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Frauen, Studenten und der Glaube

29 Jun

Ein Leser (ein liberaler Ökonom) hat mir zwei Fragen geschickt, die ich hier gerne beantworten würde.

1. Wie würdest du die Einstellung von Studenten hinsichtlich liberaler, atheistischer Ideen sehen:zur
(Hintergrund: Als ich studierte, hatte ich immer den Eindruck dass sehr viele Studenten entweder sehr uninteressiert politisch sind, oder eher zur linken Seite tendieren).

Meiner Erfahrung nach hat sich da nichts verändert. Die Mensa der Universität Würzburg ist verlässlich gefüllt mit linken Bannern, Aufrufen, Geschmiere, als wäre 1968 nie vergangen. Es wird gegen S21 demonstriert (weil wir so viel zu tun haben mit Stuttgarter Bahnhöfen), gegen Atomkraft, gegen konservative Burschenschaften, für die Befreiung von Mumia Abu Jamal (ein amerikanischer Polizistenmörder), gegen Studiengebühren. Die Demonstrationen gegen Studiengebühren haben beachtliche Ausmaße angenommen. Man hätte beinahe den Eindruck gewinnen können, es ginge um irgendetwas Wichtiges.

Würzburg ist insofern ein Sonderfall, weil es eine Stadt mit einer starken christlichen Tradition ist. Ich unterhalte mich immer wieder mit Studenten und Studentinnen, die zunächst ganz normal erscheinen, bis sie aus heiterem Himmel von ihrem kirchlichen Engagement erzählen und dass sie nebenbei die Kirchengeschichte Unterfrankens studieren. Für mich klingt das noch immer ein bisschen wie: “Ja, ich studiere Biologie und außerdem Koboldlehre und Gnomkunde”.

Aber was solls. Christen sind mir lieber als diejenigen, die an eine weltliche Erlösung glauben. Außerdem haben sie wenigstens irgendeine Art von Moral, im Gegensatz zu den Mumia-Befreiern.

In der Regel habe ich die Studenten hier als undogmatisch und zivilisiert kennengelernt. Ich erinnere mich nur an eine größere Überraschung, als Wolfgang Riedel, der Vizepräsident der Universität (ein großartiger Mann, finde ich) das Buch von Benedikt XVI. über Jesus Christus in einer Vorlesung über die Aufklärung kritisierte.

Ratzinger sei der Meinung, man könne die kritische Bibelforschung einfach ignorieren. Ich denke, das war eine sachliche Tatsachenfeststellung – schließlich sagt der Papst genau das. Aber es gab einen großen Empörungsaufschrei im Vorlesungssaal und meine Nachbarin meinte, der Professor habe das Buch gar nicht gelesen (wobei er auch Richard Dawkins kritisierte, also einseitig war es nicht). Und da kam ich mir schon so vor, als wäre ich nicht in einer Universität, wo man selbstverständlich den Papst kritisieren darf, sondern in einem Inquisitionstribunal.

2. Was denkst du über die These, dass Frauen generell weniger zum Atheismus neigen und zugleich auch dem Islam unkritischer gegenüberstehen?
(Hintergrund: Ich habe oft den Eindruck dass Frauen generell weniger zu politischen Theorien neigen.)

Dass Frauen weniger zum Atheismus neigen, ist empirisch schon oft aufgezeigt worden, siehe zum Beispiel:

http://fazeer.wordpress.com/2006/12/10/why-are-women-more-religious-than-men/ 

http://www.gallup.com/poll/7432/why-women-more-religious.aspx 

Ob Frauen weniger kritisch gegenüber dem Islam sind, weiß ich nicht. Es gibt natürlich eine ganze Menge weiblicher Islamkritikerinnen: Ayaan Hirsi Ali, Taslima Nasreen, Mina Ahadi, Ophelia Benson, etc. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Frauen insgesamt mit dieser kollektivistischen, unterordnenden, irrationalen Ideologie mehr anfangen können als Männer.

Frauen sind in der Tat weniger interessiert an Politik und wissen auch weniger darüber als Männer. Darüber gibt es auch eine Reihe von Studien:

http://www.hansardsociety.org.uk/blogs/recent_events/archive/2008/10/15/no-politics-please-we-re-women.aspx 

(Disclaimer: Nein, ich halte Frauen nicht für minderwertig. Frauen und Männer sind unterschiedlich, aber nicht “besser” oder “schlechter”. Beide erfüllen ihre Aufgaben).

 
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Geschrieben von - 29. Juni 2011 in Politik, Religionskritik, Wissenschaft

 

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