80% der Ostdeutschen und 72% der Westdeutschen könnten sich laut einer Emnid-Umfrage vorstellen, in einem sozialistischen System zu leben, so lange Sicherheit, Arbeitsplätze und Solidarität garantiert sind. Hätten die Amis bloß die Besetzung Deutschlands nicht aufgegeben.
Nur 28% der Ostdeutschen und 42% der Westdeutschen bekannten sich zum Wert „Freiheit“ und der ist für sie offenbar weniger wichtig als Sicherheit und Arbeitsplätze. Die Deutschen wollen einen totalitären Nannystaat, ein Kindergrippen-Regime, einen starke Mutter an der Spitze, die ihnen sagt, wann sie ins Bett gehen sollen. Ich habe zwar die Originalumfrage nicht finden können und weiß nicht, was genau gefragt wurde, aber wenn die Zusammenfassung von N24 auch nur annähernd korrekt ist, dann ist dieses Ergebnis katastrophal.
Die Deutschen lehnen somit zwei der zentralen Werte der Aufklärung ab: Freiheit und Selbstbestimmung. An die Stelle Gottes ist der Staat getreten, der sie hegen und pflegen und der ihnen die richtige Meinung vorschreiben soll, solange er ihnen nur ein schönes Leben garantiert. Nicht die Neoliberalen sind hier das größere Problem, sondern jene, die die Freiheit verachten.
Als liberaler Sozialdemokrat und Befürworter eines Grundeinkommens glaube ich zwar auch, dass der Staat den Menschen eine minimale persönliche Sicherheit garantieren sollte, aber aus meiner Perspektive dient diese Sicherheit nur als die materielle Grundlage der Selbstbestimmung. Für die meisten Deutschen dagegen ist die soziale Absicherung offenbar Selbstzweck und sie würden sogar auf ihre Freiheit im Austausch verzichten. Aber Freiheit ist eindeutig wichtiger als soziale Sicherheit durch den Staat. Bereits Bismarck hat die Krankenversicherung nur eingeführt, um die Deutschen zu kaufen, um sie dem Staat gefügig zu machen. Das ist die dunkle Seite der sozialen Absicherung.
Der Historiker Götz Aly macht in seinem Buch Hitlers Volksstaat klar, wie die Nazis die Deutschen mit ihrer Sozialpolitik gekauft haben. Dazu ein Interview mit der Welt:
Ich will verständlich machen, woher die verbrecherische Dynamik des Nationalsozialismus kommt. Daß im Nationalsozialismus um der sozialen Zufriedenheit – dem Volkswohl, wie man früher sagte – der Deutschen willen, das Glück und das Leben von Millionen Menschen geopfert wurden, das muß man sich klar machen. In keinem kriegführenden Land waren die Frauen der Soldaten so gut versorgt wie in Deutschland. Sie hatten Anspruch auf Sicherung ihres Lebensstandards. Und gerade in der Unterschicht haben Frauen im Zweiten Weltkrieg über so viel Geld verfügt wie noch nie zuvor.
In der Zeit 15/2005 sagte er:
Das Unbehagen an meiner These mag damit zusammenhängen, dass ich in der Struktur der nationalsozialistischen Steuer- und Sozialpolitik ein linkssozialdemokratisches Grundmuster erkenne
An sich ist soziale Absicherung sinnvoll, aber wenn die Deutschen dafür ihre Freiheit in die Hände von totalitären Regimen legen würden, dann haben wir ein ernsthaftes Problem. Offenbar geht immer noch Gefahr aus von Deutschland, wie die Amis es befürchtet hatten:
Titelbild: Animal Farm-Propagandaplakat von Satansgoalie, deviantart.com













„80% der Ostdeutschen und 72% der Westdeutschen könnten sich laut einer Emnid-Umfrage vorstellen, in einem sozialistischen System zu leben, so lange Sicherheit, Arbeitsplätze und Solidarität garantiert sind.“ – Oh Heinerich, mir graust vor dir.
Ich muss doch sehr bitten: „Mir graut vor dir“! Und dieses „Oh“ hat da auch nichts verloren.
Ich kenne die Originalumfrage auch nicht. Aber es wäre doch mal interessant zu wissen, ob all die Menschen, die für den Sozialismus gestimmt haben, mit diesem auch per se eine Diktatur verbinden. Oder ob sie darunter eben so etwas verstehen wie du dich siehst „Als liberaler Sozialdemokrat und Befürworter eines Grundeinkommens glaube ich zwar auch, dass der Staat den Menschen eine minimale persönliche Sicherheit garantieren sollte,“
Sprich sozial, demokratisch, sichergestellte Grundversorgung, etc.
Denn an all dem mangelt es zunehmend bei uns, wenn auch im Vergleich zu anderen Ländern sicherlich auf hohem Niveau.
Aber das hohe Niveau ist dabei gar nichtmal ausschlaggebend. Man muss nicht wie in Entwichlungsländern leben und sehen wie die eigenen Kinder an Krankheiten sterben, die man durch simple Impfungen verhindern könnte, wenn man in unserem Land durch moderne Sklavenarbeit im Form von Leih- und Zeitarbeit am eigenen Leib erfährt oder durch die Medien vermittelt kriegt, wie viel einem unsere Freiheit bringt oder bringen kann. Oder wenn man sieht wie unser Rentensystem von Mietmäulern mit Absicht zerstört wird oder man jetzt davon hört, wie das Gesundheitsystem auf Wunsch einiger Kreise angewickelt werden soll.
Da kann ich mir gut vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die auf diese Form von Freiheit verzichten können. Denn für solche Menschen heißt es weniger Freiheit zum tun von etwas, als vielmehr Freiheit von etwas.
Ich für mich weiß nicht, ob ich etwas mit dem Sozialismus anfangen kann oder mit der Demokratie oder was man sich noch an Alternativen denken kann. Der Grund dafür liegt darin, dass ich meine ganz persönlichen Vorstellungen habe, wie ich ein Allgemeinwesen regeln würde und wie nicht. Leider passen diese Vorstellungen nicht so leicht in eine Schublade und deshalb hätte ich mich bei so einer Umfrage vermutlich enthalten.
Keine Ahnung warum du Sozialismus (nicht Kommunismus) gleich mit einem totalitären Regime verbindest.
Das wär ja so als würde ich Kapitalismus und verhungernde Kinderarbeiter nicht voneinander trennen können, da wär ich ja ganz schön blöde.
„Das wär ja so als würde ich Kapitalismus und verhungernde Kinderarbeiter nicht voneinander trennen können, da wär ich ja ganz schön blöde.“
–> Ich würde hier Kapitalismus gegen Marktwirtschaft ersetzen.
Mal wieder gepostet bevor ich den ganzen Artikel gelesen habe (das sollte ich mir abgewöhnen).
Offensichtlich bist nicht du es, der Sozialismus und Freiheit als sich ausschließende Begriffe ansieht, sondern die Leute.
Na gut, deren Problem und auch unser Problem.
Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass man aus der Zustimmung oder Ablehnung des Wertes „Freiheit“ irgendetwas relevantes ableiten kann. Wenn man sich mal in der politischen Landschaft umschaut, dann ist ausnahmslos JEDER ein großer Freiheitsfreund. Die „freiheitlich demokratische Grundordnung“ finden alle toll. Sowohl Sozialisten als auch Ultra-Marktradikale nennen sich „libertär“. Rechtspopulisten überall in Europa nennen sich die „Freiheitlichen“ und auch Nazis sind selbstverständlich für die „Freiheit der Völker“. „Freiheit“ ist vor allem eine Worthülse.
Das wäre jetzt auch einer von den 1-Stern-Beiträgen. Spiegelt der wirklich deine Meinung wieder oder willst du wieder mal die Leserschaft testen?
1) Die Mehrheit wünscht sich ein Wirtschaftssystem , in welchem bestimmte Grundbedürfnisse groß geschrieben werden. Warum ist das für dich als Demokraten katastrophal?
2)“Die Deutschen lehnen somit zwei der zentralen Werte der Aufklärung ab: Freiheit und Selbstbestimmung.“
Wie frei ist ein Hartz4-Empfänger der dem Staat regelmäßig alle persönlichen materiellen Werte und die von nahen Verwandten ebenso offenlegen muss?
Und wie weit kann ein Callcenteragent innerhalb eines Bürocubuskomplexes innerhalb einer riesigen Halle über sich selbst bestimmen, wenn er genau weiß, dass er andere Menschen am Telefon nerven muss um ihnen Dinge aufzuschwatzen die sie nicht brauchen, nur damit er seine Miete für eine Wohnung bezahlen kann, in der er nicht einmal Haustiere halten darf?
3) Sozialismus ist NICHT gleichzusetzen mit Totalitärregierung und er hat somit auch nichts mit „Farm der Tiere“ zu tun. Sozialismus ist eine Form der Wirtschaft in der auf Kooperation anstelle von Konkurrenz gesetzt wird. Das wirkt sich zwar bremsend auf Innovationen aus, was aber gut ist für die Reifung derselben. Wirf nur mal einen Blick auf den Markt für neuartige Digitalkameras. Die meisten bezahlbaren 12MP-Geräte machen Qualitativ schlechtere Bilder als 4MP-Kameras aus der selben Preisklasse. Ohne Konkurrenzdruck könnten ein oder zwei Hersteller daran arbeiten, die Optik zu verbessern, während die Elektronik und Software einer Handvoll anderer Firmen überlassen wird. 12MP währen dann zwar erst vieler Jahre später Standard aber es wäre ein guter Standard.
4) Die DDR war in etwa genauso totalitär wie die jetzige Regierung der BRD, der USA oder auch der EU. Es gibt keine Volksabstimmungen und das Grundgesetz wurde durch Ergänzungen und Ausnahmeregelungen die immer zutreffen können total vermurkst. Es macht keinen Unterschied, welche Partei man wählt, denn die an der Spitze sind immer wieder die selben. Bei der SED wusste man wenigstens noch, woran man war. So etwas muss es in einem echten Sozialstaat aber nicht geben.
Mann, du hast echt keine Ahnung, wie gut wir es hier haben. Hier kannst du nicht einfach willkürlich verhaftet und gefoltert werden, noch kann man dir einfach so dein Eigentum klauen und dich vergasen. Es ist schon wirklich extrem bescheuert, die BRD mit totalitären Regimes gleichzusetzen.
Ich weiß nicht wie ihr Euch das so denkt, aber wenn ich nach 20 Jahren „Protektorat Mitteldeutschland“ (Wiedervereinigung) sehe, was wir uns da eingehandelt haben, stellt sich mir die Frage, ob individuelle Freiheiten – die man nicht essen kann – wichtiger sind als ein gewisses Maß an sozialer Sicherheit. Immerhin hat man uns ja Leute wie Mixa und Co., wie Westerwave usw. aufs Auge gedrückt. Auch auf diese Herrschaften und ihre jüdisch-christlichen Werte könnte ich gerne verzichten. Aber 89/90 waren die meisten „freudetrunken“ und an die damals schon absehbare Entwicklung dachte kaum einer. Mein Sohn z.B. konnte seinen Traumberuf nicht realisieren. Mich zwang man ja noch zum Lernen und Studieren. Das ist bittere Satire, nur für eine neue Mauer ists zu spät.
Zu willkührlichen Verhaftungen (und Eigentumklau):
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1125227&kat=10&man=12
und
http://www.alios.org/blog/2009/09/mein-festnahme-bei-der-freiheit-statt-angst-2009/
Es gibt Elemente in unserer Regierung, die die Ergebnisse von Folterbefragungen zumindest nutzen würden:
http://www.netzeitung.de/deutschland/733830.html
(gleich der erste Absatz)
Eigentum klauen:
Auch genannt „Zwangsenteignung“;
So etwas wird ganz regulär gemacht, wenn ein Eigentum wirtschaftlichen Interessen im Weg steht.
Beispiele: Straßenbau, Braunkohleabbau, Ausbau des Flughafens Berlin-Schönefeld…
Und was das Nichtvorhandensein echter Demokratie angeht, dazu habe ich ja schon was gesagt.
@Stefan: alleine dass du Links zu Berichten über diese Dinge in einem Forum verbreiten darfst, ohne Angst haben zu müssen, sollte dir den Unterschied aufzeigen.
Ich verstehe die ganze Aufregung um die Umfrage nicht. Ist doch ein völlig normaler Wert, wenn es darum geht, ob persönliche Sicherheit oder persönliche Freiheit wichtiger sind.
Freiheit ist wichtig, aber gesicherte Existenz noch wichtiger. Wer das nicht wahrnehmen möchte, lebt in einer anderen Welt.
Danke mein Freund! Kurz und bündig den Kern getroffen!
Nein, eine gesicherte Existenz ist nicht wichtiger als Freiheit. Ein Leben in Nordkorea ist so menschenunwürdig, dass ich lieber tot wäre als dort zu leben.
Ich glaube, dass sehen viele Nordkoreaner anders. Leben in Freiheit mag sicherlich besser sein. Aber ein Leben beenden, nur weil die Umstände unangenehm sind?
Was bedeutet überhaupt menschenunwürdig?
Was ist eines Menschen würdig genug?
Wie kommt ihr eigentlich darauf, dass die Menschen in Nordkorea eine gesicherte Existenz hätten? Die Leute hungern doch dort! Zumindest das einfache Volk, um das es hier geht.
Zum Thema: Zum einen sollte man bedenken, dass viele unter Sozialismus nichts anderes als einen Wohlfahrtsstaat Marke Skandinavien verstehen. Auch die Linkspartei redet immer wieder von demokratischem Sozialismus und Systemüberwindung, will aber den Kapitalismus nicht abschaffen.
Und auch die, die den Kapitalismus abschaffen wollen, sind nicht alle Stalinisten, wollen also auch nicht alle ein totalitäres System. Und die meisten wollen mit Sicherheit politische Freiheiten und soziale Absicherung. Deswegen ist der Titel schon mal völliger Quatsch. Und ein größeres Problem als die Neoliberalen sind sie schon gar nicht.
Außerdem sollte man bedenken, dass auch eine soziale Absicherung Freiheit bedeutet, und, dass (die Erhaltung) politische(r) Freiheiten die Voraussetzung für die Erkämpfung sozialer Absicherung ist (siehe Schäuble oder den Patriot Act). Einen Stalinismus werden wir mit Sicherheit nicht nochmal bekommen, da wir keine in der Defensive befindlichen Reaktionäre mehr haben wie Russland 1917.
Gab neulich einen Film im WDR. Aber vorsicht: Es wird im dritten und vierten Teil Kindesmisshandlung, Steuerdiebstahl und Republikflucht durch fundamentalistische Christen gezeigt, die in ihrem religiösen Wahn den geliebten Führer hassen.
Seit wann hassen Christen ihren Führer? Sie beten ihn doch täglich an. Christen wünschen sich so sehr einen Führer, dass sie sich sogar einen herbeifantasieren.
Verrückt: Sie fliehen aus Nordkorea und beten dann Kim Jong Il an, obwohl der gar nicht existiert. Jaja, die Christen! So dumm, daß sie nichtmal determinierte Substantive erkennen.
Und du erkennst nicht einmal offensichtliche Satire.
Warum die Umfrage so ausgegangen ist kann man vieleicht auch aus der Maslowschen Bedürfnispyramide ableiten. Nur wer genug zu essen hat, ein Dach über dem Kopf hat und sich sicher fühlt kann über Dinge wie persönliche Freiheit ernsthaft nachdenken.
http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnispyramide
Hmm. Woher weiss man denn, wie ein sozialistisches Land sich „anfühlt“. Es gab doch noch nie ein sozialistisches/kommunistisches Land (außer vielleicht manches Kibbuz) auf der Welt. Der Warschauer Pakt war eine Rätemonarchie und China ist eine Ein-Parteien-Diktatur.
Genausogut könnte man darüber abstimmen ob der Phallus Dei … schweigen wir darüber.
Gruß
Stefn
Mir ist nicht klar, ob ihr tatsächlich sagt, was ihr zu sagen scheint. Also im Klartext: Ihr würdet der SED oder den Bolschewisten jederzeit wieder die Macht geben, wenn sie nur Arbeitsplätze und soziale Sicherheit garantieren? Willkürliche Verhaftungen, Überwachung, Folter, Massenmord, Raubüberfälle auf andere Länder, das ist alles Nebensache?
Ich bin nicht der Meinung, dass soziale Sicherheit wichtiger ist als Freiheit, weil ich nicht der Meinung bin, dass Über-Leben dauerhaft wichtiger ist als Leben. Freiheit oder Tod, das sagte Schiller ganz richtig.
Nein. Mein Kommentar zur SED bezog sich darauf, dass diese sehr eindeutig eine absolutistische Regierungsform war, die jetzige Regierung aber keineswegs demokratisch ist. Das soll nicht die SED verteidigen, sondern CDU, CSU, SPD und ähnliche aus anderen Ländern anklagen.
Ich glaube allerdings, jetzt langsam durchzusehen, wo unsere argumentativen Differenzen liegen.
Mir selbst ist Sicherheit tatsächlich wichtiger als Freiheit. Sicherheit und Freiheit sind allerdings keine binären Größen und schon garnicht Gegensätze derselben Größe. So gibt es derzeit zum Beispiel mehr als ausreichend Sicherheit vor ausländischen Agressionen innerhalb der EU. Zu wenig Sicherheit gibt es dagegen auf dem Arbeitsmarkt.
Was die Freiheit anging, so waren nach meiner Empfindung die 90er Jahre die freisten, die es in diesem Jahrhundert gab. Der Beginn der globalen Kommunikationsvernetzung legte wahrscheinlich den ersten Grundstein für einen echten Weltfrieden. Der Fall der Mauer (den ich übrigens als gut empfinde) gab der Freiheit einen gewaltigen Schubs vorwärts.
Viele Firmen gingen zugrunde oder wurden wirtschaftlich zerfleischt, aber die Menschen überlebten irgendwie.
Nur irgendjemandem passte das alles nicht. Ein paar ominöse Terroranschläge gaben bestimmten Leuten plötzlich das Recht, diese Freiheiten zu beschneiden und Zustände einzuführen, von denen man glaubte, sie wären für lange Zeit abgeschafft.
Was will ich also?
a) ein bisschen mehr Freiheit (zu reden, mich zu informieren und Freiheit vor Generalüberwachung) als jetzt
b) Volkseigene Betriebe
Es gab im Osten kein Hanuta. Der Sozialismus hat den Lebenstandard auf 50er Jahre Niveau eingefroren.
Im Sozialismus kann nur die Armut gerecht verteilt werden, aber noch nie wurde dort Reichtum geschaffen. Wollen wir das wirklich noch einmal probieren?
Die Entwicklung von Technologie und Lebensstandard wurde nicht eingefroren sondern verlangsamt. Das war übrigens beides nichts schlechtes.
Schnelle Entwicklungen, Entwicklungswettrennen sorgen dafür, dass der gewünschte Kurs nicht mehr gehalten werden kann. Um aber ein soziales Gefüge entgegen der Natur der Menschen aufrecht zu erhalten, muss eine gewisse Kontrolle behalten werden. Andernfalls kommt es wie in der freien Marktwirtschaft zu einem Wettrüsten, in der kaum 20 Jahre nach der Erfindung der Grundlagen Gratis-Handies mit total verrauschter 12MP-Kamera mit Plastik-Objektiv ohne Schutzabdeckung, Organiser mit Handschriftenerkennung und MP3-Player mit optionalen Außenboxen auf dem Markt geworfen werden.
Dabei hatten wir kaum Gelegenheit, die einfachsten Handy-Benimmregeln bis in alle Bevölkerungsklassen einsickern zu lassen.
Es gibt Autos, die mehr Elektronik haben als die Mondrakete. Sie verfügen über ABS, Frontairbags, Seitenaibags, Beifahrerairbags, MP3-Radio, GPS-Navigationssystem mit TMC und Blitzerwarner, Tempomat, dynamische Kurvenausleuchtung, Spurwechselassistent etc. etc.
Warum freut mich das nicht?
Betrieben wird es gestattet, nach Belieben umzuziehen und ihr Einsatzterritorium beliebig festzulegen. Arbeitnehmer müssen sich darauf einstellen und werden zu Pendlern, die tagtäglich mehrere hundert Kilometer auf eigene Kasse zurücklegen müssen (früher eine halbe Stunde mit dem Fahrrad). Die Leute sind unterbezahlt, müde, schlecht gelaunt. Vom deutschen Fahrvergnügen sehe ich nichts.
Natürlich werden dadurch fantastische Innovationen in halsbrecherischer Geschwindigkeit ermöglicht.
Aber es wird vergessen, dass wirklich einige Hälse brechen. Wo bleibt der Mensch dabei?
Na, da habe ich aber einige Einwände…
„Schnelle Entwicklungen, Entwicklungswettrennen sorgen dafür, dass der gewünschte Kurs nicht mehr gehalten werden kann.“
–> Wer gibt diesen Kurs vor? Was geschieht mit abweichenden Ansichten zu dem Kurs? Ich glaube nämlich kaum, dass sich eine größere Bevölkerung auch nur halbwegs auf einen einheitlichen Kurs einigen kann, der auch nur etwas konkreter ist als der Wunsch nach sozialer Absicherung.
„Um aber ein soziales Gefüge entgegen der Natur der Menschen aufrecht zu erhalten, muss eine gewisse Kontrolle behalten werden.“
–> Auch hier wieder: Wer bestimmt die Kontrolle und legt fest, wie unsere Gesellschaft aussehen soll?
„Andernfalls kommt es wie in der freien Marktwirtschaft zu einem Wettrüsten, in der kaum 20 Jahre nach der Erfindung der Grundlagen Gratis-Handies mit total verrauschter 12MP-Kamera mit Plastik-Objektiv ohne Schutzabdeckung, Organiser mit Handschriftenerkennung und MP3-Player mit optionalen Außenboxen auf dem Markt geworfen werden.
Dabei hatten wir kaum Gelegenheit, die einfachsten Handy-Benimmregeln bis in alle Bevölkerungsklassen einsickern zu lassen.“
–> Ist das mit den Handy-Benimmregeln ein Scherz? Oder meinst du das ernst? Oder soll das ein metaphorisches Beispiel sein?
„Es gibt Autos, die mehr Elektronik haben als die Mondrakete. Sie verfügen über ABS, Frontairbags, Seitenaibags, Beifahrerairbags, MP3-Radio, GPS-Navigationssystem mit TMC und Blitzerwarner, Tempomat, (…)
Natürlich werden dadurch fantastische Innovationen in halsbrecherischer Geschwindigkeit ermöglicht.
Aber es wird vergessen, dass wirklich einige Hälse brechen. Wo bleibt der Mensch dabei?“
–> Zu dem ganzen Absatz:
Ich sehe nicht, wo das Problem darin liegt, wenn man derartige Innovationen ermöglicht. Denn die Lösung zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen besteht nicht darin, dass wir sie in künstlich verlangsamter Misswirtschaft vorsichhin arbeiten lassen, sondern darin, dass wir einen Weg finden, wie Menschen unabhängig von einem Arbeitseinkommen ein menschenwürdiges Leben führen können. Z.B. über ein Grundeinkommen o.ä. Dadurch wären Menschen die eine Unternehmung zum Herstellen von Gütern betreiben wollen, gezwungen ihren potentiellen Arbeitgebern (eine bewusste Verdrehung der üblichen Wortverwendung) ein lukratives Angebot für ihre Arbeitsleistung zu machen.
Volkswirtschaftlich halte ich so ein Grundeinkommen für problematisch, da ich bezweifel, dass sich so etwas finanzieren lässt und dass die Preise langfristig stabil bleiben. Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen.
„Wer gibt diesen Kurs vor? Was geschieht mit abweichenden Ansichten zu dem Kurs?“
Wer ihn vorgibt und welcher Art der Kurs ist, ist mehr oder weniger egal. Hauptsache, es gibt einen Kurs, der dem gegenwärtigen Verständnis von Menschenrechten nicht allzu krass entgegen steht. Dieser momentane Wildwuchs jedenfalls kann sehr schnell dazu führen, dass alle verlieren. Anders als bei gegenwärtigen und vergangenen Regimes sollte es aber Kursgegenern ermöglicht werden, sich entweder einer anderen Nation mit einem anderen Kurs anzuschließen oder in den heimischen einzugliedern. Natürlich leidet die Freiheit darunter. Aber wenn das Bevölkerungswachstum so weitergeht, haben Menschen sowieso bald nur noch die Freiheit einer Ameisendrohne.
„Ist das mit den Handy-Benimmregeln ein Scherz? Oder meinst du das ernst? Oder soll das ein metaphorisches Beispiel sein?“
Es ist ein loses Beispiel. Die technologische Entwicklung schreitet inzwischen schneller voran, als es für die meisten fassbar ist. Die natürliche Entwicklung von Ethik, Moral und grundlegenden sozialen Fähigkeiten hinkt weit hinterher.
„Zu dem ganzen Absatz:
Ich sehe nicht, wo das Problem darin liegt, wenn man derartige Innovationen ermöglicht. [...]“
Die Innovationen selbst sind nicht das Problem. Sie sind toll. Das Problem ist der Preis, durch den sie ermöglicht werden. Temporäre Beschäftigung von Billigarbeitskräften und Outsourcing von Kompetenzen ermöglichen es, dass ein fünf Jahre alter PC schon hoffnungslos überaltert ist.
Die Geräte landen dann irgendwo in Afrika, wo Menschen eine Verdienstmöglichkeit darin sehen, den ganzen Tag über Fässern mit brennendem Elektronikschrott zu „betreiben“, um ein paar Edelmetalle zu gewinnen, damit sie für den nächsten Tag ihres durch die Giftdämpfe verkürzten Lebens das Essen bezahlen können.
„Volkswirtschaftlich halte ich so ein Grundeinkommen für problematisch, da ich bezweifel, dass sich so etwas finanzieren lässt und dass die Preise langfristig stabil bleiben.“
Problematisch ist er ganz sicher. Hier hatte die DDR aber eine schöne, leider aber unvollständige Lösung. Staatliche Kontrolle der Preise. Planwirtschaft.
Die DDR ist hier unter anderem an zwei Dingen gescheitert: Menschen, die preiswerte Lebensmittel ohne Sinn und Verstand aufkauften und einem ungenügenden Nachfrageindikator mit dessen Hilfe der Plan hätte angepasst werden können. Das das Live-Experiment DDR fehlgeschlagen ist, hat Ursachen, die Experten analysieren sollten. Ich bin sicher, dass die Grundidee des Systems gut ist.
„An die Stelle Gottes ist der Staat getreten, der sie hegen und pflegen und der ihnen die richtige Meinung vorschreiben soll“ –Der Kommunismus verspricht immerhin, daß der Staat absterben soll. Gott hingegen wird ganz sicher nicht absterben, da sind sich Christen und Atheisten ja einig.
Trotzdem mich dieser Artikel angenehm überrascht, kann ich immer noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen Deiner Meinung und dem Kommunismus begründen, als Du wohl meinst.
Und welche sollten das bitte sein?
Der Kommunismus ist in der Wirtschaft vorwiegend das, was in der Medizin die Homöopathie ist.
Esotherischer Nonsens, der den Grundlagen der WISSENSCHAFT in diesem Fall der Wirtschaftswissenschaft entbehrt.
na schön, ein allerletzter (wie oft ich das wohl noch behaupten werde?)
1.: es heißt KinderKrippe (wie futter-Krippe (wos wegen der weihnachtsgeschichte wohl auch herkomt) und nicht wie Influenza.
2.: anderer Text, ähnliches thema: http://www.resurrection-dead.de/inhalt.php?nr=160&ar=1597
ciaociao