RSS

Zwei Erfolge für die Aufklärung

31 Dez

In der TU Darmstadt gibt es aktuell eine Ausstellung, die zur unkritischen Wiedergabe mormonischer Glaubenslehren dient. Ein paar Studenten der Uni haben mit mir Kontakt aufgenommen, um sich gegen diese Praxis zu wehren. Schließlich veröffentlichten sie einen kritischen Artikel darüber beim Humanistischen Pressedienst. Und nun hat sich die Uni-Bibliothek von ihrer eigenen Ausstellung distanziert. Siehe dieses Foto von einer unübersehbaren Erklärung neben dem Eingang zur Ausstellung, das mir die zwei Hauptaktivisten Paul Goergen und Nico Formanek geschickt haben:

Übrigens: Wusstet ihr, dass die Bücher und Filme zu “Twilight” oder “Bis(s) zum Morgengrauen” mormonische Propaganda sind? Autorin Stephenie Meyer betont nicht rein zufällig, wie unglaublich wichtig der mormonische Glaube für ihr Leben und Schaffen war. Schön, dass so ein trivialer, konservativ-religiöser Scheiß den Geschmack von unzähligen jungen Mädchen trifft. Vor allem, was die Elemente “ewige Treue” und “Keuschheit” angeht. Als Epikuräer protestiere ich hiermit.

Wer den extrem lächerlichen und eigentlich sehr amerikanischen Glauben der Mormonen nicht kennt: Wie bei Scientology ist auch hier eine South-Park-Folge die beste Einführung.

Der andere Erfolg ist kein allzu großer Erfolg. Na ja. Immerhin hat die Bundespolizei meine kritische Nachfrage, was sie mit christlichen Ritualen zu schaffen hat, nicht ignoriert, sondern sie auf wenig überzeugende Weise beantwortet. Hier das offizielle Antwortschreiben (PDF zum anklicken):

Christentum als Teil der Polizeiausbildung

Als Antwort auf meine ursprüngliche Anfrage finde ich das geradezu apologetisch, aber urteilt selbst. Der Witz an der Sache ist nämlich, von der bloßen Existenz eines solchen staatlich-katholischen Rituals abgesehen, dass dieser Eröffnungsgottesdienst, der mir im Verhältnis zu potenziell gläubigen Polizisten viel zu gut besetzt vorkam, dieses Jahr das erst Mal stattfand! Warum ist das so? Ob es ein Grund sein könnte, dass der Leiter des Polizeiausbildungszentrums der Bundespolizei, Thomas Lehmann, ein überzeugter Katholik ist?

Aber wenigstens wissen sie nun, dass wir uns nichts bieten lassen werden von staatlichen Missionierern. Seit dem Fall der Mauer muss man kein Parteimitglied der SED mehr sein, um als Polizist Karriere machen zu können. Muss man nun Mitglied der katholischen Kirche sein?

Ich lasse mich jedenfalls nicht von der Inquisition verhaften.

Weiterführend: Mein Artikel über eine Veranstaltung der Bundespolizei und der katholischen Kirche in Oerlenbach.

 
10 Comments

Geschrieben von am 31. Dezember 2009 in Bücher, Medienkritik, Politik, Religionskritik

 

10 Antworten zu Zwei Erfolge für die Aufklärung

  1. skydaddy

    31. Dezember 2009 at 02:58

    Zur Antwort der Polizeiseelsorge:

    Zu der Formulierung in der Antwort, bei der Bundespolizei seien je ein kath. und ein ev. Polizeiseelsorger tätig: Die dürften dort nicht nur tätig sein, sondern auch vom Staat bezahlt! Außerdem dürfte es sich um Geistliche (also nicht z.B. Psychologen) handeln, die der kirchlichen Verkündigung verpflichtet sind. Darauf hätte man angesichts Deiner Frage nach der “Zusammenarbeit” eingehen müssen!

    Der Hinweis auf die Freiwilligkeit der Teilnahme bezieht sich mit Sicherheit lediglich auf die entsprechende Vorschrift und nicht darauf, ob die Freiwilligkeit konkret bei der betreffenden Veranstaltung sichergestellt war oder nicht. (Z.B. müssten die Polizistinnen und Polzisten eigentlich auf die Freiwilligkeit hingewiesen werden.)

    Das dürfte bei der Polizei in der Praxis ähnlich problematisch sein wie bei der Militärseelsorge. Erst gestern berichtete ein Leser meines Blogs, wie er sich dieses Jahr während der Grundausbildung plötzlich ohne Vorankündigung in der umgestalteten Kantine zum “Willkommens-Gottesdienst” wiederfand. Während meiner Zeit beim Bund haben die Vorgesetzten immer gehofft und darauf hingewirkt, dass alle Landser am Gottesdienst teilnahmen – damit sie selbst während dieser Zeit niemanden beaufsichtigen mussten. Das könnte bei der Polizei ähnlich sein.

    Zum Religionsunterricht: Es gibt zwar keinen Religionsunterricht, aber der berufsethische Unterricht wird von den Polizeiseelsorgern – also Geistlichen – durchgeführt. Auf polizeiseelsorge.de heißt es:

    Die Polizeiseelsorger/innen geben berufsethischen Unterricht und führen Fortbildungseminare durch.

    Obwohl Du nach Informationen über die Zusammenarbeit gefragt hattest, ist das Antwortschreiben also bewusst so formuliert, dass darin eben diese Zusammenarbeit (und Finanzierung) nicht erkennbar wird.

    Und das zeigt, dass man bei der Öffentlichkeitsarbeit der Bundespolizei offenbar ein Interesse daran hat, diese Zusammenarbeit möglichst wenig publik zu machen. Warum wohl?

     
    • Bebu

      1. Januar 2010 at 16:50

      “Erst gestern berichtete ein Leser meines Blogs, wie er sich dieses Jahr während der Grundausbildung plötzlich ohne Vorankündigung in der umgestalteten Kantine zum „Willkommens-Gottesdienst“ wiederfand. Während meiner Zeit beim Bund haben die Vorgesetzten immer gehofft und darauf hingewirkt, dass alle Landser am Gottesdienst teilnahmen – damit sie selbst während dieser Zeit niemanden beaufsichtigen mussten. Das könnte bei der Polizei ähnlich sein.”
      –> Kenn ich. Ich bin da “gerne” hingegangen. Zumindest beim erstenmal, da es dort belegte Brötchen gab und in beheizter Stube herumsitzen angenehmer ist, als bei Herbst-/Winterkälte durch den Dreck zu gleiten.
      Aber beim zweiten Gottestdienst mußte ich hin, nur weil ich als evangelisch eingetragen war. Die katholischen Kameraden durften in der Zeit auf der Stube rumgammeln, also schlafen…

       
  2. skydaddy

    31. Dezember 2009 at 03:55

    Immerhin hast Du eine Antwort erhalten!

    Meine Anfrage beim Verteidigungsministerium bzgl. einer Gebäudesegnung” – bei der womöglich der offizielle Teil (Schlüsselübergabe) und der religiöse Teil (Segnung, offb. mit gemeinsamem Beten) nicht klar getrennt waren -, wurde bisher nicht beantwortet.

     
  3. Stefan

    31. Dezember 2009 at 08:55

    Lass doch den jungen Mädchen ihren Traum von “ewige Treue” und “Keuschheit”. Die Realität wird sie schon einholen – zumindest wenn sie auf mich treffen ;-)

     
    • Bebu

      1. Januar 2010 at 16:53

      Traum der Mädchen? Wenn ich so sehe, dass sich irgendwelche Deppenväter die Keuschheit ihrer Töchter auf großen “Purity Ball” versprechen lassen, also dass diese bis zur Ehe jungfräulich bleiben, scheint mir das doch eher der Traum einiger Männer zu sein.

       
  4. Der mit dem Glauben tanzt

    31. Dezember 2009 at 10:45

    Ich fands auch komisch: Da kommt Bella einfach in die Stadt und verliebt sich unsterblich in Edward. Sie kannte ihn noch garnicht. Sie hat nur auf sein äußeres geschaut. Sehr oberflächlich.

     
  5. Nina

    1. Januar 2010 at 00:52

    Tja, wer keine Lust hat, sich von Meyers Schreibkunst einlullen zu lassen, kann sich ja Folgendes zu Gemüte führen:
    http://asurocks.blogspot.com/2009/12/glitzervampire-quickie.html

    Die Jugend von heute sehnt sich nunmal nach gutaussehenden Typen mit Unmengen von Kohle (siehe die tollen Autos, das große Haus, etc.), der für immer in ewiger Jugend einem das Leben finanziert. Schade nur, dass die Romane so überaus grottig geschrieben sind, sonst hätte ich sie wohl romantisch gefunden.

     
    • derautor

      1. Januar 2010 at 02:28

      Ein solches Leben wäre die Hölle. Keine Ziele, keine Herausforderungen, kein Sinn. Alles schon für immer einfach da.

       
      • Nina

        1. Januar 2010 at 17:04

        Tja, das bedenkt man in romantischen Hausfrauen-Vorstellungen aber nicht. Solange man etwas nicht hat, ist es immer faszinierend.
        Man nehme allein die Vorstellung des Himmels, wo man bis in alle Ewigkeit in Ruhe und Frieden in den Wolken sitzt und ab und den Sterblichen auf Erden zulächelt durch ein Wolkenfenster.

         
  6. Bebu

    1. Januar 2010 at 16:57

    In der Antwort der Polizeit steht:
    “… und dabei unterstützt werden, im Beruf so zu handeln, wie sie es vor ihrem Gewissen und den Mitmenschen verantworten können.”
    –> Na, da hoffe ich doch mal, dass das Gewissen dieser Polizisten deckungsgleich mit den Normen unserer Gesetze ist…

     
 
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 103 other followers