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Schäuble und die Theokraten

07 Jul

Schäuble from Hell!Offenbar haben die Islamisten, die er zu seiner Konferenz eingeladen hatte, einen bleibenden Eindruck bei unserem Innenminister hinterlassen. In Regensburg sagte er auf einer Veranstaltung des Bundesinnenministeriums, dass “jede freiheitliche Gesellschaft auf ein religiöses Fundament angewiesen bleibt”.

Dieses “religiöse Fundament” setzte Wolfgang Schäuble, der so gebildet ist wie ein Schuhkarton, mit Moral gleich: Gerade die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise zeige, „was passiert, wenn Werte und Tugenden ganz aus dem Blick geraten”, heißt es im Artikel der Abendzeitung, ferner: Andererseits heiße Vielfalt aber nicht, dass der Staat „seine eigenen religiös geprägten Wurzeln vergisst“: „Jede Gesellschaft lebt in ihren Traditionen und in ihrer Kultur. Der Staat kann sich von diesen Traditionen nicht abschneiden, ohne seine eigene freiheitliche Ordnung zu gefährden.“

Das alles ist ein ganz unglaublich dummes und gefährliches Geschwätz. Die freiheitliche Gesellschaft zeichnet sich eben gerade dadurch aus, dass sie kein religiöses Fundament hat! Deshalb ist sie ja freiheitlich! Im christlichen Abendland (im finsteren Mittelalter) wurde den Menschen von König und Klerus vorgeschrieben, was sie zu glauben hatten, im säkularen Staat ist das eben nicht so! Offenbar ist die Aufklärung, so wie jegliche Art von historischer und philosophischer Bildung, an unserem Innenminister völlig vorbeigegangen! Der freiheitliche Staat hat seine Wurzeln in der Aufklärung, er basiert auf der Philosphie von John Locke (Individuelle Menschenrechte), Baron de Montesquieu (Gewaltenteilung) und anderen Denkern. Im Gegensatz zu Saudi Arabien und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hat die moderne Demokratie, verdammt nochmal, kein religiöses Fundament!

Mit seiner Identifizierung von “Werten” und “Tugenden” mit dem Christentum löscht er die griechische Antike, die säkulare Rechtsphilosophie Roms, die Rennaissance und die Aufklärung aus den Geschichtsbüchern. Das ist alles niemals geschehen! Die säkularen Moralphilosophen Immanuel Kant und David Hume haben nie gelebt, Descartes und Voltaire haben nie gelebt, Tom Paine und Thomas Jefferson sind nichts als Staub in den Geschichtsbüchern Schäubles!

In der Tat wagt er es, 1/3 der Bevölkerung, über 20 Millionen Menschen (eigentlich viel mehr), nicht einmal zu erwähnen! Er spricht von der “Offenheit für alle Bekenntnisse”, aber nicht von der “Offenheit für die Bekenntnislosigkeit”! Und was ist mit den Religionslosen? “Nach der Katastrophe des Nazitums war es das christliche Fundament, auf das die Väter und Mütter des Grundgesetzes zurückgegriffen haben.“ Kardinal Schäuble hat gesprochen! Das atheistische Naziregime kann nur durch eine Unterwanderung des Staates durch christliche Theokraten von der Wiederkunft abgehalten werden!

Hitler und seine Freunde...

Der Heidelberger Verfassungsrechtler Prof. Paul Kirchhof dreht derweil total am Rad. So heißt es in dem Artikel: Dabei hob er hervor, dass sich Staat und Kirche immer um ein- und denselben Menschen bemühten: „Dieser Mensch ist Staatsbürger und Religionsangehöriger zugleich.“ Der MENSCH ist Staatsbürger und Religionsangehöriger zugleich! Und was ist mit Konfessionslosen? Sind das etwa keine Menschen, oder keine Staatsbürger? Logischerweise offenbar nicht! “Jede Rechtsordnung, so Kirchhof weiter, könne nur existieren, „wenn sie ein Tabu hat, etwas, das nicht mehr hinterfragt wird“, etwa Artikel 1 der Grundrechte: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“, heißt es weiter. Der Staat will uns jetzt also auch noch Denkverbote aufzwingen. Dabei ist die Idee einer Menschenwürde (übrigens ebenfalls ein Produkt der Aufklärung) gerade durch die Hinterfragung alter Annahmen entstanden! Und natürlich lässt sich die Menschenwürde – ohne Probleme – auch säkular und rational begründen und aus unseren natürlichen Interessen und unseren Interessen als funktionierende Gemeinschaft ableiten.

 
6 Comments

Geschrieben von am 7. Juli 2009 in Philosophie, Politik, Religionskritik

 

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6 Antworten zu Schäuble und die Theokraten

  1. yilo

    7. Juli 2009 at 19:08

    Das ist typisch CDU.Erinnert mich an ein Argument, das Gläubige oft verwenden:”Deutschland ist christilich geprägt, es(das Christentum) ist unsere Kultur”
    (na und?).

     
    • Bebu

      7. Juli 2009 at 19:11

      Das schlimmste daran ist, dass diese Menschen wahrscheinlich in den seltesten Fällen wissen, woraus sich das Christentum entwickelt hat. Bei unserem grandios einseitigen Geschichtsunterricht ist das aber auch nicht so verwunderlich.

       
  2. Bebu

    7. Juli 2009 at 19:10

    Tja, bei Schäuble bin ich mir schon seit einiger Zeit sicher, dass es besser gewesen wäre, wenn Dieter Kaufmann sein Werk vollendet hätte. (Vermutlich führt eine derartige Aussage zur Löschung aufgrund irgendwelcher Gesetze oder Hamburger Gerichtsurteile, aber ich rede trotzdem mal weiter. ;-) )

    Dass Schäuble derartiges über Religion denkt, sollte dich aber nicht so sonderlich verwundern, wenn du bedenkst, zu welchen Studien über das Selbstbild von Gläubigen du hier bereits Artikel geschrieben hast.
    Nimmt man dann noch Aussagen von Schäubles Parteifreundin (und Schwester im Geiste) Zensursula über das GG und die 10 Gebote hinzu, braucht man sich wirklich nicht mehr über die CDU zu wundern.

    Klar ist mir jetzt auch wieder geworden, dass ich Menschen, die ständig Worte wie “Werte” oder “Tugend” im Mund führen, ohne diese auch nur im geringsten mit Inhalt zu füllen, in meinem Gedächtnis in die Kategorie “Vollidioten” einordnen werde. (Komischerweise trifft man diese Kategorie von Menschen in letzter Zeit häufiger, die immer etwas von “Werten” faseln und diesen Begriff dabei nicht mit Inhalt füllen. Dass jedoch jeder Mensch, der auch nur ein halbwegs funktionierendes Gehirn hat, irgendwelche Werte besitzt, auch wenn er sie vielleicht aufgrund mangelnder Intelligenz nicht artikulieren kann, fällt diesen Pseudoneocons nicht ein.)

     
  3. Martin

    8. Juli 2009 at 10:51

    “Nach der Katastrophe des Nazitums war es das christliche Fundament, auf das die Väter und Mütter des Grundgesetzes zurückgegriffen haben.“

    Klar. Außer, man weiß das nach der Volkszählung von 1939 95% aller Deutschen Christen waren und weitere 3.5% Gottgläubige.

    Bah. Es geht kaum widerlicher.

     
  4. Ramsey

    8. Juli 2009 at 17:16

    Wie kann denn die Menschenwürde säkular begründet werden?

     
  5. derautor

    8. Juli 2009 at 18:48

    Verschiedene Möglichkeiten:
    http://www.gkpn.de/singer2.htm

     
 
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