Strahlende Helden – gibt es sie wirklich?

Strahlende Helden (hier: Super Sonic) - gibt es sie wirklich? (Foto: Sonic Unleashed, Sega)

Echte Altruisten sind Menschen, die sich zu ihrem eigenen Schaden für andere einsetzen. Im Extremfall opfern sie ihr Leben für Fremde auf, wie es Passagiere der Titanic und Feuerwehrmänner bei dem Anschlägen vom 11.9. getan haben. Im Gegensatz zu den Familien von islamistischen Märtyrern bekamen ihre Familien dafür keine Entschädigungen und wenn doch, konnten die Altruisten nicht mit diesen rechnen. Echte Altruisten nennen wir gemeinhin „Helden“.

Die Psychologin Andreas Kuszewski weist darauf hin, dass echte Altruisten gewisse Charaktereigenschaften mit Psychopathen teilen: Sie neigen dazu, die Regeln zu brechen, zu Impulsivität und sie verspüren ein Verlangen nach Neuem. Entscheidend sind aber die Unterschiede: Psychopathen verspüren kein Mitgefühl und brechen Regeln, um sich an anderen Menschen zu bereichern. Im Extremfall begehen sie zu ihrem eigenen Schaden Verbrechen – Saddam Hussein ist dafür ein gutes Beispiel. Altruisten dagegen brechen Regeln, wenn es nötig ist, um anderen Menschen zu helfen. Zum Beispiel verweigerten einige Feuerwehrmänner den Befehl, das brennende WTC zu verlassen und suchten weiter nach Überlebenden, wofür sie mit ihrem Tod bezahlen mussten. Sie helfen also zu ihrem eigenen Schaden anderen Menschen.

In der Soziobiologie ist es ein wenig umstritten, ob es tatsächlich echte Psychopathen (die zu ihrem eigenen Schaden Verbrechen begehen) und echte Altruisten (die zu ihrem eigenen Schaden fremden Menschen helfen) gibt. Richard Dawkins bezweifelt das nicht und erklärt den Altruismus mit einer „Fehlzündung“ egoistischer Gene: Als wir noch in Kleingruppen lebten, hätten wir mit altruistischen Taten unseren genetischen Verwandten geholfen. Seit kurzem leben wir in großen Metropolen, wo wir Fremden helfen, weil unsere Biologie (noch?) nicht auf dieses Leben eingestellt ist.

Der Psychologe Rolf Degen hat mir zum Thema folgendes geschrieben: „Selbst wenn wir nur „gut“ handeln würden, weil uns das „gut“ fühlen lässt, wäre das schon echter Altruismus: Es würde nämlich bedeuten, dass die Evolution unser Nervensystem so eingerichtet hat, dass wir Glückszustände empfinden, wenn wir ANDEREN etwas Gutes tun, ohne einen persönlichen materiellen Nutzen daraus zu schöpfen – etwas, was es nach der Theorie [laut der wir alles aus egoistischen Motivationen tun] gar nicht geben dürfte.“

In gewisser Hinsicht sind Altruisten wohl das Spiegelbild von Psychopathen. Wenn jemand nach realweltlichen Entsprechungen der metaphysischen Konzepte von Gut und Böse sucht, wird er sie hier am ehesten finden.

(Ein Auszug aus der Presseschau vom Evo-Magazin)

Veröffentlicht in: on 30. Januar 2010 at 01:11  Kommentare (5)  

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5 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Na, na, an deine eigenen Definitionen von „echtem Altruismus“ (bzw. der von Rolf Degen) musst du dich aber auch halten! Nur weil die Familien der islamistischen Selbstmordattentäter eine Entschädigung bekommen, heißt das ja nicht, dass diese keine „echten Altruisten“ wären – immerhin ist das ja kein persönlicher Vorteil – sondern lediglich eine Hilfestellung gegenüber anderen.
    Grund, den Islamisten den „echten Altruismus“ abzuerkennen, ist daher bestenfalls die göttliche Belohnung im Jenseits.
    Gut, die „echten Altruisten“ sind mit den Leuten, die sie retten, nicht verwandt, aber nur weil unser Gehirn diese Leute halt als verwandt einschätzt, obwohl sie es nicht sind, würde ich nicht meinen, dass dafür ein eigener genetischer Defekt und/oder neurologischer Defekt nötig, wie bei Psychopathen vonnöten ist.
    Ich könnte mir daher auch vorstellen, in ein brennendes Gebäude zu laufen und völlig bescheuert draufzugehen, um irgendwelche Leute zu retten – im alltäglichen Leben bin ich allerdings nicht unbedingt der allergrößte Engel.
    Ist das nicht im Prinzip dasselbe, wie Leuten zu helfen, die irgendwo eine Autopanne oder sowas haben? Ich habe da mal gelesen, dass man das tut, weil man eben (unbewusst) meint, mit ihnen verwandt zu sein, und irgendwann eben eine Gegenleistung bekommen zu können – dass das beides Blödsinn ist, mag sein, aber so rational muss man in moralischen Fragen erstmal sein, und das sind die Wenigsten. (und dann vermutlich Psychopathen.)
    Zudem finde ich den Begriff „Altruismus“ immer noch daneben, weil er einfach „Selbstlosigkeit“ bedeutet – und das kann es ja einfach nicht geben, weil los von meinem „Selbst“ kann ich ja nicht handeln, egal, was ich mache.

    • Nein, man geht davon aus, dass die Hilfe für die eigene Verwandtschaft einem zum persönlichen Vorteil gereicht. Man hilft ja aus biologischer Sicht Kopien seiner eigenen Gene. Bei einem „Missfiring“ der egoistischen Gene tut man das nicht, aus welchem Grund auch immer.

      Moment mal: Psychopathen leiden nicht unbedingt unter einem Gehirnschaden. Psychopathisches Verhalten ist adaptiv, hat also biologische Vorteile. Ist ja auch klar: Unter bestimmten Bedingungen setzen sich rücksichtslose Egoisten durch, ist schon mehrmals in der Geschichte passiert. Es gibt eine Studie, die zeigt, dass Psychopathen oft auf den Chefsesseln großer Unternehmen sitzen.

      Ich verstehe einfach nicht, woher dieser manische Drang kommt, alles „Gute und Böse“ in der Welt unbedingt wegdefinieren zu wollen, auch wenn es einen geradezu anschreit.

  2. Ich finde dieses Verständnis von Altruismus daneben. Meine Therie läuft darauf hinaus, dass jeder Konten eröffnet und einzahlt, und erwartet, dass andere auch einzahlen (jeweils mit ihrem Verhalten).
    Da gibt es Leute, die bereit sind mehr einzuzahlen, bevor eine Gegenleistung kommt, weil sie das Ganze sehen. Irgendwann haben die aber auch genug, siehe die Schweizer und ihr Minarettverbot: Vielo Geduld, und irgenwann „Nein, Danke“.

    Wenn man die Leute nicht einordnen kann, die ihr Leben geben: Schon mal daran gedacht, dass nicht jedem das Weiterleben so verflixt wichtig ist?

  3. Das ist psychologisch auch schon wieder interessant: Ich muss mich Atheisten gegenüber geradezu entschuldigen, dass ich an die reale Existenz von guten Menschen glaube… Wenn ich jetzt ein Theologe wäre, hätte ich gut was zu lachen, aber so finde ich das eher beunruhigend.

  4. Ich muss mich Atheisten gegenüber geradezu entschuldigen, dass ich an die reale Existenz von guten Menschen glaube

    Das ist mir nun nicht ganz klar. Woraus haben Sie das geschlossen?


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