Krawallatheist schreibt böses Buch

Das Prometheus Trio: Die InvasionEin selbstbezeichneter „Krawallatheist“, ein „Hardcore-Naturalist“ (Michael Schmidt-Salomon) und „atheistischer Extremist“ (Michael Blume) macht sich ausgerechnet daran, ein Jugendbuch zu schreiben. „Holt sie euch, so lange sie jung sind“, war angeblich das Motto der Jesuiten. Andreas Müller tritt ihre Nachfolge an, nur mit umgedrehten Vorzeichen. Tritt das „Prometheus Trio“ in die Fußstapfen von Douglas Adams oder ist es nur ein platter Dawkins auf Speed?

Diese Frage werden kommende Rezensionen beantworten. Natürlich kann ich nicht mein eigenes Buch bewerten (es ist super, kauft es euch!). Allerdings möchte ich einige Wertungen kommentieren, die mir in einer Kurz-Rezension von „Nic“ aufgefallen sind. Nein, ich werde jetzt nicht rumheulen, weil er mein Buch nicht allzu toll findet (dafür haben mir viel zu viele Leser das Gegenteil versichert!). Seine Meinung bleibt jedem Leser unbenommen und ich würde mich über ein paar schön negative Rezensionen gerade von Theologen durchaus freuen. Aber bei Nic ist es leider manchmal so, dass seine Wertungen, wirklich beim besten Willen, nichts mit dem eigentlichen Text zu tun haben, sondern mehr damit, was man von mir als bösen Ober-Atheisten hätte erwarten können. Und da es die erste Rezension ist, kann ich das so einfach nicht stehen lassen.

Zunächst eine kurze Erläuterung, so schreibt Nic: „Es ist nicht ganz so ein Trash“. Er empfand nämlich mein Erstlingswerk, die Harry-Potter-Parodie „Terry Rotter und der Stein des Anstoßes“ (gibt’s als kostenfreien Download) als „Trash“, sie hat also seinen Ansprüchen nicht genügt und ihn an ein B-Movie erinnert.

Ein Film Noir?

Nun aber zu seinem Hauptkritikpunkt:

Zu grob ist die Kelle, die Andreas Müller schwingt, so schwarz/weiß; Gut/Böse sind die Figuren gezeichnet.

[....]

Allerdings werden die Figuren nicht differenzierter: da gibt es den Superhelden John (der gern als das alter ego des Autoren verstanden werden kann), seine Freundin Clara, den irrgeleiteten David und (natürlich!) Prometheus, den Übercomputer mit eigenem Willen… Und auf der anderen Seite: völlige Trottel. Die aber in Massen. Ob religiös verblödet oder aufgrund ihrer Bayrischen Herkunft; Müller differenziert da nicht sonderlich.

Ich halte das für das größte Manko des Buches: es gibt keine Überraschungen, keine psychologischen Studien der Figuren. Dämlichkeit ist nur wegen Gläubigkeit gegeben.

Das entspricht genau dem, was meine Kritiker von dem Buch erwartet haben. Offenbar wurde bei Nic dieser Eindruck nicht durch die Lektüre verändert, aber vielleicht hilft es, wenn ich auf einige Dinge hinweise:

1. Der Charakter Johannes Cohen (John) scheint auf den ersten Blick in der Tat eine Art Superheld zu sein. Er ist bereits mit 16 Jahren ein wissenschaftliches Genie, das an der Weltformel arbeitet. Aber er ist ganz gewiss nicht einfach „der Gute“. John arbeitet nämlich an zweifelhaften Projekten wie Tier-Mensch-Kreuzungen, an gefährlichen Krankheitserregern und sogar an Mini-Atombomben. Meinem Lektor habe ich während des Entstehungsprozesses geschrieben, dass ich mir John als „Manhattan Project Scientist“ vorstelle.

John ist ebenso keineswegs mein literarisches Gegenstück. Er ist ein besessener Naturwissenschaftler und ich bin Literaturstudent. Auch habe ich noch keine Preise gewonnen und bin keineswegs durch meine Forschung reich geworden. Und ich laufe auch nicht nackt in der Gegend rum, zudem basiert mein Wissen über die menschliche Gesellschaft nicht alleine auf Comics (ich lese so gut wie nie Comics). Es ist ein verhängnisvoller Fehler, von fiktiven Charakteren auf den Autor zu schließen.

2. Den Hinweis auf David fand ich besonders merkwürdig. David Zimmermann ist ein christlicher Fundamentalist, der trotzdem von Anfang an zum aufklärerischen Prometheus Trio gehört. Wie viel weniger Schwarzweiß hätte das Buch eigentlich noch werden können?

3. Auf der anderen Seite befinden sich keineswegs nur „völlige Trottel“. Was ist denn mit dem Bürgermeister, mit dem Schuldirektor, mit Davids Mutter – die immerhin zweiter Gemeindevorstand der fundamentalistischen Christensekte ist? Was ist mit den Eltern von John und Clara? Die mögen zwar seltsame Ticks haben, aber „völlige Trottel“ sind sie gewiss nicht.

4. Der Gegenbeweis gegen die Behauptung, Dämlichkeit wäre nur wegen Gläubigkeit gegeben und alle Gläubigen gehörten zu den Bösen ist Erik Storm. Ist dir eigentlich aufgefallen, lieber Nic, dass Erik ein überzeugter Atheist ist? Man könnte ebenso behaupten, dass der gute Christ David gegen den bösen Atheisten Erik kämpft. Erik habe ich auf Grundlage von Franz Moor aus Friedrich Schillers „Die Räuber“ modelliert. Franz Moor ist der atheistische Erzschurke der Literatur schlechthin!

5. Die Forderung nach „psychologischen Studien“ finde ich im Zusammenhang mit einem 164-Seiten Jugendbuch absurd. Trotzdem ist sogar in diesem Bereich etwas zu haben, siehe das Verhältnis von Claras Eltern oder den merkwürdigen Charakter von Davids Vater.

C’est moi?

Ferner sagt Nic:

Denn an sich ist der Plot der Story zwar… sehr einfach und unlogisch

Lieber Nic: Wenn du einfach alle Schattierungen des Buches ignorierst, dann verwundert es kaum, wenn du auch die Story deiner Schwarzweiß-Interpretation unterordnest. Wer genauer hinsieht, der könnte auch hier zu einem anderen Ergebnis kommen. Allerdings leugne ich nicht, dass das Buch ziemlich abgehoben und skurril ist, was die Leser angesichts meiner Widmung an Douglas Adams wohl kaum anders erwarten können. Und da passt ein „UFO“, das einer bayerischen Mittelstadt landet, eben doch gut hinein.

Andreas Müller hat auch bei diesem Buch – wie bei Terry Rotter – jedem Kapitel ein „Zitat“ vorangestellt; dieses mal jedoch vom immer gleichen „Philosophen“ Jean Tee:

Jean Tee ist der Nachfolger von „Bill Tür“ aus Terry Rotter. Ich sehe nicht, wozu ich mehr als einen fiktiven Philosophen pro Buch bräuchte.

Und zu guter Letzt schreibt Nic:

Er bewegt sich – das ist meine persönliche Meinung – mit dem Buch noch zu dicht an seinem eigenen Leben und Erleben.
Wenn er den Schritt weg wagt und nicht sich und seine Weltwahrnehmung in den Mittelpunkt stellt, kann es nur besser werden.

Diese Wertung zeigt vor allem, dass Nic mich gar nicht kennt. Ich wohne nicht einer bayerischen „Mittelstadt“! Ich wohne in einer unterfränkischen Großstadt, in der bundesweiten Hochburg der Grünen! Mein persönliches Leben- und Erleben hat kaum einen Zusammenhang mit dem Buch. Im Gegenteil sind darin z.B. viele popkulturelle Referenzen enthalten, die ich in einem späteren Beitrag noch vorstellen möchte.

C’est bon!

Allerdings seien zur Vollständigkeit halber auch einige der positiven Wertungen von Nic erwähnt:

Es gibt hervorragende Passagen in dem Buch. Wie die Beschreibung der Hostienverbrennung. Das erinnert mich schon sehr an Monty Phython.

Müller sprüht förmlich vor skurrilen Ideen und Figuren

Fazit

Wie schon gesagt: Jedem seine Meinung. Ich hoffe aber, dass ich problematische Erwartungshaltungen ein wenig korrigieren konnte. Wie es scheint, schmälern die nämlich das Lesevergnügen.

Wer sich ein eigenes Urteil bilden möchte: Das Buch gibt es beim Denkladen und Amazon könnte derweil eine Rezension vertragen.

Wer den Autor kennenlernen möchte: Ich bin morgen, am Samstag dem 17. Oktober ab 16:00 bei Alibri in der Frankfurter Buchmesse und lese danach bei der „Gegenbuchmasse“ aus dem „Prometheus Trio“.

Veröffentlicht in: on 16. Oktober 2009 at 19:32  Kommentare (5)  

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5 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Hallo Andreas,

    also das vorab: ich fühle mich geehrt, von Dir zitiert zu werden. Und das ist keine Ironie.

    Du weißt, dass ich Dich (und Deine Schreibe) genau verfolge.
    Deine Kritik an meiner Kritik zeigt mir, dass ich ziemlich genau getroffen habe…
    Nichts für ungut; aber selbst wenn Du das als ein Jugendbuch bezeichnest bleibt doch der Umstand bestehen, dass psychologische Wandlungen bei Deinen Figuren nicht stattfinden.
    David ist ein schlechtes Beispiel: der ist meiner Meinung nach viel zu jung und damit noch viel zu formbar, als dass er wirklich als Beispiel für eine Wandlung vom religiösen Fanatiker (wie seine Eltern es sind) zum Atheisten herhalten kann.

    Natürlich kenne ich Dich nicht. Zumindest: nicht persönlich. Das kann – wie ich hoffe – sich ändern. Und ich meine auch nicht, dass Du Dich gedanklich in der räumlichen Umgebung bewegst. Sondern in Deiner Welt, die sich dadurch auszeichnet, dass Du auch in Deinen Artikeln oft nur Gut/Böse-Schemata benutzt.

    Irgendwo im Blog habe ich mal geschrieben, dass ich denke, dass Du eine große schriftstellerische oder journalistische Zukunft vor Dir hast: denn Du hast eine gute Schreibe und einen guten Witz. Nichtsdestotrotz musst Du lernen, auch mit Kritik umzugehen. Und nicht deshalb in Bausch und Bogen zu verdammen, weil sie Dich trifft.

    Und noch was, Andreas; ich sehe in Dir gerade nicht den „bösen Ober-Atheisten“ – sondern Jemanden, dessen Wort mehr Wirkung hätte, wenn es differenzierter wäre.

    Liebe Grüße

    Nic

    • Lieber Nic,

      „Deine Kritik an meiner Kritik zeigt mir, dass ich ziemlich genau getroffen habe…“

      Keineswegs, schließlich zeige ich anhand von mehreren Belegen auf, warum da etwas Grundlegendes nicht stimmen kann mit einigen deiner Wertungen.

      Natürlich finden kaum psychologische Wandlungen der Figuren im ersten Band statt (nur ansatzweise bei John und David) und ich behaupte auch nichts anderes. Während unzähliger Simpsons-Episoden verändern sich die Figuren überhaupt nicht und du wirfst mir das nach dem ersten Band eines 164-Seitigen Jugendbuches vor. Das ist keine legitime Forderung. Im Gegenteil wäre das Buch erheblich schlechter, wenn ich den limitierten Platz mit Charakterstudien verschwendet hätte, die selbst auf den über 500-seitigen Romanen von Charles Dickens nicht funktionieren.

      „David ist ein schlechtes Beispiel: der ist meiner Meinung nach viel zu jung und damit noch viel zu formbar, als dass er wirklich als Beispiel für eine Wandlung vom religiösen Fanatiker (wie seine Eltern es sind) zum Atheisten herhalten kann.“

      Kein Leser wird zu der Schlussfolgerung gelangen, dass David am Ende des Buches Atheist wäre. Das steht nicht im Text. Man könnte höchstens argumentieren, dass er ein wenig skeptischer geworden ist.

      „Nichtsdestotrotz musst Du lernen, auch mit Kritik umzugehen. Und nicht deshalb in Bausch und Bogen zu verdammen, weil sie Dich trifft.“

      Ich denke kaum, dass jemand diese sehr milde formulierten Einwände gegen einzelne Punkte deiner Kritik als „im Bausch und Bogen verdammen“ ansehen wird. Ich habe mehrere Tage darüber nachgedacht, ob ich antworten soll oder nicht, aber deine Rezension vermittelt einen zu drastisch falschen Eindruck, der dazu führen könnte, dass die Leser mit einer zweifelhaften Erwartungshaltung an das Buch herangehen, die ihnen den Spaß zum Teil verderben könnte. Eigentlich ist die Rezension in diesen Punkten keine wirkliche Kritik, weil du dich über Dinge beschwerst, die wirklich nicht im Text stehen.

  2. Krawallatheist schreibt böses Buch…

    so betitelt Andreas Müller seinen Artikel, in dem er sich mit meiner Rezension seines aktuellen Buches Das Prometheus Trio – Die Invasion auseinandersetzt.

    Ich werde im Einzelnen nicht auf Andreas Entgegnung eingehen; das mag den Lesern seines Buche…

  3. [...] Reaktionen zeigte), ist gestern beim hpd eine sehr positive Kritik erschienen. Und weil Andreas in seiner Entgegnung nicht auf meine positiven Hinweise einging möchte ich an dieser Stelle dieses Loblied auf sein [...]

  4. Andreas Müller – Das Prometheus Trio…

    Andreas Müller – Das Prometheus Trio……


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