Das schreibt Garrison Keillor mit genau diesen Worten in der “Baltimore Sun”. Sein Artikel verbindet trendige Jugendsprache mit ultra-montanistischem, erzreaktionärem Gesülze. “Weihnachten ist ein christlicher Feiertag – wenn du nicht im Club bist, dann hau ab”, verkündet er andächtig. Fuck you, Garrison.
“Wenn du nicht glaubst, dass Jesus Gott war, ok, dann schreib dein eigenes verdammtes ‘Stille Nacht’, aber lass unseres in Ruhe. Das ist eine spirituelle Raubkopie und kultureller Elitismus und wir Christen haben es uns lange genug bieten lassen. Und all diese miesen Weihnachtslieder von jüdischen Kerlen, die jedes Jahr die Einkaufszentren verschmutzen, Rudolph und die Chestnuts und der Rest von dem Dreck.”
Da scheint jemand ein Problem mit der freien Gesellschaft zu haben. Es ist nicht dein verdammter Feiertag, Garrison! Weihnachten in den USA, wie auch in Deutschland, sind staatliche Feiertage, also gelten sie für alle und jeder kann sie feiern oder nicht feiern, wie er will. Klar passt das jemandem nicht, der die christliche Weltdiktatur anstrebt, aber für alle normalen Menschen gibt es da keine Probleme.
“Feiere lieber das Julfest und tanze in Druidenroben für die Wintersonnenwende [...] aber leg dich nicht mit dem Messias an!”
Der Mann scheint ernsthaft der Meinung zu sein, dass der Glaube an den “Messias” irgendwie vernünftiger wäre als das Herumtanzen in Druidenroben. Nach dem millionsten Messias, der keiner war, sollte man einen gewissen Skeptizismus gegenüber messianischen Figuren an den Tag legen. Und wenn er wirklich der Messias ist, kann er sich hoffentlich selbst verteidigen und braucht keinen Garrison dazu. Mal abgesehen davon, sind Druidenroben sehr cool und es macht Spaß, mit ihnen um ein Feuer zu tanzen und Satan anzubeten. Das mag Garrison nur darum nicht, weil er es im Gegensatz zu mir noch nicht versucht hat.
“Mach einfach ein paar Lebkuchen und zünde drei Kerzen an und singe gemäßigt in schwachem Licht über den armen Mann, der Brenn-h-h-holz für den Winter sammelt [...]“
Erst mockiert sich Garrison über Juden und dann über arme Menschen – wenn er sich nicht gleichzeitig noch über “Elitismus” beschweren würde. Und ich mache keine scheiß Lebkuchen, wenn ich nicht will und ich sehe gar keinen Grund, warum ich drei Kerzen anzünden sollte, wenn ich kein Haschisch zum Räuchern und keine Bibeln zum Verbrennen habe.
Auch an Ralph Waldo Emerson, Unitarier und Mitbegründer des literarisch-pantheistischen “Transzendentalismus” (über den E.A. Poe sagte, er wäre “Mystizismus zum Selbstzweck”), lässt er kein gutes Haar: “Und all sein Blabla über das Hören auf die innere Stimme und nicht dem Weg folgen und seinen eigenen Weg machen und eine Spur hinterlassen und so weiter, ermutigte Menschen, die wunderbare Hausmeister hätten werden können, stattdessen kühne und innovative Wirtschaftswissenschaftler zu werden, die eine wohlhabende Universität in den Dreck wirtschaften.”
Ja, wirklich. Immer dieses “Seinen eigenen Weg gehen”, wenn man doch stattdessen dem großen Führer folgen kann. Und dann werden diese Leute auch doch Dekane, anstelle dass Jesus Christus zum Dekan ernannt wird, Unverschämtheit. Jesus Christus würde euch in den Hintern treten, wenn er könnte. Aber er ist so eingeschüchtert durch euren kulturellen Elitismus, ihr Ungläubigen, dass er sich gar nicht mehr traut, in irgendeiner Weise auf seine Existenz aufmerksam zu machen.
“Ich komme gerade aus Cambridge zurück”, stellt er un-elitistisch fest. Da habe ich noch einmal Glück gehabt. Eine Minute früher und Garrison hätte mich mit seiner Tochter im Bett erwischt.
Und da fragen die Leute, was mich an Religion stört.











apoth
19. Dezember 2009 at 23:19
Das KANN NUR eine Parodie auf Mr Garrison sein
http://www.southpark.de/clips/sp_vid_151728/
doryphoros84
20. Dezember 2009 at 17:14
Muss es nicht: “erzreaktionärem Gesülze” heißen?
Arminiastern *
20. Dezember 2009 at 17:55
du bist seltsam…
derautor
20. Dezember 2009 at 20:08
Ich bin auch süß und knuddelig – keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, dass ich der Antichrist bin.
blogsgesang
21. Dezember 2009 at 17:27
Ein kleiner, ganz anderer Beitrag zur Debatte darüber, wem Weihnachten eigentlich gehört:
http://www.blogsgesang.de/2006/12/24/prekaere-weihnachten/
Andreas Lichte
24. Dezember 2009 at 11:15
Allen Lesern von Aufklärung 2.0:
Ein Frohes Fest!
Anthroposophen können heute doppelt feiern – “Die ZWEI Jesusknaben” – vielleicht möchte der ein oder andere doch zu Rudolf Steiner konvertieren?
Wenn alle, Zitat Stefan Laurin, Ruhrbarone, “das Wort »Tannenbaum« getanzt haben” und die Kerzen runtergebrannt sind, ist es Zeit für einige besinnliche anthroposophische Gedanken:
http://perseiden.blogspot.com/2009/12/die-zwei-jesusknaben.html
“Die zwei Jesusknaben – Forschungsergebnisse Rudolf Steiners
Heute ist das Weihnachtsfest in seiner wahren Bedeutung immer weniger Menschen zugänglich. (…) Nur die geisteswissenschaftliche Forschung kann den Menschen heute noch den Zugang zu den Evangelien in einer Weise vermitteln, der heutigen Bewusstseins-Ansprüchen gerecht wird. Rudolf Steiners Erkenntnisse in Zusammenhang mit dem Weihnachtsgeschehen sind dafür ein Beispiel:
zitiert nach “AnthroWiki” http://wiki.anthroposophie.net/Die_zwei_Jesusknaben
Die zwei Jesusknaben
Durch seine geisteswissenschaftlichen Forschungen kam Rudolf Steiner zu der Ansicht, dass zur Zeit der Zeitenwende nicht einer, sondern zwei Jesusknaben geboren worden sind, der nathanische und der salomonische Jesus, die beide dem Geschlecht Davids entstammen (…)”
räuchergefäss
15. Februar 2010 at 21:27
Ähm… in Druidenroben ums Feuer tanzen und Satan anbeten?
What the f… – seit wann beten Druiden Satan an?!
Oder meinst du die halbwüchsigen Satanisten waren mal wieder pleite und haben den Druiden die Roben geklaut?