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Ein Neger-Kind?

19 Nov

Bitte etikettiere mich nicht. Lass mich aufwachsen und meine eigene Entscheidung treffen.

Die britische Buskampagne geht in die letzte Runde. Nun hängen Dawkins und co. in England Plakate auf, auf denen dazu aufgerufen wird, Kinder nicht mit den Weltanschauungen ihrer Eltern zu etikettieren. Es gibt keine “christlichen Kinder”, keine “muslimischen Kinder” und keine “atheistischen Kinder”. Schließlich gibt es auch keine “marxistischen Kinder” und keine “kapitalistischen Kinder”. Die Kids suchen sich im Laufe der Zeit ihr eigenes Weltbild aus. Vereinnahmt sie nicht für eure jeweilige Weltsicht!

Natürlich werden Gläubige das trotzdem machen. Ich habe mit einem Evangelikalen darüber geredet, ob er nicht vielleicht aufhören sollte, seine Kinder zu indoktrinieren oder sie wenigstens nicht mehr als “Christen” zu etikettieren. Seine Antwort: “Aber Jesus ist doch so toll, warum sollte ich meinen Kindern nicht von ihm erzählen?” Und das war noch ein sehr liberaler Evangelikaler.

Aber selbst wenn es religiösen Eltern zunächst egal sein wird: Sobald “christliches Kind” so klingt wie “Neger-Kind”, werden sie sich besser ein wenig zurücknehmen.

 
5 Comments

Geschrieben von am 19. November 2009 in Politik, Religionskritik

 

5 Antworten zu Ein Neger-Kind?

  1. Weltbürger

    19. November 2009 at 15:56

    Theoretisch ein lobenswerter Vorsatz.
    Praktisch sind erzieherische Neutralität und Weltanschauung der Eltern wohl nicht hundertprozentig zu trennen. Ein Atheist wird seinem Kind auch die Unvernunft des Glaubens deutlich machen. Wenn auch nur unterschwellig.

     
    • Bebu

      19. November 2009 at 17:42

      Wirklich? Es scheint ja auch möglich zu sein, dass man (Klein)Kinder davor schützt, nicht mit sexuellen Inhalten in Kontakt zu kommen. Warum sollte es dann nicht möglich sein, bei bestimmten Weltanschauungsfragen ähnlich zu warten, bis sie alt genug sind, um diese zu verstehen?

      Zentrale, grundlegende ethische Inhalte, die allgemein fast komplett geteilt werden, können meines Erachtens auch weiterhin vollkommen weltbildfrei vermittelt werden.

       
  2. Andreas P

    21. November 2009 at 19:46

    Dass “Werte” etwas seien, was vermittelt werden müsse, ist ein alter Irrtum: “Fairness” ist ein Konzept, das schon bei kleinsten Kindern angelegt ist. Vermittelt werden kann allenfalls die Wertschätzung für bestimmte Güter, Einrichtungen, Errungenschaften, usw. Fairness kann man natürlich einüben und fördern – am besten, indem man sie vorlebt.

    Und natürlich gibt es die sogenannte “Moral”, die keine ist, weil sie nicht vom fairen Ausgleich widersprechender legitimer Interessen handelt, sondern aus den Glaubensneurosen einzelner (und seien sie eine Mehrheit) Verhaltensvorschriften für das Privatleben anderer herleitet.

    Dass Kinder mit dem Weltbild ihrer Eltern konfrontiert werden, liegt in der Natur der Sache – und geht ja auch bei Indoktrinationsversuchen in einer offenen Gesellschaft (!) mit schöner Regelmäßigkeit nach hinten los. Kinder kriegen von ihresgleichen schnell mit, was normal ist und was nicht – und spätestens als Jugendliche spielt das (letztlich selbstgesuchte) Umfeld Gleichaltriger eine größere Rolle als das Elternhaus.

    Natürlich werden viele Jugendliche religiös werden. Und viele atheistisch. Aus welchen Gründen, aufgrund welcher Einflüsse und Überlegungen auch immer. Das ist nicht der Punkt.

    Worum es geht, ist, Kindern nicht religiöse Bekenntnisse zuzuordnen. Kaum auf der Welt, ist das Kleinkind schon ein Protestant – auch wenn es das Wort nicht mal aussprechen kann. Von früh auf wird ihm klargemacht, dass es bestimmte Dinge zu glauben und bekennen hat. Es wird in eine passende Gruppe eingeordnet, und die anderen, die mit dem anderen Stempel, das sind die anderen, die was falsches glauben. Was auch immer zufällig das Weltbild der Eltern seien soll – von Kindern wird nicht nur privat, sondern eben auch in der Schule usw. deutlich erwartet, sich in die Gruppe der Anhänger dieses Weltbildes einzuordnen und einzufügen. Sich zu einem “Glauben” zu bekennen, den kritisch zu prüfen, zu hinterfragen, oder auch nur grob zu verstehen, es nie Gelegenheit und intellektuelle Voraussetzungen gehabt hat.

    Kindern Glaubensüberzeugungen (im Sinne eines kompletten Weltbildes) zuzusprechen, ist im allgemeinen absurd. Viele werden sie auch weiterhin von ihren Eltern aufgeschwatzt bekommen. Worum es geht, ist das Umfeld – das nicht mehr so tun soll, dass die Kinder diesen Krams wirklich zu glauben und zu vertreten haben, ganz selbstverständlich, und ohne die Möglichkeit einer eigenen Wahl.

    Klar – wenn Kinder und Jugendliche mitbekommen, dass die lokal vorherrschende Religionsvariante nur eine von vielen Tausenden ist, denen allesamt nur gemein ist, dass ihnen jegliche empirische Basis fehlt – dann ist zu erwarten, dass die Religionen und ihre Vertreter nicht mehr so sonderlich ernst genommen werden.

    Und das wäre letztlich doch ein sehr begrüßenswerter Fortschritt.

     
  3. Tim

    26. November 2009 at 02:34

    Warum sollte “christliches Kind” jemals so klingen wie “Neger-Kind”? Ist das etwa erstrebenswert? Sicher nicht. Auch wenn wir mit der Position eines Menschen nicht übereinstimmen, gibt uns das kein Recht, ihn deswegen zu diskriminieren. Und erst Recht nicht seine Kinder. Schade, bis zu diesem Satz fand ich das den besten Beitrag, den ich bisher in diesem Blog gelesen habe…

     
    • derautor

      26. November 2009 at 13:15

      Das ist ein Missverständnis. Der Punkt ist ja gerade der, dass “Neger-Kind” – berechtigterweise! – einen schlechten Klang hat. Man nennt Kinder nicht so und in diesem Sinne sollte das bei “christliches Kind” auch verlaufen.

       
 
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