
Die Bild-Zeitung beweist mal wieder ihre Fähigkeit, kriminalistische Vorfälle zu analysieren und sie in den richtigen gesellschaftlichen Kontext einzubetten, um Lösungen herauszuarbeiten, die solche Vorfälle in Zukunft verhindern. Das gelingt den Redakteuren mit ausgefeilten Anaphern wie “Ihre Gesichter sind jung, aber ihre Augen sind böse”.
Die Genialität der Springerpresse wird gemeinhin unterschätzt, so beim bislang größten Missverständnis, als die Bild nach der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg durch einen Polizisten bei einer Demonstration gegen den iranischen Scheich 1967 die Studenten tadelte, auf einen verletzten Polizisten aufmerksam machte und “dumme Wirrköpfe” (die Demonstranten gegen den Scheich) bezichtigte, den “Terror in den freien Teil der Stadt zu tragen”. Eine weitere journalistische Glanzleistung bestand darin, an dem Tage des Attentats auf Rudi Dutschke mit folgender Bild-Titelzeile aufzuwarten: “Rudi Dutschke – Staatsfeind Nr. 1″.
Nun also die “Killer von München”, das “Pack”, der “Todesprügler”, die “S-Bahn-Killer”. Was tun? Für immer einsperren! Warum? Gewalt ist ihr Leben. Was denn auch sonst? Das dürfte alle Probleme mit Jugendkriminalität für immer lösen. Genial, Bild!
Wem das nicht reicht, der bekommt einen Vorschlag obendrauf: “Jugendliche schärfer anfassen? Um Gottes Willen!”, höhnt der Bild-Kommentator. Nein, härtere Strafen werden diese SPD-Kommunisten wieder verhindern…
Was tun?
Der Journalist Christopher Hitchens würde dieses Ereignis wohl ein “Non-Event” nennen, wie er es bei dem Amoklauf an einer Schule getan hat. Wir wissen, dass männliche Jugendliche bis 24 für die allermeisten Gewaltdelikte verantwortlich sind, was an der pupertären Re-Strukturierung ihres Gehirns liegt, die dazu führt, dass sie sich nicht so gut unter Kontrolle haben. Bis sich die menschliche Natur nicht grundlegend ändert, wird das auch so bleiben.
Klar sollte man sie bestrafen, wenn sie Straftaten begehen. Aber höhere Strafen gegen “Bösewichter” schrecken nicht ab, sondern fördern die Verrohung der Gesellschaft. Und auf ihre bösen Augen hinzuweisen, als wären sie von dämonischen Mächten besessen, wird kaum bei einer realistischen Einschätzung helfen, was man tun könnte, um solche Taten in Zukunft zu verhindern.
Mehr Polizei an öffentlichen Orten ergibt Sinn. Davon abgesehen könnte man darüber nachdenken, Unternehmen höflich darum zu bitten, sie mögen doch eventuell mal wieder jemanden ausbilden, damit das Leben von Jugendlichen nicht von vorneherein aus egoistischer Raffgier von armen Nur-einen-Porsche-Besitzern verpfuscht wird…
Was die Bild-Zeitung angeht, haben sie immerhin einen treffenden Titel gewählt: “Warum sperren wir so ein Pack nicht für immer weg?”









Bebu
15. September 2009 at 14:48
“Klar sollte man sie bestrafen, wenn sie Straftaten begehen. Aber höhere Strafen gegen „Bösewichter“ schrecken nicht ab, sondern fördern die Verrohung der Gesellschaft.”
–> Wenn härtere Strafen so aussehen würden, dass man bereits einmalige Wiederholungstäter zu massiven Sozialarbeitsstrafen unter harter Kontrolle verurteilen würde, würde zumindest ich einen Lerneffekt erwarten.
Beispiel:
Ein Jugendlicher begeht als ZWEITE (oder meinetwegen dritte) Straftat einen Ladendiebstahl/leichte Erpressung(“Abziehen”) o.ä. Daraufhin wird er vom Richter zu einer Sozialstundenanzahl verdonnert, die ihm in einem Jahr über 50 Wochen jedes Wochenende jeweils Samstag und Sonntag jeweils gut 8 Stunden eine gemeinnützige Tätigkeit verrichten lässt (insgesamt also 800 Stunden, statt bisher 10 oder 20). Erscheint er zu dieser Tätigkeit ohne trifftigen Grund nicht, wird er mittels Fußfessel auffindbar gemacht, die Stundenanzahl wird in großer Menge erhöht und er darf seine Sozialstunden am Wochenende in geschloßenen Einrichtungen aller Jugendgefängnis ableisten.
Würde so eine schnelle Bestrafung nicht abschrecken?
(Und ja man kann und muss natürlich noch viele weiter Dinge im Bereich der Jugendbetreuung, Freizeitmöglichkeiten, usw usw. verbessern. Aber das nicht Thema meines Kommentars.)
Der mit dem Glauben tanzt
15. September 2009 at 15:06
Richtig, dass harte Strafen nicht wirken, bezweifle auch ich. Genau deswegen lassen sich doch so viele Jugendliche zu diesen Taten verleiten: “Ach, die können mir doch eh nix”, nach diesem Motto.
Bert
15. September 2009 at 18:04
War es Ende der 60er oder Anfang er 70er: Bild: ” Vampir saugt Blut … Wochenlang” Wa’t Bild schreibt oder die Bibel ist mir scheißegal. Die die Bild/Bibel lesenwerden wird man auch nicht davon abhalten können daran zu glauben. Schade um die Opfer, schade um die Leser, die sich daran “bilden”.
Martin
16. September 2009 at 08:04
Das wesentliche Problem ist, das den Tätern -außer Empathie- auch ein Gefühl dafür, das ihre Tat Konsequenzen hat, nicht nur für das Opfer, sondern auch für sie, komplett fehlt.
Das liegt im Wesentlichen daran, das nicht zeitnah und konsequent gestraft wird und das bereits früh genug.
Die pubertäre Restrukturierung des Gehirns findet ja nicht frei und kontextlos statt, sondern im Rahmen der vorher bereits etablierten Verhaltensstrukturen.
Wenn ein Täter für jede vorher begangene Tat keinerlei oder allenfalls völlig lächerliche Konsequenzen zu erwarten hat, dann wird sich auch der Rahmen der Taten immer weiter und weiter ausweiten. Das zählt halt auch zu dem in der Pubertät auch stattfindenden “Testen der Grenzen”.
Eine der wirksamsten Gegenmaßnahmen ist es, auch “kleine” Vergehen, wie z.B. “Abziehen von Kleidung” etc. bereits sofort und effizient abzustrafen, auch bevor der Täter strafmündig ist.
Grenzen und Konsequenzen des eigenen Verhaltens MÜSSEN früh, klar und auch für den Täter verständlich aufgezeigt werden.
So kann sich dann auch ein passender “Referenzrahmen” und das Bewußtsein und vor allem auch das Gefühl dafür, das das eigene Verhalten Konsequenzen hat, entwickeln.
Ein Mensch, dessen Fehlverhalten nie oder kaum je spürbare Konsequenzen hat, kann diesen Referenzrahmen natürlich auch nicht entwickeln.
Wer kein Feedback bekommt, sei es Zustimmung und Anerkennung oder halt Ablehnung und Strafe, der agiert natürlich eben orientierungslos und ohne jedes Bewußtsein oder Gefühl für Konsequenzen.
Das ist in einem aktuellen Bericht über eine 14-Jährige, die eine vermeintliche 13-Jahre alte “Nebenbuhlerin” fast totgeprügelt hat, ganz gut beschrieben:
Hier kurz beschrieben, WIE die 14-Jährige zugeschlagen (und getreten) hat:
“Das Mädchen habe erhebliche Verletzungen, Prellungen und Hämatome am ganzen Körper erlitten… Es gab keinen einzigen Bereich, der nicht verletzt gewesen wäre“ zitierte sie den Sachverständigen. Der Notarzt hatte die Lebenserwartung des Mädchens auf unter zehn Prozent geschätzt.
Und so wird die Täterin beschrieben, die Symptomatik ist recht typisch: “Sie sieht einen enormen und langjährigen Erziehungsbedarf bei dem Teenager. „Wir fangen hier bei Null an“, sagte Kessler. Das Mädchen kenne keine Grenzen oder Normen, halte sich an nichts, sehe nur ihren eigenen Vorteil. “
H. Lektor
16. September 2009 at 11:10
ich halte den Vorschlag für nicht allzu schlecht, aber auch nicht unbedingt für alzu gut.
denn da scheint irgendwo ein problem zwischen Freier Vernunft vs. sozialer Zwang resp. das Antrainieren Pawlowscher Reflexe aufzutauchen.
Was sich am gewählten Beispiel (was ist eigtl. die Quele? aber auch hypothetisch geht das ganz gut) ganz gut verdeutlichen läßt: Das Problem der Täterin besteht eigentlich nicht darin, daß sie “nur den eigenen Vorteil” sieht, sondern darin, daß sie verschiedene erreichbare vorteile nicht gegeneinander abgewogen hat. Mit anderen Worten, sie hat sich insgesamt dumm verhalten. Was aber die besterzogenen Menschen auch tun, sofern ausschließlich ihre Erziehung für sie Verhaltensbestimmend bleibt (bedingte Reflexe).
Martin
16. September 2009 at 11:23
Ich zitiere mal:
“Das Problem der Täterin besteht eigentlich nicht darin, daß sie „nur den eigenen Vorteil“ sieht, sondern darin, daß sie verschiedene erreichbare vorteile nicht gegeneinander abgewogen hat. Mit anderen Worten, sie hat sich insgesamt dumm verhalten.”
Und das ist halt FALSCH. Sie hat sich innerhalb der ihr vermittelten Erfahrungen und ihres Kontextes eben NICHT dumm verhalten. Sie hat bisher eben die Erfahrungen gemacht, das aus ihrem Verhalten keine oder kaum negative Konsequenzen folgen. Sie hatte gar nicht die Möglichkeit, diverse Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen, weil diese nicht in dem Kontext in dem sie Entscheidungen trifft auftauchen.
Ich finde Dein Posting da etwas sehr konfus. Erziehung hat mit bedingten Reflexen wenig zu tun, sie dient eben dazu diesen Referenzrahmen zu vermitteln.
H. Lektor
16. September 2009 at 11:27
ja, und was ist dieser Referenzrahmen strukturellerseits großartig anderes, als das Lust-Unlust-System, das einem Hund beigebogen werden kann?
Dressur beim Menschen heißt Erziehung.
Martin
16. September 2009 at 11:50
Und die Alternative ist WAS?
Kann das sein, das Du aus Mangel an Argumenten eher ideologisch abstrakt quasselst?
Martin
16. September 2009 at 11:54
Korrektur: Sollte “idealistisch” heißen, nicht “ideologisch”.
H. Lektor
16. September 2009 at 12:01
Naja, wir sind doch alle so begeistert von der Aufklärung.
In diesem Sinne sollte der Mensch sich selber erziehen. Hab ich etwa seit Einsetzen der Pubertät getan und bin noch lange nicht am Ende (daher kann ich auch nicht hundertprozentig sagen, ob ich diesen “Alternativ”-Vorschlag in zehn Jahren auch noch machen würde)
das mit ideologisch/ idealistisch nehm ich beides gerne hin.
.
und Abstraktheit ist, zugegeben, oftmals ein Kommunikations-Problem zwischen mir und der Welt
Bebu
16. September 2009 at 10:59
Tja, was sagt die bayrische Justizministern gestern/heute (bei Phoenix gerade zu sehen) zum Thema Strafe: Es geht bei Strafe auch um Sühne. …
AndreasK
16. September 2009 at 11:09
Um Volker Pispers zu zitieren:”Die Amerikaner haben ja nur deshalb so friiiiedliche Großsstädte, weil sie die Todesstrafe eingeführt haben.”
Wer ein Verbrechen begeht, geht i.d.R. davon aus, nicht erwischt zu werden. Höhere Strafen bewirken überhaupt nichts.
Und warum wird eigentlich immer alles auf die Obrigkeit abgeschoben? Wenn der Staat alles regeln soll, und sogar die Erziehung unserer Kinder übernehmen – was ist dann wohl der nächste Schritt?
Bebu
16. September 2009 at 11:46
“Wer ein Verbrechen begeht, geht i.d.R. davon aus, nicht erwischt zu werden. Höhere Strafen bewirken überhaupt nichts. ”
–> Falsch. Wäre die Strafhöhe irrelevant, könnte man als Strafhöhe auch 10 Cent für jegliches Verbrechen verlangen und würde denselben Abschreckungseffekt erreichen wie bei einem differenzierten Strafkatalog.
Nur in Fällen wie diesem bringt eine Strafandrohung wenig, da die Täter junge, irrationale Idioten sind, die kaum bis gar nicht nachdenken.
Hier bringt eine höhere Strafe nur den Sicherheitseffekt für die Gesellschaft. Wobei dieser wohl nur bei echtem lebenslänglich gegeben ist.
Ich frage mich z.B. wie solche Täter oder die U-Bahnschläger vom letzten Hessenwahlkampf jemals wieder ein sicheres Mitglied unser Gesellschaft sein können. “Verwächst” sich eine derartige asoziale Prägung innerhalb von 10 Jahren Jugendhaft wieder?
Martin
16. September 2009 at 12:00
Stimme ich im Wesentlichen mit überein. Ich frage mich, wie Leute auf “Argumente” wie das “höhere Strafen bringen überhaupt nichts” kommen.
Vermutlich ist das ein verkehrter Schluß daraus, das es Kombinationen aus Situatíon und Verbrechen gibt, in denen das angedrohte Straßmaß wirklich in der Betrachtung des Täters kaum eine Rolle spielt.
Das nehmen Sie dann als “spielt nie eine Rolle”.
Dabei ist nun wirklich jedermanns praktische Lebenserfahrung eine völlig andere. Wie man so blind gegenüber Fakten sein kann, erschließt sich mir einfach nicht.
Wobei bei der Verhütung von Straftaten, zumindest bei der Verhütung von der Herausbildung von Intensiv- bzw. Gewohnheitstätern die schnelle und konsequente Reaktion wirklich eine deutlich höhere Rolle spielt.
AndreasK
16. September 2009 at 12:04
Dass ich nochmal dazu kommen würde, hier selbst die Goldwaage rauszuholen, hätte ich ja nie gedacht ;o) Aber:
Bitte lies, was ich schrob. Dann wirst du sehen, dass ich die Strafhöhe nicht für irrelevant halte. Nur höhere Strafen als die schon bestehenden einzuführen, ist Schwachsinn.
Du allerdings scheinst unterschiedliche Strafhöhen mit unterschiedlichen Strafarten zu verwechseln. Oder kommt man bei Mord neuerdings mit einer Geldstrafe davon?
AndreasK
16. September 2009 at 12:12
@martin: Die “praktische Lebenserfahrung” UND wissenschaftliche Studien zeigen gleichermaßen, dass die Zahl der Gewaltverbrechen in Ländern mit der Todesstrafe nicht sonderlich geringer ist.
Es kommt noch dicker: Wo die Todesstrafe wieder abgeschafft wurde, konnte man keinen signifikanten Anstieg von Gewaltverbrechen verzeichnen.
Aber der Satz mit der verkehrten-Schluss-Kombinations-Täter-Betrachtung war trotzdem toll zusammengestellt. Ehrlich ;o)
derautor
16. September 2009 at 12:13
Das Strafmaß ist natürlich nicht völlig egal und Verhältnismäßigkeit muss gewährleistet sein. Aber die Politik will bei jedem einzelnen Kriminalfall, der in die Medien kommt, die Strafen erhöhen, anstatt sie einfach anzuwenden und das ist bescheuert.
Martin
16. September 2009 at 12:22
@Andreas : danke
Aber ich halte es für einen Fehlschluß, zu behaupten, weil die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung habe, hätten höhere Strafen generell keine.
Die Todesstrafe ist evtl. insofern ein besonderer Fall, als sehr wenige Menschen sich den eigenen Tod vorstellen können. Oder wollen. Beim eigenen Tod greift gemeinhin ein sehr effizienter, psychologischer Verdrängungsmechanismus.
Ich halte es daher ohne weiteres für möglich, das die Todesstrafe sich GRADE wegen ihrer Drastik selbst ihrer abschreckenden Wirkung beraubt, da sie eben aufgrund der psychologischen Schutzmechanismen als mögliche Konsequenz eigenen Handelns effizienter verdrängt wird, als andere mögliche Folgen.
[Eigenlob an]Wow. Dafür, das mir das mal eben so ad-hoc nebenbei beim Arbeiten eingefallen ist, halte ich das für eine ganz clevere Theorie
[Eigenlob aus]
Das wäre auf jeden Fall mal eine Untersuchung wert.
AndreasK
16. September 2009 at 12:39
@derautor: genau, dasselbe gilt ja für Steuern. Die müssen aich nicht erhöht, sondern einfach mal bezahlt werden ;o)
@martin: Ich sehe ein, dass Geld- und Freiheitsstrafen bis zu einem gewissen Maße gleichgesetzt werden können. Zumindest in Deutschland ist das Argument dann hinfällig, wir haben ja keine Körperstrafen hier ;o)
–
Die Todesstrafe habe ich deshalb erwähnt, weil (Achtung, starke Untertreibung) darüber hinaus eigentlich nichts weiter getan werden kann. Und wie überaus real diese Strafe für die Menschen ist, zeigt doch das Engagement vieler Menschenrechtsorganisationen.
–
Strafe soll abschrecken und tut dies auch sehr oft. Ab einem gewissen Grad ist einer Erhöhung allerdings völliger Unsinn, zumindest bzgl. der Abschreckungabsicht – und sehr wahrscheinlich auch bezüglich der beabsichtigten Reaktion des Bestraften.
Martin
16. September 2009 at 12:13
Ob die Höhe der Strafen ausreichend ist, darüber kann man sicher argumentieren. Mir scheint, daß die Verwendung der Sicherheitsverwahrung ein starkes Gegenargument bildet.
Als Scheinargument erscheint mir aber der Hinweis auf den vermeintlichen Unterschied zwischen Strafhöhe und Strafart. Und zwar aus den folgenden Gründen:
-Es ist für die Argumentation unerheblich, ob er nun 10 Minuten Freiheitsstrafe oder 10 Cent sagt. Beides spielt aufgrund der niedrigen HÖHE keine strafverhütende Rolle.
-Die Strafen sind teils wandelbar. Deshalb werden Geldstrafen ja auch in Tagessätzen bemessen…
-Eine Geldstrafe spielt in der Praxis grade für “beginnende Täter” eine deutlich abschreckendere Rolle, als eine Freiheitsstrafe. Die Freiheitsstrafe wird nämlich gerne zur Bewährung ausgesetzt, d.h. ist praktisch außer ein paar Auflagen nicht existent. Eine richtige Geldstrafe tut dagegen u.U. richtig weh.
Bebu
16. September 2009 at 13:58
Warum gibt es hier so wenig Kommentarebenen? Da muss man ja alles Kommentare in einem Wisch bearbeiten. *grummel*
@AndreasK
“Bitte lies, was ich schrob. Dann wirst du sehen, dass ich die Strafhöhe nicht für irrelevant halte. Nur höhere Strafen als die schon bestehenden einzuführen, ist Schwachsinn.”
–> Inwiefern? Eine Strafhöhe ist in der Wirkung der Bestrafung eine höchst subjektive Sache. Beispiel: Ein Gewohnheitskrimineller, der bereits eine gute Zeit seines Lebens im Gefängnis verbracht hat, wird durch eine einjährige Gefängnisstrafe kaum abgeschreckt. Dagegen kann diese einjährige Gefängnisstrafe für normale Menschen bereits der blanke Horror sein.
Von daher kannst du nicht so pauschal sagen, dass höhere Strafen als die bisher bestehenden Schwachsinn wären.
Im Prinzip müßte man für jede Person eine den jeweils subjektiven Empfindungen entsprechende Strafhöhe androhen, um bei allen Personen für eine bestimmte Tat einen vergleichbaren negativen Nutzen als Kosten anzudrohen.
Da dies aus vielerlei Gründen nicht möglich ist, gibt es pauschale Strafandrohungen.
Möglicherweise gibt es jetzt Gründe, die dafür sprechen würden, dass eine höhere Strafandrohung bei den heutigen Tätern besser wirken würde, als die Strafhöhe, die vor Jahren für diese Taten festgelegt wurde, da sich der Durchschnittstäter, nach dem die Strafhöhe vielleicht mal bemessen wurde, geändert hat.
Im vorliegenden Fall würde dies vermutlich kaum helfen, da sich diese beiden Idioten kaum darüber Gedanken gemacht haben, dass sie dafür für mindestens 10 Jahre in den Bau wandern.
Hierfür würde ich für die Zukunft, die von mir am Anfang beschriebene Vorgehensweise des massiven frühen Eingriffs vorschlagen.
“Du allerdings scheinst unterschiedliche Strafhöhen mit unterschiedlichen Strafarten zu verwechseln. Oder kommt man bei Mord neuerdings mit einer Geldstrafe davon?”
–> Das nicht. Aber du schriebst: “Wer ein Verbrechen begeht, geht i.d.R. davon aus, nicht erwischt zu werden. Höhere Strafen bewirken überhaupt nichts.”
Dem widersprach ich in meinen Ausführung, da ich das Strafmaß durchaus für relevant halte.
—- nächster Kommentar:
“@martin: Die „praktische Lebenserfahrung“ UND wissenschaftliche Studien zeigen gleichermaßen, dass die Zahl der Gewaltverbrechen in Ländern mit der Todesstrafe nicht sonderlich geringer ist.
Es kommt noch dicker: Wo die Todesstrafe wieder abgeschafft wurde, konnte man keinen signifikanten Anstieg von Gewaltverbrechen verzeichnen.”
(Dieser wollte uns doch glatt einen Zusammenhang zwischen der Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich und dem französischen Mindestlohn konstruieren.)
–> Na, das hat ja schon was von einem Westerwelle.
Nun zum Thema:
Todesstrafe ist sicherlich ein extremes Strafmaß. Ich selbst halte die praktische Anwendung für quasi unmöglich. Die theoretische Erwägung hingegen widerstrebt mir nicht zwangsläufig.
Der von dir beschriebene Zusammenhang besteht sicherlich, wenn es die Statistiken hergeben. Doch sieht man daran wohl einfach, dass Kriminalität Ursachen hat und in Situationen entsteht, wo ein angedrohtes Strafmaß noch so hoch sein kann, es schreckt nicht mehr ab. Insbesondere wenn die subjektive Annahme über die Wahrscheinlichkeit des Erwischtwerdens gering und die eigene Situation entsprechend unschön/auswegslos ist.
—- nächster Kommentar:
“Strafe soll abschrecken und tut dies auch sehr oft. Ab einem gewissen Grad ist einer Erhöhung allerdings völliger Unsinn, zumindest bzgl. der Abschreckungabsicht – und sehr wahrscheinlich auch bezüglich der beabsichtigten Reaktion des Bestraften.”
–> Das kann sehr gut sein. Kommt halt auf die individuellen Nutzenfunktionen an.
—-
@derautor
“Aber die Politik will bei jedem einzelnen Kriminalfall, der in die Medien kommt, die Strafen erhöhen, anstatt sie einfach anzuwenden und das ist bescheuert.”
Tja, dass sind die Beruhigungstabletten der Union. Insbesondere die CSU und Knallköppe wie Bosbach tun sich damit hervor.
—-
@martin:
“-Eine Geldstrafe spielt in der Praxis grade für „beginnende Täter“ eine deutlich abschreckendere Rolle, als eine Freiheitsstrafe. Die Freiheitsstrafe wird nämlich gerne zur Bewährung ausgesetzt, d.h. ist praktisch außer ein paar Auflagen nicht existent. Eine richtige Geldstrafe tut dagegen u.U. richtig weh.”
–> Aber auch nur unter Umständen und da ist mir dann von einer Gleichbehandlung doch zu wenig vorhanden.
Statt also Geldstrafen einzuführen, sollte man viel mehr und hohe Zahlen an Sozialstunden verhängen.
Da kann sich dann auch ein steuerhinterziehender Millionär wie der Ex-Postchef nicht mit einer kleinen Zahlung verpissen. Sondern er darf dann eben seine 500 Stunden in der Pflege alter Menschen im Altenheim abrackern. Da hätte man dann auch einen brauchbaren Erziehungseffekt. Denn so jemand hinterzieht nicht mehr so schnell steuern, wenn er sieht wie hart und schwierig die Arbeit in unterfinanzierten Altenheimen ist.
H. Lektor
16. September 2009 at 11:15
Herr Autor, an Ihrer Stelle würde ich wegen der “Todprügler” die BILD-Zeitung auf Urheberrechtsverstoß verklagen. Da es sich bei den dort erwähnten “Todesprüglern” bloß um eine minimale Variation ihrer Romanfiguren der “Todprügler” aus “Terry Rotter und der Stein des Anstoßes” handelt.
Davon abgesehen, erinnert mich das ganze ziemlich an “Clockwork Orange”, will sagen, was hier eigentlich krank ist, ist die Gesellschaft. Die Täter sind insofern Opfer, als daß sie für den Versuch, sich zu wehren, geächtet werden.
Womit ich den Opfern (oder dem Opfer?) der Atacke nicht zu nahe treten will. Aber weitergedacht, steht es eigentlich auf der selben Seite, wie seine Angreifer.