Vielleicht hilft das irgendwie, mich hier verständlicher auszudrücken. Was passt mir diesmal nicht, abgesehen von den bekannten Tatsachen, dass die UN zum Großteil aus Diktaturen und ihrem Fanclub besteht? Ach, nichts weiter, nur das Übliche:
1. Saudi-Arabien hat jetzt einen Sitz im Vorstand für Frauenrechte bei den Vereinten Nationen. Ja, Saudi-Arabien hat einen Sitz im Vorstand für Frauenrechte in der UN. Das Land, wo Frauen gesteinigt werden, geköpft und lebendig verbrannt.
2. Obamas Botschafterin bei der UNO, Susan Rice, nannte den Sieg der Saudis „ein gutes Ergebnis“. Man erinnere sich daran, was der Neocon Patrick Moynihan 1975 vor der Generalversammlung erklärte. Er nannte den vorhergehenden Sprecher, Diktator Idi Amin, einen “rassistischen Mörder”, sagte, dass die UN ein Ort sei, wo Lügen erzählt werden und stellte fest, dass die USA niemals menschenrechtswidrige Resolutionen von Diktaturen unterstützen werden.
3. Die chilenische Linke Michelle Bachelet, die UN Women leitet, lobte in ihrer Eröffnungsansprache den Sudan für sein Engagement für Geschlechtergleichheit. Den Sudan. Darfur ist übrigens im Sudan – die einzige Region neben Israel, die Linke als Menschenrechtsproblem für erwähnenswert halten und wo sogar sie eine militärische Intervention forderten, weil dort eine gar zu offensichtliche Massenschlächterei (auch von Frauen – insofern herrscht Geschlechtergleichheit) stattfindet.
Quelle: Wer will Menschenrechte? Bitte aus der UN austreten!









Epikur
28. November 2010 at 18:00
Da melde ich mich als DGVN-Mitglied doch mal …
Haben Sie eine funktionierende Alternative zu der mühseligen Arbeit der UN, Nationen friedlich einander näher zu bringen? Das dabei einige leicht kritisierbare Vorgänge auftauchen, ist banal. Kennen Sie aber auch die langsamen aber stetigen Erfolge? 2000 ratifizierte Saudi-Arabien die UN-Frauenrechtskonvention zumindest teilweise, eine saudische Frau wurde Direktorin des UN-Bevölkerungsfonds, eine Frau ist Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums in Saudi, Berufsfreiheit für Frauen ist fast realisiert. Wie ich durch meinen Beruf weiß, gibt es noch viel zu tun und kritikwürdiges ist leicht zu finden, aber es gibt im saudischen Alltag erkennbare Fortschritt und ermutigende Perspektiven, die es in Nachbarländern dort nicht gibt. Die von Ihnen kritisierte Rolle Saudi-Arabiens in diesem UN-Gremium wird die progressiven Kräfte des Landes stärken, nicht den konservativen eine Plattform geben.
Ihre Alternative zur Arbeit der UN ist, wenn ich mich recht erinnere, flächendeckender Krieg, den insbesondere die USA führen sollen. Ich bin kein Pazifist und die UN auch nicht, aber da gibt es ein paar Probleme: Er radikalisiert und zerstört aufgeklärte Positionen, er begünstigt Nationalisten und religiöse Fundamentalisten, er ist wirtschaftlich destabilisierend und – wichtigster Punkt – funktioniert in der Mehrzahl der Fälle schlicht nicht. Beispiele:
1) Motivation: Bei meinen letzten USA-Besuchen bemerkte ich eine wieder aufflammende Kriegslust. Es war dabei erkennbar, was damit oft einhergeht: Egozentrischer Patriotismus, religiöse Polarisierung, ethnische Diskriminierung. Dies geht mit jedem Krieg einher: Er zerstört das rational-ethische Gefüge und fördert z.B. religiöse Spinner.
2) Geld: Die USA kann ihre Kriege nicht finanzieren. Ihr Militärhaushalt ist grösser als der des Rests der Welt und ihre Wirtschaftsbasis desaströs. Krieg destabilisiert. Kolabieren die USA wirtschaftlich, so besteht die Gefahr, dass der Primat der Aussenpolitik die patriotische Rechte stärkt. Polemisch gesagt: Wer Krieg will, fördert Sarah Palin.
3) Wirksamkeit: Der 2. Weltkrieg hat “funktioniert”. Der letzte Irak-Krieg trotz der verlogenen Begründung? Vielleicht: Das wird sich langfristig zeigen. Was ist mit Afghanistan, Korea, Vietnam, um bei den USA zu bleiben? War im Nahen Osten Jimmy Carter, der einzige Präsident nach 1945, der keinen Krieg führte, vielleicht erfolgreicher als Alles was es sonst so gab. Und bevor Sie es tun: Danke, ich kenne die Antwort des von Ihnen verlinkten heplev-Blogs. Unterhalten Sie sich mit Herbert Eiteneier, dem Blogbetreiber, doch einmal über das Christentum im Vergleich zum Islam und berichten Sie hier von Ihren Erfahrungen
Eine Schlussbemerkung: Sie kritisierten die UN für die Kooperation mit Saudi Arabien. Die von Ihnen geschätzten Amerikaner haben gerade eines der größten Waffengeschäfte aller Zeiten mit Saudi Arabien abgeschlossen (100-120 Milliarden Dollar), um sie als Gegengewicht zum Iran aufzubauen. Wie kommentieren Sie dies in Verbindung mit Ihrer Kritik an der Haltung der UN zu Saudi-Arabien?
derautor
28. November 2010 at 18:56
“Haben Sie eine funktionierende Alternative zu der mühseligen Arbeit der UN, Nationen friedlich einander näher zu bringen? ”
Dazu müsste ich erst einmal vorhaben, Nationen friedlich einander näher zu bringen.
“Der letzte Irak-Krieg trotz der verlogenen Begründung?”
Es gab keine verlogene Begründung. Jetzt hatte ich anfangs Hoffnung, dass mir jemand vernünftig antwortet, wieder nichts.
“War im Nahen Osten Jimmy Carter, der einzige Präsident nach 1945, der keinen Krieg führte, vielleicht erfolgreicher als Alles was es sonst so gab.”
Kommt darauf an, was “erfolgreich” heißen soll. Wenn es um die Beschleunigung der Vernichtung Israels geht, war er schon ziemlich erfolgreich. Auch mit seinem neuen Propaganda-Buch:
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/reviews/carter.html
“Unterhalten Sie sich mit Herbert Eiteneier, dem Blogbetreiber, doch einmal über das Christentum”
Ich weiß, dass seine Haltung dazu Schwachsinn ist, aber sein Artikel über die UN ist trotzdem gut.
“Die von Ihnen geschätzten Amerikaner haben gerade eines der größten Waffengeschäfte aller Zeiten mit Saudi Arabien abgeschlossen (100-120 Milliarden Dollar), um sie als Gegengewicht zum Iran aufzubauen. Wie kommentieren Sie dies in Verbindung mit Ihrer Kritik an der Haltung der UN zu Saudi-Arabien?”
Meines Feindes Feind… Natürlich ändert das gar nichts und ich habe schon mehrmals die Kooperation der USA mit Saudi Arabien kritisiert.
Epikur
28. November 2010 at 19:35
Sie schreiben “Dazu müsste ich erst einmal vorhaben, Nationen friedlich einander näher zu bringen”. Wenn nicht das, was ist dann Ihr Ziel? Um präziser zu sein: Ich bevorzuge Frieden und nicht Krieg als Weg. Ziel sollten menschenwürdige Lebensbedingungen (siehe dazu die UN Millenium Development Goals und ihr Tracking) und Menschenrechte sein (siehe dazu die UN Menschenrechtserklärung und deren ständige kritische Prüfung). Unter Umständen ist dazu das hoch problematische Mittel des Kriegs erforderlich, mit all den eben von mir genannten Schwächen.
Sie schreiben zum Irakkrieg “Es gab keine verlogene Begründung. Jetzt hatte ich anfangs Hoffnung, dass mir jemand vernünftig antwortet, wieder nichts.” Über den Stil, den Sie seit einiger Zeit pflegen, sehe ich mal hinweg: Er ist kontraproduktiv, weil er den Eindruck von Arroganz vermittelt und sie als Gesprächspartner diskreditiert. Aber zum Thema: Wie bewerten Sie rückwirkend die Begründung mit “weapons of mass destruction” und ähnliche verwendete Begründungen?
Carters Buch bezeichnen Sie als Propaganda-Buch und listen einen Link der Jewish Virtual Library. Lassen Sie mich mit einem anderen Link auf diese Seite ein wenig polemisch antworten:
http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/vie/viehome.html
Aber ernsthaft: Welche Aktivitäten waren erfolgreicher als seine? Allerdings definiere ich Erfolg als gegenseitige Anerkennung, welche die Basis für eine friedliche Arbeit zur Umsetzung von Menschenrechten und menschenwürdigen Lebensbedingungen wäre.
Meine Erfahrung in Gesprächen mit Leuten aus Israel war, dass die Gewaltbefürworter oft religiös motiviert waren, während rationaler Eingestellte aus einer Position defensiver Stärke Vermittlungen anstreben. Ich gestehe, dass diese Gespräche länger zurückliegen. In Gesprächen mit Menschen aus z.B. Ägypten und Pakistan sah ich dieses Muster jedoch ebenfalls.
derautor
28. November 2010 at 21:32
Meine Gesprächspartner diskreditieren sich leider allzu oft durch eine Kombination von extremer Einseitigkeit und beinahe vollkommener Ahnungslosigkeit bei einem hohen Maß an Selbstsicherheit. Das ist allerdings ebenfalls kontraproduktiv. Ich habe jetzt schon so viel zu dem Thema Irak geschrieben und so viel zu dem Thema Israel und warum Ihre Einschätzung von dem, was die Palästinenser glauben, de facto falsch ist – ich mache das nicht schon wieder. Sie könnten einfach “Palästina” in der Blogsuche eingeben, das wäre zumindest etwas weniger unverschämt, als mich hier alles noch einmal, nur für Sie persönlich, erklären zu lassen.
Tatsache ist: Die US-Regierung hat niemanden absichtlich hinters Licht geführt. Der Regierung lagen fehlerhafte Geheimdienstberichte vor und Powell hat sich bei seinem Vortrag bei der UN zu stark auf die Massenvernichtungswaffen als Kriegsgrund fokussiert, obwohl es unendlich viel mehr Gründe gab. Meine Darstellung ist sehr umfassend und detailliert belegt unter anderem im folgenden Buch:
http://www.amazon.de/War-Decision-Inside-Pentagon-Terrorism/dp/0061373664/
80% der Palästinenser wollen einen Scharia-Staat und befürworten die Ermordung von jüdischen Zivilisten. Sie haben mehrheitlich eine antisemitische Terrororganisation zu ihrer Regierung gewählt. Und Sie erwarten, dass die Israelis solchen Leuten “Anerkennung” entgegenbringen. Solche Vorschläge kann man im Nimmerland machen. Obwohl, selbst dort dürfte es die Piraten nicht dazu animieren, sich mit den verlorenen Kindern zu versöhnen.
Sie sollen nicht auf meine Quellen polemisch antworten, sondern die verdammten Dinger lesen und ernstnehmen oder still sein.
Epikur
28. November 2010 at 23:28
Ihre erste Aussage zum Irakkrieg war, dass es keine verlogene Begründung gab. In Ihrem letzten Kommentar hiess es, das es zwar eine Lüge war, aber keine absichtliche. Eine Diskussion über die Definition des Wortes Lüge muss nun aber wohl nicht beginnen. Sie schreiben, das Powell zu sehr auf die Massenvernichtungswaffen fokussierte. Er fand dafür klarere Worte und nannte seinen Auftritt einen Schandfleck.
Auf Ihr ungewöhnliches Verstandnis des Begriffs der Unverschämtheit gehe ich nicht weiter ein, zumal ich nicht nach einer Erklarung von “allem” gefragt hatte, sondern einen konkreten Punkt ansprach.
Grundsätzlicher Art wären allerdings die Fragen nach dem was Sie eigentlich wollen und wie dies realistisch erreicht werden kann. Ich finde dazu in Ihren Texten keine Antworten: Wie soll z.B. bei einem umfassenden Einsatz von Krieg ein solcher finanziert werden – eine hartherzige aber realistische Frage.
In Ihrem letzten Absatz zitieren Sie mich übrigens unvollständig und sinnentstellend. Ich erwarte von den Israelis keine Anerkennung der Position antisemitischer Terroristen, sondern sprach ganz bewusst von “GEGENSEITIGER Anerkennung”. Ohne eine solche sind Beziehungen zwischen Staaten – und übrigens auch konstruktive Diskussionen in Onlinemedien – nicht möglich.
Das ich nicht alle heplev oder Jewish Library Artikel komplett lese, möge man mir nachsehen. Ich glaube, grob orientiert zu sein, bin da aber offen für Belehrungen. Wir haben beide sicherlich nicht alle relevanten Bücher zu Religion, Geschichte und Naturwissenschaft gelesen, diskutieren dies aber trotzdem ganz munter.
Das die radikaleren israelischen Position gegen die UN und USA-orientiert sind, was zu einem gewissen Meinungsbias führt, sollte aber nicht überraschen: Israel hängt am militärischen Tropf der USA, während die UN einen umfassenderen Interessenausgleich sucht. Verstehen Sie mich aber nicht falsch: Auch ich kann mir Situationen vorstellen, in denen ich z.B. militärische Präventivschläge Israels für notwendig halte.
derautor
29. November 2010 at 01:40
“In Ihrem letzten Kommentar hiess es, das es zwar eine Lüge war, aber keine absichtliche”
Nein, es war keine Lüge! Lügen sind absichtlich. Einige Regierungsmitglieder haben zu sehr den Informationen der CIA vertraut. Bei ihr liegt der Fehler.
“Israel hängt am militärischen Tropf der USA”
Ich weiß zwar, dass dies so gut wie jeder sagt, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es sich um eine Verschwörungstheorie handelt.
“während die UN einen umfassenderen Interessenausgleich sucht”
Die UN hat einen sehr extremen Anti-Israel-Bias:
http://www.israel-network.de/?q=node/60
Epikur
29. November 2010 at 00:09
Ach ja: Sie schrieben noch “Sie sollen nicht auf meine Quellen polemisch antworten, sondern die verdammten Dinger lesen und ernstnehmen oder still sein.” Der Sinn des “polemischen” Links war folgender: Das hinter heplev ein interessantes Religionsverständnis steht, hatten Sie ja schon bestätigt. Mein Link führte zu einer Seite der Jewish Library in der von “Holy land” gesprochen wird. Ich hätte erwartet, dass es jemand wie Sie misstrauisch macht, wenn sich so etwas hinter den von Ihnen zitierten Quellen häufiger zeigt.
Übrigens fuhr ich nach dem Link sofort fort mit der von Ihnen geforderten “Ernsthaftigkeit” (übersehen? Passiert uns ja allen mal
) und einer konkreten Frage, die unbeantwortet blieb (was war erfolgreicher als Carter). Da will ich gar nicht “unverschämt” nach langen Antworten fragen. Ich bin da wirklich neugierig und frage nur nach einem Stichwort, z.B. Sechstagekrieg.
derautor
29. November 2010 at 01:42
Was soll denn überhaupt erfolgreich gewesen sein an Carter?
foundnoreligion
28. November 2010 at 22:32
Andi, ich stimme dir in vielen Punkten zu. Aber deinen Nationalismus kann ich nicht teilen. Vermutlich deswegen, weil ich mich selber als Kosmopolit sehe und ich das Gefühl habe, dass du den Kosmopolitismus hasst. Aber du hast recht, dass man die UN absetzen soll. Jedoch sollten wir eine Vereinigung nur aus Staaten nehmen, die liberale Demokratien sind, die wir in 3 Gruppen einteilen. Gruppe 1: Nordamerika, Gruppe 2: das westliche Europa, Gruppe 3: die Demokratien des Pazifiks,also Japan, Neuseeland, Australien und Südkorea. Die Diktaturen sollen schauen, wo sie abbleiben und man sollte sie solange aus allen Angelegenheiten raushalten, bis sie alle Demokratien geworden sind. Aber durch den Krieg werden sie niemals. Dazu ist der Hass auf den Westen viel zu stark.
Epikur
28. November 2010 at 23:50
Die von Ihnen aufgezählten Länder werden nach aktuellen Projektionen bis 2050 nur noch einen kleinen Teil der globalen Wirtschaftskraft stellen. Die USA hängen schon jetzt an chinesischen Krediten und FED-Geldvermehrungen wie Junkies an der Nadel. Die EU hat ebenfalls so Ihre Probleme. Die Position einer “splendid isolation” dieser Länder wird nicht einnehmbar sein, wir benötigen globale Netzwerke wie das der UN, in denen die NOCH starken westlich geprägten Länder auf andere Länder prägend einwirken können.
Ein weiterer Punkt ist relevant: Ein Gegengewicht zu den USA ist erforderlich. In diesem Land braut sich etwas zusammen. Der Mix hat folgende Komponenten: Wirtschaftliche Instabilität (Staatsschulden, Aussenbilanzdefizit, etc.), schwache soziale Netze so das soziale Spannungen rasch entstehen, historisch gewachsenes Misstrauen gegen Regierung, hohe Militärausgaben und Militärimage, leicht aktivierbarer religiöser Fundamentalismus, Selbstbild als besonderer Nation welche die Welt formen sollte, drohender Verlust der führenden Rolle in der Welt, etc.
Dies kann leicht zu Spannungen führen, welche extremen Bewegungen Macht in die Hande spielt. Sieht man Palin-Reden auf Youtube oder macht sich mit Ihrem neuen Buch vertraut und kombiniert dies mit der Projektion massiver sozialer Verwerfungen, dann bekommt man einen Eindruck davon, welchen Weg die USA nehmen könnten … Und die Dame bringt sich für 2012 in Position.
foundnoreligion
28. November 2010 at 23:55
ich weiß, aber ich wollte nur andis ansichten mit meinen kombinieren. schade, dass wir auf einer welt leben, wo die menschen abhängig sind von den falschen.
Epikur
30. November 2010 at 12:50
Es ist noch einen Tacken härter. Die USA gehen in eine Phase tiefer nationaler Demütigungen: Der schnellste Rechner ist jetzt ein chinesischer, China hat die schnellsten Züge, deutlich mehr Internet-Nutzer als die USA, eine blühende Universitätslandschaft, die Weltmarktführerschaft in grüner Technologie und die USA müssen bald die Russen bezahlen, wenn sie in die Umlaufbahn wollen. Steven Chu, Physik-Nobelpreisträger und Energieminister der USA, sprach gestern vom bevorstehenden „’Sputnik moment’ in green technology race“ für die Amerikaner als Erinnerung an die historischste Demütigung. Gleichzeitig hat die USA massive Probleme in wirtschaftlicher (Bilanzdefizit, Schulden) und sozialer (Health Care, Arbeitslose) Hinsicht, aber sind militärisch stark, nationalistisch und stark religiös geprägt. Was würde aus diesem Land werden, wenn Sie es in weitere Kriege führen? Die national-religiöse Rechte profitiert und es hat einen destabilisierenden Einfluss auf die Welt.
Die Chinesen sind übrigens nicht unbedingt die Falschen: Deren Weltwirtschaftspolitik ist zur Zeit verantwortungsbewusster als die der Amerikaner. Man kann übrigens auch sagen, dass sie sich nur ihren alten Platz als Nr. 1 der Welt zurückholen. China bildete sich um 220 v. Chr. unter Zhao Zheng. Er verfügte über eine Armee von rund 500.000 Mann. Zum Vergleich: Zu etwa derselben Zeit kämpfte Rom an den Trasimenischen Seen gegen Hannibal mit rund 25.000 Mann, Alexander der Grosse hatte etwa 30.000, Napoleons „Grande Armee“ rund 200.000 Mann. Kurz bevor Kolumbus mit drei Nussschalen den Atlantik überquerte, hatte Zheng He eine gigantische Fernflotte auf den Meeren. Wenn die Chinesen damit nicht aufgehört hätten, würden wir heute alle mit Stäbchen essen und in den Schulbüchern lesen, wann Europa entdeckt wurde. China nimmt einfach seine Weltmachtführung wieder ein, diesmal aber in einer globalisierten Welt: Die westliche Welt, also Sie und ich, wird sich anpassen müssen.
Im Übrigen gibt es bessere Wege als Krieg, um zu Menschenrechten zu kommen und bessere als die von Ihnen angedachte Abschottung der westlichen Welt. Der Königsweg ist folgender: 1) Frieden der einhergeht mit dem Abbau nationalistischer, ethnischer oder religiöser Feindbilder, 2) Wohlstand der eine Basis für Bildung und intensiveren Austausch mit der Welt ist, 3) Gerichtsbarkeit um diesen Zustand zu bewahren. Punkt 2 und 3 führen zu Einsicht in die Gültigkeit von Menschenrechten. Und dafür brauchen wir die UN, die unser Blog-Gastgeber verbieten will. Klingt naiv? Wie naiv ist es, die Einsicht in Menschenrechte einprügeln zu wollen, zu glauben Kriege seien heute noch finanzierbar und erfolgreich oder würden die Kriegführenden nicht radikalisieren? Bitte nicht falsch verstehen: Interventionen sind in radikalen Situationen notwendig als schlechtes Mittel zur Behebung noch schlechterer Zustände.
Das Gegenteil zu den genannten drei Schritten passiert in Afghanistan. Der Krieg hat dieses Land in allen wirtschaftlichen und sozialen Kriterien an das Ende der Welt noch hinter die Subhara-Ländern gebombt. Die ideale Plattform für radikal-verbohrte Fundamentalisten für die nächsten Jahrzehnte.
derautor
30. November 2010 at 15:31
“Die Chinesen sind übrigens nicht unbedingt die Falschen: Deren Weltwirtschaftspolitik ist zur Zeit verantwortungsbewusster als die der Amerikaner.”
Eine kommunistische Diktatur ist nicht unbedingt falsch und sollte die Welt anführen?
“Die westliche Welt, also Sie und ich, wird sich anpassen müssen.”
Wir werden uns einer kommunistischen Diktatur unterordnen müssen? Es kommt unweigerlich bei meinen religiösen Lesern der Verdacht auf, dass eine Verbindung besteht zwischen Ihrem Antitheismus und Ihrem Wunsch, sich einer kommunistischen Diktatur “anzupassen”.
Epikur
29. November 2010 at 07:17
Sie schrieben “Die UN hat einen sehr extremen Anti-Israel-Bias:
http://www.israel-network.de/?q=node/60“. Die Position von Sanjuan und ähnlichen Autoren kenne ich. Nur eine kurze Antwort, weil ich zur Arbeit muss: Sie haben jetzt nach heplev und JVL die dritte Quelle mit stark religiös geprägtem Hintergrund zitiert (und nur solche). Bereits hinter Ihrem Link steht sofort der Satz “Der Amerikaner Pedro Sanjuan ist spanischer Abstammung und Christ.” Dies ist gleich die erste (wichtigste?) Charakterisierung des Autors. Die UN werden dann als antisemitisch charakterisiert; soll ich dazu Gegenbeweise listen oder akzeptieren Sie diese Aussage als albern. Auf der Startseite des Israel-Neworks geht es gleich im obersten Artikel um das Shilouv-Projekt. Dieses wird beschrieben als “The Shilouv Project is a non-profit organization dedicated to strengthening the ties between the Christian community and Israel”. Ich kann gerne, wenn ich heute abend mehr Zeit habe, noch ein paar Hintergründe zu Sanjuan et. al. schreiben, aber ich wiederhole zunächst nur meine schon gestellte Frage: Erzeugt es gerade bei Ihnen denn gar kein Misstrauen, dass alle drei bisher von Ihnen zitierten Quellen solch stark religiöse Prägung haben?
derautor
29. November 2010 at 21:47
Nein, es erzeugt bei mir gar kein Misstrauen, weil ich nicht rassistisch gegenüber Gläubigen bin. Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum jemand etwas Unehrliches über Israel schreiben sollte, nur weil er Christ ist, außerdem hat mich ein atheistischer Israel-Unterstützer auf den Artikel hingewiesen.
Epikur
30. November 2010 at 18:54
Bitte zitieren Sie meinen Aussagen zu China nicht falsch. Auch eine Ferndiagnose meines Wunsches nach einer kommunistischen Diktatur sind natürlich unsinnig. Als Direktor eines Dax-Konzerns werde ich meist eher in der anderen Ecke (fehl)verortet.
Ich will nicht, dass China die dominierende Macht wird, sondern es wird einfach so sein: Dies ist eine klare Aussage von Wirtschafts- und Demographiekennwerten.
Die Aussage, die seien nicht die falschen, bezog sich auf die Wirtschaftspolitik: Die der Wallstreet und der FED stellt ein grösseres Risiko dar als der zur Zeit relativ besonnene Umgang der Chinesen mit Leitzinsen und den Dollarreversen; China könnte den Dollar jederzeit kollabieren lassen.
derautor
30. November 2010 at 19:49
Ja, sicher ist China eine ökonomische Großmacht. Aber ich würde die ökonomische Stärke der USA und ihre Fähigkeit, Krisen zu überwinden, nicht unterschätzen.
Mich interessiert eher die ideologische Seite. Ich glaube nicht, dass der chinesische Kommunismus die “ideologische Strahlkraft” hat wie die Vereinigten Staaten. China ist außerdem sehr nationalistisch und nicht universalistisch wie die USA.
Epikur
30. November 2010 at 18:55
Sie haben zwar meine Fragen bisher nicht geantwortet, aber zu einer zumindest eine Gegenfrage gestellt: „Was soll denn überhaupt erfolgreich gewesen sein an Carter?“
„Erfolg“ definiere ich, wie vorher schon einmal beschrieben, als gegenseitige Anerkennung. Dies war nach den von Carter vermittelten Camp David Verhandlungen 1978 und dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag 1979 nur wenige Jahre nach dem Jom-Kippur-Krieg erreicht. Israel zog sich aus einigen besetzen Gebieten zurück, wurde als Staat von Ägypten anerkannt, israelische Schiffe durften den Suez-Kanal wieder befahren, militärische Konflikte wurden eingestellt. Dafür gab es für Begin und Sadat den Friedensnobelpreis.
Selbst als Islamisten Sadat töteten, war sogar das israelische Militär für eine Fortführung dieser Linie; daraus entstand z.B. Schalom Achschaw. Leider sind wir hinter diesen Zustand wieder weit zurückgefallen. Auslöser dafür waren nicht zuletzt blutige Attentate palästinensischer Terrorgruppen um 1978, auf die Israel mit dem Libanonkrieg reagierte. Nicht zuletzt unterstütze Israel die christlich-faschistische Kata’ib Bewegung und deren Massenmorde in mehreren Flüchtlingslagern. Ein klassischer Eskalationsprozess, der immer die widerlichsten Gruppierungen in beiden Lagern stärkt.
Gerade ist der Koreakonflikt aktuell: Carter hat mit Nordkorea 1994 ein Abkommen ausgehandelt, welches durch den Irakkrieg von Bush und sein Gerede von der „Achse des Bösen“ leider hinfällig wurde. Carters viel beachteten Artikel in der Washington Post der letzten Woche haben Sie als politisch interessierter Mensch vielleicht schon gesehen (Link siehe unten).
Ich verabschiede mich jetzt mal aus dieser Diskussion mit ein paar Links zu Jimmy Carter, welche Sie und die Leser dieser Seite vielleicht interessant und unterhaltsam finden: Der erste ist sein Auftritt bei Bill Maher, den ich zufällig bei meinem letzten USA-Besuch sah: Schönes Interview. Der zweite ist ein Link zu „The Elders“; schauen Sie sich das Video dort mal an: Carter spricht da zu Religion und Frauenrechten.
http://www.theelders.org/elders/jimmy-carter
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/11/23/AR2010112305808.html
Und weil ich mich dunkel daran erinnere, dass Sie Battlestar Galactica schätzen, ist hier noch ein Besuch von BSG bei der von Ihnen so geliebten UN Kurze und lange Version:
http://www.youtube.com/watch?v=XKRyx6HWB5I
derautor
30. November 2010 at 19:52
Danke für die Links. Ich werde in einem gesonderten Beitrag auf Carters Rolle antworten, dafür ist der Kommentarbereich nicht geeignet.
Epikur
30. November 2010 at 18:58
Sie schreiben „Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum jemand etwas Unehrliches über Israel schreiben sollte, nur weil er Christ ist“. Bei der Betrachtung des Nahostkonflikts erscheinen einige Muster. Eines ist der Zusammenhang zwischen religiöser Überzeugung und der Aufforderung zu militärischem Vorgehen. Christliche Gruppen, z.B. in den USA, tendieren zur Unterstützung der jüdischen Religion gegen die islamische. Viele der israelischen Siedlungen in besetzten Gebieten sind nach Bibelorten benannt, begonnen hat alles mit dem ultra-religiösen Rabbiner Mosche Levinger.
Im Umfeld des von Ihnen zitierten heplev-Blogs schreibt man z.B. „Das Gute an der Sache ist nur das die Meinung der deutschen Friedensidioten völlig unwichtig ist. Die Siedlungen werden weiter gebaut (…) Ich persönlich bin auch überzeugt davon das, mit Hilfe Gottes, ein zweiter Mosche Levinger die Bühne betritt.“ Die säkularen Kräfte Israels verfolgen eher eine Politik der Aussöhnung auf Basis einer starken defensiven militärischen Position. Schauen Sie sich dazu vielleicht einmal Peace Now an (z.B. auf Wikipedia) und prüfen Sie, wer deren amerikanische Unterstützer sind (z.B. hier http://peacenow.org/ ) und wer in den USA die Siedlungspolitik gut findet: Sehen Sie da keine Korrelation zu (christlichem) Fundamentalismus?
Die von Ihnen zitierte Jewish Library, die zur „American-Israeli Cooperative Enterprise“ gehört, spricht vom „holy land“ nicht ohne Grund: Es ist gegenüber den Moslems zu verteidigen. Das von Ihnen ebenfalls als Quelle verwendete Israel-Network, betont, die Beziehungen des Christentums zu Israel stärken zu wollen. Israel sucht die Unterstützung der USA insbesondere in der christlichen Rechten und unter Verwendung muslimischer Feindbilder. Es ist kein Wunder, das Bush von einem „Kreuzzug“ sprach.
Fragen Sie sich nur zur Sicherheit, ob Sie sich hier nicht zum Handlanger von Leuten machen, die durch das Schüren religiöser Spannungen nationalistische Machtpolitik unter dem Deckmantel der Menschenrechte betreiben.
derautor
30. November 2010 at 19:56
Der Kommentar ist im Spam hängengeblieben, wohl wegen dem Link.
Ich empfehle Ihnen das Buch “Der ewige Sündenbock” von Tilman Tarach. Er bietet eine konsequent säkulare Verteidigung von Israel. Man hat als Atheist jeden Grund, auf deren Seite zu stehen.
Martin
1. Dezember 2010 at 12:27
Ich denke nicht, das es einen weiteren Grund braucht, außer dem, das es in den letzten 2000 Jahren weder Christen noch Muslimen gelungen ist, in ihren jeweiligen Staaten Juden ein würdiges und gleichberechtigtes Dasein zu ermöglichen.
Von den bekannten Greueltaten mal ganz abgesehen.
Empirisch klar belegt scheint mir damit, daß ein jüdischer Staat die einzige Möglichkeit ist, Juden eine eine halbwegs sichere und würdige Existenz zu gewährleisten.