Volker Pispers ist einer dieser mainstream-linken Gutmenschen, die sich auf die Bühne stellen und den Leuten genau das sagen, was sie hören wollen. Irgendetwas muss daran witzig sein, aber es hat sich mir noch nicht erschlossen, was das ist.
Satiriker tun ja für gewöhnlich das Gegenteil und sagen, was gesagt werden muss, ob es den Leuten gefällt oder nicht. Anstelle eines Künstlers ist Pispers eher das pseudointellektuelle Abziehbild eines Büttenredners.
Am meisten hasse ich dieses Programm von ihm (das bekannteste, schon etwas älter), in dem er über die USA herzieht, als würde er unbedingt eine Auszeichnung als bester Comedian von Osama bin Laden erhalten wollen. Er hat durchaus recht mit seiner Kritik an Henry Kissinger, der sich vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte verantworten sollte, aber Pispers expliziter Anti-Amerikanismus, auf dem er auch noch pseudo-ironisch stolz ist, das ist genau das Schwarz/Weiß-Denken, das er im nächsten Satz kritisiert. Für ihn gibt es nur eine amerikanische Regierung und nur ein amerikanisches Volk, die beide total böse und verblödet sind. Im Gegensatz zu ihm, versteht sich.
All diese Fehler und teils Verbrechen der amerikanischen Politik der Vergangenheit, die er aufzählt, haben einfach nichts zu tun mit dem Irak-Krieg. Sollten wir etwa weiterhin den Fehler machen, Diktatoren gegen noch schlimmere Diktatoren zu unterstützen? Na, offenbar nicht. Was will Pispers also aussagen? Und die Behauptung, die eine Million Toten des Iran-Irak-Krieges wären “den Amerikanern” gerade recht gewesen, ist menschenverachtend.
Dass Saddam Hussein vor 1990 auch schon ein grausamer Diktator war, bedeutet nicht, dass er 2004 keiner mehr war – was Pispers offenbar sagen will, wenn er sich über den Hussein-Hitler-Vergleich aufregt. Dann kritisiert er, dass sich böse Satiriker über den Islam lustig machen und weist darauf hin, dass katholische Dogmen und Rituale genauso albern sind. “Das ist Religionsfreiheit”, sagt er. “Jeder hat das Recht, an etwas zu glauben.” Ja. Na und? Und ich habe das Recht, mich über sämtliche Religionen lustig zu machen und ich sehe nicht, was ausgerechnet ein Kabarettist dagegen einzuwenden haben sollte, noch sehe ich, inwiefern das der Religionsfreiheit widersprechen würde.
Dass es den Amerikanern und den Deutschen nur ums Öl gehen würde, ist eine paranoide, durch nichts gestützte Verschwörungstheorie. Jeder Mainstream-Links-Schwammkopf glaubt es, aber niemals hat irgendwer Belege für diese Behauptung vorlegen können. Auch viele meiner kritisch-rationalistischen Kollegen glauben das und haben ihren kritischen Verstand zwecks dessen mal eben aus dem Fenster geworfen. “Hussein hat immer taktiert”, meint Pispers nun. Nein, hat er nicht. Hussein war immer ein gefährlicher Irrer ohne jedes Konzept. Als er den zweiten Golfkrieg verloren hatte, ließ er noch schnell die Ölfelder anzünden, was einfach gar keinen Sinn ergab. War seine Verfolgung von angeblichen “Freimaurern” aus taktischer Sicht nachvollziehbar? Oder seine Vergasung der Kurden?
“Wenn auf der einen Seite 150 Menschen sterben, auf der anderen 30 000, ist das wirklich ein Krieg für Sie?”, fragt er und meint, dass es den Amerikanern eher darum ging, jemanden zusammenzuschlagen. Also waren die Golfkriege sehr einfach zu gewinnen. Was ist daran nun schlecht? Wäre es besser, wenn mehr Amerikaner gestorben wären?
Und schon wieder die mangelnden Massenvernichtungswaffen. Tatsächlich wurden im Irak genügend Waffenfabriken entdeckt, mit denen Hussein in kurzer Zeit Atombomben hätte bauen können. Gut, zu dieser Zeit hatte er noch keine Atomwaffen und die Geheimdienste hatten sich geirrt. Na und? Gut für uns, oder? Offenbar nicht in Pispers kleiner Welt. Und immer wieder diese doofen Einlagen, oho, Bush war Alkoholiker! Man stelle sich vor. Natürlich ist Pispers die Unschuld vom Lande.
Ja, und die anderen Kriegsgründe waren auch nur erlogen. Natürlich hat Pispers vorher selbst darauf hingewiesen, dass Hussein schon vor 1990 ein schlimmer Diktator war, aber auch egal. Es geht nicht darum, eine zusammenhängende Position zu vertreten, sondern man muss den Leuten einfach nur sagen, was sie hören wollen. Paranoides, irres Geschwätz über diabolische Amerikaner.
Ok, es reicht jetzt! Ich will mir den Mist nicht länger antun. Pispers setzt darauf, dass seine Zuhörer keine Ahnung von Politik haben. Selbst, wenn man nur seine Argumentation schief ansieht, fällt sie wie ein Kartenhaus zusammen. Aber bei dem hohen Tempo, mit dem seine Gags aufeinanderfolgen, bemerken die Leute gar nicht, was für einen Unsinn er von sich gibt. Es ist wie mit Michael Moore. So lange Linksideologen bestimmen, was die Deutschen glauben, braucht uns niemand ernst zu nehmen. Und das werden sie auch nicht.
Wer sich ernsthaft über das Thema Irak informieren möchte: Hier relevante Fakten über den Irak-Krieg.
Vielleicht kann der gute Vonhaeften sich überwinden und einen näheren Blick auf unsere Gutmensch-Comedians werfen, ich habe erst einmal genug.










Rosix
8. Februar 2010 at 22:01
“das ist genau das Schwarz/Weiß-Denken, das ANDREAS MÜLLER im nächsten Satz kritisiert. Für ihn gibt es nur einen (ABER)GLAUBEN und nur RELIGIÖSEN FANATISMUS, die beide total böse und verblödet sind. Im Gegensatz zu ihm, versteht sich.”
In Sachen Religion und Religiösität nimmst du net immer alles so genau und haust auch gerne mal aufn Tisch. Recht so – dennoch hilft dir vieleicht dieses Zitat das ganze ein bisserl differenzierter zu sehen. Ich würd mich freuen, für den Blog und für dich.
Liebe Grüße
Bebu
8. Februar 2010 at 22:13
Kurze Frage:
Hast du auch andere Programme von ihm gesehen/gehört und ist deine Kritik an diesen auch so vernichtend?
derautor
8. Februar 2010 at 22:34
Ja und ja. Ich weiß schon, was er sagen wird, wenn ich nur den Titel des Programms lese.
P.S. Leute, echt. Zwei Sterne. Im Prinzip ist das eine freiwillige “Ich bin blöd”-Abstimmung.
Bebu
8. Februar 2010 at 23:01
Also lehnst du ALLES ab, was er sagt? Wirklich ALLES?
derautor
8. Februar 2010 at 23:06
Natürlich nicht. Zufällig ist mal was Witziges dabei. Aber die Grundtendenz ist die Wiedergabe von Mainstream-linken Blödsinn wie Banker sind böse und USA ist böse und der ganze Scheiß.
gingganz
8. Februar 2010 at 23:23
@derautor
Meinst du damit, die, die deinen Beitrag nicht bejubeln seien blöd?
derautor
8. Februar 2010 at 23:41
Kommt darauf an, warum sie ihn nicht bejubeln. Aber tendenziell schon, ja.
Sigrid
9. Februar 2010 at 20:57
Na, wird doch – das mit den Sternen!
vonhaeften
8. Februar 2010 at 22:56
Original Volker Pispers:
“Normalität wird für die meisten Deutschen erst dann erreicht sein, wenn man als Deutscher an der Imbißstube in Auschwitz ganz unverkrampft bei einem Roma ein Zigeunerschnitzel bestellen kann. Wenn man gerade aus ‘Schindlers Liste’ kommt, versteht sich. Tief betroffen. Tief betroffen, aber halt hungrig.”
Bebu
8. Februar 2010 at 23:02
Das habe ich bisher bei youtube nicht gesehen. Wo hat er das denn gesagt?
vonhaeften
9. Februar 2010 at 07:51
Das Zitat geistert auf vielen Seiten im Netz herum (z.B. hier:http://enioar.com/zitiert.html). Wo und wann er das genau gesagt hat, konnte ich bisher nicht ermitteln.
gingganz
8. Februar 2010 at 23:18
@derautor
bin leicht irritiert, ist dein Beitrag eine Satire auf die Satire des Vortragskünstlers Pispers?
thogoen
8. Februar 2010 at 23:21
Die Performance ab 2/3 des Videos gehört zu den Schlechtesten von Pispers, weil sie so übermäßig klischeebeladen ist. Mit den historischen Fakten hat er dennoch fast überall Recht, auch wenn er daraus teilweise die falschen Schlüsse zieht. Pispers sagt nicht explizit, dass es den Amerikanern um Öl geht, sondern um “Schürfrechte”. Das lässt sich auch anders verstehen, siehe: http://shockdoctrinesummary.blogspot.com/2009/04/second-iraq-war.html
Viel schlimmer finde ich jedoch die entsetzliche Islamophobie-Propaganda von Hagen Rether, der ansonsten eigentlich auch vernünftige Gesellschaftskritik macht:
Der elende Kulturrelativismus lastet wirklich wie ein Fluch auf dem Gerede so ziemlich aller prominenten Linken. Wer sich ihm nicht beugt, ist sogleich “böse”, in linker Terminologie: rechts/konservativ, siehe Hitchens.
Frank
9. Februar 2010 at 06:28
Linke (Sozialisten und damalige Kommunisten) und liberale Bürgerlichen waren im 19. Jahrhundert bis in die 20ger Jahre die Aktivisten und “Feuerträger” von Aufklärung und Säkularisierung.
Leider haben sowohl Linke (mit dem momentan herrschenden Antiamerikanismus und Antizionismus) und Liberale (mit ihrer Marktradikalität
als einzigem Programmpunkt) wesentlich die Wurzeln ihrer Bewegung verloren.
“Alle Kritik beginnt mit der Religionskritik.” sagt Ludwig Feuerbach irgendwo.
und das bekannte Marx-Zitat muss man VOLLSTÄNDIG lesen:
“Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks: Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.” MEW, Bd.1
Leider wird der Aspekt “Säkularismus” bei den Linken momentan völlig aus den Augen verloren.
Meiner festen Überzeugung nach müssen gerade die linken Kräfte in einer Gesellschaft besonders wachsam sein, was Wiedererstarken von Religion angeht. Die geschichtliche Erfahrung zeigt, das gerade Linke besonders darunter zu leiden haben. Gerade wir Linken sollten aufgrund der leidvollen Erfahrungen unserer GenossInnen in islamischen Ländern sehr nachdenklich mit dem Thema umgehen. In allen demokratischen Staaten gibt es eine aktive Gewerkschaftsbewegung und ein breites politisches Spektrum von rechtskonservativen bis linkskommunistischen Parteien, die problemlos wählbar sind. Versuche das mal in islamischen Ländern zu finden!
Es ist nicht unsere (linke) Aufgabe, religiöse Bestrebungen und Machtdemonstrationen aus dem Privatbereich hinein in den öffentlichen Raum auch noch zu fördern. Immer wieder wird gesagt, “freie Ausübung von Religion” sei für Muslime oder Christen nicht möglich. Es ist immer die Frage WIE “freie Religionsausübung” aussieht. Das kann nur im Kontext des Grundgesetzes geschehen. Und das BGB und StGB stehen über heiligen Schriften und Aussagen von Priestern.
Schwimmverbot und Verbot der Teilnahme am Sportunterricht für Töchter muslimischer Eltern, Tragen von Burka, Schleier oder Kopftuch im öffentlichen Dienst, Beschneidung neugeborener Knaben, Kreuze und Nonnen in Schulen, das Schächten von Tieren sind vieleicht Bedürfnisse von Religiösen, aber nicht Teil unserer säkularen und menschenrechtsorientierten Gesellschaft. Ein Paradoxon ist auch, dass die muslimischen Frauen unter Einsatz ihres Lebens in ihren Heimatländern dafür kämpfen, sich vom Schleier zu befreien, während sie ihn teilweise im Westen zurückfordern.
Wir als Linke sollten also dafür sorgen, dass die URSACHEN für Leid verschwinden, nicht Philosophien fördern und unterstützen,die auf das Glück in einer jenseitigen Welt verweisen und alle Verbesserungen in dieser Welt vom Willen eines Gottes abhängig machen.
Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Diskussionen von den Neonazis und der “PRO XY” Bewegung übernommen wird, die lediglich auf rassistischer Ebene auf Stimmenfang gehen.
Unsere Unterstützung muss immer denjenigen gelten, die wegen ihres Wunsches nach freier Entwicklung ohne Stammes.-Religions.- und (Un) Kulturtabus von Gewalt und Tod bedroht sind.
Ein guter Kommentar auf einer FDP-nahen Seite:
http://www.freiewelt.net/blog-1325/die-linken-und-die-religion.html
Ich sehe Pispers als einen hervorragenden Satiriker, der zwar nicht immer recht hat, aber doch sehr sehr häufig.
Gruss Frank
Sigrid
9. Februar 2010 at 20:54
Sehr schön zusammegefasst. Nur weil Parteien am rechten Rand den Islam kritisieren (aber gleichzitig Kreuze im öffentlichen Raum fordern), kann man sich nicht der Kritik an diesem System enthalten.
Dieser Kulturrelativismus, wo sich um Teil Linke und ganz Rechte wieder treffen(“Eigenarten” der Völker müssen auf jeden Fall respektiert werden) ist etwas ganz Schlimmes.
Nina
9. Februar 2010 at 17:36
Mir fällt auf, dass du das Wort “Gutmensch(en)” sehr, sehr gern zu benutzen scheinst in letzter Zeit. Das kommt mir fast so vor wie blinde Propaganda.
derautor
9. Februar 2010 at 19:45
Sehr schön.
afri-cola
9. Februar 2010 at 18:50
Gut gebrüllt, Herr Feuerbringer. = )
Lesenswert ist auch folgender Text bei Lizas Welt, in dem mit Hagen Rether abgerechnet wird:
http://www.lizaswelt.net/2008/01/kabarette-sich-wer-kann.html
yasemin
9. Februar 2010 at 21:25
irgendwie erinnert mich dieser artikel von seiner aufmachung her an folgendes blog:
PI
lg
yasemin
derautor
9. Februar 2010 at 21:32
PI wird hier nicht verlinkt. Man kann linke Gutmenschen doof finden und trotzdem nicht aus der rechten Ecke kommen wie ein Großteil der PI-Anhängerschaft. Katholiken und Protestanten nörgeln beide an Atheisten herum, ohne dass sie darum identisch wären.
nichtbriefmarkensammler
9. Februar 2010 at 23:07
Daumen hoch!
PlainCitizen
10. Februar 2010 at 10:31
Hitlers Anzug?
folgsam
10. Februar 2010 at 10:58
“Radikaler Islamophober Aufklärungsfundamentalist verkauft Hitlers Anzug!”
- Also das ist eine Schlagzeile, die würde ich würklich gerne mal irgendwo lesen.
PlainCitizen
10. Februar 2010 at 11:16
.. und im Interview zur Schlagzeile dann: “Ich kann einfach nicht mehr ruhig schlafen, seit der Anzug in meinem Schrank hängt. Manchmal waceh ich schweissgebadet auf und sehe für einen Augenblick, wie Hitler auf mich herunterblickt, als ob er mich wachgerüttelt hätte.”
thogoen
9. Februar 2010 at 22:49
Man kann ja auch links sein, ohne sich dabei der Gutmenschen-Mainstream-Ideologie zu beugen. PI hingegen wirft alle Linken in diesen Topf. Das allein wäre ja noch nicht schlimm, aber bei PI kommt es gepaart mit christlichem Rechtskonservatismus, Fremdenfeindlichkeit und Marktradikalität, womit ich diese Leute eigentlich nur zur Gegenaufklärung rechnen kann.
yasemin
10. Februar 2010 at 10:44
Nicht, dass hier alle Elemente drinnen sind, die PI auszeichnen. Nein, aber die Wortwahl mit dem Amerikanismus ließ mich doch stark an dieeses Mob denken.
folgsam
10. Februar 2010 at 10:59
Amerikanismus (was für ein blödes wort) kann man dem Feuerbringer gewiss nicht vorwerfen.
derautor
10. Februar 2010 at 12:00
Let the eagle soarrrr!
carloihde
10. Februar 2010 at 12:18
Schade, dass “Gutmensch” so eine negative Belegung erfahren hat. Gut, dass du deine Abarbeitung gerade dort begonnen hast, wo es weh tut,nämlich bei der bitteren Pille “Kabarett”, aber schade dass du dort scheiterst, wo du den Kabarettisten als “Künstler” zu ernst nimmst. Das einzige, was Pispers will, ist die Leute zum Nachdenken anzuregen, und das nach Möglichkeit mit Pointen untermalen, damit es unterhaltsam wird. Das Lachen hat eine reinigende Wirkung. Dabei spielt Pispers sehr geschickt (und alles andere als “pseudo”, sondern ziemlich intellektuell) mit unseren Klischees einerseits wie mit unserer Klischeeaffinität andererseits. Die Gegner dieser kopfverdrehenden aber kathartischen Programmatik haben (wie du) den Argumenten von Pispers kaum etwas entgegen zu setzen, weil ihr auf unterschiedlichen Feldern kämpft. Aber: einer Kultur geht es dort richtig schlecht, wo man ihre “Spaßmacher” verteufelt, anstatt sie unkommentiert ihr Ding machen zu lassen. Wenigstens zeugt das davon, dass dir Pispers Thesen nicht egal sind, sondern dass sie in dir massiv etwas ins Rollen bringen. Deshalb bist du ihnen auch ausgeliefert, weil sie dich zu einer unentspannten Gegenstellungnahme verleiten.
Grüße
derautor
10. Februar 2010 at 12:52
Das klingt eher so, als würdest du Pispers als Künstler zu ernst nehmen. Der will Geld machen, indem er den Leuten erzählt, was sie hören wollen. End of story.
Ich verteufle nicht Kabarettisten per se – siehe meinen folgenden Blogbeitrag – sondern nur die linken Mainstream-Komiker.
Ich bin Pispers nicht ausgeliefert, sondern ich habe versucht, ihn zu vermeiden, bis vonhaeften mal vorgeschlagen hat, sich mit diesen Leuten kritisch auseinanderzusetzen. Dazu habe ich mich irgendwann aufgerafft, auch wenn ich es nicht lange ertragen konnte.
carloihde
11. Februar 2010 at 11:35
Naja, immerhin hast du es als “Angriff” der Gutmensch-Comedians bezeichnet. Darin schwingt doch schon eine gewisse Bedeutungszuschreibung von tätiger Aggressivität. Die kannst du nur behaupten, wenn du die Leute ernst nimmst.
yasemin
10. Februar 2010 at 16:56
Was ist am Wort Amerikanismus so blöd? Gibt es den etwa nicht? Wenn es einen Anti-Amerikanismus gibt, muss es auch etwas geben, wogegen man sein kann.
Aber klar. Kann ja nicht sein, was nicht sien darf.
Cyrano
14. Februar 2010 at 15:00
Antiamerikanismus setzt Amerikanismus voraus? Wieso das denn? “Anti-…-ismus” bezeichnet als Bagriff analytisch im Allgemeinen ein geschlossenes Weltbild/Gedankengefüge (“-ismus”) dass sich gegen einen vom -Isten wahrgenommenen Gegenstand “-…-” richtet. –> “Anti-…-ismus”.
Dass es diesen Gegenstand als geschlossenes System gibt ist ja gerade die Voraussetzung die der “-Ist” macht, um sein Weltbild zu begründen. So behauptet der Antisemit einen homogenes Judentum auf das alles Übel in der Welt projeziert wird, die Behauptung es müsse einen Semitismus geben, damit Antisemitismus möglich sei teilt dann schon eine geistige Grundlage mit dem Antisemiten. Analog gilt das für den Antiamerikanismus.
Und Lachen hat eine reinigende Wirkung? Ja wovon reinigt es denn? Und reinigt alles Lachen gleichermaßen? Auch das Oberschurkenlachen, wenn er den Herrn Bond ins Haifischbecken senkt?
Gerade darin liegt ja das Problem des deutschen Kabarets. Wie die schlechte Büttenrede will es zusammenschweißen, erneuern, das “wir-da-unten-gegen-die-da-oben” Feuer entfachen. Ja, der kabarettistische Witz “reinigt”. Er baut auf das gemeinsame Erlebnis, den Schenkelklopfer als inszenierte Entfesselung; die individualisierte Spontanitaet, die nicht- Einigkeit, die nicht aufzulösende Verwirrung auf die etwa Monty Python zielen trifft man beim Humor deutscher Machart dagegen selten an, und im Kabarett … überhaupt?