Schweiz verbietet Lenin-Statuen

Lenin-Statue

Muammar al-Gaddafi hat der Schweiz gestern offiziell den Nobelpreis für Intoleranz verliehen. „Die Schweiz ist das intoleranteste Land auf der ganzen Welt“, sagte der lybische Diktator am Montag auf einer Pressekonferenz in seinem aufblasbaren Zelt. „Sie haben meinen Jungen eingesperrt, nur weil er seine Schweizer Sklaven für ihren Ungehorsam auspeitschen ließ.“ Heute stellte die Schweiz erneut unter Beweis, dass Hitler in Wirklichkeit gar nicht aus Österreich kam, als sie nach dem Minarett-Verbot auch noch den Bau gigantischer Statuen des einflussreichen und bei einer Minderheit überaus beliebten Politikers Wladimir Iljitsch Uljanow untersagte.

„Das ist das schlimmste Ereignis seit dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls“, sagte der kubanische Präsident Raúl Castro Ruz zum Lenin-Verbot in der Schweiz. Bundestagspräsident Norbert Lammert  kritisierte die direkte Demokratie der Schweiz mit einem Schiller-Zitat: „Der Pöbel hört nie auf, Pöbel zu sein, und wenn Sonne und Mond sich wandeln“ und fügte hinzu: „Das Volk sollte nicht mehr wählen dürfen, weil es sonst noch etwas entscheidet, das mir nicht gefällt.“ Der Schriftsteller David Kermani warnte vor einem „Aufklärungsfundamentalismus“, der sich letztlich gegen den Kommunismus selbst richte.

Der französische Präsident Nicholas Sarkozy widersprach: „Kommunisten passen nicht zu unserer nationalen Nationalität.“ Hu Jintao, der chinesische Präsident, stimmte in diesem Punkt mit Sarkozy überein – „nur mit ‘Franzosen’ statt ‘Kommunisten’ in dem Satz“ – er verurteilte allerdings dessen Aufforderung zu „brüderlichem Respekt“: „Es wird keine Verbrüderung mit dreckigen Imperialistenschweinen geben.“ Auf den Einwand von Ex-Kommunisten, Lenin-Statuen wären ein kommunistisches Herrschaftssymbol, antwortete der chinesische Präsident: „Lenin war ein bedeutender Theoretiker, aber nicht so bedeutend wie unser großer Führer Mao Zedong. Lenin-Statuen sind kein Herrschaftssymbol, das ist nur imperialistische Propaganda, sie sind vielmehr ein Symbol für den Frieden, für Toleranz und Menschenrechte und für Frieden und Toleranz und für das ganze andere Zeug, das euch dreckigen Kapitalistenschweinen so viel wert ist.“

Als Reaktion auf das Lenin-Verbot rief der Präsident der Liga der Kommunisten, Gasmi Slaheddine, seine kommunistischen Genossen in der Schweiz zur Gründung eines Kommunistischen Zentralkomitees in der Schweiz auf: „Um unsere Klasse und den Internationalismus zu verteidigen, müssen wir in der Schweiz ein kommunistisches Zentralkomitee gründen. Die Zeit ist gekommen, dass wir unsere Rechte verteidigen, die Rechte einer Minderheit, die mit Füssen getreten werden. Vor allem das Recht, ein fremdes Land zu besetzen und es mit unserem neuen Zentralkomitee zu regieren. In fünf Jahren ist mein neuer Turnschuh fertig.“

Der nordkoreanische Präsident Kim Jong-Il und der untote Geist seines offiziell noch immer regierenden Vaters Kim Il-Sung, beriefen den Schweizer Botschafter ein, um sich über das Lenin-Verbot zu beschweren. „Wir betrachten das Verbot als eine schwere Verletzung der Menschenrechte. Es gefährdet die Religionsfreiheit und Frieden und die Toleranz und die Menschenrechte und die Religionsfreiheit“, sagten sie heute in einer Pressekonferenz, „und die Toleranz“. Der Botschafter konnte der Einladung des norkoreanischen Präsidenten allerdings nicht Folge leisten, weil ihm Kim Jong-Il letztes Jahr bei einer Privatfeier von einem Bären die Arme hatte abreißen lassen. Als er nicht aufhören wollte zu schreien, sah sich „unser großer Führer“, wie das nordkoreanische Volk seinen Präsidenten liebevoll nennt, dazu gezwungen, dem Schweizer Botschafter mit einer Doppelaxt den Kopf abzuhacken und ihn vor dem Palast auf einem Stock aufzuspießen.

Auch der evangelische Bischof Michael Bünker kritisierte das Lenin-Verbot: „Wenn die Schweizer erfolgreich die Herrschaftssymbole einer irrationalen Ideologie verbieten würden, dann müssten sie ja auch unsere schönen Kirchtürme verbieten.“ Bünker kritisierte außerdem die ideologiekritischen Neuen Aufklärer: „Es gibt einen aggressiven Aufklärungsismus, der sagt, Leninismus im öffentlichen Raum ist schädlich, er soll Privatsache sein. Damit täte sich die Gesellschaft nichts Gutes. Denn dann müsste ja auch Religion Privatsache sein. Soweit kommt es noch.“

Veröffentlicht in: on 8. Dezember 2009 at 20:01  Kommentare (6)  

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6 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Kaum zu glauben…

    Großartig persifliert! :)

    Frank Kalder (Haplif & Haplifnet)

  2. Super Text! You made my day…

    Dass Kermani solch Griff ins Klo gelingt hätt ich nicht erwartet. Ich bin ziemlich entsetzt.

  3. Ja, schön geschrieben. :)

  4. Jetzt wird man schon verspottet, wenn man seine Sklaven verprügelt.

  5. Haha! Und am Ende noch mal ein Hieb auf die Religionen an sich. Köstlich! :)

  6. Sehr schöner Text.

    Was man aber bei einigen der Links zu lesen kriegt…

    Z.B. das hier im Interview mit Bischof Michael Bünker:
    „Aber die sind ebenso Missbrauch von Religion. Der Mörder von Theo van Gogh (niederländischer Filmregisseur, 2004 in Amsterdam ermordet) gilt als Islamist, er hat aber nie den Koran gelesen. Der Islamismus ist nicht im Islam begründet, genauso wenig wie die Hexenverbrennungen und die Kreuzzüge im Christentum.“
    –> Da frage ich mich doch, ob er je seine Bibel gelesen hat. Denn Hexenverbrennungen und Kreuzzüge kann man problemlos aus dem AT ableiten.


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