Sollte man Sex mit Tintenfischen haben dürfen?

Tintenfisch aus dem Film "Oktapodi" (http://www.oktapodi.com)

Tintenfisch aus dem Film "Oktapodi" (http://www.oktapodi.com)

In England besaß ein Mann namens Andrew Charles Dymond ein Foto von jemandem, der Sex mit einem toten Tintenfisch hatte. Ich wusste bislang nicht, dass so etwas überhaupt möglich ist, aber bitte. Auf jeden Fall wurde Dymond dafür verhaftet – auf Basis einer völlig behämmerten Argumentation.

Wie ihr euch denken könnt, ist P.Z. Myers auf den Fall aufmerksam geworden, weil Tintenfische seine Markentiere sind. Ich schließe mich seiner Argumentation an.

Der Mann wurde verhaftet, weil er Fotos von Menschen besaß, die Sex mit einem toten Tintenfisch, oder mit Hunden und Pferden hatten. Dymond muss sich gegen 25 Pornografie-Anklagepunkte wehren.

Laut thisissouthwales.co.uk lautete die Klage mit Bezug auf den Tintenfisch darauf, dass das Foto jemanden zeige, der „einen Akt des Sexualverkehrs mit einem toten Tier hat, nämlich einer Krake/Tintenfisch, was äußerst beleidigend, ekelerregend oder anderweitig von obszönem Charakter war.“

Was für ein Quatsch. Man kann doch niemanden rechtlich belangen, nur weil die Kläger ein Foto ekelhaft finden. Ich finde Sex zwischen alten oder fetten Leuten ekelhaft, aber verbiete ich ihnen darum, Fotos davon zu schießen? Nein! Ich finde auch Bilder von kleinen Tintenfischen ekelhaft, die man in Restaurants essen kann, aber verbiete ich darum die Bilder auf der Speisekarte?

Aus ethischer Sicht ist hier nichts zu beanstanden, insofern die Person den Tintenfisch nicht getötet hat, um Sex damit zu haben. Generell ist gegen Sex mit Tieren nichts zu sagen, wenn die Tiere dabei nicht zu Schaden kommen und wenn sie nicht jemand anderem gehören (wenn die Menschen dabei zu Schaden kommen, sind sie selbst schuld).

Laut Klageschrift hatte der Mann außerdem Bilder, die „einen Akt zeigen, der zu schweren Schäden an der Brust einer Person führen würde“.

Wen interessiert denn das? Wenn jemand auf eine Weise Sex mit Tieren haben möchte, welche die Brüste dieser Person beschädigen könnten, warum sollte ein Gericht das Recht haben, diese Person dafür zu bestrafen, dass sie so etwas tut oder fotografiert oder ein Foto davon besitzt? Es gibt auch Frauen, die sich die Brüste piercen lassen, wobei eine ernsthafte Infektionsgefahr besteht. Sollte man darum Bilder von gepiercten Brüsten verbieten?

Der Mann soll außerdem 14 „anstößige“ Fotos von Kindern besitzen. Ich weiß nicht, was das heißen soll, aber angesichts der restlichen Anklage wird es sich wahrscheinlich nicht um Kinderpornografie handeln. Stattdessen vermute ich, dass er seine Kinder beim Baden fotografiert hat oder etwas in der Richtung. In den USA wurde jemand von einem Kaufhausdetektiven rausgeworfen und er musste ihm den Film aushändigen, weil er sein eigenes Kind fotografiert hat, wie es auf einem Schaukelpferd sitzt. Ich denke, es ist klar, wer hier die größeren Probleme mit Sexualität hat.

Das britische Gesetz gegen diese Tiersexbilder (in Deutschland ist die Verbreitung von Tier-Pornos ebenfalls strafbar) „klingt wie ein albernes Gesetz, um die eigene Überempfindlichkeit mancher Leute durchzusetzen und nicht um die Öffentlichkeit zu schützen“, wie P.Z. Myers korrekt feststellt.

Ich weiß nicht genau, ob „Der Traum einer Fischersfrau“, ein alter japanischer Holzschnitt mit einer Frau, die Sex mit einem Tintenfisch hat, legal ist. Aber bei Wikipedia kann man sich das Bild einfach ansehen.

Man fragt sich schon, warum die Sitten-Taliban noch so einen großen Einfluss hat auf unsere Gesetzgebung.

Veröffentlicht in: on 7. März 2010 at 19:56  Kommentare (10)  

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10 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Fast völlige Zustimmung. Nur eine Überlegung: Wenn es okay ist, Tintenfische zu töten um sie zu essen, warum ist es Deiner Ansicht nach dann nicht okay, sie zwecks Sex mit ihnen zu töten? Oder müsste man sie nach dm Sex essen, damit es wieder okay ist? ;)

    • Es ist nicht unbedingt ok, sie zu töten, um sie zu essen. Soweit ich weiß, ist das eine leidvolle Prozedur momentan.

      • Dann ist das Argument aber das Leid und nicht das töten und auch nicht der Grund des tötens.

      • Ich denke schon, dass der Grund des Tötens gerade wegen der leidvollen Prozedur relevant ist. Denn wenn sich durch dieses Töten z.B. ein sehr großes Leid beseitigen ließe (z.B. indem man aus diesem Tier eine sehr wirkungsvolle Medizin für eine stark verbreitete, tödliche Krankheit herstellt), könnte man das Leid durch den Tötungsakt eher rechtfertigen, als wenn es nur darum ging, dass eine oder mehrere Personen durch sexuelle Handlungen an dem Kadaver Lust empfinden können.

      • @Bebu: Das Argument oben war ja, dass das töten nicht okay sei, weil das Tier dabei sehr leidet. Umkehrschluss: Wenn es nicht so leidet, wäre das töten eher okay, sprich (meine Folgerung): auch unwichtigere Zwecke wären okay. Das würde die Frage von der Ethik an die Technik (des leidensarmen/-losen Tötens) verweisen.

        Sich angesichts industrieller Tierproduktion gerade über Tintenfische Gedanken zu machen ist eh meiner Ansicht kaum erklärbar. Mir ging es aber generell um die Frage, warum Tiertöten für’s Essen okay sein soll, aber Tiertöten für den Sex nicht. Es ist ja nicht so, dass wir ausschliesslich aus Kaloriennotstand Tiere töten und verspeisen.

  2. Wenn jemand in seiner nicht-öffentlichen, privaten Umgebung Sex mit einem toten Tier hat, das ihm gehört, und das nicht getötet wurde, um mit ihm Sex zu haben, und sich dabei fotografiert oder fotografieren lässt, ist das doch seine Sache …

  3. Passt zwar nicht zum Thema, aber trotzdem ein kleiner TV-Tipp, der mir gerade aufgefallen ist:

    Heute abend gehts im ZDF um 00:30 in der Sendung Nachtstudio um das Thema „Die Islamdebatte – ein neuer Kalter Krieg?“. Vielleicht interessierts ja den einen oder anderen.

    Ist eigentlich meist eine ganz gute Sendung, leider ist mal wieder Henryk M. Broder eingeladen, der wie ich finde sowohl den Atheismus als auch die Kritik am Islam in den Dreck zieht indem er vorgibt atheist zu sein, aber wie ich finde zum einen unglaublich bescheuerte Dinge sagt, die man eigentlich nur ernst meinen kann wenn man einer Religion angehört und zum anderen nicht Religion als solches kritisiert, sondern nur den Islam und dabei anscheinend der Meinung zu sein scheint, dass die anderen abrahamitischen Religionen super sind, nur der Islam halt im Gegensatz zu den anderen ganz schlimme Dinge im Koran stehen hat, die es in Bibel oder Tanach so nicht gibt.

    • Ich habe die Sendung gesehen. Da ich 2 der Personen persönlich kennen gelernt hatte, war für mich z.B. die Position von Abdel Samad interessant. Broder ist eben Broder und so gab er sich auch. Dieses Duo will ab dem Sommer eine gemeinsame Fernsehsendung starten, wo es um den Islam und die gesamte Nahostproblematik geht…. Zu den Texen der religiösen Schriften der 3 abrahamitischen Religionen: Da finden sich in Größenordnungen ungeheure Textgleichheiten. Das Schlusswort des Moderators war dringend notwendig.

  4. Das britische Rechtssystem mutet in diesem Punkt komisch an.

    Ich würde kein Strafverfahren daraus ableiten, aber das die betretende Person psychologische Betreuung nötig hat, steht wohl außer Zweifel.

    Und wenn eine Verwahrung des Delinquenten für die Briten die einzige Form der Maßregelung ist, dann sollen sie es doch machen.

    • Wofür sollte denn eine Maßregelung nötig sein? Welches Verbrechen an wem wurde begangen? Wer hat Schaden genommen?


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