Die totalitäre Versuchung des Christentums

ChristenIslam

Einer neuen Studie zufolge finden Christen theokratische Ideen sympathisch, wenn man sie mit dem Tode konfrontiert. Das ist selbst dann der Fall, wenn die theokratischen Ideen einer anderen Religion entstammen.

Der Gedanke an den Tod macht gläubige Menschen noch religiöser, während er die Meinung von Atheisten über ein Nachleben nicht beeinflusst. Doch ist damit das schreckliche Potenzial des Todes noch nicht erschöpft: Konfrontiert man sie mit dem Tod, finden Christen die totalitären Ideen radikaler Islamisten sympathischer, während sich bei Atheisten der gegenteilige Effekt einstellt – sie lehnen Religion noch mehr ab, wenn man sie mit dem Tode konfrontiert.

In der Studie wurden religiöse (überwiegend Christen) und nichtreligiöse Testsubjekte gebeten, einen radikal anti-westlichen Essay zu bewerten, angeblich von einem muslimischen Gaststudenten. Vorher bat man sie darum, entweder ans Sterben zu denken oder fernzusehen.

Wenn man die Subjekte nicht an den Tod denken ließ, gab es keinen Unterschied zwischen den Reaktionen von Religiösen und Nichtreligiösen auf den Essay.

Aber wenn man sie mit Todesgedanken konfrontierte, dann änderte sich die Reaktion beider Testgruppen: Die Nichtreligiösen standen dem islamistischen Essay noch feindlicher gegenüber.

Das geschah aber nicht mit der religiösen Testgruppe. Ihre Haltung veränderte sich entweder nicht, oder sie empfanden sogar eine gewisse Sympathie für den Islamisten.

Laut den Studienleitern Prof. Norenzayan und Prof. Hansen stehen sich hier zwei Prozesse entgegen: Die Religiösen empfinden die selbe „Furcht vor Fremden“ wie die Nichtreligiösen, aber sie stehen der religiösen Botschaft wohlwollend gegenüber.

Mit anderen Worten macht die Furcht vor dem Tod Christen für die Idee empfänglich, einer Gesellschaft ihre religiösen Vorstellungen aufzuzwingen, selbst wenn dieser Vorschlag einer fremden Religion entstammt.

Und hier der Islamisten-Text, der den Testsubjekten vorgelegt wurde, und dem die Christen so wohlwollend gegenüber standen:

„Das Problem mit der westlichen Welt ist der Mangel an Glauben. Genau aus diesem Grund wird der Westen niemals über die islamische Welt triumphieren. Eine Person mit einem Glauben ist laut Definition eine stärkere Person als eine, die auf nichts als sich selbst hinaufsehen kann. Der Westen hat ökonomisch viel zu bieten, um die Lücke in den Herzen der Menschen zu füllen, aber ultimativ wird er in einem wahren Kulturkrieg gegen eine Kultur verlieren, die Überzeugung bietet, die Hoffnung auf etwas Größeres als Geld und leere Freuden bietet. Religion offeriert im Westen keinen wahren Trost und keinen wahren Weg für ihre Gläubigen, wie es in den islamischen Ländern ist, und die wichtigen Werten werden im Westen abgelehnt und in der islamischen Welt betont.

Die Geschichte lehrt, dass Kulturen, die Vorzüge finanzieller Natur und solcher in der (materiellen) Lebensqualität auf Kosten des wahren spirituellen Weges bieten, letztlich der religiösen Leidenschaft unterliegen (z.B. Griechenland und Rom). Und wir wissen alle, dass sich die Geschichte wiederholt. Die Zeichen, dass sich das Rad zu drehen anfängt, sind bereits überall zu sehen.“

Seltsam, in meinem Herzen befindet sich gar keine Lücke für barbarischen Unfug. Und noch ein Beweis, dass Atheisten keine richtigen Menschen sind.

Ich erinnere daran, was ich in Krawallatheisten II geschrieben habe:

„Die Idee eines personalen Gottes, der seine Gläubigen für Gedankenverbrechen bestraft (bei Katholiken zum Beispiel der Gedanke an eine schöne Frau bei der jahrhundertelang verbotenen Masturbation), ist der Wunsch nach einem totalitären Herrscher.

Das sind also Menschen, die so sehr nach einem starken Mann an der Spitze dürsten, die sich so wenig in der Lage sehen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, dass sie sich einen Diktator herbeifantasieren, weil gerade kein echter vorhanden ist. Sie stellen sich vor, da oben gäbe es einen unsterblichen, allmächtigen, allwissenden Kim Il Sung, der das Recht hat, sie – und alle anderen! – zu beherrschen und ihnen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben zu leben haben. Jeden Tag knien sie nieder vor ihm, singen Loblieder auf ihn, halten sich an seine Gebote für ihn – wer sieht hier keine Parallelen zum Führerkult um Kim Jong Il und seinen (angeblich unsterblichen) Vater?“

Veröffentlicht in: on 22. Juni 2009 at 20:41  Kommentare (6)  
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6 Kommentare Einen Kommentar hinterlassen

  1. Die Frage ist nun, wie bekommen wir die Leute dazu, dass sie so aufgeklärt und couragiert werden, dass sie sich nicht nach Führeridolen und totalitären Regelkatalogen sehnen? Ist das überhaupt möglich, oder wird es solche Menschen immer geben?
    Meines Erachtens liegt der Schlüssel zu einer aufgeklärten, kritisch-rational denkenden Bevölkerung im Bildungssystem, welches sich in Deutschland nicht nur seit Jahren in einer desolaten Verfassung befindet, sondern den Kirchen auch im Zuge des Religionsunterrichts die Indoktrinationsarbeit abnimmt. Da der Staat die Bildungsausgaben immer weiter runterfährt und an der Lehrerausbildung und den Lehrplänen kaum gravierende Änderungen wagt, sehe ich momentan eher schwarz für Veränderungen in Richtung emanzipierte, soziale Gesellschaft.

  2. Die Testpersonen waren doch nur auf die 99 Jungfrauen scharf ^^

  3. [...] Die totalitäre Versuchung des Christentums Einer neuen Studie zufolge finden Christen theokratische Ideen sympathisch, wenn man sie mit dem Tode konfrontiert. Das ist selbst dann der Fall, wenn die theokratischen Ideen einer anderen Religion entstammen. [...]

  4. Hallo Zusammen,

    Ich denke, die Totalitäre Versuchung des Christentums ist seid ca.2000 Jahren verbreitet und man hat sie nicht abgeschafft. Also, entweder ist sie total menschlich, oder total schön.

  5. [...] Die totalitäre Versuchung des Christentums Einer neuen Studie zufolge finden Christen theokratische Ideen sympathisch, wenn man sie mit dem Tode konfrontiert. Das ist selbst dann der Fall, wenn die theokratischen Ideen einer anderen Religion entstammen. [...]

  6. Nun, wenn die Religion mit der totalitaeren Herrschaft verglichen wird, muss im Umkehrschluss der Atheismus wohl mit einem „freien“ kommunististischen System verglichen werden? Diese Freiheit hat ja in Armenien und anderen Laendern super geklappt… A

    Abgesehen davon finde ich, dass es einen starken (!) Gegensatz zwischen einer Unterordnung unter christliche Werte oder einem selbstherrlichen Diktator gibt, die man eigentlich nicht explizit erwaehnen muss.

    Und schliesslich stellt sich auch immer die Frage, was man mit dem pauschalen Begriff „Religion“ ueberhaupt meint.


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