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Neokonservatismus: Warum wir ihn brauchen

20 Nov

Neoconservatism. Why we need it.Bei dem Ruf, den die Neocons inzwischen haben, könnte ich genausogut einen Beitrag mit dem Titel “Völkermord: Warum wir ihn brauchen” schreiben und würde ähnlich viel Applaus dafür bekommen. Andererseits gab es in der zweiten Episode von “Entweder Broder” eine Szene, wo von einem Vortragenden betont wurde, dass uns andere Völker um unser Holocaustdenkmal beneiden würden. Und ohne Holocaust gibt es kein passendes Denkmal, also ist Völkermord vielleicht gar nicht so unpopulär hierzulande.

Doch nun zu wichtigeren Dingen als Deutschland.

Hier geht es nun um das gleichnamige Buch (wie der Titel dieses Beitrags) vom jungen britischen Autor Douglas Murray, der als Direktor des Centre for Social Cohesion (CSC) seine Zeit vertreibt. Das ist ein Londoner Think Tank, dessen Aufgabe darin besteht “Menschenrechte, Toleranz und sozialen Zusammenhalt” in England zu fördern und außerdem geht es um das Studium von Radikalisierung und Extremismus in Großbritannien.

In Neoconservatism. Why we need it beschreibt und verteidigt Murray den britisch-amerikanischen Neokonservatismus, eine politische Philosophie. Michael Schmidt-Salomon hat mich darauf hingewiesen, dass in Deutschland der Begriff “Neokonservatismus” mit der “geistig-moralischen Wende” der Kohl-Regierung assoziiert werde. Darum geht es hier und generell, wenn ich den Begriff erwähne, nicht. Ich lebe intellektuell zu etwa 90% in der angelsächsischen Welt und daher kommt auch meine politische Ausrichtung. Es gibt in Deutschland keine Partei, die auch nur im entferntesten den Neokonservatismus verteten würde.

Auch sehe ich den Neokonservatismus nicht als ideologische Kategorisierung an, sondern als eine Philosophie, bei der man einzelne Elemente, wie auch das ganze Ding, jederzeit verwerfen kann. Aber es ist eben eine Philosophie, die mich eher überzeugt als andere – übrigens denke ich mir das nicht aus, Douglas Murray und andere führende Neocons weisen explizit darauf hin, dass es sich um eine Philosophie handelt und weder um eine Ideologie, noch um eine bestimmte Gruppierung.

Generell hat MSS natürlich recht, dass man als kritischer Denker sich nicht in irgendwelchen Ecken positionieren sollte, aber das Problem besteht darin, dass ich sowieso von anderen in eine Ecke gestellt werde, ob ich will oder nicht. Bevor ich mich offiziell als “Neocon” geoutet habe, wurde ich in die “Rechtspopulisten”-Ecke gestellt, was mir doch noch ein paar hundert Mal weniger gefällt als meine aktuelle Ecke. Und er selbst wird ja wohl ebenfalls in eine politische Ecke gestellt. Da gibt es keinen Weg heraus. Übrigens sagt das auch Irving Kristol, einer der Hauptbegründer des Neokonservatismus, der sich selbst gar nicht als neokonservativ ansieht und halt einfach mitmacht.

Es ist so ähnlich wie mit den “Neuen Atheisten”, wo MSS ebenfalls meinte, man sollte sich nicht so bezeichnen lassen, aber das war und ist den Medien vollkommen gleichgültig. Da bin ich eben realistisch. Außerdem: Ist doch schön, wenn man auch zu den Konservativen als Humanist einmal eine Brücke baut, denn es gibt beileibe schon genügend Brücken zu der Linken, oder nicht? Und wenn beide Ideologien gleichermaßen falsch sind, ist das nur gerecht.

Gegen Relativismus – aber wofür?

"Ich hab keine Lust mehr, Schilder zu tragen!"

"Ich hab keine Lust mehr, Schilder zu tragen!" Die Gegenkultur ist wirklich gegen alles.

Neoconservatism: Why we need it ist in gewisser Hinsicht eine Art “Sarrazin auf Speed”, da es einem in noch rücksichtsloserer Direktheit unbequeme Tatsachen um die Ohren haut. Allerdings hat es im Gegensatz zu Deutschland schafft sich ab den Vorteil, dass es nicht so kühl und alt-konservativ rüberkommt wie das streckenweise doch etwas oberlehrerhafte Sarrazin-Buch. Stattdessen ist es liberaler und idealistischer. Und natürlich ist auch die inhaltliche Ausrichtung anders, obgleich es Überschneidungen gibt.

Größtenteils bietet es hervorragende Analysen der weltpolitischen Lage und der kulturellen Entwicklung des Westens. Ich habe mir nur immer dann an den Kopf gefasst, wenn Murray auf einmal die christliche Religion verteidigt, was beizeiten vorkommt. Er verkauft sie als Bollwerk gegen den ethischen Relativismus, der sich seit der Etablierung der Gegenkultur (hierzulande würde man sagen “die 68er”) überall im Westen ausgebreitet hat. Er fordert christlichen Religionsunterricht für alle Kinder und dass der Staat für christliche Hilfsorganisationen und Festivitäten aufkommen soll, wie es hier in Deutschland der Fall ist. Auch verteidigt er die Tafeln mit den Zehn Geboten in staatlichen Gerichtsgebäuden. Das sind alles typisch “paläokonservative” Positionen und wollen nicht zu dem ganzen Rest passen.

Verglichen mit seiner großartigen sonstigen Philosophie erscheint das Christentum wie ein Fremdkörper im Kopf eines anderweitig sehr kritisch denkenden Menschen. Obendrein ruft Murray immer wieder zur Hinterfragung von bestehenden Annahmen auf und hat offenbar nur das Christentum davon ausgenommen. Insofern verwundert es nicht, dass Douglas Murray seine anglikanische Religion drei Jahre nach Erscheinen des Buches, also im Jahre 2008, aufgegeben hat. Er hat sich inzwischen den Neuen Atheisten angeschlossen.

Neocons für alle

Wie man einen Paragraphen liest. Die Kunst des Close Reading

Wie man einen Paragraphen liest. Die Kunst des Close Reading

Wie es dazu gekommen ist, beschreibt er in seinem Artikel Studying Islam has made me an atheist. Der Titel sagt es ja bereits: Er hat sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse des Korans befasst, ist darüber zur Bibelkritik gekommen und hat schließlich erkannt, dass kein Buch heilig ist. “Am Ende hat Mohammed einen Atheisten aus mir gemacht”, schreibt Murray. “Für einen Bibliophilen, in der Tat für einen Biblioverrückten – ist die Idee, dass es ein Buch gibt, das man nicht bezweifeln darf, beleidigend, wie auch nachweisbar falsch.”

In seinem Buch über den Neokonservatismus schreibt er noch über den Glauben als Fundament der Moral und als Schutz vor dem Nihilismus. Inzwischen hat er seine Meinung geändert: “Wie es aussieht, wird es immer deutlicher, je genauer ich sie mir ansehe, dass religiöse Texte nicht nur unnötig sind für ein ethisches Leben. Öfter, als Gläubige dies zugeben, stehen sie im direkten Widerspruch dazu.” Douglas Murray ist nun zufriedener mit seinem Leben, vergleicht die Bibel mit den Werken von Shakespeare und empfindet Weihnachten als “noch wundervoller”.

Dann kommt er zu einer wichtigen Schlussfolgerung: “Der fundamentalistische Islam fordert uns politisch heraus. Aber die Wortgläubigkeit einer Sorte mit der Wortgläubigkeit einer anderen anzugehen, funktioniert nicht. Komplexität ist schwieriger zu akzeptieren, aber augenscheinlicher. Nach einem langen Kampf finde ich Grund genug dafür (“reason enough” – ein Wortspiel, es bedeutet auch “Vernunft genug”).”

Meine evangelikalen Leser können sich ja mal überlegen, ob etwas dran sein könnte an Murrays Erkenntnissen. Neokonservativ ist er noch immer, nur frei von der Religion. Das eine hängt nicht vom anderen ab. Eher im Gegenteil.

Neokonservatismus im Kern

Douglas Murray bereut inzwischen, wie er den Glauben mit seiner Politik verknüpft hat. Darum bin ich so frei, die einstigen religiösen Elemente seiner Politik in der Zusammenfassung auszusparen.

Hier also ein paar neokonservative Kernpositionen:

1.) Gegen ethischen Relativismus.

2.) Gegen den politisch korrekten Pseudo-Liberalismus, der eigentlich die Freiheit bekämpft.

3.) Der Westen braucht eine liberal-demokratische Leitkultur (ich bin so frei, als Leitkultur Humanismus und Aufklärung vorzuschlagen).

4.) Für eine liberal-demokratische Regierung auf nationaler Ebene und gegen eine Weltregierung, da sie zur Tyrannei führen kann.

5.) Führende Politiker sollten eindeutig zwischen Freunden und Feinden unterscheiden, bevor sie weitere Differenzierungen vornehmen. Warum? Weil es Nationen gibt, die den Westen hassen und ihn vernichten wollen, ganz einfach.

6.) Wer Demokratie und Freiheit genießt, sollte stets die Seinen von Despoten und Tyranneien verteidigen.

7.) Demokratien sollten weltweit angefacht und ermutigt werden. Ziel ist der “ewige Friede” nach Kant, laut dem alle Nationen liberale Demokratien sein müssen, damit es Weltfrieden geben kann.

Nieder mit den Vereinten Nationen

Die Vereinten Nationen (UN) sind der aktuelle Versuch, eine Weltregierung zu etablieren. Den Neocons wurde häufig vorgeworfen, “unilateral” zu agieren und sich nicht mit der Staatengemeinschaft abzusprechen. So ist es auch. Die Meinung der Staatengemeinschaft ist uns egal – aus guten Gründen!

Einige werden die aktuelle Nachricht gelesen haben, dass die UN die Ermordung von Homosexuellen nicht länger verurteilt. Dies hat viele meiner humanistischen Kollegen erstaunt und erschüttert, mich überhaupt nicht, weil nichts anderes zu erwarten ist von einer Organisation, die zu 54% aus unfreien Nationen besteht. Wenn man sich den Entscheidungen von Diktaturen unterordnet, was soll dabei schon herauskommen?

Humanisten wachen jetzt allmählich auf, nachdem der Menschenrechtsrat der UN, der von der Organisation of the Islamic Conference (OIC) kontrolliert wird, in einer Resolution die Kritik des Islams verboten hat (ich hatte zu der Zeit auch darüber berichtet).

Für die Neocons ist das alles nichts Neues. Daniel Patrick Moynihan (Urheber von Moynihans Gesetz) war 1975 UN-Botschafter. Am 10. November dieses Jahres verabschiedete die UN die Resolution 3379 mit einer Mehrheit von 72 Stimmen im Vergleich zu 35 mit 32 Enthaltungen. Die Resolution besagte: “Zionismus ist eine Form von Rassismus und rassistischer Diskriminierung”, außerdem “eine Bedrohung des Weltfriedens”.

Der Vorstoß wurde angeführt vom ugandischen Präsidenten Idi Amin, ein Völkermörder, der Hitler und den Holocaust unterstützte. Außerdem hat er eine seiner Ehefrauen aufgefressen (kein Witz). Manche kennen ihn vielleicht aus dem Film Der letzte König von Schottland.

Amin erklärte, dass die USA von Zionisten “kolonisiert” worden sei und er rief zur “Ausrottung” von Israel auf. Dafür bekam er stehenden Beifall und die muslimischen Länder sowie zahlreiche afrikanische Länder unterstützten den Antrag.  Der UN-Generalsekretär Kurt Waldheim organisierte eine Party zu Ehren Amins. Waldheim war vormals bekannt als Oberleutnant Waldheim von der SA, siehe Waldheim-Affäre.

Moynihan stand auf und erklärte: “Die Vereinigten Staaten erheben sich, um vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen und vor der Welt zu erklären, dass sie diese abscheuliche Verordnung nicht anerkennt, dass sie sie nicht befolgen wird und dass sie sie niemals dulden wird.”

Er erklärte, dass die Resolution eine Lüge sei und dass sie niemals zustandegekommen wäre, wenn es keine Generalversammlung gäbe. “Die Leute werden sagen, in der Tat haben sie bereits damit angefangen, dass die UN ein Ort ist, wo Lügen erzählt werden”.

Der Realpolitiker Henry Kissinger erklärte sich als nicht einverstanden mit dem, was der Neocon Moynihan erklärt hatte, insbesondere nicht mit seiner Bezeichnung von Amin als “rassistischer Mörder”. Wie Murray schreibt, hat sich der von Kissinger vertretene herkömmliche (isolationistische, “paläokonservative”) Konservatismus ebenso wie der Liberalismus als unfähig erwiesen, Richtig von Falsch, die Wahrheit von der Lüge und den Freund vom Feind zu unterscheiden.

(Ich weiß, dass es eigentlich “Konservativismus” heißen müsste, aber den Begriff verwendet in der Praxis niemand)

Die Neocons verteidigen Israels Recht auf Existenz und Selbstverteidigung, weil es die “einzige demokratische Nation in einer Region von verwahrlosten Diktaturen” ist.

Nieder mit dem Relativismus

Der Philosoph Leo Strauss kritisierte bereits vor 50 Jahren, was Sam Harris jetzt in Bezug auf Ethik und Wissenschaft allgemein feststellt:

Unsere politische Wissenschaft wird von dem Glauben heimgesucht, dass “Werturteile” in wissenschaftlichen Erwägungen unzulässig wären und dass es ein Werturteil darstellen würde, ein Regime “tyrannisch” zu nennen.

Der Relativismus erhöht alles, was gegen den Status Quo ist oder gegen die Norm, auf den selben Standard wie den Status Quo oder die Norm, dann auf einen höheren Standard, weil es neu ist und dessen Vorzüge bislang nicht erwogen wurden. Relativismus geht von Leuten aus, die “einfach keine Ahnung haben, wovon sie reden und was es ist, woran sie sich beteiligen”. Es handelt sich nicht um einen neuen, hochentwickelten, universell angewandten Kritizismus, sondern um die selbstzerfleischende, blinde Verehrung der ewigen Gleichmacherei.

So sieht es aus: 3000 Menschen wurden in Washington und New York in Asche verwandelt, aber das ist nicht einmal das zentrale Problem. Das große Problem, das wir jetzt haben, besteht darin, dass Millionen von Menschen überall auf der Welt in Diktaturen leben, die mit den Anschlägen einverstanden waren und die weitere Anschläge ermutigen. Auch sind viele Millionen Muslime mit den Anschlägen einverstanden gewesen, insbesondere unter den Palästinensern (und viele Millionen waren es nicht, aber das Problem ist trotzdem größer als allgemein wahrgenommen).

Die meisten Argumente der Kriegsgegner, die sich gegen die Einsätze im Irak und in Afghanistan ausgesprochen haben, lassen sich leider unter “furchtsame Leugnung der tatsächlichen Bedrohungslage” einordnen. Zum Beispiel lautet ein Argument der Schriftstellerin und einflussreichen Kriegsgegnerin Arundhati Roy, dass die USA das Land sei, dass über das größte Atomwaffenarsenal verfüge und zudem das einzige Land, das sie gegen Zivilisten eingesetzt habe. Darum sei die USA ebenso berechtigt, den Irak präventiv anzugreifen wie jede andere Atommacht jedes andere Land.

Das ist ein typisches Beispiel für den absurden Gleichsetzungwahn der “Gegenkultur” (Mainstreamkultur). Mal davon abgesehen, dass die Atombombenabwürfe in Japan viel mehr Menschen gerettet haben, als sie töteten (man kann trotzdem aus guten Gründen dagegen sein), lautet der Kern des Arguments, dass die Nachfahren der Generation des Zweiten Weltkriegs kein Recht auf Selbstverteidigung hätten, weil ihre Vorfahren Atombomben abgeworfen haben. Wir haben es demnach nicht verdient zu leben, weil wir mit der Ursünde unserer Vorfahren befleckt sind. Warum fallen ausgerechnet so viele Atheisten auf dieses “Argument” rein?

Obendrein ging es nie um einen atomaren Erstschlag auf den Irak, den hat niemand vorgeschlagen. Schließlich besteht ein gewaltiger Unterschied in der Gefährdungslage seitens einer atomaren Diktatur und einer liberalen Demokratie, die über Atomwaffen verfügt. Sonst wäre es ja egal gewesen, ob Hitler oder die USA das Rennen um die Atombombe machen würden.

Spontan ist Roys Argument überzeugend, aber wenn man einmal darüber nachdenkt, ändert sich das schnell. Kriegsgegner sind gut im Parolen schreiben, aber in der Regel nicht so gut im Denken.

Und dagegen will die Gegenkultur mit ihrer moralischen Gleichsetzung des Westens mit seinen Feinden ankommen:

“Wir bekämpfen euch nicht, damit ihr uns etwas anbietet. Wir bekämpfen euch, um euch auszulöschen.” (Hussein Massawi, ehemaliger Hisbollah-Führer).

Nieder mit der Antikriegs-Propaganda

Falsche Freunde (coxandforkum.com)

Falsche Freunde (coxandforkum.com)

Das Buch bietet zudem einen guten Einblick in den Ruf, den Deutschland in den USA genießt. Wir gelten als Verräter, beinahe auf Ebene der Franzosen, die Saddam Hussein ein Atomkraftwerk verkauften. Und aus guten Grund: Der BND (Bundesnachrichtendienst) informierte Gerhard Schröder innerhalb von Monaten nach den Anschlägen vom 11. September 2001, dass “der Irak unserer Einschätzung nach eine Atombombe innerhalb von drei Jahren besitzen wird” (Anm: Ich habe das aus dem Englischen übersetzt, die originale Formulierung könnte leicht abweichen). Das hat unser Kanzler mal eben ignoriert.

Im Sommer des Jahres 2002, als die UN-Waffeninspektoren im Irak waren, erhielten deutsche Beamte neue Informationen, dass der Irak vormals unbekannte Vorräte des Pocken-Virus besitze. Schröder behielt die Information erneut für sich und wetterte öffentlich gegen die Befreiung des Iraks. Im September verglich die damalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin den US-Präsidenten George W. Bush mit Adolf Hitler.

Die deutsche Opposition zum Irak-Krieg war extrem eigennützig. Die USA würde die Bedrohung sowieso ausschalten, also konnte Deutschland Geld sparen, Schröder konnte damit Wahlwerbung machen, und man würde vielleicht die Aufmerksamkeit der Islamisten von Deutschland ablenken (und auf die USA lenken). Sollte die USA irgendwann keine Lust mehr haben, uns zu beschützen, dann wissen wir, warum.

In den Medien wurde monatelang über Abu Ghuraib und Guantanamo berichtet, aber zentrale Informationen über den Irak erfuhr man nicht. Zum Beispiel, dass dort mehrere Massengräber entdeckt wurden. Oder, dass Mahdi Obeidi, Saddams wissenschaftlicher Mitarbeiter, in seinem Garten Komponenten einer nuklearen Zentrifuge zur Anreicherung von Uran inklusive der Anleitung zur Herstellung einer Bombe vergraben hatte. Der vormalige Waffeninspektor David Kay erzählte der CNN: “Es ist ausgeschlossen, dass wir das bei normalen internationen Inspektionen gefunden hätten”. 2003 war Saddam Hussein dabei, Langstreckenraketen von Nordkorea zu kaufen.

Das Verrückte ist ja auch, dass die Kriegsgegner offenbar glauben, sie wären Anti-Establishment, obwohl sie Universitätsprofessoren, Präsidentschaftskandidaten oder die Direktoren von Multimillionen-Dollar-Stiftungen gewesen sind. Die Kriegsgegner gehörten und gehören zum einflussreichen Mainstream.

“Junge Menschen, die gegen Kriege mit Ländern demonstrieren, die sie nicht auf der Karte finden können, sind nutzlose Bürger”.

Den Status Quo verändern

Change into a Truck (Tim Doyle, http://store.nakatomiinc.com/timdoyle.aspx)

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Im Folgenden innenpolitische Forderungen der Neocons laut Douglas Murray:

1.) Steuern senken.

2.) Immigration um diejenigen reduzieren, die unsere Lebensweise ablehnen.

3.) Die Neocons haben mit dem Wohlfahrtsstaat ihren Frieden geschlossen, kritisieren ihn jedoch in einigen Punkten. Sozialhilfe dient als Auffangnetz, nicht zur Etablierung einer vom Staat abhängigen Parallelgesellschaft. Der Staat muss die Degeneration breiter Massen aufhalten und dafür sorgen, dass Menschen in Freiheit ihr höchstes Potenzial entfalten können. Arbeit, individuelle Freiheit und individuelle Entwicklung sind die Ziele der Wirtschaftspolitik. Dazu ist die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik am besten geeignet. Die Gesellschaft muss für arme Kinder Sozialhilfe zahlen, damit sie ihrem sozialen Hintergrund entkommen können. Aber es gibt keinen Anspruch auf lebenslange Unterstützung seitens des Staates.

4.) Die Regierung muss alle ihre Behörden daraufhin überprüfen, dass sie qualitativ hochwertige Arbeit leisten. Wer das nicht auf die Reihe bekommt, wie etwa der CIA, der nicht einmal genügend arabische Übersetzer auftreiben konnte, dem werden die Mittel gekürzt.

5.) Die Regierung sollte keine Sonderberater und PR-Berater mehr einstellen.

6.) Alle Quoten werden gestrichen. Jeder sollte unabhängig von seinem Hintergrund, Geschlecht und Ethnie gleiche Chancen haben. Es wird keine bevorzugte Behandlung mehr geben aufgrund eines bestimmten Geschlechts oder einer bestimmten Ethnie, auch nicht, wenn das Geschlecht weiblich ist und die Ethnie arabisch. Ebenso haben Neocons kein Problem mit Schwulenrechten, aber Schwulenrechte enthalten keine Rechte, die Heterosexuelle auch nicht haben.

7.) Intoleranz wird nicht mehr toleriert. Der Staat ergreift Maßnahmen gegen gewalttätige Machokulturen wie in den USA die “black culture” und in Europa die Kultur vieler arabischer Jugendlicher und Männer. Diese Kulturen sind “Jauchegruben” der Degeneration, Gewalt und des Nihilismus. Frauen werden herabgewürdigt, Gewalt wird glorifiziert und Faulheit und Abhängigkeit werden gefördert.

8.) Der Islam ist eine missionierende Religion, die unvereinbar ist mit der westlichen Geschichte, den westlichen Gesetzen und der westlichen Gesellschaft. Exklusive muslimische Schulen und Universitäten sind Brutstätten für Segregation und anti-westlichem Hass. Insofern man muslimische Universitäten und Schulen erlaubt, müssen sie gänzlich privat finanziert und besonders strenger Regulation und Inspektion unterzogen werden. Unser Land ist nicht gezwungen, Menschen bei sich zu dulden, die unsere Art zu leben ablehnen. Moscheen und Gemeindezentren, in denen Hass gepredigt wird, müssen komplett geschlossen werden.

9.) Die Bildung sollte im klassischen Sinne liberal gestaltet werden. Bildung soll junge Leute an menschliche Größe erinnern, ihnen etwas bieten, das sie anstreben können und wollen. “Ohne Licht, dem sie entgegenklettern können, werden die Menschen einfach in ihrer Höhle bleiben – sie werden keinen Grund sehen, warum sie sie verlassen sollten.” Menschen sollten gleiche Chancen auf Bildung bekommen.

10.) Die Verbrechensbekämpfung sollte der Polizei überlassen werden, nicht der politischen Korrektheit. Wenn überproportional viele muslimische Jugendliche Verbrechen verüben, dann werden überproportional viele von ihnen angehalten und durchsucht. “Sobald blonde Schweden sich angewöhnen, terroristische Akte zu planen und durchzuführen, dann sollten blonde schwedische Männer wiederholt angehalten und durchsucht werden.” Das ist kein Rassismus, sondern vernünftige Polizeiarbeit. Wer vor Gericht kommt, sollte nicht “repräsentativ” für irgendeine Gruppierung oder Schicht sein. Er sollte derjenige sein, der ein Verbrechen begangen hat.

11.) Die Türkei kommt nicht in die EU, unter anderem, weil Terroristen aus Syrien oder dem Iran nach Europa gelangen könnten. Die Türkei ist im Europa des 21. Jahrhunderts willkommen, sobald sie im 21. Jahrhundert angelangt ist. Die EU ist antidemokratisch organisiert und unzureichend gegenüber den Bevölkerungen der Mitgliedstaaten verantwortlich. Entweder das ändert sich, oder die EU wird aufgelöst.

12.) Die UN wird erst recht aufgelöst. 2003 hatte der Schurkenstaat Lybien den Vorsitz über die UN-Menschenrechtskommission. Im Mai desselben Jahres sollte Saddam Hussein die Präsidentschaft der UN-Abrüstungskonferenz übernehmen (kein Witz). Syrien, das zur “Achse des Bösen” gehört und Terroristen unterstützt, sitzt im UN-Sicherheitsrat. Die Vereinten Nationen sind ein Club von Diktatoren und Terroristen. Es sollte niemanden kümmern, was die von sich geben.

Fazit

Immanuel Kant: Zum ewigen FriedenIn einzelnen Punkten und im Detail weiß ich nicht, ob ich so ganz mit “den Neocons” übereinstimme, aber insgesamt tue ich das hinreichend, um mich weiterhin dieser politischen Philosophie zu verschreiben. Wenn es hart auf hart kommt, dann sind das diejenigen, die der Herausforderung gewachsen sind. Wie Mark Humphreys es ausdrückt: “Das sind die Leute, die den zweiten Weltkrieg gewonnen haben, sie haben die Sowjetunion besiegt und jetzt werden sie den Islamismus bezwingen.”

 
61 Comments

Geschrieben von am 20. November 2010 in Philosophie, Politik

 

61 Antworten zu Neokonservatismus: Warum wir ihn brauchen

  1. Lichtecho

    20. November 2010 at 08:30

    Schöner Artikel. Die Frage ist nur, was mache ich damit in der Wahlkabine? Wer in D steht diesen Positionen am nächsten?

     
    • Thomas

      20. November 2010 at 10:20

      Mir hat der Artikel auch sehr gut gefallen. Mit den außen-, bildungs und integrationspolitischen Forderungen der Neocons kann ich mich identifizieren. Aber bei den ökonomischen Positionen kommen mir Zweifel. Ist es wirklich erwiesen, dass Steuersenkungen, Sozialhilfekürzungen zu mehr Arbeitsplätzen und Wohlstand führen? Hört Diskriminierung bei der Stellenvergabe wirklich von alleine auf, wenn man alle Quotenregelungen abschaft?

      Hier bin ich als aus linksliberaler Tradition stammender Genosse sehr skeptisch, ob nicht neoliberale Ideologie und McCarthyism statt fundierter Wissenschaft hierbei ausschlaggebend ist. Ich fürchte auch, ihr Wirtschaftsliberalismus ist auch einer der Hauptgründe, warum die meisten Linken die Neocons hassen wie der Teufel das Weihwasser.

      In den skandinavischen Ländern jedenfalls gibt es trotz gemäßigter staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft, hohen Steuern, großzügiger Sozialhilfe und Frauenquoten einen extrem hohen allgemeinen Lebensstandard bei geringen
      Einkommensunterschieden, geringer Arbeitslosigkeit und vorbildlichen Bildungssystemen.

      Wie passt das mit den wirtschaftspolitischen Forderungen der Neocons zusammen?

       
      • Thomas

        20. November 2010 at 10:22

        P.S. Was ich eigentlich schreiben wollte:

        “Es gibt in Deutschland keine Partei, die auch nur im entferntesten den Neokonservatismus verteten würde.” (Absatz 4 im Blogartikel)

         
      • derautor

        20. November 2010 at 13:26

        Die sind doch gar nicht neoliberal. Es steht ja auch da (und im Buch), dass sie mit dem Wohlfahrtsstaat ihren Frieden geschlossen haben und lediglich nicht einsehen, warum der Staat Leuten, die arbeiten können, aber meinen, dies nicht zu wollen (fälschlicherweise) finanzieren sollte. Aber in der Tat halte ich es für erwiesen, dass die genannten Mittel am ehesten zum Wirtschaftswachstum führen. Das war, so weit ich sehe, bislang immer so. Ist ja auch klar: Wer nicht mehr vom Staat finanziert wird, muss sehen, dass er eine Arbeit findet.

         
    • apoth

      20. November 2010 at 11:17

      Hat er gesagt: Niemand

       
      • Lichtecho

        20. November 2010 at 11:35

        Ihr könnt ruhig davon ausgehen, dass ich lesen kann. Dennoch will ich ja von meinem Wahlrecht gebrauch machen und bin daher an einer konstruktiven Antwort interessiert. Man muss mir auch nicht antworten, wenn man nicht konstruktiv antworten kann.

         
        • derautor

          20. November 2010 at 13:41

          Ich weiß es wirklich nicht, wen ich wählen soll. Ich stimme mit der FDP außenpolitisch und zum Teil innenpolitisch überhaupt nicht überein, aber das gilt wohl für alle Parteien. Echt keine Ahnung, sorry.

           
    • Thomas

      20. November 2010 at 12:45

      Sorry, mein erster Beitrag sollte eigentlich gar keine Antwort für dich darstellen.

      Am nächsten an den Neoconservatismus nach der obrigen Definition kommt vielleicht die FDP (insbesondere in Wirtschaftsfragen). Die SPD ist zumindest nicht so weit entfernt davon wie Linkspartei und Grüne, die dem Kulurrelativismus voll und ganz verfallen sind. Die Union vertritt auch teilweise Neocon-Positionen, aber aus den falschen Gründen (und zwar: Christentum > Islam).

      Manche Meinungen (z.B. Gender Mainstreaming, Kulturrelativismus, UN = toll, Krieg = doof) finden allerdings aufgrund ihrer politischen Korrektheit in jedem Parteiprogramm der großen Parteien.

       
  2. Sophian Philon

    20. November 2010 at 09:51

    Es ist erstaunlich, aber du schreibst mir aus der Seele (entschuldige das Pathos). Ich hatte vor einigen Tagen eine Diskussion mit “Paläokonservativen”. In einigen Dingen kamen wir überein und es ärgert mich, dass von links diesbezüglich nichts zu hören ist (ja, ich weiß warum…). Doch in puncto Christentum und Religion… Na ja, am Ende hat man meinen Beitrag zum Forum einfach zensiert… Man steht mit dieser Meinung ganz schön zwischen den Stühlen und um den Kommentar von Lichtecho aufzugreifen: auf politischer Ebene schein hierzulande kaum etwas machbar. Eigentlich ein Armutszeugnis, dass gerade die, denen die freiheitliche Demokratie am Herzen liegt, in der Demokratie keine Vertretung finden. Sollte man nicht überlegen, doch mal etwas Eigenes aufzuziehen? Potential hätte es doch… Wie gesagt, ich stimme mit dir überein, z.B. zum Thema Islam. Aber wie kann dies politisch umgesetzt werden ohne politische Vertretung. Das Thema Integration/Immigration/Demographie wird bisher völlig unzureichend angegangen. Die Linken sehen kein Problem (außer vielleicht “Rechtsextremismus”), die Rechten scheinbar auch nicht oder sie faseln nur etwas von christlicher Leitkultur. Ich sehe das größte Problem nicht auf internationaler Ebene (die UN kann man zur Not ignorieren!), sondern auf nationaler (Stichwort demokratische Leitkultur bzw. Relativismus). Was also tun?

     
  3. Julian

    20. November 2010 at 10:05

    Ich fürchte es ist nur eine Frage der Zeit bis die UN eine Resolution verabschiedet, die einen Angriffskrieg auf Israel gutheißt. Ich wette nicht wenige Kriegsgegner werde diesen Krieg gutheißen, weil es ja Israel ist.

     
  4. Ingo Bading

    21. November 2010 at 08:23

    Hier äußern sich in den Kommentaren und im Blogbeitrag selbst schon allerhand Witzbolde. – HOCHGRADIG ENTSCHULDIGUNG. Wo es Neokonservative in Deutschland gibt? Wo gibt es denn KONSERVATIVE in Deutschland?

    Würde jemals ein ECHTER Konservativer in Deutschland es zulassen, daß es auch nur den Schatten eines Verdachtes gibt, daß ein ausländischer Geheimdienst einen (konservativen) deutschen Spitzenpolitiker ermordet? Einen potentiellen Bundeskanzler-Nachfolger? Diesen Schatten eines Verdachtes gibt es schon lange.

    Aber keine blasiert-konservative oder blasiert-neokonservative CDU-Regierung hat deshalb auch nur den leisesten Muckser gemacht. Das ist doch affenartig. Wer seine Leistungsträger nicht vor Mord schützen kann, was ist denn der?

    Ja. Neokonservative gibt es in Israel. Die sind nicht zimperlich. Die setzen gerne ihre Mörderbanden gegen Paläo-Konservative in Deutschland und sonstwo ein. Und niemand widerspricht.

    Hört mir doch auf:

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,730274,00.html

    - Ach, übrigens: Aus der Neigung, sich mit “irgendwas” identifizieren zu wollen, nicht allein stehen zu wollen, irgendwo dazu gehören zu wollen, aus dieser Neigung, die hier im Beitrag und in den Kommentaren allseits ersichtlich wird, entspringen jene “gruppenevolutionären Strategien”, von denen Kevin MacDonald spricht. Der Drang zur Gruppenbildung ist dem Menschen als sozialem Wesen eingeboren.

    Als Evolutionärer Humanist von heute sollte man dabei allerdings nicht bei verfreimaurerten, globalisierenden “Konservativen” oder “Neokonservativen” herumsuchen, die alle im Widerspruch zu dem Grundgedanken der Humanevolution stehen. Welches ist der Grundgedanke der Humanevolution wie er in den letzten Jahren immer klarer zutage tritt? Es ist das völkische Denken, genetische Kontinuität von ethnischen Gruppen (wie etwa als bestes Beispiel die aschkenasischen Juden).

    Deshalb sollte man sich mal bei völkischen Vordenkern der Zwischenkriegszeit umgucken, die in der Tradition des naturalistischen Denkens von Ernst Haeckel, August Weißmann und Emil Kraepelin stehen und auch vom völkischen Denken geleitete cheater detection betrieben haben:

    http://studiengruppe.blogspot.com/

     
    • derautor

      21. November 2010 at 09:38

      Das war jetzt der endgültig letzte Kommentar von Ingo Bading hier, denn die rechtsradikale Verschwörungstheorie von “verfreimaurerten, globalisierenden Neokonservativen” höre ich mir nur einmal an, ebenso einen Aufruf zum “völkischen Denken”! Schreib das in irgendeinem Blog der NPD. Oder in einem Blog der Linkspartei.

       
      • Lichtecho

        21. November 2010 at 11:44

        Witzig, die Kommentare von Ingo Bading laufen bei meinem AOL-Account automatisch in den Spam-Ordner :-)

         
      • Martin

        22. November 2010 at 09:12

        Danke. Gibt genug Foren für Verwirrte, soll er sich da tummeln… ;)

         
  5. Dis Marada

    21. November 2010 at 21:29

    1.
    Ich denke nicht, dass alle Menschen ohne Religion zufrieden und glücklich werden können. Hier braucht es eine tolerante, die Freiheit nicht einschränkende Lösung. Monotheismus kommt dafür nicht in Frage, da das “Mono” im “Theismus” automatisch zu einer Abwertung Andersdenkender und Andersgläubiger und damit zum ewigen Krieg führt.

    2.
    Hat hier keiner daran gedacht, dass der Reichtum der westlichen Industrienationen in grossen Teilen auf der Armut der Entwicklungsländer und ärmeren Länder basiert. Hier hat derjenige, der Rohstoffe und Arbeitsmarkt ausbeutet gegenüber den betroffenen Nationen eine Verantwortung, die nicht weggeschoben werden darf.
    Wird das nicht getan, ist die Nation einfach nur ein gieriger rücksichtsloser Räuber.

    Sonst fällt mir auf die Schnelle grad keine Ergänzung oder Kritik zum Thema ein. Ein sehr interessanter Artikel. Danke.

     
    • derautor

      21. November 2010 at 22:03

      2. Das stimmt nicht. In den Entwicklungsländern gibt es keine freie Marktwirtschaft und keine liberale Demokratie, darum sind sie arm. Wir sollten zwar die Handeslbarrieren aufheben und den Protektionismus einstellen, aber das ist sekundär.

       
    • Martin

      22. November 2010 at 09:28

      Zum Thema “Armut in der dritten Welt” würde ich das sehr erhellende Buch “Afrika wird armregiert” von Volker Seitz lesen. Hat zwar vorrangig Afrika im Blick, wo der Author als Diplomat tätig war, trifft aber in weiten Teilen auch auf andere Gebiete zu.

      Das wesentliche Problem ist der korrupte Regierungsapparat, bis hinunter auf die niedrigsten Ebenen und die Zementierung dieser Verhältnisse durch die bestehenden Formen der Entwicklungshilfe.
      Die kommt nämlich fast ausschließlich diesem Apparat zugute und hilft dabei, die Verhältnisse, die die Misere bedingen zu verfestigen.
      Das das Ganze eben nicht oder nur sekundär an der “Ausbeutung” durch den Westen oder die Kolonialisierung liegt, führt er auch recht triftig an.

       
  6. Adriano Mannino

    22. November 2010 at 02:52

    - Broder, das Denkmal und allgemeine Vorbemerkungen: Einem Neokonservativen steht es doch einigermassen schlecht an, in utilitaristischer Manier zu beanstanden, die 25 Millionen Euro hätten auch für soziale Zwecke verwendet werden können. Der Neokonservatismus ist sonst nicht dafür bekannt, ein im utilitaristischen Sinne definiertes Gemeinwohl zu priorisieren. Vielmehr werden „Eingriffe“ in den „freien Markt“ abgelehnt, auch wenn dieser zu extremer sozialer Ungleichheit („Center for Social Cohesion“, as a neocon? Quite a joke!) führt. In der Schweiz besitzen 3% der Bevölkerung mittlerweile so viel Vermögen wie der Rest zusammen, unten stagnieren die Löhne, oben explodieren sie, mehrere hunderttausend Menschen sind working poor, d.h. arbeiten mehr als 90% und erzielen damit trotzdem kein existenzsicherndes Einkommen, junge Menschen haben Mühe, eine Lehrstelle zu finden. (Ich spreche hier von der Schweiz, die sozialen Missstände etwa in den USA sind natürlich noch bedeutend schwerwiegender.) Wo sind die Neokonservativen in diesen für die soziale Kohäsion entscheidenden Fragen? Sie verteidigen nicht selten die Privilegien der „Tüchtigen“ und „Reichen“, man will keine Steuerharmonisierung, keine anständige Erbschaftssteuer (obwohl das Erbschaftsprinzip mit Meritokratie völlig unvereinbar ist!), keine Kapitalgewinn- und Finanztransaktionssteuern, obwohl diese überfällig sind. Nicht selten setzt man sich auch gegen ökologische Steuerreformen zur Wehr, obwohl der dringende Handlungsbedarf in diesem Bereich wissenschaftlich längst erwiesen ist. Man argumentiert mit einer Konzeption weitreichender „Grundrechte“ (z.B. auf „Eigentum“), die man über ein utilitaristisch definiertes Gemeinwohl stellt – eine m.E. völlig verkehrte Konzeption, das möglichst umfassende Wohl möglichst vieler bzw. aller muss das oberstes Ziel sein, individuelle Rechte sind Mittel zum Zweck. Im Gegensatz dazu verfolgen Neokonservative nicht selten eine argumentative Stossrichtung, die Besteuerung mit Diebstahl gleichsetzt, weil sie ein absolut gesetztes Grundrecht auf Eigentum verletze (wenn sie nicht im Dienste derjenigen Staatsfunktionen steht, die etwa das Grundrecht auf Eigentum schützen). Diese Konzeption ist mit einer am gesamtgesellschaftlichen Wohl bzw. am Wohl aller (empfindungsfähigen Lebewesen) orientierten Ethik – wie sie auch Sam Harris in seinem jüngsten Werk „The Moral Landscape“ vertritt – völlig unvereinbar.

    - Du hast selbstverständlich Recht, wenn du sagst, man komme gar nicht daran vorbei, sich zu positionieren. Oft hört man den Unsinn, wonach sich ein „kritischer Geist“ nicht einordne, sich nicht klar auf eine Seite schlage. Das basiert nicht selten auf dem Fehlschluss der „goldenen Mitte“. Wenn aber zwei sich streiten – etwa Darwinist und Kreationist – liegt mindestens einer falsch und es ist möglich, dass einer voll und ganz richtig liegt und auch die besseren Argumente auf seiner Seite hat. Denn Wahrheit muss nicht in der Mitte zwischen zwei Extrempolen liegen. Der „kritische Geist“ wird einfach diejenige Position unterstützen, für die – all things considered – die besten Argumente sprechen. Auch die Unterscheidung zwischen „Philosophien“ und „Ideologien“ ist fragwürdig. (Generell ist immer das „ideologisch“, was nicht Mainstream ist und als „extrem“ betrachtet wird – das aber hängt natürlich davon ab, wo sich die aktuelle „Mitte“ befindet. Dabei kann es durchaus sein, dass diese Mitteposition argumentativ völlig unhaltbar und pervers ist. Das ist sie m.E. heute beispielsweise in Sachen Tierethik und Fleischkonsum.) Es gibt einfach Positionen, Ansichten (wissenschaftliche bzw. ethisch-politische), manche sind argumentativ besser, manche schlechter abgestützt, manche hervorragend, andere miserabel. MSS hat NICHT Recht, wenn er (wirklich?) sagt, man solle sich nicht in irgendwelchen Ecken positionieren. Man soll sich dort positionieren, wo man durch Argumente am besten abgestützt ist – ob man dabei in einer wie auch immer definierten „Ecke“ oder „Mitte“ zu stehen kommt, ist irrelevant. Und ein Wort zur „Brücke zu den Konservativen“: Es hat keinen Sinn, Brücken zu bauen, nur damit Brücken gebaut sind. Wenn Ansichten argumentativ fragwürdig sind, muss man zu ihnen keine Brücken bauen (oder höchstens temporäre, im Sinne politischer Allianzen in einzelnen Fragen), sondern versuchen, die zu verändern.

    - Vielleicht ist dir die Sokal-Affäre ein Begriff? Dawkins meinte in diesem Zusammenhang: “A philosopher who is caught equating the erectile organ to the square root of minus one has, for my money, blown his credentials when it comes to things that I don’t know anything about.” Analog kann man sagen: Wer allen Ernstes das Christentum (oder irgendeine Religion) verteidigt und zu allem Übel auch noch eine staatliche Privilegierung fordert (die das Menschen- und Grundrecht auf Religionsfreiheit und Nicht-Diskriminierung verletzt und die akademische Freiheit gefährdet), hat nicht nur von Wissenschaft und Philosophie, sondern auch von Ethik und Politik (Menschen- und Grundrechte) wenig begriffen. Das wirft einen sehr dunklen Schatten auf alles andere, was der Mann auch noch zu sagen hat. Gewiss, aus der Tatsache, dass jemand in einem Punkt völlig falsch liegt, folgt noch nicht, dass das auch für andere Punkte gibt. Aber wenn jemand in einem Punkt derart krass danebenhaut, zeugt das nicht von guter Argumentationsfähigkeit, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Argumente auch in anderen Punkten fragwürdig sind. Apriori ist dann anzunehmen, dass sich auch bei den „unangenehmen Tatsachen“, die er schildert und von denen du dich hast beeindrucken lassen, Unstimmigkeiten finden. Ich meine, wenn du nur dank deiner politischen Abneigung gegenüber traditionellen Formen des Islams realisierst, dass es auch um das Christentum nicht gerade gut bestellt ist, ist das doch ein ziemlich zweifelhafter intellektueller Werdegang.

    - Dass eine Idee „beleidigend“ ist, ist kein Argument gegen sie. Die Wahrheit muss nicht angenehm sein, das Universum muss es nicht gut mit uns meinen, es kann durchaus „beleidigend“ sein. Wem nicht voll und ganz bewusst ist, dass die Frage, was uns gefällt und was nicht, NICHTS mit der Frage zu tun hat, was wahr ist und was nicht, der steht schon verkehrt in den intellektuellen Startlöchern. (Jemand hat mal geschrieben: „Weil – so schloss er messerscharf – nicht sein kann, was nicht sein darf.“) Diese Verkehrtheit manifestiert sich etwa dann, wenn das Christentum verteidigt wird, weil man es für ein „Bollwerk“ gegen etwas hält, das einem politisch nicht gefällt. Diese Verkehrtheit scheint er noch immer nicht wirklich abgelegt zu haben.

    - Nicht nur der fundamentalistische Islam fordert uns politisch heraus, das fundamentalistische (lies: antiliberale) Christentum, Judentum oder der fundamentalistische Hinduismus tun es auch.

    - zu 1): Eine wirkliche Linke kann auch nicht relativistisch sein, ganz im Gegenteil. Ein Relativist ist bereit, viele Errungenschaften des langen politischen Kampfes der klassischen Liberalen und der Linken aufzugeben und ist also weder liberal noch links.

    - zu 4) Wenn es keine „Weltregierung“ gibt, kann das auch zur Tyrannei führen. EU und UNO tragen viel zum Erhalt des Weltfriedens und zum Abbau nationalistisch-exklusivistischen Gedankenguts (das, wie die Geschichte gezeigt hat, tyrannisches Potential hat) bei. Ausserdem sind wir – auch mit den bestehenden internationalen Institutionen – auf dem Weg in eine Tyrannei der undemokratisch-autokratisch verfassten multinationalen Grosskonzerne, die nicht selten schon heute mächtiger sind als die Politik und damit die Demokratie unterlaufen. Hier sind globale Regulierungen unerlässlich, sonst tanzen uns die Multis auf der Nase herum, spielen uns in einem destruktiven „Standortwettbewerb“ gegeinander aus und beuten die Ohnmacht der Menschen in der zweiten und dritten Welt aus (oft in Kooperation mit korrupten autoritären Regimes – die man nicht selten toleriert, um wirtschaftliche Interessen nicht zu gefährden). Selbstverständlich muss eine „Weltregierung“ demokratisch verfasst und menschenrechtlichen Grundsätzen verpflichtet sein. Sie scheint mir aber die einzige Möglichkeit zu sein, den Weltfrieden dauerhaft zu sichern, für Fairness in den internationalen Beziehungen zu sorgen und die globalen Probleme erfolgreiche anzugehen. Die Geschichte hat gezeigt, dass dauerhaft friedliche und faire Verhältnisse erst dann entstehen, wenn sich verschiedene Akteure als Einheit, Gemeinschaft, als ein neues Wir wahrnehmen. In der Schweiz haben sich die Kantone bekriegt, bis die bundesstaatliche Einheit etabliert war (seither sind Gewalt und krasse Unfairness gar keine Optionen mehr, wir gehören zusammen). Dasselbe gilt für Europa: Die EU sichert den Frieden seit rund 60 Jahren, davor waren Krieg und Unfairness üblich. Auch hier gilt also: Strukturelle Einheit, Zusammengehörigkeit schaffen – erst dann humanisieren sich die Beziehungen. Auf der globalen Ebene gilt dasselbe.

    - zu 5) Es ist genau zu untersuchen, ob jemand wirklich „den Westen“ vernichten will – und wenn ja, wer genau und warum. Die Neokonservativen haben meiner Erfahrung nach ein viel zu undifferenziertes Bild. Was ist wirkliche Absicht, was ist bloss Rhetorik? Warum will man sich nuklear bewaffnen – einfach zur Abschreckung (gerade weil man den US-Imperialismus fürchtet?) oder hat man wirklich aggressiv-expansive Absichten? (Letzteres ist etwa im Falle des Iran unwahrscheinlich. Eine militärische Aggression – und Teheran verdampft in fünf Minuten.) Dann gilt es zu fragen: Woher kommt der antiwestliche islamische Fundamentalismus? Klar, es gab ihn immer, aber woher der Zulauf, dessen er sich erfreut? Die islamische Welt war vor einigen Jahrzehnten viel moderater und säkularer als heute. Was ist seither passiert? Vielleicht müssen insbesondere die USA zunächst vor ihrer eigenen Türe kehren. Ausserdem: Ist der vielbeschworene Huntington’sche „Clash of Civilizations“ als Faktor wirklich so zentral? Sind die wirtschaftlichen Interessen nicht bedeutender? Wo etwa ist der „Clash“, wenn wir uns das Verhältnis USA/Saudi-Arabien (immerhin das fundamentalistischste Regime überhaupt)? Das Öl fliesst, wie es Uncle Sam will, der „Clash“ bleibt aus. Wenn Sam hingegen nicht zufrieden ist, sind der „Clash“ und die „Massenvernichtungswaffen“ schnell gefunden. Nicht zuletzt: Die Freund-Feind-Rhetorik ist meist kontraproduktiv und verschärft bestehende Probleme zusätzlich. Wenn man sich entscheidet, einen Player als „Feind“ demonstrativ zu ignorieren, verbessert sich dadurch ja nichts, im Gegenteil. Mit Relativismus oder einer Schwäche unsererseits hat das nichts zu tun, sondern mit Effektivität und Effizienz in der Strategie zur Verbesserung der Welt.

    - zu 7): Zweifelsohne ist die Verbreitung der liberal-demokratischen Idee erstrebenswert. Die erreicht man aber nicht mit dem moralischen Zeige- und dem militärischen Drohfinger, sondern letztlich nur, indem man die Köpfe und Herzen der Menschen dafür gewinnt. Sonst setzt man erstens viel zusätzliches Leid in die Welt und kann zweitens kaum damit rechnen, dass die Idee dauerhaft Bestand haben wird (denn dazu bedarf es eben der Köpfe und Herzen). Ausserdem gilt es – das betrifft wiederum vor allem die USA – wachsam zu sein: Wie oft wird die liberal-demokratische Idee als Vorwand für die Sicherung wirtschaftlicher Interessen missbraucht (und ihr damit geschadet)? Wann wurde die menschenrechtliche Situation in Saudi-Arabien zuletzt mit Nachdruck beanstandet? Was ist mit China? Zu bedeutend für die Aussenhandelsbilanz?

    - Für die informierte Linke ist die desolate Situation im UN-Menschenrechtsrat auch nichts Neues. Aber erhoffst du dir eine Verbesserung der Welt, wenn wir einen Dialog demonstrativ ablehnen und Freund/Feind-Rhetorik zelebrieren?

    - Nur nebenbei gefragt: Hat die Idee eines Staates, der sich explizit als „jüdisch“ definiert, nicht rassistische Züge? (Ganz abgesehen von den aktuellen Missständen in Sachen Gaza und Westjordanland – eine Situation, die u.a. auch von religiösen Fundamentalisten befördert wird und die den Weltfrieden in der Tat bedroht.)

    - Die Bezeichnung „Kriegsverbrecher“ würde zu Kissinger übrigens besser passen als „Realpolitiker“. Das sieht übrigens gerade auch der Atheist und Neocon Christopher Hitchens so: http://video.google.com/videoplay?docid=-2815881561030958784#, http://en.wikipedia.org/wiki/The_Trial_of_Henry_Kissinger

    - Idi Amin hat hunderttausende Menschen auf dem Gewissen. Ähnlich viele Menschen sind beispielsweise dem Irakkrieg und seinen Folgen zum Opfer gefallen. Das beweist natürlich noch keine moralische Äquivalenz, aber es ist zumindest bedenkenswert.

    - Selbstverständlich stellt es ein Werturteil dar, eine Diktatur „tyrannisch“ zu nennen. (Ein richtiges.) Über das Verhältnis von Politikwissenschaft (Politologie) und politischer Philosophie habe ich hier geschrieben: http://polithink.ch/2010/11/07/weniger-politologie-mehr-politische-philosophie/%EF%BB%BF

    - Der Wertekanon, der aufgezählt wird, ist grundsätzlich in Ordnung, enthält aber paternalistische, antiliberale Elemente. So würden sich Neocons gewiss gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aussprechen, obwohl es die individuelle Freiheit und Selbstbestimmung klar vergrössert (und auch zur Lösung struktureller Probleme beiträgt).

    - Der EU-Beitritt der Türkei – an gewisse Bedingungen geknüpft – bietet gerade eine Möglichkeit, dieses Land schneller im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen. Das ist in unser aller Interesse.

    - Die UNO anhand von Missständen in einzelnen Bereichen pauschal abzutun, zeugt nicht von einer differenzierten und evidenzbasierten Herangehensweise.

     
    • derautor

      22. November 2010 at 14:23

      Das scheint mir allerdings unter “wilde, beliebige Assoziationen” zu laufen. Sie stecken einfach alles und jeder, das und der Ihnen nicht passt, in die Neocon-Ecke.

      - Brücken baut man auch, um Menschen anzulocken.

      - Murray fordert keine Privilegierung des Christentums mehr, das habe ich deutlich genug geschrieben. Das tat er in seinem Buch vor seiner “Bekehrung” zum Atheismus. Die grundlegende Idee ist, dass eine Gesellschaft eine Leitkultur braucht.

      - Der Islamismus ist eine unvergleichbar größere Gefahr als das weitgehend – auch unter Evangelikalen – gezähmte Christentum. Welcher Christ steinigt denn Ehebrecherinnen? Selbst Fundis tun das nicht. Islamisten schon.

      - Die EU – und insbesondere die UN – fördern nicht den Frieden, sondern die Tatsache, dass Europa weitgehend aus liberalen Demokratien besteht, die durch freie Märkte, Kooperation und gemeinsame Werte verbunden sind, das fördert den Frieden. Die EU als Organisationsplattform ist sehr undemokratisch.

      - Der Westen ist nicht schuld am Islamismus. Der Westen war auch nicht schuld an den Nazis und am Kommunismus. Warum sollte überhaupt der Westen schuld sei müssen? Warum kann nicht einmal ein anderer Schuld sein?

      - Kim Jong Il sperrt die Köpfe und Herzen der Menschen ins Konzentrationslager. Die Idee, man müsste einfach nur lieb zu den Menschen sein und es gäbe keine Diktaturen mehr, ist arg naiv.

      - Nein, Israel ist nicht rassistisch und hat auch keine “Züge” in dieser Richtung. Israel muss darum ethnisch aus überwiegend Juden bestehen, weil es sonst von radikalen Muslimen vernichtet wird. Bereits einen Tag nach Gründung des Staates Israel wollten alle muslimischen Nachbarn ihn vernichten.

      - Idi Amin hat weitaus mehr Menschen auf dem Gewissen als “der Irak-Krieg”. Die allermeisten Opfer des Krieges gehen auf das Konto des “Widerstands”.

      - Die Türkei wird von Islamisten regiert. Ihre Aufnahme in de EU wäre eine Einladung an Islamisten, uns mal zu besuchen.

      - Die UNO wird von Diktaturen regiert. Da gibt es nichts zu relativieren.

       
      • Martin

        22. November 2010 at 14:39

        Der EU-Beitritt der Türkei bietet leider eben nicht so sehr eine Möglichkeit die Türkei in der Jetztzeit ankommen zu lassen, als vielmehr Europa mit herunterzuziehen, zumindest soweit des grundlegende Freiheiten und Menschenrechte angeht.

        Die Türkei hat nicht das geringste Interesse ihre Gesellschaft im Sinne einer offenen, europäischen Gesellschaft zu formen, sondern einzig daran an eine Position zu gelangen, in der sie massiv Druck ausüben kann. An eine Machtposition, als Schaltstelle zwischen dem Westen und der muslimischen Welt, allerdings alleine zum Nutzen der Türkei bzw. der muslimischen Welt.

         
      • Adriano Mannino

        23. November 2010 at 00:09

        Nein, ich assoziiere nicht frei, sondern orientiere mich an den Positionsbezügen führender neokonservativer Stimmen. Es ist einfach eine Tatsache, dass neokonservative und neoliberale Forderungen in punkto Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Praxis meist zusammenfallen. Dazu äusserst du dich mit keinem Wort.
        - Einverstanden, es gilt, die Differenzen zu betonen, aber dennoch Brücken zu bauen, das ist erfolgsversprechender als Freund/Feind-Rhetorik. Das steht vielem, was du hier sagst (etwa den Bemerkungen über die Türkei), diametral entgegen.
        - Ich anerkenne ja, dass er keine Privilegierung des Christentums mehr fordert. Ich habe nur gesagt: Er hat sie gefordert und bedurfte der politischen Abneigung gegen traditionelle Formen des Islams, um zu erkennen, dass es auch um das Christentum nicht gerade gut bestellt ist. Das ist ein sehr fragwürdiger intellektueller Werdegang, der es wahrscheinlich erscheinen lässt, dass sich auch in den übrigen Bereichen, zu denen er sich äussert, grosse Unstimmigkeiten finden.
        - Evangelikale erstechen dafür Abtreibungsärzte. Oder sie unterstützen die jüdischen Fundamentalisten, die den Siedlungsbau aggressiv vorantreiben wollen und die Stabilität einer ohnehin schon gefährlichen Region weiter aufs Spiel setzen. (Das Pulverfass dort gefährdet den Weltfrieden in der Tat.)
        - Musst du mir wirklich Dinge in den Mund legen, die ich nicht gesagt habe, um mich kritisieren zu können? Nirgendwo habe ich behauptet, der Westen sei an allem schuld (ganz im Gegenteil), über Nazismus und Kommunismus habe ich mich nicht geäussert. Du bestätigst mein Bild: Deine Haltung ist historisch naiv und verfehlt den moralischen Punkt. Es geht doch nicht darum, festzulegen, wer genau die “Schuld” wofür trägt, und danach eine (auch evolutionspsychologisch) infantile Freund/Feind-Rhetorik zu zelebrieren (wie es gerade auch die Islamisten tun). Sondern: Wir haben eine Vorstellung von der Welt, von einer globalen menschlichen Community, wie sie sein sollte. Nun kommt es darauf an, die zielführendste und nachhaltigste Strategie zur Realisierung dieses Ziels zu wählen, alles andere wäre unmoralisch. Freund/Feind-Rhetorik à la Bush, moralischer Zeige- und militärischer Drohfinger sind meist kontraproduktiv. Auch dazu äusserst du dich mit keinem Wort.
        Wie gesagt: Die Schuldfrage bringt uns nicht weiter. Fakt ist einfach: Der islamische Fundamentalismus hat in den letzten Jahrzehnten und Jahren zugelegt, die isalmische Welt war davor bedeutend säkularer und moderater. Was ist passiert? (Du schweigst dazu.) Wenn wir die Welt säkularisieren wollen, müssen wir uns bemühen, die kausale Grundlage für den Aufschwung des Fundamentalismus genau zu eruieren und dann zu verändern. Und ich behaupte: Die USA als Weltpolizist mit Doppelmoral und bedingungsloser Schirmherr eines Israel, das die Region – gelinde gesagt – nicht eben stabilisiert, müssen in diesem Punkt zunächst einmal vor der eigenen Türe kehren.

        - Du behauptest also tatsächlich, die EU und die UN fördere insgesamt nicht den Frieden und die Fairness in den internationalen Beziehungen. Herzlichen Glückwunsch. Hitchens hat mal gesagt: Some statements don’t deserve to be countered; it suffices to underline them. Dennoch: Die EU ist so undemokratisch auch wieder nicht, aber sie hat ein Demokratiedefizit, das ist ein Negativpunkt, ja – und wie so oft scheinst du zu glauben, die Nennung eines Negativpunktes könne irgendetwas abschliessend widerlegen. Im Übrigen ist die EU dabei, dieses Demokratiedefizit abzubauen (ein Stichwort: Bürgerinitiative). Mit keinem Wort gehst du auf die historische Tatsache ein, dass friedliche Verhältnisse meist einer auch politisch-strukturell definierten Zusammengehörigkeit bedurften.

        - Lieb sein zu den Menschen und alles wird gut? Wieder dichtest du mir Dinge an, die ich nicht gesagt habe, damit du mich kritisieren kannst. Ich habe nur gesagt, dass wir verpflichtet sind, auf dem Weg in eine bessere Welt die zielführendste Strategie zu wählen und genau zu überlegen und untersuchen, was zielführend und was kontraproduktiv ist. Freund/Feind-Rhetorik, moralischer Zeige- und militärischer Drohfinger sind sehr oft kontraproduktiv und daher geradezu unmoralisch. Ausserdem bewirkt die militärische Faust unmittelbar und direkt auch zu eine bedeutende Verschlechterung der Welt. Ich sage nicht, dass Gewaltandrohung und -anwendung nie gerechtfertigt sind, sondern nur, dass derjenige die Beweislast trägt, der Gewalt fordert, und dass diese Beweislast nur sehr schwer und äusserst selten nachgekommen werden kann. Neocons gehen mit den Kriegsfolgen viel zu leichtfertig um. Angesichts seiner Schrecken und der Übel, die mit ihm einhergehen, ist Krieg ultima ratio. 100’000 Tote und ein Vielfaches an Verletzten stehen für ein Ausmass an Leid, das wir uns kaum vorstellen können. Wenn es nicht um die Verhinderung eines Massenmordes noch grösseren Ausmasses geht, lässt sich das kaum rechtfertigen. Wenn autoritäre Regimes ihren “Bürgern” Freiheits- und demokratische Partizipationsrechts verwehren, ist das selbstverständlich schlimm (und wir müssen darauf hinarbeiten, diese Missstände zu überwinden – es gibt viel bessere Methoden als den Krieg, etwa die Zusammenarbeit mit oppositionellen Strömungen und den Versuch, mit entsprechender Information ein Problembewusstsein entstehen zu lassen, den Abbruch wirtschaftlicher Beziehunen – aber nicht des Dialogs, in dem man ja nur gewinnen kann -, den Versuch der internationalen Diskreditierung und Isolation oder den Versuch, junge Menschen aus dem entsprechenden Land vermehrt an unseren Hochschulen studieren zu lassen). Geradezu lachhaft kommt es mir vor, wenn Neocons als die angeblich einzigen posieren, die den iranischen Präsidenten verurteilen, nur weil sie bereit sind, einen Regimesturz mit hunderttausend toten, verstümmelten und verletzten Iranern zu bezahlen (alle anderen sind “Relativisten”, nicht wahr). Wenn man tatsächlich der Meinung ist, das Leid der Kriegsfolgen sei von geringerem Gewicht als eine von aussen mit Gewalt installierte, brüchige, in ihrer Stabilität und Dauerhaftigkeit fragliche “liberale Demokratie”(http://www.consortiumnews.com/2010/092810a.html), die in den Köpfen der Menschen nicht angekommen ist, hat man ein ernsthaftes moralisches Problem.
        Ein Problem hat man auch, wenn man die Doppelmoral insbesondere der USA ignoriert, die “Freiheit und Demokratie” exakt dort bringen bzw. aufoktroyieren will, wo es auch um ihre handfesten wirtschaftlichen Interessen geht. Umgekehrt schreckt man nicht davor zurück, Demokratien durch Autokratien zu ersetzen, wenn einem demokratisch legitimierte Regierungen nicht genehm sind (so geschehen im Iran, in Guatemala, in der Dominikanischen Republik oder auch in Chile, die Saudi-Tyrannen stören einen auch nicht sonderlich).
        Auch zu bedenken gilt es, dass die Demokratie im kapitalistischen Westen teilweise zur Farce zu werden droht. Im US-Präsidentschaftswahlkampf etwa treten vorselektionierte, business-konforme Kandidaten gegeneinander an, ohne Geld und den Support der Wirtschaftskapitäne kannst du’s gleich vergessen. Die Grosskonzerne prägen das Leben der Menschen auch sehr stark, sind aber undemokratisch, autokratisch-oligarchisch strukturiert und kontrollieren zunehmend auch die (“demokratische”) Politik. Ausserdem herrscht bezüglich der Wirtschaftsmacht noch immer das Erbschaftsprinzip, das wir im Bereich der politischen Macht längt überwunden haben (wobei Bush/Bush hier auch ein Fragezeichen aufwerfen).
        Für die Neocons sind diese Probleme schlicht inexistent. Und sie massen sich an, sich als die wahren Vorkämpfer für “Freiheit und Demokratie” zu stilisieren?

        - Jeder Staat, der sich ethnisch oder religiös definiert, widerspricht den liberal-demokratischen Grundsätzen und hat einen rassistischen Zug. (In der völkerrechtswidrig besetzten und besiedelten Gebieten des Westjordanlandes ist Israel in der Tat auch dabei, eine Art Apartheid zu errichten.)
        Dir ist die Entstehungsgeschichte Israels schon bekannt, oder? Wer wen vernichtet und vertrieben hat, etwa bei Deir Yasin?
        Den tiefsitzenden Rassismus auf der islamischen Seite bestreite ich nicht. Aber man braucht sich angesichts der Geschichte und der aktuellen Politik des Staates Israel nicht zu wundern, wenn der islamische Fundamentalismus erstarkt.

        - Genau, die Türkei wird von antidemokratischen Islamisten regiert, die die Scharia anwenden und keine Grundrechte gewähren. Und wer wollte diese Islamisten schon einladen, uns mal zu besuchen. Wäre ja auch unnötig, sie sind ja ohnehin schon da (wir wollten uns die Hände nicht mehr schmutzig machen und haben Fliessbandarbeiter gebraucht).

        - Absolut richtig, die UNO wird von Diktaturen regiert, sie kontrollieren den Sicherheitsrat und unterjochen uns auf diese Weise.

        - Aufklärung 2.0…you’re giving it a very bad name indeed.

         
      • Julian

        23. November 2010 at 06:08

        Ja unsere Demokratie ist wirklich eine Farce. Die neuste politisch inszenierte Terrorhysterie zeigt wohin die Reise geht.

        (Siehe den Text von Ulfkotte: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/so-manpiuliert-die-bundesregierung-die-bevoelkerung-schmeissen-sie-die-terrorwarnungen-in-die-to.html;jsessionid=F792C03CE825C5C05B6E8CCFD157C580 )

        Ich ergänze:

        Neokonservative wie auch anscheinend A.M. idealisieren die demokratische Welt, gerade was die USA anght. Ein Land dass bis vor kurzem eine höhere Internierungsrate als die SU unter Stalin hatte. Aber es ist trotzdem das freiste Land der Welt und die älteste “Demokratie” Vergessen wird dass dieses Land als weißer Rassenstaat gegründet wurde. (Das hat sich bekanntlich geändert).
        Gleichermaßen wird der Kapitalismus idealisiert und es wird so getan als wenn all die Scheiße (Krieg, Hunger, Diktaturen, Umweltzerstörung) nichts damit zu tun hat und frecherweise wird die ganze Veranstaltung als “freie” Marktwirtschaft bezeichnet. Erinnert mich ein wenig an “Diskussionen” die ich mit Stalinismus-Apologeten hatten, die ja ernsthaft meinten die ganzen Toten hätten ja nichts mit dem System zu tun…(sofern diese Opferzahlen überhaupt zur Kenntnis genommen werden).
        (Verstehe mich nicht falsch: ich setzte dich hier nicht mit Stalinisten gleich!)
        Übrigens hörte ich mal einen Vortag über Wirtschaftsethik- der Referent verwendete auch den Begriff freie Marktwirtschaft statt Kapitalismus, weil letzterer ideologisch belastet sei- ja als wenn freie Marktwirtschaft es nicht wär!! Meiner Meinung noch viel mehr, da es den Kapitalismus höchst verzerrend und idealisieren wahrnimmt.

         
      • Sophian Philon

        23. November 2010 at 10:18

        Lieber Adriano Mannino, ich glaube Sie haben etwas nicht verstanden: Sich auf der Seite des Westens zu positionieren, heißt nicht, unkritisch zu werden. Deshalb enthalten Ihre Beiträge natürlich auch Diskussionswürdiges. Aber nur weil auch im Westen viel (viel zu viel!) schief läuft, heißt das ja nicht, dass beide Seiten schlecht sind. Und weil es im Westen die Möglichkeit gibt, die Probleme anzugehen, ist eine Positionierung im Westen vernünftig.

        Sie schreiben:
        „Evangelikale erstechen dafür Abtreibungsärzte. Oder sie unterstützen die jüdischen Fundamentalisten, die den Siedlungsbau aggressiv vorantreiben wollen und die Stabilität einer ohnehin schon gefährlichen Region weiter aufs Spiel setzen.“

        Sie zeigen damit nur, dass sie alles in einen Topf werfen. Aggressiver Hausbau oder Selbstmordattentat, no difference!

        Sie schreiben:
        „es gibt viel bessere Methoden als den Krieg, etwa die Zusammenarbeit mit oppositionellen Strömungen und den Versuch, mit entsprechender Information ein Problembewusstsein entstehen zu lassen, den Abbruch wirtschaftlicher Beziehunen – aber nicht des Dialogs, in dem man ja nur gewinnen kann -, den Versuch der internationalen Diskreditierung und Isolation oder den Versuch, junge Menschen aus dem entsprechenden Land vermehrt an unseren Hochschulen studieren zu lassen“

        Die Neokonservativen als Bellizisten abzustempeln ist Gemeingut und billig. Alle ihre „besseren Methoden“ werden ja auch verfolgt! Aber sehen Sie da Fortschritte? Fragen sie mal die Studenten aus Saudi Arabien, ob sie demnächst Kulturbotschafter werden! Dass man von einem Dialog nur gewinnen kann, ist linker Mumpitz! Bzw.: es findet ja überhaupt kein Dialog statt. Sie unterschätzen maßlos den Islam und den Islamismus! Als wenn man dort an einem solchen Dialog Interesse hätte! Über Ihre Dialogliebe würde man nur höhnisch lachen. Haben Sie mal in die Charta der Hamas geschaut. (Und die Hamas ist die legitime Regierungspartei der Palästinenser.) Aber gut, Reden ist immer gut…

         
      • Julian

        24. November 2010 at 06:54

        Ich verstehe nicht ganz warum du den “Westen” den Faschismus und Kommunismus gegenüberstellst. Historisch sind diese Dinge sehr wohl teil des Westens. Faschistische Bewegungen gab es schließlich in ganz Europa.

        Es gibt sehr wohl christliche Fundamentalisten die man auf eine Stufe mit Islamisten stellen könnte. Zb gibt es welche die ganz offen die Todesstrafe für Homosexuelle fordern. Der Unterschied zur islamischen Welt ist allerdings dass solche Fanatiker im Westen (bisher ?) keine Hegemonie erlangen konnten. Würden diese “amerikanischen Taliban” die USA “regieren” dann wäre die Lage nicht anders als im Iran.

         
    • Sophian Philon

      22. November 2010 at 16:43

      Das wichtigste hat A.M. ja schon geschrieben. Ich frage mich bei solchen Beiträgen wirklich, warum es immer noch Gemeingut ist, dass wenn zwei miteinander reden, am Ende beide lieb seien. Adriano Mannino schreibt:
      „Die Geschichte hat gezeigt, dass dauerhaft friedliche und faire Verhältnisse erst dann entstehen, wenn sich verschiedene Akteure als Einheit, Gemeinschaft, als ein neues Wir wahrnehmen.“
      Ja, und? Die UN stellt aber keine Einheit dar, und als „Wir“ versteht man sich dort schon gar nicht! Es mag vielleicht auch daran liegen, dass ein Haufen Länder ein gewisses kleines Land gerne ausradieren möchte. Wenn eine Institution, und sei es die heiligen UN, zur Plattform von Barbarei wird, dann sollte man das doch sagen. Ein Dialog setzt voraus, dass es mindestens zwei Parteien gibt, die an einem Austausch auch interessiert sind. Und einen Feind der Freiheit sollte man auch einen Feind nennen.

      Adriano Marino schreibt:
      „Wo etwa ist der „Clash“, wenn wir uns das Verhältnis USA/Saudi-Arabien (immerhin das fundamentalistischste Regime überhaupt) [anschauen]?“
      Wenn Sie unter „Clash“ nur „Krieg“ verstehen, dann macht Ihre Frage Sinn, sonst aber gar nicht. Dass auch in dieser Konstellation, quer zum bestehenden Bündnis, ein Konflikt von zwei konträren Weltanschauungen stattfindet, ist doch offensichtlich.

      Sie schreiben:
      „Wann wurde die menschenrechtliche Situation in Saudi-Arabien zuletzt mit Nachdruck beanstandet?“
      Ja, sie haben Recht. Das amerikanisch-saudische Bündnis ist zu kritisieren. Aber das geht nicht an die Adresse der HIER dargestellte neokonservative Position. Sich als neokonservativ zu positionieren (was durchaus Sinn macht), heißt ja nicht, seinen Verstand abzugeben und alles toll zu finden, was Amerika macht. Darüber können wir reden, und gerade das macht die westlichen Gesellschaften ja aus.

       
      • Adriano Mannino

        23. November 2010 at 16:06

        - Die EU und die UN sind der Versuch, solche Einheiten zu schaffen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, auch nicht auf übermorgen – aber es ist einzige Möglichkeit, dauerhaft friedliche und einigermassen faire internationale Beziehungen herzustellen.

        - Als könnte man die Huntington’sche Clash-These dadurch beweisen, dass man auf die weltanschauliche Opposition hinweist, in der sich die USA und die Saudis befinden! Come on. Dass in diesem Sinne ein “Clash” besteht, ist jedem Kind klar. Der Punkt ist: Die Wirtschafts- und Machtinteressen sind, im Gegensatz zur kulturellen Clash-These, eben doch entscheidender! Wenn die Interessen des Weltpolizisten auf dem Spiel stehen, haben wir den “Clash” – so oder so. Wenn das Öl hingegen entsprechend Onkel Sams Wünschen fliesst, haben wir ihn in der Praxis nicht. Die Neocons sind nicht dafür bekannt, auf die Heuchelei der USA hinzuweisen, ganz im Gegenteil. Wenn dir das nicht behagt, solltest du eben aufhören, dich als “Neocon” zu bezeichnen.
        (Übrigens kann man darüber eben nicht wirklich reden, die Parteien- wie auch die Medienlandschaft etwa in den USA ist äusserst homogen. Das ist auch kein Wunder. Es hat mal jemand gesagt: “Die erste Freiheit der Presse ist die, kein Gewerbe zu sein.”)

        - Ich werfe nicht alles in einen Topf. Ich sage nur, dass die übliche Neocon-Logik, “den Schuldigen” (in fast metaphysischer Manier) zu identifizieren und dann entsprechend der Freund/Feind-Rhetorik zu politisieren, völlig verfehlt und kontraproduktiv ist. Es ist für die Praxis bedeutungslos, wer wie viel “Schuld” trägt (ein Begriff, der mit dem Menschenbild des neuen Humanismus ohnehin kaum vereinbar ist). Es geht einfach darum, die Welt zu verbessern und dafür die wirksamste Strategie zu wählen.
        Wenn man auf besetztem Gebiet in diesem Pulverfass von Region völkerrechtswidrige Siedlungen baut, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Fundamentalismus und die Gewaltbereitschaft auf der anderen Seite erstarkt. Es ist völlig lächerlich, vor diesem Hintergrund zu sagen: “Aber schau dir doch mal die Ideologie der Hamas an!” – und sich dann moralisch überlegen zu fühlen, indem man sich auf die Seite Israels schlägt. (Was die Gewaltbereitschaft angeht, lässt sich Israel im Übrigen mit den hunderten Toten und Verletzten, die es in Gaza in Kauf genommen hat, ja auch nicht lumpen. Auch dazu hat mal jemand gesagt: “Killing one is murder. Killing thousands is foreign policy.”) Diese Neocon-Logik ist naiv und kontraproduktiv. Nie wird die Frage gestellt: Wie kommt es, dass der Islamismus diesen Zulauf hat? Besteht die Gaza-Population einfach aus religiösen und rassistischen Spinnern, die “uns” so oder so bekämpfen wollen, egal wie wir uns verhalten? (Selbst wenn das zuträfe, wäre eine Haltung des Mitleids gegenüber den Menschen, die in massenneurotische Verhältnisse dieser Art hineingeboren werden, angezeigt.) Es scheint aber offensichtlich, dass der Zulauf, den der Islamismus zu verzeichnen hat, massgeblich mit dem Siedlungsbau und der Apartheid-Politik im Westjordanland und der Abschottung Gazas durch den Staat Israel zu tun hat, ausserdem mit dem weltpolizeilichen Gebaren der USA, die Israel bedingunglos unterstützen. Wir müssen also erst einmal dafür sorgen, dass diese Dinge ein Ende nehmen, dass sich Israel im Westjordanland anständig verhält, dass Israel alles dafür tut, dass sich Gaza wirtschaftlich entwickeln kann und dass (endlich und ernsthaft) die Zweistaatenlösung angestrebt wird, die in der Vergangenheit oft vom amerkanisch gestützten Israel unterlaufen wurde. Wenn der Islamismus DANN nicht rückläufig ist, sehen wir weiter. Jetzt einfach klar Partei für Israel und gegen die “islamistischen Barbaren” zu ergreifen und im Sinne einer Freund/Feind-Rhetorik zu politisieren, wäre völlig verfehlt.

        - Vielleicht kannst du mir mal erläutern, was genau man in einem Dialog zu verlieren hat. Tritt man – mit einem “Feind” – in keinen Dialog, ändert sich so oder so nichts, im Gegenteil. Bietet man hingegen den Dialog an, besteht immerhin die Möglichkeit, dass dadurch etwas in Bewegung kommt. Man kann klare Bedingungen stellen, eigene Positionen erläutern, Lösungen aufzeigen und so weiter. Vielleicht erreicht man etwas. Meist wird das nicht der Fall sein, aber das ist kein Argument gegen den Versuch.

        - In Saudi-Arabien gibt es durchaus oppositionelle AkademikerInnen, die bestrebt sind, den Zeitgeist zu verändern (eine sehr mühsame und langwierige Aufgabe, gerade in einer hochkonservativ-religiösen Gesellschaft). Aber bitte, nenn mir doch bessere Mittel als die von mir erwähnten! Sollen wir etwa einmarschieren und das Land in Schutt und Asche legen, um eine “liberale Demokratie” zu bringen, die ohnehin brüchig wäre und den Namen wohl nicht verdiente, weil sie in den Köpfen nicht angekommen ist – und auch kaum ankommen kann, wenn sie von einem militärischen Aggressor gebracht wird? Am erfolgsversprechendsten scheinen mir in der aktuellen Konstellation die wirtschaftlichen Mittel zu sein: Wir müssen uns endlich von der Öl-Abhängigkeit lösen. Ohne die Petro-Dollars wird der Bankrott der saudischen Regierung und Gesellschaft deutlich zutage treten. Dazu müssen wir aber die Öko-Technologien mit aller Kraft vorantreiben und uns auch endlich vom Dogma des Wirtschaftswachstums verabschieden, das sich nicht vom Ressourcenverbrauch abkoppeln lässt (und das die Menschen, wie die Glücksforschung gezeigt hat, in der Überflussgesellschaft auch nicht glücklicher macht). Das wiederum sind – gelinde gesagt – keine Themen, in denen sich die USA als Staat oder die Neocons besonders hervortun. Die “netten Linken” sind es (einmal mehr), die sich hier prioritär engagieren.

         
  7. Sophian Philon

    22. November 2010 at 08:31

    Ich versuche es noch einmal, vielleicht geht ja jemand darauf ein:

    Mein (oberflächlicher) Eindruck ist, dass sich der Neokonservativismus, wie du ihn hier darstellst, in erster Linie international ausgerichtet ist. Ich stimme diesen außenpolitischen Standpunkten größtenteils zu und sehe Handlungsbedarf. Aber was ist mit den freiheitlichen westlichen Gesellschaften selbst? Stellt die Islamdiaspora nicht ein ebenso großes Problem dar? Ich weiß, dass dies bisher ein “rechtes” Thema war, aber ich kenne kein Argument dafür, dass hier kein Problem vorliegt. Nicht umsonst schreibt Bassam Tibi, dass der Euro-Islam, wie er ihn entwirft (und das ist das mindeste, was man verlangen sollte), (noch) keine Realität in Deutschland ist. Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es hier aus neokonservativer Sicht?

     
  8. Martin

    22. November 2010 at 09:06

    Sind eigentlich keine Positionen dabei, die ich nicht in vielleicht leicht abgewandelter Form mit vertreten würde.

    Was eine Partei angeht, die in Deutschland ähnliche Positionen vertreten würde, wäre vielleicht das hier eine Option. http://www.diefreiheit.org

    Zumindest böte sich evtl.jetzt noch die Möglichkeit, diese entsprechend etwas zu formen. Werde das noch bis Ende des Jahres beobachten und dann wohl im Januar eintreten, sofern nichts stark dagegen spricht. 600 Euro im Jahr sind zwar eine Kante Geld, aber nunja… “putting your money where your mouth is….”

     
    • Julian

      22. November 2010 at 13:09

      Die Freiheitspartei? Diesen rechtspopulistischen deutschen Ableger von Gert Wilders??

       
      • Martin

        22. November 2010 at 18:01

        Achgottchen… die Dummlinken wieder.
        Die Partei ist grade erst ca. 2 Wochen gegründet und man weiß schon ganz genau, was sie ist.
        Sorry Julian, aber Du verkörperst quasi prototypisch alles, was dumm und falsch an der Linken ist. Inzwischen halt leider fast alles.

         
      • Julian

        22. November 2010 at 19:49

        Du hast keine Ahnung was ich verkörpere.

         
      • Julian

        22. November 2010 at 19:55

        Außerdem wie kommst du dazu mich mit zu “den Linken” zuzuordnen? Wenn du mal den einen oder andéren Link oder Text den ich hier mal zitiert habe tatsächlich mal gelesen hast, hättest du bestimmt festgestellt dass ich Sache vertrete die eben nicht so “typisch” links sind, jedenfalls was weite Teile der postmodernen Linken angeht.

         
  9. Martin

    23. November 2010 at 07:46

    Doch Julian, Du bist wirklich praktisch prototypisch “links”. Angefangen von Deinem bedingten “Rechtspopulismus” Reflex, der mit Sicherheit erfolgt ist, ohne auch nur das Grundsatzprogramm der Partei gelesen zu haben, über den “arme Länder sind arm, weil die bösen reichen Länder sie ausbeuten” Mumpitz verkörperst Du sehr schön genau den prototypischen, deutschen Mainstream. Und der ist halt weit links versumpft, ohne allerdings die positiven und aufklärerischen Seiten mitzunehmen.

     
    • Julian

      23. November 2010 at 08:53

      Völliger Quatsch. Den Rechtspolulismusvorwurf folgte ein Fragezeichen. Lasse mich gerne eines besseren belehren und Mainstream ist die Wertabspaltungskritik keineswegs, müßtest es nur mal lesen

      http://www.exit-online.org/text.php?tabelle=selbstdarstellung&PHPSESSID=24757d1a5b5f4fcaf625b680af7cb460

      Und du klingst schon wie PI-News die überall nur Linke sehen. Links versumpft ist dieses Land keineswegs. So auch der die Spiegeldoku von Jan Fleischhauer in der es ernsthaft hieß der Schröder sei “links”. (neoliberal wäre richtiger).

      und sowas vulgäres: “arme Länder sind arm, weil die bösen reichen Länder sie ausbeuten” habe ich nie geschrieben. Zumindestens habe ich es nicht so vulgär formuliert. Und klar produziert der Kapitalismus durchaus Armut. Verstehe echt nicht wie man sich eine derartig heile Welt zurechtlügen kann…

       
      • Martin

        23. November 2010 at 13:25

        “Links versumpft ist dieses Land keineswegs.”

        Aaaber hallo….zumindest sind “linke” Denkmuster, wie der Kollektivismus, der “Konsens um jeden Preis”, die bedingungslose Gleichmacherei massiv Mainstream und bestimmen die Berichterstattung.
        Es gibt ja schon kaum einen schlimmeren Vorwurf mehr, als den, jemand wolle die “Gesellschaft spalten”.
        Das Ideal ist der kollektive Einheitsbrei, bloß nicht spalten, bloß nicht herausstechen. Jeder soll das Gleiche sein, haben und denken, sei’s durch Umverteilung, sei’s durch durch korrekte Formulierungen vorgegebene Sprachmuster.

         
      • Julian

        23. November 2010 at 13:35

        Aha Gleichschaltung ist also links.

        Und gerade dieser ganze Neusprechunsinn ist so typisch Postmoderne also der Glaube, zb. dass Rassismus konstruiert sei und man dieses Problem los wird wenn man nicht mehr “Neger” sagt usw. Dabei hat Rassismus wohl eher Ursache in den gesellschaftlichen Strukturen und Formen.

         
      • Martin

        23. November 2010 at 13:54

        Yep, Gleichschaltung und Kollektivismus sind typische Merkmale “linker” Gesellschaften und Gesellschaftsentwürfe. Das heißt ja nicht, das es nicht auch rechte gäbe, die diese Merkmale ebenfalls besitzen, bzw. übernommen haben, wie der Nationalsozialismus.

        Sicher hat Rassismus Ursachen sowohl in gesellschaftlichen Formen. Interessante Ideen dazu, wie sich der Hautfarbenrassismus u.a. durch die arabisch/islamische Sklaverei fest etabliert und verbreitet hat, findet man z.B. in der “Weltgeschichte der Sklaverei” dargelegt.

        Nur beschränken sich halt die typisch “linken” Methoden der Rassismusbekämpfung typischerweise wieder auf Gleichmacherei, wie etwa “Quoten” und sind eher kontraproduktiv.

         
      • Julian

        23. November 2010 at 14:16

        Richtig und genau hier wäre es angebracht die GEschichte des Arbeitermarxismus kritisch aufzuarbeiten und eine Kapitalismuskritik zu entwickeln die diesen Namen auch verdient. Heute haben wir es mit keiner Linken (von Außnahmen abgesehen) die emanzipatorisch oder radikal kritisch wäre, wir haben es längt mit vulgären und völlig verwahrlosten Verfallsprodukten zu tun, haben doch die meisten 1989 doch bedingungslos “kapituliert”. Am meisten verwahrlost sind ja wohl diese pro-Hamaslinken.
        Viele Restlinke argumentieren (zb die “Antiimps”) als wenn wir immer noch das Jahr 1914 schreiben würden. Viele haben die Entwicklung des Kapitalismus seit 1945, oder 1989 verschlafen. Eine Gruppe die kritische Aufarbeitung, und eine Kapitalismuskritik formuliert jenseits des Arbeitermarxismus und seines autoritären Etatismus leitet die von mir schon mehrfach zitierte Gruppe Exit:

        http://www.exit-online.org/text.php?tabelle=selbstdarstellung&PHPSESSID=24757d1a5b5f4fcaf625b680af7cb460

        Noch schlimmer als Quoten sind “quotierte Redner_innenlisten”! (schreckliches Wort)

         
    • Julian

      23. November 2010 at 09:21

      Gut rechtspopulistisch ist vielleicht das falsche Wort, rechtskonservativ ist wohl passender.
      Laut dem Grundsatzprogramm wird durchaus ein konservatives Familienbild verteten, gerade was “Schutz des ungeborenenen Lebens” angeht. Selbstverständlich soll gegen linken und islamistischen Extremismus vorgegangen werden, doch was ist mit Rechtsextremismus und christlichen Fundamentalismus? Und Einführung von Schuluniformen! Und kein Wort zum Staat-Kirchenverhältnis, also für laizisten ist diese Partei kaum mehr als (CDU)^2.
      Meiner Meinung nach gibt es in diesem Land keine Partei die ich aus Überzeugung wählen könnte, obgleich fast jede Partei den einen oder anderen Punkt hat der ganz gut klingt. Soviel dazu.

       
      • Martin

        23. November 2010 at 10:16

        Ich stimme natürlich auch nicht mit jedem einzelnen Punkt überein.
        Ich halte Deine Einschätzung aber für extrem oberflächlich und nach der Art “nur schnell ein paar Negativpunkte finden” zusammengeklaubt.

        Was die Religion angeht, wird eben nicht nur die Freiheit der Religionsausübung, sondern explizit auch die Freiheit VON der Religion genannt.

        “# auf Freiheit zur und Freiheit von Religion

        Schuluniform? Und? Ich halte einheitliche Schulkleidung für gar keine schlechte Idee.

        Zum Verhältnis Staat und Religion zitiere ich einfach mal:

        “Die Ausübung des religiösen Bekenntnisses ist gewährleistet, solange sie nicht die Freiheit anderer Bürger einschränkt oder gefährdet. Glauben und religiöses Bekenntnis dürfen nicht den Werten der Aufklärung und den Wurzeln unserer Gesellschaft entgegenstehen.”

        Was Extremismus insgesamt angeht:
        “Staatliche Programme zur Bekämpfung von Extremismus und Diskriminierung müssen gleichmäßig für alle Formen der Diskriminierung verwendet werden.”

        Wie gesagt…das ist ein frühes Programm einer sehr jungen Partei und eben noch formbar. Einer der Gründe, warum ich vermutlich eintreten werde.

         
      • Julian

        23. November 2010 at 10:23

        “Wie gesagt…das ist ein frühes Programm einer sehr jungen Partei und eben noch formbar. Einer der Gründe, warum ich vermutlich eintreten werde.”

        Das haben auch mal viele gegenüber der Linkspartei gesagt. Daher bleibe ich skeptisch gegenüber Parteineugründungen.

         
      • Sophian Philon

        23. November 2010 at 10:35

        Ich kann Martin nur zustimmen! Zumindest geht diese Partei (laut Programm) die Integrationsprobleme an und labert nicht nur rum! Rings, lechts, wen interessiert das? Man findet immmer etwas, was einem nicht passt. Auch wenn wir alle so stolze Individualisten sind, sollten wir auch Position beziehen (können). Das ist besser als den Kopf in den Sand zu stecken! Ich beobachte die Freiheit auch mal…

         
      • Sophian Philon

        23. November 2010 at 10:48

        Das mit den “jüdisch-christlichen Wurzel” (FREIHEIT-Grundsatzprogramm) ist natürlich problematisch. Es wäre interessant, wenn die das mal ausformulieren. Hier sehe ich den größten Minuspunkt!

         
        • derautor

          23. November 2010 at 11:48

          Die jüdisch-christlichen Wurzeln sind mir ziemlich egal, das ist nur eine Floskel. Mir passt zum Beispiel die Idee mit den Volksabstimmungen nicht. Es ist ein Irrtum, zu glauben, sie würden das Vertrauen in die Demokratie wieder herstellen. Hier in Würzburg gibt es ständig Volksabstimmungen und entweder es nehmen nicht genügend Leute teil, oder das Ergebnis ist bestimmt durch Populismus. Fareed Zacharia geht in seinem Buch darauf ein, welche Staaten von der direkten Demokratie demoliert wurden, z.B. Kalifornien:

           
      • Martin

        23. November 2010 at 13:29

        Irgendwie landen meine Antworten selten im richtigen Thread, egal wo ich auf “antworten” klicke.

        Bezogen auf die “Volksabstimmungen”:
        Je nun, direkte Beteiligung ist halt kein Allheilmittel und kann wie jedes andere Mittel negativ oder positiv wirken.
        Als Gegenbeispiel sei halt z.B. die Schweiz genannt, in der das m.E. recht gut funktioniert.

         
      • Martin

        23. November 2010 at 13:32

        Ich weiß auch nicht, ob die Behauptung direkte Einflußnahme könne ein gewisses Vertrauen in die Demokratie wieder herstellen, unbedingt falsch ist.
        Es dürfte halt auch etwas aus den Startpunkt ankommen, von dem eine Gesellschaft kommt und welche Grenzen gesetzt sind.
        Kalifornien dürfte da einen doch ganz anderen Startpunkt haben.

         
      • Sophian Philon

        23. November 2010 at 21:06

        “Christlich-jüdische Wurzeln” nur Floskel? Eben deshalb würde ich den Punkt gerne ausformuliert sehen. Insbesondere würde mich interessieren, wie sie zum Laizismus stehen; immerhin war es doch ein Lichtblick, als die SPD-Laizisten aufgetreten sind. Das “Ganze” ist immer zu viel verlangt, Abstriche sind immer zu machen. Die Referendums-Sache sehe ich weniger problematisch. Das heißt sicherlich nicht, dass wir bald alle paar Tage auf dem Marktplatz stehen. Und ein Referendum zum EU-Beitritt der Türkei wäre nicht schlecht…

         
  10. Martin

    23. November 2010 at 10:33

    Naja… die Linkspartei war ja nun kaum eine echte Neugründung. Das war die Fusion zweier bestehender betonfest kollektivistischer “linken” Parteien und über die PDS die Fortsetzung der SED … .

    Natürlich ist Skeptik angebracht. Aber als frühes Mitglied in einer neugegründeten Partei sind die Einflußmöglichkeiten jedenfalls deutlich besser, als in den Strukturen einer bereits lange bestehenden.

     
    • Martin

      23. November 2010 at 10:34

      Grrmm… Skepsis meine ich natürlich ;)

       
  11. derautor

    23. November 2010 at 19:31

    Adriano Manninos Kommentare brauche ich hier nicht mehr, der Mann ignoriert alles, was man ihm sagt, sogar den Ausgangsbeitrag, und predigt einfach seinen Quatsch runter. Sowas kann ich nicht abhaben, egal, welche Meinung jemand vertritt.

     
  12. Adriano

    23. November 2010 at 23:45

    Kaum zu glauben, krass. Um die Meinungsäusserungsfreiheit ist es hier also auch nicht gut bestellt.
    Ich habe mir die Mühe gemacht, Punkt für Punkt auf Sophians Beitrag zu antworten. Die Diskussion war interessant. Niemand wurde ausfällig, es wurde rational argumentiert, ich habe Punkt für Punkt dargelegt, warum ich vieles anders sehe als die Neocons. Du warst nicht einmal mehr direkt involviert, ich habe insbesondere Sophian geantwortet. Haben wir kein Recht, die Diskussion weiterzuführen? Wovor fürchtest du dich? Etwa vor dem besseren Argument? Wenn du meinst, meine Argumente seien “Quatsch”, dann lass sie doch stehen, dann diskreditiere ich mich ja selbst.
    Chomsky hat mal gesagt: If you don’t believe in freedom of expression for those you despise, you don’t believe in it at all. (Chomsky-Lektüre wäre ohnehin vielen Leuten, die hier posten, sehr zu empfehlen.)
    Aber du bist offenbar der Meinung, dass du das Recht hast, einen längeren Beitrag meinerseits einfach zu löschen, weil du glaubst, ich “ignorierte” alles und schriebe “Quatsch”. Nun, ich teile diese Einschätzung überhaupt nicht. Ich habe rational argumentiert und Punkt für Punkt auf vorangehende Beiträge geantwortet. Statt meinen Beitrag stehen und alle selbst entscheiden zu lassen, ob meine Argumente “Quatsch” oder nicht doch stichhaltig sind (Julian etwa hatte mir schon zugestimmt), hast du es vorgezogen, meinen Beitrag einfach zu löschen. Das sollte allen, die sich hier herumtreiben, zu denken geben.
    Ich fordere dich auf, meinen Beitrag wieder zu publizieren.

     
    • derautor

      23. November 2010 at 23:55

      “Aber du bist offenbar der Meinung, dass du das Recht hast, einen längeren Beitrag meinerseits einfach zu löschen”

      Ich bin allerdings der Meinung, dass ich auf MEINEM EIGENEN BLOG das Hausrecht habe, das ist quasi ein Teil meiner Wohnung, und wer nicht bereit ist, seine Ansichten einer kritischen Prüfung zu unterziehen, sondern einfach nur wiederholt, was er sowieso schon denkt, der ist hier falsch.

      “Ich fordere dich auf, meinen Beitrag wieder zu publizieren”

      Du forderst mich auf? Das ist ja wohl der Gipfel der Unverschämtheit! Was glaubst du eigentlich, wo du hier bist? Wenn es dir nicht passt, dann mache deinen eigenen Blog auf.

       
      • Adriano

        24. November 2010 at 01:24

        Natürlich bin ich bereit, meine Ansichten einer kritischen Prüfung zu unterziehen (und habe sie in der Vergangenheit in vielen Punkten auch schon radikal geändert). Hier jedoch habe ich noch kein Argument gesehen, das mich veranlassen müsste, etwas zu verändern. Das ist aber nicht der Punkt. Nun führst du eine müssige Diskussion und zeigst einmal mehr, dass du nicht in der Lage bist, differenziert zu denken: Selbstverständlich gibt es im rechtlichen Sinne keinen Anspruch auf Veröffentlichung eines Posts auf einer privaten Homepage. Das ändert aber nichts daran, dass moralisch verachtenswert ist (und den Grundprinzipien der Aufklärung und Wahrheitssuche zuwiderhandelt), wer auf seiner Diskussionplattform unliebsame Voten zurückhält oder löscht. Das ist der Punkt. Niemals käme es mir in den Sinn, so etwas auf meiner Diskussionplattform zu tun. Wenn du meinst, man könne mit mir nicht rational diskutieren (du bist der Erste, von dem ich das höre), dann hast du die Möglichkeit, nicht auf meinen Beitrag einzugehen. Du kannst dich irren – und vielleicht finden ihn andere ja interessant. Wenn man meine Beiträge nicht diskussionswürdig findet und mir nicht antwortet, habe ich kein Interesse, weitere zu verfassen. Es besteht also auch kein Spam-Problem.
        Und darum fordere ich dich noch einmal auf, den gelöschten Beitrag zu wieder aufzuschalten. (Es ist mein gutes Recht, das zu fordern – und dein gutes Recht ist es natürlich, dich moralisch und im Sinne der Aufklärung und Wahrheitssuche auf deiner privaten Homepage verachtenswert zu verhalten und meinen Beitrag zu zensieren.)

         
      • derautor

        24. November 2010 at 01:27

        Wer ist noch der Meinung, dass Adriano kein hinreichend rationaler Gesprächspartner ist, der ernsthaft erwägt, was andere sagen?

         
  13. Adriano

    24. November 2010 at 01:41

    Zur Erinnerung: Julian hatte mir zugestimmt, Sophian hielt meine Beiträge für hinreichend interessant, auf sie einzugehen.
    Wie kannst du behaupten, ich würde nicht erwägen, was andere sagen, wo ich doch Punkt für Punkt auf vorangehende Beiträge eingegangen bin? Wer deine Schlussfolgerungen nicht teilt, der erwägt nicht, was andere sagen – oder wie funktioniert dein Argument genau?
    Schau, überhaupt wird dein argumentativer Bankrott nun offensichtlich. Für die Zensurfrage spielt es nämlich überhaupt keine Rolle, ob du (oder wer auch immer sonst noch) der Meinung bist, ich sei kein “rationaler” Gesprächspartner. (Wie gesagt, das höre ich zum ersten Mal, ich studiere im Übrigen Philosophie, befasse mich ausgiebig mit Logik und Argumentationstheorie – aber auch das ist hier irrelevant.) Wenn du meinst, es lohne sich nicht, mit mir zu diskutieren, dann hast du die Möglichkeit, meine Beiträge einfach zu ignorieren, sie aber stehen zu lassen, damit auch andere über sie urteilen können. Wenn mir jemand antwortet und eine Diskussion in Gang kommt, lass sie doch einfach laufen, du brauchst dich ja nicht an ihr zu beteiligen, wenn du findest, es lohne sich nicht, auf mich einzugehen. Und wenn keiner auf mich eingeht, verfasse ich auch keine Beiträge mehr – also kein Spam-Problem.
    Ach ja: Wenn du meine längere Antwort auf Sophian, die du gelöscht hast, wieder aufschalten würdest, könnte man sich auch ein fundierteres Urteil darüber bilden, ob ich ein “rationaler” Gesprächspartner bin oder nicht.

     
    • derautor

      24. November 2010 at 02:04

      “ich studiere im Übrigen Philosophie, befasse mich ausgiebig mit Logik und Argumentationstheorie”

      Da haben die Islamisten doch mal einen guten Grund, den Westen zu vernichten.

       
      • Adriano

        24. November 2010 at 02:56

        Wie ich schon sagte: Dein argumentativer Bankrott ist offenkundig. :-)
        In der Tat ist die Feindschaft gegenüber der Logik und Vernunft ein Hauptgrund für den Hass der Islamisten auf den Westen. Damit hängt zusammen, dass ihnen auch die Meinungsäusserungsfreiheit ganz und gar nicht behagt. Du stehst ihnen also näher, als dir lieb sein kann.

         
  14. Sophian Philon

    24. November 2010 at 09:34

    Oh Mensch, was geht denn jetzt ab!? Könnt ihr euch mal beruhigen! Andreas, deine Zensur war doch etwas verfrüht, finde ich. Ich kann sie nachvollziehen und finde es auch müßig, auf alles einzugehen, was Adriano geschrieben hat, aber er hat schon Recht: Lass es einfach stehen und ignoriere es. Ich glaube, das wäre besser. Adriano, Andreas hat schon Recht, dass du ziemlich an dem vorbeigeschrieben hast, was er hier und an anderer Stell zigmal geschrieben hat. Auch ich weiß nicht, ob ich die Zeit habe, darauf einzugehen. Nicht weil es sich nicht lohnen würde, mit dir zu diskutieren, sondern weil ich noch anderes zu tun habe. Ein ausführlicher Kommentar dauert nun einmal. Und um dir zu antworten, müsste man ein ganzes Buch schreiben.

    Das gilt insbesondere für deine Beiträge zu Israel. Wenn du deine Informationen aus Chomsky beziehst, dann ist dein Standpunkt nur konsequent. Und wenn du uns Chomsky-Lektüre empfiehlst, dann kann ich dir nur empfehlen, mal was anderes zu lesen. Es ist wirklich pathologisch, dass du Deir Yassin erwähnst. Lies doch mal etwa bei Benny Morris in seinem Buch „Righteous Victims“ (das als israelkritisch gilt!) nach, was dort passiert ist. Das kannst du schwerlich Israel anhängen. Abgesehen davon, dass Deir Yassin von palästinensischer Seite zum Mythos stilisiert wurde, wurde das Massaker von einer kleinen Gruppe begangen, die später von der neu gegründeten israelischen Armee entwaffnet wurde. Die Sache wurde zudem aufgearbeitet (ja, und sie ist schrecklich!). Zeig mir aber mal einen palästinensischen Historiker, der die Aktionen gegen Israel kritisch aufgearbeitet hat!

    Du schreibst:

    „Es scheint aber offensichtlich, dass der Zulauf, den der Islamismus zu verzeichnen hat, massgeblich mit dem Siedlungsbau und der Apartheid-Politik im Westjordanland und der Abschottung Gazas durch den Staat Israel zu tun hat, ausserdem mit dem weltpolizeilichen Gebaren der USA, die Israel bedingunglos unterstützen. Wir müssen also erst einmal dafür sorgen, dass diese Dinge ein Ende nehmen, dass sich Israel im Westjordanland anständig verhält, dass Israel alles dafür tut, dass sich Gaza wirtschaftlich entwickeln kann und dass (endlich und ernsthaft) die Zweistaatenlösung angestrebt wird, die in der Vergangenheit oft vom amerkanisch gestützten Israel unterlaufen wurde. Wenn der Islamismus DANN nicht rückläufig ist, sehen wir weiter. Jetzt einfach klar Partei für Israel und gegen die „islamistischen Barbaren“ zu ergreifen und im Sinne einer Freund/Feind-Rhetorik zu politisieren, wäre völlig verfehlt.“

    Hier stimmt einfach gar nichts! Und es zeigt, dass du dich mit dem Thema nicht wirklich auseinandergesetzt hast. Deine Naivität in Bezug auf den arabisch-palästinensischen Islamismus ist kaum zu toppen. Was kann man an der Forderung, keinen „ungläubigen“ Staat im Dar al-Islam zu tolerieren, eigentlich nicht verstehen. Und hier macht es eben doch Sinn in die Programme der Islamisten zu schauen. (Mit moralischer Überlegenheit hat das nichts zu tun!) Zum Thema Zweistaatenlösung: Lies mal Benny Morris (One State, Two States) dazu und dann reden wir weiter. Israel zu beschuldigen, es wolle die Zweistaatenlösung nicht, ist absurd. Morris zeigt, dass es immer die palästinensisch-arabische Seite war, die keine zwei Staaten wollte! Wenn die Diskussion auf diesem Niveau geführt wird, dann kannst du keine weiteren Antworten meinerseits erwarten.

    Du schreibst:
    „Die EU und die UN sind der Versuch, solche Einheiten zu schaffen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, auch nicht auf übermorgen – aber es ist einzige Möglichkeit, dauerhaft friedliche und einigermassen faire internationale Beziehungen herzustellen.“

    Und solange die UN davon so weit entfernt ist, ist sie scharf zu kritisieren. Selbst an den individualistischen Menschenrechten wird längst gerüttelt. Irgendwann ist Schluss! Keiner will die EU abschaffen, es wurde nur angemerkt, dass sie undemokratisch ist. Und wenn sich das ändert, dann ist es gut. Wieso kritisierst du eigentlich nicht die ökonomischen Interessen der „imperialistischen“ EU, wo du doch an denen der USA nichts Gutes lässt?

    Ich weise auch noch einmal (zum letzten Mal) darauf hin, dass sich hier keiner kritiklos auf die Seite „der“ Neocons (wer ist das denn überhaupt???) gestellt hat. Andreas hat eine neokonservative Stimme aufgegriffen und modifiziert dargestellt. Fair wäre es, nur darauf einzugehen, und nicht auf alles was du mit dem Etikett „neokonservativ“ versiehst!

    Du schreibst:

    „Es geht einfach darum, die Welt zu verbessern und dafür die wirksamste Strategie zu wählen.“

    Ja, das ist auch das Ziel von Andreas; das hat er zu Genüge geschrieben. Ihn hier als Kriegstreiber darzustellen, ist nicht fair.

     
    • derautor

      24. November 2010 at 14:47

      Wobei ich die Position nur in einem Punkt modifiziert habe, weil der Autor seine Meinung über Religion geändert hat. Der Rest ist “echt neocon”. Ursprünglich war er, habe ich aber auch geschrieben, für eine staatliche Förderung des Christentums bei gleichzeitiger Religionsfreiheit.

       
  15. Adriano

    24. November 2010 at 16:58

    Die Zensur war nicht nur “verfrüht”, sondern schlicht haarsträubend.
    Ich beziehe meine Informationen keineswegs nur aus Chomsky, den ich nicht primär als Historiker, sondern als Analytiker schätze.
    Eure Besserwisser-Attitüde ist schon bemerkenswert. Morris ist mir bekannt. Pathologisch scheint mir vielmehr, dass du den Hinweis auf die Massaker und Vertreibungen zwischn 47 und 49 für “pathologisch” hältst. Im “Refugee Problem” beschreibt Morris die von den jüdischen Führern geplanten Massaker und Vertreibungen detailliert – und man kann ihm sogar noch vorwerfen, seine Thesen einseitig auf israelische Dokumentationen zu stützen (vgl. etwa Norman Finkelstein, Michael Palumbo und natürlich Noam Chomsky) und weitere israelische Quellen – etwa die Berichte von Veteranen – zu ignorieren.
    In Israel wurde die Sache höchst einseitig “aufgearbeitet”, ja. Die Bemerkung “Zeig mir mal einen palästinensischen Historiker…” läuft wieder auf die moralische Überlegenheit hinaus, die es rechtfertigen soll, sich auf die Seite Israels zu schlagen. Darauf habe ich schon ausführlich geantwortet. (Wer ignoriert da wen?) Selbst wenn die islamische Welt insgesamt viel rückständiger ist, führt nichts an der Frage vorbei, warum der Islamismus in den letzten Jahrzehnten und Jahren diesen Zulauf verzeichnen konnte. (Diese Frage ignoriert ihr beharrlich, was mich nicht erstaunt.) Und es ändert nichts an der unbedingte Verpflichtung Israels, die Punkte, die den Palästinensern (unabhängig von Rassismus und religiösem Wahn) berechtigten Grund zur Wut auf diesen Staat geben, zu beheben. Solange das nicht erfolgt ist, wäre es verfehlt, sich auf die Seite Israels zu schlagen.
    Sorry, ich habe mich schon ausführlich mit der Thematik befasst. Deine Sicht der Dinge scheint einseitig Morris-lastig zu sein. Wie gesagt: Der Islamismus war nicht immer so einflussreich, wie er es heute ist. Es ist klar, dass Religion – inbesondere in ihrer fundamentalistischen Variante – sehr leicht politisch instrumentalisiert werden kann. Das Erstarken von Fundamentalismen hat daher oft politische Gründe, die dann religiös auf alte Feindbilder zurückgeführt und überhöht werden. Das wiederum heisst, dass die Lösung des Fundamentalismus-Problems direkt mit derjenigen der politischen Problempunkte zusammenhängt. (Im Gegensatz dazu sprichst du, als wäre es eine metaphysische Gegebenheit, dass die Palästinenser die Präsenz der “Ungläubigen” aufgrund einer Dar-al-Harb/Dar-al-Islam-Ideologie so oder so ablehnen, ganz egal, wie sich der Staat Israel verhält. Das ist aber absurd. Denn offensichtlich hat der Zulauf, den diese Ideologie hatte und hat, politische Gründe. Die Palästinenser waren religiös auch schon bedeutend moderater und säkularer orientiert.)

    Was die Sabotage der Zwei-Staaten-Lösung angeht, kann man das auch ganz anders sehen. Nehmen wir Camp David II, dazu könnte ich dir diverse Autoren empfehlen, etwa Shlomo Ben-Ami (ehem. Aussenminister Israels, der sagt, als Palästinenser hätte er Camp David II auch nicht akzeptieren können) oder Norman Finkelstein, insbesondere den Aufsatz “Subordinating Palestinian Rights to Israeli ‘Needs’”. (Interessanter Austausch: http://www.youtube.com/watch?v=nbDMam_jGVk&feature=related)

    Zur EU: Einmal mehr, verfehlte Bemerkungen und billige Klischees deinerseits. Oben steht, die EU müsse demokratisiert oder abgeschafft werden, mit anderen Worten: die aktuelle EU ist abeschaffenswürdig (!), nur eine weiter demokratisierte EU wäre erhaltenswert. So viel zum Diskussionsniveau.
    Wenn ich den Wirtschaftsimperialismus der USA kritisiere, heisst das ja nicht, dass ich die EU nicht auch entsprechend kritisieren würde. Die Kritik an den USA wird nicht weniger stichhaltig dadurch, dass auch die EU zu kritisieren ist.

    Ich bin explizit und Punkt für Punkt auf den ursprünglichen Beitrag eingegangen. Erweitert habe ich die Kritik nur in Sachen Sozial- und Wirtschaftspolitik, die – auch wenn man mit dem Sozialstaat “seinen Frieden” gemacht hat – in der Neocon-Praxis faktisch meist mit dem Neoliberalismus zusammenfällt.
    Benny Morris beispielsweise hat sich explizit für einen nuklearen Präventivschlag gegen den Iran ausgesprochen. Stimmst du ihm hier zu? Darf ich mir erlauben, ihn als Kriegstreiber zu bezeichnen, der eine unvorstellbare Gewalteskalation in Kauf nimmt?
    Müller hat auch gefordert, den Iran zu bombardieren. Dazu hat er ein Video der (intellektuell sehr undifferenzierten) Hirsi Ali gepostet, die davon ausgeht, dass das Regime die Bombe verwenden wird, weil es aufgrund seiner religiösen Ideologie keine Todesfurcht kennt. Erstens ist aber unklar, was genau Rhetorik und Machtideologie und was echter Glaube ist, der handlungswirksam werden könnte. Zweitens liegt dem Regime sicher etwas daran, die “Islamische Republik Iran” zu erhalten. Und es muss ihm angesichts der Kräfteverhältnisse klar sein, dass es in einem militärischen Konflikt binnen kürzester Zeit verdampfen würde.
    (Zum Hintergrund siehe etwa: http://www.project-syndicate.org/commentary/benami41/English)
    Und vom unvorstellbaren menschlichen Leid, das man bei einer Bombardierung des Iran notwendig in Kauf nimmt (bei sehr ungewissen Erfolgsaussichten und einem enormen Eskalationspotential in der ganzen Region), wollen wir gar nicht reden.
    Wie es vor diesem Hintergrund “aufklärerisch” und “humanistisch” sein kann, eine Bombardierung zu fordern, wissen die Götter.

     
    • Julian

      24. November 2010 at 21:03

      Ich denke mal eine Ursache für das Erstarken des Fundamentalismus ist die zunehmende “Unübersichtlichkeit” und Perspektivlosigkeit vieler Menschen. Fundamentalismus, Rassismus, Nationalismus, Homophobie gibt es ja auch immer mehr im Westen. Oder man schaue sich die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowietunion an, die nach 1989 eine beispiellose wohlfahrtförderne Wirkung erleben konnte…. Woher der Fundamentalismus kommt können Neocons genau wie die Neoatheisten nicht oder kaum erklären, bzw dieser Frage wird kaum nachgegangen. Es wird festgestellt wie irrational dieser ganze scheiß ist und dabei bleibt es. Und als universelles Heilmittel wird eine idelle Demokratie angeboten die aber selbst am erodieren sind. Ob in Afganistan nun Demokratie ist oder nicht, der Weltmarkt braucht die Arbeitskräfte dieser Menschen nicht, sie sind kapitalistische gesehen überflüssig.
      Interessant sind auch westliche Konvertiten die sich dem radikalen Islam anschließen oder Teenager die Amok laufen- woher kommt das alles? Die Mina Ahadi sagte mal manche Konvertiten sind schlimmer als importierte Fundamentalisten.

       
 
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