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Studie: Religion macht Gesellschaft kaputt

11 Jan

Aus vergangenen Studien wissen wir, dass die religiösesten Gesellschaften der entwickelten Welt zugleich die instabilsten und dysfunktionalsten Gesellschaften sind. Aber warum ist das so? Führen soziale Ungleichheit und Verbrechen zu mehr Religiosität oder ist es andersherum? Eine neue Studie weist erstmals eine Kausalität nach: Religion führt zu mehr Misstrauen zwischen den Menschen.

Das gegenseitige Vertrauen der Menschen ist ein wichtiger Faktor für gesellschaftliche Stabilität, Wohlstand und für Glücklichkeit. Die Länder mit dem höchsten Grad an Vertrauen sind zugleich die wohlhabensten Länder der Welt. Wir sollten also ein Interesse daran haben, dass sich die Menschen gegenseitig vertrauen.

In einer neuen Studie (erhältlich als Arbeitspapier) von Niclas Berggren und Christian Bjørnskov vom Ratio Institute in Stockholm weisen die Forscher nach, dass Religion das gesellschaftliche Vertrauen reduziert.

Zuerst haben sie aufgezeigt, dass Nicht-Religion und Vertrauen korrelieren. In Ländern mit mehr religiösen Menschen beantworten weniger Leute die Frage „Denken Sie, dass man den Menschen im Allgemeinen vertrauen kann?“ mit „Ja“. Allerdings führt auch Einkommensungleichheit zu weniger Vertrauen und erhöht die Religiosität. Also überprüfen die beiden Forscher eine Reihe an Variablen auf ihren Zusammenhang mit dem Vertrauen, darunter die Existenz einer Monarchie (erhöht Vertrauen), Post-Kommunismus, der Anteil an Muslimen, Katholiken oder östlichen Religionen. Die Korrelation zwischen Nicht-Religion und Vertrauen bleibt bestehen.

Das genügt noch nicht. Also haben die Forscher die nordischen Länder als „Erklärungsfaktor“ mit aufgenommen (offenbar ist an ihnen etwas außergewöhnlich) und im Falle der USA haben sie Einkommensungleichheit, den Anteil an Schwarzen und das Alter mit einbezogen. Sie nahmen sogar die ursprünglichen Herkunftsländer der amerikanischen Einwanderer mit in die Gleichung auf. Aber nichts änderte sich. Der Mangel an Religiosität in einer Gesellschaft hing immernoch eng mit dem Grad an Vertrauen zusammen.

Hier ein Beispiel für die Stärke des Zusammenhangs: Geht man von einer Durchschnittsreligiosität in einem Land von 67% aus (Anteil der Menschen, die sagen, dass Religion wichtig in ihrem Leben ist) und vergleicht sie mit nordischen Verhältnissen (20%), dann steigt die Anzahl an einander vertrauenden Menschen um 8-10 Prozentpunkte (andere Faktoren bereits ausgeschlossen).

Aufzeigen von Kausalität

Trotzdem haben wir bislang nur eine Korrelation, einen engen Zusammenhang zwischen einem Mangel an Religion und dem gesellschaftlichen Vertrauen. Woher wissen wir, welcher der beiden Faktoren die Ursache ist und welcher die Folge? Vielleicht führt ja mehr Vertrauen, das aus anderen Gründen besteht, zu weniger Religiosität?

Die beiden Forscher haben eine statistische Methode namens „instrumentelle Variablen“ benutzt, um die Kausalität festzustellen. Das bedeutet, dass sie eine andere Variable gewählt haben, die mit Religion korreliert, aber nicht direkt durch Vertrauen beeinflusst werden kann. Nachdem sie feststellten, dass das Bruttoinlandsprodukt nicht direkt mit Vertrauen korreliert, aber mit Religion (je mehr Religion, desto geringer das BIP) gebrauchten sie das BIP als instrumentelle Variable.

Hier ein anschaulicheres Beispiel, wie instrumentelle Variablen funktionieren: Eine Korrelation zwischen Gesundheit und Rauchen bedeutet nicht, dass Rauchen eine schlechte Gesundheit hervorruft, sondern es könnten auch andere Variablen Gesundheit und Rauchen beeinflussen. Nun benutzt man die Höhe der Tabaksteuer als instrumentelle Variable, um Kausalität nachzuweisen. Wenn die Höhe der Tabaksteuer nun ausschließlich darum die Gesundheit beeinflusst, weil sie Rauchen beeinflusst (lässt man andere Variablen im Modell gleich), so ist die Korrelation zwischen der Tabaksteuer und der Gesundheit ein Beleg dafür, dass Rauchen die Gesundheit beeinflusst.

Und mit dieser Methode zeigten Niclas Berggren und Christian Bjørnskov, dass Religion das Vertrauen in einer Gesellschaft kausal reduziert.

Warum ist das so?

Wahrscheinlich liegt dies daran, weil Religionen zu einer Spaltung der Gesellschaft führen und Zerwürfnisse auslösen. Die Mitglieder einer Religion misstrauen allen, die ihren Glauben nicht teilen und die nicht an ihren Ritualen teilnehmen. Ebenso misstrauen Atheisten jenen, die Religion ernst nehmen.

Eric Uslaner von der University of Maryland hat festgestellt, dass Vielfalt das Misstrauen erhöhen kann, wenn die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen abgegrenzt voneinander leben (z.B. in Parallelgesellschaften). Das Misstrauen steigt an, je fundamentalistischer die Glaubensgemeinschaften sind. Religiöse Vielfalt als solche führt allerdings zu einem geringeren Grad an Misstrauen. Wir wissen außerdem, dass religiöse Vielfalt – also keine Staatsreligion, sondern fairer und freier Wettbewerb – die Religiosität in einer Gesellschaft reduziert, wodurch das Vertrauen wiederum steigt. Wenigstens in diesem Punkt bin ich also einer Meinung mit dem Religionswissenschaftler Michael Blume, wenn auch aus ganz anderen Gründen: Wir brauchen mehr religiöse Vielfalt und die Kirchenprivilegien müssen abgeschafft werden. Nebenbei macht das die Gläubigen auch glücklicher und zufriedener mit ihren Gemeinden.

Quelle: Epiphenomenon

Hinweis: Holger Klein berichtet für youfm: Nightline (Radio) immer wieder über meine Blogbeiträge, *freu*. In der Tat erfährt man hier Dinge, die man nirgendwo sonst in den deutschen Medien erfährt und wenn doch, bin ich oft schneller.

 
 

42 Antworten zu Studie: Religion macht Gesellschaft kaputt

  1. Bernd das Brot

    12. Januar 2010 at 00:31

    „Nachdem sie feststellten, dass das Bruttoinlandsprodukt nicht direkt mit Vertrauen korreliert“

    Wie haben sie das denn festgestellt? Ich halte das für unwahrscheinlich und hätte eher kausale Beziehungen wie die folgenden erwartet:

    niedriges BIP -> hohe Kriminalitätsrate -> niedriges Vertauen
    oder
    niedriges BIP -> große Soz.Unterschiede -> niedriges Vertauen

     
    • politbuerokrat

      12. Januar 2010 at 12:05

      Das BIP korreliert natürlich nicht mit Vertrauen. Man kann ja auch ohne Kredite Wirtschaftswachstum haben, wenn sozialistisch gewirtschaftet wird.

       
      • Bernd das Brot

        12. Januar 2010 at 19:52

        „Man kann ja auch ohne Kredite Wirtschaftswachstum haben“
        Das Argument verstehe ich nicht.

        Es geht doch um Vertrauen und BIP. Was hat denn das jetzt mit Krediten und Wirtschaftswachstum zu tun? Setzt Du da jetzt Kredite mit Vertrauen und Wirtschaftswachstum mit dem BIP gleich?

         
      • derautor

        12. Januar 2010 at 19:55

        politbuerokrat ist ein Troll, der sich für einen genialen Satiriker hält, weil er die Sprache von Marxisten kopiert. Es mag ja sinnvoll sein, Marxisten damit zu nerven, aber die meisten Leser und ich sind hier keine Marxisten, sondern kritische Rationalisten, und ich lasse mir das nicht länger gefallen.

         
      • politbuerokrat

        13. Januar 2010 at 02:06

        @Bernd das Brot: BIP ist ja gewissermaßen nur kumuliertes Wirtschaftswachstum. Wirtschaftswachstum wiederum gibt es nicht ohne Kreditvergabe, weil irgendwann das Eigenkapital der Innovatoren zur Schaffung neuer Produktionseinrichtungen nicht mehr ausreicht. Kredit-credere-glauben-vertrauen. Das sah man vor wenigen Monaten ganz prima, als die Banken einander nicht mehr getraut haben und der Kapitalmarkt darniederlag.
        Deine Erwartung, daß es zwischen BIP und Vertrauen eine Kausalbeziehung gibt, kannst Du also als erwiesen betrachten. (df)

         
      • Sofa

        14. Januar 2010 at 12:36

        @derautor: kannst du die marxtrolle nicht irgendwie bannen? die schreiben zu jedem artikel irgendwelchen stuss

         
  2. verquer

    12. Januar 2010 at 08:14

    „Wir wissen außerdem, dass religiöse Vielfalt – also keine Staatsreligion, sondern fairer und freier Wettbewerb – die Religiosität in einer Gesellschaft reduziert“

    Phil Zuckerman beschreibt in seinem Buch „Society without God“, dass das genau Gegenteil der Fall wäre. Staatsreligion -> Kein Wettbewerb -> Priester werden so oder so bezahlt -> müssen sich nicht anstrengen -> sind weniger attraktiv -> weniger Religiösität in der Gesellschaft.

    In dem verlinkten hpd Artikel schreibst Du (?):

    „Je stärker sich die Regierung nämlich in religiöse Belange einmischt [...] desto weniger zufrieden sind Gläubige mit ihrer Kirche – und desto höher ist die allgemeine Religiosität.“

    Unzufriedenheit mit der Arbeit der Kirche führt zu MEHR Religiösität?

    Desweiteren sehe ich für starke Religiösität und Misstrauen gegenüber anderen Menschen („Es ist besser Gott zu vertrauen als sich auf Menschen zu verlassen“ wie die Superschlaumeier von der Agentur C gerade in der Schweiz plakatieren“) eine gemeinsame Ursache: fehlende Sicherheit.

    Wie bekannt führt fehlende persönliche Sicherheit zur hyperaktiven Mustererkennung. Wenn man sich nicht so fühlt, als hätte man Kontrolle über sein Leben, dann sieht man Muster auch da wo keine sind. Vermutlich um die Muster auszunutzen, um wieder Kontrolle zu erlangen. Religiöser Glaube ist nun nichts anderes als da ein Muster zu sehen, wo keines ist. (Gott greift ein etc)

    siehe auch:
    http://scienceblogs.com/notrocketscience/2008/12/lacking_control_drives_false_conclusions_conspiracy_theories.php

    Und wie fehlende persönliche Sicherheit zu Misstrauen führt, ist wohl offensichtlich.

     
    • derautor

      12. Januar 2010 at 11:51

      „Unzufriedenheit mit der Arbeit der Kirche führt zu MEHR Religiösität?“

      Religiosität ist das Ergebnis von persönlicher Unsicherheit, insofern verwundert das gar nicht.

       
      • verquer

        12. Januar 2010 at 15:42

        Und eine schlechte Performance der Kirche soll die persoenlich gefuehlte Unsicherheit erhoehen? Ich denke eher, dass umgekehrt ein Schuh draus wird.

         
  3. skydaddy

    12. Januar 2010 at 09:22

    So sehr ich es glauben, ähem: mich überzeugen lassen möchte – weder die Argumentation noch die Schlussfolgerung überzeugen mich.

    Beispiel Tabaksteuer. Rauchen und Gesundheit sind miteinander korreliert: Wer häufiger raucht, ist mehr krank (nehme ich an). Die (hypothetische) Frage wäre hier: Schadet Rauchen der Gesundheit, oder rauchen Kranke/Ungesunde einfach mehr?

    Die Zuhilfenahme der Tabaksteuer führt zu nichts. Wäre Rauchen gesundheitlich völlig unschädlich, und Kranke/Ungesunde würden mehr rauchen, weil es ihnen Linderung verschafft (wie z.B. Marihuana), so ergäbe sich dieselbe Korrelation und derselbe Effekt auf die Tabaksteuer.

    Und gerade die skandinavischen Länder haben alle Staatskirchen, bzw. Schweden hat sie erst 1999 abgeschafft. Während die USA religiöse Vielfalt vergleichsweise gut gewährleisten.

     
    • derautor

      12. Januar 2010 at 11:52

      „Während die USA religiöse Vielfalt vergleichsweise gut gewährleisten.“

      Ja. Und würde sie das nicht tun, wäre die Religiosität noch höher.

       
    • politbuerokrat

      12. Januar 2010 at 12:17

      Die J-Statistik von Hansen kann einen Zeiteffekt berücksichtigen. Hängt die instrumentelle Variable wirklich nicht kausal mit der abhängigen Variablen zusammen, haben auch die Zeiteffekte beider Variablen nichts miteinander zu tun. Genaues kann ich aber nicht sagen, weil die Tabellen mit den Ergebnissen fehlen. Vielleicht basteln die Autoren sich p-Werte zurecht, die zu ihrer Interpretation passen. Ich liebe Wissenschaft! Zum Glück ist Gott keine Tabelle, sonst müßte Andreas Müller Thesist sein!

      Aus der Aussage eines Menschen, er hielte andere für vertrauenswürdig, auf tatsächlich vorhandenes Vertrauen zu schließen, kann vermutlich auch nur ein kritischer, aufgeklärter Atheist machen, der nicht so leichtgläubig-ungebildet wie ein Christ ist.

       
      • derautor

        12. Januar 2010 at 12:29

        Wenigstens hast du das Handbuch für pseudointellektuelle Besserwisserei gelesen.

         
      • politbuerokrat

        12. Januar 2010 at 16:03

        Ich dachte, Du hast nur einen Roman geschrieben!?

         
      • derautor

        12. Januar 2010 at 16:56

        Das ist ja auch ein Sachbuch. Musst du doch wissen, du hast mich damit beauftragt.

         
    • Spaceman Spiff

      12. Januar 2010 at 12:31

      Die instrumentelle Variable ist da um herauszufinden ob es eine 3te unbekannte Variable gibt welche die beiden untersuchten Groessen beeinflusst. Bsp: es koennte sein, dass dreckige Luft Leute zum Rauchen bewegt und gleichzeitig krank macht. Nimmte man jetzt Tabaksteuer als Variable sollte diese nur das Rauchen nicht aber die Gesundheit beeinflussen wenn die „Dreckluft macht krank Hypothese“ richtig ist. Dein Beispiel (kranke rauchen mehr) wuerde uebringens aufs gleiche hinauslaufen, die Kranken wuerden weniger rauchen, weil teurer, aber gleich offt krank sein.
      Hoffe ich war verstaendlich.

       
  4. harrytisch2009

    12. Januar 2010 at 13:46

    was ich schon immer gesagt hatte: alles war easy, die menschen lebten im matriarchat, kannten keine besitzansprüche, keine herrschaft und nur gemeineigentum, bis irgendeiner auf die idee kam, als erwachsener einen imaginären freund zu erfinden und alles kaputt zu machen.

    in der folge wurden die massen mithilfe willkürlicher und auf unwissenschaftlichem aberglauben fußenden erfindungen wie monogamie, ehe und familie, staat, nation, gemeinde, kirche, privateigentum, kapitalismus, faschismus, krieg und countrymusik ihren wahren bedürfnissen entfremdet.

    wenn wir alle menschen wieder auf das reduzieren, worauf es wirklich ankommt – fressen, saufen, f**en und sch***en – dann gibt es nichts mehr, wofür einer eine waffe in die hand nehmen würde. und ich könnte dem freundlichen hütchenspieler an der ecke auch wieder vertrauen, der mich vor ein paar tagen abgezockt hat, dieser a**** …

     
    • H: Lektor

      12. Januar 2010 at 14:06

      „was ich schon immer gesagt hatte: alles war easy, die menschen lebten im matriarchat, kannten keine besitzansprüche, keine herrschaft und nur gemeineigentum, bis irgendeiner auf die idee kam, als erwachsener einen imaginären freund zu erfinden und alles kaputt zu machen.“

      Das war ein Witz, oder?
      Das war doch als WITZ gemeint???
      Ich meine mich zu erinnern, daß mittlerweile rausgekommen ist, daß ds „Ur-Matriarchat“ ebenso ein moderner Mythos ist, wie der von Marx postulierte Ur-Kommunismus.

      Aber früher war ja eh immer alles besser (und man konnte ein Mammut noch ohne Waffen erledigen, weil es sich freiwillig verspeisen lassen wollte :-P )

       
      • derautor

        12. Januar 2010 at 15:16

        Das ist auch einer dieser Clowns. Nicht ernstnehmen.

         
      • harrytisch2009

        12. Januar 2010 at 19:33

        hier stand ein beitrag, der freidenkerischer zensur zum opfer fiel… :)

         
      • derautor

        12. Januar 2010 at 19:39

        Das nennt sich „Trollzensur“. Genauso wie Aidsleugner hier zensiert werden, werden Nihilisten zensiert, die an konstruktiven Beiträgen nicht interessiert sind und nur alles zerstören wollen. Satire ist eine feine Sache, aber Satire ist darauf aus, durch Spot Missstände zu beseitigen. Einfach nur spotten, ohne Sinn, ist keine Satire, sondern Trollerei.

         
      • harrytisch2009

        13. Januar 2010 at 06:51

        wenn ein antireligiöser jemanden „nihilisten“ nennt – ist das nicht irgendwie ein bisschen wie ein npd-ler, der andere als „nazis“ schmäht? :)

         
      • derautor

        13. Januar 2010 at 11:33

        Aha. Atheisten sind allso zwangsläufig Nihilisten. Das Konzept eines säkularen Humanisten ist ein bloßer Deckmantel für Leute, die eigentlich nur in den Straßen kopulieren und Christen ausrauben wollen.

        Wenigstens wissen wir jetzt, aus welchem Lager ihr kommt.

         
      • harrytisch2009

        13. Januar 2010 at 14:19

        warum so aufgeregt, mein guter? nicht alle npd-mitglieder sind ja nationalsozialisten im klassischen sinne, es befinden sich ja zweifellos auch nationalkonservative, nationalanarchisten, nationalhedonisten oder nationalbolschewisten in dieser partei – gemeinsamer nenner ist bloß der völkische nationalismus als verbindliche grundannahme, von welcher jedweder willensbildungsprozess ausgeht.

        und bei atheisten stellt es eben die verbindliche grundannahme dar, es existiere keine jenseits der reichweite des menschlichen verstandes angesiedelte oder menschlicher erkenntnisfähigkeit nicht oder nur eingeschränkt zugängliche moralische instanz, aus der sich ein sinn des seins ableiten ließe.

        nihilisten verneinen einen sinn des seins generell – unabhängig von der frage der existenz oder nichtexistenz gottes. überschneidungen in den grundanahmen lassen sich alleine schon aus dem faktum herleiten, dass sich dieses blog weitgehend auf die infragestellung und verneinung der wertigkeit religiös bestimmter lebensentwürfe beschränkt.

        von daher fand ich es höchst amüsant, dass „nihilist“ hier als schmähwort verwendet wird. :)

         
  5. derautor

    12. Januar 2010 at 19:48

    Allgemein an alle kritischen Kommentatoren aus der Sphäre der Nicht-Trolle: Es freut mich, dass ihr mir nicht alles glaubt. Leider habe ich nicht die Zeit und die Nerven, allen zu antworten. Immerhin habe ich diesmal die Studie detaillierter dargestellt als sonst – umso mehr erstaunt es mich, dass meine Darstellung gerade unter diesen Bedigungen so bemängelt wird. Aber auch gut, vielleicht gibt es dafür ja inhaltliche Gründe. Auf jeden Fall habe ich diese Studie wirklich durchgelesen, einige Passagen mehrmals, und fand sie überzeugend. Ich kenne nicht nur die Zusammenfassung von Tom Rees, wie mir unterstellt wurde. Selbst dann wäre es noch ein Service von mir, diese Zusammenfassung zu übersetzen.

    Allerdings habe ich die Studie und weitere Quellen im Beitrag verlinkt und ich empfehle allen Zweiflern, sie einfach selbst durchzulesen und nachzusehen, ob dort eure Fragen beantwortet werden. Irgendwann erreiche ich auch mal die Grenze meiner zeitlich-energetischen Kapazitäten, um es mal esoterisch auszudrücken.

     
    • politbuerokrat

      13. Januar 2010 at 01:53

      Da muß ich widersprechen. Niemand von uns kann die Studie wirklich kennen, weil in dem Arbeitspapier, das Du verlinkt hast, die Testergebnisse fehlen. Wie will man denn so das statistische Vorgehen beurteilen? Stata, SPSS, R, SAS usw. geben ihre Ergebnisse so aus, daß man sie schneller in sein Dokument einbinden kann, als so wüste Interpretationen zu formulieren.
      Wüst, weil es wirklich falsch ist, Aussagen über das Vertrauen zu treffen, wenn man nur Selbstbeschreibungen hat. Besser (und leider auch teuerer) wäre es gewesen, Probanden in einer Szenerie zu beobachten, wo sie Vertrauen beweisen können.
      Das ist keine Trollerei. Wenn Du den Anspruch der Wissenschaftlichkeit von Zeitungsautoren forderst, ist es nur korrekt, ihn an Dich auch zu stellen. Quellen so korrekt anzugeben, wie Du es ja machst, reicht dafür außerhalb der Geisteswissenschaften eben nicht aus. Wenn man mit bordeigener Vernunft Fehler erkennen kann, sollte man sich dem stellen, vor allem, wenn man eine Vorabveröffentlichung betrachtet und sich selbst für einen „kritischen Rationalisten“ betrachtet (ich will Dir aber zugute halten, daß Dein Gebrauch des Wortes „kritisch“ wirklich eine Anleihe aus dem Marxismus ist)
      Der exzessive Gebrauch von Statistiken, bei denen so raumgreifend interpretiert wird, daß unbemerkt die Schwelle zur Spekulation längst überschritten ist, kann mit den Worten eines Kommentators spekulativ als „fehlende persönliche Sicherheit“ ausgelegt werden, die „zur hyperaktiven Mustererkennung“ führt. Wenn man der Fundierung seines eigenen Weltbildes nicht sicher ist, dann findet man Belege, wo keine sind. Oder man schreibt „Blödsinn“. Oder daß man selber besser wisse, was andere glauben.

       
      • derautor

        13. Januar 2010 at 11:31

        Andere Menschen in ihrer Anwesenheit zu psychologisieren gehört zu den Dingen, die man eigentlich nicht tut, insofern man nicht für Satan arbeitet und täglich kleine Kinder frisst.

        Einfach so davon auszugehen, dass sie sich verrechnet haben, erscheint mir eher abwegig.

        „Besser (und leider auch teuerer) wäre es gewesen, Probanden in einer Szenerie zu beobachten, wo sie Vertrauen beweisen können.“

        Das ist typisch für deine Kritik. Meinst du eigentlich ersthaft, dass das gegenseitige Vertrauen in Gesellschaften, in denen die Menschen am effektivsten zusammenarbeiten, am geringsten ist? Wie schon gesagt: Reine Trollerei. Du legst es voll darauf an, dir mögliche Fehler zusammenzuspinnen, die du überhaupt nicht belegen kannst, damit ich am Ende schlecht aussehe.

         
  6. politbuerokrat

    13. Januar 2010 at 12:21

    Was soll das heißen, Fehler, die ich nicht belegen könne? Verstehst Du das wissenschaftliche Angeben von Quellen als ausschließliche Akzeptanz von Autoritätsargumenten? Schau doch selber nach, was die Modellannahmen der verwendeten Statistiken sind und überlege selber, ob sie erfüllt sind! Denke selber nach, ob Selbstbeschreibungen immer zuverlässig sind! Wer selber denkt, macht nur noch seine eigenen Fehler.

    Und ich psychologisiere niemanden. Ich schrieb: „kann spekulativ ausgelegt werden“. Deutlich sollte dabei werden, daß die Psychologisierungen, die hier geschehen, zum Bumerang werden können. Sowas wie „vor seiner Meinungsfindung fliehen“.

    „Meinst du eigentlich ersthaft, dass das gegenseitige Vertrauen in Gesellschaften, in denen die Menschen am effektivsten zusammenarbeiten, am geringsten ist?“ Soll das ein Strohmann sein? Damit hat doch die Kritik nichts zu tun, die Du zitierst! Mir geht es um die sinnvolle Wahl der Zielgröße. Ich selber habe ja gezeigt, daß (ökonom.) Effizienz und Vertrauen zusammenhängen: S. o.: Kreditvergabe. Weil das so ist (und wir scheinen uns ja darauf gerade geeinigt zu haben), kann man in diesem Paper keinen Zusammenhang zwischen Religion und Vertrauen mehr herstellen, weil die instrumentelle Variable nichts mehr taugt.

    Mir ist egal, ob Du gut oder schlecht aussiehst. Ich stehe mit Dir in überhaupt keiner Beziehung, weder feind- noch freundschaftlich. Wenn Du falsche Argumente bringst, ist es von mir keine Gotteslästerung, darauf hinzuweisen, denn Menschen machen eben Fehler.

     
  7. B-like-Berlin

    13. Januar 2010 at 15:42

    Wollen wir wetten, dass man mit diesem Ansatz und dieser Logik auch herausfinden kann, dass Parteien die Gesellschaft kaputt machen? Dass überhaupt jeder Unterschied im Denken oder Handeln die Gesellschaft kaputt macht! Natürlich auch unterschiedliche Sprache, unterschiedliche Hautfarbe, unterschiedliche sexuelle Orientierung,…

    Das ist doch eine prima Grundlage für eine faschistische Ideologie. Eine Religion, eine Ideologie, eine Abstammung, usw. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor.

    Welchen Hintergrund haben diese „Forscher“?

     
    • derautor

      13. Januar 2010 at 16:56

      „Wer was sagt, mit dem ich nicht übereinstimme, ist ein Nazi, wäh!“

       
      • B-like-Berlin

        13. Januar 2010 at 18:52

        Sehr preiswerte Replik.

         
    • afri-cola

      13. Januar 2010 at 21:06

      Warum eigentlich sucht ihr euch für eure (Neo-)Konservativ-Subversiven P.I.-Aktionen ausgerechnet eines der wenigen vernünftigen Blogs mit atheistischer Stoßrichtung aus, dem man gerade keine „gutmenschliche“ Einäugigkeit vorwerfen kann, in dem eben nicht der Islam z.B. verharmlost wird und „Antizionismus“, Antiamerikanismus u.dgl. mehr gepredigt wird.
      Da würden mir ein dutzend bessere Betätigungsfelder einfallen.

       
  8. Bert

    14. Januar 2010 at 10:58

    aus: Cicero/Thea Dorn
    Hesiod = 700 Jahre vor unserer Zeitrechnung
    Eris = Göttin der Zwietracht/Streites

    Schon Hesiod unterschied zwischen der löblichen Eris und der verderblichen – zwischen dem guten, produktiven Streit und dem bösen, destruktiven. Letzterer finde immer dann statt, wenn es um die Vernichtung, Auslöschung des Gegners geht. Der produktive Streit hatte für Hesiod die Gestalt von Konkurrenzkämpfen: Aus Eitelkeit kann es der eine nicht ertragen, wenn der andere sich hervortut, also lässt er sich anstacheln, ihn zu übertrumpfen. Die gemeinsame Wurzel allen Streits aber blieb der Drang des Einzelnen nach Überlegenheit. So verstanden kann kein Streit ohne die Begriffe „Sieger“ und „Verlierer“ auskommen – ganz gleich, mit welch kultivierten Mitteln er ausgetragen wird.

     
  9. Bert

    14. Januar 2010 at 11:52

    harrytisch2009 said: 14.01.10 06:47:

    …,ist der genosse müller ja jetzt schon manchmal echt ein mädchen…

     
    • folgsam

      14. Januar 2010 at 13:08

      „Without a winking smiley or other blatant display of humour, it is impossible to create a parody of stark raving mad culture relativists and postmodernists that someone won’t mistake for the real thing.“

      Also, du musst mir da schon auf die Sprünge helfen, bist du echt oder nicht?

       
      • Bert

        27. Januar 2010 at 20:13

        Aber jetzt würde mich die Übersetzung interessieren, sonst müßte ich nur nach „Öttinger“ Art antworten, wäre lustig und niemand würde sich für den Inhalt interessieren, sonst kann ich nicht reagieren.

         
  10. derautor

    14. Januar 2010 at 14:27

    Die beiden Pseudo-Marxisten sind jetzt einer stalinistischen Säuberungsaktion zum Opfer gefallen. Ich werde mich nicht auf meinem eigenen Blog ständig verarschen und diffamieren lassen.

     
  11. folgsam

    27. Januar 2010 at 20:46

    „Aber jetzt würde mich die Übersetzung interessieren“

    Naja, der kommentar auf den sich das bezog wurde ‘leider’ gelöscht, aber in etwa:

    Ohne neckische Smileys, geschwungene Zaunpfähle und dergleichen, ist es nicht möglich die Parodie eines durchgeknallten Kulturrelativisten/Postmodernisten zu erzeugen, ohne dass jemand diese für voll nimmt.

    Nennt sich Poe’s-Law und bezieht sich eigentlich auf religiöse Fundamentalisten: Egal wie sehr man sich anstrengt die Realität mit parodistischem Irrsinn zu übertreffen, irgendwo da draussen gibt es einen, der ist wirklich so drauf.

     
  12. Bert

    27. Januar 2010 at 20:56

    Danke, war nett.

    Bedeutet das so wie:

    Am Anfang war das Wort – am Ende die Phrase ?

     
  13. Bobby

    6. März 2010 at 16:09

    Gesellschaft ist etwas wahnsinnig komplexes. Zu behaupten man könne hier in irgendeiner Form Kausalitäten nachweisen ist doch Humbug.

     
 
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