“In den USA ist evangelikale Politik ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des freiheitlichen Gesellschaftssystems. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche These”
…ist nicht wirklich widersprüchlich (Zitate aus dem Beitrag vom Deutschlandradio). Der Protestantismus hat sich in England schon vor Gründung der USA mit dem Liberalismus verbunden und die katholischen Gegenaufklärer des 18. Jahrhunderts unterschieden nicht einmal mehr zwischen Protestanten und Philosophen. Für die waren wir alle Teil einer großen Verschwörung (wie sind sie uns nur auf die Schliche gekommen?). Wenn in einem Land mit 90% christlicher Bevölkerung Religionsfreiheit herrscht, dann haben wahrscheinlich die Protestanten ihre Finger im Spiel.
So weit, so gut…
Auf jeden Fall soll es laut einem Buch von der Voodoo-Priesterin (Professorin für “Multilingual Mulitcultural Studies” – früher bekannt als “Marxismus-Leninismus”) Marcia Pally eine irgendwie neue Gruppe von Evangelikalen geben, die ganz dem Geschmack unserer Lefties entsprechen.
Die Kreuzigung als eine Aufforderung zum “Dienen bis zum Selbstopfer” ist ein zentraler Aspekt des evangelikalen Denkens. Dieses Dienen wird zum Kennzeichen der christlichen Gemeinschaft, die die Welt nicht mit Hilfe von Macht, sondern mit “revolutionärer Unterordnung” verbessern. Ihre Mitglieder akzeptieren ihre sozialen Rollen und die Unterordnung unter der Regierung, wie dies auch Jesus getan hat. Aber revolutionäre Unterordnung heißt weder Passivität noch Schwäche.
“Revolutionäre Unterordnung.” Das dürfte eines dieser bedenkenswerten Paradoxons sein, über die man stundenlang nachdenken oder lachen könnte. Ich habe es ja eher mit revolutionärem Umsturz, als mit “revolutionärer Unterordnung”, aber jedem das seine.
Entweder ihr kommt unseren Forderungen nach, oder wir ordnen uns unter! Viva la Revolucion!
Dieses “wie dies auch Jesus getan hat” ist eine Leerformel. Es gibt kein Limit an Meinungen und Eigenschaften, die Jesus angedichtet werden. Für Terry Eagleton war Jesus ein kommunistischer Revolutionär, für Ronald Reagan war er ein Anti-Kommunist, für Pat Buchanan war er ein antisemitischer, paranoider Appeaser und ein unausstehlicher Trottel.
“Who would benefit from a ‘war of civilizations’ with Islam? Who other than these neoconservatives and Ariel Sharon?” (Pat Buchanan)
Ich hasse den Typen.
Rund ein Viertel der amerikanischen Bevölkerung, sagt Pally, zählt zu den Neuen Evangelikalen.
Die sind bestimmt liberaler in ihren Werten als ihre reaktionären Kollegen. Vielleicht sind sie für ein Recht auf Abtreibung, die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen, aber behalten das Gute an den US-Evangelikalen bei, nämlich ihre Unterstützung der Kriege gegen den Terrorismus?
Sie haben eine eher antimilitaristische Grundeinstellung und lehnen exzessiven Konsum ab.
Oh nein! Wo ist Cartman, wenn man ihn braucht? Nicht einmal auf die evangelikalen Christen ist noch Verlass. Dabei hatte ich meine weiße Flagge schon im Garten vergraben.
Wer wissen will, wie Neue Evangelikale die Trennung von Staat und Kirche begründen, warum sie Schwulenehen zwar ablehnen, Homosexuelle aber weder juristisch noch gewaltsam verfolgen würden und warum Umweltschutz, Schutz der Schöpfung ist, dem seien die theologischen Analysen ans Herz gelegt.
Das ist mir egal, wie die das “begründen”. Man darf ja wohl kaum überzeugende philosophische Argumente von solchen Wirrköpfen erwarten. Das Christentum ist eine Kultur, alles und nichts und jedes lässt sich dort hinein- und herausdeuten. Jetzt gibt es schon linke Evangelikale. Wie kann sich überhaupt noch jemand als “Christ” bezeichnen, wenn der Begriff vollständig bedeutungsentleert ist? Und wie kommen ausgerechnet diese Leute auf die Idee, gegen den “Relativismus” zu wettern, wenn der Inhalt ihres eigenen Glaubens beliebig verändert werden kann? Es gibt tausende christliche Konfessionen. Das Christentum ist hyper-relativistisch.
Bei “Atheist” weiß man zumindest, dass es jemand ist, der nicht an Gott glaubt. Atheisten haben somit mehr gemeinsam als Christen (nämlich eine Sache).
Mit der religiösen Rechten haben sie nichts zu tun.
Na toll. Dann ist kaum noch jemand übrig, der die freie Welt verteidigt. Die meisten Liberalen und Libertären sind isolationistisch und insofern nutzlos, weil sie die Bedrohungslage von Terrorismus-unterstützenden Staaten unterschätzen. Wenn es nach Paläocons wie Glenn Beck ginge, gäbe es überhaupt kein Militär mehr und alle würden Joseph Smith verehren, bis der Iran eine Atombombe auf sie wirft. Die Neocons sind so populär wie Krebs. Und von meiner Sorte gibts nur eine Handvoll.
Packen wir ein, es hat alles keinen Sinn mehr. Ich wollte mir sowieso einen Bart wachsen lassen und ich habe schon einen passenden Teppich für Mekka.
Siehe auch meinen Podcast über die evangelikale Jugendkultur.









Eine Antwort zu Die Lefty-Evangelikalen