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Was kann man wirklich gegen Armut tun?

10 Apr

Mit “Armut” meine ich echte Armut, wie sie Menschen in der Dritten Welt erleben. Die Frage ist nun, welche der vielen Vorschläge und Ideen, armen Menschen zu helfen, auch wirklich funktionieren.

Peter Singer schlägt vor, dass jeder einen Teil seines Einkommens für Entwicklungshilfe verspendet, Michael Schmidt-Salomon hat daraus in seinem Butterkeks-Buch eine Pflichtsteuer gemacht. Normalerweise geben Staaten, wie auch Individuen und Hilfsorganisationen, Geld für Entwicklungshilfe aus. Das heißt, es gibt bereits die Pflichtsteuer für Entwicklungshilfe – genannt “staatliche Entwicklungshilfe” (aus Steuergeldern finanziert), die allerdings viel geringer ausfällt, als Singer und MSS sich das vorstellen.

Das ist auch alles super nett gemeint – wobei verpflichtende Almosten vielleicht keine so nette Idee sind, denn jemandem sein Geld abzunehmen und es für Projekte auszugeben, von denen der Steuerzahler selbst überhaupt nicht profitiert, nennt man “Diebstahl”; jedenfalls, wenn jemand anderes als der Staat das tut – aber so nett es sein mag, den Armen helfen zu wollen, so einfach ist es nicht.

Der Grund, warum Drittweltländer so unbeirrbar arm sind, besteht vor allem darin, dass sie quasi-sozialistische Diktaturen sind, in denen der Staat die Entwicklung eines freien Marktes alles andere als begünstigt. Überall, wo Kapitalismus eingeführt wurde, ist Wohlstand entstanden, sogar in nicht so konsequent fortschrittlichen Ländern wie China und Indien.

Der Westen ist nur sehr bedingt verantwortlich für die Armut in der Dritten Welt. Allerdings hat Richard Carrier ganz recht mit der Anmerkung, dass unser Protektionismus und darunter unsere Agrarsubventionen unfaire Wettbewerbsbedingungen erzeugt. Würden wir den Protektionismus wenigstens graduell reduzieren, würden alle davon profitieren. Natürlich sind einzelne Unternehmen, die kurzfristig vom Protektionismus profitieren, dagegen. Aber die Aufgabe von Politikern wäre es, das größere Bild zu betrachten.

Die effektivste Art, wobei auch eine aktuell unrealistische Art, die Armut zu bekämpfen, wäre eine Erneuerung des westlichen Imperialismus: Wir setzen überall Diktaturen ab und bauen Länder mit unserem Wissen und unserer Erfahrung auf, bei zunehmender Selbstverwaltung der Bewohner; so ähnlich, wie es die Briten im 19. Jahrhundert getan haben. Aber, wie schon zuvor angemerkt, ist dies aktuell nicht finanzierbar (geschweige denn durchsetzbar). Gegen den Protektionismus allerdings könnten wir etwas tun. Es würde uns anfänglich schaden, wäre aber langfristig auch für uns von Vorteil. Offensichtlich profitieren wir vom globalen Handel und von einer Zunahme von stabilen Staaten, die weniger interessiert daran sind, Terroristen zu beherbergen.

Guido Hülsmann sieht die Gefahren, die vom Protektionismus ausgehen, sogar noch dramatischer:

Der Protektionismus der westlichen Länder, vor allem im Bereich landwirtschaftlicher Produkte ist sicherlich das größte Hemmnis für die Entwicklung der Dritten Welt. Wir in Europa sehen uns ja gerne als die humanen Förderer der armen Länder. In Wirklichkeit jedoch steht die europäische Heuchlerei der amerikanischen nicht nach. Wir verteilen ein paar milde Gaben an ausländische Regierungen („Entwicklungshilfe“), aber die Arbeitsfrüchte ausländischer Bauern haben bei uns Hausverbot, weil ja sonst unsere Bauern vom Land in die Städte ziehen müßten und dort die Löhne der gewerkschaftlich organisierten Industriearbeiter drücken würden. Die Folge: statt afrikanischer und asiatischer Waren strömen uns nun afrikanische und asiatische Menschen zu. Das vorläufige Zwischenergebnis unserer Handelspolitik ist die gewaltigste Wanderungsbewegung der letzten 1500 Jahre; und es steht zu befürchten, daß am Ende der Bürgerkrieg steht.

Auch vom engen Standpunkt der eigenen nationalen Interessen ist und bleibt der Protektionismus ein Irrweg. Er kann allenfalls sehr kurzfristige Vorteile für einige tonangebende Gruppen wie z.B. Gewerkschaften und Politiker bringen. Den Kapitalabfluß und die damit einhergehende Ausgleichung der Lebensverhältnisse auf der ganzen Welt kann er letztlich doch nicht verhindern.

Das zu tun, was die meisten Menschen im Westen tun, bringt allerdings wenig bis nichts – bis hin zu negativen Effekten: Der Dritten Welt einfach Geld schicken. Dies erzeugt eine Opfermentalität und Abhängigkeit. Den Armen einzureden, der Westen wäre vornehmlich schuld am Leid der Dritten Welt, ist noch schlimmer. Das erzeugt Feindschaftlichkeit gegen uns und Nihilismus sowie Untätigkeit auf Seiten der Armen.

Richard Carrier ist jedenfalls stets anhörenswürdig. Er ist ein echter Philosoph, dem es egal ist, ob Vorschläge von Konservativen, Liberalen oder Linken kommen, er nimmt einfach, was sinnvoll ist, und verwirft den Rest. So muss man es machen. Und so kommt es, dass er in diesem Fall für den freien Markt argumentiert und in anderen Bereichen (z.B. Obamacare, das neue US-Gesundheitssystem) die Position von Linken sinnvoller findet.

Literatur

Ludwig von Mises: Freihandel (Liberalismus, S. 115)

Martin empfiehlt außerdem noch dieses Buch (das zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt):

Afrika wird arm regiert. Wie man Afrika wirklich helfen kann

 
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Geschrieben von - 10. April 2011 in Ökonomie, Politik

 

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