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Es gibt kein Gottes-Gen

28 Okt

Bengston_2009_longitudinal_transmission

Ich hatte mal wieder recht! Diesmal mit der Behauptung, dass Religiosität nicht in der menschlichen Natur, also nicht in unseren Genen liegt. Dies zeigt eine neue Studie sehr deutlich auf, die Michael Blume ignorieren wird. Die Studie umfasst 3000 Kalifornier über einen Zeitraum von 30 Jahren mit vier Generationen. Die Großeltern waren sehr religiös und ihre Enkel viel weniger religiös. Ergo: Religiosität wird nicht genetisch vererbt.

Aus der Vorstellung der Studie von Epiphenomenon (meine Übersetzung):

1971 sagten nur 5% der zweiten Generation (Eltern), dass sie konfessionell ungebunden sind. 2001 waren 33% der selben Generation ungebunden. In der vierten Generation waren es 37%.

Im Jahre 2000 waren die Großeltern weniger religiös als 1971. Eltern sind heute weniger religiös als damals. Und die neue Generation (Generation 4) ist am wenigsten religiös.

Also hatten die Gläubigen mit jeder Generation mehr Nachwuchs. Und doch gab es immer weniger!

Dieses Paradoxon lässt sich natürlich leicht auflösen. Obwohl es eine kleine genetische Komponente gibt, die einen für Agnostizismus und Atheismus prädisponiert, sind es tatsächlich soziale Phänomene. Religionsfreiheit wird nicht vererbt. Sie ist erlernt.

Und dasselbe gilt natürlich auch für Religiosität.

Bekomme ich nun endlich mal einen Preis dafür, bessere Theorien aufzustellen als Religionswissenschaftler?

 

22 Antworten zu Es gibt kein Gottes-Gen

  1. folgsam

    28. Oktober 2009 at 22:18

    “Obwohl es eine kleine genetische Komponente gibt, die einen für Agnostizismus und Atheismus prädisponiert, [...]”

    Was soll denn das sein?

     
    • derautor

      28. Oktober 2009 at 22:21

      Es gibt für alles kleine genetische Komponenten. Wenn jemand mehr dazu neigt, überall Muster zu sehen und wenn jemand von Natur aus unsicherer ist, dann wird er mit höherer Wahrscheinlichkeit religiös sein.

       
  2. Reason

    28. Oktober 2009 at 22:39

    Es mag zwar kein Religionsgen geben, aber ein Christengen gibt es sehr wohl ;) :

    Spaß beiseite:
    Flacher Biologismus war noch nie Irgendjemandem zum Vorteil gereicht, sondern hat immer schon zu Pseudowissenschaftlichkeit geführt. Gene prädestinieren Augenfarbe und im Höchstfall den Hormonhaushalt der dafür sorgt, dass man schneller nervös oder wütend wird und nicht welche Denkinhalte und welches Selbstverständnis man von sich hat.

     
  3. Christoph Wagner

    29. Oktober 2009 at 00:46

    Huch? Das sagt doch nur, dass bei Kaliforniern Gene nicht für Religiosität verantwortlich sind.

     
    • derautor

      29. Oktober 2009 at 01:01

      Und wie wir alle wissen, gehören Kalifornier einer anderen Spezies an, dem Homo Californicensis.

       
  4. AMB

    29. Oktober 2009 at 05:54

    Andreas, war das Ergebnis nicht von Anfang an klar?

    Ich weiß nicht, ob du bessere Theorien aufstellst als Religionswissenschaftler, aber besser als Blume auf jeden Fall! :)

     
    • derautor

      29. Oktober 2009 at 08:36

      Na ja, es gibt durchaus mehrere Religionswissenschaftler und Soziobiologen, die an ein Gottes-Gen oder etwas in dieser Richtung glauben. Eckart Voland glaubt ja auch so etwas. Ich soll es ja angeblich nur darum nicht glauben, weil ich so ein kämpferischer Atheist bin, die das offenbar nicht glauben dürfen.

       
      • Trinculo

        29. Oktober 2009 at 08:43

        Heißt das es gibt neben einem Glaubens-Gen auch ein kämpferischer-Atheist-Gen und ein Ich-glaube-nicht-an-Glaubens-Gene-Gen? :lol:
        Wahrscheinlich gibt es dann auch ein Ich-glaube-dass-es-für-alles-ein-Gen-gibt-Gen.

         
  5. buchstaeblich

    29. Oktober 2009 at 08:43

    Atheisten sind das wahre Wunder in der Welt: Sie bekommen z. B. in Deutschland ein halbes statistisches Kind weniger als Religiöse, ihr Anteil an der Bevölkerung wächst aber ziemlich rasant:
    http://buchstaeblich.wordpress.com/2009/10/27/deutschland-wird-immer-gottloser/

    Ergo: Wir vermehren uns nicht durch Biologie, sondern durch intelligente Gespräche.
    Cool, ne? ;-)

     
  6. yilo

    29. Oktober 2009 at 11:59

    Ich würde sagen, dass das Mem für Areligiosität, aufgrund der veränderten “Umweltbedingung”(wir können vieles durch Wissenschaft erklären), die Oberhand gewinnt. Die “ökologische Nische” für das Gottesmem wird dagegen von Tag zu Tag kleiner.

     
  7. Arne

    29. Oktober 2009 at 12:33

    …Bekomme ich nun endlich mal einen Preis dafür, bessere Theorien aufzustellen als Religionswissenschaftler?

    Die gibt es nicht….

    Religion und Wissenschaft schließen sich aus – ergo kann es auch keine Religionswissenschaftler geben. Mit unseren Steuergeldern werden die pseudo-wissenschaftlichen Lehr-(Leer-)Stühle bezahlt. Das gehört umgehend abgeschafft.

     
    • derautor

      29. Oktober 2009 at 12:40

      Na ja, Religiosität als natürliches Phänomen könnte man schon erforschen.

       
    • Nico

      29. Oktober 2009 at 12:58

      So ist es. WISSENschaft basiert auf gesichertem Wissen und/oder strebt im Bewusstsein des hypothetischen Charakters betreffender Annahmen ergebnisoffen danach, solches zu sichern.
      Religion strebt lediglich danach, das Innerste der Menschen zu uniformieren, und wenn es nötig ist, wird Wissen mit aller Macht verhindert und verheimlicht, und wenn das nicht mehr geht, verbogen und nach Bedarf zurechtinterpretiert.

      Wir sollten uns ENDLICH organisieren, um gezielt die Bezahlung dieses gefährlichen Schwachsinns durch unser sauer verdientes Geld abzuschaffen.
      Ich bin auch nicht gern “Mitglied” irgendwo; das wurde bisher verhindert durch meinen GLAUBEN, ich müsste mich mit einer Organisation, in der ich Mitglied bin, uneingeschränkt identifizieren können. Dabei geht es doch um wesentliche Ziele! Eventuelle persönliche Abneigungen sollten nicht das Wesentliche verhindern. Man wird sich nicht sympathischer durch kindliches Vermeiden, und fürs Erreichen solch wichtiger Ziele ist ein bißchen (un)ersehnte Gemeinschaft-ertragen doch ein kleiner Preis.
      Die Verhältnisse, wie wir sie augenblicklich zu beklagen haben, haben ihr Fundament letztlich darin, dass sich die Konservativen, Gläubigen und vor allem die Kapitalisten in elementaren Fragen und Schlüsselsituationen über alle Abneigungen hinweg immer einig sind.
      Wir werden in Zukunft Gesicht und Verbundenheit zeigen, oder wir werden auch in dreißig Jahren noch jeder in seiner Bude sitzen und die Verhältnisse beklagen. Daran wir sich etwas ändern, wenn wir uns
      - organisieren und
      - lebbare Alternativen schaffen!

       
  8. olyly

    29. Oktober 2009 at 16:16

    Vielleicht hast Du Recht, dass es kein Gottesgen gibt.

    Demnach wäre jede Neigung zum Glauben an Geister und Dämonen anerzogen. Indoktrinierung!

    Ich schließe trotzdem nicht aus, dass -in welcher Form auch immer- eine bestimmte Disposition für spirituelle Empfänglichkeit vorhanden sein muss, um gläubig zu werden/sein.

     
  9. wolkencloud

    29. Oktober 2009 at 20:01

    Ich denke schon, dass das mit den Genen zusammenhängt:
    Menschen sind über die letzten Jahrmillionen immer Intelligenter geworden (bzw. haben die Fähigkeit dazu erworben) und wenn es ihnen nicht explizit verboten wird, denken sie immer mehr über sich, das Leben und den Tod nach. Damit werden sie religös. Also ist die Religiösität genetisch vorbestimmt.
    Wenn mann nun noch mehr nachdenkt, stellt man zwar viele aussagen der Kirchen in Frage, man wird vielleicht Atheist, aber das ist auch nur eine art Religion, vor allem wenn man es übertreibt.

     
    • Bebu

      29. Oktober 2009 at 20:52

      “und wenn es ihnen nicht explizit verboten wird, denken sie immer mehr über sich, das Leben und den Tod nach. Damit werden sie religös. Also ist die Religiösität genetisch vorbestimmt.”
      –> Was hat das Nachdenken über das Leben und den Tod mit Religiosität zu tun?

       
      • wolkencloud

        30. Oktober 2009 at 06:57

        dachte das wäre klar. Um das auszuführen und Quellen zu suchen, ist es etwas aufwendig, und wäre ein eigener Artikel. Aber warum auch nicht? Beizeiten.
        In ganz kurz: Die meisten gehen wohl davon aus, dass das Nachdenken über den Ursprung des Lebens und vor allem die Angst vor dem Tod einem dazu bringt einen Ausweg zu finden, also ein leben nach dem Tod.

         
    • tischl

      30. Oktober 2009 at 19:02

      Fangen religiöse Menschen das Nachdenken an, müssen sie zwangsläufig Agnostiker oder Atheisten werden. Der selbstständig denkende Mensch war schon immer die größte Gefahr für die Religion, deshalb hat sie ihn über Jahrhunderte bis auf das Blut bekämpft. Richtig ist, dass die Angst vor dem Tod bzw. Leben zum Glauben führt, Angst hat aber nichts mit klarem Denken zu tun und war schon immer ein schlechter Ratgeber. Außerdem ist Religion ein komplexes, kulturelles Phänomen, das nicht auf einzelne Gene zurückgeführt werden kann.

       
  10. Rainer

    30. Oktober 2009 at 12:54

    Na, gottseidank gibt es kein Gottes- (od. Religions- o.Ä.) Gen. Du hast recht, dass Religiosität nicht in den Genen liegt, aber wahrscheinlich nicht mit der Phrase “dass Religiosität nicht in der menschlichen Natur” liegt, unter “menschliche Natur” verstehe ich alles, was zum Menschsein dazugehört, und das sind eben auch offene Fragen, Sehnsüchte, religiöse Gefühle (im weitesten Sinn), … Kein Wunder, dass Menschen seit Jahrtausenden religiöse Ausdrucksweisen immer wieder neu (er)fanden, denn im Menschen liegt “mehr”, mehr als nur das bloß rational-statistisch-biologistisch Beweisbare.

     
    • Bebu

      30. Oktober 2009 at 14:45

      Könnte man den Begriff “religiös” (in diesem Zusammenhang) nicht durch sinnsuchend oder etwas ähnliches ersetzen?

       
      • Rainer

        30. Oktober 2009 at 18:27

        Durchaus. “Religiös” (“Religion”) ist ja ein Sammelbegriff, den Menschen vielfältigen Erfahrungen gegeben haben, für die sie scheinbar einen Überbegriff brauchten: Unter “religiös” verstehe ich “sinnsuchend”, “mit den Phänomenen dieser Welt nicht klarkommend …” (“… und etwas Höheres dahinter vermutend”), “angstvoll lebend, nicht mit den Gegebenheiten dieser Welt auskommend …” (“… und daher Zuflucht suchend”), “an Werten hängend” u.v.m. Als Sinnsuchende würden sich vermutlich viel mehr Menschen selbst bezeichen als als Religiöse – sicher weil der Begriff “Religion” in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten von allen Seiten als Kampfbegriff verwendet wurde; institutionelle Formen von Religion wurden in den Dreck gezogen (woran sie selbst mitschuld sind),und daher kam auch die “Religion” als Begriff ins Hintertreffen.
        Ich freue mich auf eine Welt, in der wieder normal mit Sinnsuche umgegangen wird, jenseits von gegenseitigem Gut-Böse-Gehabe.

         
 
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