Es war einmal in einem Paralleluniversum. Teatime.
Schneewittchen war das schönste Mädchen im ganzen Königreich Berlin und: Sie war eine Prinzessin! Sie war reich, sie war von hohem Stand, aber sie war unglücklich, denn niemand erfüllte ihren innigsten Herzenswunsch: Sie wollte frei sein! Das Problem: Ihr Vater hatte sie im höchsten Turm des Familienschlosses eingesperrt – Tradition, nur zu ihrem Besten, sie werde eines Tages dankbar dafür sein. Weitere Probleme: Eine mordlüsterne Stiefmutter, drei böse Schwestern, dornige Rosen vor ihrem Schloss, ein Drache als Wächter, kriegstreiberische Brüder und ein Bauernaufstand.
Zahlreiche tapfere Ritter hatten schon versucht, die Prinzessin zu retten. Doch keiner von ihnen war je am Drachen und an den Dornen vorbeigekommen, weil sie alle bereits auf ihrem Weg zum Schloss von einem Zug überfahren worden waren. Doch zum Glück versuchten nun die Bauern jene bessere Festung zu erobern, um den dort vermuteten Adel zu enteignen.
Doch Schneewittchens böse Brüder schlugen den Aufstand und im Eifer des Gefechts auch sich selbst brutal nieder.
Nun versuchte auch noch ihre böse Stiefmutter die Prinzessin zu vergiften! Die Stiefmutter war nämlich schon alt und hässlich und sah aus wie eine Kröte, was sie sehr eifersüchtig werden ließ, denn der Schönheitswahn hatte sich ihrer Seele bemächtigt. Zu ihrem übergroßen Pech tötete sie versehentlich Schneewittchens drei böse Schwestern, die stets versucht hatten, Schneewittchen an die Araber zu verkaufen. Schlussendlich rief unsere Heldin beim Bundeskriminalamt an und meldete ihre widerrechtliche Gefangenschaft. Die Jungs vom GSG 9 zögerten nicht lange und machten das Schloss samt Drachen dem Erdboden gleich. Aber Schneewittchen war bereits von einer sprechenden Teetasse gerettet worden.
Über sieben Berge musste sie gehen, bis sie endlich im mittelalterlichen Bayern ankam. In der Hoffnung, hier ihre Ruhe zu finden, wollte sie sich mit ihrem Gold eine kleine, bescheidene Villa kaufen. Doch sie hatte keinen Erfolg, denn in Bayern war es in ihrer Abwesenheit zu einer großen Sprachverwirrung gekommen und kein Mensch verstand mehr den anderen. „You wollen uno Villa, then tu dois unterschreiben cela“, sagte etwa der örtliche Straßenimmobilienhändler.
Gott war nämlich sauer auf die Menschen gewesen, weil sie sich alle wunderbar verstanden hatten. Die nationalen Grenzen waren verschwommen und eine Weltgemeinschaft voller Solidarität war entstanden. Wie langweilig. Seine Schöpfung sollte sich gefälligst ein bisschen bekriegen, zumindest wenn sein außerwähltes Volk, die Bayern, den Sieg davon trugen. Und überhaupt: Wo blieb der Nationalstolz, die Religion, die Tradition? Die hatte er sich doch extra dazu ausgedacht, damit sich die Menschen gegenseitig die Köpfe einschlugen. Wenn sie schon nur noch Mist im Fernsehen brachten. Mit Leuten, die Kühe melken. Die hatte er sich schon viele tausend Jahren lang anschauen müssen!
Doch Schneewittchen passte das gar nicht, deshalb bezahlte sie ein paar Gastarbeiter dafür, irgendetwas zu tun, was letztere natürlich nicht verstanden. Im Endeffekt entschlossen sie sich jedenfalls dazu, einen gewaltigen Turm zu bauen, der bis in den Himmel ragte, obgleich er nicht größer war als der Houston Tower, während Gott ungläubig den Kopf schüttelte. “Genug! Zeit für eine neue Sintflut!“ sprach er und so geschah es auch. Alles wurde weggespült. Die ungläubigen Mörder, die ungläubigen Vergewaltiger und natürlich die ungläubigen Frauen und kleinen Kinder, die das Pech hatten, einer anderen oder gar keiner Religion anzugehören als Gott. Auch die Sprachverwirrung. Doch die Menschen begannen schon wieder, zusammenzuarbeiten, statt Krieg zu führen.
„Seid ihr blind?“ fragte Gott. „Das sind Schwerter und keine Pflugscharen!“
Dann wandte er sich an Schneewittchen als gewählte Repräsentantin der Menschheit und sagte:
„Nun gut: Ich werde nicht mehr in das Weltgefüge eingreifen, wenn du meinen richtigen Namen errätst!“
Sie antwortete:
“Keine Ahnung. Vielleicht…“
„Ich wäre nicht so vorschnell, du kannst auch einen Joker einsetzten, wenn du dir unsicher bist.“
„Na schön. Ich frage das Publikum.“
Als die Ergebnisse da waren, sagte Gott:
“5 % sagen Jahwe. 50% sagen Allah. Und 100% sagen Elvis.“
„Das geht aber gar nicht auf!“, beschwerte sich Schneewittchen.
„Hey! Habe ich hier die Welt erschaffen oder du? Meine Rechenfähigkeiten sind unbegrenzt! Ich bin allwissend und überhaupt! Weißt du eigentlich, wie verflucht komplex die Evolution ist? Und sowas habe ich in gerade mal 10-30 Milliarden Jahren erschaffen!“
Das schönste Mädchen des ehemaligen Königreiches dachte nach. Sie entschied sich dazu, dem Publikum keine Beachtung zu schenken und sich auf ihre eigene Logik zu verlassen.
„Hm, du bist der mächtigste Mann der Welt. Der amerikanische Präsident …. nein … Geld regiert die Welt … ein Ölscheich, Bill Gates … Das ist es!“
„Also, wie heiße ich?“
„Bill Gates!“
„Verdammt, du hast es erraten! Na schön. Dann werde ich hier wohl nicht mehr gebraucht. Mist, Windows hätte die Welt beherrschen können! Und das kurz bevor ich die neue Version fertig hatte!“
„Wir sind schon froh, dass diese endlich läuft, einigermaßen. Sieh es ein: Im Erschaffen bist du eine echte Null!“
Gott löste sich auf und die Menschen konnten endlich ihre Weltgemeinschaft wieder errichten. Schneewittchen heiratete die sprechende Teetasse. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Zumindest, wenn sie das Gesundheitssystem nicht privatisiert haben.









Stefan
1. März 2010 at 11:05
Das kommt nicht zufällig aus deinem neuesten Buch oder?
derautor
1. März 2010 at 12:53
Das ist zwar durchgedrehter als das letzte, aber so ein konzentrierter Wahnsinn ist es dann auch nicht.
Tom
4. April 2010 at 09:49
Hmm, kannte bisher nur den ersten Teil, mit den 7 Zwergen und so. Ist das eine Fortsetzung?
Sarah Weiss
18. April 2010 at 23:18
Also ich muss sagen: Sehr einfallsreich!
Hier der Anfang einer wahren Schneewittchen Geschichte in einer fuer Dich/Euch vielleicht verstaendlichen Sprache:
The Story of Snow-White and the Charming Prince
Once upon a time, there was a young woman named Snow White who lived in a land where the language spoken is called German.
In the year when she turned 22, she met a Charming Prince who had several close friends that meant a lot to him. To name a few, they were called Greedy, Succeedy, Prestigy and Needy. Snow White had made quite an impression on him, but soon he realized that his friends might not get on with her that well and when one day he met “Not-So-White” he quickly decided to marry her. When Snow White found out about the wedding, she was quite surprised; it left her wondering about her intuition, but it didn’t leave her sad for too long. But whenever she met a Prince who seemed charming, she made sure she knew what sort of dwarfs he had, before she decided to get to know him better …!
The story of Not-So-White and the Charming Prince ended sadly and about Snow-White could be continued. Right now she will start cleaning the house….