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Sam Harris versus William Lane Craig

10 Apr

Gott ist es wert, verehrt zu werden, und da nur etwas es wert ist, verehrt zu werden, das gut ist, muss Gott gut sein. Genial, oder? Aber wer sagt, dass Gott es wert ist, verehrt zu werden? Auch das ist eine willkürliche Definition von Craig.

Laut Craig beruht der Anlass für ethisches Handeln auf den Befehlen einer “kompetenten Autorität”. Wieso sollten uns diese Befehle kümmern?

Wenn es keinen freien Willen gibt, dann brauchen wir keine Ethik, weil wir sowieso keine anderen Entscheidungen treffen können, als wir sie treffen, meint Craig. Das ist ein Missverständnis. Unsere Entscheidungen werden deterministisch beeinflusst durch Ideen wie jene von Craig und Harris, also ist es relevant, darüber zu reden. Zudem haben wir insofern einen freien Willen, als wir zwischen verschiedenen Handlungsalternativen wählen können. Das “wir”, das wählt, tut dies aus bestimmten Ursachen – Gründen, Motiven – heraus. Und so muss es auch sein, denn die einzige Alternative lautet, dass wir rein zufällig Entscheidungen treffen. Determinismus ist die Vorraussetzung für Willensfreiheit.

Natürlich gibt es auch das Problem mit dieser Idee, das Plato schon angesprochen hat. Wenn es gut ist, das zu tun, was Gott anordnet, egal, was er anordnet, dann wäre es gut, Kindern die Augen auszustechen, wenn Gott das anordnet. Wir könnten allen Kindern die Augen ausstechen und müssten das als gut ansehen, wenn Gott das angeordnet hat.

Und was soll das bringen, zu behaupten, dass irgendein Gott die objektive Grundlage der Ethik ist, wenn nicht jeder an ihn glaubt und nicht davon überzeugt werden kann, weil die Belege fehlen? An Harris’ Version von objektiver Ethik muss niemand glauben, sie folgt logisch direkt aus Fakten über die menschliche Natur. Menschen wollen glücklich sein, sie wollen, wie alle Lebewesen, Leid vermeiden und Glück erzielen, also muss es die Aufgabe einer wissenschaftlichen Ethik sein, zu etablieren, wie Menschen glücklich sein können. Ebenso wie es die Aufgabe der Medizin ist, auf Basis unseres wissenschaftlichen Wissens über die menschliche Gesundheit, zu etablieren, unter welchen Bedingungen Menschen gesund sein können.

Man kann rein wissenschaftlich beschreiben, wie eine Gesellschaft bestenfalls gestaltet sein muss, wie ein Individuum bestenfalls handeln muss, um glücklich zu sein.

Übrigens weiß ich selbst, dass Sam Harris in seinem Buch nicht philosophisch einwandfrei argumentiert, auch, dass Ayn Rand kein überragendes Ansehen unter Philosophen hat; Richard Carrier argumentiert in Sense and Goodness Without God jedoch für die selbe Position wie Harris mit den korrekten philosophischen Begriffen. Falls es jemanden interessiert.

Warum sollte uns unser eigenes Glück überhaupt kümmern? Egal, das tut es einfach, so sind wir gemacht. Warum sollte uns das Glück anderer Menschen kümmern? Weil es mit unserem eigenen Glück zusammenhängt. Warum sollte uns das kümmern? Egal, das tut es einfach.

Weil wir hier von Fakten sprechen und uns auf der deskriptiven Ebene befinden. Die Dinge sind so, wie sie eben sind.

Aber warum sollte man nicht mit Hilfe der Wissenschaft herausfinden, wie man eine glückliche Gesellschaft gestalten kann, und dann absichtlich eine unglückliche gestalten? Wäre es nicht eine objektive Tatsache, dass wir dies tun können, also entgegen der objektiven Ethik handeln können? Ja und nein. Wir können absichtlich eine unglückliche Gesellschaft gestalten, aber die objektive Ethik besagt lediglich, dass diese Gesellschaft unglücklich ist und dass wir als Homo Sapiens ein natürliches Interesse daran haben, eine glückliche Gesellschaft zu gestalten. Auch wenn wir es nicht wirklich machen.

Menschen können sich irren über die Wahrheit, Menschen kann die Wahrheit egal sein. Menschen können sich über Gesundheit, Evolutionsbiologie und Ethik irren, sie können ihnen egal sein.

Und die objektive Ethik wird ebensowenig wie andere Wissenschaften Dummheit und Ignoranz abschaffen können.

 
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Geschrieben von - 10. April 2011 in Philosophie, Religionskritik

 

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