Finnlands Gefängnisse: Humaner, günstiger, effektiver

"Bitte, Sir, darf ich noch etwas mehr haben?" "Mehr ist nicht da."

"Bitte, Sir, darf ich noch etwas mehr haben?" "Mehr ist nicht da."

Wenn das Strafrecht und die Lebensbedingungen in den Gefängnissen humaner werden, hat das zwar keinen Effekt auf die Kriminalitätsrate, aber es kostet dem Steuerzahler weniger Geld und Gefangene werden mit höherem Erfolg wieder in die Gesellschaft eingegliedert. Zu diesem Ergebnis kommt der kanadische Journalist und Historiker Dan Gardner:

In Finnland sitzen 52 von 100 000 Menschen im Gefängnis. In Kanada sind es doppelt so viele, 119 von 100 000, und mit weitem Abstand folgt die USA mit 702 Gefangenen von 100 000 Einwohnern.

Finnland bietet Gefangenen die Möglichkeit, bei jedem Bildungsgrad zu arbeiten oder zu studieren. Beziehungen mit der Außenwelt werden durch regelmäßige Besuche und Heimurlaube gepflegt. 90 Prozent der Heimurlaube verlaufen ohne auch nur geringe Schwierigkeiten. Die Lebensbedingungen sind nach jedem Standard gut. Im Hameenlinna-Gefängnis leben männliche und weibliche Gefangene zusammen; manchmal verlieben sie sich und heiraten im kleinen Auditorium, das als Gefängniskapelle dient.

Die russische Strafjustiz ist das negative Spiegelbild der finnischen. Die Region Sankt Petersburg hat bei 5,9 Millionen Einwohnern 72 000 Polizeikräfte – die 5 Millionen Einwohner Finnlands bezahlen nur 8500 Polizeikräfte. Russische Kriminelle werden öfter mit Gefängnis bestraft und müssen weitaus längere Zeit einsitzen. Und in den meisten Fällen sind russische Gefangene Bedingungen ausgesetzt, die in Finnland als barbarisch und illegal gelten würden.

Menschen, die wiederholt ernsthafte Gewaltverbrechen begehen und mit hoher Wahrscheinlichkeit rückfällig werden, bleiben so lange Gefangene, wie man sie für eine öffentliche Bedrohung hält. In Finnland gibt es 80 Gefangene dieser Art und sie werden wohl niemals entlassen werden.

„Das Hauptziel (von Gefängnissen) in Finnland ist“, sagt Esko Aaltonen, Direktor des Hemeenlinna-Gefängnisses, „die größten Probleme in den Leben der Gefangenen zu lösen. Wir versuchen uns um diese Probleme zu kümmern, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Gefangenen nach ihrer Entlassung ein Leben ohne Verbrechen führen.“

Im Gegensatz zu den Gefängnissystemen vieler Länder, die am Limit oder über ihrer Kapazität operieren, nutzen Finnlands Gefängnisse nur 2/3 ihres Raumes. Die 70 männlichen und 80 weiblichen Gefängnisinsaßen von Hameenlinna werden durch die 225 Angestellten überboten. In den Gefängnissen von Herrn Salminen behandeln die Angestellten Gefangene nicht mit Zwang und physischer Kontrolle, sondern mit einer Ebene der Bekanntheit, Anteilnahme und Engagement, die nur bei kleinen Gefängnispopulationen möglich ist. Während des Tages sind die Metalltüren der Zellen geöffnet und die Gefangenen können sich frei bewegen.

Das Ziel, sagt Herr Aaltonen, ist, dass „jeder eine enge Verbindung mit jemandem hat – eine Person von Außerhalb, ob es eine Ehefrau oder ein Ehemann ist, ein Sozialarbeiter, Freund, ein Freiwilliger von der Kirche oder vom Roten Kreuz. Es ist sehr wichtig, dass jeder jemanden hat, der auf ihn wartet.“ Falls Gefängnisse diese Beziehungen nicht fördern, sagt Herr Aaltonen, werden freigelassene Verurteilte draußen „von einer Gang oder kriminellen Freunden“ erwartet werden.

Finnlands Wahl, wie es Verbrechen bestraft, hatte nur einen geringen oder keinen Effekt auf die Kriminalitätsrate. Herr Lappi-Seppala bemerkt jedoch, dass einer Schätzung zufolge Finnlands kleinere Gefängnispopulation dem Steuerzahler des Landes 200 Millionen US-Dollar in den letzten 20 Jahren gespart hat.

Einer internationalen Studie zufolge fühlen sich 82% der Finnen sicher, wenn sie nach Anbruch der Dunkelheit alleine in ihrer Nachbarschaft herumlaufen. Dies war das zweithöchste nationale Ergebnis (nach Schweden; sowohl Kanada, als auch die Vereinigten Staaten erzielten nur etwas mehr als 70%, was sie am schlechtesten von den elf untersuchten Ländern abschneiden lässt.)

Veröffentlicht in: on 4. Mai 2009 at 21:47  Hinterlasse einen Kommentar  
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