Der Religionswissenschaftler Stephen Prothero nennt sich einen “verwirrten Christen” und verwirrt ist er ganz bestimmt. In einem der aktuell trendigen Beiträge gegen die Neuen Atheisten wünscht er sich nette, atheistische Frauen als Sprecher der Bewegung statt diese übellaunigen “weißen Männer” Dawkins, Hitchens und Harris.
Es fällt auf, wie häufig er betont, dass die bekanntesten Neo-Atheisten eine weiße Hautfarbe haben. Ganze drei Mal weist er in seinem kurzen Text auf diesen Umstand hin. Warum? Wahrscheinlich, weil es in den USA bereits politisch inkorrekt ist, auch nur eine weiße Hautfarbe zu haben. Das ist den postmodernistischen Cultural-Studies-Professoren zu verdanken, die US-Colleges erfolgreich unterwandert und dort ihre rassistischen Tiraden gegen “reiche, weiße Männer” losgeworden sind. Diese Sorte Mensch sei von Natur aus bereits ein Unterdrücker von Minderheiten, ein Kriegstreiber und Sklavenhalter. Hitler war ja auch ein weißer Mann. Ein Zufall?
So, also wir Atheisten dürfen keine weißen Männer sein. Prothero (der die Frechheit besessen hat, eines seiner Bücher nach dem Klassiker American Jesus von der antireligiösen Punk-Band Bad Religion zu nennen) unterscheidet zwei Strömungen, in die Atheisten angeblich aufgeteilt wären. Eine davon will Religion zerstören und Idioten aufklären und die andere sieht Atheismus als eine von vielen Positionen und fordert Toleranz und gleiche Rechte. Diese beiden Positionen widersprechen sich zwar nicht unbedingt und werden oft von den selben Vertretern geteilt, aber wozu auch Logik und Recherche, wenn man einfach ohne großen Aufwand auf der Anti-Neoatheisten-Welle mitschwimmen kann.
Prothero hat einen Atheistenkongress besucht und war besonders angetan von unseren Frauen, die so viel einfühlsamer und sanfter für den Atheismus werben würden als diese wütenden, weißen Männer. Die Sprecherin Amanda Gullege erzählte zum Beispiel von ihren Kindern, die sich auch ohne Gott ethisch verhalten und von den Kindern christlicher Eltern, die sich weigern, mit den Atheistenkids zu spielen, weil sie Jesus nicht als ihren Freund und Erlöser anerkennen. Solche herzzerreißenden Geschichten hört sich Prothero offenbar lieber an als rationale Argumente.
Nun vergleicht er diese freundlichen Damen mit Michel Onfray, der meinte, dass Apostel Paulus impotent war und mit Christopher Hitchens, der den protestantischen Reformer John Calvin als “Sadist, Folterer und Mörder” brandmarkte. Nun könnte man natürlich anmerken, dass es sich hier um überprüfbare Behauptungen handelt, die entweder wahr oder falsch, aber nicht “unfreundlich” sind, aber damit wäre Prothero als Wissenschaftler wohl überfordert.
Seine eigenen Bemerkungen über “weiße Männer” waren rassistisch und bescheuert (Prothero ist, wie die meisten Postmodernisten, ja selbst weiß) und sein weibliches Idealbild ist antiquiert und falsch. Das hat er sich dann auch von der Neoatheistin Amanda Marcotte anhören können. Sie hat geschrieben, dass Protheros Liste am Ende des Beitrags von “guten” Atheistinnen “fucking insulting”, also verdammt beleidigend sei.
Ich sehe nicht, inwiefern Susan Jacoby oder Julia Sweeney in ihren Herangehensweise irgendwie anders wären als Sam Harris oder Richard Dawkins. Jacoby hat beizeiten eine knurrende Verachtung für unvernünftige Leute, die Dawkins wie eine Miezekatze aussehen lässt und Sweeney bekommt darum so viel Gelächter, wenn sie sich über religiöse Behauptungen lustig macht, weil diese so völlig zusammenhanglos sind. Die einzige Möglichkeit, wie man behaupten könnte, dass sie netter sind, besteht darin, die Frauenstimmen gar nicht zu kennen und zu meinen, dass man sie leichter von der Hand weisen kann.
Marcotte argumentiert, dass sich Gläubige wie Prothero darum Frauen als Sprecherinnen des Atheismus wünschen, weil man die nicht ernst nehmen muss und weil sie stärker daran interessiert wären, zu gefallen, als persönliche Präferenzen von Tatsachenbehauptungen zu unterscheiden. Nun, da hat Prothero Pech gehabt, denn uns wütende, weiße Männer wird er so schnell nicht los und unsere Frauen entsprechen keineswegs seinem viktorianischen Ideal, sondern sie sind bissige Raubkatzen (vor allem Ophelia Benson, die es schafft, noch häufiger zynisch zu sein als ich), vor denen er genausoviel Angst haben sollte wie vor uns.
Hier ein Streichquartett-Cover des Punk-Songs:










Der mit dem Glauben tanzt
9. Dezember 2009 at 19:54
Richtig so!
Qoe
10. Dezember 2009 at 14:06
Warum muss ich nur die ganze Zeit an ZomGitsCriss denken??
Eine total nette, sanfte und harmlose Atheistin, die immer herzerweichende Geschichte erzählt!
Wie z.B. in diesem Video:
http://www.youtube.com/user/ZOMGitsCriss#p/u/35/OZF5uQfpbDs
AndreasK
14. Dezember 2009 at 10:01
Ich kanns nicht lassen… jetzt muss ich grade doch nochmal kommentieren: Das Argument, die neuen Atheisten (in Deutschland) sollten weniger unsexy als bisher auftreten, finde ich gut und habe ich hier in einem Artikel verwurstet:
http://tina-andi.blogspot.com/2009/08/was-alice-schwarzer-und-die-neuen.html
Natürlich, ohne zu wollen, dass der neue Atheismus etwas von seiner Bissigkeit verliert. Aber ein paar Mädels mit Kurven nach vorne zu stellen, wäre reines Marketing. Und zwar gutes, wenn ich mich fragt ;o)