RSS

Political Correctness für mental Herausgeforderte

11 Jul

Titanic: War Hitler Antisemit?Mohrenköpfe sind mir zu süß. Oh nein, jetzt habe ich etwas politisch Inkorrektes gesagt! “Süß” diskriminiert nämlich gegen Menschen, die nicht süß sind. Und Mohrenköpfe erinnern an Neger, ähm, Schaumspeisen mit Migrationshintergrund erinnern an pigmental Herausgeforderte (Afro-Germanen?).

Political Correctness wurde in den 1960ern von der Neuen Linken erfunden. Damals fasste man so die legitimen Anliegen der liberalen Bürgerrechtsbewegung zusammen, also gleiche Rechte für Frauen, Indianer (“amerikanische Ureinwohner”, als PC-Begriff auch schon veraltet), Schwule und Schwarze (inzwischen: “anders Pigmentierte”).  Das war in Ordnung und hat das Bewusstsein für diskriminierende Haltungen erhöht, die hinter einer diskriminierenden Sprache ja für gewöhnlich stecken. Die Bürgerrechtsbewegung hatte auch kein Problem damit, wenn man von “Schwarzen” sprach.

In den 1980ern sind sie schließlich durchgedreht. Die postmodernistische Linke protestierte gegen Kurse über die “Westliche Zivilisation”, in denen die Aufklärungsphilosophie von “toten, weißen, europäischen Männern” wie John Locke und David Hume (meine Helden) gelehrt wurde. Wer die liberale Philosophie ablehnt, nur weil sie überwiegend von männlichen, weißen Philosophen aus Europa erdacht wurde, der ist ein Rassist gegenüber Weißen, ein Chauvinist gegenüber Europäern und ein Faschist wegen seiner Ablehnung des Liberalismus. Das ist denen aber nicht aufgefallen. Nach zwei Semestern “Cultural Studies”, der hießige Name für “Postmodernismus”, ist mir klar geworden, dass es keinen Grund gibt, warum man den Kreationismus nicht in deutschen Universitäten lehren sollte. Es sei denn, es gibt einen Grund, postmodernistischen Quark dort nicht zu lehren.

Unter Ideen wie “Multikulturalismus”, “Antidiskriminierung” und “Minderheitenförderung” wurden dann “Speech Codes” eingeführt, also eine Liste mit Ausdrücken, die man anstelle alter Ausdrücke verwenden sollte. Bei Missachtung dieser Speech Codes wurde und wird man richtig bestraft. Man ging nämlich davon aus, dass “korrektes Denken” durch “korrektes Sprechen” erzielt werden könne (darüber habe ich in meinem Beitrag über NS-Deutsch berichtet, wo man von “Sprachlenkung” spricht). Dinge wie “Argumente”, um Menschen zu “überzeugen”, sind schon nicht mehr im Trend in amerikanischen Universitäten.

In Deutschland gibt es politische Korrektheit nicht im amerikanischen Sinne. Zwei Gesetze stehen dennoch auf dieser Linie, nämlich der Gotteslästerungsparagraph und das Verbot der Holocaustleugnung.

Die Elemente der PC-Ideologie sind: Sprachkritischer Moralismus (z.B. nennt man den jeweils anderen zuerst), Meliorismus (Weltverbesserung, in diesem Fall durch Sprachdiktatur), Dogmatismus (die sprachmoralistischen und sprachmelioristischen Positionen werden dogmatisch festgelegt und durch Zwang durchgesetzt).

Hier die konkrete Vorgehensweise:

Ethische Korrektheit: Durch Wortveränderungen oder -neubildungen sollen negativ bewertete physische oder psychische Merkmale neutralisiert werden, zum Beispiel “chemisch unpäßlich” für betrunken, “anders befähigt” für behindert, “vertikal herausgefordert” für kleinwüchsig und “horizontal herausgefordert” für fett.

Ökologische Korrektheit: Hier soll das “Umweltbewusstsein” geschärft werden: Papier ist demnach eine “verarbeitete Baumleiche”, Schnitzel ein “gebratenes Tiermuskelstück”,  Waldsterben ist “Waldmord”, Umwelt ist “Mitwelt” und Unkraut ist “Wildkraut”.

Hieran erkennt man, dass Political Correctness der Versuch ist, anderen Menschen durch Sprachlenkung das eigene (bei der PC-Bewegung völlig verkorkste) Weltbild aufzuzwingen. Es gibt auch einen Unterschied zur feministischen Sprachkritik, bei der die Betroffenen selbst auf eine diskriminierende Sprachverwendung aufmerksam machen. Im Falle der PC dagegen sind es weiße Frauen und Männer der gehobenen, amerikanischen Mittelschicht, die festlegen, wie man über Minderheiten und bestimmte Themen  zu sprechen habe.

Die Bekloppten von der PC-Bewegung haben allerdings ihre eigene Vorstellung davon, wie frauenfreundliche Sprache auszusehen hat. So ersetzen sie einfach männlich klingende Morpheme, die aus diachronischer (sprachhistorischer) Sicht gar nichts mit Männern zu tun haben, einfach durch weiblich klingende Morpheme, zum Beispiel werden aus: Semantics, mental, human und history folgende Wörter geschmiedet: “Semfantics”, “femtal”, “hufem” und “herstory”.

In Deutschland gibt es manchmal ähnliche Ansätze, so wurden Zigeuner durch “Sinti” und “Roma” ersetzt – als ob ein Außenstehender wüsste, wer nun den Sinti und wer den Roma angehört!

Political Correctness ist politisch Inkorrekt

PC basiert auf sprachidealistischen Annahmen, laut der man das Denken verändern kann, indem man die Sprache reguliert, eine Idee aus Orwells “1984″, dort als “Neusprech” bekannt. Das funktioniert aber nicht. Durch PC werden vielmehr Vorurteile verschleiert, sodass niemand mehr gegen sie argumentiert und sie einfach verdeckt weiterbestehen. Der private Sprachgebrauch (“Schwuchtel”) wird vom öffentlichen (“Homosexueller”) abgetrennt. Was PC ist, wird von einer Gruppe von Faschisten festgelegt, die anderen ihr bananiges (“verarbeitete Baumleiche”!) Weltbild aufzwingen wollen. Individuelle Abweichungen werden sprachlich eliminiert. Die “Opfer” oder ihre Vertreter können beliebig festlegen, was verletzender Sprachgebrauch ist.

Diese Gruppe von Faschisten möchte das Selbstwertgefühl der Sprachopfer erhöhen. Das wollen die betroffenen Gruppen aber oft selbst nicht, weil sie durch die Umbenennungen als “Andersartige” und irgendwie Kranke und bevorzugt zu behandelte Gruppen wahrgenommen werden. Die Opfer sehen sich vielleicht gar nicht als Opfer oder wollen nicht als solche gesehen werden. Darum nennen sich z.B. Körperbehinderte inzwischen ironisch selbst “Krüppel” und lehnen sich gegen die PC-Faschisten auf. Ferner werden jene ausgeschlossen oder sogar bestraft, die zum Beispiel auf einem Dorf aufgewachsen sind und das PC-Geschwurbel gar nicht kennen, dabei ihre “diskriminierende” Sprache gar nicht so meinen.

Hier einige tolle Videos zum Thema:

Christopher Hitchens in einer Diskussion über freie Rede:

Penn & Teller über PC in amerikanischen Universitäten:

 
31 Comments

Geschrieben von am 11. Juli 2009 in Philosophie, Politik

 

31 Antworten zu Political Correctness für mental Herausgeforderte

  1. AndreasK

    13. Juli 2009 at 07:24

    Moin!
    ZUnächst mal die Sache mit der “neuen Linken” als Erfinder in den 1960ern: Wikipedia ist ja nicht das Nonplusultra, aber ich kann den von dir dargelegten und sicher hart recherchierten Fakt dort nicht finden:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Korrektheit

    Deine Quelle würde mich interessieren, zumal Wikipedia von einer ersten Nennung 1793 spricht. Danke!

    Und dann ist es absolut deine Sache, ob du Neger sagst. Du kannst jeden beleidigen, den du beleidigen willst. Nur musst du halt teilweise mit Konsequenzen rechnen. (Ich weiß natürlich, dass man hergehen kann und bei jedem beliebigen Wort sagen “Dadurch fühle ich mich beleidigt”. Es gibt Begrifffe, bei denen das aber eher zutrifft. Die immer wieder gern benbutzten Begrife Neger und Schwuchtel gehören ME zur Gruppe der Wörter, bei denen ich eine Beleidigung anerkenne. So etwas kann nicht reich wissenschaftlich geklärt werden, sondern muss in einem Konsens passieren.)

    Sprache verändert sich. Wörter, die vor 100 Jahren normaler Sprachgebrauch waren, gibt es heute nicht mehr. Einige haben heute eine andere Bedeutung, als damals. PC ist IMHO der Versuch einzelner Vereine, Personengruppen und teilweise Lobbyähnlichen Zusammenschlüssen, diesen Prozess zu beeinflussen.

    Einzelne Wörter, die man unter “Nicht-PC” fassen würde, werden nicht von unserem “Regime” verboten, die Benutzung einer Alternative wird nicht vorgeschrieben. Und das trifft schon gar nicht auf die gesamte deutsche Sprache zu. Mit “Neusprech” hat das nichts zu tun.

     
  2. derautor

    13. Juli 2009 at 09:51

    Die Quelle ist doch verlinkt!
    http://www.linse.uni-due.de/linse/esel/pdf/pol_correct.pdf

    Außerdem musst den Artikel noch einmal lesen, bevor du mir Dinge unterstellst, die ich gar nicht behaupte. Zudem hängt es nicht vom Wort selbst ab, ob es eine Beleidigung ist, sondern vom Verständnis. Im Prinzip zerstören die PC-Leute nur unsere Fähigkeit, Klartext zu sprechen. Haltungen ändern sich nicht durch die Änderung der Sprache.

    Auf dem Land ist zum Beispiel “Neger” keine Beleidigung, sondern der normale Begriff für “Afro-Germane” (Afro-Amerikaner sind es ja nicht!).

    Außerdem ist im Text deutlich zu lesen, dass es in amerikanischen Universitäten “Speechcodes” gibt und dass ein Verstoß gegen diese zu Sanktionen führt!

     
  3. AndreasK

    13. Juli 2009 at 15:14

    “Auf dem Land ist zum Beispiel “Neger” keine Beleidigung, …”

    Dem Beleidigten ist ziemlich egal, WER ihn beleidigt, wie das genau gemeint sein könnte und ob man grade auf dem Land ist oder im Lungesessel einer Großstadt-Disco. Dieses Argument (auch in deinem letzten Absatz genannt) wird häufig genannt: Wer nicht weiß, dass eine sache beleidigend ist, kann ja garnicht beledigen. Aber man kann sich beleidigt fühlen. Gleich, wer da was aus welchen Motiven sagt.

    Scheiß die Wand an, was bin ich heute widda Gutmensch ;o)

     
  4. derautor

    13. Juli 2009 at 15:47

    Es gibt kein Recht auf Nicht-Beleidigtsein! Die selbe Argumentation unterliegt doch dem Gotteslästerungsparagraphen. Natürlich sollte man niemanden wegen seiner Hautfarbe beleidigen, aber der Punkt ist doch: Vorurteile lassen sich durch Sprachvorschriften nicht abbauen, sondern nur durch Überzeugungsarbeit (und selbst das funktioniert nur schlecht).

     
  5. AndreasK

    13. Juli 2009 at 16:02

    Gutes Argument. Ich gebe dir recht! Aber es geht doch garnicht um eine rechtliche Regelung oder gestzliche Vorschriften. Sondern darum, andere zur Einsicht zu bewegen, dass einige Begriffe geschichtliche oder beleidigende Konnotationen haben können.

    Eine Tankstellenkette hatte unlängst eine Promotion-Aktion unter einem Titel “Jedem das Seine” oder so ähnlich laufen. Das kann man natürlich halten wie man will. Nur verkaufen tuste so halt vielleicht weniger. Und so ähnlich verhält es sich mit Negern und Schwuchteln …

     
  6. derautor

    13. Juli 2009 at 16:22

    “Aber es geht doch garnicht um eine rechtliche Regelung oder gestzliche Vorschriften”

    In dem Artikel geht es u.a. um die Speech Codes in US-Universitäten, die mit Strafen durchgesetzt werden.

    “Sondern darum, andere zur Einsicht zu bewegen, dass einige Begriffe geschichtliche oder beleidigende Konnotationen haben können”

    Ich finde, darum sollte es nicht gehen, sondern darum, die Einstellungen gegenüber den betroffenen Minderheiten zu ändern. Ich wäre explizit dafür, dass ein Nazi sich so äußert wie ein Nazi, dass er also von “Kanaken” und “Schwuchteln”, etc. spricht. Wenn er sprachlich verschleiert, was er denkt, wird seine Haltung unklarer und akzeptabler. Wenn er sich klar ausdrückt, kann man ihn zurechtweisen oder rauswerfen.

    Die negative Denotation (nicht nur Konnotation) der Begriffe “Neger” und “Schwuchtel” hat sich inzwischen eingebürgert. Ich bin nicht dafür, jemanden so zu nennen, sondern weise darauf hin, dass man damit aufhören sollte, Wörter inhaltlich zu verschieben, etwa von “Neger” zu “Schwarzer”, ohne die Vorurteile zu verändern. Wenn jemand Schwarze hasst und von “Schwarzen” spricht, ist dies genauso, als wenn er Schwarze hasst und von “Negern” spricht. Sprache ändert die Haltung nicht und PC verwässert nur ihren Ausdruck.

     
  7. HFRudolph

    14. Juli 2009 at 12:32

    Ein heißes Eisen…

    Hier wusste ich zuerst nicht, ob das ernst gemeint ist oder ob das ein Scherz der NPD ist:
    http://www.derbraunemob.de/deutsch/index.htm
    Die meinen das aber wirklich ernst.

    Karl May hat übrigens in seinen Büchern noch unterschieden zwischen dem als diskriminierend angesehenen „Nigger“ und dem damals politisch korrekten „Neger“, ohne dass damit etwas böses gemeint gewesen wäre.

     
  8. H. Lektor

    14. Juli 2009 at 15:23

    Was macht man eigentlich (bzw. sagt zu) einem “Afro-Germanen”, der, bevor er nach Deutschland kam, drei Generationen lang in Frankreich gelebt hat? Ist das dann ein “Franko-Afrikaner” (was sehr unschön an den Generalissimo erinnern täte) oder ein “Negrofranzose”?

    Sehr geehrter Autor, die Schwachsinnigkeit der Sprachlenkung haben Sie sehr schön gezeigt, aber leider etwas wenig erklärt. Wie ich am eigenen Leibe feststellen mußte, muß man der Masse (die im Massenmedium Internet nunmal das Publikum ist) immer alles erklären.

    PS: eine etwas realere Spur von PC-Versuch ist vermutlich die sache mit dem sogen. “Prekariat”, was eine vollkommen antiästhetische Verballhornung ist.
    Ganz davon abgesehen, daß es ein erst recht demütigender Begriff für die betroffenen ist.

     
  9. AndreasK

    14. Juli 2009 at 15:52

    @ H. Lektor: Zu einem Menschn, der bereits drei Generationen lang lebt, sage ich … “Mann, bist du alt!”

    Den komischen Wortdreher “Afrogermane” hat der werte Autor einfließen lassen. Wenn ich recht infoirmiert bin, ist “Schwarzer” nach wie vor völlig OK. So wie es für die meisten Weißen OK sein dürfte, Weißer genannt zu werden (Wenn diese Unterscheidung denn unbedingt gemacht werden muss).

    Hier eine Richtlinie der “NPD-Satire-Gruppe” (das nimmt echt spannende Formen an, hier) für Journalisten. Ganz hilfreich, wie ich finde: http://derbraunemob.de/shared/download/Warum%20nicht%200607.pdf

    Auch hier: Es wird nichts vorgeschrieben, sondern argumentiert.

     
  10. derautor

    14. Juli 2009 at 17:12

    Nein, “Schwarzer” ist offiziell nicht mehr PC. Das heißt jetzt “Anders Pigmentierter”. Vorgeschrieben wird das, wie schon gesagt, nur in amerikanisches Colleges. Ich finde allerdings die ganze PC-Idee schon verblödet, ob nun vorgeschrieben oder nur gesellschaftlich sanktioniert.

     
  11. Trinculo

    14. Juli 2009 at 18:03

    Ist nicht im Grunde “Anders Pigmentierter” diskriminierender, da es impliziert, dass es “normal Pigmentierte” gibt, und man als “Anders Pigmentierter” unnormal ist?

    Also wenn ein Schwarzer es nicht mag, “Neger” genannt zu werden, kann ich das ja noch verstehen, aber warum sollte man nicht mehr Negerkuss sagen dürfen? Weil man damit das Gebäck beleidigt?

     
  12. AndreasK

    14. Juli 2009 at 21:04

    @Trinculo: Der Negerkuss ist ein sprachliches Überbleibsel der Kolonialzeit. Zitat aus Wikipedia:

    “In ähnlich verzerrender, oft bewusst grotesker Form griff die Werbeindustrie der Zwischenkriegszeit das rassistische Stereotyp des „Negers“ auf und verwendete es für vielfältige Produkte, insbesondere aus dem Bereich der Tabak- und Kolonialwaren. Neben Bezeichnungen wie „Negerkuss“ und „Mohrenkopf“ sind z. B. einige bis heute verwendete Warenzeichen Relikte dieser Zeit.”(http://de.wikipedia.org/wiki/Neger#Geschichte)

    Das wäre doch für’s erste ein super Grund, oder? ;o)

    @derautor: “… dass man damit aufhören sollte, Wörter inhaltlich zu verschieben, etwa von “Neger” zu “Schwarzer”, ohne die Vorurteile zu verändern.”

    Na klar müssen auch die Vorurteile bekämpft werden. Aber was den Versuch betrifft, Worte nicht weiter zu benutzen, wird andersrum erst ein Schuh draus: Wer Rassist ist, wird dies auch sein, wenn er PC-Sprache nutzt. Aber rassistische Begriffe zu vermeiden, ist der erste Schritt hin zu einem respektvollen Umgang.

    Und der wiederum eignet sich doch wunderbar dazu, Vorurteile gar nicht erst aufkommen zu lassen: Wenn unterschiedliche Hautfarben keine Rolle spielen, muss man auch keine sprachlichen Verrenkungen anstellen!

     
    • H. Lektor

      15. Juli 2009 at 11:44

      Und was ist mit Mohrrüben?

       
    • Trinculo

      15. Juli 2009 at 13:17

      Der Negerkuss kommt aus Frankreich wo er “tête de nègre” hieß und noch heißt, wobei hier “nègre” ganz einfach das Adjektiv “schwarz” ist. (Weil die Süßspeise eben mit _schwarzer_ Schokolade überzogen ist.) Das wurde dann im Deutschen zu “neger”. Kuss ist die Übersetzung des französischen “baiser”, da ein Baiser auch eine schaumige Süßspeise aus Frankreich ist. Was daran nun rassistisch ist werde ich wohl nie verstehen.
      Die Assoziationen zwischen dieser Süßspeise und der Kolonialherrschaft hat man sich erst später ausgedacht.

      Die Mohrrübe hat auch nichts mit einem Mohr zu tun. Der Begriff “der Mohr” leitet sich einfach von den “Mauren” ab. Bezog sich also ursprünglich nur auf die Herkunft und nicht auf die Hautfarbe. Die Silbe “Mohr” aus Mohrrübe entwickelte sich aber aus in slawischen Sprachen verwendeten Wörtern für “Wurzel”.

      Wenn man sich schon fragt ob man noch Wurzel sagen darf, weil man das um zehn Ecken mit Rassismus in Verbindung bringen kann, zeigt doch deutlich wie nervig dieses ganze PC-Gedöns ist.
      Wenn es Schwarze nicht mögen “Neger” genannt zu werden ist das ja verständlich. Mir als Weißer wäre es auch unangenehm als “Arier” bezeichnet zu werden. Aber irgendwann wird lächerlich, wenn man nicht mehr sagen kann:
      “Ein kleines Kind wollte einen Negerkuss, da habe ich ihm einen von den Dickmann’s gegeben.”
      Weil es politisch korrekt heißt:
      “Ein vorläufig untergroßer Vorerwachsener wollte eine Süßspeise aus zuckerfreiem Eiweißschaum mit Eiern von glücklichen Hühnern mit Schokolade aus ökologisch angebautem und fair-trade gehandeltem Kakao überzogen, da habe ich ich ihm einen von den horizontal herausgeforderten PersonInnen’s gegeben.”
      Damit ist der Satz vielleicht endlich zu 100% politisch korrekt, ob die Welt aber dadurch besser geworden ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

       
  13. derautor

    14. Juli 2009 at 21:24

    Und wenn genügend Menschen “Schwarzer” rassistisch gebrauchen, dann nennt man es eben “Anders Pigmentierter”, ohne dass sich etwas Substanzielles verändern würde. Das geht dann ewig so weiter.

    Ich finde schon, dass wir die heute geläufigen Begriffe verwenden sollten, zumindest, insofern sie nicht völlig ungeeignet und albern sind. Aber nicht mehr weiterverschieben.

     
  14. AndreasK

    15. Juli 2009 at 09:02

    @derautor: Hm. Das Denken muss sich auch ändern. “Neger” ist noch immer ein gebräuchlicher Begriff, sonst müssten wir nicht drüber diskutieren. Ich kann immer noch Möbel im “Kolonialstil” kaufen. Fragen wie “Wo kommst du denn eigentlich her” oder “Du kannst sicher super toll singen/laufen, oder?” (weitere bitte hier entnehmen: http://www.deutschlandschwarzweiss.de/liste_dummer_sprueche.html) sind noch immer völlig normal.

    Wenn man nicht darauf hingewiesen wird, dass diese Denk- und Redeweise rassistisch ist, kann man es auch nicht wissen, denn es ist tradiert. Und auf solche Themen angesprochen, gibt es viele Leute, die gerne mitdiskutieren (wie hier zu sehen, immerhin schon 14 Kommentare). Und du meinst wirklich, das würde nichts an der Substanz ändern?

    Niemand will nur “ein Wort austauschen”, auch wenn irgendwelche US-PC-Regeln diesen Anschein erwecken. Diskussionen wie diese hier sollen nicht allein “Neger” mit “Schaum” austauschen, sie fordern zum Nach- und Umdenken auf.

     
  15. Martin

    15. Juli 2009 at 09:38

    Tja, aber hier kommt ja auch schon wieder Blödsinn hoch.
    Wieso sollte die Bezeichnung von Möbeln als “im Kolonialstil” in irgendeiner Form rassistisch sein?

     
  16. AndreasK

    15. Juli 2009 at 09:51

    @Martin: Dann klopfe ich mal von unten bei dir da oben an und erkläre den Blödsinn gerne:

    Wer Produkte (in der Regel Möbel) nach der Kolonialisierung benennt – also nach Völkermord, Versklavung, Vergewaltigungen etc. – schafft damit eigentlich kein besonders schönes Ambiente. Nur in unseren Köpfen entwickelt sich dieses romatisch-positive Bild auf Kosten derjenigen die dafür bluten mussten.

    So in etwa …

     
    • Martin

      15. Juli 2009 at 12:25

      derautor hat’s ja schon beantwortet. Ich halte die Begründung für schwachsinnig. Es ist doch in diesem Kontext völlig egal. Die Möbel sind so benannt, weil sie aussehen, wie in den Kolonien verwendete Möbel.

      Ehrlich gesagt halte ich das Vorgehen für ausnehmend dumm. Es sorgt allenfalls für eine gewisse Verdrängung. Und vor allem für eine unsägliche Übersimplifizierung und schwarz/weiß Malerei, die der Realität in keiner Weise entspricht und daher wohl auch nur schädlich sein *kann*.

       
  17. derautor

    15. Juli 2009 at 11:18

    Aber es ist eben faktisch der Kolonialstil! Man könnte so ziemlich alles umbenennen, dieser Logik nach. Fast alle religiöse Kunst, ägyptische, römische…

     
  18. H. Lektor

    15. Juli 2009 at 11:48

    Warum wirddie Debatte eigentlich hier geführt, wenn das Problem sich in den USA befindet? Bisher hab ich daraus nur gelernt, daß krampfhafte Versuche, sichdie eigene Sprechweise zurechtzubiegen, zu absurditäten führt, die die Grenze der Realsatire schon überschritten haben. Beispiel: Wenn nur Übergewichtige als “horrizontal herausgefordert” euphemisidert werden, fühle genau deswegen ich mich diskriminiert.

     
  19. AndreasK

    15. Juli 2009 at 13:35

    Die Diskussion hier hebt (wie so oft) auf das Thema “Was man dann alles nicht mehr sagen darf” ab.

    Die Leute, die ihr damit beleidigt, sind euch völlig egal.

    Wohlgemerkt: Das ist euer gutes Recht! Man kann’s halt nicht jedem Recht machen!

    Nur müsst ihr euch nicht wundern, von diesen Leuten u.U. als Arschloch angesehen zu werden.

    Auf einem Blog, das sich Aufklärung hinter die Ohren schreibt, hätte ich mir etwas mehr Diskussionsbereitschaft und etwas weniger sofortige argumentative Abwehrhaltung erhofft.

     
    • Martin

      15. Juli 2009 at 16:30

      Das *ist* Diskussion. Nur halt nicht in Neusprech verpackt.

      Ziemlich schäbig auch der Versuch, sich mit Ad-Hominem Attacken als die “moralisch gute Option” zu profilieren. Ohne auch nur in Betracht zu ziehen, man könnte evtl. falsch liegen. Das darf ich also dann als “Diskussionsbereitschaft” in PC-Sprache verstehen? “Ich hab recht und bin der moralisch Gute und wenn ihr damit nicht übereinstimmt, dann seid Ihr Pfui-Bah?”

      Wie hier:
      “Die Leute, die ihr damit beleidigt, sind euch völlig egal. ”

      Keineswegs. Aber die Beleidigtheit dieser Leute ist das wesentlich kleinere Übel gegenüber dem feigen, vermulchenden und wahrheitsfernen PC-Geschlurche.
      Ist so ähnlich wie bei der Religionskritik.

       
  20. Trinculo

    15. Juli 2009 at 13:57

    Mal im Ernst: Glaubst du wirklich ein dicker Mensch fühlt sich dadurch besser, dass man ihn nicht mehr “dick” sondern “horizontal herausgefordert” nennt?

     
  21. AndreasK

    16. Juli 2009 at 07:58

    @Martin: Na wunderbar, ich bemängele fehlende Bereitschaft, sich mit der Sache auseinanderzusetzen, und bekomme vorgeworfen, ich würde euch persönlich angreifen. Da siehst du, wie schnell sowas geht ;o) Die “Whiteness Studies” kennen diese und andere Abwehrreaktionen und analysieren sie auf wissenschaftlicher Ebene.

    PC-Regeln und diejenigen, die von ihnen geschützt werden sollen, stehen nicht in dem Verhältnis zueinander, wie Religionen und ihre Anhänger. Wenn du in Deutschland lebende Schwarze als eine ähnliche “Gruppe” ansiehst, wie meinetwegen “Die Christen”, zeigt das sogar schon einen Teil des Problems.

    Ein respektvoller Umgang mit Menschen – ganz ungeachtet dessen, ob sie braune Augen, rote Haare oder dunkle Haut haben – und ein bisschen Hinterfragen tradierter Denkweisen reichen doch in der Regel schon. Mehr wird nicht verlangt und trotzdem bricht hier gleich ein Sturm der Entrüstung los … bemerkenswert.

    @Trinculo: Wenn ein Begriff oder Satz starke historische Verbindung zu Eregnissen oder Personen hat (positiv oder negativ), dann ist es müßig, die Ethymologie zu bemühen. Ich bin ein Berliner, Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten, Arbeit macht frei, No Sports, Peanuts – alle diese Sätze/Worte haben einen starken Bezug zu Ereignissen oder Personen (Vorsichtshalber: Das sind Beispiele, mehr nicht). Ich kann natürlich sagen, dass sie in der deutschen/englischen Sprache schon vorher vorkamen und durch rein grammatikalische Zusammensetzung entstehen können. Das ist aber in dem Fall irrelevant. Noch ein Beispiel: “Kanake” kommt aus dem Kaledonischen und bedeutet dort schlicht “Mensch”. Wer den Begriff benutzt, will aber in der Regel eher beleidigen: Die Herkunft des Wortes und seine spezielle Nutzung in Deutschland sollten daher getrennt betrachtet werden.

     
    • AndreasK

      16. Juli 2009 at 08:00

      Huch: Etymologie natürlich ohne “h”. Mache ich immer wieder falsch …

       
  22. Martin

    16. Juli 2009 at 12:47

    Sorry, aber Du verbreitest Doch wirklich nur Worthülsen.
    Du bemängelst die mangelnde Bereitschaft mit der Sache doch nur, weil Du unwillens bist zu sehen, DAS wir uns mit der Sache auseinandersetzen. Wir kommen nur nicht zu den Ergebnissen, die Du möchtest. Also können wir uns ja nicht damit beschäftigt haben, denn sonst *müssten* wir ja zu denselben Ergebnissen kommen, wie Du.

    Und da haben wir halt wieder genau diesen selbstherrlichen Dreck:
    “Ein respektvoller Umgang mit Menschen – ganz ungeachtet dessen, ob sie braune Augen, rote Haare oder dunkle Haut haben – und ein bisschen Hinterfragen tradierter Denkweisen reichen doch in der Regel schon. Mehr wird nicht verlangt und trotzdem bricht hier gleich ein Sturm der Entrüstung los … bemerkenswert.”

    Die Selbstherrlichkeit mit der Du wierderum für Dich und Deinen Standpunkt automatisch die “Gute” Position reklamierst, ist wirklich beachtlich. Genauso, wie die offensichtlich unerschütterbare, absolute Gewißtheit, das wer Deinen Sprachvorgaben nicht folgt, natürlich auch keinen Respekt zeigen kann. Den zeigt natürlich nur, wer sich Deinen Vorstellungen konform verhält.
    Das ist tatsächlich bemerkenswert.

    Es ist *genau* diese unerschütterliche, absoluter Gewißheit, das der eigene Standpunkt der richtige, der GUTE ist, bei oft gleichzeitig maximalem Regulierungswillen, meist im Namen irgendwelcher “Beleidigter”, die oft nichtmal wissen, das sie beleidigt zu sein haben, der mir an dem ganzen Mist so zuwider ist.

     
  23. H. Lektor

    16. Juli 2009 at 13:55

    Und dabei muß man menschen nicht mal respektieren, um ihnen keine Verletzungen anzutun – und was das hinterfragen eigener Standpunkte anbetrifft: ist ja alles schön und gut, aber das geschieht nicht dadurch, daß man die alten gedanken in neue worte hüllt und verschleiert. es geschieht, wenn überhaupt, dann dadurch, daß man sich durch “besonderheiten” (im sinne von “nicht dem gewohnten entsprenchendem”) an menschen nicht davon abhalten lasse, zu diesen in kontakt zu treten und sich mit ihnen als personen auseinanderzusetzen.

    als misanthrop hat mans wirklich verdammt viel einfacher, denn als krankhaft-krampfender Gutmensch.
    und dass hier mehr gegeneinander als um die sache gestritten wird, bestätigt mich darin nur…
    :-P

     
  24. AndreasK

    16. Juli 2009 at 14:09

    @martin&Lektor:
    “Genauso, wie die offensichtlich unerschütterbare, absolute Gewißtheit, das wer Deinen Sprachvorgaben nicht folgt, natürlich auch keinen Respekt zeigen kann.”

    Naja, also da nehmen wir uns anscheinend nichts, denn ich folge ja auch nicht Euren “Ergebnissen” und werde dafür hier stark kritisiert. Diesen Ergebnissen (“Auf dem Land ist zum Beispiel “Neger” keine Beleidigung”, “Weil man damit das Gebäck beleidigt?”) möchte ich aber in der Tat nicht folgen, denn sie sagen eigentlich nur: Alles weiter wie bisher, ist ja auch nicht so schlimm bzw. das kleinere Übel im Kampf gegen den PC-Wahn.

    Und wenn ich Sachargumente statt Worthülsen bringe (“Geschichtlicher Hintergrund von Begriffen und Sätzen”; wissenschaftlicher Ansatz “Whiteness Studies”; Erklärungen schwarzer Interessengemeinschaften; aktuelle Literatur zum Thema), werden diese in den Folgekommentaren nicht weiter behandelt. Ist nicht schlimm, nur bitte sagt nicht, ich hätte keine Argumente gebracht.

     
    • H. Lektor

      21. Juli 2009 at 13:28

      geht über meinen horrizont, was ich nun speziell Ihnen böses geschrieben habe…

       
      • AndreasK

        21. Juli 2009 at 13:37

        Böses? Das unterstelle ich Ihnen doch garnicht. Mit Ihrem Horizont ist also alles soweit in Ordnung… ;o)

         
 
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 103 other followers