RSS

Club der neuen Atheisten wirft mich raus

17 Nov
Schade, dass nicht alle weißen Schafe so tolerant sind (http://mellyandme.typepad.com/photos/designs_by_melly_me/index.html)

Schade, dass nicht alle weißen Schafe so tolerant sind (Klick für Bildquelle)

In meinem Beitrag Haben Atheisten wirklich keine Moral? habe ich darauf hingewiesen, dass Atheisten, ob engagiert oder nicht, die auf einen philosophischen Zugang zur Welt verzichten, vom Relativismus und somit vom Nihilismus bedroht sind.

Nun habe ich ein praktisches Beispiel für diese Haltung entdeckt in Form einer weiteren “humanistischen” Gruppierung oder Organisation, die eine Freude daran hat, sich vom schwarzen Schaf der säkularen Szene zu distanzieren; aus Gründen, die rein gar nichts mit Philosophie und die alles mit religiösem Wahn zu tun haben.

Ein anonymer Blogger vom Club der neuen Atheisten, wo eine erstaunliche Ahnungslosigkeit an den Tag gelegt wird, was die Neuen Atheisten in ihren Büchern und Artikeln eigentlich schreiben, hat in einem Beitrag namens Humanistischer Krieg? begründet, warum er diesen Blog hier aus den Links entfernt hat.

Die Begründung liest sich beinahe wie eine meiner Satiren über ethischen Relativismus.

Welcher Blitz hat die Lichtgestalt getroffen? Welches Feuer will sie bringen, wenn er von einer „humanitäre Interventionen“ gegenüber Diktaturen spricht, deren „Zerstörung“ fordert und gleichzeitig das „Appeasement“ gegenüber Hitler verurteilt, also die Haltung des Westens, die zunächst auf Kompromiss und Frieden angelegt war.

Ja, erstaunlich! Dass es heute, nach den wunderbaren historischen Erfahrungen, die wir mit dem britischen Appeasement gemacht haben, noch jemanden geben sollte, der an einem solchen “Kompromiss und Frieden” zweifelt? Schließlich hätten wir damals die Welt erobern können, wenn der Westen bei seinem herrlichen Appeasement geblieben wäre.

Die Einmischung in die Innenpolitik anderer Länder hat stets auch eine gewisse Nebenwirkung, insbesondere wenn es sich um Diktaturen handelt: Die Gefahr des Krieges. Beim Feuerbringer klingt es so, als würde er Krieg im Namen des Humanismus geradezu einfordern!

Nicht wirklich, oder? Natürlich fordere ich “Krieg” gegen völkermordende Tyrannen ein. Ich warte noch immer auf eine Erklärung, warum es ethisch erhabener sein soll, Tyrannen einfach gewähren zu lassen. Haben manche Völker keine Menschenrechte verdient und Systeme, die dazu in der Lage sind, sie zu garantieren?

Ich glaube, dass Menschenrechte universell sind und dass Diktatoren in der Regel nur auf glaubhafte Drohungen und Krieg hören (es sei denn, sie brechen nach einem Rüstungswettbewerb zusammen wie die Sowjetunion), also ziehe ich die logische Schlussfolgerung, und wenn sie mich zum Hassobjekt aller gutmenschlichen Dinnerparties macht.

Tötet die Kriegstreiber?

In der Historie waren es in aller Regel Menschen wie der Betreibers des Blogs „Feuerbringer“, die Kriege vom Zaun gebrochen haben: Und damit meine ich nicht die Humanisten, sondern diejenigen, die vom Wohnzimmer aus bzw. vom Kartentisch aus einen Krieg führen. Georg Christoph Lichtenberg meinte einmal, dass schon viel gewonnen wäre, wenn jedem Kriegsherrn ein Pulverfass unter das Kopfkissen gelegt werden würde – so in etwa.

Wie allzu typisch für radikale Pazifisten, dass sie den ganzen Tag über in Mord- und Vernichtungsfantasien schwelgen. Wenn man einfach nur jeden töten würde, der einen Krieg fordert, dann gäbe es keine Kriege mehr. Genial! Stalin hätte nicht darauf kommen können.

Es ist alles so einfach. Diktaturen und Demokratien leben friedlich Seite an Seite und sie versuchen gemeinsam, die Welt besser zu machen, indem sie sich bei den Vereinten Nationen treffen und wunderbare Resolutionen verabschieden, wie dass Zionismus eine faschistische Ideologie wäre (Resolution von 1975) und dass Blasphemie verboten sein sollte (aktuell). Es ist überhaupt nichts falsch an Diktaturen per se, der gelegentliche Völkermord geht uns nichts an. “When it’s out of California, it’s foreign policy”, hat NOFX darüber gesungen.

Das Problem sind wirklich nur die Leute, die Kriege fordern, warum auch immer sie das tun. Und es gäbe absolut niemals mehr Kriege, wenn die alle tot wären! Und dann schauen wir uns alle zusammen den neuen Disney-Film im Kino an und ich drücke Tyrannen wie Fidel Castro, Ahmadinedschad und al-Gaddafi an mein Herz! Na, das ist doch Humanismus pur!

Der Feuerbringer etwa ist nicht einmal jemand, der überhaupt seinen Wehrdienst abgeleistet hätte. Wofür also würde ich mein eigenes Blut einsetzen? Für die eigene Freiheit, für die Freiheit der USA und auch die Freiheit der Bündnispartner, etwa Deutschlands, weil dies mit meiner persönlichen Freiheit unmittelbar verbunden ist.

Ja, leider habe ich meinen Wehrdienst nicht abgeleistet, weil ich damals noch so ein marxistisch-pazifistischer Idiot war wie gewisse andere Leute es immer noch sind. Aber inzwischen könnte ich mir durchaus vorstellen, für die Bundeswehr zu arbeiten.

Außerdem habe ich dieses infantile Argument über die Lehnstuhlgeneräle bereits widerlegt:

Das schlechteste Antikriegs-Argument

Mein eigenes Leben, meine Gedärme gehen nur mich etwas an und in dem Bereich bin ich aus purem Überlebenstrieb extrem egoistisch: Aus irgendwelchen Ideologien heraus oder wegen der vermeintlichen Freiheit in irgendwelchen anderen Ländern, die wir ohne deren Kolonialisierung gar nicht gewährleisten können, würde ich mir nicht meine Gedärme wegbomben lassen.

Der Mann redet ganze drei Mal in seinem kurzen Text von “Gedärm” oder “Gedärmen”. Es sind stets diejenigen, die sich persönlich gerne Splatterfilme reinziehen, die dann öffentlich lauthals gegen Kriege argumentieren.

Nun, es gibt Menschen, die melden sich freiwillig beim Militär, um beim Aufbau anderer Länder zu helfen und um unser Land – eine liberale Demokratie – zu verteidigen. Dafür werden sie ausgebildet und dafür werden sie sehr gut bezahlt. Was fällt Kriegsgegnern eigentlich ein, ausgerechnet diejenigen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, die durch ihre Entscheidung eindeutig gezeigt haben, dass sie nicht mit den Kriegsgegnern übereinstimmen?

Es gibt Menschen da draußen, die ihr Leben freiwillig für andere aus Spiel setzen, weil sie Helden sind (oh, Tabu!). Ja, ich weiß: Es ist so eine Schande. Würden doch alle so viel wert legen auf ihr “Gedärm” wie dieser Blogger.

Niemand sollte sich ein Urteil für einen Krieg erlauben, der nicht gleichzeitig bereit ist, sich als Schütze Arsch an einem solchen Krieg zu beteiligen.

Niemand sollte sich ein Urteil über die Agrarsubventionen der EU erlauben, der nicht gleichzeitig bereit ist, die Sense zu schwingen und der Kuh am Euter zu zupfen. Niemand sollte sich ein Urteil über Politik erlauben, wenn er kein Politiker ist, über Taxis, wenn er kein Taxifahrer ist und über Papageiendressur, wenn er keine Papageien dressiert.

Wegen internationalisierter humanistischer Kriegstreiberei wird dieses Blog aus der verlinkten Liste entfernt.

Und wegen infantiler Naivität wurde dieser Blog niemals hier verlinkt.

Hier die Antwort, die ich dort auf den Beitrag verfasst habe:

Du wärst also in Ruanda nicht einmarschiert und hättest dem Völkermord einfach zugesehen? Du wärst gegen die Intervention in Nazi-Deutschland gewesen und hättest noch mehr Juden sterben lassen?

Und wenn du für den Isolationismus argumentieren willst, so sei dir gesagt, dass es auch isolationistische Argumente, nämlich die nationale Sicherheit, für humanitäre Interventionen gibt. Insbesondere in Terroristenhochburgen wie Afghanistan.

Und wenn das hier der “Club der Neuen Atheisten” sein soll, schlage ich vor, dass du einmal liest, was Christopher Hitchens und Sam Harris, zwei der wichtigsten Neuen Atheisten, zu dem Thema schreiben.

Ihr solltet euch freuen, dass ich so harmlos bin

Ein Blog, der sich nach den Neuen Atheisten nennt, sollte vielleicht wissen, was die eigentlich denken über solche Themen.

Sam Harris schreibt, dass wir viele Millionen Feinde in der islamischen Welt haben und dass das US-Militär in manchen Fällen heimlich Terroristen foltern sollte, um Menschenleben mit den gewonnenen Informationen zu retten (was ich nicht denke). Christopher Hitchens will einen neuen Weltkrieg gegen alle Tyranneien (will ich nicht).

In einem aktuellen Interview mit dem Guardian erinnert sich Hitchens an seine Reaktion auf die Anschläge vom 11. September: “Hier sind wir nun. In einem Krieg bis zum Ende zwischen allem, was ich liebe und allem, was ich hasse. Nun gut. Wir werden siegen und sie werden verlieren.”

Über den Krieg gegen die Taliban hat er geschrieben:

Es ist [...] unmöglich, mit den steingesichtigen Propagandisten für eine Moral aus der Bronzezeit Kompromisse einzugehen: Schwachköpfe und Philister, die Darwin und Einstein hassen und die es während ihrer kurzen Regierungszeit in Afghanistan geschafft haben, Musik und Kunst zu verbieten und auszulöschen, während sie die Fähigkeiten zur biologischen Kriegsführung kultivierten [...] Bei der Konfrontation mit solchen Leuten ist es entscheidend, dass man willens und fähig, wenn nicht begierig ist, sie gnadenlos zu töten, bevor sie damit anfangen können.”

Sam Harris über Folter:

Bowden empfiehlt, dass wir Folter illegal sein lassen sollten und eine Politik aufrechterhalten, dass wir niemanden aus keinem Grund foltern. Aber unsere Vernehmenden sollten wissen, dass es bestimmte Umstände gibt, in denen es ethisch sein wird, das Gesetz zu brechen. Tatsächlich gibt es Umstände, in denen man ein Monster sein müsste, das Gesetz nicht zu brechen. Falls sich ein Vernehmender in einer solchen Situation befindet und er das Gesetz bricht, wird es keinen sonderlichen Willen geben, ihn strafrechtlich dafür zu verfolgen (und Vernehmende werden das wissen). Falls er das Gesetz auf die Art von Abu Ghuraib bricht, wird er für sehr lange Zeit ins Gefängnis gehen (und Vernehmende wissen auch das). Im Augenblick erscheint mir das die vernünfige Politik zu sein angesichts der Realitäten in unserer Welt.

Harris glaubt außerdem, dass es Fälle gibt, wo man Menschen für ihren Glauben umbringen sollte, auch wenn sie selbst niemanden getötet haben. Er nennt das Beispiel Adolf Hitler, wenn man davon ausgeht, dass er persönlich keinen Mord begangen hat, aber den Mord von Millionen anordnen ließ.

Übrigens ist Richard Dawkins nicht besser. Er hat damals zwar die Hinrichtung von Saddam Hussein abgelehnt – unter anderem, damit man ihn für wissenschaftliche Experimente benutzen kann:

Aber ich möchte einen anderen und weniger offensichtlichen Grund anführen, warum wir Saddam Hussein nicht hätten exekutieren sollen. Sein Verstand wäre eine einzigartige Resource für historische, politische und psychologische Forschung gewesen: Eine Resource, die nun auf ewig nicht verfügbar ist für Forscher.

Man kann selbst einen Diktatur nicht gegen seinen Willen zum Versuchsobjekt für Wissenschaftler machen. Ich stimme allerdings darin mit Dawkins überein, dass man Diktatoren nicht töten sollte, sobald man sie festgenommen hat.

Ich bin, wie man sieht, vollkommen harmlos und pflegeleicht im Vergleich zu meinen neoatheistischen Kollegen aus Übersee. Ich bin kuschelig süß und zahm. Leider wird das gar nicht anerkannt.

Allerdings finde ich, dass sie das Recht haben sollten, auch solche unbequemen Meinungen zu äußern. Ich finde die Argumentationen der Neuen Atheisten durchaus herausfordernd und gewinnbringend, auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme. Ich würde sie nirgendwo rauswerfen, sondern sie einladen, damit sie hier so viel über Krieg und Folter schreiben können, wie sie wollen. Dann können wir darüber im Kommentarbereich diskutieren. So stelle ich mir das vor.

Übrigens beeindruckt es mich keineswegs, wenn ich aufgrund meiner abweichenden Meinung über humanitäre Interventionen von “Humanisten” angefeindet werde. Humanisten, die selbst überhaupt keine Antwort auf die Frage haben, wie wir Völkermorde verhindern können. Friedensdemos haben Hitler nicht aufgehalten, nicht Stalin, nicht Saddam Hussein und heute nicht Mahmud Ahmadinedschad. Sie haben lediglich effektive Maßnahmen gegen Massenmorde blockiert oder verzögert.

Ich halte radikale Pazifisten einfach für fehlgeleitet und verblendet, da sie ihre zerbrechliche Meinung immer wieder mit Ausschluss und Zensur, anstatt mit guten Argumenten verteidigen. Zugleich können sie ihren naiven und irrationalen Glauben an den radikalen Pazifismus nicht aufgeben, weil sie ihn quasi-religiös vertreten und er sowieso nichts mit Logik und Empirie zu tun hat, sondern lediglich mit der Kultur, in der sie aufgewachsen sind. Das ist im Grunde dasselbe wie religiöse Menschen, die niemals den Glauben ihrer Eltern hinterfragen.

 
40 Comments

Geschrieben von am 17. November 2010 in Philosophie, Politik

 

40 Antworten zu Club der neuen Atheisten wirft mich raus

  1. Alani Prinz

    17. November 2010 at 20:06

    Dont feed the Trolls, Feuerbringer.

     
    • derautor

      17. November 2010 at 20:07

      Ich denke, es ist sinnvoll, gleich gegen jede Kritik zu argumentieren, sonst sammeln die sich unwidersprochen an.

       
  2. Logine

    17. November 2010 at 20:07

    Nach Dawkins werden nun auch noch Hitchens und Harris desavouiert. Freudscher “Vatermord”?

     
    • derautor

      17. November 2010 at 20:22

      “Desavouiert”, wo bekommt ihr nur solche Begriffe her?

      Auch die Neuen Atheisten können sich mal irren, wie in diesen Fällen (zum Teil war ich früher ihrer Meinung). Es ist einfach blöde, legitime Kritik oder nur die Präsentation ihrer Meinungen abzulehnen – für die sie sich meines Wissens keineswegs schämen, die sie nie zurückgezogen haben und die sie öffentlich verteidigen.

      Aber so ist das eben mit “Humanisten”, die sich stets selbst loben für den Titel, den sie sich gegeben haben. Jede Diskussion über umstrittene Thesen anderer Humanisten ist gleich “Verrat”.

      Wir sind uns doch alle wunderbar ähnlich, wir und die Gläubigen.

       
      • Logine

        19. November 2010 at 17:39

        Wofür sollen sich die denn entschuldigen? Dafür, dass sie eine Meinung vertreten (eine Meinung, notabene, keine unumstössliche absolute Wahrheit, wie sie der Unfehlbare und seine Jünger herumposaunen)? Und für die es Fakten und Argumente gibt.
        Im übrigen sollte man, so man sich Religionskritiker nennt, einen so offenen Blick haben, dass man auch jüdische Lobbyisten als solche erkennt. Zumal dann, wenn sie ihre Legitimation genauso wie christliche oder muslimische aus irgendwelchen verstaubten Mythen ableiten. Ob in Politik oder Wirtschaft (cfr. Chef der Goldman-Sachs, der sich als Gottes Banker ausserhalb jeglicher Verhältnismässigkeiten stellt: http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EE49718FE680047B0B74840694EC65BD3~ATpl~Ecommon~Scontent.html.

        Nur,weil man – was auch verständlich ist und ich sogar teile – das Bild des säkularen, wissenschaftsfreundlichen, aufgeklärten und zum Nobelpreis prädestinierten “Sohn Davids” im Kopf hat heisst es nicht, dass die Realität so aussieht. Wenn Israel sich weiterhin als jüdischen Staat definiert und von seinen Bürgern ein Bekenntnis darauf verlangt ist das genauso ein Lausbubenstück wie die Verlautbarungen der religious right um Beck und Fox in den USA.

         
  3. Cabuflé

    17. November 2010 at 20:23

    Hast du jetzt auch noch was gegen Leute, die Splatterfilme gucken?
    (sorrycouldnotresist)

    Abgesehen davon: Schöne Replik!

     
    • derautor

      17. November 2010 at 20:26

      Nein, es fällt mir nur auf, dass auch meine Splatterfilm-Zeit mit meinem Pazifismus zusammengefallen ist.

       
      • Cabuflé

        18. November 2010 at 14:25

        Hmmm, ich bin kein Pazifist mehr, und schaue immer noch Splatterfilme (und werde hoffentlich irgendwann noch einen machen). Was sagt das über mich aus?

         
        • derautor

          18. November 2010 at 15:13

          Du bist einer der X-Men, nächste Stufe in der Evolution.

           
      • Cabuflé

        22. November 2010 at 17:28

        Hehe. Made my day!

         
  4. derNachdenker

    17. November 2010 at 20:36

    Irgendwie hat dieser Artikel mein Verhältnis zum Pazifismus geändert – danke…

    Wenn ich mir den Blog so ansehe, kann ich nur sagen, das dieser Blog mies ist – die haben den ganzen Sommer über nichts geschrieben und auch sonst scheint der Blog eher Werbeseite für skydaddy, hpd und brights…

     
    • Ingo Bading

      18. November 2010 at 11:15

      Man, da hat aber einer scharf nachgedacht. Echt klasse.

       
  5. newath2009

    17. November 2010 at 22:10

    Mir Radikalpazifisten beschimpfst Du wohl nicht dir richtigen.

    Du tobst hier wie Rumpelstielzchen, liegst aber dennoch völlig daneben: Diejenigen, die einen Krieg ausbaden müssen, wenns mal in die Hose geht, sind niemals diejenigen, die so etwas anordnen. Auch mit der Selbstentleibung können sie keine Verantwortung übernehmen, wie man am Beispiel Hitler sieht.

    Natürlich haben sich z. B. in Deutschland viele Soldaten mehr oder weniger „freiwillig“ gemeldet, weil sie gerade keinen anderen Job abbekommen haben: Allerdings haben sich diese Leute auch unter ganz anderen Konditionen gemeldet, nämlich unter dem Konsens des Grundgesetzes- und dass muss schon gehörig verbogen werden, wenn man einen Terrorangriff aus Hamburg dem Land Afghanistan anlastet. Die Terrorausbildung ansich, also die abstrakte Fortbildung im Bombenbau, Guerilliakrieg ohne konkretes Ziel ist übrigens erst seit kurzem in Deutschland strafbar…

    Und wenn so ein Einsatz zur Verteidigung des Nato-Bündnisses am Hindukusch in die Hose geht, müssen es am Ende die Wehrdienstleistenden ausbaden: Für so Leute wie Dich, die den Schwanz einziehen und sich kuschen: Dann zieh doch Deine Wehrdienstverweigerung zurück. Wenigstens bist Du schon so weit fortgeschritten, dass Du auch aus Gewissensgründen töten würdest. Naja, dass es so weit kommt, dass wir das normale Fußvolk brauchen, dazu wird es in Afghanistan nicht kommen:

    Mit einem Iran-Krieg wie er hier dem Grunde nach gefordert wird, sähe das ganz anders aus.

    Solche Kriege können andere führen. Ich würde mich nur beteiligen, wenn man einen angemessenen Anteil an der Beute versprochen bekommt – aber nicht für einen feuchten Händedruck. Ich bin sogar so humanistisch, dass ich auch bei einem Angriff auf unser Land den Menschen das Wahlrecht absprechen würde, die meinen, es nicht mit verteidigen zu müssen, wie Du es etwa mit Deiner Kriegsdienstverweigerungslüge tust.

     
    • Travis

      18. November 2010 at 11:00

      Der Ruf der Soldaten wird vor allem durch die Kriegsgegener ruiniert, die mit ihren Thesen implizieren: “Wie kann man nur so bescheuert sein und sich für diesen Krieg für westimperialistische Wirtschaftsinteressen einspannen lassen?!”

      Laut Grundgesetz Artikel 115a §1 besteht der Verteidigungsfall auch dann, wenn ein Angriff unmittelbar droht – was aktuellen Meldungen zufolge immernoch der Fall ist. Deiner Logik nach müsste man in der aktuellen Situation dir selbst das Wahlrecht entziehen, da unsere gewählten Vertreter die Bedrohung durch den islamistischen Terror als Verteidigungsfall einschätzen. Wer wenn nicht die Volksvertreter sollen denn entscheiden, was ein Verteidigungsfall ist? Der Mainstrea der linken Kulturrelativisten? Oder du selbst als galaktischer Imperator?

      derautor kuscht nicht, er zeigt deutlich mehr Courage als die allermeisten Journalisten. Trotz Repressalien verteidigt er die Einsätze nach wie vor und versucht öffentlich, die Truppen in ein besseres Licht zu rücken. Wo liegt hingegen der Nutzen für irgendwem, wenn derautor selbst der Bundeswehr beitritt, ein leidlich brauchbarer Soldat wird und für seinen Mut schließlich von linken Pazifisten bespuckt und verhauen wird, weil sie Soldaten mit Mördern gleichsetzen?

      Du machst dir nichteinmal die Mühe, die Argumente auf diesem Blog zu lesen und zu beantworten, sondern tust so als wäre deine “Wer nicht kämpft, darf auch keine Kampfeinsätze fordern”-These völlig unangefochten. Dabei ist sie völlig absurd, wie derautor schon zigfach dargelegt hat, während du nicht ein einziges seiner Argumente dagegen entkräftet hast.

      “Ich würde mich nur beteiligen, wenn man einen angemessenen Anteil an der Beute versprochen bekommt – aber nicht für einen feuchten Händedruck.”
      Aha, du würdest also nur in einen Krieg ziehen, wenn du das angegriffene Land zu deiner eigenen Bereicherung hemmungslos ausbeuten kannst?
      Herzlich Willkommen im Faschismus! Ich bin sehr gespannt, wie du deinen Kopf aus dieser Schlinge ziehen willst.

       
      • newath2009

        18. November 2010 at 13:11

        Von mir aus kannst Du das als Faschismus bezeichnen oder als Egoismus oder es sonstwie beschimpfen, ein Argument ist das nicht – denn diese Form des Faschismus wäre mir um einiges lieber, als die hier vorherrschende angeblich humanistische Kriegstreiberei.

        Mein Arsch ist mir nun einmal am nähesten. Dementsprechend kann ich sehr wohl darüber schwadronieren, was andere denn erkämpfen sollen oder wo sie zu sterben haben, wenn ich selbst im trockenen sitze und mich dann auch noch auf meine Kriegsdienstverweigerung berufen: Das ist widersprüchlich und pure Heuchelei.

        Im Grunde ist es eine Frechheit, für idealistische Demokratisierungsträume in Timbuktu unser Blut vergießen zu wollen: Wir können für den Rest der Welt nur die Verantwortung übernehmen, wenn es zu unserem Herrschaftsgebiet gehört: Anosnten funktioniert das nicht – mit Partisanenkämpfern schon gar nicht – sonst können wir in 20-40 Jahren oder schneller wieder von vorn anfangen. Es fragt sich nicht nur, wobei dann mehr Menschen sterben, sondern auch wer!

        Afghanistan war ein Sonderfall, den man nicht verallgemeinern kann. @Travis: Ich darf daran erinnern, dass es hier nicht um Afghanistan geht, sondern um Angriffe auf den Iran, Lybien oder China, die der Feuerbringer fordert. Das hat mit Terrorbedrohungen auf Deutschland rein gar nichts zu tun.

        Im Übrigen ist es ja hanebüchener Quatsch, dass Terrordrohungen (welche) auf Deutschland als Krieg bezeichnet werden könnten – das sind Privatpersonen, Kriminelle, aber kein Staat. Die Bundesregierung beruft sich übrigens ganz explizit darauf, dass Afghanistan kein V-Fall ist: Das hätte ansonsten auch der Bundestag aussprechen müssen… Die Bundeskanzelerin wäre dann oberste Feldherrin… Offiziell hatten wir seit 1945 keinen Krieg mehr. Auch der Angriffskrieg auf Serbien war offiziell gar keiner, sondern irgendein humanitäres Scharmützel.

         
        • derautor

          18. November 2010 at 15:08

          Ich fordere keinen Angriff auf China. Man muss, wie gesagt, auch abwägen, ob man einen Krieg gewinnen kann und ob sich die Lage dadurch verbessert. China entwickelt sich in eine positive Richtung und ist keine unmittelbare Bedrohung. Iran schon eher.

           
      • Julian

        18. November 2010 at 15:11

        Welche Terroristen unterstützt denn Nordkorea?

         
        • derautor

          18. November 2010 at 15:22

          Islamisten. Nordkorea hat außerdem Konzentrationslager, Atombomben und es greift immer wieder Südkorea, eine liberale Demokratie, an.
          http://markhumphrys.com/north.korea.html

          It has been reported that North Korea sold ballistic-missile technology to Iran and Syria, both of which are on the U.S. State department’s list of sponsors of terrorism, and Libya, which was removed from the list in 2006. North Korean missile technology has also been transferred to Pakistan and Yemen. The alleged missile sales represent a prime concern for the U.S.-led “war on terrorism,” expanding the range of receiving nations that could potentially deploy their own chemical, biological, or nuclear weapons. Yet the sales also generate much needed income for North Korea, allowing it to further its own military research and development. Following a September 2007 Israeli air strike in Syria, some analysts speculated that Pyongyang had sold nuclear material to Damascus, which Israel then discovered and destroyed.

          http://www.cfr.org/publication/9364/state_sponsors.html

           
  6. newath2009

    17. November 2010 at 22:12

    Es ist eben doch ein gewisser Unterschied, ob man über das Leben seiner Mitdikutanten spricht oder darüber, was irgendwelche Fuzzies aus den USA sich im Irak an Munition in den Arsch blasen lassen.

    Wenn Dir das zu hoch ist, geh gefälligst selbst in den Krieg, den Du forderst: Auf den feuchten Händedruck als Dank wirst Du allerdings lange warten müssen.

     
  7. Bobbele

    17. November 2010 at 22:16

    @A. Müller,

    danke für diesen und andere erhellende Artikel zu dem Thema ;) Und um jenen Blog würde ich mir keine Gedanken machen, der Blog eines gelangweilten Mainstream-Atheisten ohne eigene Ideen wie mir scheint – nicht der Rede und des Anklickens wert…

    Grüße

     
  8. harrytisch2009

    17. November 2010 at 22:38

    *lol* und Prog off: Der “Club der neuen Atheisten” hat dafür das Bluthilde-Blog in seiner Blogroll, offenbar in der Meinung, dessen Inhalte wären ERNST gemeint. :)

    Was religiöse Glaubensfragen anbelangt, werden wir beide wohl nie auf einen grünen Zweig kommen. Allerdings sollte mich das nicht daran hindern, Dir – absolut ernst und ohne den kleinsten Anflug von Sarkasmus – meine Anerkennung auszusprechen für das, was Du in den letzten Monaten aus dem Blog gemacht hast und dafür, dass Du einige wirklich inhaltlich absolut brillante Texte verfasst hast, insbesondere zu Themen rund um USA, Israel, Idee der Freiheit und Entschlossenheit gegen Diktaturen.

    Ich denke, das sollte auch mal gesagt werden.

     
    • newath2009

      18. November 2010 at 10:04

      „das Bluthilde-Blog in seiner Blogroll, offenbar in der Meinung, dessen Inhalte wären ERNST gemeint.“

      Wie kommst Du denn auf die Idee? Der Umstand, dass dort auch der Atheismus auf die Schippe genommen hat, tut der sonstigen Positionierung keinen Abbruch.

       
      • newath2009

        18. November 2010 at 10:05

        wird

         
  9. Mo

    17. November 2010 at 22:41

    Schade dass du dich wirklich gegen jede noch so alberne Kritik verteidigst, hast du doch garnicht nötig! Das nimmt dir doch nur die Zeit für andere bitterböse Beiträge ;-)
    (Ja, ich habe deine Antwort auf nen ähnlichen Kommentar oben gelesen, sicher auch ‘ne nachvollziehbare Haltung – und wenn ich deinen Beitrag über deinen Verleger erinnere ist es erschreckenderweise wohl doch nötig :-( )

    Irgendwo habe ich auch ne Wendung verpasst, oder warst das nicht du, der von einer Selbstbezeichnung “Humanist” abgeraten hat (und stattdessen “Krawallatheist” vorgeschlagen hast), da positives Selbstverständniss negativ mit positivem Verhalten korreliert?

    Wirklich spannend ist aber die Frage zur Wehrpflicht, da ich während meines Einsatzes als Zivi auch gemerkt habe, dass ich auch hier zu Dingen gezwungen bin, die ich mir nie zugetraut hätte (und nie machen wollte) – und somit mutmaßlich auch beim Militär mich hätte überwinden können.
    Was aber bis heute ganz ehrlich ein Gewissensproblem wäre, sind meine Haare! Denn die würde ich niemals für einen Dienst Opfern wollen, der in jetziger Form seit ’89 keinen Sinn mehr macht und dem ein Großteil meines Jahrgangs zudem sowieso entkommen ist. Allein um wieder auf den Stand vorher zu kommen hätte ich wohl 4 Jahre gebraucht – so zusagen eine 5 mal längere Dienstzeit…
    Quasi Heavy Metal als (diesseitige) religiöse Verweigerungsbegründung. Leider war ich damals nicht so mutig das so zu formulieren, wäre sicher spannend geworden…

    Und da du auch hin und wieder (thematisch passende) Musik-Tipps gibst, möchte ich mal aufmerksam machen, auf ACCEPT – Blood Of The Nations: Geht um die von dir verteidigten Kriegseinsätzte gegen den Terror.’Caus freedom isn’t free! Bemerkenswert: ACCEPT sind ne deutsche Band (allerdings ist der neue Sänger wohl aus den USA).


    Hoffentlich ist das ja auch für dich als Punk-Fan erträglich ;-)

     
    • derautor

      18. November 2010 at 00:02

      Ja, das ist richtig, dass ich aus psychologischen Gründen von der Selbstbezeichnung als “Humanist” abgeraten habe. Das Dumme ist nur, dass es einigen Leuten damit umso einfacher war und ist, mir den Humanismus abzusprechen. Natürlich bin ich ein säkularer Humanist, da ich diese Philosophie vertrete. Das Problem besteht darin, dass “Eigenlob stinkt” – und zwar, weil es unethisches Handeln fördert, sich selbst mit positiven Selbstbezeichnungen aufzuwerten. So ähnlich wie Terroristen, die sich “Freiheitskämpfer” nennen. Oder wie die guten Christen, die systematisch Kinder vergewaltigt haben. Gelegentlich werde ich mich also “Humanist” nennen müssen, auch wenn ich mich jedesmal dafür schäme, aber vor allem verteidige ich mein Verständnis der säkular-humanistischen Philosophie.

       
      • newath2009

        18. November 2010 at 10:09

        Hitler war eigentlich auch Humanist, denn was gäbe es humaneres, als alle Länder zu besiegen und dann zu befrieden?

        Und Pazifist obendrein: Du vermutlich auch!
        Letztendlich geht es nur um die Anzahl der Menschenleben: Du schätzt die richtig ab, verrechnest und auf gehts in den Krieg.

        Wobei Du wirklich fair bist: Ein Afghane zählt bei Dir wirklich so viel, wie ein Deutscher – ähh, solange Du es nicht selbst bist!

         
      • Stefan

        18. November 2010 at 13:35

        eigentlich hatte ich ja nicht vor deine selten ignoranten sprüche zu kommentieren…aber naja…
        man ist halt auch nur choleriker, irgendwann ist das maß voll.
        lies den beitrag…gründlich!
        die verlinkten beiträge auch, gründlich!
        und dann ließ deinen kommentar noch mal, auch gründlich!
        wenn dir dann noch nicht auffällt was du für sinnlosen mist redest, naja, glückwunsch, du bist ein unreflektierter gläubiger.

         
  10. dieblaueneu

    18. November 2010 at 00:12

    Deine Stellungnahme kann ich nur zustimmen, auch wenn ich kein Atheist bin.

    Ich habe mich immer gefragt, warum Atheismus in vielen Beiträgen und Blocks mit Gewaltlosigkeit gleichgesetzt wird, dafür sehe ich keine —rationalen— Anhaltspunkte.

    1)
    im Kommunismus, d.h. eine die Gleichheit des Menschen prägende gesellschaftlichen Wertordnung, sehe ich zwar eine stringente Verknüpfung,zwischen Humanismus und Atheismus, aber bei weitem keine Verknüpfung zum christlichen Prinzip der Gewaltlosigkeit,im Gegenteil die Gleicheit als prägende Gesellschaftswertordnungsnorm soll aktiv und aggressiv -Revolution und Diktatur- errichtet zum

    —————-Sieg—durch Kampf — geführt werden——-

    Auszug aus Wikipedia-Humanismus:
    Karl Marx setzte den Kommunismus mit einem atheistischen Humanismus gleich. Der Kommunismus hebe das Privateigentum auf, das Ausdruck menschlicher Selbstentfremdung sei. Der Kommunismus sei deshalb die
    „[…] wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den Menschen; darum als vollständige, bewußt und innerhalb des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordne Rückkehr des Menschen für sich als eines gesellschaftlichen, d.h. menschlichen Menschen.

    Dieser Kommunismus ist als vollendeter Naturalismus ≈ Humanismus, als vollendeter Humanismus ≈ Naturalismus, er ist die wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen, die wahre Auflösung des Streits zwischen Existenz und Wesen, zwischen Vergegenständlichung und Selbstbestätigung, zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Individuum und Gattung.“
    – Karl Marx[78]

    2)
    —anderseits Nitzsches Atheismus Ableitung—:

    Zitat,F.Nietzsche, dem Vertreter der Kastengesellschaft-auch Atheist

    Der Antichrist,Fluch dem Christentum
    38.
    Wen verneint denn das Christentum? was heißt es “Welt”? Daß man Soldat, daß man Richter,

    daß man Patriot ist; daß man sich

    — wehrt; —

    daß man auf seine Ehre hält; daß man seinen Vorteil will; daß man stolz ist…

    Jede Praktik jedes Augenblicks, jeder Instinkt, jede zur Tat werdende Wertschätzung ist heute antichristlich: was für eine Mißgeburt von Falschheit muß der moderne Mensch sein, daß er sich trotzdem nicht schämt, —Christ—- noch zu heißen! —

    43
    Das Gift der Lehre

    —–”gleiche Rechte für alle” – das Christentum hat es am grundsätzlichsten ausgesät—-;

    das Christentum hat jedem Ehrfurchts- und Distanz-Gefühl zwischen Mensch und Mensch, das heißt der Voraussetzung zu jeder Erhöhung, zu jedem Wachstum der Kultur einen Todkrieg aus den heimlichsten Winkeln schlechter Instinkte gemacht, – es hat aus dem ressentiment der Massen sich seine Hauptwaffe geschmiedet gegen uns, gegen alles Vornehme, Frohe, Hochherzige auf Erden, gegen unser Glück auf Erden … Die “Unsterblichkeit” jedem Petrus und Paulus zugestanden, war bisher das größte, das bösartigste Attentat auf die vornehme Menschheit. –

    Und unterschätzen wir das Verhängnis nicht, das vom Christentum aus sich bis in die Politik eingeschlichen hat!
    Niemand hat heute mehr den Mut zu Sonderrechten, zu Herrschaftsrechten, zu einem Ehrfurchtsgefühl vor sich und seinesgleichen, – zu einem Pathos der Distanz … Unsre Politik ist krank an diesem Mangel an Mut! – Der Aristokratismus der Gesinnung wurde durch die Seelen-Gleichheits-Lüge am unterirdischsten untergraben; und wenn der Glaube an das “Vorrecht der meisten” Revolutionen macht und machen wird, – das Christentum ist es, man zweifle nicht daran, christliche Werturteile sind es, welche jede Revolution bloß in Blut und Verbrechen übersetzt! Das Christentum ist ein Aufstand alles Am-Boden-Kriechenden gegen

    —Das, was Höhe hat: das Evangelium der “Niedrigen” macht niedrig —

    51
    —-. Das Christentum war nicht “national”, nicht rassebedingt, –

    es wendete sich an jede Art von Enterbten des Lebens, er hatte seine Verbündeten überall. Das Christentum hat die Ranküne der Kranken auf dem Grunde, den Instinkt gegen die Gesunden, gegen die Gesundheit gerichtet. Alles Wohlgeratene, Stolze, Übermütige, die Schönheit vor allem tut ihm in Ohren und Augen weh.

    6.
    Das Leben selbst gilt mir als Instinkt für Wachstum, für Dauer, für Häufung von Kräften, für Macht: wo der Wille zur Macht fehlt, gibt es Niedergang.

    Meine Behauptung ist, daß allen obersten Werten der Menschheit dieser Wille fehlt,

    – daß Niedergangs-Werte, –nihilistische– Werte

    unter den heiligsten Namen die Herrschaft führen.

    Was ist gut? – Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht.
    Was ist schlecht? – Alles, was aus der Schwäche stammt.
    Was ist Glück? – Das Gefühl davon, daß die Macht wächst, – daß ein Widerstand überwunden wird.
    Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht;

    –nicht Friede überhaupt, sondern Krieg—;

    nicht Tugend, sondern Tüchtigkeit (Tugend im Renaissance-Stile, virtu, moralinfreie Tugend).

    Die Schwachen und Mißratnen sollen zugrunde gehn: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.
    Was ist schädlicher, als irgend ein Laster?

    - Das Mitleiden der Tat mit allen Mißratnen und Schwachen – das Christentum ……………

    Zitat Ende:
    Auch hier wahrlich kein Bekenntnis oder eine Ableitung der oder Führung zur Gewaltlosigkeit aus dem Atheismus.

    —————-
    Kurz und gut aus der Sicht eines Gläubigen an eine sinnhafte und sinngebende Schöpfungskraft–

    Atheismus hat mit Gewaltlosigkeit nix zu tun.

     
    • derautor

      18. November 2010 at 02:12

      Das ist so absolut lächerlich nach zweitausend Jahren Raub, Mord, Hexenverbrennungen, heiligen Kriegen, Kreuzzügen, der Ermordung von Naturvölkern, Sklaverei und organisiertes Kinderficken im Namen des christlichen Gottes, dass man in einer regelrechten Wahnwelt leben muss, wenn man weiterhin das Christentum als eine Religion der “Gewaltlosigkeit” sehen möchte. “Ich bin gekommen, um das Schwert zu bringen”, sagte Jesus. Und das hat er auch gemacht.

      Zudem kannst du mir nicht zugleich mit Nietzsches Sozialdarwinismus und dem Kommunismus ankommen, obwohl sich diese beiden Ideologien komplett widersprechen.

      Schließlich höre ich von dir als großen Christentumsvertreter keine Alternative, wie wir auf Völkermorde reagieren sollen. Offenbar gar nicht?

      Und zuletzt seist du hingewiesen auf den Kommentar von “harrytisch2009″, der ebenfalls ein Christ ist und mir jedoch recht gibt. Offenbar gibt es da ganz unterschiedliche Christentümer, die so ziemlich alles bedeuten können.

       
      • dieblaueneu

        18. November 2010 at 06:15

        Ich danke Dir für Deine Kritik und das meine ich ganz ernst.

        Es zeigt mir, dass es mir noch nicht gelingt,das was ich zum Ausdruck bringen will, allgemeinver-
        ständlich zu artikulieren.

        Ich bin weit entfernt davon, dass von Anbeginn an faktisch gelebte Christentum, als eine Religion der Gewaltlosigkeit zu sehen und sehe – wie Nietzsche—Christus– als einzigen Menschen an, der sich als Christ bezeichnen darf. Das Christentum starb mit Christus.
        Die skeptische Sicht der Dinge und Werte, einschließlich seiner Person und Wertungen selbst
        macht mir allerdings Freude, weil sie mir erlaubt, seine grundlegende Weltsicht, die selektive darwinistische Sicht –nicht –zu teilen, gleichwohl aber viele der sich immer und immer wieder(-sozusagen spiegelhaft-) aus dem menschlichen Geist erhebende Wertvorstellungen aus meiner Sicht der Evolution und –Schöpfung einer nicht personifizierten Schöpfungskraft- in seiner Kritik und dem speziell von ihm, als Atheisten vertretenen “Humanismus” wiederzufinden.

        Zudem muss ich gestehen, die Bewegung und die Partei, die sich auf einen “Neuen Humanismus “beruft , nicht gekannt zu haben—Asche— auf mein Haupt-, und man sich bevor man sich erlaubt einen Kommentar zu diesen Fragen zu schreiben, dazu kundig machen sollte.

        Ich bereite eine neue Stellungnahme vor, sei so nett und lösche meinen Kommentar. Danke!!

         
  11. Martin

    18. November 2010 at 08:02

    Ich bin inzwischen der Überzeugung, das radikale Pazifisten eigentlich nur Schmarotzer sind. Leider auch noch Schmarotzer, die von ihrer eigenen Großartigkeit überzeugt sind.

     
  12. Bruder Spaghettus

    18. November 2010 at 08:43

    Ist es nicht völlig normal, wenn man in seinen Blogroll nur Seiten aufnimmt, die inhaltlich zu einem passen und sympathisch sind?

    Ist es nicht auch normal, wenn ein Blog der seine Richtung ändert und dann nicht mehr in dieses Muster passt, wieder gelöscht wird?

    Ich verstehe echt nicht, warum dich das aufregt. Denn dass du und dein Blog sich in ihren Anschauungen geändert haben, siehst du ja selbst so.

     
    • newath2009

      18. November 2010 at 10:15

      @Bruder Spaghettus: Er schimpft gegen den Kulturrelativismus, weil er diesen bei anderen in der säkularen Szenerie vermutet – dementsprechend erwartet er, dass jeder Unfug auf intellektueller Ebene geduldet wird, weil ein Atheist ja eigentlich immer ein Humanist sein muss, für Meinungsfreiheit etc.

      Der Club hat aber nie in Anspruch genommen, in irgendeiner Weise humanistisch oder sogar tolerant zu sein >:)

       
      • Stefan

        18. November 2010 at 17:49

        bist du eigentlich vom club? deine reaktion wirkt irgendwie wie eine schlechte parodie…
        und zeugt von bemerkenswert wenig vorhandener selbstreflexion deinerseits.
        schönen tag noch.

         
  13. Ungläubiger Thomas

    18. November 2010 at 10:21

    Ich lese dein Blog schon ziemlich lange und habe die Veränderung deiner Haltung dem Krieg gegenüber verfolgt und war zunächst irritiert und auch ein wenig verärgert. Inzwischen gebe ich dir aber recht. Freie Demokratien und Säkularismus sind unabdingbare Voraussetzungen für einen anzustrebenden Weltfrieden und für allgemeinen Fortschritt. Und freie Demokratien entstehen – insbesondere in Ländern, in denen welche Religion auch immer streng gelebt wird – nicht von selber, dazu fehlt es den potentiell Revolte-Willigen an Information und häufig auch Bildung. Und wie man im Falle Iran sehr schön sehen kann, helfen auch Wirtschaftssanktionen nicht wirklich weiter. Daher ist Krieg – wenn man es denn ernst meint mit der Demokratisierung der Welt – der einzig gangbare Weg. Und nein, mir gefällt das auch nicht!

    Das einzige Problem das ich damit habe ist, dass ich einfach immer ein schlechtes Gefühl habe aus meinem heimeligen Zuhause heraus, mit dem Notebook auf dem Schoß, Soldaten zum Sterben zu schicken. Das ist ein Dilemma, dass ich für mich nicht lösen kann. Aber Wahrheit kann halt weh tun.

    Und übrigens, du ärgerst dich doch nicht wirklich darüber, dass die dich von der Blogroll genommen haben oder? Dieses Blog ist tatsächlich einigermaßen albern.

    Mach weiter so.

     
  14. H. Lektor

    18. November 2010 at 15:33

    mir will nicht aus dem Kopf, daß die ganze Debatte sehr viel zielgerichteter laufen könnte, wenn man sich allgemein bequemte, wieder eine etwas ältere, angestaubte und vielleicht (!!!!!111) obsolete Definition von Frieden wieder in Betracht zu ziehen:

    Frieden herrscht dann, wenn der Rechtszustand unversehrt ist.

    Diese Anschauung überkommt aus den Feudalzeiten und meinte damals vor allem das Verhältnis zwischen Landbestitzern (Feudalherren und -Damen). Zwischen Staaten könnte es via Völkerrecht, internationalem Recht und mit einer vernünftigeren UNO wieder so inKraft treten und damit Frieden (ähnlich linker Freiheitsauffassung) erst dann deklamierbar machen, wenn alle Menschen ihre Menschenrechte anerkannt bekommen und alle Staaten einander das Existenzrecht in unversehrter Weise anerkennen. Alles andere ist Friedensbruch.

    (NOTA BENE: Das ist ein Vorschlag und NICHT unbedingt meine Meinung — auf jeden Fall NICHT meinevollständige und präzise — Gegenargumentation, Variation und (begründete) Verwerfung durchaus für mich hinnehmbar, aber verwechsledoch bitte niemand den GEdanken mit der Person. Danke.)

     
  15. foundnoreligion

    18. November 2010 at 17:55

    ich stimme zu, das wir diese staaten, in denen die menschenrechte mit füssen getreten werden, bekriegen. Aber das Volk ist gewöhnt daran, keine Demokratie zu kennen und wird eine Demokratisierung nicht so leicht zulassen. Dazu ist der islamische Glaube einfach zu stark verwurzelt. Und ja ich bin eigentlich Pazifist.

     
    • H. Lektor

      18. November 2010 at 20:20

      Ich auch. Aber eben in dem Sinne, den Friedenszustand aufrecht zu erhalten oder wieder herzustellen.
      Halte es für einen Irrtum, Frieden mit der Abwesenheit von Gewalt oder Kampfsituationen gleichzusetzen (wohin das geführt hat, kann man ja jetzt nachlesen).

       
  16. Flo

    19. November 2010 at 08:54

    Also bitte, Adolf Hitler ist kein Beispiel für jemanden, den man wegen seines Glaubens umbringen hätte sollen. Bevor er an die Macht kam, wäre das tatsächlich unethisch (es gab damals tausende von Antisemiten, die aber in fast allen Fällen dann nie jemandem was getan haben) und nachdem er an die Macht kam, HAT er den Befehl zum Mord gegeben, da hat man dann bessere Gründe. Solange man also keine Zeitmaschine hat, ist das also eher fragwürdig.

     
  17. Flo

    20. November 2010 at 21:41

    Und am Rande ergänzt: Ich bin nun wirklich nicht dein größter Fan, aber die Jungs vom Club arbeiten heftig daran, deine Thesen zu bestätigen…

     
 
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 104 other followers