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Warum kann Gott nicht alles regeln?

13 Feb

Misereor (Foto: Humanistischer Pressedienst)

Dieses Misereor-Plakat geht mir unglaublich auf die Nerven! Es hängt einfach überall und betreibt Blasphemie, ohne dass es den Machern oder irgendeinem Christen auffallen würde! Der christliche Gott ist laut Definition allmächtig, also kann er selbstverständlich alles regeln!

Was fällt diesem katholischen Hilfswerk eigentlich ein, die Allmacht Gottes zu bezweifeln?Das apostolische Glaubensbekenntnis wird von den christlichen Kirchen offiziell anerkannt. Was darin steht, müssen Christen glauben, sonst sind sie keine Christen. Und darin steht im ersten Satz :

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen“

Klare Aussage, oder? Es wäre vertretbar gewesen, würde es auf dem Plakat heißen: „Gott regelt nicht alles“, aber es heißt „Gott kann nicht alles regeln“. Wenn er nicht alles regeln kann, dann ist er nicht allmächtig.

Andererseits muss einen diese Heuchelei insofern nicht weiter stören, weil sie übertroffen wird von einer gigantisch viel größeren Heuchelei. Sehen wir uns mal an, wie sich Misereor finanziert:

Misereor Einkünfte (cc-by-sa, Wikimedia Commons)

Die Kirche bezahlt ganze 6% von ihrem großen, tollen Hilfswerk mit der strahlenden Nonne. Absolut überwiegend bezahlt es der Staat – also wir, von unseren Steuern. Warum wir eigentlich kirchliche Hilfskonzerne finanzieren müssen, die ihre ganz eigene Agenda haben, das wird gar nicht mehr hinterfragt.

Gut für die Kirche, dass Gott nicht alles regeln kann. Sonst würde er sich am Ende noch diverse katholische Machenschaften vornehmen.

 
30 Comments

Geschrieben von am 13. Februar 2010 in Politik, Religionskritik

 

30 Antworten zu Warum kann Gott nicht alles regeln?

  1. afri-cola

    13. Februar 2010 at 20:38

    Für „kirchliche“ Verhältnisse ist ein staatlicher Anteil von 58% ja noch nichtmal so hoch. Für „kirchliche“ Verhältnisse, wohl bemerkt…

    Aber hier ist die Kirchenpropaganda wirklich überdurchschnittlich erfolgreich gewesen. Jedenfalls treffe ich immer wieder auf Menschen, die sich zwar vom Christentum losgesagt haben und auch relativ Religions- und Kirchenkritisch sind, aber meinen, daß in Deutschland sofort nigerianische Verhältnisse herrschen würden, „wenn es die Kirchen nicht mehr gäbe!“

     
  2. Bundesbedenkentraeger

    13. Februar 2010 at 21:57

    Was sind bitte nigerianische Verhältnisse? Außerdem… Naja, Kollekte ist ja auch irgendwo kirchlich, wenn es auch nicht von der Kirche als Institution, sondern den Kirchgängern gezahlt wird…
    Bei den staatlichen Mitteln würden mich einmal die Gesetze und Verordnungen interessieren, aufgrund deren die Mittel gezahlt werden. Ich frag mich, ob ein kirchliches Werk hier einseitig subventioniert wird, oder ob es sich um Zuschüsse handelt, die auch ein Satanisten-Hilfswerk bekommen könnte, oder ein säkulares…
    Aber eigentlich geht es mir um das Wort „kann“. Sicher kann Gott alles, wenn er allmächtig ist (wobei das ja nochmal so ne Frage ist, wie das entsprechende Wort in der Bibel zu übersetzen ist, aber sei’s drumm).
    Gott kann doch nicht alles regeln kann man auch verstehen im Sinne von: Wir können doch Gott nicht die ganze Arbeit machen lassen, wir können doch selbst auch etwas tun.
    Genau wie: Mutter macht den ganzen Haushalt (Alice Schwarzer bitte jetzt schreien). Wenn nun Vater sagt: Mutter kann doch nicht den ganzen Haushalt schmeißen (und damit die Kinder einbinden will um sich selbst davonzupissen), dann meint er nicht das Unvermögen der Mutter, sondern will zur Hilfe aufrufen. So auch die Nonne auf dem Plakat.
    Sprache ist keine Mathematik, sie ist nicht eindeutig. Manchmal kann man einen Satz auf mehrere Weisen verstehen. Manchmal will man die Leute damit auch zum Denken anregen, wenn man sich zweideutig ausdrückt.
    Dieser Blogartikel macht es nun aber mit dem Plakat wie christliche Fundamentalisten mit der Bibel. Man setzt eine Bedeutung voraus und nimmt dann mutwillig, ohne nachzudenken (weil das behindert die eigene Argumentation) die Bedeutung, die gerade in das eigene Weltbild passt.
    Hier ist es das Weltbild von den dummen Christen, die sich selbst widersprechen. Und wenn man gleich beim Thema ist, bringt man ne Grafik, die dann noch belegen soll, wie schlimm diese dummen Christen noch sind…

    Kirchenkritik geht intelligenter. Auch Du kannst es intelligenter.

     
    • vonhaeften

      13. Februar 2010 at 23:10

      „Aber eigentlich geht es mir um das Wort “kann”. Sicher kann Gott alles, wenn er allmächtig ist“

      Aha. Sicher. Woher beziehst du deine Sicherheit? Und was vestehst du unter „kann alles“???

       
      • PlainCitizen

        14. Februar 2010 at 06:24

        Was ist denn Allmacht anderes als alles zu können? Sub-prime Allmacht ist nun mal nicht Allmacht.

         
      • Bundesbedenkentraeger

        14. Februar 2010 at 11:46

        Meine Sicherheit ziehe ich aus meinem Glauben. Nicht daß ich meinte, das wäre allgemein nachvollziehbar…

         
    • Bebu

      14. Februar 2010 at 10:43

      „Gott kann doch nicht alles regeln kann man auch verstehen im Sinne von: Wir können doch Gott nicht die ganze Arbeit machen lassen, wir können doch selbst auch etwas tun.“
      –> Vielleicht ist mein Sprachverständnis ein anderes, aber ich kann diese Deutung beim besten Willen aus dem Plakatslogan nicht herauslesen. Mindestens nicht als erste Deutung.

      Nimmt man noch den zweiten Satz „Für uns bleibt noch genug zu tun.“ hinzu, fällt es mir gänzlich schwer dieser Alternativdeutung zu folgen.

      Hätten die Plakatmacher die Alternativdeutung als Sinn übermitteln wollen, hätten sie Deine Formulierung nehmen können. Diese ist auf den ersten Blick sofort verständlich, in meinen Augen auch nicht „mehrdeutig“.

       
      • Bundesbedenkentraeger

        14. Februar 2010 at 11:49

        Man kann jetzt hin und herdeuten, was besser gewesen wäre. Fakt ist, bei der Allmacht handelt es sich um eine dogmatische Frage. Fakt ist auch, auf dem Plakat geht es um Ethik. Es handelt sich um einen Aufruf, zu helfen und nicht um eine Aussage über irgendwelche Dogmen (die eine Nonne in der römischen Kirche eh nicht letztgültig äußern kann. Bei den Katholen legen immer noch die Bischöfe die Dogmen fest).
        Ist es so schwer zu sehen, daß es hier nicht um Dogmatik geht?

         
  3. vonhaeften

    13. Februar 2010 at 23:05

    @Bundesbedenkentraeger: Ist die Grafik falsch?

     
    • Bundesbedenkentraeger

      14. Februar 2010 at 11:53

      Weiß ich nicht. Aber was, wenn nicht? Man muß es doch ins Verhältnis setzen. Der Artikel will doch irgendwo ausdrücken, daß er Staat mehr an Misereor zahlt als die Kirche (wobei die Kirche auch viel kostenlose Werbung macht, die sich in den Spenden niederschlägt, das erscheint in der Grafik nicht, weil eben keine Einnahme in dem Sinn).
      Bei der Grafik steht Wikipedia als Quelle. Es kann stimmen, muß aber nicht. Wie gesagt: Ob der Staat an Misereor nun mehr zahlt als an säkulare Hilfsorganisationen, weiß man nicht. Auf welchen Gesetzen und Verordnungen die Zahlungen beruhen weiß man nicht. Egal ob die Grafik stimmt oder nicht. Es wird eine Stimmung gemacht, ohne Vergleichsgrößen anzugeben.

       
  4. skydaddy

    14. Februar 2010 at 02:09

    Das Plakat ist nicht nur blasphemisch, die Nonne verstößt auch gegen das Kopftuchverbot! Ein Zeichen ihrer eklatant rückständigen Unwilligkeit, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.

     
    • Bundesbedenkentraeger

      14. Februar 2010 at 11:54

      Sind wir in Frankreich? Haben wir in Deutschland ein Kopftuchverbot? Ich dachte, bei uns werden Freiheitsrechte noch geachtet…?

       
  5. PlainCitizen

    14. Februar 2010 at 06:21

    Volltreffer, doppelt.
    Mit der unvollständigen Allmacht, und mit dem Steuerzahler, der das dann noch zahlt. Ersteres ist eine Lachnummer, zweites sehr ärgerlich.

     
  6. Stefan

    14. Februar 2010 at 09:54

    Gibt es eigentlich eine Liste vom Papst, immerhin der Stellvertreter Gottes auf Erden, in der festgehalten ist, was Gott kann und was nicht? Das würde mich interessieren, weil ich ja nicht etwas tun will, was Gott auch selber könnte. Ich will mich auf das konzentrieren, was nur ich kann, er aber nicht.

    @bundesbedenktenträger: Dein Einwand ist natürlich nicht falsch, aber mir ging es auch so wie Andreas, als ich das Plakat zum ersten mal gesehen habe. Wenn die Kinder ihrer Mutter (oder Vater) im Haushalt helfen, ist das für Mutti sicherlich eine Entlastung. Die Frage ist aber, warum man überhaupt einen allmächtigen Gott entlasten muss? Wenn ich meiner Mutter helfe, dann um sie zu entlasten. Sie ist zu alt, um eine Sprudelkiste zu schleppen, also mache ich das. Ist Gott auch zu alt?

     
    • Bundesbedenkentraeger

      14. Februar 2010 at 11:57

      Bei Mutti ist es eine Entlastung. Bei Gott vielleicht nicht. Aber es ist ein Zusammenarbeiten der Menschen, aus dem dann Gemeinschaft entsteht (im Idealfall), was ja dann wieder als gottgefällig angesehen werden kann, wenn einer dem anderen hilft, eine Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit…
      Mir ist vom Papst keine Liste bekannt. Aber wenn Deine Frage ist, was Gott nicht kann und was nur Du kannst, dann tendiere ich dahin zu sagen: Du mußt gar nichts mehr tun, weil Gott alles kann. Die Frage ist, was Du tun wilst. Wenn Du nichts tun willst, dann bleib zu Hause hocken und igel Dich ein. Ob das auf ie Dauer gut tut…?

       
  7. Bebu

    14. Februar 2010 at 10:44

    Nur eine kurze Verständnisfrage:
    Handelt es sich bei den staatlichen Steuermitteln in erster Linie um Entwicklungshilfegelder u.ä.?

     
    • Bundesbedenkentraeger

      14. Februar 2010 at 11:59

      Glaube ich weniger. Wohl eher Zuschüsse zu gemeinnützigen Organisationen oder sowas. Genau deshalb hab ich ja gesagt, ich hätte die Grafik gerne ein bißchen erläutert. So kann ich alles und nichts daraus ablesen. Im Kontext des Artikels macht es natürlich den Eindruck, als ob die Kirche den Staat abzockt, das schient wohl die Intention des Autors gewesen zu sein, das zu unterstellen.

       
  8. Thomas

    14. Februar 2010 at 12:59

    Die Kirche zahlt 6% des Misereor-Budgets. Bis zu 16 weitere % können aus dem kirchlichen Umfeld kommen; je nachdem, wie „Kollekte“ definiert ist. Wenn nämlich ein Misereor-Vertreter bei Karstadt vor der Tür steht und dessen Erlöse als „Kollekte“ verbucht werden, hat das mit kirchlichem Umfeld nichts mehr zu tun.

    Es ist wie bei nahezu allen Organisation im kirchlichen Umfeld: Die Kirche bestimmt was gespielt wird; bezahlen tut die Musik ein anderer. Kaum zu glauben, das das Übernehmen von 2-10% des Budgets eines Kindergartens, einer Schule, einer Hilfsorganisation (bei Krankenhäusern sind’s eh 0%) dazu berechtigt, einen Mitarbeiter zu feuern, weil er mit seinem Partner unverheiratet zusammenlebt oder gar nicht erst eingestellt wird, weil er nicht in der Kirche ist.

     
    • PlainCitizen

      14. Februar 2010 at 13:08

      Historisch gesehen hat die Kirche die gemeinnützigen Aufgaben vom (damals konstantinischen) Staat übernommen, der sie vorher als Staat selber wahrnahm. Da heute das eh umfassend vom Staat gemacht wird, ist die kirchliche Organisation zu dem Zweck bedenklich.

       
      • Bundesbedenkentraeger

        14. Februar 2010 at 16:40

        Vom konstantinischen Staat? Man lernt nie aus… Aber daß der Staat sich heute um alle kümmern würde ist mir neu. Ich kenn da Fälle, die würden ohne kirchliche Einrichtungen (auch wenn diese mehrheitlich vom Staat bezahlt werden sollten) jämmerlich krepieren, zu Grunde gehn. Und solange der Staat das nicht selbst in den Griff bekommt, bin ich froh um die kirchlichen Einrichtungen, woher das Geld auch immer kommt.

         
  9. PlainCitizen

    14. Februar 2010 at 13:04

    Wenn ich die Kommentare hier lese, dann muss es bei Gott eine Allmacht mbH geben. Dann bin auch ich allmächtig. -> Ich bin Gott.

     
  10. romanmoeller

    14. Februar 2010 at 14:54

    Gott kann überhaupt nichts regeln, weil er nicht existiert. Wenn überhaupt, kann der Glaube an Gott irgendetwas regeln – obwohl es sich um einen Irrglauben handelt.

     
  11. skydaddy

    14. Februar 2010 at 15:04

    „Gott kann nicht alles regeln.“

    Mag sein. Deshalb hat er sich offensichtlich dafür entschieden, nur bestimmte Aspekte des täglichen Lebens zu regeln.

    Dem Alten Testament zufolge scheinen seine Prioritäten bei Opfervorschriften und dem Umgang mit Sklaven zu liegen.

     
    • Bundesbedenkentraeger

      14. Februar 2010 at 16:42

      Du scheinst das Alte Testament sehr selektiv zu lesen… ;)

       
  12. Malte

    14. Februar 2010 at 16:08

    ER KANN es NICHT. ER hat Millionen von Jahren mit Dinos rumgespielt, dann einen Meteoriten einschlagen lassen (grandioser Einfall) um auf Start zurückzukehren. Dann hat ER sich in Jerusalem hinrichten lassen um auszusteigen. Bevor ihm einer auf die Schliche kommt. Die Plakatmacher haben das erkannt. Weiter so!

     
  13. Logine

    14. Februar 2010 at 17:40

    Gott – die Ikone der bekanntesten, unsterblichen Verschwörungstheorie. Gläubige, Anhänger eines losers’ script, die in „denen da draussen“ die Machtelite vermuten. Ich und meine Freunde hingegen können „alles“, das winners’ script schlechthin (frei nach Robert Anton Wilson).

     
  14. Peter Viehrig

    15. Februar 2010 at 04:24

    Was mich dann doch ein wenig wundert, ist, daß die große Chance übersehen wird, die sich mit dieser Form der Werbung durch Misereor auch den Atheisten bietet. Soweit ich weiß, sind alle Versuche, eine öffentliche Werbekampagne in den öffentlichen Verkehrsräumen zu starten, mit der Begründung abgelehnt worden, daß eine weltanschaulich dominierte Werbung nicht gestattet würde.

    An diesem Beispiel wird exzellent vorgeführt, wie sich dies umgehen ließe, man könnte es meiner Meinung nach notfalls sogar gerichtlich erzwingen. Der Schlüssel ist das Zitat. Misereor umgeht das Weltaunschauungsdilemma genau damit, die Nonne, Schwester, das Modell, … wird mit einer eigenen Aussage zitiert. Dies könnten nun auch die Atheisten einsetzen.

    Ein passender Spruch wäre z.B: „Die Evolution kann nicht alles regeln, für die Aufklärer bleibt noch genug zu tun“

    Daneben pappt man ein schönes Grinsephoto von einem Mitglied einer atheistischen Organisation. Voilá, fertig ist die Atheistenwerbung im öffentlichen Raum.

     
    • derautor

      15. Februar 2010 at 09:03

      Das hat nichts mit der Form zu tun, die Verkehrsbetriebe ignorieren das Verbot einfach.

       
  15. yasemin

    15. Februar 2010 at 10:47

    Ich bin Gott und allmächtig. Und ich existiere, wie ihr soeben lesen könnt.

     
  16. carlaq

    15. Februar 2010 at 19:12

    Huhu! Du willst Werbung dafür machen, dass Guido Westerwelle katholisch wird, oder? Wenn Gott alles regelt, brauchen wir keinen Sozialstaat mehr. Eigentlich brauchen wir dann gar keinen Staat mehr.

    @yasemin: Und ich bin Göttin.

     
  17. Karsten

    21. Februar 2010 at 22:20

    Ich hab auf meinem Blog was aus der Sicht eines Christen geschrieben.
    Auch ich finde die Kampagne nicht gut, aber ich denke schon, dass Gott allmächtig ist.

     
 
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