In Deutschland gibt es Wortführer auf einer Ebene mit der Journalistin Nancy Graham Holm, die meinte, dass Kurt Westergaard an den Mordanschlägen auf seine Person selbst schuld wäre, weil er den Islam nicht respektiere. In der Süddeutschen vergleicht der Historiker Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, nun Islamkritiker mit Antisemiten.
Kein Wunder, dass selbst Journalisten wie Jan Fleischhauer (“Unter Linken”) sich inzwischen als Konservative bezeichnen, um sich von der durchgeknallten Mainstream-Linken abzugrenzen, selbst wenn sie gar nicht konservativ sind.
Es hat schon Nachteile. Ich kann als Linker nicht einfach schreiben “Fuck the Left”…
Das Feindbild “Westen” im arabischen Kulturkreis wird von Populisten im Westen mit dem Feindbild “Islam” erwidert.
…was ich gerne tun würde, wenn ich einen dermaßen bescheuerten Satz lese. Wie kann man als Historiker nur ein so schlechter Philosoph sein? Der Westen ist, egal wie man ihn definiert, keine Religion. Der Islam schon. Eine geographische Region oder meinetwegen das Prinzip der freien Gesellschaft als westliche Lebensweise (das zahlreiche Weltbilder toleriert!) lässt sich nicht vergleichen mit einer Religion oder deren Ablehnung.
Feindbilder bedienen verbreitete Sehnsüchte nach schlichter Welterklärung, die durch rigorose Unterscheidung von Gut (das immer für das Eigene steht) und Böse (das stets das Fremde verkörpert) sowie darauf basierender Ausgrenzung und Schuldzuweisung zu gewinnen ist. Feindbilder, die eine solche Welt beschwören, lindern politische und soziale Frustrationen und heben das Selbstgefühl.
Feindbilder sind Produkte von Hysterie. Sie konstruieren und instrumentalisieren Zerrbilder der anderen. Wenn wir Hysterien als weitverbreitete Verhaltensstörung definieren, die unter anderem durch Beeinträchtigung der Wahrnehmung, durch emotionale Labilität, durch theatralischen Gestus und egozentrischen Habitus charakterisiert ist, dann erklären sich Phobien gegen andere Kulturen oder ganz unterschiedliche Minderheiten in der eigenen Gesellschaft als Abwehrreflex.
Hier erklärt Wolfgang Benz, was er im folgenden tun wird: Er konstruiert das Feindbild des “Islamkritikers”, der für ihn das Böse verkörpert. Es gibt überhaupt keine humanistischen Islamkritiker, welche die ethisch fragwürdigen Elemente des orthodoxen Islam (Unterdrückung der Frau, Glorifizierung des Märtyrertums, …) kritisieren, sondern es gibt nur rechte Islamkritiker.
Es ist ein Gebot der Wissenschaft, die Erkenntnisse, die aus der Analyse des antisemitischen Ressentiments gewonnen wurden, paradigmatisch zu nutzen.
Wie kann man als Forscher nur so etwas schreiben? Der Satz bedeutet: “Es ist ein Gebot der Wissenschaft, Erkenntnisse über das antisemitische Ressentiment auf andere Gebiete zu übertragen.” Das ist so, als würde Benz schreiben: “Es ist ein Gebot der Wissenschaft, die Erkenntnisse über Johann Wolfang von Goethe auf E.T.A. Hoffmann zu übertragen.” Was für ein vollkommer Irrsinn! Ein Erstsemesterstudent würde dafür eine Sechs bekommen, wenn er so etwas auch nur erwähnt. Aber ich weiß ja nicht, wie die Historiker das heutzutage handhaben.
Derzeit wird der Islam gedanklich mit Extremismus und Terror verbunden, wodurch alle Angehörigen der islamischen Religion und Kultur mit einem Feindbild belegt und diskriminiert werden sollen.
Ich muss mir immer wieder einreden, dass ein Wissenschaftler diesen Text verfasst hat, denn am Text selbst ist das nicht zu erkennen. Der Islam wird gedanklich (!) von vielen Menschen mit Extremismus und Terror verbunden, weil Extremismus und Terror heute meistens mit dem Islam legitimiert werden! Inwiefern das intellektuell redlich wäre, darüber lässt sich bei einem so widersprüchlichen und zusammenhanglosen Text wie dem Koran bis zu einem gewissen Grad streiten, wobei zweifellos einige Stellen als Legitimation für allerlei Grausamkeiten verstanden werden können. In der Tat scheint es mir aber nicht die Gesamtaussage des Korans zu sein, schließlich geht es darin fast immer um die Verteidigung gegen Ungläubige und so gut wie nie um Angriffe auf Ungläubige. Aber faktisch sehen sich Jihadisten als Krieger Allahs in einem apokalyptischen Kampf gegen Ungläubige, warum auch immer. Die Menschen verbinden doch nicht Islam und Extremismus aus purer Böswilligkeit! (Memo an mich: Diesen Text hat ein Wissenschaftler verfasst.)
Wenn man die katholische Kirche historisch nur über das Leid definieren wollte, das päpstliche Kreuzzüge gegen “Ungläubige” im Mittelalter, Inquisition und Hexenprozesse bis in die Neuzeit über unglückliche Unschuldige gebracht haben (oder heutzutage nur über Priester, die sich an Minderjährigen vergreifen), dann zöge man sich den Vorwurf der Verleumdung zu – die Verallgemeinerung beklagenswerter Auswüchse ist Hetze mit dem Ziel der Diskriminierung.
Eines muss man Wolfgang Benz lassen: Er besitzt übernatürliche Fähigkeiten. Er weiß genau, dass die Beurteilung von Kreuzzügen und Hexenverbrennungen als etwas anderes denn bloße “Auswüchse” eindeutig Hetze sein muss. Und nicht nur das: So etwas geschieht immer mit dem Ziel, Katholiken zu diskriminieren. Immer. Karlheinz Deschners Lebenswerk besteht ja überhaupt darin, dafür zu sorgen, dass Katholiken weniger Gehalt bekommen als andere für die selbe Arbeit. Diskriminierung ist der einzige Grund für Kirchenkritik. Dass die religiösen Grundlagen des Christentums solche Auswüchse zulassen und sogar fördern (die Bibel ganz zweifellos, die Kirche historisch bei mehreren Gelegenheiten), das ist auch keine offensichtliche Tatsache für jeden, der sich mit dem Thema näher befasst hat, sondern tatsächlich nur “Hetze mit dem Ziel der Diskriminierung”.
Ein anderer meinte, im Koran werde “in über 60 Suren zum Mord an Andersgläubigen und Ungläubigen, speziell an Juden und Christen” aufgerufen. Diese Überzeugung wird er gegen alle Hinweise über den wirklichen Inhalt des Korans so energisch verteidigen, wie der Antisemit vom Glauben an den schlimmen Inhalt des Talmud, an jüdische Ritualmorde und andere Wahnphantasien nicht ablässt.
Es stimmt: Niemand wird 60 Suren im Koran finden, wo zum Mord an Ungläubigen aufgerufen wird. Zum absolut überwiegenden Teil werden Ungläubige im Koran mit einer Strafe im Jenseits, mit dem ewigen Höllenfeuer, bedroht. Aber ein paar Stellen gibt es schon, die man so auslegen kann, zum Beispiel in der Sure 9:
Diejenigen, die glauben und auswandern und mit ihrem Gut und ihrem Blut für Allahs Sache kämpfen, nehmen den höchsten Rang bei Allah ein; und sie sind es, die gewinnen werden. [9:20]
Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter für verboten erklärt haben, und die nicht dem wahren Glauben folgen – von denen, die die Schrift erhalten haben, bis sie eigenhändig den Tribut in voller Unterwerfung entrichten. [9:29]
Es gibt außerdem unzählige Hadithe (angebliche Sprüche des Propheten) über den Jihad. Wer es darauf anlegt, wird darin finden, was immer er sucht. Natürlich kann Wolfgang Benz nicht wissen, ob jemand, der behauptet, dass in 60 Suren zum Mord an Anders- und Ungläubigen aufgerufen wird, vom Gegenteil überzeugt werden kann. Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass sich Wolfang Benz durch nichts überzeugen lassen würde, dass es solche Suren überhaupt gibt, da er offenbar den Koran gelesen hat, ohne dass ihm so etwas aufgefallen wäre.
Der Diskurs über Kopftuch und Minarett – als Symbole einer fundamental abgelehnten und als bedrohlich gebrandmarkten Kultur – wird in dieser Deutlichkeit in der Teilöffentlichkeit des Internets geführt. Aber seine Ausweitung ist längst im Gange. Die Gleichsetzung deutscher Bürger muslimischer Religion mit fanatisierten Terroristen hat Methode und wird mit dem Appell an das gesunde Volksempfinden, an das Rechthaben der Mehrheit inszeniert.
Der symbolische Diskurs über Minarette ist in Wirklichkeit eine Kampagne gegen Menschen, die als Mitglieder einer Gruppe diskriminiert werden, eine Kampfansage gegen Toleranz und Demokratie.
Für so gut wie nichts, was er sagt, bringt Wolfang Benz irgendwelche Belege. Unwissenschaftlicher geht es nicht mehr und selbst für einen rein journalistischen Artikel ist das sehr zweifelhaft (ich bin auch Journalist und verlinke ständig Quellen). Woher will er auf einmal wissen, dass die nicht-muslimischen Deutschen Muslime zunehmend mit Terroristen gleichsetzen? Und woher will er wissen, was der Diskurs über Minarette “in Wirklichkeit” ist? Mir scheint das ein sehr facettenreicher Diskurs zu sein. Aber wenn man nur in Schwarz/Weiß-Kategorien denkt, bekommt man das eben nicht mit.
Es ist ja nicht so, als würde ich Wolfang Benz in allen Punkten widersprechen. Es gibt sehr viele einwandfrei integrierte Muslime in Deutschland, nur eine winzige Minderheit sind potenzielle Terroristen, wobei man allerdings sagen muss, dass die Religiosität mit dem Grad der Integration eindeutig abnimmt, wie die Studie “Muslime in Deutschland” gezeigt hat. In der Studie erfährt man zum Beispiel auch:
Als Grund für das Tragen des Kopftuches wird von fast allen Frauen angegeben, dies aus religiöser Pflicht zu tun.
Die Probleme mit Muslimen, die es gibt, hängen stets eng mit der Religion zusammen, die wiederum korreliert mit geringer Bildung. Islamkritiker – nicht Rassisten! – haben allen Grund, ihre Religionskritik fortzuführen. Es gibt zweifellos auch Rassisten, welche die humanistische Islamkritik für ihre Hetze missbrauchen. Aber das macht aus dem humanistischen Islamkritikern wie Ayaan Hirsi Ali keine Rassisten und wer das behauptet, ist ein Idiot.










Sofa
6. Januar 2010 at 09:35
Der wichtigste Unterschied ist für mich das was du am Schluss genannt hast: als Islamkritiker Urteile ich über die Gesinnung und Ideologie einer Person, als Antisemit Urteile ich über die Abstammung.
philip
6. Januar 2010 at 10:17
Selbstverständlich ist Islamkritik und Antisemitismus nicht das Selbe.
Wer dies gleichsetzt, macht einen fatalen Fehler.
Zum Einen wie schon “sofa” richtig kommentiert, handelt es sich bei ersterem um eine Kultur/Religion und bei Zweiterem um Abstammung.
Islam ist also viel weniger eine Frage der Herkunft, als eine Frage der Kultur.
Es gibt die alte soziologische Erkenntnis : “Nährt sich die Minderheit der Mehrheit, so fühlt die die Mehrheit bedrängt.” Oder anders gesagt : Wenn das Fremde allmählich zum Vertrauten wird, entstehen dabei Abwehrmechanismen, das ursprünglich Vertraute zu bewahren”. Dies erklärt zu einem grossen Teil Fremdenfeindlichkeit.
Aber was hat dies mit dem Islam zu tun? Der Islam steht stellvertretend für die arabische Kultur. Und allmählich beginnt sich diese Kultur bei uns festzusetzen, zu verbreiten.
Die Frage ist nun gestellt, ob man das Unbehagen gegenüber dieser Kultur einfach abtut oder es aufrichtig angeht, diese Kultur auch mal auffordert.
Auffordert, sich in der eigenen Kultur gemäss deren Errungenschaften zu verhalten.
Und unabhängig des obig genannten kann man im Vergleich Judentum – Islam sagen : Das Judentum war in 2’000-jähriger Diaspora gezwungen, sich in anderen Kulturen zu integrieren, sich sogar anzugleichen. Selbst der jüdische Zionismus der aufgrund der Aufklärung entstand, trägt Errungenschaften der europäischen Aufklärung in und mit sich.
Auf der anderen Seite ist dies der arabischen Kultur nicht gegeben, sie musste sich kulturell nie arrangieren, so wie es anderen Kulturen geschah. Man kann ihr dies also nicht anlasten.
Das immer wieder gehörte Argument, des Terroristen-Generalverdachts stimmt nun mal einfach nicht. Dieses “Argument” zählt nur bei den Populisten auf beiden Seiten. Es ist also weder “Terror-Angst”, noch religiöser Eifer der in unseren Breitengraden gegen die arabische Kultur rsp Islam hält, sondern schlicht und ergreifend die Angst um Kulturverlust.
Darüber, was es damit auf sich hat, welche Faktoren da alle mitspielen, ergäbe wohl ein ganzes Bücherregal.
So viel sei gesagt : kulturhistorisch ist diese Angst zum grossen Teil berechtigt.
Bebu
6. Januar 2010 at 13:52
Ist “der” Islam wirklich = arabische Kultur? Ich weiß ja nicht, was Türken oder Iraner dazu sagen würden.
protostomia
6. Januar 2010 at 18:42
Ich kenne mich mit der Geschichte der arabischen Völker nicht aus. Tatsache ist jedoch, dass die türkische Sprache als “arabische Sprache” bezeichnet wird. Folglich nehme ich an, dass die Türken, Iraner und die anderen Völker auf und um die arabische Halbinsel vor langer, langer Zeit sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten hatten bzw. aus einem gemeinsamen Kulturkreis entstanden.
Oder weiss das jemand genauer?
Oberclown
6. Januar 2010 at 19:56
Von wem wird Türkisch als arabische Sprache bezeichnet? Von den Sprachwissenschaftlern jedenfalls nicht. Die nennen Türkisch eine Turksprache (so wie etwa Usbekisch, oder Uigurisch). Und damit ist es definitiv keine Semitische Sprache (Beispiele dafür sind die diversen Arabischen Sprachen, Hebräisch und Maltesisch). Persisch (Farsi), das man im Iran (und auch darüber hinaus) spricht ist übrigens weder das Eine noch das andere, sondern das ist eine Indogermanische Sprache, wie etwa Deutsch, Griechisch oder Russisch. Man sieht also, in der Gegend hat jede Menge Geschichte stattgefunden und Kulturell ist der ganze Raum nicht annähernd so einheitlich, wie man meinen könnte.
der Leiermann
6. Januar 2010 at 11:52
bin ich ein antisemit weil ich muslime verabscheue, die ihren glauben als vorwand gebrauchen um sinnlose gewalt auszuüben?
nein, ich respektiere den islam als glauben. ich verachte aber islamisten, die glauben, mohamed würe ihnen befehlen, anders denkende zu töten, weil sie anders glauben oder eine andere politische meinung vertreten.
ich respektiere ja auch den jüdischen glauben, verachte aber den staat israel, weil dort die meinung vertreten wird, auch wenn den juden vor mehreren generationen von deutschem boden aus unsägliches leid zugefügt wurde, sie noch heute das recht haben, als jüdischen vorwand widerum über islamisten zu urteilen und selbst menschen töten.
Bebu
6. Januar 2010 at 13:54
Du _respektierst_ wirklich diese religiösen Glaubenrichtungen? Starke Leistung. Ich tu mir oft genug mit der Tolerierung schon schwer genug.
Oberclown
6. Januar 2010 at 12:44
Also das ist mal eine drollige Ansicht. Schon alleind ie implizierte These, dass alles was man an der Katholischen Kirche kritisieren könne nur einzelne Auswüchse seien und keine allgemeinen Charakteristika ist echt lustig. Dass die Kirche mit ihren Kondomverboten auch Leid über die Leute bringt ist dann wohl auch nur ein Auswuchs (obwohl offizielle Auffassung), oder dass die Katholiken, oder ihnen nahestehende politische Gruppierungen immer, wenn sie politischen einfluss gewinnen gerne mal eine Frauen zurüch an den Herd Politik betreiben alles nur historisch und/oder Auswuchs. Aber ein sehr praktischer Standpunkt alles schlechte ist nur Auswuchs und nicht zur Definition geeignet. Das möchte ich für mich auch. Danach könnte man das Gesetz brechen und vor Gericht erklären, dass das ja nur ein Auswuchs gewesen sei, über den man nicht in Gänze definiert werden könne, deswegen dürfe man ja auch nicht als gesamte Person ins Gefängnis kommen. Toll die Idee hat Potenzial.
Jemand, der den Unterschied zwischen Kritik an Auswüchsen des Islam zu Deppen, die gesamte Personengruppen umbringen wollen nicht versteht (das ist der Unterscheid zwischen Islamkritik und Antisemitismus), sollte vielleicht nochmal nachdenken, bevor er Texte zum Thema publiziert.
Ach ja um einfach mal ein Bisschen den Islam zu kritisieren. Deren Frauenbild ist noch einen Tick menschenverachtender, als das der Katholiken und auch die versuchen das politisch durch zu setzen. Und solchen Unfug muss man einfach kritisieren. Zumindest in einer halbwegs modernen aufgeklärten Gesellschaft.
celine
6. Januar 2010 at 13:43
Der Artikel von Wolfgang Benz zielt doch darauf ab, dass durch die derzeitige Islamkritik ein Hass in der Bevölkerung geschürt wird, wie er sich in den zitierten Forenbeiträgen äußert und dass es Parallelen zum Antisemitismus gibt.
Ich finde es auch legitim aus der Antisemitismusforschung gewonnene Erkenntnisse darauf anzuwenden, eine gewisse Ähnlichkeit ist gegeben und entgegen deiner Aussage ist es durchaus wissenschaftlich, ein Muster aus einem Gebiet auf ein anderes anzuwenden, vorausgesetzt man überprüft es, passt es gegebenenfalls an oder verwirft den Vergleich.
Ich meine Dawkins hat das irgendwo mal am Beispiel der Evolutionstheorie dargestellt, die ja heutzutage auch für alles mögliche und unmögliche herhalten muss.
Ich fand den SZ-Artikel als Diskussionsbeitrag erhellend und auch wenn Du mit deiner Kritik wie ich finde größtenteils Recht hast und er stark durch die Meinung des Autoren eingefärbt ist, kann ich nicht sehen wo er mit Nancy Graham Holm auf einer Ebene liegt.(Ich kenne allerdings auch nur diesen einen Text von Herrn Benz).
Nun, angenommen Herr Benz hat recht und die derzeitige Islamkritik fördert einen weit verbreiteten Hass ähnlich dem gegen Juden im 19. und 20. Jahrhundert, dann stellt sich doch erstmal ganz naiv die Frage, wie man diese absolut notwendige Kritik anbringen kann ohne diesen Hass hervorzurufen? Diese Frage, die natürlich weitere Fragen aufwirft, stellt er nicht und das ist mein Hauptkritikpunkt an dem Artikel.
Nanomyte
6. Januar 2010 at 16:37
Es ist eher so, dass die Kritiker der Islamkritik den Großteil der Menschen für dümmer als sich selbst halten.
Dabei vertiefen sie mit diesem Unsinn allerdings noch die Gräben und Extrempositionen ohne dass es ihnen bewusst zu sein scheint.
Denn dieses Mimosentum verleitet psychologisch in gut stituierten Kreisen eher dazu die Extremisten gewähren zu lassen, als sie zu bekämpfen.
Wer die Nazikeule schwingt stumpft diese nicht nur ab, er gerät selbst in berechtigtem Verdacht den Balken vor seinem Kopf nicht zu sehn, wenn er nur nach den Splittern in den Augen sucht.
Das kann ein Spiel mit dem Feuer werden. Um den Teufel an die Wand zu malen:
“Es werden eher die Gutmenschen an Laternenpfosten hängen, als das nur eine einzige Moschee brennen wird.”
Der mit dem Glauben tanzt
6. Januar 2010 at 15:46
Kann ja sein, dass die Islamkritik in Hass mündet. Aber da muss man sich nicht fragen, wie man die Islamkritik unterbindet, um den Hass zu verhindern, sondern wie man eher den Islam, der kritisiert wird, unterbindet, denn nur auf ihm basiert ja der Hass.
Oberclown
6. Januar 2010 at 20:02
Naja der Hass basiert nicht nur auf dem Islam, der basiert eher darauf, dass es Idioten gibt, die meinen den Islam an die Weltherrschaft bomben zu können. Und darauf, dass es hierzulande Leute gibt, die zumindest zeitweise davon zu leben versuchen, dass sie Panik schüren.
Das Problem beim Unterbinden des kritisierten Islams ist allerdings, dass es dafür kaum eine brauchbare Methode gibt.
maziarworld
7. Januar 2010 at 09:03
Wenn ich die Kommentare lese, muss wohl an dem einprozentigen gefährlichen Wissen denken. Bitte, wenn ihr keine Ahnung habt, lest vorher zumindest, bevor ihr einen Kommentar schreibt!
Ich denke schon, dass die beiden Fälle vergleichbar sind.
@oberclown
Es gibt bei keinem gesellschaftlichen Problem ein Kochrezept als Lösung.
Aber die Westen versuchen es nicht einmal mit einem Rezept, eher gießen sie Öl ins Feuer, Asche, …
Die Journalisten und die Öffentlichkeit darf man auch nicht herausnehmen. Man kann keine Terrorismus, Terroristen, Mörder, Verbrecher, … bekämpfen, in dem gegen deren Religion, Volk, Rasse, … vorgegangen wird. Wann wollt ihr es begreifen?
Mit der Haltung könnt ihr nur das Herz ein paar wenige Verräter gewinnen, die nur auf ihrem Vorteil oder Ruhm bedacht sind.
Ein Verbrecher ist ein Verbrecher unabhängig von der Religion, Rasse, Abstammung, ….
Ich würde sogar sagen:
Es ist gewollt, den Hass in Westen zu schüren. Jetzt werden aber wahrscheinlich ein paar gestrigen von den Verschwörungstheoretikern hier wach werden.
Aber Fakt ist; ein Verbrecher ist ein Verbrecher unabhängig von der Religion, …
Islamisten = Terrorismus = Terroristen = Islam = Verbrecher = Mörder = … zu setzen, hat zur Folge, dass ihr nur mit den Verbrechern, Verräter, …, die behaupten Muslime zu sein, den Dialog führt.
Wahrscheinlich denkt der Westen: Sie führen schon lange den Dialog mit den Verbrechern wie Ahmadinejad, die Machthaber der arabischen Halbinsel, Mubarak, Asad, Karzay, Maleki, Saddam, Mullah Omar, Bin Laden, … im Ausland und sie haben viele Vorteile für die Westen gebracht, warum soll der Dialog mit den Verbrechern im Inland keine Vorteile bringen!!!
Mit deren Anraten wurden sogar die Ausländergesetze hierzulande geändert. Wenn einem Ausländer eine Abschiebung droht, bedarf es einen Menschen einem Verbrechen zu bezichtigen, dann kann er, sie, es den Aufenthalt bekommen. Lesen Sie einfach im Internet oder Gesetzbuch, wenn Sie es nicht wahrhaben wollen. Fast immer werden die ausländischen Mitbewohnern bezichtigt, was die Pseudo-Meinung der Öffentlichkeit, dass bei den Ausländern mehr Verbrecher gibt als bei den Einheimischen, bestätigt wird.
Wie gesagt, sie sind nur auf einen Vorteil bedacht.
Verschwörungstheorie hin oder her; schließlich sagt auch keine Muslime, dass die christliche Religion Millionen Menschen in zweiten Weltkrieg getötet, verbrennt, … hat, obwohl die beiden Kirchen deren Segen für die Ermordung gaben! Es waren einfach Verbrecher an der Macht.
http://maziarworld.wordpress.com
Oberclown
7. Januar 2010 at 11:50
Das vermute ich auch. Deshalb habe ich ja denjenigen, der die These aufgestellt hat man müsste den “kritisierten Islam bekämpfen” wie er sich das vorstellt. Im übrigen hätte ich von meinem Vorredner auch eine Antwort darauf, was er in dem zusammenhang mit dem “kritisierten Islam” meint. Weil die Anahme, er würde das Bekämpfen jedeweden Islams mit jedwedem Mittel meinen, unterstellt ihm doch eine erstaunliche Dämlichkeit. Aber ohne eine Antwort werde ich da wohl so schlau bleiben wie vorher.
KurtE
7. Januar 2010 at 14:23
Ich habe immer gedacht, es kommt auf die Antworten an und nicht auf die Fragen.
Wenn Islamkritik mit Antisemitismus oder gar Rassismus gleichgestellt wird, dann sollen schon die Fragen verhindert werden. Daran kann nur Leuten gelegen sein, die Angst vor den Antworten haben.
Oberclown
7. Januar 2010 at 14:50
Eigentlich kommt es drauf an, durch intensives Nachdenken über beides heraus zu finden, ob man wirklich die richtigen Fragen stellt und ob die Antworten dazu passen. Das kann sehr kniffelig sein.
Deswegen kann es auch andere Erklärungen geben, dafür, dass jemand bestimmte Fragen nicht hören will, als dass er Angst vor den Antworten hat. Z. B. dass er nach Antworten gefragt wurde und keine hat, und deswegen lieber an der Frage herummäkelt. Oder auch einfache Doofheit (die muss man bei jeder menschlichen Handlung als Begründung in Betracht ziehen). Um nur 2 zu nennen.
Bebu
7. Januar 2010 at 17:05
Wenn es euch beiden schon um Fragen geht, hätte ich mal welche:
Warum geht es hier immer um Antisemitismus, wenn es dabei meistens um einen Antijudaismus geht? Wo kann ich nachschlagen, was heutzutage alles offiziell und inoffiziell als Rasse gilt (unabhängig davon, ob man Menschen redlicherweise überhaupt in Rassen einteilen kann…)? Denn ich finde immer wieder für alle möglichen Formen von Diskriminierung die Bezeichnung Rassismus (bis hin zum Altersrassismus………….. :wallbash: ) und würde langsam gerne mal wissen, wo es sich dabei nur um Argumentationsverweigerung handelt und wo die Klassifizierung gerechtfertigt ist.
celine
7. Januar 2010 at 23:44
@KurtE
Da hast Du denke ich recht, ich glaube aber nicht das es die Intention von Herrn Benz ist die Islamkritik mit Antisemitismus oder Rassismus gleichzusetzen, sondern und das ist ein kleiner aber feiner Unterschied, er vergleicht die Mittel und Mechanismen um daraus auf die Folgen zu schließen.
@Bebu
1.Weil es hier um Antisemitismus geht.
2.Es gibt heute ganz offiziell keine Einteilung des Menschen in Rassen mehr, ich dachte eigentlich das weiß man.
Inoffiziell findet eine solche Einteilung sehr häufig statt und wird wenn sie offen zu Tage tritt Rassismus genannt. Die Einteilung selber, ist eine Frage der Definition und wenn man sein neues Buch verkaufen möchte, kann man natürlich auch publicityträchtig von Altersrassismus sprechen.
Bebu
8. Januar 2010 at 10:32
“1.Weil es hier um Antisemitismus geht.
”
–> Scheint mir nicht so zu sein. Oder geht es generell um die Diskriminierung von all den Menschen, die früher oder auch heute mal zu den Semiten gerechnet wurden?
Mir kommt es da doch eher so vor, als ginge es um die Diskriminierung von Juden.
“2.Es gibt heute ganz offiziell keine Einteilung des Menschen in Rassen mehr, ich dachte eigentlich das weiß man.”
–> Nun, das dachte ich auch mal, aber ich finde ständig die Verwendung des Wortes “Rassismus”.
Ohne eine Einteilung von Menschen nach Rassen ist dieses Wort aber vollkommen sinnfrei.
“Inoffiziell findet eine solche Einteilung sehr häufig statt und wird wenn sie offen zu Tage tritt Rassismus genannt.”
–> Wo kann ich dazu eine anerkannte Einteilung finden? Denn langsam wird es schwierig zu erkennen, ob der Vorwurf des Rassismus sachlich überhaupt möglich ist.
Immerhin gilt einigen das Alter bereits als Rasse, andere sehen Religion als geeignetes Kriterium…
“Die Einteilung selber, ist eine Frage der Definition und wenn man sein neues Buch verkaufen möchte, kann man natürlich auch publicityträchtig von Altersrassismus sprechen.”
–> Also doch Beliebigkeit? (Irrsinn an) Gut, dann bin ich jetzt eine Ein-Personen-Rasse mit absoluter Unfehlbarkeit. Jeder der auch nur meine mangelhafte Rechtschreibung kritisiert ist, ist ein Rassist. (Irrsinn aus.)
Wer hat denn mit dem Begriff “Altersrassismus” sein Buch vermarktet? Mir ist der Begriff das letzte Mal bei der Abschlußkundgebung der Linken vor der BT-Wahl (live auf Phoenix) in der Rede von Gysi aufgefallen, der damit gegen die Diskriminierung von alten Arbeit”nehmern” auf dem Arbeitsmarkt geschimpft hat. (Einmal mehr ein Beleg dafür, dass Gysi ein Vollidiot ist…)
celine
8. Januar 2010 at 13:07
Der Begriff Antisemitismus ist einfach weiter gefasst als man aus ihm ableiten kann. Das ist nicht unumstritten, aber ich denke es gibt in der Wissenschaft einen Konsens darüber. Antijudaismus wird doch eher für Religionsfeindlichkeit gegen das Judentum verwendet, aber vermutlich ist auch das nicht unstrittig.
Bleibt ansonsten nur, die genaue Bedeutung aus dem Zusammenhang zu verstehen, ist in diesem Fall ja auch durchaus lösbar.
Ich englischen Sprachraum ist der Begriff Antisemitism übrigens noch weiter gefasst und steht für Judenfeindlichkeit in jedweder Form.
Was deine Einpersonenrassenkunde angeht, in diesem speziellen Fall wärst Du der Rassist und nicht alle anderen. Aber ein gutes Beispiel, das sehr schön verdeutlicht das so eine Einteilung eine Abstraktion ist und auf die Realität angewendet ihre Schwachstellen hat.
Beliebigkeit sehe ich in dem Begriff Rasse nicht, schließlich liegt jeder konkreten Verwendung ja auch eine konkrete Definition zu Grunde, es ist wieder der Zusammenhang der zählt.
Ich fände es aber auch ehrlicher den Begriff in seinem historischen Sinn zu benutzen und ansonsten von Diskriminierung zu sprechen.
Das Wort Altersrassismus ist mir im Zusammenhang mit Frank Schirrmachers Buch “Das Methusalem-Komplott” bekannt geworden. Ich vermute aber, dass es das Wort schon vorher gab. Und ich bin mir jetzt ehrlich gesagt nicht mal sicher, ober Herr Schirrmacher es selber benutzt.