Selbstmordattentäter sind eine missverstandene Gruppierung. Wie die Juden in Nazi-Deutschland werden sie im Westen verfolgt und diskriminiert. Nicht nur Rechtsradikale haben es auf jene abgesehen, die uns in die Luft sprengen wollen, sondern auch die Hassprediger und Fundamentalisten der Aufklärung. Unter dem Deckmantel der Menschenrechte wüten sie gegen alle, die anders sind als sie, anders, nur weil sie uns in die Luft sprengen wollen.
Es ist eine kalte Welt, in der wir leben, alleine heute hatte es 10° Minus und ich konnte nicht einmal mit meinen Kollegen von linkes Blatt einen Café Latte schlürfen gehen. Die Kälte des Jahreszeit spiegelte sich im Verhalten meiner Mitmenschen. Als ich mit meinen zerlumpten Jeans zum Redaktionsgebäude schlenderte, wurde ich Zeuge, wie ein muslimischer Mann seiner Frau mit einem Stahlrohr auf den Kopf schlug. Ach, dachte ich, was bin ich froh, dass Menschen verschiedener Herkunft bei uns ungestört ihre Traditionen ausleben dürfen.
Doch lange konnte dieses Bild winterlicher Friedlichkeit und zwischenmenschlicher Wärme nicht ungestört bleiben. Auf einmal stolzierte eine ältere Dame auf den Herrn aus Anatolien zu und fing an zu schimpfen: Er solle damit aufhören, seine Frau zu schlagen, sonst würde sie die Polizei anrufen. Dass eine solche Intoleranz derart schamlos in Deutschland zur Schau gestellt wird – das sollten wir doch inzwischen besser wissen.
„Hey, wo ist dein Kopftuch?“, ermahnte er sie eindringlich. „Scheiß Deutsche! Ihr Nutten, ich schneid dir durch!“ Das war der Schrei der geschundenen Kreatur, von dem Marx gesprochen hat. Wie alle Menschen mit Migrationshintergrund hat sich der arme Mann immer nur von den Deutschen drangsalieren lassen dürfen. Wie er später der Polizei mitteilen sollte, hatten sie nicht einmal den Sozialhilfeantrag für seine anatolische Großfamilie, die in der Türkei lebt, bewilligt. Von den Deutschen ist eben keine internationale Solidarität zu erwarten.
Stattdessen musste er sich immer wieder wilde Verdächtigungen und Fragen, die seine Intimsphäre verletzen, anhören, sogar von unserem eigenen Bundeskriminalamt: Warum er denn eine leichtbekleidete, junge Dame mit Benzin übergieße, warum er in einem Internetforum zum Jihad aufrufe und wie es komme, dass er auf Osama bin Ladens Liste von deutschen Kontakten auftauche. Selbst die AK 47 in seiner Garage – ein wertvolles Erinnerungsstück aus den Tagen seiner Rebellion gegen die amerikanischen Besatzer im Irak – selbst die legte man ihm noch zur Last.
Während Mohammed Abdul, so der Name des werten Herren, mit dem Stahlrohr auf den Kopf der alten Dame einschlug, um sich gegen ihren offenen Rassismus zur Wehr zu setzen – eine andere Wahl ließ man ihm ja nicht – da dachte ich: Klopstock! Ich warf einen solidarischen Blick auf Mohammed und er nickte. Klopstock! Wir fühlten es beide, wir fühlten uns an Klopstocks Gedicht über den Frohsinn erinnert:
Und der geflohnen Sonnen, die ich sahe,
Sind so wenig doch nicht, und auf dem Scheitel
Blühet mir es winterlich schon, auch ist es
Hier und da öde.
Er hatte die alte Rassistin erschlagen und schnitt sie nun mit dem Messer auf, die Freiheit siegt erneut, kein Fußbreit den Faschisten. Ihr Blut rann durch den weißen Schnee in den Kanal, er hielt seine Frau noch immer mit der linken Hand fest.
Wenn ich dieß frische Leben regsam athme;
Hör’ ich dich denn auch wohl, mit Geistes Ohre,
Dich dein Tröpfchen leises Geräusches träufeln,
Weinende Weide.
Als ihr das Gehirn aus dem Schädel quillte, lachten wir beide heiter auf. Der Bedrohung durch die Deutschen und ihre kulturimperialistischen „Werte“ war zunächst Einhalt geboten. Zu spät bemerkte ich, wie eine Passantin an mir vorbeihuschte. Sie musste alles gesehen haben. Wahrscheinlich rief sie nun die Bullen an.
„Sorge dich nicht“, sprach Mohammed. „Ich habe vorgesorgt.“
Er öffnete seine Bomberjacke und darunter verbarg sich ein Sprengstoffgürtel. Ich weinte, weil ich an die guten alten Zeiten denken musste, als die RAF noch aktiv war. Seine Frau weinte auch.
„Für die Zionisten“, sagte er.
Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Aber gewiss doch! Die Passantin, die musste für die Zionisten arbeiten, sonst hätte sie Mohammed nicht an die Bullen verraten! Natürlich habe ich nichts gegen Juden – aber Zionisten, das sind raffgierige, dreckige Verschwörer, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, wenn sie mal gerade keine Brunnen vergiften.
Als die Polizei eintraf und ich einen gewissen Sicherheitsabstand eingenommen hatte, drückte Mohammed den Zünder. Aber die Bombe explodierte nicht. Selbst dieser Akt der Rebellion gegen deutsche Zustände war ihm nicht vergönnt. Ob die Zionisten den Zünder manipuliert hatten?
Ich machte meine Aussage und dann durfte ich nach Hause gehen. Mohammed hielten die Polizeifaschisten gefangen. Gefangen, weil er in Deutschland so leben wollte, wie er wollte, weil man ihm seinen Traum von einem Leben in Freiheit nicht gönnte.
Ob wir uns jemals von den Fesseln der Vergangenheit befreien werden und die uns so fremd erscheinende Tradition des Selbstmordattentats und die kulturelle Leistung des Frauen-Erschlagens respektieren werden, wie wir heute Schächten und Burka respektieren? Wenn die Aufklärungsfanatiker es nicht verhindern, eines Tages, vielleicht. „Diejenigen, die aber das Unmögliche fordern, erreichen wenigstens das Mögliche“, wusste schon der gute Michail Bakunin. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.
(Anm: Das ist jetzt eine Satire. Der letzte Beitrag über Amnesty und die Jihadisten war keine Satire. Ist ja inzwischen kaum noch zu unterscheiden.)












Schön, dass Du Kulturrelativismus kritisierst. Gewalt, Unterdrückung von Frauen etc. sind keine netten kulturellen Eigenarten die man akzeptieren muss. Richtig so!
Aber warum stellst Du Migranten als Sozialschmarotzer dar?
Ich stelle doch nicht Migranten als Sozialschmarotzer da! Es geht darum, dass die linken Kulturrelativisten bei einfach allem, was Migranten machen, beide Augen fest zukneifen.
Jetzt hatte ich gerade eine Antwort auf Deine Antwort formuliert und Du änderst die einfach
Ich beziehe mich mal trotzdem einfach auf Deine ursprüngliche Antwort. Wo ichs jetzt schon fertig geschrieben hab:
Ich behaupte nicht, dass es überhaupt keine Menschen gibt, die in irgendeiner Weise sozialschmarotzen. Welcher Herkunft auch immer. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieses ein Ausländerphänomen, oder vielmehr ein Bildungs/Schichtenphänomen ist. Aber besonders glaube ich nicht, dass das religiös motiviert ist, aber das behautest Du ja auch eigentlich nicht.
Seine Verwandten in Polen mit Geld zu unterstützen ist keine Form von Sozialschmarotzertum. Es ist lediglich nicht erlaubt Geld per Post zu schicken. Übrigens auch nicht Uhren und Schmuck sehe ich da gerade in den AGB der Post. Warum auch immer
Epic.
Wenn ich das Wort „Schmarotzer“ lese, mag ich nicht weiterlesen. Eine solche Ausdrucksweise ist einfach nur widerlich, entwürdigend und verletzend. Es gibt keine „Sozialschmarotzer“.
Mir ist übrigens nicht klar, was dieses angebliche parasitäre Verhalten mit Aufklärung, Religion und Kultur zu tun haben soll.
Wenn man sich an den Sozialkassen bereichert, dann ist ein solches Verhalten also nur „angeblich“ parasitär. Irgendwo gibt es da einen Widerspruch.
Ich will, dass die Armen das Geld bekommen und dass Flüchtlinge das Geld bekommen, dass es Leute bekommen, die nicht mehr arbeiten können oder die aktuell keine Arbeit haben. Wer aber nicht arm ist, und es sich trotzdem einfach von den Armen und von den Flüchtlingen nimmt, ist – egal, woher er kommt – ein Arschloch, wenn wenn das der Sprachpolizei so besser gefällt. Außerdem habe ich nur den Begriff gebraucht, weil nichtbriefmarkensammler mich dessen bezichtigte, Migranten so darzustellen. Wäre ja Unsinn, mich gegen etwas zu verteidigen, das mir nicht vorgeworfen wird.
Über Worte regt sich die Linke jahrzehntelang auf. Da vergisst man das „-innen“ oder bedient sich der Umgangssprache, und sie gehen die Wände hoch. Aber gibt es systematische Menschenrechtsverstöße in Parallelgesellschaften – auch egal. Hauptsache niemand sagt „Schmarotzer“. Das ist einfach scheiße. Regen Sie sich mal über was Wichtiges auf, und nicht über irgendeinen Mist!
Einfach herrlich, dieser Artikel.
Du hast das Talent die Dinge, die mich schon seit langem maßlos aufregen, in Worte zu fassen und auf amüsante Art und Weise an den Pranger zu stellen.
Ich vermute wenn du so einen Text bei einer Lesung in meiner Uni raushauen würdest, würde es keine 10 Minuten dauern und die Antifa würde den Saal stürmen und dich als dreckigen Faschisten beschimpfen.
Satire wie sie sein sollte – treffend und schmerzhaft
Klasse!
Das geht klar in Richtung Kleinkunstpreis.
Könnte höchstens sein, denen passt die Zielgruppe nicht.
Exzellent.
Aber dass es Leute gibt, die hier mitlesen und die das nicht als Satire erkannten, haut mich auch um)
Das ist dir gelungen!
Das ist so richtig schön bitterböse
. Wirklich gelungene Satire!
nur so nebenbei (um mal wieder was sinnvolles beizutragen): ist „quellen“ nicht ein starkes Verb, Präteritum „quoll“?
und PS. es hätte auch „Schmarotzer_Innen“ heißen müssen
Mit einem Wort: Genial
Immerhin gibt es noch ein paar Leute die nicht in einer Traumwelt leben.
Und nicht die verkehrteste Satire!
Wirklich schön geschrieben.