkommen, sind weniger traditionell rassistisch und weniger intolerant gegenüber unpopulären Gruppen. In den General Social Surveys von 2002 und 2004 waren jene, die Einkommensumverteilung ablehnten, außerdem tendenziell die großzügigeren Spender für wohltätige Organisationen und sie haben mit höherer Wahrscheinlichkeit andere altruistische Verhaltensweisen gezeigt.“</p>
<p>Ferner korrelieren die folgenden Einstellungen positiv miteinander:</p>
<p>1. Klassische Messungen des Autoritarismus wie die Forderung, sich an die Gesetze zu halten, selbst wenn sie falsch sind, und der Glaube, dass es zwei Arten von Menschen gibt, die Starken und die Schwachen.</p>
<p>2. Unterstützung von Einkommensumverteilung</p>
<p>3. Anti-Kapitalismus</p>
<p>4. Traditioneller Rassismus</p>
<p>Die Einkommensumverteiler aus der Erhebung von 1996 beschrieben sich als trauriger, einsamer und wütender.</p>
<p>„Daten von 16 repräsentativen nationalen Studien der allgemeinen Öffentlichkeit sind konsistent mit der Mises-These, dass Anti-Kapitalismus durch Neid, Eifersucht oder Missgunst ausgelöst wird und inkonsistent mit der vorherrschenden akademischen Literatur über Konservatismus und soziale Dominanz.“</p></blockquote>
<p>Natürlich ist diese Erkenntnis nicht neu. Ökonomen wie Ludwig van Mises und F.A. Hayek haben schon vor Jahrzehnten auf die Verbindung des Sozialstaats und des Totalitarismus hingewiesen. Ökonomen wie Milton Friedman und Philosophen wie Ayn Rand haben die Erkenntnis frisch gehalten. Sie werden auch immer wieder angeführt, aber offenbar nie gelesen. In der Regel heißt es nur so etwas wie: &#8220;Ja, aber Friedman war keine Wissenschaft, sondern ein Ideologe, und Keynes war der Wissenschaftler und Rand war eine egoistische Zicke&#8221;. Ein Aufruf für noch ein paar Jahre Sklaverei.</p>
<p><strong>Notiz über die Fortschrittsfeindlichkeit der Deutschen</strong></p>
<p>Es ist mal wieder typisch, dass Götz Alys Buch nicht für den <em>Kindle</em> erscheint, während das für amerikanische Bücher selbstverständlich ist. Schon wieder könnte ich mich stundenlang aufregen über die Deutschen.</p>
<p>Ja, Bücher sind voll super und gehören zur Grundausstattung des Bildungsbürgers, worauf er sich dann etwas einbilden kann, auch wenn die meisten Bücher, die er liest, eher Wissen substrahieren, als addieren. Aber Bücher auf dem <em>Kindle</em> sind auch Bücher! Meiner Erfahrung nach liest man auf dem Ding viel lieber, viel öfter, viel mehr. Was dazu führen kann, dass man am Ende sogar gute von schlechten Büchern unterscheiden lernt.</p>
<p>Elektronische Bücher sind essenziell dasselbe wie gedruckte Bücher. Ein Mensch, der gedruckte Bücher liest, ist kein bisschen schlauer als ein Mensch, der elektronische Bücher liest, und das einzige, worauf er sich etwas einbilden kann, ist dass er unnötigerweise mehr Geld ausgibt und seine Schränke mit Büchern füllt. Aber vielleicht geht es ja in Wahrheit darum: Schränke zu füllen anstelle des Geistes.</p>
<p>Was nicht heißen soll, dass gedruckte Bücher in bestimmten Fällen keine Daseinsberechtigung mehr hätten, schließlich sind Fußnoten und Bilder auf der aktuellen <em>Kindle</em>-Version noch ein Problem. Aber das ist offensichtlich nicht der Grund, warum die Deutschen ein größeres Problem haben mit eBooks als die Amerikaner &#8211; die inzwischen mehr eBooks kaufen als gedruckte.</p>
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		<title>Lob der Vorurteile</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 12:03:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesem Video erklärt Theodore Dalrymple die Probleme mit der Haltung, man müsse jedes kleine Verbot, alles, was sich &#8220;nicht gehört&#8221;, immerzu philosophisch rechtfertigen. (Update!) Es sollte nicht immerzu nötig sein, aber es ist auch eine interessante Herausforderung, Konventionen zu begründen. Warum sollte ich meine Füße nicht auf den Schreibtisch legen im Büro, oder auf [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9059&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://feuerbringer.com/2011/08/12/lob-der-vorurteile/"><img src="http://img.youtube.com/vi/70tjIal65RU/2.jpg" alt="" /></a></span>
<p>In diesem Video erklärt Theodore Dalrymple die Probleme mit der Haltung, man müsse jedes kleine Verbot, alles, was sich &#8220;nicht gehört&#8221;, immerzu philosophisch rechtfertigen. (Update!)<span id="more-9059"></span></p>
<p>Es sollte nicht immerzu nötig sein, aber es ist auch eine interessante Herausforderung, Konventionen zu begründen. Warum sollte ich meine Füße nicht auf den Schreibtisch legen im Büro, oder auf die gegenüberliegende Sitzbank in einem Bus? Ich meine schon, dies lässt sich einfach begründen.</p>
<p>Das Problem besteht eher darin, dass diejenigen, die sich nicht an diese sozialen Konventionen halten, gar kein Interesse daran haben, gute Gründe gegen ihre spontanen Neigungen überhaupt zu akzeptieren. Ginge es wirklich um Philosophie, könnten sich interessante Gespräche daraus ergeben, aber so ist es meistens natürlich nicht. In der Regel sind diejenigen welchen einfach schlecht erzogen. Dazu kommt, dass diejenigen, die gegen etablierte Regeln verstoßen, begründen müssten, warum sie das tun, und nicht diejenigen, die sich daran halten.</p>
<p>Update: Dalrymple über Rousseau:</p>
<span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://feuerbringer.com/2011/08/12/lob-der-vorurteile/"><img src="http://img.youtube.com/vi/11kzEpriGdA/2.jpg" alt="" /></a></span>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://feuerbringer.com/category/empirische-psychologie/'>Empirische Psychologie</a>, <a href='http://feuerbringer.com/category/philosophie/'>Philosophie</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/feuerbringer.wordpress.com/9059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/feuerbringer.wordpress.com/9059/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/feuerbringer.wordpress.com/9059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/feuerbringer.wordpress.com/9059/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/feuerbringer.wordpress.com/9059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/feuerbringer.wordpress.com/9059/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/feuerbringer.wordpress.com/9059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/feuerbringer.wordpress.com/9059/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/feuerbringer.wordpress.com/9059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/feuerbringer.wordpress.com/9059/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/feuerbringer.wordpress.com/9059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/feuerbringer.wordpress.com/9059/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/feuerbringer.wordpress.com/9059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/feuerbringer.wordpress.com/9059/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9059&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Gegen die Legalisierung von Drogen</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 20:15:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derautor</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Empirische Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist los in London? Drei Dinge: 1. Der Wohlfahrtsstaat mit seinen Auswirkungen Fatalismus, Nihilismus, Ressentiments gegen Regierung, Ober- und Mittelschicht und 2. Die Kultur der Unterschicht, nämlich rücksichtsloser, kurzsichtiger, egozentrischer Hedonismus und ethischer Relativismus und 3. Die Plünderer sind miese Bastarde. Im Detail lernt man die Segnungen von Wohlfahrtsstaat und Unterschichtskultur in den Büchern [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=feuerbringer.com&amp;blog=7245451&amp;post=9022&amp;subd=feuerbringer&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.owensworld.com/sites/default/files/imagecache/Fullsize/pictures/thanks-to-drugs.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-9047" title="Den Drogen sei Dank, kann ich Farben wieder hören (owensworld.com)" src="http://feuerbringer.files.wordpress.com/2011/08/thanks-to-drugs.jpg?w=645" alt=""   /></a>Was ist los in London? Drei Dinge: 1. Der Wohlfahrtsstaat mit seinen Auswirkungen Fatalismus, Nihilismus, Ressentiments gegen Regierung, Ober- und Mittelschicht und 2. Die Kultur der Unterschicht, nämlich rücksichtsloser, kurzsichtiger, egozentrischer Hedonismus und ethischer Relativismus und 3. Die Plünderer sind miese Bastarde. Im Detail lernt man die Segnungen von Wohlfahrtsstaat und Unterschichtskultur in den Büchern des ehemaligen britischen Gefängnisarztes Theodore Dalrymple kennen &#8211; hier finden Sie <a href="http://ef-magazin.de/autor/theodore-dalrymple">deutsche Übersetzungen von einigen seiner Artikel</a>.</p>
<p>Bevor ich näher auf die britischen Plündereien eingehen kann, habe ich einen anderen Artikel fertiggestellt, der sich ebenfalls mit Dalrymples reichhaltigen Erfahrungen mit Kriminellen und der britischen Unterschicht auseinandersetzt. Es geht konkret um den Zusammenhang von Kriminalität und der geforderten Legalisierung harter Drogen, die im Milieu der Plünderer weit verbreitet sind. Dalrymple argumentiert gegen die Legalisierung. Ein Leser hat mir nach Lektüre seines Artikels zum Thema geschrieben, er hätte seine naiv-liberale Position nun geändert. Es folgt eine Zusammenfassung von Dalrymples Argumentation, für deutschsprachige Leser zugänglich gemacht:<span id="more-9022"></span></p>
<p><strong>Philosophische Ausgangsbasis</strong>: John Stuart Mill: <em>On Liberty</em>: &#8220;Der einzige Zweck, zu dem rechtmäßig Macht über irgendein Mitglied der Gemeinschaft gegen seinen Willen ausgeübt werden kann, besteht darin, die Schädigung anderer zu verhindern. Sein eigener Vorteil, ob physisch oder ethisch, ist keine ausreichende Rechtfertigung.&#8221;</p>
<p><strong>Probleme</strong>:</p>
<p>1.) &#8220;In der Praxis ist es zunehmend schwierig, dafür zu sorgen, dass die Menschen alle Konsequenzen ihrer eigenen Handlungen tragen müssen &#8211; was sie tun müssten, falls Mills großes Prinzip als philosophische Richtlinie für die Politik gelten soll. Die Abhängigkeit von, oder der regelmäßige Gebrauch der aktuell verbotenen Drogen kann nicht nur die Person beeinflussen, die sie nimmt &#8211; und nicht auch seinen Partner, Kinder, Nachbarn oder Arbeitgeber. Kein Mann, außer vielleicht ein Einsiedler, ist eine Insel; also ist es praktisch unmöglich, Mills Prinzip auf irgendeine menschliche Handlung anzuwenden, ganz abgesehen von dem Spritzen von Heroin oder dem Rauchen von Crack.&#8221;</p>
<p>2.) Liberale Formulierung des 1. Einwands: Wenn Individuen harte Drogen nehmen, kann dies zur Einschränkung der Rechte anderer (Partner, Kinder, Nachbarn, Arbeitgeber) führen. Der Konsum harter Drogen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass individuelle Rechte verletzt werden.</p>
<p>3.) Manche Freiheiten sind wichtiger als andere. Manche Einschränkungen von Freiheiten können letztlich unsere Freiheiten vergrößern &#8211; etwa die Einschränkung unserer Freiheit, bei Rot über die Ampel zu fahren. Der freieste Mensch ist nicht derjenige, der stetig seinen momentanen Launen nachgibt, seinen &#8220;whims&#8221;, wie Ayn Rand sie verächtlich nannte. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier: Der Mensch kann rational in die Zukunft planen, er muss nicht seinen spontanen Begierden folgen.</p>
<p>4.) Bei konsequenter Anwendung von Mills Prinzip müssten auch Leichenschändung und Ausstellungen nekrophiler Handlungen erlaubt sein. Eine Leiche ist keine Person und hat keine Interessen und lebende Individuen werden nicht in ihren Rechten eingeschränkt, wenn sie sich freiwillig an sexuellen Handlungen mit Toten beteiligen oder ihre Körper zerstören. Gibt es trotzdem Gründe, die dagegen sprechen, Ausstellungen zu erlauben, wo Lebende Sex mit Toten haben, auf die Leichen urinieren, sie aufessen?</p>
<p>5.) Der Drogenkonsum hat den Effekt, die Freiheit des Menschen zu beschneiden, indem er das Ausmaß seiner Interessen einschränkt. Er beschneidet ihre Fähigkeit, wichtigere menschliche Werte anzustreben, wie eine Familie zu versorgen oder bürgerlichen Pflichten nachzugehen. Sehr oft schränkt der Drogenkonsum die Fähigkeit der Menschen ein, gewinnbringende Arbeit zu verrichten und fördert Parasitismus. Drogen limitieren das Bewusstsein und erweitern es nicht.</p>
<p>6.) &#8220;Keine Kultur, die öffentlich sanktionierte Maßlosigkeit zu ihrem höchsten Gut macht, kann lange überleben: Ein radikaler Egoismus muss geradezu ausbrechen, der Einschränkungen des persönlichen Verhaltens als Einschränkungen grundlegender Rechte wahrnimmt. Unterscheidungen zwischen wichtig und trivial, zwischen der Freiheit, traditionell überlieferte Ideen zu kritisieren und der Freiheit, LSD zu nehmen, sind genau die Standards, die Gesellschaften vor der Barbarei bewahren.&#8221;</p>
<p><strong>Pragmatische Ausgangsbasis</strong>: Die Alternative zur Legalisierung harter Drogen ist die Prohibition, die kriminellen Drogenhandel mit sich bringt. Kokain und Heroin wären selbst für die Armen günstig zu haben, gäbe es die Prohibition nicht. Darum könnten Kriminelle keine riesigen Gewinne mehr mit dem Drogenverkauf erzielen. Wären harte Drogen legal, würden nur noch anständige Menschen Geld mit dem Verkauf harter Drogen verdienen und es würde niemand sozial ausgeschlossen, wenn er Drogen kauft.</p>
<p>Die Polizei hätte weniger zu tun. Die Nachfrage bedingt ohnehin stets das Angebot, also werden Drogen auf die eine oder andere Weise sowieso verkauft. Und die Drogen wären von höherer Qualität, ihre Gefahren geringer. Zudem wären sie nicht mehr so attraktiv, weil ihre Illegalität sie überhaupt erst für manche attraktiv macht. Schließlich sind bereits schädliche Drogen wie Alkohol und Nikotin legal und es wäre heuchlerisch, nicht auch noch andere Drogen zu legalisieren. Das wäre inkonsequent und schädigt den Respekt für das Gesetz.</p>
<p><strong>Probleme</strong>:</p>
<p>1.) Die ultimative Ursache der Kriminalität sind Gesetze, die bestimmte Handlungen verbieten. Es wird normalerweise nicht argumentiert, dass wir den &#8220;Krieg gegen Diebstahl&#8221; oder den &#8220;Krieg gegen Mord&#8221; verloren hätten, nur weil es weiterhin Diebstähle und Morde gibt. Doch es argumentieren manche, wir hätten den &#8220;Krieg gegen Drogen&#8221; verloren, nur weil es weiterhin Drogenmissbrauch gibt. Gewinnt die Medizin den &#8220;Krieg gegen den Tod&#8221;? Nein. Ist die Medizin darum den Aufwand nicht wert?</p>
<p>2.) Es gibt Gründe zu bezweifeln, dass die Kriminalitätsrate allzu dramatisch fallen würde, wie es die Befürworter einer Legalisierung annehmen. Amsterdam, wo der Zugriff auf Drogen relativ unproblematisch ist, gehört zu den gewalttätigsten und verkommensten Städten Europas. Die Idee hinter der Kriminalität &#8211; reich werden, oder zumindest reicher, schnell und ohne großen Aufwand &#8211; wird wahrscheinlich nicht verschwinden, sobald Drogen für jeden, der sie haben möchte, frei verfügbar sind. Und es könnte sein, dass die offizielle Sanktionierung antisozialen Verhaltens &#8211; das offizielle Lüften von Tabus &#8211; noch mehr antisoziales Verhalten hervorbringt, wie es die &#8220;Schiefe Ebene&#8221;-Theorie suggerieren würde.</p>
<p>3.) Dalrymple hat in seiner Funktion als Gefängnisarzt zahlreiche Drogendealer kennengelernt. Er glaubt nicht, dass sie zu einem respektablen Leben zurückkehren würden, falls ihr Hauptprodukt legalisiert werden würde. Sie drücken tiefe Verachtung für reguläre Arbeit aus und sehen jene, die von täglicher Arbeit leben, als Feiglinge und Idioten an. Ein kriminelles Leben bietet Verlockungen für jene, die sonst ein unaufgeregtes Leben führen würden. So lange es die Möglichkeit gibt, mit illegalen Produkten zu handeln, wird es Menschen geben, die das tun, und deren Verbreitung ausweiten. Selbst Legalisierer wollen in der Regel Drogen nicht für Kinder erhältlich machen und Entkriminalisierung könnte durchaus dazu führen, dass Dealer ihre Aufmerksamkeit zunehmend jüngeren und jüngeren Kindern widmen.</p>
<p>4.) Drogenkliniken führen an, dass der Anteil ihrer Patienten, der für Verbrechen verurteilt wird, nach der Behandlung viel geringer ist, als zuvor. Das Krankenhaus in der Nähe von Dalrymples Gefängnis behauptet, dass es 80% weniger Verurteilungen nach einer Methadon-Behandlung gibt als zuvor. Einwände:</p>
<p>a) Die Patienten sind selbst-selektiert. Sie lassen sich freiwillig behandeln, weil sie sich verändern wollen. Nur ein kleiner Anteil der Drogenkonsumenten lässt sich behandeln und es ist zweifelhaft, ob alle weniger für Verbrechen verurteilt würden.</p>
<p>b) Eine Methadon-Behandlung stabilisiert das Leben von Kriminellen. Sie sind effektiver darin, sich nicht schnappen zu lassen &#8211; obwohl sie weiterhin Verbrechen begehen.</p>
<p>c) Wer nachweisen kann, dass er in irgendeiner Art von psychiatrischer Behandlung ist oder war, wird mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit überhaupt erst für seine Verbrechen verklagt.</p>
<p>d) Die Anzahl krimineller Handlungen erfolgreich therapierter Patienten bleibt sehr hoch. Der Vizedirektor der Klinik schätzt, dass ein durchschnittlicher Patient vor der Behandlung 250 kriminelle Handlungen im Jahr ausübt und 50 danach.</p>
<p>5.) Legalisierer gehen davon aus, dass der Drogenkonsum nicht sonderlich ansteigen würde, da die meisten Menschen weiterhin ihrer regulären Arbeit nachgehen müssen. Aber das sollten Drogenkonsumenten eigentlich auch und unsere Erfahrung mit Alkohol lehrt, dass Preis und Verfügbarkeit große Auswirkungen haben auf die Bereitschaft der Menschen, ihn zu konsumieren. Es wäre gut möglich, dass die Reduzierung der Kriminalität, die von der Drogenlegalisierung erwartet wird, durch mehr Konsumenten, die kriminell werden, ausgeglichen werden könnte. Es gäbe ebenso viel Kriminalität wie vorher, nur mehr Drogenabhängige.</p>
<p>6.) Im Gegensatz zu Opiaten, die lediglich beruhigen, gibt es auch Drogen wie Crack-Cocain, die den pharmakologischen Effekt haben, paranoid, aggressiver und gewalttätiger zu machen.</p>
<p>7.) Im Gegensatz zu Milton Friedmans Behauptung wird die Legalisierung von Drogen keineswegs unbedingt zu weniger Bürokratie führen, sondern sie könnte gut zu weitaus mehr Bürokratie führen. Apotheken, Banken, Schulen, Krankenhäuser &#8211; alle öffentlichen Organisationen &#8211; könnten sich genötigt fühlen, regulär und per Zufallsprinzip den Drogenkonsum ihrer Mitarbeiter zu überprüfen. Institutionen würden viel mehr in unsere Leben eingreifen, als zuvor.</p>
<p>8.) Alkohol ist schon seit Jahrhunderten im regulären Gebrauch. Man muss nicht auch noch dafür sorgen, dass weitere zerstörerische Drogen weithin akzeptiert und gebraucht werden.</p>
<p><strong>Quelle</strong>: Theodore Dalrymple: <a href="http://www.city-journal.org/html/7_2_a1.html">Don&#8217;t legalise Drugs</a></p>
<p><strong>Update</strong>: Der Mediziner Dr. Gottfried Beyvers hat mir ergänzend folgendes Argument gegen die Legalisierung harter Drogen geschickt:</p>
<p># Wenn ein oder zwei Drittel der Bevölkerung Tabak oder Alkohol konsumieren (was ja der Fall ist), so kann eine solche Gesellschaft noch gut funktionieren.</p>
<p># Wenn aber ein oder zwei Drittel der Bevölkerung (harte) Drogen konsumieren würden, dann könnte eine solche Gesellschaft nicht mehr funktionieren.</p>
<p>Woher kommt der Unterschied? Für das Zustandekommen einer gesellschaftsschädigenden Wirkung muß eine Substanz zwei Eigenschaften gleichzeitig haben:</p>
<p>a: hohes Suchtpotenzial (also: Ein hoher Prozentsatz der User wird abhängig.)</p>
<p>b: starke Beeinträchtigung der körperlichen und/oder geistigen Leistungsfähigkeit bei aktuellem Konsum.</p>
<p>Untersuchen wir unter diesen zwei Aspekten drei Beispielsubstanzen:</p>
<p>Alkohol:</p>
<p>zu a: niedriges Suchtpotenzial (fast alle Menschen konsumieren öfter im Leben Alkohol, werden aber nicht abhängig.)</p>
<p>zu b: starke Beeinträchtigung bei aktuellem Konsum (Fahruntauglichkeit&#8230;)</p>
<p>Fazit zu Alkohol: nur b trifft zu, a aber nicht.</p>
<p>Tabak:</p>
<p>zu a: hohes Suchtpotenzial (fast alle regelmäßigen Raucher sind nikotinsüchtig, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen oder nicht zugeben)</p>
<p>zu b: geringe bis keine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bei aktuellem Konsum; im Gegenteil: Viele Raucher leisten bereitwillig ihren Beitrag zur Gesellschaft und schaffen dies auch jederzeit.</p>
<p>Fazit zu Tabak: a trifft zwar zu, nicht aber b.</p>
<p>Heroin:</p>
<p>zu a: sehr hohes Suchtpotenzial (fast alle User sind auch abhängig; es gibt wenige User mit &#8220;kontrolliertem&#8221; Konsum)</p>
<p>zu b: starke Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bei aktuellem Konsum.</p>
<p>Fazit Heroin: a und b treffen gleichzeitig zu.</p>
<p>Das Zusammentreffen der beiden Merkmale bei Heroin führt zu stärkeren gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen. Dagegen trifft bei Alkohol und Tabak jeweils nur eines der beiden Merkmale zu, mit geringeren gesellschaftlichen Auswirkungen. Damit geht es bei der Frage der Freigabe von Heroin, Crack, LSD&#8230; nicht nur darum, &#8220;noch weitere Drogen&#8221; freizugeben (wie Du in Anlehnung an Dalrymple schreibst). Nein, bei den harten Drogen geht es eindeutig um etwas qualitativ Anderes. Wenn 30 oder 40% der Deutschen im arbeitsfähigen Alter täglich Heroin konsumieren würden, wäre der Staat binnen weniger Jahre am Ende.</p>
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