Theodore Dalrymple, einer der Giganten konservativen Denkens, spricht über die Unfähigkeit westlicher Eltern, ihre Kinder aufzuziehen. Man sollte allerdings bedenken, dass dies in Großbritannien (wo er herkommt) ein größeres Problem ist, als in Deutschland.
Aus irgendwelchen Gründen fühle ich mich bemüßigt, in diesem Beitrag außerdem über Mülleimer in den Harry-Potter-Büchern zu philosophieren und über meine offenen Buchprojekte zu plaudern.
“Sie vermuteten, dass Mülleimer etwas mit Müll zu tun haben, aber sie wussten nicht genau, was es ist. Also warfen sie den Müll nicht etwa hinein, sondern daneben. Zivilisiertes Verhalten ist wie eine vage Erinnerung in unserem Land. Es ist wie mit einem meiner Patienten, den ich fragte, wer Shakespeare sei, und er sagte ‘Da klingelt was’”.
Gute Gelegenheit, über das eigene Verhalten nachzudenken. Habe mich jemals unzivilisiert betragen? Ja. Werde ich es wieder tun? Es ist statistisch gesehen wahrscheinlich.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Leider kann ich mein Verhalten erst ändern, sobald ich einen freien Willen bekomme.
Wo wir schon von Mülleimern reden – auch zu dem Thema habe ich etwas anzubieten. Es gibt eine Passage in meiner Satire Terry Rotter und der zweite Teil über die Lösung des Müllproblems in der “Rowlingstone-Schule für Esoterik und mystischen Krimskrams”:
Letztendlich nahm Terry die selben Fächer wie Ron. Oder besser gesagt: Er warf seinen Fächerbogen trotz Androhung von Strafe in den Müll und Ron fischte ihn wieder heraus, um ihn für seinen Freund auszufüllen – nach dem ersten Jahr in Rowlingstone hätte man annehmen können, dort gäbe es keine Mülleimer. Tatsächlich lag die Wahrheit nur unter einer Schicht aus Offensichtlichkeit verborgen.
Terry hatte es sich leicht gemacht und einfach „Müll!“ gerufen, unter gnadenloser Erwartung, dass sich das Problem darauf von selbst lösen würde. Und wahrhaftig: Kaum ausgesprochen, erschien ein entsprechendes Behältnis auf der Bildfläche. Es verfügte sogar über drollige Beinchen aus Holz, reich an der Zahl und unauffällig in der Erscheinung. Sie vermochten die quadratische und hilfsbereit lächelnde Entsorgungsstation, aus Kirschbaumholz gefertigt, problemlos zu befördern.
Betrachtete man sich manche Böden der Schule, mochte man sich allerdings fragen, wer außer Terry sonst noch über die magischen Mülleimer Bescheid wusste. Die Antwort auf diese Frage bewahrte auch den Grund für die verzweifelte Freundlichkeit Filzes [des Hausmeisters] in sich auf.
Habt ihr irgendwo in den Harry-Potter-Filmen oder in den Büchern die leiseste Andeutung vernommen, in der magischen Welt gäbe es Mülleimer? Bedenkt man, wie häufig Toiletten erwähnt werden, gibt es davon sehr viele. Aber Mülleimer gibt es im Gegenzug offenbar gar nicht.
Der Mülleimer aus Kirschbaumholz in dieser Passage ist eine aufdringliche Anspielung auf Rincewinds Truhe aus der Scheibenwelt. Wieder erkennt mal, welch enorm subtiles Buch TR 2 doch ist.
Wenn ich endlich dazu komme, werde ich die beiden TRs noch einmal überarbeiten und für den Kindle anbieten, diesmal für eine bescheidene Gegenleistung. Im ersten Teil möchte ich dem Treffen der rechtsradikalen Thorsleys mit der al-Qaida mehr Raum widmen. Außerdem könnte Terrys Leben in der Kreuzberger Unterschicht vor seiner Transformation in einen Anti-Helden mehr Aufmerksamkeit vertragen. Es gab zwischendurch eine gewalttätigere Version des Buches, die “Blood Edition” – und obwohl die überzogene Gewalt selbst in der letzten Fassung häufig kritisiert wurde, fand ich die Blood Edition eigentlich runder und besser. Terrys böser Cousin Deadly wurde darin zum Beispiel von Tigern gefressen und der Kampf Terrys mit der Sifferin-Gang im Trophäenraum ging weniger glimpflich aus für das Haus des Bösen. Deadlys Nazi-Gang vom ersten Kapitel war nach dem Feuergefecht mit Terry außerdem relativ tot, nicht nur bewusstlos wie in der aktuellen Fassung, und wurde dann von den zuständigen Behören, der Müllabfuhr, entsorgt.
Ach, die guten alten Zeiten.
Am Ende soll es eine Geschichte werden, bei der man sich richtig schön freuen kann, dass die fiesen Typen bekommen, was sie verdienen. So ähnlich wie die Filme Taken/96 Hours oder The Punisher. So waren die Satiren ohnehin schon angelegt, aber ein wenig zu inkonsequent.
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob TR insgesamt gelungener war, oder Das Prometheus Trio. Ich neige fast ein wenig zu TR, wobei das Trio stilistisch gewiss weiterentwickelt gewesen ist. Das Problem besteht nur darin, dass ich das Trio mit einer gewissen “Agenda” und einer Zielgruppe im Hinterkopf verfasste, inklusive allerlei Rücksichten (obwohl es immer noch einer der schärfsten Angriffe auf das Christentum überhaupt sein dürfte) während TR ein rücksichtsloser Ausbruch von Sarkasmus gegen alles und jeden gewesen ist.
Der Ansatz, keine Gefangenen zu nehmen, ist für einen Satiriker der bessere Ansatz. Das ist auch der Grund, warum der zweite Teil des Trios über den Evolution-Schöpfungs-Konflikt, den ich nach den TRs fertigschreiben werde, keine Agenda mehr hat und somit wieder eine offene Zielgruppe. Darin gibt es einige satirische Szenen über organisierte säkulare Humanisten, die ähnlich humoristisch beäugt werden wie ihre kreationistischen Gegenspieler. Ich denke, es ist von der Konzeption her sehr ausgewogen, obgleich nicht in dem Sinne, dass der Sechs-Tage-Schöpfungsmythos auf eine Ebene mit der Evolution gestellt würde. Aber doch in dem Sinne, dass alle Beteiligten bis zu einem gewissen Grade berechtigte Sorgen und Nöte haben, die sie beide auf das Thema Schöpfung oder Evolution projizieren.
Im Zentrum stehen diesmal die Charaktere und ihre Konflikte, nicht mehr die Verspottung von Religion. Zugleich gibt es einen viel größeren Wissenschafts-Anteil, also echte, verständlich aufgearbeitete Informationen über Evolutionsbiologie. Mal sehen, ob ich meine abgedrehteren Ideen auch noch einbaue, oder ob ich ein Einsehen habe und den deutschen Geist weniger mit meinen Absurditäten überlaste.
So weit die Gedanken, die mir aktuell durch den Kopf gehen. Gewiss wird eine große Freude darüber vorherrschen, dass ich sie spontan veröffentliche, denn sie sind so ungemein interessant.








