Hier gibt es zwei weitere romantische Gedichte, die recht unorthodox sind und die mir gefallen haben. Wenn alles universell poetisiert werden soll, dann auch der Krieg, also gibt es eine Kriegs-Romantisierung obendrauf:
Das Gewitter
von Gustav Schwab
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
In dumpfer Stube beisammen sind.
Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,
Großmutter spinnet, Urahne gebückt
Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl.
Wie wehen die Lüfte so schwül!
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Das Kind spricht: “Morgen ist’s Feiertag!
Wie will ich spielen im grünen Hag,
Wie will ich springen durch Tal und Höhn,
Wie will ich pflücken viel Blumen schön;
Dem Anger, dem bin ich hold!
Hört ihr’s, wie der Donner grollt?”
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Die Mutter spricht: “Morgen ist’s Feiertag!
Da halten wir alle fröhlich Gelag’,
Ich selber, ich rüste mein Feierkleid;
Das Leben, es hat auch Lust nach Leid,
Dann scheint die Sonne wie Gold!
Hört ihr’s, wie der Donner grollt?”
.
Großmutter spricht: “Morgen ist’s Feiertag!
Großmutter hat keinen Feiertag.
Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid,
Das Leben ist Sorg’ und viel Arbeit;
Wohl dem, der tat, was er sollt’.
Hört ihr’s, wie der Donner grollt?”
.
Urahne spricht: “Morgen ist’s Feiertag!
Am liebsten morgen ich sterben mag:
Ich kann nicht singen und scherzen mehr,
Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,
Was tu’ ich noch auf der Welt?
Seht ihr, wie der Blitz dort fällt?”
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Sie hören’s nicht, sie sehen’s nicht,
Es flammet die Stube wie lauter Licht:
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
Vom Strahl miteinander getroffen sind,
Vier Leben endet ein Schlag
Und morgen ist’s Feiertag.
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Die traurige Hochzeit
von Justinus Kerner
Zu Augsburg in dem hohen Saal
Herr Fugger hielt sein Hochzeitmahl.
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Kunigunde hieß die junge Braut,
Saß krank und bleich, gab keinen Laut.
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Zwölf goldne Becher gingen herum,
Nichts trank Herr Fugger, so bleich und stumm.
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Zwölf Blumenkörbe bot man umher,
Die Braut verlangte kein Blümlein mehr.
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Zwölf Harfner lockten zum Fackeltanz,
Die Fackeln gaben so matten Glanz.
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Die Gäste tanzten in langen Reih’n,
Zwo weiße Gestalten hinterdrein.
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Die Gäste tanzten zum Saal hinaus,
Sie tanzten und tanzten wohl aus dem Haus.
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Die Saiten der Harfen sprangen zumal,
Stumm schlichen die Harfner sich aus dem Saal.
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Im Saale vernahm man keinen Laut,
Tot saßen im Dunkel Bräut’gam und Braut.
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Hell Wie Tausend Sonnen
von OHL
Lichtkegel stahlen hell
Zeigen hinauf zu Gott!
Begleiten Bomber durch die Nacht
Führen sie zum Schafott!
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Bombenhagel – Regnet hell
Fällt vom Himmel – Hoch!
Schützengräben – Schwarz und tief
Sind das Leichentuch!
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Flammenwerfer gleißend hell
Erleuchten den letzten Tag!
Tausend Kreuze werfen Schatten
Auf ein neues Grab!
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Der Krieg – Der Krieg
Der Krieg – Der Krieg
Der Krieg der hat begonnen!
Er scheint hell – Scheint so hell
Hell wie tausend Sonnen!










Gondlir
26. Juli 2010 at 21:02
Heinz Erhardt hat das mal variiert:
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
in dumpfer Stube beisammen sind.
‘s ist Mittwoch. Da hoert man von ferne
ein leises Grollen. Mond und Sterne
verhuellen sich mit schwarzen, feuchten
Wolkenschleiern. Blitze leuchten.
Und es sind versammelt in dumpfer Stube
Urahne, Großmutter, Mutter und Bube.
Das Gewitter kommt naeher mit Donnerschlag -
und nur noch fuenf Minuten bis Donnerstag!
Es heult der Sturm, es schwankt die Mauer,
der Regen prasselt, die Milch wird sauer;
in dumpfer Stube, jetzt wissen wirs schon,
sind Urahne, Großmutter, Mutter und Sohn!
Ein furchtbarer Krach! Der Blitz schlaegt ein,
der Urahne hoert was und sagt: “Herein!”
Die dumpfe Stube entflammt und verglimmt
mit Urhammel, Großbutter, Butter und Zimt.
Gondlir
26. Juli 2010 at 21:07
Ich nochmal…
Eine aufs Wesentliche verkürzte Fassung kann man hier auch hören (was sich bei Heinz Erhardt eigentlich immer lohnt):