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Ich glaub, mir wird Precht!

02 Okt

Prechts beklopptes BuchAuf Vonhaeftens Blog gibt es eine schöne Zerlegung des deutschen “Philosophen”, der heute noch einen Dualismus von Körper und Geist postuliert und die These von der Allmacht der Kultur vertritt: Richard David Precht. Im Folgenden ein “Best of” des ausführlichen Beitrags:

Daß der Mensch nicht nur aus Formeln bestehe, daß nicht ausschließlich Gesetze der Molekularbiologie oder -chemie sein Handeln bestimmen, ja daß es geradezu vermessen wäre, ihm den freien Willen abzusprechen, dieser Wille, der ihn als Krone der Schöpfung doch wohl von den Tieren unterscheidet – das wird heutzutage von den meisten Menschen in unserer Gesellschaft als selbstverständlich angenommen. Zumindest von jenen, die sich zum lesekundigen Bildungsbürgertum zählen, und dieser Teil der Gesellschaft stellt einen großen Teil der Kundschaft im Buchhandel.

An dieses Lesepublikum ranzukommen, sollte für einen wie Precht nicht schwer sein, der in den Talkshows des deutschen Fernsehens schon zum Dauergast geworden ist.

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Precht gehört zu jenen Menschen, die alles “irgendwie spannend” finden. Ob es sich nun um Hirnforschung, Evolutionsbiologie oder kognitive Neuronalwissenschaften handelt: auch gebildete Leser finden das alles “irre spannend”, es fehlt nur jemand, der es ihnen erklärt. Am besten ohne Formeln und langwierige logische Abhandlungen. Und so, daß die eigenen Vorurteile bestätigt werden.

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Zwischendurch – um nur ja nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, er sei ein “Biologist” – beklagt er die “eigentümlichen Vorstellungen der Verhaltensforscher”, redet von der “Mutter-Kind-Beziehung” bei höheren Säugetieren, die als Bindung verdächtig schnell vom Tisch gefegt werde oder von der Idee der “Autopoiese” des chilenischen Biologen Maturana, die Luhmann natürlich durch eine viel bessere “Idee” ersetzt habe. Nämlich die Idee, daß Liebe ein soziales System sei, gebildet aus Erwartungen. So wie im Film: er steht am Fenster und blickt starr hinaus, sie steht hinter ihm und fragt: “was erwartest du eigentlich von mir”? Na, wenn das nichts ist: nein, es ist eben nichts. Nur leeres Geschwafel. Aber damit erobert man die Leser.

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Es hilft nichts: leider zählt auch Reinhold Beckmann – und das wissen wir nicht nur seit diesem Interview – zu denjenigen, die wie Precht nur Rezensionen und Abstracts lesen, um daraus irgendeinen populistischen Evolutionsquark abzuleiten. Ganz im Sinne des gebildeten Brügers, dem nichts ferner liegt, als sich mit solchen Themen wie der Soziobiologie des Altruismus zu beschäftigen, es sei denn, man kann das Thema mit zwei Nebensätzen auf einer Stehparty abtun. Genau das leistet Precht: man braucht kein Fachbuch zu lesen, keine komplizierten Vorlesungen oder Seminare besuchen, sondern es reichen 2-3 Sätze vom großen Simplifikator und die Welt ist wieder so, wie sie schon vorher war. Aus demselben Grunde hört man lieber Günter Grass als einen Ökonomieprofessor über Globalisierung reden, läßt sich über Stammzellenforschung von Benediktinermönchen statt von Molekularbiologen aufklären und ist am Ende stolz auf “authentische” Information, weil man ja den direkten Kontakt mit Menschen dem abstrakten Leseprozeß vorzieht.

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Nehmen wir zum Beispiel Prechts SPIEGEL-Essay Feigheit vor dem Volk – wider den verlogenen Menschenrechts-Bellizismus [6]. Daß man zur Verteidigung der Menschenrechte möglicherweise Gewalt anwenden muß, erschließt sich einem schlichten Philosophen wie Precht nicht. Ihm wäre es wohl lieber, man würde sich “auf gleicher Augenhöhe” mit den Taliban zusammensetzen oder mit “Antikonfliktteams” zur “Deeskalation” beitragen. Precht schießt in seinem Essay aus vollen Rohren gegen die Amerikaner, die Amerikaner, und nochmals die Amerikaner. Und natürlich deren “Vasallen”: die schlechten Deutschen. Das sind die von der CDU, der FDP und überhaupt alle Konservativen, ausgenommen Jürgen Todenhöfer. Kein Argument ist dem Autor Precht zu blöd, um es in sein antiamerikanisches Linken-Weltbild einzubauen.

Tja, das war nicht viel Eigenleistung meinerseits. Aber was soll man machen? Es wurde ja alles bereits gesagt.

 
4 Comments

Geschrieben von am 2. Oktober 2009 in Evolution, Philosophie, Soziobiologie, Wissenschaft

 

4 Antworten zu Ich glaub, mir wird Precht!

  1. Bebu

    2. Oktober 2009 at 19:03

    Danke für den Beitrag und den Link.

    Precht ist mir schon seit diesem Interview http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=1021613&kat=4 ziemlich suspekt.

     
  2. thogoen

    2. Oktober 2009 at 20:46

    Ganz besonders dümmlich finde ich diese Behauptung von Precht: “Monogam wurde der Mensch durch das römische Recht und die jüdische Seuchenmoral.” Soll das heißen, nur im judeo-christliche Kulturraum hat sich Monogamie entwickelt? Jeder Ethnologe würde ihm nen Vogel zeigen!

     
  3. Martin

    3. Oktober 2009 at 01:35

    Precht ist, mit Verlaub, ein ziemlicher XXX. Mehr muß man auch nicht sagen.

     
  4. Lag

    7. Oktober 2009 at 13:43

    Na ja die Evolution des Menschen ist durchaus kompliziert, und die Philosophie hat da durchaus was beizutragen. Daß er Kultur verteidigt, finde ich sehr angenehm, denn er Mensch ist durchaus mehr, als die Summe seiner Teilchen.
    Reiner Biologismus ist ebenso dämlich, wenn nicht sogar dämlicher.
    Ich halte den Krieg in Afghanistan ebenfalls für ein Verbrechen, den der Westen an diesem Volk anrichtet. Wer glaubt, daß Sicherheit am Hindukush verteidigt wird, tja, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

     
 
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