Gott, Moral, Philosophie – alles Quatsch!

Der Wissenschaftsphilosoph Michael Ruse hat es endlich fertig gebracht, was bislang noch keinem allversöhnlichen Kuschelatheisten vor ihm gelungen ist: Er hat einen antireligiösen Artikel im Stil der fiesen Neoatheisten à la Dawkins geschrieben, der alles übertrifft, was bislang da gewesen ist – und in dem er sich scharf von eben diesen Neuen Atheisten abgrenzt. Es ist, als wohnten zwei Seelen in seiner Brust – und sie mögen sich nicht.

Außerdem hält er Moral und Philosophie für Illusionen.

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3 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Was Ruse da tut, ist selbst herumzuphilosophieren, dadurch dass er sich so vieler abstrakter Begriffe bedient wie Moral, Gott, Neue Atheisten, Instinkt, Gefühle.
    Sein Text klingt mir eher reißerisch, als dass er neue Ideen und Ansichten bietet. Es gab schon genug Philosophen vor ihm, die Moral von Gott gelöst sehen wollten. Das „Gott ist tot“ finde ich in dem Zuge eher peinlich, denn es stellt sich mir die Frage, warum er tot sein soll.
    Bei Nietzsche konnte ich mir das so erklären, dass der Mensch Gott nicht mehr benötigt. Und als Erfindung des Menschen erlischt die Idee, wenn sie nicht mehr in den Köpfen ist. Der Mensch braucht den Glauben an Gott nicht MEHR.

    Was verleitet aber Ruse zu dieser Aussage, wenn er doch alles Verhalten auf unsere Veranlagungen zurückführt und die angebliche Wahrheit ans Licht legt, dass Moral und Philosophie nur Illusion seien, unser Leben einzig von unseren Instinkten geprägt sei?

    [b]„Wir möchten von Natur aus ein glückliches Leben führen und mit Hilfe der bewussten Reflektion gelangt man zu Antworten auf die Frage, wie das für möglichst viele Individuen realisiert werden kann. Also gibt es keinen Grund für instinktiven Fatalismus à la Ruse, obgleich unsere Instinkte gewiss einen großen Einfluss auf unser Verhalten haben.“[/b]

    Das sehe ich ganz genauso. Insofern finde ich Ruses Ansicht fehlerhaft, weil er sich da irgendwas vom eigentlichen Objekt (dem Menschen an sich) weit entfernt zurechtphilosophiert, sich selbst leidenschaftlich Illusionen, die er im Text so verpönt, hingibt.

  2. „Ich bin also der Meinung, die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben“ steht bei Wittgenstein in der Einleitung zum Tractatus.

    Immer, wenn sowas in der Philosophie auftaucht, kann man drauf wetten, dass das nicht der Fall ist – so auch nicht bei Ruse. Das, was derautor in der Rezension zitiert und wiedergibt, macht jedenfalls nicht den Eindruck, es handle sich um ein Jahrhundertwerk.

    - Nebensaechlich, aber es sei trotzdem erwaehnt: Das „Sparsamkeitsprinzip“ konnte ich so nicht ganz nachvollziehen. In welchem Sinne sparen Atome Energie? (Das einzige Extremalprinzip, das mir in dem Zusammenhang einfallen wuerde, waere das der Wirkung, aber das ist nun keine Energie?)

    Es gibt in der Natur jede Menge Beispiele von „Energie-Verschwendung“, wie etwa beim Hirschgeweih, den Pfauenfedern oder dem Gehuepfe der Springgazelle, die nun ihrerseits evolutionaer vorteilhaft sind. Bei ersteren beiden handelt es sich anscheinend wohl um Zeichen, dass das Tier so gesund ist, dass es sich die Verschwendung leisten kann – was es wiederum attraktiv macht. Das Gehuepfe signalisiert anscheinend Loewen, dass die sich doch besser eine bequemere Beute suchen sollen.

    Wohin nun menschliche Moral und menschliches Geistesleben gehoeren, sei dahingestellt – eine derart platte Abkanzlung, wie Ruse sie anbietet, scheint mir aber zu kurz zu greifen. In der extremen Variationsbreite moeglichen menschlichen Verhaltens liegt ganz klar ein Evolutionsvorteil (nur Tiere, die mit uns in Symbiose leben, wie Rinder oder Hunde, haben aehnliche Verbreitungsgrade); die einzelnen Verhaltensweisen muessen wir dann wohl gesondert und im Zusammenwirken ansehen. Schon rein optisch scheint mir Ruses Universalansatz zum Geistesleben (paraphrasiert: „ist alles Quatsch“) ein wenig… duenn.

  3. off topic:

    was haltet ihr eigentlich von graphologie?


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