Es sieht aktuell danach aus, als würde man in Deutschland so ziemlich überall Mindestlöhne einführen, obwohl die Ökonomen mal wieder etwas anderes empfehlen. In 20 von 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gibt es bereits Mindestlöhne. Aber erfüllen sie ihre gewünschte Funktion? Sorgen sie also wirklich dafür, dass man “von seiner Arbeit auch leben kann”?
Wenn Mindestlöhne die Gleichgewichtslöhne, bei denen ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage besteht, unterschreiten oder wenn sie ihnen entsprechen, gibt es zwar keine negativen Folgen von Mindestlöhnen, aber nur darum, weil es gar keine Folgen gibt. Liegt der Mindestlohn über dem Gleichgewichtslohn, ist Arbeitslosigkeit bei den weniger Qualifizierten die Folge, und zwar Arbeitslosigkeit der Kategorie “Sockelarbeitslosigkeit”, die sich nicht durch eine Erholung der Konjunktur verändern lässt. Dies ist darum der Fall, weil es keine Jobs für Menschen gäbe, die bereit wären, für weniger Geld als für den Mindestlohn zu arbeiten.
Empirisch wurde dieses “neoklassische Modell” immer wieder grundsätzlich bestätigt, was im Grunde nur die Schlussfolgerung zulässt, dass Mindestlöhne den Interessen letztlich aller am Markt beteiligten Menschen widersprechen. Das hat nichts zu tun mit Ausbeutung, Kaltherzigkeit oder Arbeitgeberinteressen. Des Ding funktioniert net. Es ist so, als würde man einen Brand löschen wollen, indem man Öl hineingießt.
Unter den Bedingungen des freien Marktes sind die Löhne so hoch wie der Wert, den die Arbeitnehmer dem Produkt durch ihre Arbeit hinzufügen. Würde der Staat oder die Gewerkschaften die Löhne künstlich erhöhen, dann könnte der Arbeitgeber nicht mehr für die selben Kosten produzieren. Manchmal wandert er dann ins Ausland ab, wo Menschen bereit sind, für weniger Geld zu arbeiten. Oder er erhöht die Preise, oder er spart bei den Niedriglöhnern das Geld wieder ein, das er für die vom Mindestlohn Betroffenen mehr ausgeben muss. Oder er stellt die Produktion ein. Keine dieser Optionen ist wünschenswert. Würden die Löhne derweil unter das Gleichgewicht fallen, dann wären die Arbeitnehmer nicht mehr bereit, für das Geld zu arbeiten und sie würden sich einen anderen Job suchen.
Bei einer statischen Wirtschaft gäbe es in einer freien Marktwirtschaft keine Arbeitslosigkeit, allerdings ist sie natürlich nicht statisch, sondern es werden immer wieder Unternehmen oder ganze Produktionszweige geschlossen oder sie entwickeln sich, werden automatisiert, und so weiter. Arbeitnehmer müssen sich immer öfter weiterbilden und beizeiten gar umlernen. Entsprechend steigen ihre Löhne mit ihrer Qualifikation wieder an.
Aber was ist nun mit dem Problem, dass man für Arbeit leben können muss? Eine Übergangslösung wäre vielleicht die negative Einkommensteuer, die Milton Friedman vorgeschlagen hat. Ein Problem würde ich allerdings darin sehen, dass dieses System auf einzelne Staaten begrenzt ist, also im internationalen Wettbewerb Probleme auftreten, weil z.B. die Deutschen für die selbe Arbeit mehr verdienen würden als die Chinesen. Trotzdem: Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und man kann nicht von heute auf morgen überall die freie Marktwirtschaft einführen.
Also würde ich die negative Einkommensteuer als Übergangslösung gegenüber der staatlichen Grundsicherung bevorzugen, da sie viel weniger an Bürokratie kostet und die Arbeitsbereitschaft erheblich weniger einschränkt und weil sie nicht zu sehr in den freien Markt eingreift (außer indirekt im internationalen Wettbewerb). Letztlich werden wir ohnehin mit Niedriglohnländern konkurrieren müssen, also stellen wir uns lieber darauf ein. Schließlich können Unternehmen jetzt schon abwandern, wenn die Menschen dort für weniger Geld arbeiten.
Ein so großes Problem ist das auf lange Sicht allerdings nicht, im Gegenteil. Jeder, der vor 30 Jahren schon gearbeitet und eingekauft hat, weiß genau, dass er heute viel reicher ist als damals. Dies ist ein logisches Resultat der Marktwirtschaft. Würde man dieses Konzept global anstreben, würde jeder immer reicher werden (auch die Geringverdiener). Ein humanistischer Kosmopolit kann nichts anderes anstreben. Das Problem ist lediglich die Übergangsphase vom Interventionismus zum Freihandel, bei dem die Löhne insbesondere im Niedriglohnbereich vorrübergehend sinken würden. Hierfür ist eben die negative Einkommensteuer, bzw. das Bürgergeld ein Gegengift.
So weit meine aktuellen Gedanken zu ökonomischen Fragen.
Literatur
Milton Friedman: Bargeld, sonst nichts und negative Einkommensteuer (Wikipedia)
Empirische Unterschungen über den Mindestlohn (Wikipedia): Die meisten Untersuchungen sehen einen negativen Effekt des Mindestlohns. Neutrale oder positive Effekte gibt es in den USA und England – wo der Markt viel freier ist als hier, die Mindestlöhne flexibler. Deutschland lässt sich laut dem Sachverständigenrat besser mit Frankreich vergleichen, wo Mindestlöhne zu Arbeitsplatzverlusten führten.
Joachim Ragnitz (Institut für Wirtschaftsforschung Halle): Empirische Relevanz des Niedriglohnsektors
Sachverständigenrat: Mindestlöhne – ein Irrweg
Ludwig von Mises: Liberalism









