Pro War Left

Was ist Links?Meine unpopulärste Meinung ist nicht einmal die Ablehnung aller Ideologien und Religionen, sondern meine Haltung zum Krieg. Gewiss ist Krieg kein anzustrebender Zustand, in dem ich gerne leben würde und meinetwegen ist er sogar das Scheitern der Politik. Aber na und? Manchmal scheitert Politik eben. Das Ergebnis ist dasselbe: Manchmal kann Krieg gerechtfertigt sein! In England wird mein Lager Pro War Left oder „Decent Left“ („anständige Linke“) genannt, das sind liberale Sozialdemokraten, die eine harte Linie gegen die erklärten Feinde der Zivilisation einschlagen.

Und wer sind die erklärten Feinde der Zivilisation? Das sind Leute, die sagen: „Wir mögen die Zivilisation nicht und wir bekämpfen sie mit Gewalt“. Zum Beispiel Nazis, Stalinisten und Jihadisten. Insofern sie nun tatsächlich für eine totalitäre Ideologie, etwa das Weltkalifat, gewaltsam kämpfen, dann ist meiner Auffassung nach Krieg gerechtfertigt, um sie davon abzuhalten. Diplomatisch sehe ich da keine Spielräume, oder höchstens strategische, weil Anhänger totalitärer Ideologien erfahrungsgemäß kein Interesse an einer „friedlichen Lösung“ haben. Eine friedliche Lösung für was eigentlich? Was wäre denn eine friedliche Lösung für das Ziel von Islamisten, ein Weltkalifat zu errichten? Nun, wir könnten aufgeben und ihnen den goldenen Schlüssel zur Stadt überreichen, aber das ist nicht mein Stil. Stalins Sowjetunion hat Waffenabkommen und Vereinbarungen, nicht in andere Länder einzufallen, immer wieder gebrochen. Ideologen schließen nur aus strategischen Gründen Verträge ab und brechen sie, wann immer es ihnen nützlich erscheint. Das schränkt auch unsere eigenen Handlungsspielräume ein und dies müssen wir endlich akzeptieren.

Klar gibt es Fälle, dass mal ein Jihadist oder ein Nazi übergetreten ist – und umso besser –  aber verlassen kann man sich beileibe nicht darauf. In der Praxis ist meine Haltung natürlich auch nicht ungefährlich. Zum Beispiel hätte ich mich nicht jahrelang vom iranischen Mullah-Regime verarschen lassen. Diese „Wir wollen keine Atombomben“-Show zieht sich schon ewig hin, ohne dass es irgendwelche Fortschritte gäbe. Und warum? Weil wir diplomatisch sind, um eine Einigung zu erzielen, obwohl es keine Einigung geben kann mit Verrückten wie Ahmadinedschad, die Schwule, Atheisten, Studenten, Frauen, Juden und einfach alle ermorden, die nicht ebenso irre und fanatisch sind wie sie selbst. Es existiert keine gemeinsame Verhandlungsgrundlage. Wir wollen komplett verschiedene, unvereinbare Dinge. Das iranische Regime will Menschen ermorden und seine Gewaltherrschaft fortsetzen und wir wollen Frieden, Demokratie und Menschenrechte für das iranische Volk (und die iranische Protestbewegung will das ja auch, wird aber niedergemetzelt und hat ohne militärische Unterstützung keine erkennbaren Erfolge erzielen können).

Bislang wurde meine Position immer wieder mit dem Neocon-Vorwurf abgeschmettert. Aber natürlich bin ich nicht konservativ und auch nicht „neo“ (sowieso Unsinn: Wie kann man „neu“ für die Bewahrung des Alten sein?). Das ist eine bloße Abwehrhaltung, um sich nicht mit der Thematik befassen zu müssen. Es ist einfacher, mich in eine „böse“ Kategorie zu stecken, als sich mit meinen berechtigten Einwänden gegen die aktuelle Politik unseres Landes auseinanderzusetzen. Wer sich zum Beispiel näher mit der Geschichte des Afghanistan-Krieges befasst hat, der weiß, welche extrem peinliche Rolle die Deutschen bislang darin gespielt haben. Es war zu Kriegsanfang unsere Aufgabe, eine funktionierende Polizei zu etablieren. Die Deutschen haben dann in Afghanistan Schulen für Polizeiführungskräfte aufgemacht, während die Straßen von kriminellen Banden eingenommen wurden. Sie hätten natürlich sofort Straßenpolizisten ausbilden müssen, aber das ist eben das Führungsprinzip, was offenbar immernoch drinsteckt. Immerhin sind wir ausnahmsweise mal auf der richtigen Seite eines Krieges.

Und nun will Guttenberg mit „gemäßigten Taliban“ verhandeln, was praktisch dasselbe ist, mit gemäßigten Nazis verhandeln zu wollen. Und er sagte, der Krieg wäre „militärisch nicht zu gewinnen“ oder mit anderen Worten: Ihr habt gewonnen, liebe Taliban. Wir freuen uns auf eure nächste Steinigung von einem 14-jährigen Mädchen. Und die SPD hat die von den USA berechtigt geforderte Truppenaufstockung (die USA hat bislang fast alles selbst finanzieren und organisieren müssen, obwohl es von Anfang an eine „multilaterale“ Operation war!) abgelehnt. Sollen die Taliban doch einfach wieder das Land übernehmen und Leute mit zu kurzen Bärten krankenhausreif schlagen.

Was mich besonders stört ist die Haltung derjenigen, die immer am lautesten nach „Internationaler Solidarität“ schreien. Die Solidarität besteht wohl inzwischen darin, sich in einem Loch zu verkriechen, während Jihadisten die Weltherrschaft an sich reißen (eine bizarre Superschurken-Idee wie aus einem Comic, aber die wollen das tatsächlich!).

Hier ein Video von zwei Vertretern der „Pro War Left“, Christopher Hitchens und Nick Cohen (ich warte schon auf Verschwörungstheorien über die fiesen Pläne der „Zionisten“. Da steckt Cohen als säkularer Jude gewiss mit drin. Leider erwarte ich sie diesmal nicht von der Rechten):

Siehe auch meinen Beitrag über Pazifismus.

Veröffentlicht in: on 21. Dezember 2009 at 23:11  Kommentare (31)  

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31 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Hmmm… das ist ein durchaus schwieriges Thema.

    Zuerst einmal würde mich interessieren, ob du bereits bist die Konsequenzen dieser Haltung auch bis zum bitteren Ende in Kauf zu nehmen.

    Wenn man z.B. in Afghanistan wirklich eine stabile Demokratie oder wenigstens etwas halbwegs akzeptables erreichen will, braucht man viel mehr Soldaten und viel mehr Geld, das auch effizient eingesetzt werden muss.
    Für die zusätzlichen Soldaten braucht man Menschen, die bereit sind sich für ein nicht mit vollkommener Sicherheit garantierbares Ziel notfalls töten zu lassen.
    Wo kriegen wir diese Menschen her? Besonders wo kriegen wir diese Menschen im Westen her? Gut… die wirtschaftliche Lage hat lange Zeit dafür gesorgt, dass sich die perspektivlose Menschen den Armeen angeschloßen haben. Aber auch die kapieren zunehmend, dass es nicht so toll ist, wenn man aus einem Einsatz ohne einige Gliedmaßen nach Hause kommt.
    Deshalb: Bist du selbst bereit dich für so einen Einsatz von 1 oder 2 Jahren zu verpflichten? Oder sollen das nur andere tun?

    Jetzt kommen wir zum Geld:
    Der Aufbau eine Landes wie Afghanistan würde wirklich eine Menge Geld kosten. Bist du bereit, dass unser Land dazu einen großen Beitrag leistet und dementsprechend, um nicht neue Schulden aufzunehmen mindestens kurzfristig, bis die Kredite zurückgezahlt sind, oder ggf. auch langfristig, wenn es über Kredite nicht geht, auf Leistungen des Staates zu verzichten und dich einzuschränken? Z.B. weniger Reparaturen und weniger Ausbau der Infrastruktur, weniger Sozialleistungen, weniger Bildungsausgaben… irgendetwas in der Art?

    Dann noch ein weiterer Punkt:
    Wenn wir mit Afghanistan so verfahren würden, frage ich mich, wie wir mit anderen Staaten verfahren sollen, in denen es ähnlich zu geht? An sich müßte man dort dann ähnliche Mittel einsetzen, um den dort lebenden Menschen eine Verbesserung der Lebenssituation zu ermöglichen. Nur würde man das konsequent durchziehen, hätten wir wieder die Probleme der nötigen Soldaten und des Geldes. Diesmal nur in x-facher Dimension.

    Also so nachvollziehbar und begrüßenswert ein eingeschränkter, wehrhafter Pazifismus (wenn ich die Position so mal bezeichnen darf) ist, so schwierig ist doch eine konsequente Umsetzung.

    • Das ist wirklich ein billiges Argument, dass nur Soldaten einen Krieg befürworten dürften. Gerade weil sie daran unmittelbar beteiligt sind, stellen sie gerade nicht die richtige Gruppierung dar, um die Rechtfertigung eines Krieges möglichst objektiv zu beurteilen. Außerdem dürften Kinder und Omas keine Meinung zum Thema haben, weil sie keine Soldaten sein können. Auch Journalisten dürften nichts mehr dazu sagen, ebensowenig humanitäre Organisationen.

      • Nein, das ist kein billiges Argument.

        Denn es sind praktische Folgen, die sich aus einer konsequenten Realisierung deiner Forderung ergeben:

        Woher kriegen wir die nötigen Soldaten für einen erfolgreichen Ausgang solcher Einsätze und wer bezahlt diese?

        An die nötigen Soldaten kommt man z.B. nur, wenn man eine konsequente Wehrpflicht einführt. Andere Rekrutierungswege würden enorm hohe Summen für Sold.

        Die Wehrpflicht müßte nichtmal alle treffen. Man könnte z.B. eine Lotterie durchführen nach der jeder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eingezogen werden würde. Die Lotterie würde dann so lange durchgeführt bis die Truppenstärke hoch genug ist.

        Wärst du bereit an so einer Lotterie teilzunehmen?

  2. Ich bin da ganz bei dir(Pro War Left).
    Im übrigen haben wir als Staat in Afghanistan eine Verantwortung übernommen, die wir jetzt wo es unangenehm wird nicht einfach ausblenden können.

    • Welche Verantwortung haben wir denn übernommen? Ein Großteil unser Soldaten verlässt nie das jeweilige Camp. Der Rest macht Alibipatrouillen und ist mit Eigensicherung beschäftigt.

      Diejenigen, die Verantwortung übernommen haben, sind vorlaute Politiker, die auf internationaler Bühne den großen Max machen wollten. Nur haben sie dabei vergessen, dass unsere Ausrüstung mangelhaft ist und ein großer Teil unser Soldaten für Krieg nicht geeignet ist. (Jeder der selbst mal bei dem Verein war, wird das vermutlich kennen.)

  3. Wir brauchen mehr liberale Falken.
    Allerdings dürfen die nicht das Denken einstellen, auch wenns manchmal um die Vier Ecken erfolgen muss.
    Der Grad zwischen Kampf für Freiheit, staatlicher Bevormundung und Anarchismus ist sehr sehr schmal.
    „Gut gemeint“ ist meist das Gegenteil von „gut“, man muss immer auf der Hut sein und skeptisch bleiben.

  4. @derautor

    Dazu habe ich einige Fragen an Dich: Wie stehst Du zu der Souveränität eines States? Wer beliefert die Taliban mit Waffen und wer kauft denen das Rauschgift ab?

    Und was würdest Du zu folgendem Artikel sagen http://www.novo-magazin.de/67/novo6764.htm?

    • Die Souveränität eines Staates ist mir egal. Wen hätte die Souveränität von Nazi-Deutschland interessieren sollen?

      Die Taliban wurden ursprünglich von Pakistan unterstützt, die Waffen haben sie von befreundeten Terroristen, von den Russen und von besiegten Warlords. Illegale Drogenhändler kaufen ihnen das Rauschgift ab.

      Der Artikel ist masochistische Selbstgeißelung und eine absolut unfassbare Verteidigung von Faschisten und ethnischen Säuberern wie Milesovic und Saddam Hussein, die man laut dem Autor nicht hätte bekämpfen dürfen.

      • @derautor

        „Die Souveränität eines Staates ist mir egal.“

        Ich verstehe. Das ist auch der Grund, warum es sich nicht lohnt, mit Dir zu diskutieren. Ich kenne das auch von früher, da war die DDR auch nicht von der BRD anerkannt und man hat sogar Atomraketen auf Ziele in der DDR gerichtet. Erst mit dem Einigungsvertrag wurde die DDR in der letzten Minute doch noch von der BRD anerkannt. (Ich meine, in der Bundesrepublik lagern immer noch die Atomsprengköpfe.)

        In einem Krieg sterben immer mehr Zivilisten als Soldaten, so auch im Irak. An einem Krieg verdienen nur die Waffenlieferanten, die selbst nicht kämpfen. Die Bevölkerung ist immer der Verlierer.

        In einem Land kann es nur Demokratie mit Wohlstand geben, dann haben die Menschen viel mehr zu verlieren. Wenn man arme Länder fair mit in den Welthandel einbindet und ihnen mit Bildung und Wissen hilft, gebe es weniger Kriege. Wer aber nur am Öl für lau interessiert ist, marschiert halt ein und nimmt es sich.

      • Dann wurde also der Krieg gegen Hitler auch nur geführt, damit Waffenlieferanten und Ölmultis daran verdienen können?

  5. Hmm, irgendwie kommt es immer wieder aufs gleiche heraus: Geld. Warum ist der Westen mit dem enormen Einsatz an Menschen, Material und Kapital so wenig erfolgreich in Afghanistan? Warum haben die Taliban immer noch einen so großen Zulauf? Was macht den Militärdienst bei den Taliban so interessant, dass sich irgendwelche ungebildeten Schafhirten, selbst angesichts der faktischen Bedrohung durch westliche Elitesoldaten und deren ferngelenkten Raketen, den Religionsfaschisten anschließen?

    Vermutlich die gleichen oder ähnliche Bedingungen, die vor über 70 Jahren junge Männer in Deutschland in die Hände der Faschisten getrieben haben: Warme Mahlzeiten und ein geregeltes Einkommen für Deppen, die nichts gelernt haben und sonst ihr Leben nicht in den Griff bekommen. Im Winter wird geheizt und dazu gibt es eine Ideologie, mit der selbst die dümmsten Deppen sich auf der Seite der `vermeintlichen’ Sieger fühlen können. Ob es gegen Juden, Schwule, Ehebrecherinnen, Schwarze, Ungläubige oder was auch immer geht, ist egal. Der Feind ist leicht auszumachen.

    Letztlich werden die westlichen Demokratien scheitern – zumindest droht das konkrete Scheitern – wenn man mit halbherzigen Einsatz gegen die Massen aus den untersten Schichten ankämpfen will. Das wird militärisch so nicht funktionieren.

    Erstens müssen die Geldgeber im Hintergrund verschwinden. Da dürfte man im Iran und in Saudi-Arabien an der richtigen Adresse sein. Aber Saudi-Arabien ist ein Verbündeter und der Iran ein wichtiger Geschäftspartner. Schade eigentlich. Das war es dann wohl mit dem Feldzug. Wie ist bloß die Allianz gegen Hitler zustandegekommen und warum ist das heute bei der konkreten Bedrohung durch Religionsfaschisten so viel schwieriger?

    Und gegen das dumme ideologisierte Volk helfen dauerhaft und erprobterweise nur drei Dinge: Bildung, Bildung und Bildung. Man kann ja schlecht in halb Afrika Frauen verhaften, die Mädchen beschneiden. Aber man kann – vielleicht – in halb Afrika Schulen bauen und dafür sorgen, dass Mädchen zur Schule gehen – auch Mädchen islamischer oder islamistischer Eltern. Und so kann man – langsam zwar, aber deutlich nachhaltiger – etwas verändern. Militärische Präsenz muss das absichern. Deutschland war ja auch eine Weile besetzt (Anfang des 19. Jahrhunderts durch napoleonische Truppen und Mitte des 20. durch die Alliierten). Es hat dem Land nicht schlecht getan.

  6. Ist Hitchens wirklich noch links? Er hat sich ja stark von seinen Marxistischen Wurzeln entfernt.

    • De facto ist er links, aber er sagt, dass er keiner politischen Richtung folgt.

  7. Oft sind die größten Befürworter des Militärs ja die Kriegsdienstverweigerer und die Wehrdienstunfähigen, sie kennen die Streitkräfte nur aus amerikanischen Actionfilmen…

    • Ad hominem?

      • Weshalb?
        Kriegsteilnehmer, wie z.B. Helmut Schmidt, sehen militärische Interventionen nun mal kritischer als Verteidigungsminister ohne persönliche militärische Erfahrung. Das kann man weltweit beobachten.

      • Wofür soll das ein Argument sein? Es ist auf jeden Fall kein Argument gegen meine Position.

      • Ich denke es geht darum, dass diejenigen, die schonmal am eigenen Leib die Gefahren von Krieg erlebt haben, weniger bereit dazu sind anderen Menschen ähnliche Erfahrungen anzutun.

      • @Bebu:

        „Ich denke es geht darum, dass diejenigen, die schonmal am eigenen Leib die Gefahren von Krieg erlebt haben, weniger bereit dazu sind anderen Menschen ähnliche Erfahrungen anzutun.“

        Ja klar. Deshalb sind ja auch die mit fast ausschließlich Kriegserfahrung aufgewachsenen Taliban, Warlords in Afrika und Afghanistan und ihre Anhänger die friedlichsten Menschen der Welt.
        Und erst die Leutchens im Mittleren und Nahen Osten, friedlich, das die Schwarte kracht.

        Sorry Bebu, aber das ist völliger und kompletter Quatsch, für den es nicht die Spur eines Anhaltspunktes gibt.

      • Nun, diese Menschen haben nie etwas anderes kennengelernt, selten genug eine andere Perspektive, sind vollkommen von absurden Ideologien durchtränkt, etc. etc.

        Auf Menschen, die hier im Frieden leben und die Erfahrungen von Krieg gemacht haben, trifft das sicherlich häufig genug zu.
        Genau auf diesen Umstand hat tischl angespielt, als er Helmut Schmidt erwähnt hat.

  8. Und als Ergänzung: Ich würde sogar behaupten, das Gesellschaften, die Kriegserfahrung gemacht haben, wesentlich williger sind, erneut Kriege durchzuführen, als eine Gesellschaft, die lange nur Frieden erfahren hat.
    Dafür spricht auch, aber nicht nur, unter anderem die europäische Geschichte, nicht nur der jüngsten Zeit.

    Eine Ausnahme könnte sein, wenn die Gesellschaft eine wirklich verheerende und vernichtende Niederlage erlitten hat, die ihr langfristig einen Großteil der Kapazität genommen hat.

    Mir scheint „Wer Krieg erfahren hat, ist weniger willens, welchen zu führen“ typisches Wunschdenken.

    Bzw. eine völlig unzulässige Verallgemeinerung von einigen Einzelpersonen, die sich aufgrund von Kriegserfahrungen pazifistisch engagieren.

    • Wer bestimmt denn, ob ein Krieg geführt wird? Die ganze Gesellschaft oder diejenigen, die in irgendeiner Form über sie Macht haben (d.h. gewählte Regierungen, Diktatoren, Monarchen, etc.)?

      Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diejenigen, die am eigenen Leib Kriegssituationen erlebt haben, in der Mehrheit bereit sind diese nochmal zu erleben oder ihre Kinder diese erleben zu lassen.

      Wenn dann Gesellschaften wirklich bereit dazu sind, dies nochmal oder immer wieder zu tun, mag es daran liegen, dass die nachgewachsene Generation selbst noch keinen Krieg erlebt hat und leicht beeinflussbar ist (wie z.B. vorm 1.WK), Krieg wie z.B. in den USA eher am anderen Ende der Welt stattfindet, man seit Vietnam kaum echte Kriegsbilder zu sehen kriegt und die ganze Sache einen daher kaum direkt betrifft. Zusätzlich gibt es dann noch starke Motivatoren wie Rache für 9/11, vermeintliche Massenvernichtungswaffen, etc. mit der man eine Mehrheit in der Gesellschaft für einen Krieg begeistert.

      • Ich sehe nicht, worauf du überhaupt hinauswillst. Wen interessiert es denn, ob irgendwer tendenziell für Krieg oder gegen Krieg ist? So entscheidet man doch nicht, ob ein konkreter Krieg legitim ist. Da muss man sich mit den Fällen direkt befassen.

      • Es ging doch um die Aussagen:
        „Oft sind die größten Befürworter des Militärs ja die Kriegsdienstverweigerer und die Wehrdienstunfähigen, sie kennen die Streitkräfte nur aus amerikanischen Actionfilmen…“
        und
        „Kriegsteilnehmer, wie z.B. Helmut Schmidt, sehen militärische Interventionen nun mal kritischer als Verteidigungsminister ohne persönliche militärische Erfahrung. Das kann man weltweit beobachten.“

        Um Legitimität eines Krieges ging es mir dabei gar nicht.

  9. Sorry Bebu, es bleibt trotzdem Blödsinn. Wie ist es denn mit den französischen, englischen, amerikanischen, russischen Politiker, die alle Kriegserfahrungen mit folgendem gemacht haben ? Das sind alle, alle Gegenbeispiele und das ist nur ein kleiner Teil.
    Du nimmst Dir einen Einzigen raus, der zu bestätigen scheint, was Du gerne hören möchtest und verallgemeinerst das dann einfach, alle Gegenbeispiele ignorierend. Ein sehr „gläubisches“ Verfahren.

    • Sollte natürlich „Kriegserfahrungen mit folgendem Frieden“ gemacht haben.

    • „Du nimmst Dir einen Einzigen raus, der zu bestätigen scheint, was Du gerne hören möchtest und verallgemeinerst das dann einfach, alle Gegenbeispiele ignorierend. Ein sehr „gläubisches“ Verfahren.“
      –> Gut, dann holen wir es mal aus der primitiven Verallgemeinerungsecke heraus:

      Es gibt in jedem Staat jeweils eine Bevölkerung X=(1, …,n). Jeder dieser Bürger i hat eine ganz individuelle Einstellung zum Thema Krieg unter verschiedenen Randbedingungen R=(r1, …, rm).
      Diese Einstellung hat sich aus den bisherigen Erfahrungen gebildet und entwickelt sich in der Zukunft je nach gemachten Erfahrungen weiter.

      Politiker sind auch jeweils ein Teil von X. Ggf. unterscheiden sie sich in ihrer Einstellung zum Krieg vom Durchschnitts i durch spezifische Interessen wie Machterhalt, internationalem Druck, Erfüllung von Vertragserhalt oder was auch immer. Nur kann man damit immer noch keine pauschale Aussage über alle Politiker treffen, ob sie dem Kriegführen mehr oder weniger zugetan sind. Auch nicht wenn sie Kriegserfahrungen gemacht haben.

      Meine Vermutung ist nur, dass jemand, der sich in einem Krieg wie dem 2.WK auf dem Schlachtfeld befunden hat, eine negativere Einstellung zum Krieg hat und dementsprechend seine Bereitschaft zum Erleben eines solchen Krieges geringer ist.
      Diese Bereitschaft kann sicherlich durch Faktoren wie mehr Sicherheit/bessere Stellung als Politiker im Amt, Machtstreben, geostrategische Interessen, Größenwahn, religiöser Eifer, andere Bewertung des speziellen Krieges o.ä. gesteigert werden.

      Aber zu einer pauschalen Aussage zu gunsten der einen oder anderen Richtung kommt man damit immer noch nicht.

  10. @Hendrik: „Ich kenne das auch von früher, da war die DDR auch nicht von der BRD anerkannt und man hat sogar Atomraketen auf Ziele in der DDR gerichtet. “

    Natürlich. Schließlich waren in der DDR nukleare Sprengköpfe und Bombergeschwader stationiert. DAS war der Grund dafür und nicht etwa irgendeine fehlende „Anerkennung“ oder nicht.

    „In einem Krieg sterben immer mehr Zivilisten als Soldaten“

    Keineswegs. Ob im Irakkrieg mehr Zivilisten als Soldaten gestorben sind, darf man als durchaus fraglich bezeichnen. Durch die Morde und Anschläge nach dem Krieg sind wohl die meisten umgekommen.

    „An einem Krieg verdienen nur die Waffenlieferanten, die selbst nicht kämpfen. Die Bevölkerung ist immer der Verlierer.“

    Genau. Die Engländer, Franzosen, Russen, Niederländer, Norweger wären unter den Nazis viel glücklicher gewesen. Scheißkrieg aber auch.

    „In einem Land kann es nur Demokratie mit Wohlstand geben, dann haben die Menschen viel mehr zu verlieren. “

    Das bringt nur alles nix, solange es keine Rechts- oder andere Sicherheit gibt und jede bewaffnete Bande, die nur will, den Menschen eben genau das nach Belieben wegnehmen kann.

    „und ihnen mit Bildung und Wissen hilft, gebe es weniger Kriege.“

    Und wenn die Leutchen, die genau das nicht wollen, halt Lehrerinnen umbringen und dergleichen und es mit Gewalt verhindern, dann was?

    Soviel Naivität ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.

    • „Schließlich waren in der DDR nukleare Sprengköpfe und Bombergeschwader stationiert.“

      Das ist mir neu. Soweit ich weiss, standen hier zwar Flugabwehrraketen großer Reichweite (ich stand kurz mal daneben)… aber keine Atomwaffen und keine stategischen Langstreckenbomber. Die NVA hatte keine Atomwaffen und die Rote Armee hat ihre tunlichst nicht in Deutschland aufgestellt.

      Wenn Du Quellen für Deine Aussage nennen kannst: bitte her damit!

  11. @DerAutor: Du bist übrigens in guter Gesellschaft mit Deiner Meinung. Im aktuellen ZEIT-Magazin stimmt dir Martenstein zu (na ja, nicht direkt, aber er ist Deiner Meinung.)
    Ich hab das Heft nicht da, zitiere aus dem Kopf: „Aufklärung, Religionsfreiheit und und und sind durch Kriege erreicht worden.“

  12. Schon der grosse Vorsitzende sagte: „In der Klassengesellschaft sind Revolutionen und revolutionäre Kriege unvermeidlich; es ist sonst unmöglich, in der Entwicklung der Gesellschaft einen Sprung zu vollziehen und die reaktionären herrschenden Klassen zu stürzen, damit das Volk die Macht ergreifen kann.“


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