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Blumes Welt

26 Mrz
Der dreißigjährige Krieg – gute alte Zeit

Der Dreißigjährige Krieg – gute alte Zeit?

Ich verfolge schon eine ganze Weile nicht mehr den Blog von meinem Erz-Nemesis, dem Religionswissenschaftler Michael Blume, weil ich ihn nicht ausstehen kann und weil alles, was er sagt, so schrecklich ist, dass ich jedes Mal die ganze Welt ersäufen möchte, deren sündige Verdorbenheit derartige Aussagen hervorbringt. Ja, ich habe mal wieder reingeschaut. Entweder ich bin verrückt. Oder man kann wirklich keine zwei Worte von diesem christlich-konservativem Moralapostel-Geschwafel ertragen! Oder beides. Urteilt selbst:

Das hier schreibt er in einer Filmrezension zu “Up in the Air”:

Unser modernes Gesellschaftssystem mit all seinen Versprechen und Verführungen, seinen Schmeicheleien und seiner Schönheit füttert unser Ego – und lässt immer mehr von uns einsam zurück. Noch während sich viele von uns für die Spitze menschlichen Fortschrittes halten zerbröseln Gemeinschaften, Familien, ganze Populationen. Wir glauben, fast gottgleich von ganz weit oben (von “Up in the air”) auf die Welt hinab zu sehen. Und bemerken nicht, wie viele um uns dabei ins Nimmerwiedersehen verwehen.

Dieser Film beobachtet: Wer sich bindet, kann verlieren. Wer aber nur noch um das eigene Ego kreist, hat schon verloren. Männer und Frauen haben sich verloren und wir schauen den Scheinhelden der Ichling-Kultur beim bindungs-, familien- und kinderlosen Scheitern zu.

Der Fortschritt führt zum Ruin der klassischen Familie, die Aufklärung weht uns alle weg. Der böse Fortschritt hat uns zu “Ichlings” gemacht (uralter, selten dämlicher Begriff für Egoisten, den Blume eine Million Mal in seinem Blog erwähnt). Die Moderne macht uns alle zu Sündern! Genau das haben katholische Reaktionäre im 18. Jahrhundert in Reaktion auf den Erfolg der Philosophie gepredigt.

Blume ist immer noch vollkommen besessen von seiner “Theorie”, dass Gläubige Atheisten durch eine höhere Kinderzahl (Fitness) verdrängen werden:

Da freut es doch geschätzte Freunde, Mitblogger und Religionskritiker wie Edgar Dahl, dass die Ostdeutschen wenigstens nicht kirchlich(er) werden. Angesichts der Zerstörungen religiöser Traditionen und Gemeinschaften durch braune und rote Diktaturen sowie die Abwanderungs- und Säkularisierungsprozesse heute stellt sich tatsächlich die Frage, ob Religiosität “im Osten” noch eine Zukunft hat?

Sozialdarwinismus gibt es jetzt auch in gläubiger Fassung. Die fitteren Gläubigen setzen sich gegen die kinderlosen Atheisten durch. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Glaube in den Genen liege und einen Reproduktionsvorteil darstelle. Blume nimmt an, dass Kinder über Generationen den Glauben ihrer Eltern weitergeben würden, obwohl das Gegenteil klar erwiesen ist. Eben, weil zwar die Anfälligkeit für Aberglauben teils genetisch bedingt ist, aber nicht die Religiosität. Und schon gar keine konkrete Religion.

Und dieses Rumgeheule über die Zerstörung religiöser Traditionen! Es gab schon Tausende verschiedener religiöser Traditionen, eine dümmer und fanatischer als die andere. Während des 30-jährigen Krieges hätten nur zwei Konfessionen der selben Religion ohne eine säkularen Wächterstaat friedlich zusammen leben müssen – stattdessen haben sich Katholiken und Protestanten gegenseitig in der Mitte durchgesägt und ihre Kinder verbrannt und die Bevölkerung Deutschlands halbiert. Je mehr von diesen barbarischen Traditionen untergehen, desto besser.

Und die grässliche Säkularisierung muss einmal mehr herhalten als Gegenteil zur religiösen Jäger-und-Sammler-Landschaft, die Blume sich wünscht. Ein Gegenentwurf zur Moderne, eine Art Weltreich abergläubischer Einfalt, wo verschiedene Arten von Verrückten in Harmonie miteinander leben und irgendeinen Misthaufen anbeten, denn außer Misthaufen gibt es in dieser zivilisationsfreien Dystopie nichts mehr. Fortschritt, Technologie, das ist für Blume alles böse:

Das beginnt schon im Titel selbst: Avatare sind in den hinduistischen Traditionen Verkörperungen des Göttlichen in einem Menschen oder Tier – und im modernen Internet zugleich virtuelle Schein-Körper. In einem SPIEGEL-Interview warnte James Cameron denn auch davor, dass wir den im Film (auch) geschilderten Verfall des echten Körpers zugunsten virtueller Realitäten derzeit massenhaft ausprobieren.

Oh nein! Die bösen Videospiele machen das echte Leben kaputt. Für reaktionäre Propaganda bringt Blume niemals Belege, die er stets von jedem in Massen fordert, der seine bekloppte Theorie kritisiert.

In diesem Beitrag beschwert er sich über die mangelnde Überprüfbarkeit psychologischer Erklärungen der Religiosität, was an sich gerechtfertigt ist. Allerdings ignoriert er einfach die empirisch belegten psychologischen Erklärungen, die ihm nicht passen! Zum Beispiel jene, laut der wir unter großer Anspannung eher zum Erkennen von nicht-existenten Mustern neigen. Das ist auch naheliegend, besser man sieht einen Löwen zu viel als einen zu wenig. Nur führt diese Neigung eben leicht zum Aberglauben. Einige der Studien habe ich in meiner Reihe zur Religionsforschung verlinkt. Neuere Studien haben diese Nebenprodukt-Erklärung immer wieder bestätigt, was einer der Gründe ist, warum ich über Religionsforschung nicht mehr so häufig berichtet habe. Es gibt wahrscheinlich nichts grundlegendes Neues mehr dazu zu sagen.

Meine Leser werden sich an meine große Abscheu für den Film “Avatar” erinnern. Michael Blume führt schön aus, woran das liegen könnte:

Nun wollen die meisten auch auf Pandora “mit Zuckerbrot und Peitsche” rationalistische Gewinnmaximierung und die Zerstörung gewachsener Lebensräume, Kulturen und Religionen fortsetzen, wogegen sich die (durchaus neugierigen und lernbereiten) Navi gemeinsam mit einigen (ebenso neugierigen und lernbereiten) Menschen wehren.

Mein persönlicher Charakterfavorit dabei ist übrigens die Nebenrolle der Wissenschaftlerin Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver), die zunächst als besonders kalt und arrogant erscheint, aber in Wirklichkeit von einem tiefen Respekt für das erfüllt ist, was sie erforscht. (Der Name bedeutet übrigens Grace = Gnade, Augustine = Augustinus. Wer die Botschaft jetzt auch noch nicht hat, dem kann kein Cameron mehr helfen…) Dass die Forscherin auch an der Heiligen Stätte der Navi gerne Proben entnehmen würde, ohne dabei den Anspruch zu erheben, die Überzeugungen der Navi entzaubern zu können - bravo! :-)

Naja, Illusionen sollte man sich wohl keine machen: Auch dieser Kinofilm wird in unserer zynisch-materialistisch-hedonistischen und daher demografisch und ökologisch längst verfallenden Gesellschaft kein Umdenken einleiten.

Statt “Blut und Boden” heißt es bei Blume “Glaube und Boden”. In seiner utopischen Welt leben verschiedene Gruppen von gottesfürchtigen, keuschen Schafen nebeneinander und verachten gemeinsam den schändlichen Materialismus und den Hedonismus (zwei der Philosophien, die ich vertrete). Und wenn wir nicht alle bald zu religiösen Spinnern mutieren, dann bekommen wir nicht mehr genug Kinder und Gott wird böse auf uns sein, weil wir nicht fruchtbar waren und uns vermehrt haben. Die Besiedelung der Welt mit kleinen religiösen Gemeinden, der Traum eines jeden christlich-reaktionären Rednecks, was bin ich froh, dass es den auch in Deutschland gibt!

 
28 Comments

Geschrieben von am 26. März 2010 in Philosophie, Religionskritik

 

28 Antworten zu Blumes Welt

  1. THJ

    26. März 2010 at 01:00

    Na toll, und was soll das jetzt gewesen sein, außer billige Polemik? Ich glaube, Sie sind ziemlich faktenresistent.

     
    • derautor

      26. März 2010 at 01:03

      Ich habe zahlreiche Studien verlinkt, die interessieren euch nur nicht, weil ihr irgendeine abergläubische Scheiße glaubt.

       
      • Stefan

        26. März 2010 at 05:50

        Wohl gesprochen!!!

         
      • THJ

        26. März 2010 at 09:55

        Blume hat selber genug Studien, vor allem was demografische Faktoren angeht. Aber das interessiert ja so einen Hardcore-Atheisten nicht, der nur davon lebt, gegen etwas zu sein, aber für nichts.

         
      • derautor

        26. März 2010 at 10:17

        Ich weiß, dass Blume genug Studien hat, aber er ignoriert alle Daten, die nicht zu seiner Theorie passen.

         
      • derautor

        26. März 2010 at 10:36

        Und ich bin FÜR säkularen Humanismus, nur interessiert das Gläubige nicht, die sich schon per Definition für besser halten als der Rest der Welt und Atheisten die Moral absprechen.

         
    • Der mit dem Glauben tanzt

      26. März 2010 at 07:01

      Wie kann man nur in solch einer Fantasiewelt leben? Ist das echte Leben nicht bequem genug?

       
  2. Knut

    26. März 2010 at 01:53

    Apropos christlich-reaktionäre Rednecks: http://www.abendland-in-christenhand.de

     
  3. Griflet

    26. März 2010 at 08:42

    Der Dreißigjährige Krieg hatte selbstverständlich konfessionelle Hintergründe, welche man nicht vernachlässigen darf, der Großteil der militärischen Auseinandersetzungen war jedoch ausschließlich machtpolitischer Natur. Zwar war Politik und Religion in Europa zu dieser Zeit so stark verwoben, dass mit Politik auch immer gleich Religion einhergeht, aber man kann reiches machtpolitisches Interesse noch von religiösem Eifer unterscheiden und die Religion wurde entweder als Auslöser für die ganzen Schrecken gesehen (Fenstersturz) oder als Begründung, die die eigentlichen Interessen verdecken sollte (Gustav II. Adolf als Retter der Protestanten.)
    Übrigens hätten mindestens drei Konfessionen miteinander leben müssen (Katholiken, Lutheraner, Calvinisten). Wenn man sucht, kommen noch einige dazu (Von Böhmen ganz zu schweigen, aber die haben sich ja in der Confesio Bohemica eigentlich ganz gut geeinigt.).

     
  4. Dirk

    26. März 2010 at 08:43

    Wenn Fortschritt uns nach DEREN Meinung zu Sündern macht, was haben diese Leute dann im Internet verloren?

     
  5. Sithil

    26. März 2010 at 08:57

    “Der Name bedeutet übrigens Grace = Gnade, Augustine = Augustinus. Wer die Botschaft jetzt auch noch nicht hat, dem kann kein Cameron mehr helfen…”

    Ich glaube, Blume interpretiert da ein bisschen sehr viel rein. Immerhin ist Cameron Atheist, wie man kürzlich erfahren hat.

     
  6. benno

    26. März 2010 at 09:24

    Mehr als ein hetzerisches Pamphlet war das wohl nicht. Der Autor lässt sich von Hass leiten und ignoriert dabei leider die Tatsachen. Ich würde ihm daher die neue Studie vom Berliner Institut für Demografie empfehlen statt hier auf Blume in ziemlich derber Weise loszugehen.
    Was ist mit euch Atheisten los? Leidet ihr unter Testosteronüberschuss? Wieso definiert ihr euch als Anti-Christen? Beruhigt euch wieder, insbesondere der Autor.

     
    • derautor

      26. März 2010 at 10:20

      Ach, meinst du die Studie, die aussagt:

      “Je geringer Wohlstand und soziale Sicherheit sind, desto unentbehrlicher erscheint den Menschen offenbar der Glaube an eine höhere Macht – folglich glauben viele Menschen in den armen Ländern an Gott. Doch weil sich immer mehr Länder wirtschaftlich entwickeln, sinken dort überall die Kinderzahlen, auch in stark religiösen Gesellschaften”

      Sind Wohlstand und Sicherheit genetisch bedingt?

       
  7. Nanomyte

    26. März 2010 at 11:12

    Das Demographieproblem hängt vorwiegend mit der ethischen Reflexion der Bürger der Industrienationen zusammen keine neuen Personen zu erschaffen (Kinder) um sie der Darbnis der Welt ohne stabile Lebensgrundlage Preis zu geben und nicht damit Karriere zu machen oder sonstwas.
    Es wird primär zu wenig bzw. an völlig falscher Stelle darüber geredet, welch gewaltige Verantwortung es mit sich bringt ein neues Leben in die Welt zu setzen und eine neue Person zu erschaffen.
    Es ist auch immer eine egoistische Handlung ein Kind in die Welt zu setzen.
    Die Mentalität der Bevölkerungsgruppen im weltweiten Durchschnitt, die mehr Nachwuchs bekommen ist ethisch gesehen fragwürdig.
    Die Begründungen fadenscheinig, egoistisch oder abergläubischer Stumpfsinn.
    Das geht von der persönlichen Altersfinanzierung, den Erhalt der Familie/Sitte, dem Fehlen von Verhütungsmitteln bishin zu generellen Verantwortungslosigkeit im Prekariat und den Slums.

    Das Ganze ist Artverwandt mit der Frage, ob man bereits vorhandenes Leben schützt.
    Allein die Antwort, dass “Gott” es sagt, ist eine ethische Bankrotterklärung und zeugt von einem tiefen Unverständnis der Welt und Gesellschaft.
    Eine ständig wachsende Anzahl der Menschen (Richtung 8 Mrd.) hält das gesamte Ökosystem auf lange Sicht nicht aus.
    Woher soll der Dünger kommen ohne Öl?
    Wie soll der Welthandel weiter auf Hochtouren transportieren?
    Woher soll die Nahrung kommen?
    Woher die Arbeitsplätze?

    Wer sich auch nur einmal im Leben Gedanken über diese Fragen gemacht hat, der wird seinen Standpunkt auch in Fragen Nachwuchs relativieren.

    Wer jedoch die gleiche Mentalität an den Tag legt wie Menschen in Krisenregionen die, obgleich sie NICHT wissen ob sie noch in der nächsten Woche genug zu essen/trinken für sich selbst, geschweige denn für ihre Kinder haben werden, oder ihre Nachbarn nicht wieder einmal mit Gewehren und Macheten einen Besuch abstatten könnten, denen soll mal gesagt sein: Wer Kinder als bloße ökonomische Größe ansieht, der ist wirklich Menschenverachtend, Lebensverachtend, Verantwortungslos etc.

     
    • afri-cola

      26. März 2010 at 12:26

      Ich würde noch hinzufügen, daß auch die funktionalistische Verteidigung der Religion/en eine theologische Bankrotterklärung ist.
      Gerade die Christen waren doch immer sehr darum bemüht, ihren Glauben als vernünftig zu propagieren. Auch (oder gerade) der Katholizismus hat für sich beansprucht, die r a t i o n a l e Wahrheit zu verkünden, und zwar soweit, daß man ansonsten “außerhalb der geoffenbarten UND letztenendes außerhalb der reinen, einfachen Wahrheit” stünde, wie es in Fides et ratio heißt.

      Thomas von Aquin hat sogar geschrieben, daß das, was in der Bibel steht, obwohl es durch “solide Vernunftgründe widerlegt ist”, “nicht mehr länger als Sinn der Heiligen Schrift” bezeichnet werden darf! (In der Summa Theologica)

      Heute könnte man das natürlich nicht mehr machen, weil so ziemlich alles durch “solide Vernunftgründe” widerlegt ist und diese “soliden Vernunftgründe” auch massiv -massiv!- gegen die religiösen Glaubensinhalte sprechen. Was machen die Theologen also? Argumentieren mit Subjektivität und Funktionalität. (Oder gar mit “Tradition”!)

      Aber wenn man “die Religiösität” als funktionalistisches Instrument betrachtet, dann muss man den Wahrheitsanspruch einzelner Religionen natürlich aufgeben. Im Grunde sind das also nur die Gedanken eines agnonstisch-zynischen Sozialingenieurs. Genauso bei diesen ganzen Feuilleton-Katholiken – die glauben ja nicht an Gott, die glauben an den Glauben.

      Noch schlimmer wird es, wenn soziale Spannungen fast schon herbeigesehnt werden, weil sich dann wieder mehr Menschen bei den Opiumhändlern ihrer Wahl eindecken. (Notker Wolf!)
      Oder lest mal diesen Text von Martin Mosebach:
      http://www.zeit.de/2010/01/Armutsdebatte?page=all

       
  8. payoli

    26. März 2010 at 13:40

    Ich kenne ‘Deinen Blume’ nicht, werd ihn mir gleich mal angucken. Möglich, dass auch ich ihn so unmöglich finde.
    Der Punkt allerdings, dem auch ich etwas abgewinnen kann und den Du zitiert hast, ist, dass Fortschritt uns tatsächlich nicht immer gut bekommt, u.z. mit der Begründung, dass unser Geist zwar kreativ und blitzschnell ist und auch gern ‘herumspinnen’ kann und soll, wir und unser Geist aber unseren Körper als ‘Vehikel’ brauchen. Und unser Körper ist einfach noch immer zu 98,6% genetisch ein Primatenkörper und wir sind einfach noch immer voller Urbedürfnisse, die befriedigt werden wollen, was in unserer modernen Konsumwelt nur sehr ungenügend passiert und was mein Thema ist auf ‘paradise your life’
    Liebe Grüße
    payoli

     
  9. afri-cola

    27. März 2010 at 13:47

    Nur kreutS.net würde passen – so wie zu David Berger, der natürlich ein “vernünftiger” Theologe ist, der sich gegen den “Mißbrauch” und den “Fundamentalismus” auf kreuZ.net lustig machen darf. In diese Ecke gehört auch Blume. So von wegen “aufgeklärte” und “moderne” Theologie, die nicht will, daß hemdsärmelige Katholiken ihr akademisches Image zerstören.

    Dabei sind Leute wie Blume wesentlich gefährlicher als die unfreiwillig komische Hauptsatzprosa von kreuz.net. Es ist ja nicht schwer, jemanden klar zu machen, warum der Einfluß von kreuz.net auf die Gesellschaft schädlich wäre. Aber Blume und Co. verpacken das in schöne und gemäßigte Sätze und sprechen den in der Postmoderne weit verbreiteten “Glauben an den Glauben” an. Aber wenn Leute wie er erfolgreich sind, wird es auch immer mehr Menschen geben, die das ganze etwas hemdsärmeliger interpretieren…

     
  10. Kristin

    27. März 2010 at 15:20

    Also, ich meine mich zu erinnern, daß die Geburtenstatistik in der DDR höher war als in der BRD. Ansonsten, Polemik – aber genau richtig. Mir gefiel dieser Teil der Einleitung:

    Ich verfolge schon eine ganze Weile nicht mehr den Blog von meinem Erz-Nemesis, dem Religionswissenschaftler Michael Blume, weil ich ihn nicht ausstehen kann und weil alles, was er sagt, so schrecklich ist, dass ich jedes Mal die ganze Welt ersäufen möchte, deren sündige Verdorbenheit derartige Aussagen hervorbringt.

    gggg

     
  11. politbuerokrat

    28. März 2010 at 18:06

    “Dafür habe ich eine ganze Reihe an Gründen, sowohl egoistischer als auch altruistischer Natur, aber ich habe keine Letztbegründung. [...] Im Gegensatz zu ethischen Relativisten sage ich nun aber nicht: “Das ist ihre Entscheidung und ich muss sie akzeptieren, sondern ´Geht hin und erschießt sie` (je nach Erfolgsaussichten). Dafür brauche ich keine Letztbegründung.” –Zu meinen, jemanden ohne (Letzt)Begründung zum Töten auffordern zu dürfen, ist eine Art ethischer Relativismus. Relativiert werden die Gründe, den Tyrannen nicht zu morden (insbes. die Gründe, warum auch der Tyrann nicht ermordet werden will) und absolut setzt Du Deine persönlichen Gründe.

    “Wir sollten die Welt so einrichten, dass möglichst viele Menschen ein möglichst glückliches Leben führen können.” —-Das setzt voraus, Glücksempfinden interpersonell vergleichen zu können. Wie soll das gehen? Beispiel: Alice und Bob würden sich über deine Cola freuen, die du nicht trinken magst. Wem sollst Du sie geben, damit Deinem Ideal “glückliches Leben für möglichst viele Menschen” am besten entsprochen wird? Dem, der sich mehr freut? Wie mißt du “Freude” objektiv?
    (Come on! Nicht jeder Widerspruch ist eine Beleidigung, das sollte ein gedankenoffener Mensch wie Du doch einsehen!?)

     
    • derautor

      28. März 2010 at 18:19

      Da wir eine gemeinsame menschliche Natur haben, teilen wir gemeinsame Bedürfnisse: Nahrung, Sicherheit, Wohnung, einen frei gewählten Partner, Beruf. Was genau man isst, wie genau Wohnung, Beruf und Partner aussehen und was der Grad an Sicherheit ist, den man sich wählt, kann jeder selbst aussuchen. Der Staat muss aber ein Interesse daran haben, dass die Bürger diese Grundbedürfnisse erfüllen können.

      Unter einer Tyrannei sind die Grundbedürfnisse und erweiterte Menschen- und Freiheitsrechte besonders schlecht erfüllt. Die Menschen können dort am wenigsten so leben, wie sie es möchten oder dann bevorzugen würden, wenn sie über ihre Optionen und die Tatsachen korrekt informiert wären. Erfahrungsgemäß kann man Tyranneien nicht friedlich stürzen, also muss das gewaltsam geschehen.

       
      • politbuerokrat

        28. März 2010 at 19:46

        “Da wir eine gemeinsame menschliche Natur haben, teilen wir gemeinsame Bedürfnisse” –Streiche gemeinsame, setze konkurrierende. Das Brötchen, das du ißt, kann keiner mehr essen. Was ich damit sagen will: Der Tyrann befriedigt die Grundbedürfnisse von sich und seiner Clique durch die Tyrannei. Genau wie Deine nutzenmäßige Begründung des Tyrannenmordes funktioniert die Begründung der Tyrannei. Jeder Tyrann argumentiert, wie schlecht es “der Gesellschaft” oder “dem Staat” ginge (als wenn diese wie einzelne Lebewesen ein eindeutiges Befinden und eindeutige Interessen hätten), wenn er nicht seine Politik durchsetzen könnte. Staatsinteressen und Gemeinwohl als Projektionen individueller (diktatorischer?) Ambitionen.

        Aus Deinem gelöschten Kommentar auf meinen gelöschten Kommentar: “wenn niemand mit dir übereinstimmt, magst du alle für unethisch halten und nichts wird sich daran ändern.” –Ändern wird sich, daß ich nicht mit der Gruppe mitlaufen muß, weil ich weiß, daß mein Gerechtigkeitsempfinden unabhängig von “gesellschaftlichen Verhältnissen”, von der Übereinstimmung, existiert.

         
      • derautor

        28. März 2010 at 22:08

        Was der Tyrann behauptet, ist doch egal. Tatsache ist, dass z.B. in Nordkorea die Menschen Hunger leiden und keine Freiheit haben.

        “Ändern wird sich, daß ich nicht mit der Gruppe mitlaufen muß, weil ich weiß, daß mein Gerechtigkeitsempfinden unabhängig von “gesellschaftlichen Verhältnissen”, von der Übereinstimmung, existiert.”

        Glaubst du etwa, dass ich mit irgendeiner Gruppe mitlaufe? Ich bin ebenfalls der Meinung, dass unabhängig von den Meinungen der Menschen einige Verhaltensweisen ethisch und andere unethisch sind.

         
      • politbuerokrat

        30. März 2010 at 15:52

        Bisher hat sich jede Tyrannei etabliert, indem sie den Menschen “Befreiung” von der Vorgängertyrannei oder Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse versprochen hat, denn niemals kann eine Tyrannei Fuß fassen, wenn sie nicht am Anfang genug Unterstützer hat, die Gewalt für diese “guten Ziele” billigen.
        Du hast recht: Was der Tyrann behauptet ist egal. Damit faßt Du meinen Widerspruch an Deiner Argumentation schön zusammen.

         
      • derautor

        30. März 2010 at 18:05

        Sag mal: Glaubst du, du lebst in einer Tyrannei?

         
      • politbuerokrat

        1. April 2010 at 12:15

        Macchiavelli hat schöne Beispiele geschildert, wie es dazu kommen kann. Hast Du ihn nicht gelesen? Die “Discorsi” standen sogar auf dem Index der kath. Kirche. Wenn das mal nicht eine Literaturempfehlung für Dich ist!

         
      • derautor

        1. April 2010 at 12:22

        Ich habe Macchiavelli gelesen, was aber nicht hierher passt, weil mich die Perspektive von Tyrannen und ihre Pseudo-Legitimationen hier nicht interessieren.

        Wir leben in einem Land, das von einer Tyrannei befreit wurde. Und du hast nichts zu sagen, als diesen Einsatz der Alliierten mit Millionen von Opfern mit Relativierungen in den Dreck zu ziehen. Es gibt sehr wohl echte Tyranneien, die man von angeblichen Tyranneien unterscheiden und sie bekämpfen kann.

         
      • politbuerokrat

        1. April 2010 at 15:45

        Ja, die Aliierten haben Deutschland befreit. Das ist ja das Problem. Macchiavelli sagt in den “Discorsi” (nur in “Vom Fürsten” wird eine absichtlich falsche Pseudolegitimation für Tyrannei gegeben, der Rest ist rein positivistisch) richtig, daß ein Volk, welches sich nicht selbst die Freiheit erkämpft hat, sie auch leichter wieder verliert.
        Unabhängig davon, was Du in meine Kommentare hineinliest: Fakt ist, daß Du genauso argumentierst wie ein Tyrann: Utilitaristisch, denn die Beliebigkeit von Nutzenerwägungen braucht man argumentativ, um “mit den gehörigen Übergängen” (Macchiavelli) vom Versprechen der Freiheit zur Tyrannei zu gelangen.

         
      • derautor

        1. April 2010 at 19:38

        Ich verstehe die Kritik einfach nicht. Utilitarismus strebt das größte Glück der größten Zahl an und nicht einfach “Nutzen”, erst recht nicht den Nutzen einer einzelnen Person oder Partei. Außerdem bin ich kein Utilitarist, sondern halte das größte Glück für die größte Zahl lediglich für ein schönes Ideal, bis mir jemand mit etwas Besserem ankommt.

         
 
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