Jared Diamond: Die Evolution der Religion

Jared Diamonds Ansatz ist schon besser als der von Michael Blume, obwohl er sich teils auch auf David Sloan Wilson bezieht und die gleichen Fehler macht (siehe Der seltsame Spott des Dr. Blume). Wenn sich Religionen durch hohe Kinderzahlen, die aus ihren Lehren resultieren, durchsetzen, dann hat das nichts mit der biologischen Evolution zu tun, weil religiöse Lehren offensichtlich nicht in den Genen stecken. Was er gegen Ende in der Diskussion über die Adaptivität sagt, zeigt, dass er sich nicht richtig mit dem Thema auseinandergesetzt hat: Glaubensinhalte können nicht biologisch adaptiv sein (dann müssten sie ja vererbt werden!).

Der Teil über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ist auch abwegig. Zwar waren Kirchen Organisationsplätze der Bewegung, aber sieht man sich die religiösen Lehren an und was Martin Luther King mit diesen gemacht hat, kann man nicht mehr davon sprechen, dass die schwarze Bürgerrechtsbewegung religiös motiviert war. Dagegen wurde Sklaverei eindeutig christlich begründet.

Dass moralische Regeln nur durch Religion entstanden seien und dass Atheisten die Moralität der Religion ihrer Kultur teilen würden, ist geradezu absurd. Was ist mit der Moralphilosophie? Die gibt es mindestens schon seit 2500 Jahren, eher länger.

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