Polnische Bischöfe sehen die Menschenrechte, das Leben von Kindern, die Würde des Menschen und den zehnten Kaffee, den man an der Tanke kostenlos bekommt, bedroht, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden hat, dass in Italien die Kreuze abgehängt werden müssen.
Derweil informiert die Evangelische Kirche in Thüringen den Chefredakteur des evangelikalen Nachrichtenagentur “idea”, dass er vielleicht doch keinen Preis der “Jungen Freiheit” hätte annehmen sollen. Zu guter Letzt findet der Zentralrat der Muslime das Attentat auf Westergaard zwar irgendwie schlecht, aber der Großteil seiner Stellungnahme befasst sich doch wieder mit der drohenden Islamophobie und mit dem bösen Westen.
Der Chefredakteur von “idea”, Helmut Matthies, hat es aber auch schwer. Jetzt hat er sich so über den Preis gefreut, den ihm ein rechtes Blatt verliehen hat und plötzlich kommt die Oberkirche an und fordert ihn auf, den Preis wieder rauszurücken. Diesen Gewissenskonflikt kann ich gut nachvollziehen. Als ich den Adolf-Hitler-Preis für meinen Artikel “Der Holocaust war eigentlich ganz toll” von der NPD erhalten hatte und mich der Presserat aufforderte, ihn zurückzugeben, da wusste ich auch eine Weile lang gar nicht, was denn nun zu tun wäre. Schließlich hatte ich doch noch nie einen Preis für meine bescheuerten Artikel gewonnen.
Die polnischen Bischöfe haben da ihre eigenen Probleme, nämlich mit der Trennung von Kirche und Staat und mit der Bedeutung von Wörtern:
Polens Primas, Erzbischof Henryk Muszynski, sagte, »Noch nie waren das Leben von Kindern, die Würde des Menschen und deren Entwicklung so bedroht wie jetzt.« Der Mensch des 21. Jahrhunderts lasse die Stimme Gottes nicht zu. Bischof Stanislaw Stefanek aus Lomza beschimpfte Feministinnen als »Vertreterinnen verkommener Weiblichkeit«, weil sie sich für künstliche Befruchtung einsetzen. In Kielce donnerte Bischof Kazimierz Ryczan: »Herod, Nero, Hitler und Lenin ist es nicht gelungen, Christus und das Heilige Kreuz zu besiegen, auch Zapatero wird dies nicht gelingen.«
Oh nein! Sie hängen den großen Führer unserer Sekte, wie er blutüberströmt an einem römischen Hinrichtungsinstrument hängt, ausgerechnet aus den Klassenzimmern! Das Leben von Kindern ist gefährdet, weil wenn sie Jesus eine Weile nicht sehen, dann werden sie sündigen, wahrscheinlich masturbieren, und davon erblinden und sterben. Die Würde des Menschen war noch nie so bedroht als wie jetzt, wo man nicht einmal mehr die Verantwortung für seine Taten auf einen seit 2000 Jahren verstorbenen Wanderprediger schieben kann. Jetzt, wo niemand mehr der Kirche glauben will, dass Kondome wirklich eine Verschwörung des Westens sind, um Afrikaner zu töten. Das ist so würdelos! Hitler und Lenin ist es nicht gelungen, den Führer unserer eigenen Ideologie zu besiegen und der spanische Ministerpräsident Zapatero, der übrigens genauso schlimm ist wie Hitler, der schafft es auch nicht!
Wie zu erwarten findet der Zentralrat der Muslime (ZMD) den von mir kritisierten Artikel vom Historiker Wolfgang Benz über Antisemitismus und Islamkritik einfach super:
Der renommierte Antisemitismusforscher spricht Tacheles und sieht Parallelen zur Judenfeindschaft in 19. Jahrhundert: Islamhassern geht es um die Aufkündigung des mühsam erkämpften liberalen Konsenses über das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Relgionen
Juhu! Endlich sagt mal jemand, was nicht stimmt an der ganzen Debatte über den Islam: Jedwede Kritik am Islam.
Nun hat auch der ZMD das Attentat auf den Karikaturisten Kurt Westergaard kommentiert:
«Für eine kriminelle Handlung darf es keine religiöse Entschuldigung geben», sagte der ZMD-Vorsitzende Ayyub Axel Köhler am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Köln.
Das klingt ja schon fast vernünftig. Wäre da nicht der ganze Rest der Stellungnahme:
Das der Tat zugrundeliegende Motiv zeige aber, wie schmal der Grat zwischen Meinungsfreiheit und der Verletzung religiöser Gefühle sei.
Und wenn man diesen Grad überschreitet, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man von einem Muslim mit einer Axt zerhackt wird.
Problematisch sei, dass derartige Vorfälle in der Bevölkerung Ängste vor dem Islam anfachten, sagte Köhler. «Wir tun alles, was in unseren Kräften steht, um aufzuklären und rufen zur Mäßigung auf.»
Also das Problem an dem Attentat ist nicht im eigentlichen Sinne das Attentat, sondern dass die Bevölkerung schlussfolgern könnte, dass es vielleicht einen Grund gibt, vor dem Islam Angst zu haben. Vor dem Islam, vor der Religion, wohlgemerkt, nicht etwa vor Muslimen allgemein, wie Rassisten das tun.
Nun sei die Politik gefordert, solche Ängste und eine wachsende Islamfeindlichkeit einzudämmen. «Sonst droht eine Spaltung der Gesellschaft», mahnte er.
Sonst droht eine Spaltung der Gesellschaft. Attentate von Jihadisten drohen nicht, oder vielleicht doch, aber das ist egal. Das Problem ist hier die Islamfeindschaft.
Wenn aber Muslime als Fremdkörper in der Gesellschaft betrachtet würden, sei die Reaktion oft eine Abkapselung. Die Islamkonferenz könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Muslime als Teil der Gesellschaft akzeptiert werden.
Juhu, wir haben eine eigene Konferenz! Die wollen wir jetzt aber behalten. Und Westergaard und seine Enkeltochter, na ja. Es sind ja gerade die Atheisten, die nicht an das ewige Leben glauben. Die paar Jahre mehr oder weniger…









