Der Religionskritiker Sam Harris (“Das Ende des Glaubens”, “Brief an ein christliches Land”) arbeitet an einem neuen Buch: The Moral Landscape. Darin geht es um die Grundlagen der Moral und er bestreitet, dass aus unserem faktischen Wissen über die evolutionäre Entstehung von Moral nicht folgen könnte, was ethisch richtig oder falsch ist (“naturalistischer Fehlschluss”).
Er hat schon einmal einen Artikel über das Thema des Buches geschrieben, den ich damals übersetzt hatte:
Eine objektive Ethik ist möglich
Ich bin auf jeden Fall gespannt. Mehr ist leider noch nicht bekannt über das Buch.
Es gibt außerdem ein neues Interview mit Sam Harris. Darin spricht er vom “Mysterium der subjektiven Erlebnisse”, das man nicht auf Physik reduzieren könnte, obwohl er glaubt, dass wir unser Gehirn sind. So etwas ähnliches hat Michael Schmidt-Salomon in unserer Debatte über die Willensfreiheit auch gesagt. Ich weiß noch immer nicht, was die bloß wollen. Wir sind unser Gehirn und subjektive Sprache ist nur eine naheliegende Möglichkeit, um Gehirnvorgänge zu beschreiben. Es ist aber nichts anderes. Philosophie geht mir echt auf die Nerven!
Ne, schauen wir uns lieber was Wichtiges an. Das neue Video von NonStampCollector:









PlainCitizen
17. Februar 2010 at 04:55
Kommt der Neue Glaube der Atheisten?
Gwendolan
17. Februar 2010 at 17:16
Es ist eigentlich auch egal, ob man nun als Atheist auch an eine objektive Ethik glaubt oder nicht: Fakt ist so oder so, dass diese Ethik nicht von (allen) anderen in der Gesellschaft geteilt wird. Wegen des “Schismas der Moralen” hat die Gesellschaft ohnehin auf Wertpathos zu verzichten, nur das ethische Minimum zu regeln und ethische Wertungsfragen soweit als möglich dem Individum zu überlassen (frei nach Theodor Geiger).
Andreas P
18. Februar 2010 at 02:14
Selbst ohne großen Tiefgang in der Philosophie sollte man wissen, dass aus dem Sein kein Sollen folgt. Selbst wenn alle Menschen sich drüber einig sind, dass sie wollen, dass jeder X tut, bleibt X allenfalls intersubjektiv, nicht objektiv wahr. (Und ich würd selbst bestreiten, dass es intersubjektiv “wahr” wäre.)
So sehr selbstverständlich Forschung dazu beitragen kann zu verstehen, was Menschen wollen, für richtig halten, usw., und warum – sie muss selbstverständlich dann auch erklären können, warum bei bestimmten Fragen Uneinigkeit herrscht. Ich sehe nicht, warum sie da prinzipiell mehr leisten kann als die traditionelle Ethik und Moralphilosophie; e. g. feststellen, dass bestimmte Forderungen einander ausschließen, oder sich bedingen, oder was auch immer.
@NB, Gwendolan: Das wäre übrigens schon eine politische Ethik.
Wir werden auch in Zukunft nicht drumherumkommen, dass wir gewisse Spielregeln fürs zivilisierte Zusammenleben brauchen und irgendwie halbwegs konsensfähig aufstellen müssen, und in die, die nun partout nicht mitspielen wollen und andere etwa tot, zu Sklaven oder beides machen wollen, gegebenenfalls große Löcher machen müssen.