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Sprache im Terrorismus

14 Jul

Achse des Bösen

In der neuesten Folge von “Ich blogge das Zeug, das ich lernen muss” befassen wir uns mit der Sprache im Terrorismus. Es geht um die Frage, was Terrorismus ist, um Terrorismus in den Medien, um “Befreiungskämpfer” und um den Krieg gegen den Terror. Eines steht fest: Es bleibt auf jeden Fall spannend. Und terroristisch.

Definition:

Terroristen versuchen durch Bedrohung und Vernichtung von Menschenleben politische Veränderungen zu erzwingen, die sie auf dem Wege gewaltloser Diskussion und Abstimmung nicht durchsetzen können. (Andreas Musolff)

Terrorismus ist die Taktik, das Unmögliche zu verlangen, und zwar mit vorgehaltener Waffe. (Christopher Hitchens)

Der Journalist Christopher Hitchens betont hier das irrationale Element des Terrorismus: Terroristen wissen, dass ihre politischen Forderungen unerfüllbar sind, zum Beispiel die Forderung der Islamisten nach einem Weltkalifat. Trotzdem wenden sie Gewalt an, um diese Forderungen durchzusetzen. Oft ist diese Gewalt zudem ungerichtet und wendet sich gegen beliebige Zivilisten. Die häufigsten Opfer islamistischer Terroranschläge sind andere Muslime.

  1. Staatsterrorismus: Die offizielle Doktrin und Praxis gewaltsamer Machtausübung, z.B. unter Stalin oder unter dem Baath-Regime

  2. Revolutionärer Terrorismus: Gewaltaktionen seitens Gruppen, die keinen Regierungsrang innehaben, z.B. RAF, IRA, al-Qaida

Terrorist ist ein Stigmawort, mit dem die so gebrandmarkte Person oder Personengruppe als politisch inakzeptabler Konfliktgegner diskreditiert und aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Diese Stigmatisierung hat einen Objektivitätsanspruch (eine Gruppe ist wirklich terroristisch, wenn sie so genannt wird). Häufig werden wahre oder vermeintlichte Terroristen mit anderen Stigmawörtern wie Extremismus, Radikalismus, etc. in Verbindung gebracht. Um politische Gegner zu denunzieren, werden diese beizeiten in die Nähe von Terroristen gerückt, auch wenn keine Verbindung nachgewiesen werden kann (jüngst z.B. Bruno Osuch vom Humanistischen Verband Deutschlands in der Berliner Auseinandersetzung um den Religionsunterricht).

Geschichte:

Terrorismus existiert, seit Gewalt in der Politik existiert. Das Wort Terrorismus geht auf das Jahr 1794 zurück. In Frankreich bezeichnete man mit terrorisme und seinen Ableitungen terroriste und terroriser rückblickend die soeben gestürzte „Schreckensherrschaft“ Robespierres (Staatsterrorismus). Seit 1840 befindet sich Terror als Substantiv im deutschen Sprachgebrauch und bedeutete „Schrecken, Schreckensherrschaft, Verbreitung von Angst und Schrecken durch Gewaltaktionen“.

Anti-Terror-Krieg

Krieg gegen den Terror / Krieg gegen den Terrorismus: Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 von der amerikanischen Bush-Regierung geprägtes politisches Schlagwort. Der Begriff fand jedoch schon vorher Verwendung, US-Präsident Ronald Reagan sprach etwa von einem „Krieg gegen den internationalen Terrorismus“ in Reaktion auf den Nordostkonflikt. Auch meinten deutsche Politiker, sich mit der RAF (Rote Armee Fraktion) in einem Krieg zu befinden. Die Obama-Regierung möchte den Begriff „Krieg gegen den Terror“ nicht mehr verwenden.

Ziel: Stigmatisierung von Terroristen nicht nur als Verbrecher, sondern als feindliche Soldaten oder als Ungesetzliche Kombattanten (Kategorie von der Obama-Regierung ebenfalls abgeschafft). Aufweichung der Grenzen zwischen Kriminalitätsbekämpfung und Krieg.

Definitionsprobleme: Die für die Anschläge verantwortliche Terrorgruppe al-Qaida wurde von einigen Staaten unterstützt, darunter Sudan und Afghanistan. Dies bezeichnet man als „staatlich geförderter Terrorismus. Iran, Irak, Lybien und Syrien unterstützten/unterstützen zum Beispiel verschiedene Gruppierungen der PLO (Palestine Liberation Organisation). Die radikal-islamischen Taliban bildeten sogar die Regierung von Afghanistan und übten Staatsterrorismus als auch revolutionären Terrorismus aus.

Aufgrund dieser Verbindungen zwischen Staaten und Terroristen ist es tatsächlich zu einem Problem geworden, ob man ihre Bekämpfung als Verbrechensbekämpfung bezeichnen sollte, oder als Krieg. Es kommt hinzu, dass die Anerkennung von Terroristen als feindliche Soldaten zur Folge hätte, dass für sie die Kriegsgefangenenbestimmungen der Genfer Konvention gelten würden, was bei ihrem aktuellen Status in einigen Ländern (USA, UK, Kanada, Israel, Australien) als Ungesetzliche Kombattanten nicht der Fall ist. Es gäbe also auch Vorteile für Terroristen, wenn man sie konsequent als Soldaten in einem Krieg sehen würde.

Befreiungskämpfer“

Terroristen wollen mit aufsehenerregender Gewalt:

  1. Die Öffentlichkeit mit ihrer Ideologie bekannt machen

  2. Sie zu einer ihren Zielen entsprechenden Verhaltensänderung bewegen

  3. Sie dazu determinieren, sich ihren Forderungen zu unterwerfen

Terroristen nennen sich in Bekennerschreiben und Manifesten typischerweise Befreiungskämpfer, Freiheitskämpfer oder Guerillakämpfer, die in Notwehr und Nothilfe für unterdrückte Bevölkerungsteile einen Widerstandskrieg gegen einen Staat bzw. eine Gesellschaft führen, die zu Reformen nicht bereit und gewaltlosen Argumenten nicht zugänglich sei. Es ist auch denkbar, dass sie gegen einen sogenannten inneren Feind zu kämpfen meinen, etwa wenn rechtsradikale Gruppierungen Anschläge auf Asylantenheime verüben. Im Staatsterrorismus stellen sich die Machthaber als Retter ihres Volkes oder ihrer sozialen Gruppe innerhalb eines Verteidigungskrieges dar.

Terroristen reagieren auf Kritik und Widerspruch von zunächst nicht als Gegner wahrgenommenen Gruppen, indem sie diese als zu vernichtenden Feind bezeichnen. Terroristen gefährden somit die Voraussetzungen der freien Gesellschaft und der politischen Öffentlichkeit, indem sie die Legitimität der offenen Diskussion und Verhandlung zur gesellschaftlichen Entscheidungsfindung leugnen. Die öffentliche Diskussion des terroristischen Angriffs bildet also einen zentralen Bestandteil der Selbstverteidigung der Öffentlichkeit. Umgekehrt kann aber der Terrorist von der Öffentlichkeit zum Feind erklärt werden, gegen den sie einen Krieg zu führen meint und dessen Forderungen und Ziele nicht mehr öffentlich diskutiert werden dürfen (Landesverrat), wodurch sich die freie Gesellschaft selbst gefährdet. Es gibt also sowohl Argumente dafür, aktuelle Terrorgruppen im Sinne eines Krieges bekämpfen zu wollen, als auch Argumente dagegen.

Terrorismus in deutschen Printmedien

Es gibt in deutschen Prinzmedien „kein eindeutiges oder durchgängiges Muster des Begriffs ‚Terrorismus‘“, stellt Torsten Beermann in seiner empirischen Studie fest. In nur zwei von 261 Artikeln wurde über die Verwendung des Begriffs explizit reflektiert. In nur 21 Texten wird angeführt, dass die Täter politische Ziele haben, was zu den Hauptmerkmalen des Terrorismus in der wissenschaftlichen Literatur zählt. „Terrorismus“ wird überwiegend als Stigmabegriff für gewalttätige Personen oder Gruppierungen verwendet, mit denen der Autor des jeweiligen Artikels nicht übereinstimmt. Im Ergebnis fehlt Journalisten der untersuchten Printmedien ein klarer Terrorismusbegriff. Diese Tendenz lässt sich international feststellen.

 
5 Comments

Geschrieben von am 14. Juli 2009 in Medienkritik, Politik, Religionskritik, Wissenschaft

 

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5 Antworten zu Sprache im Terrorismus

  1. Thomas

    14. Juli 2009 at 18:28

    Ein bisschen Off-Topic aber definitiv eines Artikels würdig (vielleicht sogar beim HPD?):

    http://www.examiner.com/x-8928-Philadelphia-Atheism-Examiner~y2009m7d11-Ireland-passes-blasphemy-law

    “On Friday July 11th, 2009, Ireland passed the Defamation Bill by one vote. One of the aspects of this bill would make it illegal to criticize religion… any religion under penalty of fines up to 25,000 Euros. That is the equivalent to nearly $35,000.”

    WHAT THE FUCKIN’ FUCK FUCK???

     
  2. derautor

    14. Juli 2009 at 18:29

    Hab ich schon in die Externe.

     
  3. Neria

    14. Juli 2009 at 18:54

    Als Reaktion auf die Anschläge vom 9. November 2001 von der amerikanischen Bush-Regierung geprägtes politisches Schlagwort.

    *hust* 11. September 2001

     
  4. derautor

    14. Juli 2009 at 19:26

    Immer dieses 9/11…

     
  5. Martin

    15. Juli 2009 at 07:47

    Etwas, mit dem man am Besten so umgeht wie die Israelis in Entebbe.

     
 
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