Nun, Kreationisten mögen sie schon einmal nicht, oder? Am ehesten werden die atheistischen Campus-Eliten die Evolution anerkennen.
Wie sich nun herausgestellt hat, ist es in der Praxis genau umgekehrt. Eine neue Studie (eigentlich zwei) haben nämlich gezeigt, dass die Anerkennung der Evolution und die Anerkennung der aus ihr abgeleiteten Erkenntnisse der Evolutionären Psychologie nicht von den selben Leuten ausgeht.
Wer nicht an die Evolution glaubt, der glaubt mit höherer Wahrscheinlichkeit an das, was sie über den Menschen aussagt. Viele Evolutionisten leugnen derweil die Erkenntnisse der Evolutionären Psychologie.
Die Studie Who likes Evolution? Dissociation of human evolution versus evolutionary psychology von Andrew Ward, Matthew Wallaert und Barry Schwartz vom Swarthmore College ist der Frage auf den Grund gegangen, wie das Verhältnis zwischen der Unterstützung der Evolutionstheorie und der Evolutionären Psychologie aussieht.
In beiden Studien (die zweite diente der Kontrolle von Ergebnissen der ersten Studie und einige der Fragen waren exakter) lauteten die sechs genannten Erkenntnisse der Evolutionären Psychologie:
1.) Männer sind im Allgemeinen interessierter daran, One-Night-Stands oder kurze Affären zu haben, als Frauen.
2.) Frauen sind im Allgemeinen interessierter daran, einen Ehepartner zu haben, als Männer.
3.) Männern ist im Allgemeinen die physische Attraktivität einer Dating-Partnerin oder einer Freundin wichtiger als Frauen die physische Attraktivität von Dating-Partnern oder Freunden.
4.) Frauen legen im Allgemeinen mehr Wert auf gute finanzielle Aussichten bei einem Dating-Partner oder einem Freund als Männer im Hinblick auf Frauen.
5.) Männer sind im Allgemeinen gekränkter bei sexueller Treulosigkeit als bei emotionaler Treulosigkeit bei einer Dating-Partnerin oder einer Freundin.
6.) Frauen sind im Allgemeinen gekränkter bei emotionaler Treulosigkeit als bei sexueller Treulosigkeit bei einem Dating-Partner oder einem Freund.
Für beide Studien wurden Befragungen an einer zentralen urbanen Zugstation durchgeführt, im ersten Fall mit 99 Teilnehmern, im zweiten Fall mit 452 Teilnehmern. Das mag zunächst wie eine schlechte Grundlage klingen, aber Psychologen befragen für ihre Studien meist ihre eigenen Studenten und im Gegensatz dazu hat man (was ebenfalls überprüft und bestätigt wurde) bei diesen beiden Studien einen sehr viel repräsentativeren Querschnitt der Bevölkerung befragt. Alle Altersgruppen, Einkommensschichten und politische Ideologien waren vorhanden. Und 551 Teilnehmer sind durchaus nicht schlecht für eine psychologische Studie.
Das Ergebnis der ersten Studie:
“Teilnehmer, die angaben, dass ein grundlegendes evolutionäres Prinzip, nämlich dass Menschen von Affen evolviert sind, “überhaupt nicht zutrifft”, stimmten Aussagen der Evolutionären Psychologie mehr zu als Teilnehmer, die das grundlegende evolutionäre Prinzip vollkommen akzeptierten.”
Die zweite, größere Studie bestätigte dieses Ergebnis und lieferte weitere Details. Wer angab, an die Evolution zu glauben, der lehnte die Erkenntnisse der Evolutionären Psychologie eher ab – und zwar auch dann, wenn man ihn explizit darauf hinwies, dass diese Erkenntnisse aus der Evolution, an die er angeblich glaubt, hervorgehen. Im Gegenzug neigten jene, welche die Evolution ablehnten – nennen wir sie “Kreationisten” – viel stärker dazu, die Erkenntnisse der EP zu akzeptieren. Zwar taten sie das etwas weniger, wenn man ihnen erklärte, dass diese Erkenntnisse aus der Evolutionstheorie hervorgingen, aber ihre Zustimmung war immer noch größer als die der selbsternannten Evolutionisten.
Haben Evolutionisten keine Ahnung von Evolution?
Die Forscher weisen auf eine Reihe von Studien hin, die aufzeigen, dass die meisten Befürworter der Evolutionstheorie zahlreiche falsche Vorstellungen darüber haben, was diese Theorie eigentlich aussagt. Derweil scheint die Ablehnung der Evolutionstheorie nicht so sehr mit religiösem Glauben, sondern mit den befürchteten sozialen Konsequenzen verbunden zu sein – zum Beispiel Rassismus, Egoismus und die Ermangelung eines freien Willens. In der Tat neigen wir zu Rassismus, Egoismus und wie alle Wissenschaften geht auch die Evolutionsbiologie nicht von der Existenz eines freien Willens aus – und in der Tat hat der Glauben an all diese Dinge negative soziale Konsequenzen. Die Leugnung des freien Willens führt tendenziell zu Fatalismus, wie eine ganze Reihe von Studien inzwischen gezeigt hat. Dass Egoismus und Rassismus keine positiven gesellschaftlichen Wirkungen haben, dürfte klar sein.
Ein Philosoph würde anmerken, dass all dies natürlich nicht so einfach ist. Die Evolution impliziert nicht “Egoismus”, sondern eher Eigennutz und darunter Kooperation aus Eigennutz für unser Wohlbefinden und für das unserer nächsten Verwandten und dies für die Verbreitung unserer Gene; irgendwann danach kommen altruistische Motive zum Zug. Auch neigen wir zwar zu Rassismus und sind im Grunde alle bis zu einem gewissen Grad Rassisten, aber wir können auch einsehen, dass eine Gesellschaft unter fairen Bedingungen für alle besser funktioniert, als wenn wir Menschen anderer Gruppen unfair behandeln. Von einer Leugnung des freien Willens zu einer auf Eigenverantwortung und Selbstbestimmung setzenden Philosophie zu gelangen, ist nicht gerade einfach; hier mein Ansatz.
Ob jemand, der sich keine größeren Gedanken über diese Themen macht, besser diese Erkenntnisse leugnen sollte, ist ein bisschen die Frage. Mir wäre es lieber, wenn sich die Menschen mit diesen Themen hinreichend befassen würden.
Auf jeden Fall ist einmal wieder klar geworden, dass es eine große Dissoziation gibt zwischen der verbalen Anerkennung der Evolutionstheorie und der Anerkennung dessen, was sie über den Menschen aussagt. Wie zu erwarten, waren die Evolutionsbefürworter in den Studien eher links und die Leugner eher konservativ.
Die Linken scheinen deshalb zu behaupten, sie würden die Evolution anerkennen, weil ihre Gruppe das von ihnen erwartet. Wer will schon so ein konservativer Hinterwäldler sein und die Evolution leugnen? Und tatsächlich hat sich gezeigt, dass sie konsequent die tatsächlichen Aussagen der Evolutionären Psychologie leugnen, egal, ob man ihnen den Zusammenhang zur Evolution verdeutlicht oder nicht. Die Kreationisten haben zwar etwas weniger an die Erkenntnisse der EP geglaubt, nachdem man sie über den Zusammenhang informierte, aber sie haben sie trotzdem noch weit eher akzeptiert. Für mich sieht es danach aus, als wären die linken Evoluzzer die größeren Sektierer als selbst jene, die wörtlich an den biblischen Schöpfungsmythos glauben. Das ist doch mal eine Leistung.
Sogar linke Evolutionsbiologen bringen es fertig, der Evolutionären Psychologie die Wissenschaftlichkeit abzusprechen und immer wieder auf ihren angeblichen Rassismus, Sexismus und was nicht alles kritisch hinzuweisen; darunter P.Z. Myers und Jerry Coyne.
Randnotiz: Ich hasse es, Studien (PDFs) mit dem Kindle zu lesen. Leider stürzt Calibre immer ab, wenn ich PDFs in Mobis umwandeln will. Möge sich die Welt in eine Pflaume verwandeln und von einem Einhorn gefressen werden!








