Die Schauspielerin Afshan Azad, die Padma Patil in den Harry-Potter-Filmen spielt, soll von ihrem Vater Abdul Azad, 54, and seinem Sohn Ashraf, 28, am 21. Mai dieses Jahres in ihrem Elternhaus in Manchester, England, angegriffen worden sein, weil sie dabei belauscht worden ist, wie sie am Telefon mit ihrem Hindu-Freund gesprochen hat. Sie sollte offenbar ermordet werden.
Wenn das mal nicht vollkommen irrsinnig ist. Angenommen, ich wäre der muslimische Vater von einer berühmten Schauspielerin, die in “Harry Potter” eine Hexe spielt, die mit einem Ungläubigen (Ron Weasley) zum Weihnachtsball geht und die in einer Zauberschule Magie studiert – alles davon würde für sie im realen Leben laut orthodoxer Auslegung des Islams den Tod oder schwere körperliche Züchtigung bedeuten – würde ich sie dann mit einem Ehrenmord bedrohen?
Wenn der Vater die Toleranz aufbringt, sie überhaupt eine solche Rolle spielen zu lassen, wie kann er dann seine eigene Tochter umbringen wollen, nur weil sie mit einem Hindu telefoniert? Vielleicht sind fanatische Muslime ja besonders elaborierte Kunstenthusiasten, die kein Problem damit haben, wenn ihre Tochter nur so tut, als würde sie alle möglichen Regeln des Islams verletzten.
Die muslimische Frauenrechtlerin Asra Q. Nomani hat zu dem Fall geschrieben:
“Ein Teil des Reizes von Harry Potter besteht darin, dass alles möglich ist (gar nicht zu reden von interethnischem Dating) und das ist ein Hinweis, den moderne Religionsführer verstehen müssen, ich glaube: dass Religion eine Kraft der Befreiung sein sollte, nicht der Repression. Science-Fiction und Fantasy sind wieder einmal auf dem neuesten Stand sozialer Konvention. Padma Patils Kino-Romanze folgt in den Fußstapfen von Captain Kirks interethnischen und interspezies Romanzen mit Frauen wie Lieutenant Uhura, die schwarze Kommunikationsoffizierin des Sternenschiffs U.S.S. Enterprise.
Interessanterweise bedeutet “Azad” so viel wie “Freiheit” im Arabischen, im Urdischen, Farsi und Türkisch und in anderen Sprachen; “Uhuru” bedeutet “Freiheit” in Swahili. Und das Streben nach Freiheit für Frauen ist zeitlos und universal von der Welt von Harry Potter bis zu den Straßen von Manchester, England.
Ich denke nicht, dass Religion eine Kraft der Befreiung sein kann. Schließlich sind die repressiven Regeln der Religionen in ihren heiligen Büchern festgeschrieben und wenn man sie noch so sehr dreht und wendet, wird man sie nie ganz los werden. Man muss sich schon von der Religion befreien, um der Repression zu entkommen.
Auf jeden Fall ist der Mordanschlag auf Afshan Azad durch ihren eigenen Vater und durch ihren eigenen Bruder ein besonders groteskes Beispiel für die reaktionäre Ideologie bemerkenswert vieler Muslime, auch in Europa.










Julian
14. August 2010 at 13:10
Zitat:
“Ich denke nicht, dass Religion eine Kraft der Befreiung sein kann. Schließlich sind die repressiven Regeln der Religionen in ihren heiligen Büchern festgeschrieben und wenn man sie noch so sehr dreht und wendet, wird man sie nie ganz los werden. Man muss sich schon von der Religion befreien, um der Repression zu entkommen.”
Daher sind etwaige Versuche Kuschelversionen von Religionen zu schaffen mit Skepsis zu begegnen. Wie z.B. einen “zeitgemäßen Islam” zu schaffen. Sowas ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, aber ich denke solche weichgespülte Religionen sind recht “instabil”. Zumal man sich auch fragen muss was vom Islam (oder vom Christentum) denn effektiv übrig bleiben kann, wenn es denn tatsächlich zeitgemäß gemacht wurde (außer leeren Worthülsen).
booner
14. August 2010 at 13:50
Vor allem verzweifel ich immer in Diskussionen bzw. Gesprächen mit solchen “zeitgemäßen” oder “moderaten” Gläubigen, denn sie sagen immer “du darfst jetzt nicht mit den Verfehlungen der Kirchen kommen, mit denen hat mein Glaube nichts zu tun!” oder “ja, ich weiß ja dass da schlimme Sachen in der Bibel stehen. Aber mein Glaube ist eben zeitgemäß, und nicht an solche irrsinnigen Gebote gebunden”.
Na schön, ist mir natürlich lieber einer hat säkulare Werte, weiß es nur nicht, als einer hat die christlichen Werte und verhält sich auch so. Aber nach welchem Maßstab entscheiden diese Leute dann bitte? Und woher nehmen sie die Frechheit ihre Auslegung dann als christlich zu bezeichnen?
Ich kann mich auch hinstellen und den Klassenkampf, den historischen Materialismus u.ä. predigen und anschließend sagen “ich bin Anhänger der Friedman-School, aber da würde mich niemand (der sich damit auskennt) ernstnehmen… zu recht!
Julian
14. August 2010 at 21:58
Ja sowas habe ich auch schon erlebt. So lobenswert kritische oder zeitgemäße Christen sind (immer besser als solche die es nicht sin), so hat ihre Kritik immer eine Schranke: Ihre Kritik kann nie so weit gehen, dass sie ihr eigenes Christ-Sein infrage stellen. Daher ist ihre Kritik rein immanent, d.h. inkonsequent.
Immer dieses drehen und wenden, dass offensichtlich unsiniges, perverses oder was auch immer, halbwegs annehmbar und scheinbar nicht mehr in Widerspruch zum eben zeitgemäßen ist. Doch wenn man da nachhakt- dann werden auch moderat gläubige verbal aggressiv. Kritische Christen wie ich sie erlebt habe sich wie faktisch Erwachsene die trotzdem die schon viel zu enge und zerfledderte Kinderkleidung nicht ablegen wollen.
Aber manche moderat religiöse sind aber auch nicht ungefährlich. Nicht wenige meinen, all diese Verbrechen hätten nichts mit der Religion zu tun, alles nur “mißbraucht”. Ja und eben dadurch verharmlosen sie den Sprengstoff der von Religionen, wenn sie denn ernst genommen werden, ausgehen kann.
Fenella
14. August 2010 at 15:07
Ich habe das schon vor ein paar Wochen gelesen und finde es egal, ob berühmte Tochter oder nicht, kein Vater hat das Recht seiner Tochter etwas anzutun, nur weil sie mit einem Jungen telefoniert.
Da ich allerdings nicht gläubig bin, verstehe ich die “Regeln” vieler Religionen nicht. Aber ich finde es trotzdem nicht in Ordnung egal was ein Mensch zuvor getan haben sollte.
Fen
derautor
14. August 2010 at 20:04
Das ist schon klar, aber es ist zusätzlich strategisch unklug, als Muslim ausgerechnet eine bekannte Schauspielerin ermorden zu wollen.
uwe
17. August 2010 at 15:54
“muslimische Frauenrechtlerin”, „zeitgemäßen Islam“,”Kritische Christen” drei witze a zwei worte