Mysteriöser Feuermeteor geht mir auf den Keks

Tiefer Eindruck...

Was wollen denn die ganzen Zeitungen mit ihrem „mysteriösen Feuermeteor„? Hier ein Top-Tipp eines langjährigen Skeptikers: Wenn irgendwas am Himmel auftaucht und Sie haben keine Ahnung, was es ist: Ein außerirdisches Raumschiff ist es nicht. Und „mysteriös“ ist es auch nicht.

Sie haben nur keine Ahnung, was es ist und werden es in ein paar Tagen in der Zeitung erfahren, wenn es Sie überhaupt ernsthaft interessiert. Bis die Medien allerdings mit dem Offensichtlichen rausrücken, behandeln sie uns wie Kinder und lullen uns mit „Lichtkegeln“ ein, die da oben „mysteriös“ herumschwirren wie die bunten Figürchen über unserer Wiege.

Warum nennt die Bild-Zeitung das Ding eigentlich „Feuer-Meteor“? Ein Meteor erzeugt nach Eintritt in die Erdatmosphäre durch die Reibung mit der Luft eben Flammen, aber welcher Meteor auf Erdkurs ist kein „Feuer-Meteor“? Sie können auch vom Weltraum aus auf die Erde springen und fangen dann Feuer, sind Sie dann ein „Feuer-Mensch“?

In Bremen, Niedersachsen und Hamburg berichteten Augenzeugen von einer „brennenden Kugel“ oder einem „leuchtenden Gegenstand am Himmel“. Nach Angaben eines Bremer Polizeisprechers hätten die Anrufer gesehen, dass diese Kugel „zerbröselt und zu Boden gefallen ist“.

So, und das war es. Meteor fällt auf Boden und geht kaputt. Ende der Durchsage.

Der Spiegel nennt das Ding „Leuchtende Kugel„, die „zahlreiche Menschen in Norddeutschland in Atem hält“, die Welt spricht von „donnernden Lichtkugeln„. Und alle tun so, als wäre etwas Mysteriöses daran. Es ist fast so, als wären die Medien auf einmal wieder Kinder, die noch nie von Meteoriten gehört haben und die sich jetzt groß wundern, was da oben alles rumfliegt. Wahrscheinlicher: Sie halten uns für Kinder, denen man Meteoriten auf diese Weise erklären muss.

Langfristig ist geplant, Himmelskörpern auf Kollisionskurs einen Besuch abzustatten und mit atomaren Schlägen, Sonnensegeln oder solarbetriebenen Verdampfern abzulenken.

So heißt es bei der Welt. Wir sollten besser einen Öltrupp mit Bruce Willis an der Spitze hochschicken. Die sollen ein Loch in den Meteoriten bohren und eine Atombombe dort reinwerfen. Dann explodiert er uns fällt uns nicht mehr auf die Köpfe.

Ach, welch passende Gelegenheit, schon wieder Schleichwerbung zu machen. Im Prometheus Trio gibt es nämlich eine Szene, in der UFO-Begeisterte um ein „mysteriöses“ Muster im Kornfeld rumstehen und ein Raumschiff beobachten, das dort gerade nicht gelandet ist. Man muss nur Unverständnis, ein Verlangen nach dem „Wunderbaren“ und ausufernde Fantasie zusammenmischen, dann ist man genau so, wie die Medien ohnehin meinen, dass wir wären. Aber wir sind besser als das und die Medien können mich mit ihren „mysteriösen Lichtkugeln“ (Bild).

Veröffentlicht in: on 14. Oktober 2009 at 23:28  Kommentare (10)  

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10 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Bitte nicht zu sehr verallgemeinern! Ich hatte darüber auch bei SPIEGEL Online gelesen, und fand es (zumindest dort) überhaupt nicht reißerisch, sondern sachlich und informativ. Insbesondere die Aussage, daß die Erscheinung vier bis fünf Sekunden sichtbar gewesen sein soll, hat mich neidisch gemacht: Ich hätte auch gerne dieses Naturereignis gesehen.

    Auch wenn ich sehr wohl weiß, worum es sich handelte (wurde auch nochmal bei SPIEGEL Online erklärt), so kann ich doch noch Naturereignisse wie mit Kinderaugen bestaunen. Die Wunder der Natur bestehen für mich darin, daß etwas Seltenes passiert, was manchmal auch noch spektakulär aussieht.

    Daß die Medien über Spektakel berichten, gehört zu ihren Aufgaben. Kritisieren kann man sicherlich die Art und Weise, wie manche Medien das tun. Aber generell interessiert mich ein Meteor am Himmel oder ein Wal im Rhein mehr als zum Beispiel die aktuelle Abendmode von Verona Pooth oder welches Restaurant Ottfried Fischer bevorzugt.

    Ich möchte informiert werden. Daher habe ich auch diverse RSS-Feeds wie auch dieses Blog abonniert. Doch ich entscheide selbst darüber, was ich abonniere bzw. was ich lese. Und so habe ich mich schon seit Langem entschieden, die Zeitung mit den großen Buchstaben zu ignorieren und mich nicht mehr darüber aufzuregen. Ich glaube, das war 1974, als sie vor dem Länderspiel, welches die DDR dann mit 1:0 gewann, ankündigte: „Warum wir heute gewinnen.“ Am nächsten Tag hieß es dann nur noch: „So nicht, Herr Schön!“

    Kurz gesagt: „BILD“ ist nicht „die Medien“. Statt also über „die Medien“ zu schimpfen, lieber gezielt auswählen, was man sich antut.

    • Nein, es sind wirklich DIE Medien, auch Welt, Spiegel und andere, die mit dem „Wunderbaren“ Aufmerksamkeit erregen. Ich empfinde das als infantilisierend und trivial. Was soll diese Wunder-Sucht, es ist viel interessanter, sich mit der Realität außeinanderzusetzen als mit diesem Quatsch.

      • Aber Meteore sind ein Teil der Reslität! Und Du tust den Naturwundern Unrecht, wenn Du sie mit den religiösen und esoterischen Wundern in einen Topf wirfst.

        Man muß kein Idiot sein, um die Realität auch bewundern und bestaunen zu können. Allein das Teil in meinem Schädel halte ich für ein Wunder. Obwohl ich darüber sehr viel weiß, und es mir keinesfalls unerklärlich ist. Nur habe ich mich daran inzwischen gewöhnt, während ein Meteor für mich etwas Ungewöhnliches bleibt. Und für die meisten anderen Menschen wohl auch.

        Statt über die Medien, die nur das menschliche Bedürfnis nach neuen Informationen befriedigen, zu klagen, könnte man eher über die bereits erwähnten Idioten schimpfen. Aber das habe ich mir schon seit mehr als zwanzig Jahren abgewöhnt. Denn es bringt nichts. Aller Aufklärung zum Trotz wird ihre Zahl immer wieder nachwachsen. Auch das ist ein Wunder der Natur… ;-)

        Die Kunst besteht wohl eher darin, zu lernen, mit jenen zusammen friedlich zu leben, und sie in ihrer Andersartigkeit zu tolerieren. Das fällt mir nur dann noch schwer, wenn sie versuchen, ihre Weltanschauung auch zu meinem Maßstab zu machen, was ich nicht zulassen werde.

        Gerade eben (in der Realität) hüpft ein Rotkehlchen in dem Strauch vorm Fenster herum. Auch ein kleines Wunder, denn ich kann das nicht, geschweige denn fliegen. Warum berichten „die Medien“ nicht darüber? Weil man so etwas jeden Tag erleben kann, wenn man gelernt hat, trotz Gewöhnung genau hinzuschauen. Aber wenn dieses Rotkehlchen jetzt angefangen hätte, Ravels Bolero zu zwitschern, dann wäre das sicherlich eine Meldung wert gewesen.

        Ich bin froh über die Medienvielfalt, denn nur die ermöglicht mir die Auswwahl. Egal, ob Zeitung, Zeitschrift, Radio, Fernsehen oder Internet: Traurig finde ich es nur, wenn ich nicht mehr die „passende Nische“ finde. Und damit Randgruppenmedien wie z.B. „Gehirn & Geist“, der „Skeptiker“ oder „arte“ beim „survival of the fittest“ nicht eines Tages aussterben, konsumiere ich sie nicht nur, sondern unterstütze sie auch.

        Es ist unrealistisch, „BILD“ und seine Anhänger ausrotten zu wollen. Aber es ist nicht unrealistisch, „arte“ einfach nur erhalten zu wollen. Genau solches nagt wenigstens ein bißchen an der Quasimonopolstellung. Solange ich aber noch Alternativen zu den Monopolisten habe, kann ich mit ihnen leben. Wenn sie mir oder auch Anderen aber diese Nischen nehmen wollen, dann werde ich mich wehren.

  2. „The dicker the Headline, the blöder the Aussage“

    Ich freue mich trotz allem auf Emmerichs „2012″ – Das wird ein Augenschmaus. Vor allem wird jedes Mal das Weiße Haus atomisiert.

    Die einen nehmen Märchen als „Märchen“, die anderen haben selbst schuld. Schade nur, dass sich die „anderen“ nur allzu gerne ausnehmen lassen.

  3. Ja so gewöhnlich ist das ja nun nicht. Jedenfalls nicht so gewöhnlich, wie Sonnenauf- oder Untergang. Ich habe noch keinen donnernden Feuerball gesehen und kann deshalb nicht völlig unbeeindruckt und abgeklärt sein. Ich habe auch noch keinen Kugelblitz gesehen und würde bei Sichtung deshalb „ah“ und „oh“ und „was war denn das“ rufen. Ich schaue mir manchmal sogar noch Wolken an, wenn sie besonders auffällig aussehen. Ist das nicht furchtbar, dieses, ähm, Erstaunen?

  4. Prinzipiell stimme ich zu – möchte aber noch Anmerkungen das „Feuerball“ bzw. „Feuerkugel“ neben „Bolide“ der korrekte deutschsprachige Begriff für so eine Erscheinung am Himmel ist.

  5. „Aber wir sind besser als das“
    Ich weiß nicht, ich für meinen Teil bin besser, aber irgendwer scheint das dann doch nicht zu sein!
    Allein wenn man die Verkaufszahlen der BILD mit der der Frankfurter Allgemeinen vergleicht könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass der Großteil unserer schönen Nation aus Vollidioten besteht!

    Wäre nämlich die Nachfrage nach solchem hirnverbrannten Schachsinn nicht so groß, könnten sich BILD und Co. nicht weiterhin die Zeit damit vertreiben die Wahrheit zum heulen zu bringen!

    Oder kurz und knapp, weniger Idioten ergo weniger idiotische Medien!

  6. Ich muss mich der Mehrheit anschließen: EIn Meteor am Himmel ist durchaus der allgemeinen Aufmerksamkeit würdig. Es ist ja nicht so, als würde der Papst furzen (was die Bild auch hochschaukeln würde).

  7. Ich habe den Eindruck, dass in diesem Post zwei Dinge durcheinander laufen, die man besser trennt: Eine Feuerkugel (Bolide) als „mysteriös“ zu bezeichnen ist wirklich merkwürdig. Das ist genau so, wie Journalisten gerne von einem „Wunder“ schreiben, wenn jemand eine Katastrophe überlebt. Mysteriöses und Wunder gehören in die Sphäre der Religion. Ein Bolide ist aber Gegenstand der naturwissnschaftlichen Forschung und jemand der eine Katastrophe überlebt hat vielleicht einfach Glück gehabt.
    Erstaunen und eine Art von Ergriffenheit angesichts eines solchen Naturschauspiels ist aber etwas ganz anderes. Wie Ingo schon geschrieben hat, ist solch ein Erstaunen eine natürliche Reaktion und steht letztlich am Anfang jeder wissenschaftlichen Betrachtung. Oder wie Isaac Asimov mal sinngemäß meinte: Das wichtigste Wort in der Wissenschaft ist nicht Heureka!, sondern „Das ist aber komisch…“

  8. Eine kleine Frage an den Autor: Wie beschreiben Sie einen Metoer der (relativ spät, bei einer gewissen Größe) in der Atmosphäre verglüht? Doch nicht etwa als „glühender Feuerball“? Mysteriös ist übrigens ein Synonym für „rätselhaft“. Für die meisten Beobachter dieses Erlebnisses ware es wohl rätselhaft und die meisten haben sich gefragt „was war das denn?“.

    Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich (ausschließen kann man nichts) gewesen wäre, aber es hätte ja auch ein Raumschiff sein können. Einmal habe ich im Fernsehen tatsächlich ein Raumschiff gesehen, welches in der Erdatmosphäre verglühte, nur war es nicht außerirdisch, sondern gebaut von der NASA.

    Dass die BILD eine reißerisches Blatt ist, sollte glaube ich jedem klar sein. Menschen aber für Ihre Wahrnehmung und ihr Erstaunen zu verurteilen ist nicht in Ordnung, denn WELT und SPIEGEL zitieren hier Augenzeugen, denn selbst werden die Autoren das Ereignis wahrscheinlich nicht beobachtet haben.

    Ich wage zu behaupten, hätte der Autor dieses Ereignis beobachtet, hätten wir 5 Minuten später hier einen Artikel darüber lesen können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen wissenschaftlichen. Aber mindestens so geschrieben, dass der Leser sich auch für diesen Artikel interessiert.


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