Jemand hat mich auf einen Artikel auf sueddeutsche.de hingewiesen, Das Comeback der Hetzer. Der Titel passt gut zum Artikel.
Zur Abwechslung geht es undifferenziert gegen “Islamkritiker” und “Rechtspopulisten”, ohne dass jemals klar würde, wer oder was genau das eigentlich ist. Man (die Arbeitgeber) sollten von Journalisten vielleicht fordern, ein Semester Philosophie zu studieren, damit sie irgendwann einmal lernen, grundlegende Begriffe zu definieren.
Auf das Niveau des Artikels von Kathrin Heimerl weist uns bereits das Foto hin, das eine Veranstaltung der Partei Die Freiheit zeigt, wo Geert Wilders und Parteigründer René Stadtkewitz zu sehen sind – Stadtkewitz scheint in seiner Nase nach Gold zu graben und Wilders schaut ziemlich belämmert drein.
Nehmen wir mal an, dies wäre eine Veranstaltung von Leuten gewesen, die man eindeutig als Nazis identifizieren könnte (ich bin in vielen Punkten nicht Wilders Meinung – aber das wäre eine inakzeptable Charakterisierung). Nehmen wir an, die NPD hätte eine Veranstaltung zusammen mit der British National Party gemacht. Hätte man Nick Griffin, den rechtsradikalen Parteiführer der BNP, in der Süddeutschen dabei abbilden sollen, wie er in der Nase popelt?
Ich empfinde eine Auswahl von solchen Fotos für die Publikation in einer großen Zeitung als geschmacklos. Man merkst sofort, dass es hier nicht um rationale Argumentation gehen wird, sondern um den Ausdruck von Ressentiments. Nun kann man gerne in aller Deutlichkeit Reaktionäre und jeden sonst kritisieren – aber was man nicht darf, ist sie entwürdigend darzustellen. Denn es bleibt unentwegt zu beweisen, dass man besser ist, als sie.
Heimerl weist auf die Inszenierung des Auftritts von Wilders hin und nennt ihn “Politik als Show. Das müssen echte Populisten beherrschen, um den einfachen Mann von der Straße abholen zu können.”
Waren Sie schon einmal bei einem durchschnittlichen Regionalwahlkampf in den USA, Frau Heimerl? Kurz gesagt sind selbstverständlich alle öffentlichen Auftritte Inszenierungen. Und das weiß auch jeder. Die Leute brauchen keine genialen Intellektuellen, die sie darauf hinweisen, dass öffentliche Auftritte inszeniert sind. Die Auftritte des Bundespräsidenten sind ebenso inszeniert wie die Auftritte von Großunternehmern und Filmstars. Und das ist auch zu erwarten, denn “Inszenierung” bedeutet “In-Szene-Setzen” – man bereitet sich auf seinen Auftritt vor, man will die Zuhörer überzeugen und mitreißen – wie Sie sich auf Ihren Artikel hätten vorbereiten sollen.
Die Freiheit weiß nicht, was sie will
Ich beschäftige mich schon seit einer Weile mit der Partei Die Freiheit und meiner Einschätzung nach sind ihre Positionen philosophisch inkonsistent. Ihr Berliner Programm (siehe auch Grundsatzprogramm) und die Beiträge der Mitglieder ergeben kein Gesamtbild, das ins herkömmliche Spektrum passen würde, oder das zu sich selbst passen würde. Teilweise ist die Partei liberaler als manch andere. So will sie Schulen in freier Trägerschaft fördern. Zugleich fordert sie bundesweit einheitliche Regelungen für alle Schulen, die ordentlich ins Detail gehen. Man fragt sich, um was genau die verschiedenen Privatschulen überhaupt noch konkurrieren sollen, wenn ihnen die Partei alles vorgibt?
Außerdem fordert die Partei ein soziales Pflichtjahr für Schulabgänger, die keinen Studien- oder Ausbildungsplatz vorweisen können. Ein Objektivist würde das als “Sklaverei” bezeichnen – das Individuum muss für den Stamm Zwangsarbeit leisten und wird nicht einmal nach den Regeln des freien Marktes dafür bezahlt. Abscheuliche Idee. Aber nicht abscheulicher als alle anderen Parteien, die verpflichtenden Zivil- und Wehrdienst befürworten.
Die Freiheit ist für die Aufklärung, aber auch fürs Christentum, für Marktwirtschaft, aber auch für die “Solidargemeinschaft” (der Staat entscheidet, gegenüber wem ich wohltätig sein muss), sie ist gegen Bürokratie, aber für eine Steuerfinanzierung anstelle der GEZ, sie ist für individuelle Freiheit, aber für Vorrechte von Familien.
Einzelne Programminhalte überzeugen mich, zum Beispiel die harte Linie in der Kriminalitätsbekämpfung, aber insgesamt ist der Staat bei der Freiheit viel zu groß, er erfüllt viel zu viele Aufgaben, die auch privat erledigt werden könnten. Nicht, dass die meisten anderen Parteien (bis auf die FDP) da irgendwie besser wären.
Ist Die Freiheit “rechts”? Insgesamt wohl schon. Ist sie konservativ? Sieht danach aus. Ist sie rechtsextrem, rassistisch, rechtsradikal – insofern ihrem Programm zu glauben ist, und das tue ich (wo sind die Belege, die mein Misstrauen schüren sollten?), ist sie das nicht.
Wenn die Freiheit nicht weiß, was sie will, so weiß ich allerdings, was ich will: Eine andere Partei wählen. Meinungsverschiedenheiten geben mir aber kein Recht auf blinde Hetze – brauche ich auch nicht.
Hetze gegen Hetze?
Der geständige Attentäter Anders Behring Breivik, der am 22. Juli insgesamt 76 Menschen tötete, verbreitete vor der Tat ein 1500 Seiten starkes Manifest im Internet, in dem er islamophobe Erklärungsmuster für seine Tat anführt und sich als Retter für das christliche Abendland stilisiert.
Und Sie glauben ihm, Frau Heimerl? Wenn Sie ihm abkaufen, dass er durch Islamkritik motiviert wurde, kaufen Sie ihm dann auch ab, dass er das christliche Abendland gerettet hat? Wenn nicht: Warum glauben Sie das eine, nicht aber das andere?
Spencer, der den Blog Jihadwatch betreibt, unterscheidet in seinen Thesen nicht zwischen Islam als Religion und Islamismus als extremistische Variante des politischen Islams. Vielmehr sieht er den Islam als “politisches System”, das Krieg gegen Ungläubige propagiere.
Können Journalisten lesen? Eine Frage, die mir immer wieder in den Sinn kommt. Sie sollten eigentlich lesen können, da sie in der Regel Germanistik studiert haben müssen und dort gibt es ausführliche Leselisten und wer am Ende nicht beweist, dass er Texte lesen und verstehen kann, der bekommt einen schlechten Abschluss. Warum frage ich das? Weil im Koran und in den Hadithen zum Krieg gegen Ungläubige augerufen wird und alle sunnitischen Schulen der Meinung sind, dass man Ungläubige entweder bekehren muss, sie die Kopfsteuer zahlen lassen muss – oder sie töten muss.
Im Koran heißt es (Sure 9, 29):
Kämpfet wider diejenigen aus dem Volk der Schrift, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben und die nicht als unerlaubt erachten, was Allah und Sein Gesandter als unerlaubt erklärt haben, und die nicht dem wahren Bekenntnis folgen, bis sie aus freien Stücken den Tribut entrichten und ihre Unterwerfung anerkennen.
In einem Schlüsselhadith sagt Mohammed:
Kämpft im Namen Allahs und auf die Art und Weise Allahs. Bekämpft jene, die nicht an Allah glauben. Macht einen heiligen Krieg… Wenn ihr eure Feinde trefft, die Polytheisten sind, ladet sie ein zu drei Handlungsmöglichkeiten. Falls Sie auf irgendeine davon antworten, akzeptiert ihr das auch und haltet euch zurück, ihnen ein Leid anzutun. Ladet sie ein, den Islam anzunehmen; wenn sie euch antworten, akzeptiert es von ihnen und kämpft nicht gegen sie. … Falls sie sich weigern, den Islam anzunehmen, verlangt von ihnen die Dschizya. Falls sie sich einverstanden zeigen, sie zu bezahlen, akzeptiert es von ihnen und haltet euch zurück. Falls sie sich weigern, die Steuer zu bezahlen, bittet um Allahs Hilfe und bekämpft sie.
Man muss unterscheiden zwischen der Kritik an Ideologien und Religionen und dem, was selbsternannte “Muslime” in der Realität tatsächlich glauben. Und hier wird man trotz aller absichtlichen Täuschung feststellen, dass sehr viele Muslime, insbesondere im Westen, kein Interesse daran haben, sich an die – sehr realen – Vorgaben ihrer heiligen Schriften zu halten. Es gibt mehrere eindeutig liberale muslimische Organisationen, insbesondere in den USA, die sich vom heiligen Krieg distanzieren. Siehe: Natürlich gibt es moderate Muslime!
Am besten – ich weiß, dass ich inzwischen eine fremde Sprache sprechen muss, die manche Berufsrecherchierer schon gar nicht mehr verstehen – am besten, man analysiert wissenschaftlich, was Muslime de facto glauben und was nicht. Wichtige Ergebnisse habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst:
Studien und Umfragen: Was glauben Muslime?
Dabei würden regelrechte Fallsammlungen zusammengestellt, die als Beweis gegen die gesamte Gruppe angebracht würden, beschreibt Schiffer in ihrem Aufsatz “Grenzenloser Hass im Internet” die Strategie der Islamkritiker.
Irrationalen Hass gegen Muslime gibt es auf jeden Fall, insbesondere rund um den Rassisten Fjordman und seine Anhängerschaft – und bei P.I. ist er tatsächlich ein häufig zitierter Autor und ebenso eindeutig werden viele Kommentatoren dort von hysterischen Anfällen und anderen Nervenkrankheiten befallen.
Dies jedoch “die Strategie der Islamkritiker” – DIE eine Strategie DER (aller) Islamkritiker zu nennen – auch das ist Hetze. Denn zu den Islamkritikern gehören auch Ex-Muslime wie Ayaan Hirsi Ali, auch Seyran Ates ist eine Islamkritikerin. Es gibt zahlreiche liberale Islamkritiker, die sich über den Zusammenhang zwischen Islam und Menschenrechtsverletzungen sorgen.
Und Nutzer “fundichrist” triumphiert: “Der Grundstein ist gelegt!!! Es beginnt ein Zug zu rollen, der nicht mehr aufzuhalten ist.”
Ja, es gibt Verrückte auf der Welt. Was also tut man? Kritische Analyse – oder macht man sich die Methoden der Gegner zu Eigen?








