Die S21-Demos waren quasireligiöse Veranstaltungen. Auf YouTube kann man sich davon überzeugen.
1.) S21-Demonstranten singen ihre Version von “Freude schöner Götterfunken”, die Europahymne
“Wir sind das Volk”, skandieren sie am Ende. Es gab in Stuttgart mehr Demonstranten als beim Mauerfall.
Die Deutschen kennen ihre Prioritäten. Was ist schlimmer: Ein Bahnhofsumbau oder ein totalitäres Regime? Ganz klar: Ein Bahnhofsumbau. Für welche Organisation ist eine Hymne von Friedrich Schiller, vertont von Ludwig von Beethoven angemessen? Für die Europäische Union oder für die Gegner von einem regionalen Bahnhofsumbau? Und da frage ich noch.
Kein Mensch hat diese Leute gewählt. Ich habe noch immer keine Ahnung, warum irgendjemand, der in seiner Freizeit Schilder bastelt, das Volk mehr repräsentieren sollte, als, sagen wir, unsere gewählten Volksvertreter.
Gut, dass es erst einmal vorbei ist. Die Demonstranten haben bekanntlich gesiegt: Jetzt kommt der Umbau doch, und er wird teurer als geplant. Gut gemacht.
2.) Demonstranten umarmen den Park in einer großen Menschenkette
In Deutschland herrscht bekanntlich ein eklatanter Mangel an Stadtparks. In Würzburg gibt es zum Beispiel nur, keine Ahnung, zehn, zwanzig, oder sowas. Wenn man ein paar Meter läuft, egal wo man ist, kommt ein Stadtpark. Also wäre einer weniger ein gewaltiger Verlust. Darum wurde dort via Bürgerentscheid eine – genau – Bahnhofserweiterung um ein Einkaufszentrum abgelehnt. Nur um einen dieser Millionen Parks zu schützen. Na ja, einen kleinen Teil davon. Dito in Stuttgart, auch dort sind Stadtparks wichtiger als Bahnhofsumbauten. Obwohl es auch dort tausend Stadtparks gibt.
Wie kann man nur einen Park umarmen? Irgendwie möchte ich mich darüber lustig machen, aber die Sache spricht für sich selbst. Vielleicht schauen diese Leute nur zu viel “Avatar” und sind auch schon ganz blau geworden.
3.) Prozession mit Lichterkette
Erinnert mich an die katholische Prozession, die in Richard Dawkins “Die Wurzel allen Übels?” gezeigt wird. Und übel wird es mir, wenn ich das sehe. Vor ein paar Jahren haben sie wenigstens noch Lichterketten gemacht, um an den Holocaust zu erinnern. Der wurde nun durch einen Bahnhof ersetzt.
4.) Das S21-Glaubensbekenntnis
Der Albtraum schlechthin, das säkularisierte christliche Glaubensbekenntnis, passend zu S21. Angst, Verwirrung und Unsicherheit, ich glaube, das sind die psychologischen Faktoren, die Menschen zu so etwas treiben. Diese Demonstranten sind wie Menschen aus finsterster Vorzeit, die nicht wissen, wie die Welt funktioniert, woher auf einmal der Donner kommt, was Feuer ist, wie unsere Demokratie funktioniert.
So ähnlich wie die Wikileaks-Anhänger scheinen die S21-Demonstranten der Meinung zu sein, wir würden in einer Diktatur leben und es wäre enorm heldenhaft, gegen die Tyrannen zu demonstrieren und ihre geheimen Verschwörungen gegen “das Volk” aufzudecken. Praktischerweise ergeben sich daraus überhaupt keine Konsequenzen für die mutigen Kämpfer für die “Demokratie”, was inzwischen offenbar “Herrschaft des Pöbels” bedeutet, von ahnungslosen, verwirrten Kollektiven mit zu viel Zeit und zu wenig Arbeit. Und warum ergeben sich daraus keine Konsequenzen? Na, weil wir nicht in einer Diktatur leben, dort hätte man die Bahnhofsgegner längst erschossen. Dieser Unterschied scheint für diese Leute von keiner sonderlichen Relevanz zu sein, “die da oben”, sind eben “die da oben”.
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