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Familienministerium hält sich für unqualifiziert

12 Nov

Homöopathin bei der Arbeit

Und natürlich ist es auch unqualifiziert. Aber dass sich unser Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend selbst für unqualifiziert hält, erstaunt dann schon ein wenig. Die Nominierung der Homöopathen ohne Grenzen für den Deutschen Engagementpreis ist bei Wissenschaftlern auf Kritik gestoßen. Die Antwort des Ministeriums ist unfassbar.

Der Wissenschaftsblogger Jörg Rings hat dem Ministerium eine Mail geschrieben, in der er Kritik übt an der Nominierung, hier ein Auszug:

Ich muss nun aber leider meine tiefe Erschütterung über den 20ten Nominierten, den Verein “Homöopathen ohne Grenzen”, ausdrücken. Homöopathie ist eine dogmatische Methode, deren Ideen der Heilwirkung jeglicher physikalischer, chemischer und medizinischer Erkenntnis überragend widersprechen. Nichtsdestotrotz ist Homöopathie in wissenschaftlichen Studien oft und rigoros untersucht worden. Die Ergebnisse aller Studien nach dem höchsten klinischen Standard mit doppelter Verblindung und Kontrollgruppen hat gezeigt: Homöopathie ist unwirksam. Es gibt keinen vernünftigen Zweifel, dass Homöopathie nichts weiter ist als Wasser oder Zucker und etwaige Wirkung nur über den Placebo-Effekt oder unspezifische Effekte zeigt.

Der Verein Homöopathen ohne Grenzen geht in arme Länder oder Katastrophengebiete und bildet dort z.B. Krankenschwestern in diesen Techniken aus. Es lässt sich sogar ablesen, dass damit Menschen die an schwersten Krankheiten wie AIDS leiden, mit homöopathischen Mitteln versorgt werden. Es wird nicht darauf verzichtet, auf die teure, übermedikamentierende Schulmedizin hinzuweisen – als ob nicht jeder Dollar für unwirksame Heilmittel zusätzliche Geldmittel abgraben würde. Die guten Intentionen zählen hier für mich nicht – ich finde dieses Vorgehen zutiefst widerlich und möchte nochmals meine Fassungslosigkeit ausdrücken, solch einen Verein für diesen Preis nominiert zu sehen.

Das Ministerium hat ihm geantwortet. Bei aller scheinbaren Neutralität und Überlegenheit offenbart es seine zugrundeliegende Ideologie:

Sie drücken Ihr Missfallen über die Nominierung des Vereins Homöopathen ohne Grenzen e. V. für den Deutschen Engagementpreis aus und begründen dies mit der wissenschaftlichen Ablehnung der Homöopathie. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) kann jedoch keine Aussage zu inhaltlichen Aspekten der Homöopathie treffen bzw. in die Kontroverse um den Stellenwert der Homöopathie eintreten.

[...]

Alle im demokratischen und freiheitlichen Gemeinwesen vertretbaren Inhalte des Engagements sind willkommen und dürfen nach unserer festen Überzeugung nicht ausgeklammert werden, soweit andere fachliche Überzeugungen bestehen.

Wie Jörg richtig anmerkt, stellt man sich die Frage, warum das Ministerium eigentlich meint, nicht in die “Kontroverse” um den Stellenwert der Homöopathie eintreten zu können. Unsere Regierung sollte sich für das Wohl der Bürger einsetzen, indem sie wissenschaftsbasierte Medizin unterstützt. Es ist ihre Pflicht, genau das zu tun, was sie nicht tun will.

Außerdem ist diese “Kontroverse” in etwa so kontrovers wie die “Kontroverse” um die Schöpfung der Erde in sechs 24-Stunden-Tagen. Also gar nicht. Homöopathie ist wirkungslos. Das ist die offizielle wissenschaftliche Position zu der Frage. Und wie könnte sie auch nicht wirkungslos sein, basiert sie doch auf der Verabreichung von Wasser. Die darin befindlichen “Wirkstoffe” (krankheitsauslösende Gifte, steht sogar auf Wikipedia: “Viele in der Homöopathie als Ursubstanzen verwendete Stoffe sind giftig oder können aufgrund ihrer Herkunft und Weiterverarbeitung gesundheitsschädlich sein” ) sind so stark verdünnt, dass sie praktisch nicht mehr vorkommen. In homöopathischen Mitteln befinden sich so viele Wirkstoffe wie Urin von Til Schweiger in unserem Trinkwasser.

Nun besitzt das Familienministerium die Frechheit, den wissenschaftlichen, in unzähligen Studien bestätigten, Konsens, dass Homöopathie wirkungslos ist, als eine “andere fachliche Überzeugung[...]” zu bezeichnen. Klar, Phrenologie und Aderlass sind auch nur zwei von vielen, offenbar gleichwertigen “fachlichen Überzeugungen”. Und mit dieser Stellungnahme greift das Familienministerium dann doch explizit in die “Kontroverse” ein und stellt sich auf die Seite der Wahrheitsrelativisten, die jede Überzeugung für absolut gleichwertig halten und die nicht an die objektive Realität glauben.

Man stelle sich vor, Bauer Hans möchte Nahrung für den Winter in seiner Scheune lagern. Er ist durch die Lektüre eines alten Buches jedoch zu der Überzeugung gelangt, dass er nur eine magische Formel aufsagen müsse, woraufhin sich die Scheune von selbst mit Nahrung fülle. Als ihn die anderen Bauern deswegen auslachen, weist er sie darauf hin, dass es nur ihre fachliche Überzeugung sei, dass eine magische Formel nicht die selbe Wirkung habe wie das manuelle Befüllen der Scheune und dass seine eigene fachliche Überzeugung auf Magie setzt. Nun schaltet sich das Familienministerium ein und sagt: Der Bauer hat recht. Magie oder Handarbeit sind nur zwei von vielen fachlichen Überzeugungen. Die anderen Bauern lachen ihren Kollegen nicht mehr aus, weil die Regierung, die für ihr Wohl arbeitet, schließlich bestätigt hat, dass an der magischen Formel so viel dran ist wie an der klassischen Methode. Also setzen sie sich in die Wirtschaft und trinken Bier, während es Winter wird. Als sie schließlich Futter für die Tiere brauchen, stellen sie sich vor ihre Scheune und sprechen die magische Formel von Bauer Hans. Sie funktioniert nicht und alle verhungern.

Danke dafür, Familienministerium!

Und bitte stimmt für die Sozialhelden ab, falls noch nicht geschehen. Die Homös haben nämlich gezeigt, dass sie ihre Anhängerschaft mobilisieren können.

 
16 Comments

Geschrieben von - 12. November 2009 in Medizin, Wissenschaft

 

16 Antworten zu Familienministerium hält sich für unqualifiziert

  1. Bebu

    12. November 2009 at 14:17

    Tja, was soll man auch von einem Ministerium erwarten, dass einerseits das neue Rammstein-Album indizieren läßt, weil es u.a. angeblich zu ungeschützten Geschlechtsverkehr in Zeiten von AIDS animiert, aber gleichzeitig in Erziehungsfragen mit den Großkirchen, also auch der Papstkirche, eng zusammenarbeitet, obwohl die Papstkirche gerade gegen geschützen Geschlechtsverkehr ist.

    Der Wahn- und Irrsinn scheint dort halt System zu haben, weshalb es mich nicht wundern würde, wenn man dort einen Spinner finden würde, der dein Bauernbeispiel durchziehen würde.

     
  2. Gondlir

    12. November 2009 at 15:33

    Naja, die Katholische Kirche ist generell gegen solch schmutzige Dinge wie Geschlechtsverkehr – vor allem, wenn’s auch noch Spaß macht! Nur wenn sich dieser zur Vermehrung vor allem der Katholiken nicht vermeiden läßt, dann läßt man ihn wohl oder übel (im Dunkeln) zu. Damit jener Geschlechtsverkehr dann auch den oben erwähnten Zweck erfüllt, muß jegliche Verhütung natürlich verboten werden. Also, eigentlich sehr konsequent, aber so etwas von lustfeindlich und weltfremd!
    Und daß Frau von der Leyen keine Ahnung hat, ist ja nun wirklich nichts Neues. Das Ministerium hätte nur früher schon mal einsehen sollen, daß es auch hinsichtlich Netzpolitik und Internetsperren unqualifiziert ist.

     
    • Oberclown

      14. November 2009 at 21:51

      Moment, die Aktion mit Internetsperren war das kompetenteste, was von der Leyen getan hat. Ohne das hätten bestimmt nicht etwa 2% derer, die zur Wahl gegangen sind für die Piraten gestimmt. Und die Piratenstimmen kamen von leuten, die sonst wohl eher das linke Lager gewäht hätten, als schwarz gelb. Das heißt, man hat damit locker flockig den rot – rot – grünen im Summe bestimmt ein Prozent stimmen gekostet, die von der 5% Hürde hinweggerafft wurden. Das ist strategisch sehr geschickt gewesen. Dass es nicht um den Inhalt kling sieht man schon daran, dass nach der Wahl niemand mehr ein Interesse an den Internetsperren hatte.

       
  3. doryphoros84

    12. November 2009 at 17:17

    Ich hab schon vor einiger Zeit für “Sozialhelden” gestimmt, bin von ihrgend jemand darauf aufmerksam gemacht worden – hast du schon mal darüber geschrieben! – egal.
    Jetzt haben diese Spinner das Ranking Ergebniss “unsichtbar” gemacht, um die Spannung zu erhalten ob wir in einer Welt voller Idioten leben, oder ob sie nur halbvoll ist – weiß jemand wie man die Ranking Ergebnisse wieder sichtbar machen kann?

     
    • rolak

      12. November 2009 at 17:35

      Außer warten bis Montag fällt mir da nix ein – die Daten werden ja nicht etwa übertragen und nur vom browser verschwiegen.

       
      • Bebu

        13. November 2009 at 00:26

        Ich frage mich da ja fast, ob da nicht generell etwas verschwiegen werden soll. Denn welchen nachvollziehbaren Grund gäbe es plötzlich für diese Geheimniskrämerei?

         
  4. buchstaeblich

    12. November 2009 at 18:22

    Wenn das Familienministerium begriffe, dass es prinzipiell unqualifiziert ist, wäre ja eigentlich alles gut. Oder zumindest einiges besser.

     
  5. Stefan

    12. November 2009 at 18:52

    Ach Gott, in was für Zeiten leben wir…Einfach traurig…verwunderlich wie die BRD mit so einem kolossalen Haufen von Inkompetenz auf dem Rücken noch auf den Beinen bleibt!!!

     
  6. Arne

    12. November 2009 at 20:04

    Die Mutterkreuzträgerin im Ministerium wird vermutlich auch bestätigen können, dass Weihwasser hilft. Grundsätzlich – und gegen alles.

     
  7. Stefan

    12. November 2009 at 20:50

    Klasse Beitrag und coole Aktion auch von Jörg!

     
  8. buchstaeblich

    12. November 2009 at 20:50

    Die Bürger der ehemaligen DDR haben damals ihre Montagsdemos veranstaltet, um der Sache, die sie nicht wollten, ein Ende zu bereiten. Wieso geht hier und jetzt niemand demonstrieren? Geht es Deutschland trotz allen Irrsinns noch immer zu gut?

     
    • Nic

      13. November 2009 at 06:51

      Willst Du eine ehrliche Antwort auf Deine Frage?
      “Ja”

      Vermutlich wird Frau v.d.L. auch die Haushaltslöcher besprechen und die Türen der Tresore mit Weihwasser besprenkeln…

      Fragst Du Dich ernsthaft, weshalb niemand protestiert gegen die staatliche Verblödung? Ich nicht mehr: schließlich wurde diese Truppe seltsamer Gestalten gerade erst gewählt. Von einem Volk, dass sich offensichtlich gern verblöden lässt.

      Hirtenstadt ist überall…

       
  9. Zverov

    13. November 2009 at 08:06

    Und die Krönung des Ganzen: von der Leyen war während der Koalitionsverhandlungen als Gesundheitsministerin im Gespräch. Dolle Wurst.

     
  10. GZ

    13. November 2009 at 19:01

    Etwas off, aber auf dem Bild ist keine Homöopathin, sondern höchstens ne Naturheilerin, aber eher ein Naturheiler. In nem Kräuterextrakt kann’s schon ein paar Wirkstoffe haben, aber die haben natürlich auch so ihre Nebenwirkungen :-)

     
  11. adulto

    14. November 2009 at 08:46

    Bin mal gespannt, wann die anderen neuen und alten Minister ihre Unfähigekeit derart zur Schau stellen. Das Familienministerium ist auf jeden Fall schwer zu toppen.

     
  12. sarahblogging

    14. November 2009 at 09:18

    Ohne die Ernährungsgewohnheiten oder den Medikamentenkonsum von Herrn Schweiger zu kennen und ihm zu nahe treten zu wollen, ist es wohl 100%ig sicher, dass sein Urin mehr Giftstoffe enthält, als ein homöophatisches Medikament *g*

     
 
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