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Boobquake war eine blöde Idee

27 Apr

Boobquake

Jeden Freitag gibt es in Teheran ein Gebet des Chefvorbeters Hojatoleslam Kazem Sedighi. Zu den dämlichen Sachen, die er von sich gegeben hat, gehört die Behauptung, dass Frauen, die sich “unanständig” kleiden, Erdbeben auslösen.

Darauf reagierte die US-amerikanische Atheistin Jen McCreight mit der Aktion, dass Frauen am 26.04. vereint ihre Brüste zeigen sollen. McCreight überprüft dann statistisch (sie ist Studentin), ob durch diese Aktion wirklich Erdbeben ausgelöst wurden.

Natürlich war das ein bloßer Spaß, auch wenn sie tatsächlich die Daten überprüfen will. (Irgendwelche Vollspackos haben trotzdem die Wissenschaftlichkeit der Aktion angezweifelt, als ob es irgendeinen Zweifel gäbe, dass Brüste keine Erdbeben auslösen und man das ernsthaft überprüfen müsste!). Aber was meint McCreight eigentlich, was passieren wird, wenn sie Frauen dazu auffordert, auf einer Facebook-Page ihre Brüste zu zeigen? War doch sonnenklar, dass bescheuerte Kommentare von Männern kommen wie “Hey, geile Titten”, etc. Wer das als Frau nicht weiß, der lebt nun wirklich in einer Paralleldimension.

Sie selbst hat ein freizügiges Kleid angezogen, dass sie immer zum Ausgehen trägt. Ich habe ja keine Ahnung von der weiblichen Psyche, wie mir zunehmend bewusst wird, aber als primitiver Sexist (so die Meinung der Gender-Feministen über mich) gehe ich davon aus, dass sie mit diesem Kleid attraktiv für Männer aussehen will, gerade indem sie ihre weiblichen Geschlechtsmerkmale betont. Wie kann es sie also wundern, dass sie in dem Kleid attraktiv für Männer aussieht?

Daraus lässt sich einfach schlussfolgern – jedenfalls für mich als primitiven Sexisten –, dass Männer sie in dem Kleid attraktiv finden werden und gerade im Internet entsprechende Kommentare abgeben. Und hierdurch wurde dann tatsächlich die eigentliche Intention unterlaufen, wie sie selbst feststellt. Dagegen lässt sich auch kaum etwas ausrichten, da solche Idioten und Frauen, die ihnen gefallen wollen, in der Überzahl sind. Die meisten Menschen sind eben dumme Affen.

Die Irren im Iran bekommen das gar nicht mit, was wir hier tun, und es macht auch keinen Unterschied, weil sie uns so oder so vernichten wollen, um für den Mahdi, ihren 12. Imam, Platz zu machen. Der leider überwiegende Effekt der Aktion war also, ein paar tausend Männer aufzugeilen. Und viele Frauen machen leider – was man ebenso vorhersehen konnte – mit und nutzen die Gelegenheit, ihren Körper vorzuzeigen und ihn von Männern bewundern zu lassen.

Was an sich natürlich schön und gut ist, aber dafür hätte man auch eine eigene, apolitische Facebook-Gruppe aufmachen können, anstatt diese zu missbrauchen. Dabei wird deutlich, dass die betroffenen Frauen die politische Motivation als Vorwand nehmen, als gesellschaftlich akzeptabler Grund, warum sie ihre Schönheit demonstrieren. Offenbar sind wir noch nicht so weit, dass dies ohne Pseudo-Legitimation akzeptabel wäre.

Aktionen, die religiöse Spinnereien verspotten, sind ja per se eine gute Idee, auch wenn sie mit Erotik zu tun haben, aber da muss man schon mitdenken. Den Iranern ist das wohl recht egal. Die werden wir mit Bomben überzeugen müssen, nicht mit Brüsten.

Obwohl: Eine sinnvolle Aktion wäre es, wenn alle oder sehr viele Frauen in Teheran zu einer bestimmten Zeit spontan ihre Kopftücher, Burkas, Oberteile ausziehen und mit nacktem Oberkörper durch die Straßen rennen würden. Die können sie nicht alle gleichzeitig verhaften. Das wäre eine richtig gute Protestaktion. Und das bekommen die Mullahs auch mit.

Weiterführendes

Hier der Originalaufruf: “Im Namen der Wissenschaft biete ich meine Brüste an”

Und hier die Antwort der Neo-Atheistin Miranda Celeste. Sie hält die Aktion für sinnvoll und sagt, die ernsthaft beteiligten Frauen müssten gegen die dämlichen Männer anschreiben. Vielleicht hat sie recht. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, was diese Sache angeht und meine Wahrnehmung wird leider durch meinen Sexismus verzerrt.

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9 Kommentare

Geschrieben von - 27. April 2010 in Politik, Religionskritik, Soziobiologie

 

9 Antworten zu Boobquake war eine blöde Idee

  1. PlainCitizen

    27. April 2010 at 11:26

    Der iranische Prediger wird beim Anblick der Brüste das Gefühl haben, die Erde bebe, und sich bestätigt sehen.

     
  2. Darth

    27. April 2010 at 11:57

    Ich bin sprachlos. Ich weiß gerade nicht ob ich lachen oder weinen soll ?! Um meine momentane Diversifizität in die eine oder andere Richtung zu lenken, schließe ich mich der vorgeschlagenen “Teheran-oben-ohne” Aktion des Verfassers an und warte mit Spannung auf das Ergebnis.

     
  3. Stefan

    27. April 2010 at 12:13

    Hmm, ich verstehe mal wieder das Problem nicht. Okay, die Irren im Iran bekommen von der Aktion nichts mit. Na und? Die bekommen doch eh nichts mit. Aber es ist doch schön, wenn das dumme Geschwätz der Islamisten dazu führt, dass sich bei uns ein paar Mädels einen Spaß daraus machen und sich mal eben etwas freizügiger geben. Ich bin so gepolt, dass mir das gefällt. Wenn Frauen damit “drohen” ihre Brüste zu zeigen, kommentieren Männer das eben beifallklatschend mit “show us your tits”. Was ist so schlimm daran? So ist der Mensch eben, ein sexgeiler Affe und wer darauf keine Lust hat, muss ja nicht mitmachen. Die Irren im Iran (oder in einer Moschee eurer Wahl) tüfteln sicherlich schon an der nächsten Steilvorlage für eine Spaßaktion. Die ganzen Religioten sind doch nur noch lächerlich.

     
    • derautor

      27. April 2010 at 12:29

      Das sollte eine politische Protestaktion sein, wo die Höhlenmenschen auch mal ihre Hosen anbehalten und die Frauen unterstützen könnten.

      Vielleicht sollte ich das klarifizieren: Wenn Frauen sich auf Facebook oder sonstwo ausziehen wollen, um bewundert zu werden, ist mir das schlimmstenfalls gleichgültig. Das können sie gerne tun. Bekanntlich bin ich ein Befürworter von Erotik und Pornografie, gerne auch amateurhaft. In diesem Fall sollte es aber um etwas anderes gehen und hier stört dieser Effekt. Das hat Miranda Celeste gut erklärt. Die kann das besser als ich.

      Auf jeden Fall ging es um Solidarität mit den unterdrückten Frauen im Iran und darum, ein Zeichen zu setzen für die Freiheit. Da hilft das Verhalten der Männer einfach nicht.

       
      • folgsam

        27. April 2010 at 15:42

        Mindestens gabs aber Titten zu sehen. Ich verstehe die Aufregung also gar nicht.

         
  4. fliesswechsel

    27. April 2010 at 13:25

    Müsste ein solcher VErsuch nicht im Doppelblindversuch durchgeführt werden? Vielleicht werden die Erdbeben ja nur ausgelöst weil die Frauen die Ihre Brüste zeigen damit auch Erbeben auslösen wollen. Also rein durch die Kraft ihrer Gedanken. Eine zweite Testgruppe sollte daher einfach so die Brüste zeigen.

    Oder unterliege ich da einem Denkfehler?

    Zu der Idee eine solche Aktion in Teheran durchzuführen kann ich mich nicht so recht anfreunden. Von hier aus betrachtet mag die Idee reizvoll sein, aber die Folgen die es für die Frauen tatsächlich haben würde sind vermutlich enorm. Wie wäre es statt dessen mit Flugblättern?

     
  5. Cyrano

    27. April 2010 at 13:39

    Nach Stephen Colbert ist die Aktion dann auch von “wissenschaftlicher” Seite danebengegangen:
    http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/308059/april-26-2010/boobquake-day-causes-earthquake
    Angeblich gabe es leider am gleichen Tag ein starkes Seebeben in der Nähe von Thailand… verdammte Zufälle…
    on a related subject: Müssten Iran&Venezuela um den Erfolg des Sozialismus der 21. Jahrhunderts nicht erstmal abklären, ob Erdbeben jetzt durch Brüste, oder nicht doch eher durch die “US-Amerikanischen Geheimwaffen” verursacht werden. Oder ist der Busen die Geheimwaffe?
    Und wenn ja: Kommen wir nicht auf die Welt, wie Gott uns schuf? Warum zur Hölle erschafft Gott Geheimwaffen? Für den großen Satan?
    Fragen über Fragen…

     
  6. shadaik

    27. April 2010 at 13:40

    PS: Es wäre noch erwähnenswert, dass es pünktlich zu der Aktion in Taiwan ein gar nicht mal so kleines Erdbeben (6,5) gegeben hat

     
  7. Gondlir

    27. April 2010 at 17:40

    Ich warte vielmehr auf eine völlig entgegengesetzte Demonstration: Wie wäre es, wenn sich an einem Tag möglichst viele Menschen – egal ob Männlein oder Weiblein – auf der Straße vollständig verhüllen würden? Das würde zwar auch kein Erdbeben auslösen, aber vielleicht zum Nachdenken anregen. Denn dann könnten alle sehen, wie bescheuert es ist, wenn man keine Gesichter mehr sieht, sondern nur noch lange, schwarze Umhänge durch die Städte huschen…

     
 
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