Schade, ich hatte mir schon ein Flugticket in die USA und ein paar frische Steaks und Würstchen für die Grillparty besorgt, doch jetzt soll der Koran doch nicht verbrannt werden. In welcher schrecklichen Zeit leben wir eigentlich?
Wo heute Bücher verbrannt werden, werden heute Bücher verbrannt
Und warum ist dieser Ungläubigen-Extremist so verdächtig still gewesen, während US-Pastor Terry Jones drohte, den Koran zu verbrennen? Vielleicht hätte ich beim allgemeinen Distanzierungs-Tummel, sogar der Karikaturist Kurt Westergaard distanzierte sich, auch einsteigen sollen. „Ich distanziere mich als deutscher Neo-Atheist von der Verbrennung eines Koran-Exemplars. Man sollte ihn besser lesen, als ihn zu verbrennen. Aber nehmt das Ding bloß nicht ernst!“
Ich habe nichts darüber geschrieben, weil es mir völlig egal ist. Die größte Leistung, die Pastor Terry Jones vollbrachte, besteht darin, den selben Namen zu haben wie ein Komiker von Monty Python. Jones ist irgendein evangelikaler Provinz-Höllenprediger, den niemand kannte, nach dem kein Hahn krähte, bis er damit drohte, den Koran zu verbrennen. Vielleicht sollte ich das auch mal tun, wenn ich möchte, dass sich mein Buch besser verkauft?
Einmal mehr hat Michael Miersch einen trefflichen Kommentar über den internationalen Aufschrei geschrieben:
Wenn heute ein völlig bedeutungsloser Sektierer in Florida Bücher verbrennen will, erfährt die ganze Welt davon. Regierungschefs, Generäle, Religionsführer und sogar der Papst fühlen sich bemüßigt, Stellung zu nehmen. Millionen Menschen fürchten sich vor der Aktion des Provinzpredigers. Und ein paar Tausend warten vermutlich darauf, die bizarre Aktion als Startschuss für Straßenkämpfe und Terrorakte zu nutzen.
In der Tat, das ist der Fluch der vernetzten Welt. Man weiß nie, was man international mit der Entscheidung auslösen kann, einen Koran zu verbrennen. Oder irgendetwas zu tun, was das angeht, beispielsweise war „BoobQuake“ anfangs nur eine fixe Idee, bis ganz unerwartet international darüber berichtet wurde, wie Mädels eine konzertierte Freizügigkeits-Aktion einfädeln, um ein Erdbeben auszulösen und um iranische Mullahs mit ihren Brüsten zu ärgern.
Chaos-Theorie
Wenn ich morgen früh, sagen wir, entgegen meiner Gewohnheit, Eier mit Speck esse (anstatt gar nicht zu frühstücken), und ich erwähne dies zufällig in der Öffentlichkeit, wird dann jemand darüber bloggen und plötzlich entsteht eine große Reportage über den Wandel der Frühstücksgewohnheiten der Deutschen, über die Rückkehr zu traditionellen Essgewohnheiten? Werden sich Muslime in Pakistan beleidigt fühlen, weil ich Schweinefleisch gegessen habe? Werden sich Angela Merkel und Angelina Jolie von mir distanzieren? Wird mir ein Islamist den Kopf abhacken, weil ich Eier mit Speck gegessen und darüber gesprochen habe?
In unserer globalisierten Welt ist alles möglich. In Afghanistan kam es schon vor der Verbrennung zu Protesten. Bei diesen Protesten wurden amerikanische Flaggen verbrannt. Außerdem wurden dort auch Puppen von Terry Jones, früher von George W. Bush, verbrannt. Ist es ok, Puppen von unseren gewählten Repräsentanten zu verbrennen, auch wenn sie Bush sind? Warum interessiert das eigentlich keine Sau? Warum ist es falsch, den Koran zu verbrennen, aber richtig, die amerikanische Flagge und eine Bush-Puppe zu verbrennen? Gewiss ist vielen Amerikanern auch ihre Flagge heilig. Sogar ich empfinde, als naiver USA-Freund, eine gewisse Andacht ob dieses Freiheitssymbols.
Aber so sehr dann auch nicht. Angenommen, ich würde mal wieder an einem satanischen Ritual teilnehmen, dann würde ich bestimmt die US-Flagge verbrennen und den Koran und den Gotteswahn obendrauf. Am besten auch die Perücke von Gerhard Schröder (insofern er sich inzwischen eine besorgt hat, was ich keineswegs behaupten will!). Ich würde so ziemlich alles verbrennen, insofern ich das Zeug nicht selber bezahlen muss. Das macht bestimmt Spaß und drückt meine philosophische Haltung aus, dass nichts heilig ist und dass alles hinterfragt werden muss. Außerdem ist es voll egal, was irgendein Idiot auf einer Feuerstelle verbrennt. Total egal. Komplett egal. Wurscht!
„Das ist schlicht respektlos“, beschwerte sich Angela Merkel. Seit wann ist es vorgeschrieben, ein Buch zu respektieren? „Ich kann es kaum fassen, dass jemand sowas mit den Religionsbüchern anderer machen würde“, sagte Angelina Jolie darüber. Stimmt ja gar nicht, Jones hat die zu verbrennende Koranausgabe selber gekauft.
Im SPIEGEL heißt es:
Jones und seine kleine Glaubensgemeinschaft mit etwa 50 Mitgliedern wollen am Jahrestag der Anschläge des 11. September mehrere Koran-Ausgaben verbrennen. Das erklärte Ziel sei es, den Islam als eine „gewaltsame und repressive Religion“ zu entlarven, hat die Gruppe aus Florida erklärt.
Das ist ihnen auf jeden Fall gelungen. Wobei wir ohnehin schon wussten, dass Islam und Gewalt jedenfalls besser zusammenpassen als Jainismus und Gewalt. Die Jainisten haben noch nie, in der 2500 jährigen Geschichte ihrer Religion, irgendeinen Terroranschlag verübt.
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies unsere Soldaten in Gefahr bringt“, sagte General Petreus, der die US-Truppen in Afghanistan anführt. Wenn ein irrer Knilch in seinem amerikanischen Kuhkaff einen Koran, den er sich im örtlichen Tante-Emma-Laden besorgt hat, verbrennt, dann verstärken Islamisten in Afghanistan ihren Krieg gegen die Freiheit und gegen unsere Truppen. Da sieht man, wie beknackt die sind.
Islamisten sind bescheuert
Islamisten haben nicht das leiseste Verständnis dafür, wie unsere Gesellschaft funktioniert, dass es hier eben keine Kollektivschuld gibt für die Taten eines Einzelnen, ja, dass man hier sein ganzes Eigentum verbrennen darf (insofern man niemanden damit gefährdet), wenn man lustig ist. Und sie kapieren nicht, dass es sie rein gar nichts angeht, was hier verbrannt wird und was nicht. Wenn ihnen ein nicht-verbrannter Koran lieber ist, dann sollen sie sich einen kaufen, ihn auf einen Altar legen, und ihn meinetwegen den ganzen Tag über anklotzen. Geht mich nichts an. Und was wir tun, das geht euch nichts an.
Ja, es könnte mehr Selbstmordattentate geben, wenn wir uns nicht den islamischen Geboten beugen und ihr heiliges Buch – für uns nur ein Buch wie jedes andere, wie eine Ausgabe von Harry Potter, nur in langweilig – verbrennen. Aber was kommt als nächstes? Wenn wir uns von Drohungen einschüchtern lassen, müssen wir immer mehr Zugeständnisse machen. In England gibt es bereits Scharia-Gerichte. Ja, vielleicht werde ich eines Tages wirklich geköpft, wenn ich am Morgen Eier mit Speck esse.
Wie Michael Miersch sagte:
Bei aller Abscheu vor den Irren aus Florida sollte man jedoch nicht vergessen, wo der Kern des Problems liegt. Würde ein Imam irgendwo Bibeln verbrennen, gäbe (fast) niemand dem Islam oder der muslimischen Welt die Schuld dafür.
Eben. Stellt euch mal vor, ein Imam in Saudi-Arabien verbrennt öffentlich eine Bibel. Wer macht denn alle Muslime und die ganze islamische Welt dafür verantwortlich? Aber wenn irgendein Hinterwäldler irgendwo in der amerikanischen Provinz einen Koran verbrennt, dann ist für bemerkenswert viele Muslime die gesamte westliche Welt daran schuld. Dann wollen uns sogar Menschen dafür ermorden, dass wir, wie dieser Provinzprediger, irgendwo im Westen leben. Wisst ihr, was ich davon halte?











PlainCitizen
10. September 2010 at 04:27
„Islamisten sind bescheuert“
Und Terry „Wacko“ Jones hat wenigstens das gezeigt. Ich dachte erst, nun müssen wir da durch, aber so ist’s auch gut: Wir können uns über die Proteste lustig machen.
Ich freue mich auf den nächsten Terrry Jones.
PlainCitizen
10. September 2010 at 06:51
Hier noch ein Link zu einem Buch von Terry Jones (Monty Python)
Englisch:
http://www.amazon.de/Terry-Jones-Barbarians/dp/056353916X/
Er ist Historiker (!) und räumt da mit dem Vorurteil der doofen Barbaren auf – auf seine Monty-Python-Art
derautor
10. September 2010 at 10:43
Von diesen relativistischen Geschichtsrevisionen halte ich aber nichts. Es ist gar kein Zweifel, dass die Römer eine technisch und intellektuell hochentwickelte Kultur hatten, höher als die der germanischen Stämme. Kann ja nicht anders sein, die Römer hatten Städte und Arbeitsteilung, die Germanen nur Dörfer. Jones hat auch ein Buch geschrieben, in dem er das Mittelalter als eine weit entwickelte Epoche hinstellt. Das ist echt Blödsinn.
PlainCitizen
10. September 2010 at 14:48
Es gab da nicht nur Germanen.
Heiko Obermeit
10. September 2010 at 10:03
Du hast im letzten Absatz einen „Tipfehler“: der Hinterweltler in der Provinz verbrennt keine „Bible“.
Bebu
10. September 2010 at 12:57
Wenn allein die Ankündigung der Verbrennung von Koranausgaben so viel Empörung und wütenden Protest bei den Vollidioten auslösen kann, frage ich mich ja, was eine Zeichnung eines brennenden Korans auslösen kann. In der heutigen Ausgabe meiner lokalen Tageszeitung war nämlich eine Karikatur von K.S. (abgekürzt, damit Herr S. sich nicht auch bald nachts im Badezimmer verschanzen muss…) zu sehen, wo ein brennender Koran die Zündschnur einer riesigen schwarzen Bombe anzündet.
Und wenn wir eine Sache gelernt haben, dann, dass die Vollidioten nicht in der Lage sind auch nur irgendwelche kritischen Karikaturen zu verstehen, sobald auch nur irgendetwas enthalten, was dem Islam nach als heilig gilt. Mal sehen, ob es gegen diese Karikatur auch Protest gibt.
Edgar Dahl
10. September 2010 at 18:05
Schick’ mal bitte den Link zu der Karikatur.
Bebu
11. September 2010 at 19:33
Würde ich gerne machen. Nur habe ich es bisher noch nicht auf der Seite der NOZ gefunden. Andere Karikaturen vom Zeichner aus den letzten Wochen sind dort unter den Bildern zu finden.
Vielleicht dauert es ein paar Tage bis das online veröffentlicht wird.
uwe
10. September 2010 at 15:26
unser seliger führer hätte sich besser prophet genannt, „mein kampf“ wäre dann ein heiliges buch und alt- + neu- nazis könnten das recht auf freie religionsausübung in anspruch nehmen.
Edgar Dahl
10. September 2010 at 18:05
Guter Punkt!
Fabian
10. September 2010 at 18:43
Danke wieder einmal für dieses Posting. Du schreibst mir aus der Seele (oder so
. Wenn ich sonst so die deutsche Blogszene anschaue, herrscht diesbezüglich überall Denkverbot. An Bücherverbrennung darf man nicht mal denken, von wegen Vergangenheit und so. Aber du hast es genau auf den Punkt gebracht: Soll doch jeder verbrennen was er will. Das ist jedem selbst überlassen. Mir als Schweizer wäre es ehrlich gesagt auch scheissegal, wenn jemand eine Schweizerfahne verbrennen würde, obwohl ich sehr mit diesem Land verbunden bin. Soll er doch, wenn er es selbst bezahlt. Ist ja sein Geld, das er da verbrennt.
H. Lector
14. September 2010 at 05:52
dochdoch, Bücherverbrennung ist wieder gesellschaftsfähig:
Trinculo
11. September 2010 at 04:56
Und natürlich denkt bei dieser ganze Verbrennungsaktion mal wieder keiner an das Klima. Was solche Verbrennungen immer für CO2 freisetzen! Dabei könnte man aus so einem Koran sicher auch eine schöne blasphemische Pappmaché-Plastik machen, oder so… Aus diesem Grund sind Bücherverbrennungen natürlich absolut abzulehnen.
DeeTee
11. September 2010 at 08:52
Ich bin da schon derselben Meinung, möchte aber zum besseren Verständnis folgendes zu bedenken geben:
Was da verbrannt wird, ist ein Symbol. Dieses Symbol (Koran) steht für ein ganzes Denk- und Glaubensgebäude, und so schwer wir es uns auch vorstellen können, viele dieser Menschen lieben ihren Glauben, ihre Tradition, ihre Kultur. Die Botschaft ist also: wir verbrennen nicht irgendein Buch, sondern den Koran, euren Glauben, eure Kultur und euer Land (besonders perfide in den Kriegsgebieten). Ich stelle mir dieses Gefühl eher so vor, als würde jemand z.B. ein Bild meiner geliebten Eltern oder Kinder vor meinen Augen verbrennen und sage „ich scheiss´ drauf“!
Was der bekloppte Evangelikale eigendlich tut, ist nicht sein Eigentum zu verschrotten, sondern medial einen Aufruf zum Glaubenskrieg zu verbreiten. Dass er überhaupt so eine hohe mediale Resonanz erfährt, kann ihn nur bestärken, auch wenn er voererst zurückgerudert ist.
Für Atheisten und Naturalisten ist dieses Buch einfach nur ein Buch, der Inhalt Fiktion. Ich bin unbedingt für freie Meinungsäusserung und öffentliche Religionskritik, aber machen wir es uns nicht etwas zu einfach, nur den Kopf zu schütteln über die Aufregung und Verblendung der Betroffenen und ihren Reaktionen?
uwe
11. September 2010 at 10:11
mein eindruck ist, leute die sich über das verbrennen heiliger bücher aufregen, kennen außer den geboten anders- + ungläubige totzuschlagen nichts aus diesen werken. der koran verbietet es den gläubigen sich gegenseitig umzubringen, die wirklichkeit sieht anders aus. ein türkischer arbeitskollege behauptet er habe den koran auswendig lernen dürfen, auf arabisch, einer sprache, die er nicht versteht.
derautor
11. September 2010 at 13:59
Das ist mir völlig klar. Aber es ist ein Unterschied, ob man ein Foto ihrer Familie verbrennt, oder das Buch, in dem ihre Ideologie aufgeschrieben ist. Man könnte ebenso „Mein Kampf“ oder das „Kommunistische Manifest“ verbrennen. Ich respektiere es nicht, wenn man das Weltbild eines Menschen in einem Buch finden kann. Das ist gefährlicher Unsinn.
H. Lector
14. September 2010 at 06:00
Naja, wenn es umfassend ist, könnte man zumindest das Weltbild d. Autor_in darin wiederfinden.
Und was das symbolische betrifft: Das hängt auch mit der Attitüde der verbrennenden zusammen, wie tief die Geste überhaupt dringen kann. Jones wollte einfach nur Öl in ein Feuer kippen, daß schon seit langem fröhlich vor sich hin lodert *Kalauer*. Wenn die Andere Seite sich bemüßigt fühlt, auf die Provokation auch noch anzuspringen…eigentlich das Problem von niemandem, der hier schreibt, oder? (Zumal die gedruckten Übersetzungen des Koran eigentlich gar nicht den Status „Heiliges Buch“ innehaben)
Jan von nebenan
12. September 2010 at 00:09
Guter Artikel! (Ich habe ja lange auf einen Beitrag zu dem Thema gewartet
)
Hast du dich eigentlich mal mit dem „Gotteslästerungsparagraphen“ befasst? Ich wusste nur, dass es sowas in Polen gibt – vor kurzem war der Sänger einer polnischen Metalband angeklagt, weil er auf der Bühne Bibeln zerrissen hatte – und habe nicht schlecht gestaunt, als ich gesehen habe, dass es so etwas auch hier bei uns gibt, und das im 21. Jahrhundert. (Hm… jetzt habe ich ein wenig den Wikipedia-Artikel gelesen und komme zum Schluss, dass du dich vermutlich schon mal damit befasst hast.)
Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Beschimpfung_von_Bekenntnissen,_Religionsgesellschaften_und_Weltanschauungsvereinigungen
Dee
13. September 2010 at 13:55
too much of anything makes you an addict – or fanatic!
Dance man
20. September 2010 at 11:36
Wenn es um religiöse Gefühle geht, kann man von vielen Menschen keine vernünftige Handlung oder Reaktion erwarten.
Das Christen bei einer öffentlichen Bibel-Verbrennung nicht so reagieren würden, wie Moslems, zeigt unsere geistige Überlegenheit.
Dennoch: Der Onkel, der den Koran verbrennen wollte, wollte ein politisches Statement damit abgeben und bewusst provozieren.
Dass sich Politiker und religiöse Führer davon distantzieren, halte ich für sinnvoll, denn genau DAMIT zeigen sie ja, das es sich nur um die Tat eines einzelnen „Hinterwäldlers“ handelt!
Freddy
23. September 2010 at 10:03
Lieber Dance Man,
wenn du sagst: „Das Christen bei einer öffentlichen Bibel-Verbrennung nicht so reagieren würden, wie Moslems, zeigt unsere geistige Überlegenheit.“ dann zeugt das weniger von deiner geistige Überlegenheit als von deiner Überheblichkeit.
Wer sind denn „die Moslems“ oder „die Christen“? Du machst es dir hier schon sehr einfach, indem du sämtliche Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft über einen Kamm scherst. Ich bin sicher, dass einige Fundamentalchristen am liebsten sofort in Saudi-Arabien einmarschieren wollten, würde dort durch einen bekloppten Imam eine Bibelverbrennung veranstaltet werden. Und genauso gibt es gerade hierzulande viele Moslems, die über eine solche Bibelverbrennung den Kopf schütteln würden.
Und überhaupt, wie das Thema Bücherverbrennung hier verharmlost wird, behagt mir nicht. Ich erinnere nur an Heinrich Heine, der sagte: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.” Das Zitat bezieht sich übrigens auf eine Koranverbrennung durch einen christlichen Großinquisitor.
Wenn ein Buch verbrannt wird, so ist das nicht nur eine Verbrennung von Papier – genausowenig, wie die Verbrennung eines Menschen nur eine Verbrennung von Gewebe, Fleisch und Organen ist.
Mit einer Buchverbrennung soll symbolisch der Inhalt vom Erdboden getilgt werden, im Falle des Korans eine Weltanschauung den Flammen geopfert werden. Und gerade als Deutscher sollte man sich angesichts der Tatsache, dass jenes Heine-Zitat bei uns grausige Wirklichkeit wurde, zweimal überlegen, ob man einer solchen Aktion so gleichgültig wie der Autor gegenüber steht – Atheismus hin oder her.
derautor
23. September 2010 at 11:35
Ich halte das für totalen Unsinn. Wenn zu Beginn eines totalitären Regimes, wo es eine ganze Reihe von bösen Vorzeichen gibt, eine Bücherverbrennung stattfindet, dann kann man auf 180 schalten und vor der Menschenverbrennung warnen. Wenn irgendein Fundi mit 50 Anhängern mitten in einer jahrhundertealten Demokratie eine Koranausgabe verbrennen will, ist das egal. Übrigens gab es eine schön wütende Reaktion von einem Moslem über meinen Beitrag, die nur aus Beleidigungen bestand, aber die habe ich selbstverständlich gleich in den Spam-Ordner. Wer die Freiheit nicht mag, der soll sich hier verpissen. So muss man mit denen umgehen und nicht große Panik machen. Damit spielt man in deren Hände.
folgsam
23. September 2010 at 12:27
Man kann seinen durchgeknallten Pastor Terry Jones und seinen bekloppten Anhängern gut unterstellen, dass sie, hätten sie die Möglichkeit, mit Feuer und Schwert ihr Christentum in die Welt tragen würden, dass dabei nicht nur Bücher, sondern auch widerspenstige Leute brennen müssten, das ist auch nicht zu weit hergeholt.
Von diesem noch viel zu großen, aber relativ winzigem Haufen abgesehen, besteht nicht der geringste Grund zur Sorge, dass Moslems in den USA bald Rudelweise interniert und umerzogen werden, nicht die geringste. Selbst wenn Sarah Palin (warum heissen diese Idioten eigentlich wie weltbekannte, sehr liebenswürdige, alternde britische Weise? Man könnte fast annehmen, das Universum hat doch Sinn für Humor)
Lasst den Trotteln doch die Gelegenheit, sich auch als solche zu Verhalten.
Und wenn, wie in Afghanistan geschehen, ein paar modrige Typen hysterische Anfälle kriegen und meinen, einen Militärstützpunkt anzugreifen wäre eine tolle Möglichkeit um diese ganze schändliche Koranverbrennerei jenseits des Atlanktik abzustellen, dann sind diese bärtigen Männer ganz allein Schuld und kein anderer.
Dance man
23. September 2010 at 14:01
Das klingt vielleicht überheblich, aber ich denke halt, dass Leute, die sich nicht provozieren lassen, in der Tat ein fortschrittlicheres Verhalten an den Tag legen, als jene, die aus Empörung Flaggen verbrennen oder Vergeltung üben wollen.
Ich denke ferner, dass die Zahl der „überempörten“ Muslime im Verhältnis zu „überempörten“ Christen höher ist.
Das mag möglicherweise damit zusammenhängen, dass Religion nicht mehr in allen christlich geprägten Ländern einen so hohen Stellenwert hat, während der Glaube in muslimischen Ländern einen sehr hohen Stellenwert im Leben der Menschen einnimmt.
Aber klar – Verallgemeinerungen spiegeln sicherlich nicht die Realität wieder.
folgsam
23. September 2010 at 12:29
Da fehlt offensichtlich was nach „Selbst wenn Sarah Palin (…)“:
Also, selbst wenn Sarah Palin Präsidentin wär, ich kann mir nicht vorstellen dass etwas derartiges möglich wär. Ganz ausschließen mag ich das nicht, die Frau und ihre Anhänger sind nämlich nun wirklich größtenteils Geisteskrank, aber unwahrscheinlich bleibt es.