Ich bin ja generell kein großer Preußenfan. Die autoritäre preußische Gesellschaft und vor allem die stets größer werdende Macht des Staates haben den Nährboden für die Nazis bereitet. Aber wenn heutzutage ein Richter die Kanzlerin anzeigt, weil sie Freude über die Unschädlichmachung eines der größten Todfeinde unseres Staates ausgedrückt hat, dann ist die Welt aus den Fugen und der Himmel wird uns sehr bald auf den Kopf fallen.
Friedrich II. konnte gelassen die Muslime ihre Moscheen bauen lassen. Er sagte einst: “Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie bekennen, ehrliche Leute sind, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.”
Der König konnte darum so großzügig seine Untergebenen ihre Tempel und Moscheen bauen lassen, weil sie seine Untergebenen waren. Hätte damals ein Muslim den ungläubigen Preußen den Krieg erklärt, hätte damals eine muslimische Organisation in Preußen für den türkischen Staat gearbeitet, wären die Verantwortlichen vor ein Erschießungskommando gekommen und der nächste Feldzug hätte der Türkei gegolten. Hätte ein Richter die Scharia im eigenen Land angewendet, hätte er sich die nächsten Jahre als Kaminkehrer betätigen dürfen. Vor dem Hintergrund einer klaren Vorstellung darüber, was geht und was nicht geht, konnte man seinen Untertanen die Freiheiten gewähren, die Land und König nicht gefährdeten.
Ich bin ja nicht generell dagegen, dass jemand die Kanzlerin anzeigt, schließlich ist sie nicht die Königin und wenn sie, sagen wir, zwanzig Kinder während ihrer Amtszeigt aufgefressen hätte, könnte ich es verstehen, wenn sie jemand gerichtlich dafür belangen wollte. Aber dass sie ein Richter dafür anzeigen sollte, dass sie sich über die Abwendung einer tödlichen Gefahr für das Leben ihrer Bürger freut, das stellt nicht nur die freie Gesellschaft grundsätzlich in Frage, sondern das stellt jede Gesellschaft in Frage, die ein Interesse am Überleben hat.
Ohne hier jemandem auf die Nerven gehen zu wollen, aber wir befinden uns im Krieg. Diese Tatsache ist nicht unsere Schuld, vielmehr haben Fanatiker, welche den Westen zerstören wollen, uns den Krieg erklärt. Osama Bin Laden verlautbarte einst, der Westen sei schwach geworden, dekadent, und darum werde seine Zerstörung umso einfacher sein. Da hat er ausnahmsweise mal recht.
Der klagende Richter fühlt sich moralisch auf der sicheren Seite und glaubt, er würde der deutschen Bevölkerung dienen mit seiner Anzeige:
Der Hamburger Morgenpost sagte er: „Ich bin eben ein rechtstreuer Bürger und als Richter auf Recht und Gesetz vereidigt.“ Die Äußerung von Merkel sei ein „stilloses und würdeloses Verhalten“.
Ich bin eben das Gute in Person und diese “Kanzlerin” (ich habe ja sowieso den anderen gewählt) reicht nicht einmal an meine Fußsohle heran mit ihrem stillosen und würdelosen Verhalten. Im Gegensatz zum stilvollen und würdigen Verhalten eines Richters, der das Staatsoberhaupt während eines Krieges anzeigt, weil es seine Freude darüber ausdrückte, dass ein Feind unschädlich gemacht wurde.
Auch meine Regionalzeitung war wieder voll von Leserbriefen, wo sich besorgte Bürger über den Tod Bin Ladens beschwerten, dessen Menschenrechte so schändlichst missachtet wurden. Immerhin fand Bin Laden stets Worte des Dankes für jene im Westen, die sich auf seine Seite schlugen:
Dieser Krieg war vollkommen unnötig, wie eure eigenen Berichte zeigen. Unter jenen auf eurer Seite, die am fähigsten über dieses Thema zu euch sprechen und über die Fabrikation der öffentlichen Meinung, ist Noam Chomsky, der nüchterne Ratschläge vor dem Krieg anbot, aber der Führer von Texas mag jene nicht, die ihm Ratschläge geben.
Warum sich so viele Deutsche einen starken Mann an der Spitze wünschen, das habe ich mich immer gefragt. Haben die nichts gelernt aus der Geschichte? Aber jetzt kann ich es verstehen. Es ist die Reaktion auf das andere Extrem, auf Entschuldigungen dafür, dass wir noch leben, auf Kapitulation.
Eine starke Bevölkerung wäre mir zwar lieber als ein starker Mann und Kritik, auch an der Kanzlerin, ist ein Geschenk, aber es wäre trotzdem nicht falsch, wenn zumindest die Staatsdiener hierzulande auf der Seite ihres Staates stehen würden, wenns schon sonst keiner tut.








