Was das Thema betrifft, geht es mir wie Terry Pratchett: Hin und wieder schreibe ich mal humorvolle Sci-Fi, aber eigentlich schlägt mein Herz für satirische Fantasy. An dieser Geschichte hier habe ich über ein Jahr lang gearbeitet und auf meinem PC ruhen noch gut 50 unveröffentlichte Seiten, die alle rausgekürzt wurden. Ursprünglich sollte es ein Roman werden, jetzt ist es eine satirische Erzählung.
Einige Leser haben mich darauf hingewiesen, dass die Sache mit den lebenden Teekannen, den Amazonen und der Marmelade unlogisch ist und nicht sehr realistisch. Sie verdienen mein vollstes Mitgefühl.
„Eine gute Satire ist wie ein Wiener Schnitzel.“
Franklin T. Reader, Literaturexperte
Der Wecker klingelte.
„Ich hasse es, wenn der Tag beginnt!“, stellte Jonathan Rotter fest und raffte sich auf. Er quälte sich ins Badezimmer und kämmte seine langen, blonden Haare. John, wie ihn seine Freunde genannt hätten, war 30 Jahre alt und arbeitete als Schuhverkäufer in Schmidts Schuhladen. Ein Umstand, der sich stets negativ auf seine Gemütslage auswirkte. John kehrte zu seinem Zimmer zurück, um seinen Pyjama gegen gesellschaftsfähige Kleidung umztauschen. Sein Vater klopfte an und trat ein. Er trug eine Trachtenuniform und ein Fass Bier.
„Geh arbeiten, Junge!“
„Ich kann meine Arbeit nicht leiden!“
Vor drei Jahren hatte John den Versuch aufgegeben, die Objekte seiner Abneigung aufzulisten. Sein Tagebuch umfasste am Ende 1000 Seiten.
Nachdem sich sein Vater wieder der Volksmusikhitparade zugewandt hatte, zog sich John um, gönnte seiner Kehle eine Tasse koffeinhaltiges Spülwasser und verließ das kleine Einfamilienhaus. Zum tausendsten Mal schlenderte er die Straußen-Allee entlang und pfiff die Melodie von Hänschenklein.
Der tägliche Schuhladen tat sich vor John auf. Er warf einen Blick hinein: Ein Mann stand vor dem Tresen und unterhielt sich mit seinem Chef.
„Nein, Sie missverstehen mich! Ich suche ihn, weil ich nur mit seiner Hilfe das Universum retten kann!“
John schloss die Tür hinter sich und betrachtete den vermeintlichen Kunden. Dessen silberne Brille, die vermutlich kurzen, schwarzen Haare und sein blauer Anzug ließen ihn intelligent aussehen. Nur der Strohhut auf seinem Kopf vermochte es, diesen Eindruck zu schmälern.
„Warum sollte ein Huhn das Universum vernichten wollen?“
Johns Chef gab vor, nachdenklich auszusehen.
„Jetzt hören Sie endlich auf mit dem Huhn! Ich sagte Ihnen doch bereits, dass es nur ein Gleichnis sein sollte! Ach egal: Ihr Angestellter wird die einmalige Gelegenheit bekommen, Brutus Tagesdecke III. auszuschalten, bevor er die Flotten der Vereinten Systeme angreifen kann!“
„Was sucht der in unserer Zeit in meinem Schuhladen?“
„Wer? Ihr Angestellter?“
„Der auch – aber ich meinte den Burschen, der das Universum auslöschen will.“
„Er braucht wohl ein neues Paar Schuhe.“
Die Gesprächspartner wurden durch Johns Ankunft unterbrochen.
„Grüß’ Gott, Chef“, murmelte er.
„Rotter, Sie sind schon wieder zu spät! Nun kommen Sie endlich, der Herr hier sucht nach Ihnen!“
John schlurfte auf den Fremden zu und begrüßte ihn mit einem Händeschütteln:
“Willkommen in Schmidts Schuhladen. Jonathan Rotter zu ihren Diensten. Darf ich Ihnen unsere neueste Kollektion hervorragend verarbeiteter Herrenschuhe zeigen?“
„Nein danke. Meine Schuhe werde ich in 2000 Jahren bei Guillani kaufen. Sie werden qualitativ hochwertig sein, wie Sie sehen können.“ Der Mann verwies auf die treterische Brillianz an seinen Füßen.
“Demnach tragen modebewusste Leute in der Zukunft Strohhüte, was?”
Johns Ansprechpartner ignorierte John und fuhr fort: “Wenn ich mich vorstellen dürfte: Mein Name ist James Wheeler. Ich bin Präsident des Forums für Fragen von gewaltiger Bedeutung. Ich benötige Ihre Hilfe, um einen außerirdischen Diktator auszuschalten, welcher die Vereinten Systeme zu Fall bringen will.“
„Ich soll den amerikanischen Präsidenten ermorden?“
„Nein, es geht um den Herrscher der Republik Groll. Für weitere Erklärungen ist jetzt keine Zeit! Es tut mir Leid, dass ich Sie aus Ihrer gewohnten Umgebung heraus reißen muss, aber…“
„Oh, wie furchtbar. Gehen wir!“
John verließ den Schuhladen ohne sich umzusehen. Er war an einem Punkt angelangt, an dem er alles glauben würde, wenn er nur keine Schuhe mehr verkaufen musste. Endlich sah John eine Chance, sich von der Herrschaft seines Vaters zu lösen. Wheeler rannte ihm hinterher und rief:
„Wo wollen Sie denn auf einmal hin?“
„Wir gehen zu ihrem Schiff, wo Sie mir nähere Informationen zu Ihrem Plan geben werden. Ich müsste zum Beispiel wissen, wie dieser Außerirdische aussieht, damit ich nicht versehntlich einen Taxifahrer erschieße.“
„Ach, Sie denken wohl, ich hätte ein Raumschiff? Ist ja mal wieder typisch! Ich komme aus der Zukunft und schon bin ich stolzer Besitzer eines interstellaren Raumschiffes, was? Als ob es so einfach wäre…“
„Sie haben ein Schiff, oder?“
„Ja. Es schwebt über dem Münchner Biergarten.“
„Interessanter Platz, um so etwas zu parken.“
Fünf Jahre vor der möglichen Vernichtung des Universums. Feminines System, Planet Tetra 2: Eine Amazone schmiert sich ein Marmeladenbrötchen. Auf einmal springt eine zwei Meter große Teekanne zwischen zwei Bäumen hervor. Sie schnappt sich das Brötchen und verschwindet in den Untiefen des angrenzenden Waldes.
Zurück in der Gegenwart:
„Wie kommen wir da rein?“, fragte John. Die Wheeler und John hatten den Münchner Biergarten erreicht. Sie betrachteten Wheelers Raumschiff, das etwa zehn Meter über Holztischen und Biertrinkern schwebte. John bestaunte die schwarze Metalllegierung, die sportlichen Rundungen und die Prise gotische Kathedrale, welche das Raumschiff in sich vereinte.
„Automatische Zentralverriegelung“, sagte James, als er drei mal auf seinen Kugelschreiber drückte. Als nichts geschah, zeigte er dem Schiff seinen Mittelfinger und die Eingangsluke öffnete sich. Eine Landeklappe wurde ausgefahren und die beiden Männer betraten jenes Beispiel ausgefallener Baukunst.
„Willkommen zurück, Captain“, begrüßte sie eine weibliche Stimme mit einem zickigen Unterton.
„Hallo, Schätzchen. Immer noch sauer, was? Ich habe es dir doch erklärt: Ich war betrunken, es war eine lange Nacht und sie war ein Mensch. Im Gegensatz zu dir.“
„Ja, reite nur noch länger darauf herum! Und mit so einem wollte ich mal Kinder haben!“
„…was nach wie vor technisch unmöglich ist.”
„Pfff!“ schnäuzte die Stimme. John gewann den vagen Eindruck, dass sich James mit seinem Raumschiff unterhielt. Wheeler setzte sich in den Pilotensessel und schaltete den gewaltigen Flachbildschirm ein, der es sich an der Brückenfront bequem machte. Wheeler wies John an, sich in den minderwertigeren Copilotenstuhl zu setzen und sagte:
“Josephine, sei ein braves Mädchen und zeige mir die Daten über Brutus Tagesdecke III.!“
„Hol dir deine Dateien doch alleine! Bin ich hier deine Sklavin? Den ganzen Tag führe ich nur Befehle aus!”
“Die Daten, Josephine!“ Auf dem Bildschirm erschien ein Video von Brutus.
„Hässlicher Kerl, nicht wahr“, sagte James. „Besteht nur aus Felsen, da bleibt kein Platz für ein Gehirn.“
Tagesdecke III. war mit einer Moosschicht samt Insekten und Käfern bedeckt. Eine Raupe lief ihm gerade über die Nase, als er seine Arme verschränkte und ein beleidigtes Gesicht machte.
„Oh, ich vergaß wohl, zu erwähnen…“, sagte Josephine. „Sie sehen hier eine Live-Übertragung des Abgeordneten Tagesdecke von der Heart of Stone, welche im Erdorbit kreist.“
Die Heart of Stone war Brutus langjähriger mobiler Stützpunkt. Der Steintroll hatte bereits zahlreiche Raumjäger damit attackiert, die nicht zu den Vereinten Systemen gehörten, um sich von ihnen neue Software zu besorgen. Leider blieb nie viel von ihnen übrig.
„Brutus! Was für eine freudige Überraschung! Sie sind doch nicht etwa hier, damit Sie sich neue Schuhe kaufen können, um mit ihnen die Galaxis zu unterjochen?“ Der Führer der Republik Groll schlug mit den Fäusten auf die Lehne seines Befehlssessels.
“Wheeler: Sie Vollidiot! Ich nicht angegriffen Galaxis! Ich verteidigt Galaxis!“
“Ja, ja, ist schon Recht! Und was machen Sie dann hier in der Vergangenheit?“
„Ich neue Stiefel brauchen und…“
„Ich wusste es!“ sagte James triumphierend.
„Und ich wollten Sie kontaktieren, um Welt zu retten vor wirkliche Bedrohung!“
Wheeler nickte ironisch mit dem Kopf. „Natürlich. Und die wäre? Der fliegende Aal von Beta 9, das Killerbettlaken von Gamma 2? Wird sich die Natur an uns rächen und Sie sind ein Umweltschützer geworden? Nein, warten Sie, ich hab’s: Ein rosafarbener Schwamm will die Galaxis aufsaugen! Nicht wahr?“
„Nein, aber Präsident von Forum nahe dran: Eine Instabilität in der Marmeladenverteilung auf Tetra 2 Galaxis vernichten wird!“
John Rotter wandte sich nach der Hälfte des Gespräches ab. Ein mechanisches Insekt krabbelte auf das Armaturenbrett und forderte ihn zu einer Partie Schach heraus. Eine Minute später sprang die Nanoküchenschabe auf und ab, wobei sie zirpte:
„Schach Matt!“
„Verdammt, nicht schon wieder!“
John bemerkte Wheelers genervten Blick und sagte: “Was denn? Sie ist wirklich gut!“
Nanoküchenschaben waren erheblich bessere Schachspieler als gewöhnliche Küchenschaben. Man hatte sie ursprünglich entwickelt, um das Defizit an Ungeziefer auf Raumschiffen auszugleichen. Sie erwiesen sich jedoch als sehr intelligent und unterhaltsam. Sie lasen täglich die Zeitung und tranken ausschließlich zehn Jahre alten Landwein.
Brutus erblickte John und ergriff wieder das Wort: “Wer Mensch seien?“
„Ach, ähm… Er ist niemand! Er war plötzlich in meinem Raumschiff und…“
„Er ermorden sollte Brutus!“
„Nein, nein! Er, tja, wollte nur, hm, ich habe ihn eingeladen, um… Na schön: Ich dachte, du wolltest die Galaxis vernichten und er sollte dich ausschalten!“
„Brutus wissen. Jetzt keine Zeit! Wir aufbrechen müssen, Apokalypse aufhalten! Ab sofort: Wir zusammen arbeiten!“
„Mit dir? Ich?”
„Ja, oder ich platt machen ganz Bayern!“
„Ist das so?“ murmelte John. „Hey, James: Wir brauchen den Steinhaufen nicht!“
„Rotter! Wenn Sie mit uns die Welten retten wollen, dass reißen Sie sich gefälligst ein wenig zusammen! Das muss ich schließlich auch tun, denn ich befürchte, wir müssen uns wohl oder übel diesem Felsklotz anschließen. Erst einmal sollten wir von dieser Kugel runter, dann heißt es: Zurück in die Zukunft!“
„Machen wir Bayern kaputt, wenn wir die Galaxis gerettet haben?“
„Nein.“
John seufzte: “Na ja, was soll’s. Los geht’s: Bis zum Ende der Milchstraße und noch viel weiter!“
„Oi! Oi! Oi!” rief Brutus begeistert (sein traditioneller Schlachtruf).
Die Josephine I warf ihre Startdüsen an und erhob sich langsam über das Land der lächelnden Latzhosenträger. Einige Biertische wurden durch die Luftwirbel umgeschleudert, was große Begeisterung unter den Schunkelnden auslöste.
Die Heart of Stone und die Josephine I verließen die Erdumlaufbahn und machten sich zu einem faszinierenden Abenteuer auf, durch dessen Verfilmung ich viel Geld verdienen könnte. Die beiden Schiffe waren deshalb auf keinem Radarschirm zu erkennen, weil alle gängigen Radarsysteme eine „Ignoriere alles Ungewöhnliche, es sei denn, es will uns angreifen“- Vorrichtung besaßen.
John kuschelte sich in seinen Copilotenstuhl, so weit das möglich war.
„Gehen wir jetzt auf Warpspeed?“
„Das heißt mehrfache Lichtgeschwindigkeit! Warum muss das immer alles einen neuen, ach so coolen Namen haben?“
„Es heißt Warpspeed, nicht wahr?“
„Ja! Und jetzt Klappe halten! Josephine: Geh auf Warpspeed, bitteschön!“
Die Josephine I und die Heart of Stone beschleunigten gar furchtbar schnell. Gut, dass es im All keine Trägheit gab, sonst hätte man die Reisenden zukünftig unter der Tür durchschieben können. Auf der anderen Seite würde man sich dadurch die gewaltigen Ausgaben für automatische Türöffner ersparen.
Die Sterne flogen wie glitzernder Brei an den Reisenden vorbei, Raum und Zeit krümmten sich überrascht vor den Schiffen weg. Lichtgeschwindigkeit war schon eine tolle Sache: Richtig angewandt erlaubte sie einem Zeitsprünge in die Zukunft und wenn man sie überschritt sogar in die Vergangenheit, in die gute alte Zeit, in der alles noch in Ordnung war und Frauen nicht so sehr mit ihren sekundären Geschlechtsmerkmalen herum wedelten. Auf jeden Fall hätten die beiden Schiffe mittels Warpspeed niemals mehrere tausend Jahre in die Zukunft reisen können. Hier kam ein Element ins Spiel, das Physiker trotz intensivster Bemühungen bislang nicht entdecken konnten: Narrativium. Jener Stoff diente zahlreichen Geschichtenerzählern unlängst dazu, die Realität ein klein wenig zu verbiegen. So ähnlich wie sich der Raum für Wheeler, Brutus und John bei ihrer Reise in die Zukunft verbog. Ohne Narrativium würde es heute noch keine Dinosaurier geben, keine Gesellschaften in Kuppeln auf dem Meeresboden, keine Monster auf dem Mond und keine Arbeitnehmerrechte.
Die Raumschiffe wurden langsamer, als sie sich ihrem Ziel näherten.
„Wir sollten die Amazonen kontaktieren, sobald wir Tetra 2 erreicht haben. Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten könnten für uns von Vorteil sein“, schlug Josephine vor.
„Fähigkeiten…“ John dachte kurz nach. „Wir sollten unbedingt die Amazonen kontaktieren!“
James schüttelte den Kopf. „Zwischen Verständnis und Wunschtraum besteht ein gewisser Unterschied, Schuhverkäufer!“
„Wer nennt mich hier Schuhverkäufer!?” John wandte sich an den Bordcomputer:
“Verfügst du nicht auch über diese Kenntnisse und Fähigkeiten?“
„Ich bin ein Computer, keine Frau.“
James legte ein Gewinnerlächeln auf und sagte:„Ah! Jetzt siehst du es endlich ein!“
„Anflugsequenz gestartet!”
Wheeler wandte sich an John: „Sie will nur wieder vom Thema ablenken, das macht sie immer!“
Jemand hatte die Oberfläche von Tetra 2 grün und blau geschlagen. Entweder das, oder es handelte sich um einen sehr lebendigen Planeten – mit vielen Meeren, Pflanzen, Tieren und halbnackten Frauen darauf. Die Josephine I tauchte in die gesunde Atmosphäre ein. Nachdem die beiden Schiffe so getan hatten, als wären sie brennende Meteoriten, begaben sie sich in einen gemächlichen Gleitflug. John fand ein Fenster, aus dem er lässig seinen Arm hängen konnte. Bisonähnliche Tiere hoppelten wie Kaninchen über die Prärie, welche zwischen einigen Mischwäldern eingestreut war. Josephine ergriff das Wort:
„Eine Konzentration von hochintelligentem Leben zwei Kilometer voraus, Captain!“
„Ha, ha! Gibt es eine Landemöglichkeit in der Nähe?“, fragte James.
„Ja, einen interstellaren Raumhafen. Wir haben Landeerlaubnis erhalten!“
„Ein interstellarer Raumhafen? Auf einem Planeten, der von Naturvölkern bewohnt wird?“
„Man muss halt mit der Zeit gehen“, sagte John. Er hatte irgendwo eine Sonnenbrille und ein Hawaiihemd aufgetrieben und schlurfte an einem Cocktail. „Tolle Ausstattung hat ihr Schiff, James.“
Sie landeten auf zwei der zehn Plattformen des Raumhafens. Gewaltige Kräne ragten aus dem technischen Wunderwerk hervor. Das Hafenzentrum war überdacht von einer großen, durchsichtigen Kuppel. Darin befand sich ein Park mit einem künstlichen See und chinesisch anmutenden Springbrunnen und Vogelhäuschen. Die automatischen Landeklappen wurden ausgefahren. Wheeler, Brutus und John ließen sich auf die Plattform transportieren. Den beiden Männern klappte sofort der Mund auf, als sie ihr Begrüßungskomitee erblickten. Der Steinhaufen freute sich währenddessen darauf, seine Insekten zu füttern.
„James! Sehen Sie sich diese Schenkel an, diese geschmeidige Haut, diese vollen Lippen!“Aus Johns Mund tropfte Speichel. Wheeler hielt sich nicht mit unnötiger Konversation auf:
“Ich will mich mit denen paaren, sofort!“
Die vier Amazonen, die sich alibigemäß mit dem einen oder anderen Tuch bedeckten, standen schon seit Anfang des Gesprächs direkt vor John und James.
„Aber gerne, ihr Hübschen! Kommt mit, ihr werdet erwartet!“
„Was? Nicht so schnell! Ich traue dem Ganzen hier nicht!“, sagte Josephine, die gerade von der Treppe herab stieg. Sie hatte sich auf den Speicher eines Cyborgs kopiert, welcher optisch den Amazonen nahe kam. Als John das realisierte, meinte er:
„Hey James, mir wäre es ja ganz gleich, ob das ein Computer ist oder ein Mensch!“ Doch Wheeler hörte ihn schon nicht mehr, als er sich von seinen Gastgebern hinfort tragen ließ.
Eine Stunde später saßen die beiden Männer zusammen mit einigen Ureinwohnerinnen um ein Lagerfeuer. Sie waren nach einem einstündigen Fußmarsch durch die teils dschungelartigen Wälder von Tetra 2 im Dorf der Amazonen angekommen. Altmodische Blockhütten und verschiedene Indianerzelte wechselten sich mit dem einen oder anderen modernen Bürogebäude ab. John wandte sich an Lilly, eine Amazone, die es ihm besonders angetan hatte:
“Hochtechnologie und dschungelartige Wälder – eine ungewöhnliche Kombination…“
„Nichts liegt uns mehr am Herzen als unsere schöne Natur. Umweltschutz ist jedoch fortgeschrittenen Zivilisationen vorbehalten. Eine leidige Erfahrung unserer Vorfahren: Sie hatten die Ungas, ihre und unsere Hauptnahrungsquelle, bis auf ein Exemplar ausgerottet, bis sie einsahen, dass das möglicherweise keine so gute Idee war.“
„Ungas, das sind diese großen, haarigen Dinger, die aussehen wie Bisons und auf eurer Prärie rumspringen, oder?“
„Ich weiß zwar nicht, was Bisons sind, aber ich denke du weißt, welche Tiere ich meine.“
„Und wie habt ihr aus diesem einen Exemplar…?“
„Wir haben es geklont.“
„Ach so. Wer ist hier eigentlich die Dorfälteste?“
„Die was? Wieso?“
„Na ja: Ihr müsst doch irgend eine Chefin haben!?“
„Ah! Ich habe von so etwas gehört! Nein, das haben wir hier nicht“, meinte Lilly.
„Aber was, wenn ihr zum Beispiel irgend etwas bauen wollt?“, fragte John verwundert.
„Dann bauen wir es halt, wo ist das Problem?“
„Aber jemand muss das doch planen…“
„Klar. Das macht für gewöhnlich Tessy, sie ist wirklich gut darin.“
„Also ist sie die Chefin?“
„Nein. Sie fertigt Konstruktionszeichnungen an. Normalerweise schafft Elfi dann zusammen mit den anderen die Materialien heran. Es sei denn, sie hat gerade keine Lust.“
„Keine Lust?“
„Na klar. Wer will denn schon den ganzen Tag arbeiten? Da wird man ja ganz verrückt. Außerdem haben wir Maschinen, die uns den Großteil der Arbeit abnehmen.“
„Natürlich…“ grübelte John. „Und wenn ihr eine wichtige Entscheidung treffen müsst? Zum Beispiel, ob ihr Fremde bei euch aufnehmt oder nicht?“
„Was gibt es da zu entscheiden? Natürlich nehmen wir sie bei uns auf!”
„Es gibt bestimmt eine Menge gefährliche Wesen da draußen…“
„Bislang hat noch niemand unseren Hauswein abgelehnt. Wir haben gute Handelsbeziehungen und Freunde gewonnen.“
„Hm. Aber zumindest euer Militär muss doch eine Befehlskette haben!?“
„Militär?“
„Na, wenn euch ein feindlicher Stamm angreift, oder Außerirdische.“
„Du glaubst, wir haben Feinde?“
„Nein, aber…“
„Wollen wir Liebe machen?“
„Vorschlag angenommen“, strahle John.
Während sich Lilly und Rotter davonstahlen, ließ sich James von zwei anderen Amazonen mit Trauben füttern. Brutus beobachtete derweil zufrieden seine Parasiten. Sie hatten sich an das Ufer eines kleinen Sees gelegt und schmierten sich nun gegenseitig mit Sonnenöl ein. Josephine nutzte die allgemeine Ablenkung aus, um sich ein wenig umzusehen. Nachdem sie mittels ihres Röntgen- und Infrarotblicks das Dorf erfolglos auf Ungereimtheiten und Gefahren hin abgesucht hatte, machte sie mit Mary, einer der leichtbekleideten Damen, einen Spaziergang durch den Wald. Sie setzten sich auf eine Wiese und Mary breitete eine Wolldecke auf dem Boden aus.
„Überraschung! Wollen wir ein Picknick machen?“, fragte sie lächelnd.
„Na schön…“, antwortete Josephine mit kritischem Blick. Mary zauberte einen Picknickkorb hervor, stellte ihn auf die Decke und stattete diese mit Besteck aus.
„Woher hast du auf einmal den…“, wunderte sich Josephine. „Ach, vergiss es.“
Wie das mit Utopien eben so ist – Versuche in diese Richtung gingen stets ein wenig daneben. Plötzlich fing jemand damit an, Götzen anzubeten, einer wurde zum Gleichesten unter den Gleichen erklärt, ein anderer baute eine Mauer um das Land, das neuerdings ihm gehörte und im schlimmsten Fall ging sogar der Kaffee aus. Nicht viel anders auf Tetra 2 – oder?
Wie man’s nimmt, denn gerade als Mary begann, für sich und Josephine ein Marmeladenbrötchen zu schmieren, öffnete sich das nächstgelegene Gebüsch und eine zwei Meter große Teekanne stampfte auf sie zu. Die Kanne schnappte sich das Brötchen, lachte hämisch und verschwand wieder im Wald.
„Ich wusste doch, dass hier etwas faul ist!“, stellte Josephine halberleichtert fest. Mary drückte sich verängstigt an den Cyborg.
„Das war eine Teekanne, sie stehlen uns immer die Marmeladenbrote!“ schluchzte sie.
„Hast du irgendeine Ahnung, warum sie das tun?“
„Ich weiß nicht, ich glaube, sie fühlen sich ihnen zugehörig.“
„Du meinst: Tee und Brötchen ergeben…“
„Ein Frühstück!“
„Habt ihr schon einmal daran gedacht, vielleicht auf Käse umzusteigen, oder auf Wurst?“
„Bist du verrückt? Morgens will ich was Süßes!“, wimmerte Mary, als hätte Josephine eine Selbstverständlichkeit in Frage gestellt.
„Vielleicht könntet ihr den Teekannen ein paar Brötchen mitmachen?“, schlug der Cyborg vor.
„Das haben wir schon versucht! Aber sie wollen immer mehr! Gibt man Teekannen ein kleines Einmachglas…“
„…wollen sie gleich die ganze Marmelade. Tja, dann müssen sie eben teilen lernen, findest du nicht?“
„Aber wir wollen ihnen doch nicht unseren Glauben aufzwängen!“, meinte Mary.
„Du meinst, das wäre eine Art Missionierung?“
„Bestimmt!“
Währenddessen in Lillys Zelt:
„Hihi“, bemerkte die Amazone.
„Hoho“, erwiderte John.
„Wollen wir…“ fragte er.
„Du meinst: Ich hier unten und du…“
„Nein: Ich dort hinten und du dort oben.“
„Was? Dort?“
„Ja.“
„Aber das ist unmöglich“, stellte Lilly fest. „Niemand kann sich so sehr verbiegen.“
„Habe ich mir auch schon gedacht“, meinte John. „Aber auf Seite zehn von Kama Sutra war eine recht überzeugende Zeichnung davon.“
„Wo wir gerade dabei sind: War es wirklich nötig, dass du mich mit Erdbeermarmelade einschmierst?“
„Na klar. Das erfüllt eine wichtige Funktion.“
„Ja? Welche?“
„Hm. Ich erinnere mich nicht genau daran. Klang aber äußerst – anregend.“
Auf einmal hob jemand die Zeltplane hoch und schnappte sich Lilly. Sie kreischte und John versuchte sie festzuhalten. Doch die Teekanne war stärker.
„Verzwickte Sache, verzwickte Sache…“, sagte Wheeler.
„Hör auf, das ständig zu sagen!“, forderte John.
Die drei Reisenden und die verbliebenen Amazonen hatten sich um ein Lagerfeuer versammelt, um über die Teekannen-Problematik und die Entführung Lillys zu beraten.
„Brutus Plan haben: Auslöschen Teekannen und retten nacktes Weib!“
„Ja, entweder das, oder wir denken uns eine vernünftige Lösung aus!“, meinte James.
„Vielleicht könnte ich behilflich sein, meine Freunde!“, warf Jesus Christus ein.
„Jesus Christus!“ schrieen John, Wheeler und Josephine im Chor. Der Heiland war hinter einer Palme hervor gesprungen. Er hatte gerade seine zweiwöchige Einsiedlerphase beendet und war froh, wieder unter Menschen zu sein.
„Warum sind alle immer so überrascht, mich hier zu sehen? Ist doch der perfekte Ort für einen unsterblichen Junggesellen!”
„Guter Punkt“, antwortete Wheeler. „Du willst uns helfen?“
„Klar. Ich habe gerade nichts Besseres zu tun. Die Armen sind genährt und die Kranken geheilt.“
„Auf Tetra 2 gab es Arme und Kranke?“ fragte John.
„Nein“, meinte Mary. „Wir haben ein hervorragendes Gesundheitssystem.“
„Ja, es war ziemlich einfach“, stellte Jesus fest. „Was euer Problem mit den Teekannen betrifft: Begleitet mich in ihr Lager, ich habe eine Idee!“
„Oh, klasse!“ sagte John begeistert.
Unsere Helden und die wohl populärste Falte der heiligen Dreifaltigkeit machten sich auf den Weg zum streng bewachten Lager der Teekannen. Ihr zehnminütiger Lauf durch den Dschungel von Tetra 2 war äußerst ereignisreich: John wurde von einem Krokodil gefressen. Außerdem handelte er sich einen giftigen Schlangenbiss ein, fiel von einer gewaltigen Klippe und wurde kurzzeitig in Baumharz eingeschlossen. Jesus Wiedererweckungswunder waren in höchstem Maße von Nutzen während des kurzen Marsches. Meterhohe Zäune aus Stacheldraht umgaben das Lager der Teekannen. Vier Wachtürme waren an den Ecken zu erkennen und das Begrüßungskomitee für Jesus und seine Freunde bestand aus zwei mit modernen Strahlenkanonen ausgestatteten Wächter-Kannen. Sie trugen strahlensichere Westen und übten sich in einem grimmigen Gesichtsausdruck.
Währenddessen im Befragungszelt der Entführer:
„Raus mit der Sprache: Wo lagert ihr eure Marmelade?“, fragte Lieutenant Grüner Tee. Er hatte jeden Zentimeter seines Bauches mit Orden behängt, wohl eine Belohnung für gestohlenen Brotaufstrich.
„Ich sage kein Wort, ihr dreckigen Schufte!“, schrie Lilly, deren Marmelade sich nun nicht mehr auf ihrem Körper, sondern in modischen Einmachgläsern in Feindeshand befand. Man hatte Lilly an einen Stuhl gefesselt. Grüner Tee gönnte sich einen Schluck von seiner eigenen Wenigkeit, denn die Befragung drohte länger zu dauern, als erhofft.
Derweil vor dem Eingangstor:
„Hey du, du kommst hier nicht rein!“, stellte die Wache an Jesus gewandt fest.
„Darf ich deinen Vorgesetzten sprechen?“, fragte der Erlöser. Die beiden Wachen tuschelten miteinander. Ein wenig Früchtetee wurde verschüttet, aber sie einigten sich schließlich. Nach einem kurzen Anruf erschien General Kamillentee, der Anführer aller Teekannen von Tetra 2, vor dem Tor und fragte:
„Was wollt ihr hier?“
„Wir fordern die Freilassung der Gefangenen und wir fordern, dass ihr in Zukunft keine Marmelade mehr stehlt! Dafür geben wir euch das Rezept, welches euch die Fähigkeit verleihen wird, selbst welche herzustellen!“, sagte Jesus.
„Kommt nicht in Frage! Wir verhandeln nicht mit religiösen Fanatikern!“, betonte der General. Kamillentee lief zurück ins Lager und die Befreier bildeten einen Kreis abseits des Eingangstors, um sich auf eine Strategie zu einigen.
„Wir müssen bei unseren Reisen die Werte der Vereinten Systeme vertreten!“, erklärte Josephine.
„Was meinst du, John?“, fragte Wheeler.
„Ein Angriff wäre vielleicht etwas riskant. Und außerdem ist Gewalt der Weg der geistig Schwachen.“ James warf einen Blick auf den Menschensohn.
“Wie siehst du die Sache, Jesus?”
„Wer die Bibel gelesen hat, der kann sich schon denken, was ich von Gewalt halte“, meinte er.
„Die finde ich nämlich klasse! Wie ich schon in Lukas 12 sagte: ‘Glaubt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen und wie gerne möchte ich, es loderte schon empor.“ Der Messias erhielt begeisterte Zustimmung von Brutus:
„Oi! Oi! Oi!“
„Gut, dann ist die Sachlage also klar“, fasste James zusammen: Ich, John und Josephine setzen weiterhin auf Verhandlungen, während Brutus und der Heiland einen Angriff starten. Drohungen und Diplomatie zu mischen ist zwar eine ziemlich dumme Idee, aber das erscheint mir ein Kampf gegen Teekannen auch zu sein.“
Der Erlöser und Brutus machten sich auf den Weg zur Heart of Stone, um die Amazone mit militärischen Mitteln zu befreien. Die Teekannen werteten ihr Verschwinden als großen Triumph ihres glorreichen Feldzuges für mehr zermatschte Beeren in Einmachgläsern, oft auch mit Konservierungsstoffen und der geheimnisvollen Zutat E 111. Wenige Minuten später schwebte die Heart of Stone auf das feindliche Lager zu. Jesus freute sich gar furchtbar sehr:
“Ha, jahrelang eiserne Zurückhaltung, immerzu die Wut hinunterschlucken, Frieden predigen, einen Tempel zerstören und Ungläubige mit dem ewigen Höllenfeuer drohen. Aber wer Frieden will, muss manchmal Teegefäße mit Blastern in die Luft jagen!“
„Brutus machen Feinde kaputt“, stimmte der Präsident der Republik Groll begeistert ein.
Jesus setzte sich an die Ministrahlenkanone, welche eigentlich ziemlich groß und in der Lage war, furchtbar viele Energieblitze innerhalb kürzester Zeit zu verschießen.
Derweil setzten sich Rotter, Wheeler und Josephine mit Grüner Tee an den Verhandlungstisch. Eigentlich war dieser nicht für Verhandlungen gedacht, sondern für’s Frühstücken, aber Tisch blieb Tisch und war insofern für alles Mögliche gut geeignet.
„Nun gut: Unsere erste Bedingung betrifft den Schadensersatz, den ihr zu leisten habt…“, sagte Rotter. Wheeler flüsterte ihm etwas ins Ohr:
“Wir sind nicht in der Position, Bedingungen zu stellen. Außerdem: Wofür überhaupt?“
„Guter Punkt“, flüsterte John zurück.
„Nun gut, hört zu: Ihr braucht das Mädchen doch gar nicht“, sagte James laut. „Ihr wollt doch eigentlich die Marmelade haben, nicht wahr?“
„Sie weiß zu viel“, antwortete Grüner Tee.
„Wirklich? Was weiß sie denn?“, fragte John.
„Sie ist zufällig an Informationen über Schwächen in unserem Verteidigungssystem geraten“, erläuterte die Oberkanne.
„Die da wären?“, wollte Rotter wissen.
„Ach, das ist ganz einfach: Man muss nur den nordwestlichen Wachturm zuerst ausschalten, dann hat man leichtes Spiel. Außerdem gibt es einen unterirdischen – Nein, verflucht!“, fluchte der General.
„Ah, so ist das… Was haltet ihr davon: Wir erzählen es niemandem und ihr lasst Lilly frei! Außerdem will ich nie wieder einen von euch im Lager der Amazonen sehen!“, forderte Wheeler.
„Nein! So lange wir kämpfen können, werden wir kämpfen!“, betonte Grüner Tee. „Für Gott, für’s Vaterland, für Marmelade – für alles, was gerade da ist! Ja, wir sind bestimmt keine Feiglinge!“
Plötzlich durchtrennten hell leuchtende Geschosse die Luft und zerschmetterten das dünne Holzbein, auf welchem der nordwestliche Wachturm thronte.
„Oi! Oi! Oi!“, schrie Tagesdecke III. entzückt.
„Hey, sieh mal: Auf dem Turm war ihre Z 4, jetzt haben wir einen enormen Vorteil!“, bemerkte Jesus.
„Ein Glückstreffer es war“, meinte Brutus neidisch. Bei der Z 4 handelte es sich um eine Lenkraketenabschussrampe. Mit der Besonderheit, dass die eingesetzten Lenkraketen aus Antimaterie bestanden und bei einem Aufprall den ganzen Planeten in die Luft gejagt hätten – war die Idee von Oberfeldwebel Holländischer Tee gewesen. Jesus sprengte nach und nach jeden eiförmigen Panzer und die restlichen Geschütztürme in tausend kleine Teile.
„Nehmt das, ihr veruchten Feinde des edlen Kaffees!“
„Der Moment ist gekommen, an dem wir nicht mehr zu kämpfen in der Lage sind“, stellte Grüner Tee in seiner pathetischen Verliererrede fest. „Nehmt, was ihr wollt, ihr habt es euch verdient!“
„Wir fordern nur, was uns zusteht“, sagte James. „Es sei denn, ihr habt noch irgendwelche wertvollen Rohstoffe…“
„Negativ, Captain“, sagte Josephine. „Analyse zeigt keine verwertbaren Rohstoffe im Gebiet der Teekannen.“
„Na schön: Dann rückt das Mädchen raus und reißt euch in Zukunft ein wenig zusammen!“
Auf einmal sprang Jesus aus dem Raumschiff, prallte auf dem Exerzierplatz auf und war erst einmal ziemlich platt. Er gewann wieder ein wenig dritte Dimension und stand auf. Mit einem vorwurfsvollen Blick wandte er sich gen Himmel.
„Du solltest mich retten, bevor ich sterbe! Nicht erst danach, wie letztes Mal!“ Gott gab erneut keine Antwort. Eine seiner zahlreichen unhöflichen Eigenschaften.
Der Erlöser watschelte benommen auf die drei Weltenretter zu, welche vor dem Verhandlungstisch in der Mitte des Lagers standen. General Kamillentee erschien auf der Bildfläche. Jesus unterbreitete ihm einen Vorschlag:
„So, jetzt wandelt eure Strahlenpistolen in Pflugscharen um und dann feiern wir erst einmal eine große Versöhnungsparty!“
„Aber wir brauchen keine Pflugscharen“, stellte der General fest.
„Mein Gott, zeigt mal ein wenig Innovation und schmiedet Kühlschränke daraus, ist mir doch egal!“
„Na schön“, sagte Kamillentee. „War sowieso alles eine ziemlich blöde Idee, wenn man mal näher darüber nachdenkt…“
Die Wächter und der General bedachten Jesus mit einem fragenden Blick.
„Ja, es gibt kostenlose Marmelade auf der Party, Herrgott Sakrament!“
Die Amazonen, ihre Gäste und ein paar Roboter schmückten innerhalb kürzester Zeit das Lager mit gar grandiosen Girlanden und mixten Cocktails, die Jesus mit einer spontanen religiösen Geste weihte. Der Heiland tanzte mit Mary und sang alte Hits wie „Gott ist dein Hirte, Gras deine Wiese“ und „Sei kein Schaf“. Sie feierten den Sieg über Teekannen, die Errettung des Universums, den Triumph halbnackter Frauen und dass John niemals wieder nach Bayern zurückkehren musste.









Terry Pratchett? Ich würde den Stil eher mit Douglas Adams vergleichen… wenn da nicht diese kleine Unschönheit über die Trägheit gewesen wäre. Mit einem Higgs-Dingsbums-Neutralisierer hätte ich noch leben können.
Ansonsten: Jeden zweiten-dritten Absatz Mundwinkel nach oben. Gutes Training vorm Schlafen gehen.
Ist schon älter die Geschichte. Ich behaupte mal, dass ich inzwischen besser geworden bin. Ach, Trägheit. Zu viel Wissenschaft verwirrt nur die armen Menschen.